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Über 50-Jährige auf dem Arbeitsmarkt: warum man handeln muss und wie

Im internationalen Vergleich ist die Beteiligung der über 50-jährigen Arbeitnehmenden am Schweizer Arbeitsmarkt hoch. Aber aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Anteil dieser Altersgruppe an der Erwerbsbevölkerung noch deutlich zunehmen. Der Zeitpunkt für konkretes Handeln ist gekommen, insbesondere um den Fachkräftemangel abzuwenden, dessen Auswirkungen in den nächsten Jahren immer mehr spürbar werden. mehr

Die Erwerbsquote der 50- bis 64-Jährigen betrug 2011 76%, und jene der ab 55-Jährigen lag bei 70%, womit unser Land – im Vergleich der EU-/EFTA-Staaten – den dritten Platz hinter Island und Schweden belegt. Der EU-Durchschnitt beläuft sich auf 49,7%. Dieses gute Abschneiden darf jedoch nicht zur Annahme verleiten, dass alles bestens ist und geringer Handlungsbedarf besteht.
Während 2010 noch 786’000 erwerbstätige Personen im Alter von 55 Jahren oder älter verzeichnet wurden – was 17,5% der Erwerbsbevölkerung entspricht –, dürfte diese Altersgruppe gemäss dem mittleren Szenario der Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2020 über 20% und 2025 22% ausmachen. 1
Da sich bereits heute in vielen Berufen, wie den MINT-Berufen 2 , aber auch anderen Berufen, z.B. im öffentlichen Sektor (Lehrkräfte, SBB), ein Arbeitskräftemangel abzeichnet, ist es sehr wichtig, der demografischen Entwicklung vorzugreifen und dafür zu sorgen, dass ältere Arbeitnehmende sich länger auf dem Arbeitsmarkt halten können. Weitere Gründe, die für eine Förderung der Beschäftigung von ab 50-Jährigen sprechen, liegen darin, dass Sozialversicherungen und Sozialhilfe entlastet werden müssen und dass wir uns nicht zu stark von der manchmal bequemen Lösung, die von der Personenfreizügigkeit geboten wird, abhängig machen dürfen.
Manche Branchen sind stärker von der Alterung ihrer Arbeitskräfte betroffen als andere: Namentlich im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich und im Bildungswesen hat die Zahl der älteren Arbeitnehmenden zwischen 2000 und 2010 bedeutend zugenommen.
Der Arbeitskräftemangel hat zwar dafür gesorgt, dass man sich des Problems bewusst geworden ist und eine Debatte über die Beschäftigung älterer Arbeitnehmender lanciert hat, aber immer noch herrscht die vom Jugendwahn geprägte Vorstellung vor, dass über 50-Jährige weniger leistungsfähig sind. Die Realität ist jedoch viel komplexer, denn alles hängt von den zugewiesenen Aufgaben und den Möglichkeiten zum Stellenwechsel ab. Eine Schubladisierung älterer Arbeitnehmender ist auch deshalb nicht angebracht, weil es individuelle Unterschiede gibt.
Dauer- und Temporärstellenvermittler berichten, dass sich die Lage der über 50-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt in letzter Zeit verschlechtert hat. Einerseits werden sie öfter entlassen, andererseits werden sie auch seltener eingestellt, oder – was noch schlimmer ist – es gilt die stillschweigende Regel, dass keine über 50-Jährigen eingestellt werden dürfen. 3

Rahmenbedingungen verbessern…

Seit einigen Jahren sind sich das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) und das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) bewusst, dass man die Beteiligung älterer Arbeitnehmender angesichts der demografischen Überalterung fördern muss. Aber die bisher getroffenen Massnahmen bleiben zu punktuell und zu bescheiden. So wurden in der Arbeitslosenversicherung die Voraussetzungen für Einarbeitungszuschüsse an über 50-jährige Arbeitslose leicht verbessert. Es werden auch Anstrengungen unternommen, um die Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern. Es wären aber noch weitere Massnahmen nötig, die bisher völlig fehlen, so zum Beispiel die Einführung einer Einstellungspolitik ohne jede Altersdiskriminierung. Es ist zudem sehr wichtig, die Aus- und Weiterbildung von über 50-Jährigen zu fördern. Der Bundesrat und das Parlament beginnen, sich dessen bewusst zu werden, und man darf hoffen, dass die gesetzlichen Grundlagen bald so angepasst werden, dass sie diese Notwendigkeit berücksichtigen.

