Themen – Weitere Schwerpunkte – International

Es ist Zeit, den Sparkurs zu beenden
und die Wirtschaft und Beschäftigung anzukurbeln

Ende September findet in Paris der Kongress des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB) statt, der alle vier Jahre abgehalten wird. Themen sind eine gerechte Gesellschaft, qualitativ gute Arbeitsplätze und die Rechte der Arbeitnehmenden. Der EGB wird ein Manifest und ein Aktionsprogramm für die kommenden vier Jahre verabschieden. Ausserdem wird der Kongress Gelegenheit bieten, darüber zu diskutieren, welchen Auftrag die europäische Gewerkschaftsdachorganisation hat und mit welchen Mitteln und Methoden sie ihren Einfluss bei den europäischen Institutionen stärken kann. mehr

Der letzte Kongress des EGB fand im Mai 2011 in Athen statt und stand im Zeichen der Mobilisierung gegen die Sparpolitik und für ein soziales Europa. Leider ist nach vier Jahren festzustellen, dass sich die soziale und wirtschaftliche Lage in Europa keineswegs günstig entwickelt hat: Der Kontinent hat gerade erst auf einen Wachstumspfad zurück gefunden, und dieser ist unsicher und vor allem nicht steil genug, um die Arbeitslosigkeit wesentlich zu reduzieren.

Die Zahlen untermauern dies: Die Arbeitslosenquote erreichte 2013 mit 26,6 Millionen Personen ein Rekordniveau; 5,6 Millionen davon waren weniger als 25 Jahre alt. Griechenland und Spanien sehen sich mit Arbeitslosenraten von gegen 25 Prozent konfrontiert. Zugenommen haben auch Phänomene wie Working Poor, unfreiwillige Teilzeitarbeit, Unterbeschäftigung und prekäre Arbeitsverhältnisse sowie die Ungleichheiten innerhalb und zwischen nationalen Arbeitsmärkten. Überdurchschnittlich stark von der Krise und deren Folgen betroffen sind weiterhin Frauen, Jugendliche, ausländische Arbeitskräfte, Behinderte und besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen. 1

Ein Aktionsprogramm mit drei Pfeilern

In diesem äusserst schwierigen Umfeld plant der EGB, an seinem Kongress ein auf drei Pfeilern beruhendes Aktionsprogramm zu verabschieden, um mehr Einfluss auf die europäischen Institutionen nehmen zu können. Das Ziel des ersten Pfeilers ist eine starke Wirtschaft, die im Dienste der Bevölkerung steht. Der EGB verlangt dazu ein lohnbasiertes Impulsprogramm und ein 10-jähriges Investitionsprogramm im Umfang von 2 Prozent des BIP, um qualitativ gute Arbeitsplätze zu schaffen. Ein hoher Stellenwert wird dabei grünen Stellen eingeräumt, da die Entwicklung von nachhaltigen Energiesystemen immer dringender wird.

Der Kongress des EGB findet am gleichen Ort statt wie im Dezember 2015 die UNO-Klimakonferenz. Der Europäische Gewerkschaftsbund engagiert sich für eine Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2030, aber auch für eine gerechte Übergangsphase. Denn der Kampf gegen die Klimaerwärmung kann gewisse Wirtschaftsbranchen in Schwierigkeiten bringen. Arbeitnehmende, die ihre Stelle verlieren, sind deshalb durch Ausbildungs- oder berufliche Umschulungsmassnahmen zu unterstützen.

Der zweite Pfeiler will stärkere Gewerkschaften, welche die demokratischen Werte und die Demokratie am Arbeitsplatz verteidigen. Hier geht es darum, die Systeme der Kollektivverhandlung zu stärken, denn diese wurden durch die Krise geschwächt. Der EGB lehnt jegliche Einmischung der Behörden in den Sozialdialog ab. Auch das Streikrecht ist zu respektieren, und es braucht auf Verlangen der Gewerkschaften gesetzliche Mindestlöhne, die in Absprache mit den Sozialpartnern festzulegen sind.