Das WBF hält in seiner Fachkräfteinitiative fest, dass Frauen und ältere Arbeitnehmende das grösste Potenzial zur Behebung des Mangels bergen. 2009 hätte die Wirtschaft über 420’000 zusätzliche Vollzeitäquivalente verfügt, wenn das Potenzial der Arbeitslosen, der Erwerbslosen und der Teilzeitbeschäftigten zwischen 55 und 64 Jahren voll ausgeschöpft worden wäre. Das Potenzial ist somit vorhanden, aber es müssen konkrete Massnahmen umgesetzt werden, damit man es zumindest teilweise nutzen kann.

… und gute Unternehmenspraktiken verbreiten

Die Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmende genügt jedoch nicht, um die Beschäftigung und die Beschäftigungsfähigkeit der über 50-Jährigen ausreichend zu fördern. Zusätzlich müssen gute Unternehmenspraktiken im Umgang mit dem Alter bekannt gemacht und verbreitet werden. Man muss ja nicht das Rad neu erfinden. Zahlreiche Studien, die in den letzten Jahren in der Schweiz oder im Ausland durchgeführt wurden, zeigen ziemlich klar, welche Massnahmen getroffen werden können. Folgende Beispiele seien hier genannt: flexible Pensionierung, Funktionsentwicklung, Ergonomie und Case Management 50+, Fortbildung, diskriminierungsfreie Einstellungspolitik, Gestaltung der Generationenbeziehungen, Kenntnis der Altersstruktur durch das Unternehmen usw. 4

Bei manchen Firmen zeigt sich der Wille, in dieser Frage voranzukommen, wie beispielsweise die Initiativen gewisser Schweizer Grossunternehmen belegen. Einige haben sich in einem Netzwerk zusammengeschlossen, um ein Generationenmanagement für den wirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten. 5

Die Zuwanderung ist keine Lösung

Es wäre gefährlich zu glauben, dass das Problem der überalterten Erwerbsbevölkerung durch die Zuwanderung oder die Personenfreizügigkeit dauerhaft ausgeglichen werden kann. Die Überalterung der Bevölkerung ist in ganz Europa ein Problem, und manche Länder sehen sich allmählich vor eine demografische Entwicklung gestellt, die noch ungünstiger verläuft als in der Schweiz, so zum Beispiel Deutschland. Gerade dieses Land ist in den letzten Jahren ein wichtiger Fachkräftelieferant für die Schweizer Wirtschaft geworden. Nun unternimmt Deutschland aber immer mehr Anstrengungen, um die in die Schweiz abgewanderten Arbeitskräfte zurückzuholen, beispielsweise durch bedeutende finanzielle Anreize. Daraus lässt sich schliessen, dass eine optimale Nutzung des Potenzials der einheimischen Arbeitskräfte eine ganz wichtige Strategie ist, um die Erwerbstätigenquote und damit den Wohlstand unseres Landes zu erhalten. Eine höhere Wertschätzung der älteren Arbeitnehmenden ist ein bedeutender Teil dieser Strategie.


Travail.Suisse-Projekt zu älteren Arbeitnehmenden mit ungarischen Partnern

Im Rahmen des Schweizer Erweiterungsbeitrags an die neuen Mitgliedstaaten der EU erhielt Travail.Suisse die Finanzierung für ein Zusammenarbeitsprojekt mit dem Titel «Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender. Erfahrungen in der Schweiz und vorgeschlagene Massnahmen in Ungarn» zugesprochen.
In Ungarn weisen die über 50-Jährigen eine der tiefsten Erwerbsquoten in Europa auf, während in der Schweiz genau das Gegenteil der Fall ist. Deshalb möchten die ungarischen Projektpartner (ungarischer Unternehmensberaterverband (MOSz) und ungarische Unternehmer- und Arbeitgebervereinigung) mehr über die Lage der älteren Arbeitnehmenden auf dem Schweizer Arbeitsmarkt erfahren.
Ein Teil des Projekts besteht aus einer Studienreise in der Schweiz, die vom 25. bis 30. November 2012 von Travail.Suisse für Vertreter der beiden ungarischen Partner organisiert wird. Dabei werden die Partner Schweizer Unternehmen mit guten Lösungen für ältere Arbeitnehmende sowie Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen und andere von dieser Problematik betroffene Institutionen aufsuchen. In einem zweiten Schritt findet ein Workshop in Ungarn statt, an dem die in der Schweiz gesammelten Erfahrungen sowie die Praxis in Ungarn einbezogen und kommentiert werden.
Auf dieser Grundlage wird eine Publikation mit Empfehlungen erarbeitet, die an regionalen Seminaren in Ungarn weitergegeben werden. Das Ziel ist, die bestehenden guten Praktiken in den verschiedenen Regionen Ungarns zu verbreiten. Mit diesem Projekt bringen wir gleichzeitig mehr über die Lage der älteren Arbeitnehmenden in der Schweiz in Erfahrung und können Sensibilisierungsarbeit leisten, um die Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmenden auch in unserem Land zu fördern.


1 Newsletter Demos, Nr. 2, Mai 2012, Bundesamt für Statistik
2 Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik
3 NZZ am Sonntag, „Kein Job, keine Rente“, S. 25, 30. Juni 2013
4 z.B. Studien zu aktivem Altern im Betrieb. Kurzfassungen. 27 S., 2009. Gesundheitsförderung Schweiz; Altersstrategie. 61 S. 2006. Schweizerischer Arbeitgeberverband; A guide to good practice in age management. 48 S. 2006. European Foundation for the Improvment of living and Working Conditions.
5 www.demographieforum.ch; www.demographie-netzwerk.ch

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Ueber 50jährige auf dem Arbeitsmarkt.docx 25 KB

14. Oktober 2013, Denis Torche, Leiter internationale Politik Drucker-icon

Sieben Initiativen für die
bald hundertjährige Internationale Arbeitsorganisation (IAO)

Im Rahmen der Internationalen Arbeitskonferenz hat der neue Generaldirektor der Organisation, Guy Ryder, die Teilnehmenden eingeladen, sich Gedanken über den Arbeitsplatz der Zukunft «in unserem Leben und unserer Gesellschaft» zu machen. Die Konferenz befasste sich zudem erstmals mit dem Thema «grüne Arbeitsplätze», das angesichts der ökologischen Herausforderungen klar an Bedeutung gewinnt. Die Kommission für die Einhaltung der Arbeitsnormen konnte nach einer Blockade im vergangenen Jahr erfreulicherweise wieder Fälle von Ländern prüfen, die sich nicht an die internationalen Arbeitsübereinkommen halten. Schliesslich verabschiedete die Schweiz parallel zur Konferenz mit den Sozialpartnern eine nationale Strategie für ihr Engagement in der IAO. mehr

Wird die Zahl 7 der IAO und den Arbeitnehmenden Glück bringen? Es ist zu hoffen. Guy Ryder, Generaldirektor der IAO, richtet den Blick jedenfalls in die Zukunft und hat deshalb zum hundertjährigen Bestehen der IAO im Jahr 2019 sieben Initiativen angekündigt. Diese betreffen die Themen Gouvernanz, Arbeitsnormen, Unternehmen, grüne Arbeitsplätze, Armut, Frauen und die Arbeit der Zukunft. Die Initiativen sollen die Rolle der IAO stärken und der Arbeit wieder mehr Gewicht verleihen – in einer globalisierten Wirtschaft, die mehr Reichtum, aber auch grössere Ungleichheiten und einen Trend zu prekären Arbeitsverhältnissen bringt.

An der Konferenz wurden mehrere Resolutionen verabschiedet:

Eine Resolution, welche die IAO einlädt, die Beschäftigung und den sozialen Schutz mit dem Ziel zu fördern, die demografischen Herausforderungen zu bewältigen. Es ist unabdingbar, die Beschäftigungsquote zu erhöhen, um den Bedarf an sozialem Schutz und wirtschaftlicher Entwicklung zu decken.

Das rückläufige Angebot an Arbeitskräften aufgrund der alternden Bevölkerung verlangt nach Massnahmen zur Produktivitätssteigerung in Bereichen wie lebenslanges Lernen, Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder Bekämpfung altersbedingter Diskriminierungen. Zum Beispiel sollten die Alterslimiten für den Eintritt in eine Lehre oder Grundausbildung aufgehoben werden. Travail.Suisse fordert dies auch in der Schweiz.