Ziel des dritten Pfeilers ist ein Sockel von ehrgeizigen Sozialstandards. Hauptelement dieses Pfeilers ist die Forderung nach einem Protokoll, das die EU-Verträge ergänzt und Europa soziale Fortschritte bringt, indem es Sozialdumping verhindert und bekräftigt, dass die Grundrechte Vorrang vor den Wirtschaftsfreiheiten haben. Die Richtlinie zur Entsendung von Arbeitnehmenden muss so revidiert werden, dass das Gleichbehandlungsprinzip – d.h. gleicher Lohn am gleichen Arbeitsort – gewährleistet ist. Der EGB unterstützt den freien Personenverkehr im Sinne der Gleichbehandlung, betont aber, dass die Arbeitgeber diesen nicht instrumentalisieren dürfen, um die nationalen Normen herabzusetzen und mehr prekäre Stellen zu schaffen.

EGB muss proaktiver und offensiver werden

In den vier Jahren seit 2011 war der EGB eher in der Defensive und eher am Reagieren als offensiv und proaktiv. Der Grund dafür lag darin, dass das schwierige Wirtschaftsumfeld und vor allem der Sparkurs nur wenig Spielraum liessen. Das Dokument zur Rolle des EGB im Rahmen des Mandats 2015-2019, das ebenfalls Thema am Kongress von Paris sein wird, bezweckt eine Neuausrichtung mit einem proaktiveren EGB, der in der Lage ist, mehr Einfluss auf die Agenda Europas zu nehmen. Falls der Aufschwung in Europa anhält, wird sich der EGB in einem günstigeren Kontext weiterentwickeln können. Wichtig ist aber auch, dass die nationalen Gewerkschaften ihren Mitgliederschwund bremsen. Einen starken EGB kann es nur geben, wenn die Branchenverbände und die nationalen Gewerkschaften, aus denen er besteht, ebenfalls stark sind.

Mit Hollande und Juncker

Eröffnet wird der Kongress mit Beiträgen von François Hollande, Präsident der Französischen Republik, Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, und Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments. Die Teilnahme dieser hochrangigen europäischen Persönlichkeiten zeigt, dass dem EGB im europäischen Aufbauprozess eine gewichtige Rolle zuteilwird. Es ist zu hoffen, dass diese Beiträge dem EGB zusätzliche Impulse verleihen, sodass er seinen Auftrag für ein sozialeres, gerechteres Europa umsetzen kann, das den Anliegen der Arbeitnehmenden in ganz Europa Rechnung trägt.

1 EGB – Tätigkeitsbericht 2011-2015 (Rapport d’activités 2011-2015, S. 20)

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) in Kürze

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) wurde 1973 gegründet und besteht aus 90 nationalen Gewerkschaften aus 39 europäischen Ländern und 10 europäischen Gewerkschaftsverbänden. Das Hauptziel des EGB besteht darin, den Arbeitnehmenden in Europa eine Stimme zu geben, in erster Linie bei der Europäischen Union. Der EGB engagiert sich in Form von Lobbying bei europäischen Institutionen, insbesondere bei der Europäischen Kommission und beim Europäischen Parlament, und nimmt Stellung zu den meisten europäischen Gesetzen, die im engeren oder weiteren Sinn die Interessen der Arbeitnehmenden in Europa betreffen.

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28. September 2015, Denis Torche, Leiter Internationale Politik Drucker-icon

Internationale Arbeitskonferenz 2015: menschenwürdige Arbeit nach wie vor im Fokus

Die Internationale Arbeitskonferenz, die jedes Jahr Anfang Juni in Genf tagt, ist eben zu Ende gegangen. Als Erfolge zu verbuchen sind dieses Jahr die Annahme einer Empfehlung zur Überführung informeller zur formeller Wirtschaft, die Schaffung von menschenwürdigen und produktiven Arbeitsplätzen in kleineren und mittleren Unternehmen und die Arbeit der Kommission für die Anwendung der Normen, mit besonderer Berücksichtigung der Beschäftigten der Landwirtschaft. mehr

Die informelle Wirtschaft umfasst sämtliche wirtschaftlichen Tätigkeiten der Arbeitnehmenden, die weder per Gesetz noch in der Praxis bestimmten Vorschriften unterliegen – so beispielsweise die Bereiche Gesundheit, Sicherheit am Arbeitsplatz oder sozialer Schutz. Schätzungen zufolge geht mehr als die Hälfte der Beschäftigten weltweit einer informellen Beschäftigung nach, was angesichts des Bestrebens nach menschenwürdiger Arbeit eine enorme Herausforderung darstellt: Die Arbeitnehmenden haben keinen Zugang zu den grundlegenden Prinzipien und Rechten im Bereich der Arbeit sowie zum sozialen Schutz. All dies wirkt sich negativ auf die Entwicklung von nachhaltigen Unternehmen aus. Gemäss Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind 90% der Unternehmen, die zwischen 10 und 250 Personen beschäftigen, im informellen Sektor angesiedelt.