Eine Resolution zur Diskussion über den sozialen Dialog. Die IAO erachtet diesen in Kombination mit dem Tripartismus als das vielversprechendste Modell für soziale Gerechtigkeit, faire Arbeitsverhältnisse und menschenwürdige Arbeit. Zur Förderung des sozialen Dialogs ist ein Aktionsplan vorgesehen.

Grundlage des sozialen Dialogs ist die Achtung der Gewerkschaftsfreiheit und die Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen in der Praxis. Diese Rechte gelten für alle Arbeitnehmenden, alle Branchen und sämtliche Arbeitsverhältnisse, auch im öffentlichen Sektor, in der informellen Wirtschaft, in der ländlichen Wirtschaft, in Freihandelszonen, für Mikrofirmen und KMU sowie für Hauspersonal und die Migrationsbevölkerung. Mit der Wirtschaftskrise und den Reformen, die gewisse Länder mit Folgen sowohl für den öffentlichen Sektor als auch für die Privatwirtschaft eingeleitet haben, wurden die Anwendungsbereiche des sozialen Dialogs eingeschränkt, die Mechanismen für Kollektivverhandlungen geschwächt und die Unabhängigkeit der Sozialpartner beeinträchtigt.

Eine Resolution für eine nachhaltige Entwicklung, menschenwürdige Arbeit und grüne Arbeitsplätze. Die Schlussfolgerungen dieser Resolution müssen bei künftigen Programmen der IAO berücksichtigt werden. Eine nachhaltige Entwicklung etwa setzt eine aktive Beteiligung der Arbeitswelt voraus. Nettogewinne in der Gesamtbeschäftigung sind möglich durch Investitionen in Produktion und Konsum, die ökologisch nachhaltig sind.

Notwendig sind aber auch Überlegungen dazu, wie im Rahmen eines gerechten Übergangsprozesses Arbeitnehmende umgeschult und weitergebildet werden können, die ihre Arbeit aufgrund des Stellenabbaus in umweltbelastenden Branchen oder Sektoren verlieren.

Die Kommission für die Einhaltung der Arbeitsnormen konnte 25 Länder prüfen, die ihre Pflichten bei der Anwendung der Arbeitsrechte missachten, häufig in schwerwiegender Weise. Im vergangenen Jahr wurde dies dadurch verunmöglicht, dass die Arbeitgebergruppe insbesondere die Auslegung des Übereinkommens Nr. 87 zur Gewerkschaftsfreiheit und das daraus implizit folgende Streikrecht ablehnte. Die Grundsatzfragen sind nach wie vor nicht geregelt, es besteht jedoch der Wille, diese zu lösen.

Neben den Verstössen gegen die internationalen Arbeitsübereinkommen bespricht die Kommission für die Einhaltung der Arbeitsnormen jedes Jahr eine Übersichtsstudie zu einem ausgewählten Thema. In diesem Jahr ging es um die Frage der Kollektivverhandlungen im öffentlichen Sektor. Diese ist geregelt durch das Übereinkommen Nr. 151 über die Beschäftigungsbedingungen im öffentlichen Dienst von 1978 und das Übereinkommen Nr. 154 über Kollektivverhandlungen von 1981. Die Übersichtsstudie kommt zum Schluss, dass Arbeitnehmende im öffentlichen Sektor das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit und Kollektivverhandlungen häufig nicht ohne Schwierigkeiten wahrnehmen können. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Arbeitsbedingungen markant verändert und dazu geführt, dass in vielen Ländern kaum mehr Unterschiede zwischen Arbeitnehmenden im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft bestehen.

Eine Strategie der Schweiz für die IAO

Im Zusammenhang mit der Internationalen Arbeitskonferenz ist zu begrüssen, dass die Schweiz in der IAO aktiver werden möchte. Aus diesem Grund hat die Tripartite eidgenössische Kommission für Angelegenheiten der IAO, in der Travail.Suisse vertreten ist, eine entsprechende Strategie 1 erarbeitet.