Verabschiedung einer Empfehlung zum Übergang der informellen zur formellen Wirtschaft

Die meisten Personen arbeiten nicht freiwillig in der informellen Wirtschaft. Vielmehr fehlt Ihnen der Zugang zu einer formellen Beschäftigung. Durch die Verabschiedung der Empfehlung, die als internationale Arbeitsnorm einzustufen ist, wird der Übergang von der informellen hin zur formellen Wirtschaft erleichtert. Die Empfehlung sieht Strategien für die Schaffung von qualitativ guten Arbeitsplätzen und das Wachstum des formellen Sektors vor. Sie bietet ein internationales Rahmenwerk, das auch die Anwendung der Grundrechte an der Arbeit, den sozialen Dialog, die Gleichstellung, das Unternehmertum, die Qualifikationen und das Management, den Zugang zu Krediten und zum Markt sowie die Ausdehnung des sozialen Schutzes umfasst.

Die Verabschiedung der Empfehlung zum Thema informelle Wirtschaft hat zum Zweck, Hunderten Millionen Beschäftigten den Weg aus der informellen Wirtschaft zu ebnen und ihnen den Zugang zu einer formellen Beschäftigung zu erleichtern. Das Wichtigste sei die Umsetzung der Empfehlung, betonte Guy Ryder, Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Verbesserung der Qualität der Arbeitsplätze und der Produktivität der KMU

Die Schweizer Regierung hat sich – in einem Land, in dem das Thema aufgrund seiner wirtschaftlichen Struktur besonders interessiert – in der Kommission zum Thema KMU für die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze stark eingesetzt. Denn die Schweizer KMU (bis zu 250 Beschäftigte) stellen knapp 99 Prozent der Unternehmen und rund zwei Drittel der Stellen dar. In unserem Land wurde der Akzent auf die Debatten über den Zugang zu Krediten, Finanzierung, administrative Erleichterungen zugunsten der KMU und die wichtige Stellung der Sozialpartnerschaft gelegt. Dies ist sicher notwendig, aber man darf dabei andere wesentliche Aspekte nicht vergessen, so die Arbeits- und Lohnbedingungen sowie die gewerkschaftliche Vertretung der Kleinunternehmen. Der Bericht des IAA 1 , der als Grundlage für die Debatten diente, hebt hervor, dass in den Kleinunternehmen der soziale Dialog, die Produktivität, die Arbeits- und Lohnbedingungen, die Gesundheit sowie die Sicherheit am Arbeitsplatz einen kleineren Stellenwert haben als in den grösseren Unternehmen.

Weiter zu berücksichtigen ist der Umstand, dass oft weniger die Grösse des Unternehmens ausschlaggebend ist als vielmehr das Tätigkeitsfeld, das nach den Kriterien menschenwürdiger Arbeit Mängel aufweist. Aus diesem Grund war es uns ein Anliegen, dass die Schlussfolgerungen der Kommission auch KMU ansprechen, die in Wirtschaftszweigen mit eher prekären Arbeitsbedingungen tätig sind, beispielsweise die Landwirtschaft, das Gastgewerbe, Reinigungsdienste, Bauwesen und Industriezweige wie das Textilgewerbe.

Die von der Konferenz betreffend der KMU angenommenen Schlussfolgerungen und die Schaffung von menschenwürdigen und produktiven Arbeitsplätzen beleuchten die Hindernisse (Defizite in Sachen menschenwürdige Arbeit, Gesundheit und niedriges Sicherheitsniveau) und empfehlen Massnahmen zur Abhilfe (Zugang zur Finanzierung, Schaffung von Unternehmensnetzwerken, aber auch die Notwendigkeit des sozialen Dialoges und die Unterstützung der öffentlichen Stellen). Die bereits bestehenden Programme der Internationalen Arbeitsorganisation zur Unterstützung der KMU müssten weiterentwickelt werden, aber es müssten auch soziale Partner einbezogen werden, insbesondere Gewerkschaften.