Diese Strategie stützt sich auf drei Schwerpunkte: das Engagement zur Stärkung der IAO, die glaubwürdige Anwendung und Förderung der IAO-Normen in der Schweiz und die weltweite Förderung menschenwürdiger Arbeit. In einer Welt, in der eine zunehmend internationalisierte Wirtschaft soziale, arbeitsrechtliche und ökologische Ziele in den Hintergrund drängt, ist jede Stärkung der IAO zu begrüssen – es ist die einzige weltweit aktive tripartite Organisation (Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmende), die sich um Arbeitsfragen kümmert.

1 Für soziale Gerechtigkeit: Das Engagement der Schweiz in der Internationalen Arbeitsorganisation. SECO

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26. August 2013, Denis Torche, Leiter internationale Politik Drucker-icon

Win-win-Situationen schaffen

Brücke • Le pont, das Hilfswerk von Travail.Suisse und KAB, hilft armen Familien in Togo und Benin aus der Armut. Das Zauberwort heisst Zusammenarbeit. mehr

Wenn Menschen zusammenarbeiten, kommt meist mehr heraus, als wenn sie gegeneinander schaffen. Darum fördert Brücke • Le pont in Togo und Benin landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten.

Konkurrenten werden Partner

Kleinbäuerinnen und -bauern und HändlerInnen begegnen sich für gewöhnlich mit Argwohn. Jede Seite sucht ihren Vorteil und so kommt es nicht selten zu Betrügereien. Das hemmt die Geschäfte für beide Seiten. In den Projekten von Brücke • Le pont hat sich dies in den letzten Jahren stark geändert. Durch einen längeren Lernprozess haben die verschiedenen Parteien gelernt, dass sich die Zusammenarbeit für alle lohnt. Voraussetzung dafür sind Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

Sich am Markt orientieren

Für den Erfolg ausschlaggebend ist auch, dass die Bäuerinnen und Bauern das produzieren, was die Leute brauchen und kaufen, sonst bleiben sie auf den Waren sitzen. Ein erster Schritt der Zusammenarbeit ist, dass die ProduzentInnen die Verkäuferinnen auf den Märkten und die Grossabnehmer z.B. Restaurantbesitzer konsultieren, um zu erfahren, welche Produkte in welcher Qualität gefragt sind. Durch Absprachen sichern sich die ProduzentInnen eine stete Abnahme ihrer Waren und die HändlerInnen erhalten regelmässige Lieferungen von qualitativ guten Produkten.

Verarbeitung schafft Mehrwert

Die Käuferschaft wünscht immer mehr verarbeitete Produkte: gedämpften Reis, Maniok-Mehl, qualitativ gutes Öl, Soja-Produkte, proportioniertes Fleisch, Brot mit lokalem Getreide, konservierte Tomaten usw. Also verarbeiten die Bauern ihre Rohprodukte selber oder in Zusammenarbeit mit anderen Personen. Das gibt mehr Leuten Arbeit und schafft zusätzlichen Mehrwert. Auch Bio-Produkte finden mehr und mehr Anklang. Die ökologische Produktion schont nicht nur die Böden und fördert die Gesundheit, sie bietet auch mehr Leuten Arbeit und Verdienst.

Höhere Einkommen vermindern Kinderarbeit

Wenn die Eltern mehr verdienen, müssen die Kinder weniger zum Familieneinkommen beitragen. In armen Familien arbeiten die Kinder oft übermässig und sehr hart. Viele können aus Zeit- und Geldmangel nicht zur Schule gehen. Manche arme Eltern treten sogar eines oder mehrere Kinder an fremde Familien ab, sogar bis nach Nigeria, in der Hoffnung, ihren Kindern gehe es dort besser. Aber viele Kinder geraten in Kindersklaverei und müssen in Plantagen oder Werkstätten oder auf dem Bau hart arbeiten. Solche Tragödien können vermieden werden, wenn die Eltern Arbeit und einen anständigen Verdienst haben. Dann sind sie in der Lage, die Kinder bei sich zu behalten und ihnen das Nötig zum Leben zu geben: Nahrung, Kleidung, Bildung, Gesundheit und auch das gute Beispiel von arbeitsamen Eltern.