Grüne Arbeitsplätze ebenso im Mittelpunkt der Diskussionen

Dieses Treffen unter dem Titel «Der Klimawandel und die Welt der Arbeit» stand auch im Zeichen einer Debatte unter ranghohen Vertretern wie des französischen Präsidenten François Hollande über die Notwendigkeit, mittels Schaffung von grünen Arbeitsplätzen und Ökoberufen gegen den Klimawandel zu kämpfen. Die ILO ist aufgrund ihrer dreigliedrigen Struktur (Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgeber) besonders geeignet, bei der Förderung grüner Arbeitsplätze und einer nachhaltigen Entwicklung eine wichtige Rolle einzunehmen.

Die Kommission für die Einhaltung der Arbeitsnormen hat sich als Erstes des Schicksals der Landarbeiter angenommen. Unter dem Titel «Den Landarbeitern eine Stimme geben» hat der entsprechende Bericht aufgezeigt, wie wichtig es ist, die Vereinigungsfreiheit von Organisationen, die die Landarbeiter vertreten, zu fördern. Denn die Landwirtschaft ist weltweit nach wie vor ein bedeutender Sektor und umfasst eine bedeutende Anzahl an schutzbedürftigen Arbeitnehmenden, weil die Arbeitsbedingungen und die Löhne – auch in der Schweiz – oft miserabel sind. Der Vertreter der Schweizer Arbeitnehmenden wies darauf hin, es sei in der Schweiz bis heute nicht möglich gewesen, einen Gesamtarbeitsvertrag für die Landwirtschaft zu erarbeiten.

Kampf gegen die Zwangsarbeit in Katar und Eritrea

Die Kommission hat dieses Jahr 24 Länder geprüft, in denen schwerwiegende Probleme in der Anwendung der ratifizierten internationalen Arbeitsübereinkommen aufgetreten sind. Das Augenmerk wurde dabei aufgrund der Verletzung des Übereinkommens Nr. 29 zur Abschaffung der Zwangsarbeit auf Eritrea und Katar gelenkt. Diese beiden Fälle wirken sich direkt auf unser Land aus: im Falle Eritreas ist es so, dass die Zwangsrekrutierung in die Armee, die eine Verletzung des Übereinkommens Nr. 29 darstellt, zu vielen Asylbewerbungen von eritreischen Flüchtlingsgruppen führt. Was Katar angeht, so wird das Kafala-System kritisiert, in dem der ausländische Arbeiter vom Arbeitgeber abhängig gemacht wird. Der Druck, der mit Blick auf die Fussballweltmeisterschaft 2022 auf Katar als Organisator bzw. als Austragungsort ausgeübt wird, damit dort der Zwangsarbeit ein Ende gesetzt wird, ist willkommen und dürfte wirkungsvoll sein. Die Schweiz ist insofern betroffen, als die FIFA mit ihrem Sitz in der Schweiz auf Katar Druck ausüben muss, damit dort auf den riesigen Baustellen menschenwürdige Arbeitsbedingungen eingeführt werden.

Zu den 24 Ländern, die aufgrund schwerwiegender Mängel bei der Einhaltung der Arbeitsnormen im Visier stehen, gehören die Länder, in denen das Travail.Suisse-Hilfswerk Brücke – Le pont Zusammenarbeitsprojekte unterstützt. Die Rede ist von Bolivien in Zusammenhang mit dem Übereinkommen Nr. 138 über das Mindestalter [für die Zulassung zur Beschäftigung] (Kinderarbeit) und von Honduras mit dem Übereinkommen Nr. 81 über die Arbeitsaufsicht [in Gewerbe und Handel] sowie von El Salvador bzw. dem Übereinkommen Nr. 87 über die Vereinigungsfreiheit.


1 Kleinere und mittlere Unternehmen und die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze. Bericht IV, 76 S. Internationales Arbeitsamt, Genf.