Behörden in Pflicht nehmen

Eine Studie über die Entwicklung des Agrar- und Lebensmittelsektors in Togo und Benin ergab folgendes: In beiden Ländern gibt es Gesetze und Verordnungen, die den lokalen Agrarbereich fördern sollten, aber sie werden kaum umgesetzt. Die Partnerorganisationen von Brücke • Le pont werden sich darum bei den zuständigen Behörden vermehrt dafür einsetzen, dass die Gesetze zur Anwendung kommen und die lokale Landwirtschaft gestärkt wird. Das wird die Ernährungssicherheit erhöhen und kommt schliesslich der gesamten Bevölkerung zugute.

Helfen Sie mit einer Spende, die Kleinbauernfamilien zu fördern und die Ernährung zu sichern. PC 90-13318-2. Weitere Informationen: www.bruecke-lepont.ch

Werden Sie Patin oder Pate!
Begleiten Sie benachteiligte Menschen auf dem Weg aus der Armut! Brücke Le pont bietet Ihnen drei Themen-Patenschaften an: 1) Berufsbildung für junge Leute aus armen Verhältnissen, 2) Einkommen und Ernährung für arme Familien, 3) Rechte und faire Löhne für Arbeitende. Mit 1 Franken pro Tag sind Sie Pate oder Patin. Information: 026 425 51 53, www.bruecke-lepont.ch

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PD Brücke - Win-win-Situationen schaffen.doc 5079 KB

26. August 2013, José Balmer, Brücke-Le pont Drucker-icon

Brücke • Le pont: Stopp der missbräuchlichen Kinderarbeit!

Millionen von Kindern arbeiten, werden missbraucht und prostituieren sich, um zu überleben. Brücke • Lepont unterstützt die Eltern, damit sie mehr verdienen und selber für ihre Kinder sorgen können. mehr

In Afrika verkaufen manche arme Familien eines oder mehrere Kinder an wohlhabende Familien, in der Hoffnung, es werde dort den Kindern besser gehen. Auf viele warten aber Kinderarbeit und Prostitution. Laut Angaben von UNICEF arbeiten heute 190 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren in der Landwirtschaft, in Werkstätten, im Strassenverkauf, auf dem Bau, als Dienstmädchen, Kuriere und überall, wo man sie billig einsetzen kann. Viele werden wie Sklaven behandelt.

Die Armut der Familien bekämpfen

Das traurige Schicksal vieler Kinder bewegt manche Spenderin und Spender, den Kindern direkt zu helfen. Das zieht aber oft negative Konsequenzen mit sich. Brücke • Le pont geht darum einen anderen Weg und unterstützt die Eltern. Sie verbessern ihre beruflichen Fähigkeiten und Arbeitsmethoden und erhöhen ihre Einkommen. So lernen z.B. in Togo und Benin Kleinbauernfamilien, ihre Produktion auf die Nachfrage auf dem Markt auszurichten, ihre Rohprodukte zu verarbeiten und mit Mehrwert zu verkaufen. Sie bauen Reis, Soja und Gemüse an, züchten Poulets und Kaninchen und vermarkten sie gemeinsam und in Absprache mit den Händlerinnen. Mit dem höheren Einkommen können sie ihre Kinder bei sich behalten und ihnen geben, was sie brauchen. Ein Grossteil des elterlichen Verdienstes kommt direkt den Kindern zugute: Die Ernährung wird besser; mehr Kinder gehen in die Schule, auch länger; sie bekommen eine bessere Gesundheitspflege usw.

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Kinderhandel verhindern

Herr Assogba aus Süd-Benin erzählt: „Meine Schwester hat ihre 8-jährige Tochter einer Cousine überlassen und seit 8 Monaten nichts von ihr gehört, nun macht sie sich grosse Sorgen. Ich hingegen kann meine vier Kinder selber grossziehen. Mit meiner Arbeit und der Hühnerzucht verdiene ich genug für die Familie.“ Herr Assogba beteiligt sich an einem Projekt von Brücke • Le pont, in dem er lernt, seine Hühnerzucht und den Verkauf zu verbessern.