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23. Juni 2015, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon

Schweizer Konzerne in die Pflicht nehmen

Eine Koalition von 60 Organisationen lanciert die Konzernverantwortungsinitiative zum Schutz von Mensch und Umwelt. Unterstützen Sie die Initiative und sammeln Sie Unterschriften! mehr

Katastrophale Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken in Asien und Osteuropa, missbräuchliche Kinderarbeit bei der Kakaoproduktion in Westafrika, tödliche Emissionen in Sambia: Auch Schweizer Unternehmen sind in Menschenrechtsverletzungen verwickelt. Darum hat 2011 eine breite Koalition von Organisationen die Kampagne «Recht ohne Grenzen» ins Leben gerufen und eine Petition lanciert. Weil Bundesrat und Parlament aber weiterhin auf Freiwilligkeit und Goodwill der Unternehmen setzen, fordert jetzt die Konzernverantwortungsinitiative eine Sorgfaltsprüfungspflicht, die präventiv gegen Verfehlungen von Schweizer Firmen im Ausland wirken soll.

Menschenrechte und Umwelt respektieren

Die Initiative fordert konkret:

a) Die Unternehmen haben die Menschenrechte sowie die internationalen Umweltstandards auch im Ausland zu respektieren. Und sie müssen dafür sorgen, dass auch die von ihnen kontrollierten Unternehmen diese Normen einhalten.
b) Die Unternehmen sind zu einer angemessenen Sorgfaltsprüfung verpflichtet, welche die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen auf die Menschenrechte und die Umwelt ermitteln. Und sie müssen geeignete Massnahmen zur Verhütung von Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden ergreifen.
c) Die Unternehmen haften für die Schäden, die sie und die von ihnen kontrollierten Unternehmen in Ausübung ihrer geschäftlichen Verrichtung verursacht haben.

„Swiss Quality“ dank Sorgfaltsprüfung

Brücke • Le pont, das Hilfswerk von Travail.Suisse, beobachtet immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung durch grosse Firmen. Als 2014 im brasilianischen Bundesstaat Piauí Tausende von Menschen gegen die Ansiedlung von Minengesellschaften demonstrierten – aus Angst vor Vertreibung und Umweltschäden – drehten junge Journalisten und Journalistinnen einen Dokumentarfilm. Die jungen Medienschaffenden, die in einem Projekt von Brücke • Le pont ausgebildet werden, informierten auch über Radio und erreichten über eine Million Menschen. Brücke • Le pont ermuntert Sie, die Konzernverantwortungsinitiative zu unterschreiben. Sie nützt den Entwicklungsländern und der Schweiz. „Swiss Quality“ soll in Zukunft auch für weltweit ethisch korrektes und nachhaltiges Wirtschaften der Schweizer Firmen stehen.

Sammeln Sie Unterschriften für die Initiative im Bekanntenkreis und am Arbeitsplatz. Den Unterschriftenbogen können Sie hier downloaden: http://www.bruecke-lepont.ch/fileadmin/user_upload/diverses/de/Kovi-Bogen_A4_DE.pdf

Beachten Sie, dass nur stimmberechtigte Schweizerinnen und Schweizer unterschreiben dürfen – und zwar nach Gemeinden getrennt! Benutzen Sie bei der Unterschriftensammlung also verschiedene Bögen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.konzern-initiative.ch. Senden Sie die Unterschriften an Brücke • Le pont, Rue St-Pierre 12, 1700 Freiburg. Travail.Suisse unterstützt die Initiative. Danke!

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28. April 2015, José Balmer, Brücke-Le pont Drucker-icon

Brücke • Le pont dehnt sein Wirkungsfeld nach Honduras aus

Die schwierige Situation, in der sich junge Leute im zentralamerikanischen Honduras befinden, schreit nach Hilfe. Zum Bildungsmangel und zur Arbeitslosigkeit gesellt sich die permanente Gewalt in den Armenquartieren, die den Jugendlichen das Leben mehr als schwer macht. Darum wandern viele in die USA aus, illegal und ohne Kenntnisse, in eine ungewisse Zukunft. mehr

Brücke • Le pont hat mit Jugendprojekten im Nachbarland El Salvador wertvolle Kenntnisse erworben. Drei Partnerorganisationen bieten dort jungen Leuten kurze, praxisorientierte Berufsbildungskurse an und führen mit ihnen Massnahmen zur Gewaltprävention durch. Drei weitere Projekte unterstützen Arbeiterinnen bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Diese Erfahrungen werden jetzt auch für das Programm in Honduras genutzt. Im Sommer 2014 starteten die ersten Pilotprojekte in Armenvierteln der Hauptstadt Tegucigalpa. Auch ein Austausch zwischen den Partnerorganisationen beider Länder fand bereits statt.