Gutes Beispiel für die Kinder

Die Unterstützung der Eltern ist nicht nur in ökonomischer, sondern auch in pädagogischer und psychologischer Hinsicht das Beste für die Kinder. Mit einer einträglichen Arbeit können die Eltern ihren Kindern Vorbild sein und das Beispiel von arbeitsamen und verantwortungsbewussten Menschen geben. Für die Persönlichkeitsbildung der Kinder ist dies von allergrösster Bedeutung, denn Kinder lernen die wichtigsten Dinge des Lebens – Vertrauen, Verantwortung, Grosszügigkeit – meist von ihren Eltern. Zudem knüpfen die Eltern über ihre Arbeit gute Beziehungen im Dorf oder Quartier. Die Kinder werden Teil dieses sozialen Netzes, das sie mitträgt und positiv beeinflusst. Eltern ohne Arbeit könnten dies ihren Kindern niemals bieten, im Gegenteil, in arbeitslosen Familien greifen Sucht und Kriminalität um sich.

Ursachen bekämpfen

Die Gründe, warum Kinder in Not geraten oder in Armut aufwachsen, sind meist in strukturellen Missständen zu finden: in unmenschlichen Arbeitsbedingungen, unfairen Löhnen, Arbeitslosigkeit, Vertreibungen, Korruption, Kriegen usw. Das Leiden von Kindern wird nicht aufhören, solange Ungerechtigkeit die Welt regiert. Darum braucht es neue, gerechtere Beziehungen und Strukturen auf globaler Ebene – politisch, mit Ihrer Stimme.

Rascher und sehr gezielt hilft Ihre Spende für unsere Projekte, in denen Eltern ihre Arbeit verbessern und so selber für ihre Kinder sorgen und ihnen das Nötige zum Leben geben können. Herzlichen Dank.

Informationen über Brücke • Le pont: Tel. 026 425 51 51 und www.bruecke-lepont.ch

Einladung zur Delegiertenversammlung

Die DV 2013 findet am Donnerstag, 2. Mai von 15 bis 18 Uhr im Alten Bürgerspital an der Rue de l’Hôpital 1 in Freiburg statt, mit Apero. Der thematische Teil ist dem Entwicklungsprogramm Brasilien gewidmet. Sie sind herzlich eingeladen!

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PD Stopp der missbräuchlichen Kinderarbeit.doc 2997 KB

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25. März 2013, José Balmer, Brücke-Le pont Drucker-icon

Rio+20: «grünes Wachstum» reicht bei Weitem nicht!

Ende Juni wird in Rio de Janeiro in Brasilien die UNO-Konferenz «Rio+20» stattfinden. Das «grüne Wachstum» ist derzeit in aller Munde, es sollten davon aber keine Wunder erwartet werden. Genau 20 Jahre nach dem Gipfel von Rio braucht es für Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung mehr denn je einen gerechten Wandel und menschenwürdige Arbeit. mehr

1992 wurde am Erdgipfel in Rio die Agenda 21 verabschiedet. Dieses Aktionsprogramm gilt als wichtigste Orientierungshilfe auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung1. Eine Bilanz 20 Jahre nach dem Gipfel zeigt jedoch, dass dieser Paradigmenwechsel nicht die erwartete Wirkung brachte: Noch immer ist die Menschheit daran, die Erde zu zerstören, und die Ungleichheiten sind eklatanter denn je. Die reichen Länder fordern weiterhin den Abbau der Zollschranken und der Industriesubventionen in den Entwicklungsländern, während sie nach wie vor ihre Landwirtschaft massiv subventionieren und Fortschritte beispielsweise bei den Medikamenten nicht in den Dienst der gesamten Menschheit stellen.

In diesem wenig erfreulichen Kontext tritt zunehmend ein neues Konzept an die Stelle der nachhaltigen Entwicklung: das «grüne Wachstum». Dieses neue Patentrezept soll Umweltschutz unter einen Hut bringen mit… Wachstum!

Die Grenzen der Erde

Damit «grünes Wachstum» mit den Grenzen des Ökosystems vereinbar ist, müssten die reichen Länder ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf einen Fünftel reduzieren, die Biodiversität erhalten und deutlich weniger fossile Energieträger und Wasser verbrauchen.