Berufsbildung schafft gute Basis

Das Angebot an die jungen Leute aus armen Verhältnissen richtet sich nach dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt und nach den Möglichkeiten der Jugendlichen. Die Kurse dauern nur einige Monate, denn die jungen Leute gehen Gelegenheitsjobs nach, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und können keine lange Ausbildung machen. Aber bereits die kurze, praxisorientierte Ausbildung öffnet ihnen die Tür zu einer besseren Beschäftigung in Restauration, Bäckerei/Konditorei, Coiffure/Kosmetik, Schneiderei, Schreinerei, Informatik, Elektrizität, Buchhaltung oder Kurierdienst.

Auf eigenen Beinen stehen

Dank der Ausbildung finden manche Jugendlich eine fixe Stelle im formellen Arbeitsmarkt. Andere nutzen ihre neu erworbenen Kenntnisse, um im informellen Sektor selbständig tätig zu sein, allein oder mit Gleichgesinnten. Diese „Schattenwirtschaft“ bietet weniger Sicherheit z.B. was die Sozialleistungen betrifft, dafür gewährt sie viel Spielraum für Kreativität und Flexibilität. Damit die jungen Leute bestehen können, enthalten alle Kurse auch Elemente zur Stärkung der Sozialkompetenzen sowie Hilfestellungen zur Arbeitsintegration.

Schule machen

Mit der Ausdehnung nach Honduras exportiert Brücke • Le pont seine guten Erfahrungen und schafft Synergien. In San Salvador sagte Marvin Campos (17), einer der Schüler: „Ich will meine Geschwister nicht allein lassen, sondern hier bleiben und mithelfen, die Gewalt zu überwinden. Und ich will einen Beruf lernen, arbeiten und meiner Familie helfen.“ Diesen guten Willen gilt es zu unterstützen. Mit Ihrer Spende werden Jugendliche auch in Honduras dasselbe sagen können. Lassen Sie sie nicht im Stich! Danke.

Spendenkonto: PK 90-13318-2

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10. März 2015, José Balmer, Brücke-Le pont Drucker-icon

Projekt Ungarn: Empfehlungen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender

Das Projekt «Lösungen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender in Ungarn» wurde im Rahmen des Beitrags der Schweiz zur Verringerung der Ungleichheiten in den neuen EU-Mitgliedsländern finanziert und Ende 2014 abgeschlossen. Als Ergebnis der Zusammenarbeit und eines ausführlichen Dialogs mit den ungarischen Sozialpartnern entstand eine Publikation mit detaillierten Empfehlungen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender in Ungarn, ausgehend von den Erfahrungen in der Schweiz. mehr

Ungarn gehört zu den EU-Ländern mit einer besonders tiefen Erwerbsquote bei den über 50-Jährigen. Sie liegt bei rund 40%, in der Schweiz liegt sie bei 70%. Auch der Gesundheitszustand der über 50-Jährigen ist häufig schlecht, und entsprechend belegt Ungarn in Europa einen der letzten drei Plätze bei der verbleibenden Lebenserwartung ab dem Alter von 50 Jahren. Die Gewerkschaft MOSZ (nationaler Verband der Arbeiterräte) kontaktierte Travail.Suisse mit der Anfrage, gemeinsam ein Projekt zur Verbesserung der Situation älterer Arbeitnehmender in Ungarn einzureichen, das die Schweiz finanziert.

Echte Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und ungarischer Gewerkschaft

Das Zusammenarbeitsprojekt wurde im Mai 2013 genehmigt und erhielt einen Beitrag von CHF 125’000. Besonders erfreulich war, dass mit der MOSZ nicht nur eine Gewerkschaft mitwirkte, sondern zusätzlich auch die Arbeitgeberorganisation VOSZ (nationaler Verband der Arbeitgeber und Unternehmer). Von Beginn an stellten die Sozialpartner ihren Willen unter Beweis, zum Erfolg dieses Projekts beizutragen.

Die erste Etappe des Projekts bestand aus einer Studienreise in die Schweiz, die Travail.Suisse im November 2013 organisierte. Eine Delegation von MOSZ und VOSZ erhielt dabei Einblick in die Erfahrungen, die in der Schweiz mit älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt gemacht wurden. Die Studienreise beinhaltete auch Besuche und einen Erfahrungsaustausch mit dem Seco und mit den Sozialpartnern (Syna, Schweizerischer Arbeitgeberverband), mit Forschungskreisen, Unternehmen (z.B. Die Post), mit einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum und mit einer Organisation, die Arbeitslose begleitet.

Anfang 2014 wurden diese Erfahrungen als Grundlage für einen echten Sozialdialog zwischen MOSZ und VOSZ in Ungarn genutzt. Der VOSZ befragte mit einer grösseren Umfrage ungarische Unternehmen dazu, wie gut die älteren Arbeitnehmenden in den Arbeitsmarkt integriert sind. 175 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage, 69 davon mit Schweizer Beteiligungen.

Eine der Schlussfolgerungen der Befragung besteht darin, dass es einen Mentalitätswandel braucht: Die ungarischen Arbeitgeber müssen sich stärker bewusst werden, dass ältere Arbeitnehmende auch Vorteile bieten, was Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Loyalität, Erfahrung usw. anbelangt. In Budapest fanden zusätzlich mehrere Seminarien mit Schweizer Fachleuten sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der ungarischen Regierung statt.

Publikation mit Empfehlungen zum konkreten Handeln

Eine Konferenz im Juni 2014 in Budapest mit Beteiligung des Arbeitsministers bildete den Abschluss des Projekts. Anschliessend verfassten die ungarischen Partner in Zusammenarbeit mit Travail.Suisse ein Dokument , das im ersten Teil eine Vergleichsstudie zur Situation älterer Arbeitnehmender auf dem ungarischen und dem schweizerischen Arbeitsmarkt präsentiert. Die Studie zeigt, dass grosse Unterschiede bestehen (u.a. Erwerbsquote und Gesundheitszustand), aber auch Gemeinsamkeiten: In beiden Ländern haben ältere Arbeitlose am meisten Schwierigkeiten, wieder eine Stelle zu finden, und sowohl in Ungarn als auch in der Schweiz bleiben ältere Erwerbslose länger arbeitslos als im Durchschnitt der OECD-Länder.

Die Publikation stellt anschliessend Methoden vor, die sich in der Schweiz bewährt haben und auch die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmender in Ungarn verbessern könnten. Auf ein besonders positives Echo stiess bei den ungarischen Partnern, dass in der Schweiz diese Probleme demokratisch und konsensorientiert angegangen werden und dass die staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen weniger bürokratisch und stärker auf eine aktive Wiedereingliederung ausgerichtet sind. Einen bleibenden Eindruck hinterliess auch die von der Syna mitgestaltete Plakat-Kampagne des Kantons Aargau, die mit den Angaben zum Alter und zur Erfahrung älterer Arbeitnehmender spielt.

Die Publikation schliesst mit Empfehlungen an die betroffenen Akteure, d.h. die öffentliche Hand, die Arbeitgeber, die Gewerkschaft, die NGO, die Medien und die älteren Arbeitnehmenden selbst.

Die MOSZ, die das Projekt initiiert hat, will diese Vorschläge regelmässig auf ihre Tagesordnung setzen und mit staatlichen Einrichtungen und Arbeitgebern diskutieren, damit sie auch wirklich umgesetzt werden. Die Mitglieder des MOSZ werden ermutigt, am Arbeitsplatz auf bessere Arbeitsbedingungen älterer Arbeitnehmender hinzuwirken, damit diese länger leistungsfähig bleiben.

> Gesamte Broschüre siehe unten (nur auf Französisch)

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15 02 04 ServiceMedias Projet-de-cooperation Travailleurs-plus-ages-hongrois d.docx 18 KB

Projet-de-cooperation Travailleurs-plus-ages-hongrois Solutions-pour-promouvoir-l-emploi f.pdf 697 KB

04. Februar 2015, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon

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