Mit «grünem Wachstum» allein sind diese Ziele nicht erreichbar. Um die CO2-Emissionen auf einen Fünftel des heutigen Ausstosses zu reduzieren, müsste zum Beispiel ein Land wie Frankreich seine Emissionen während 40 Jahren um jährlich 4 Prozent senken. Das wäre pro Jahr so viel, wie in den vergangenen zehn Jahren insgesamt eingespart wurde, wenn das Kriterium der im Land erzeugten Emissionen herangezogen wird. Schon ohne Wachstum wäre dies schwierig. Bei einem Wachstum von 2 Prozent pro Jahr jedoch müssten die Emissionen um 6 Prozent jährlich gesenkt werden2. Mit anderen Worten: Grünes Wachstum allein ist kein Garant für Nachhaltigkeit.

Vernachlässigte soziale Dimension

Zudem fehlt beim Konzept der «Green Economy» eine grundlegende Dimension der nachhaltigen Entwicklung: Gerechtigkeit. Überall in der Welt nehmen die Ungleichheiten zu. Eine aktuelle Studie3 der OECD bestätigt, dass die Kluft zwischen Reich und Arm in den 34 OECD-Mitgliedsländern derzeit so gross ist wie seit 30 Jahren nicht mehr. Heute verfügen die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung über ein 9-mal höheres Durchschnittseinkommen als die ärmsten 10 Prozent. Die Schere hat sich dabei auch in Ländern mit traditionell geringeren sozialen Unterschieden wie Deutschland, Dänemark oder Schweden geöffnet: das Verhältnis ist von 5:1 in 80er-Jahren auf heute 6:1 gestiegen.

Deshalb muss die Schlusserklärung der «Rio+20»-Konferenz auch Themen wie Umverteilung, faire Arbeitsbedingungen im Sinne der Agenda für menschenwürdige Arbeit der IAO und Chancengleichheit berücksichtigen.

In diese Richtung sollte auch das Verhandlungsmandat der Schweiz gehen. Bisher fehlen jedoch soziale Aspekte. Unser Land konzentriert sich auf den Ansatz der Green Economy und vergisst die soziale Dimension. Travail.Suisse verlangt von der Schweiz, dass sie die Bestimmungen zu einem «gerechten Wandel für die Erwerbstätigen durch die Schaffung menschenwürdiger Arbeit und hochwertiger Arbeitsplätze» aufnimmt, die für die Beschlüsse der UNO bei den Klimaverhandlungen in Cancun (2010) und Durban (2011) präsentiert wurden.

Konkret bedeutet dies:

- Beteiligung der Arbeitnehmenden an der Bewältigung des wirtschaftlichen Wandels, an Unternehmensrestrukturierungen und an Weiterbildungsprogrammen, da der Klimawandel und die unumgängliche massive Reduktion der Treibhausgase weitreichende Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung haben werden.

- Einhaltung des Arbeitsrechts und der übrigen Menschenrechte zur Gewährleistung eines solchen gerechten Wandels.

- Ein Sockel an sozialem Schutz zur Gewährleistung der sozialen Gerechtigkeit und eine faire Globalisierung im Sinne der Empfehlung, die in der Internationalen Arbeitskonferenz diskutiert wird.

Zur Umsetzung eines solchen Programms für eine nachhaltige Entwicklung braucht es finanzielle Mittel. Deshalb verlangen wir auch, dass die Möglichkeit einer Gebühr für internationale Finanztransaktionen ernsthaft geprüft wird. Denn die Deregulierung der Finanzmärkte war für die globale Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 verantwortlich, deren Folgen heute noch spürbar sind, insbesondere in Spanien. Eine solche Steuer wäre das Sandkorn ins Räderwerk der internationalen Finanzwelt, das es braucht, um Spekulationen Einhalt zu gebieten und gleichzeitig Ressourcen zur Finanzierung einer nachhaltigeren, gerechteren Welt freizumachen.

1Unter einer nachhaltigen Entwicklung wird eine Entwicklung verstanden, die den Bedürfnissen der jetzigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Sie beinhaltet eine soziale, eine ökologische und eine wirtschaftliche Dimension, die voneinander abhängig sind.

2Thomas Coutrot und Jean Gadrey, «Green growth is called into question», ETUI Policy Brief. European Economic, Employment and Social Policy, Nr. 3/2012.

3OECD. 2011. Divided We Stand: Why Inequality Keeps Rising: 400 Seiten, 2011. Paris

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PD Grünes Wachstum reicht bei Weitem nicht.doc 110 KB

04. Juni 2012, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon

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