Themen – Weitere Schwerpunkte – International

Teilnahme der Schweiz am Fonds für die innere Sicherheit

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13. Januar 2016, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon

Revision der Verordnung über die Benützung des Schweizer Namens für Uhren

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30. November 2015, Denis Torche, Leiter Internationale Politik Drucker-icon

Die sozialen Erklärungen von Hollande und Juncker in Taten umsetzen

Der Kongress des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) in Paris stand unter dem Motto „gerechte Gesellschaft, Arbeitsplätze von Qualität und Arbeitnehmerrechte“. Die Anwesenheit von François Hollande, Präsident der französischen Republik und Jean Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission zeigt, wie gross der Einfluss des EGB (siehe Kasten) in Europa ist. mehr

Die deutlichen gewerkschaftsfreundlichen Erklärungen der „Grossen“ in der Europäischen Union kamen natürlich gut an, doch müssen jetzt den Worten Taten folgen, wie mehrfach von Kongressteilnehmern gefordert wurde. Der neu gewählte Generalsekretär Luca Visentini (Italien) als Nachfolger von Bernadette Ségol (Frankreich) will keine Zeit verlieren: „Als erstes werde ich am kommenden Montag dem Präsidenten der Europäischen Kommission einen Brief schreiben, um ein Treffen zu vereinbaren“, unterstrich der neue Generalsekretär in seiner Antrittsrede und erntete dafür tosenden Applaus.

Jean Claude Juncker fehlt es nicht an guten Absichten: den Sozialdialog neu zu beleben, dafür zu sorgen, dass zeitlich unbefristete Arbeitsverträge in Europa zur Regel werden oder den Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ am selben Arbeitsort zu verwirklichen. Leider hat die EU in den letzten Jahren die Freiheit der Wirtschaft über die sozialen Rechte gestellt, sich in die Angelegenheiten der Sozialpartner eingemischt und Verträge zwischen den Arbeitgebervertretern und dem EGB abgelehnt (z.B. Coiffeurbranche). Es ist deshalb nur logisch, dass Juncker jetzt zu seinen Worten stehen muss.

Seit der Finanzkrise 2008 hat sich die wirtschaftliche und soziale Lage in Europa unvorteilhaft entwickelt. Das Wachstum ist noch sehr fragil und ungenügend, um die Arbeitslosigkeit zu dämpfen. Die Anzahl armer Arbeitnehmer, unfreiwillige Teilzeitarbeit und prekäre Arbeitsverhältnisse haben zugenommen.

Ein Aktionsprogramm auf drei Säulen

In diesem sehr schwierigen Umfeld hat der EGB ein Aktionsprogramm 2015 – 2019 und ein Manifest (Kurzform des Aktionsprogramms) auf drei Säulen verabschiedet: Als erste Säule wünscht sich der EGB eine starke Wirtschaft im Dienst der Bevölkerung. Der EGB fordert ein jährliches Investitionsprogramm von 2 Prozent des BIP in der EU für die nächsten zehn Jahre zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Grünen Arbeitsplätzen soll dabei eine besondere Bedeutung zukommen. In Paris wird übrigens Ende November die Klimakonferenz der UNO stattfinden. Der Schutz der Umwelt und der Beschäftigung geht Hand in Hand, denn ein toter Planet kann keine Arbeitsplätze schaffen.

Bei der zweiten Säule geht es um starke Gewerkschaften zur Verteidigung der Demokratie in der Arbeitswelt. Kollektivverhandlungen haben infolge der Krise gelitten und müssen nun gestärkt und die Einmischung der öffentlichen Hand zurückgewiesen werden. Das Streikrecht muss respektiert und ein gesetzlicher Mindestlohn in Absprache mit den Sozialpartnern eingeführt werden.

Die dritte Säule besteht aus einer Reihe von ehrgeizigen sozialen Normen. Der Verfassung der EU soll ein Protokoll über den sozialen Fortschritt hinzugefügt werden, um das Sozialdumping zu bekämpfen und den Vorrang der Grundrechte gegenüber den Wirtschaftsfreiheiten zu bestätigen.

Eine Lawine von dringlichen Resolutionen

Die Delegierten haben eine Reihe von Resolutionen zu höchst aktuellen Themen verabschiedet: Flüchtlingskrise in Europa, Referendum in Grossbritannien über den Verbleib in der EU oder das Streikrecht, das in Spanien unter Druck steht.

Travail.Suisse war an diesem Kongress gut vertreten mit Adrian Wüthrich, neuer Präsident von Travail.Suisse und Arno Kerst, Präsident von Syna. Ausserdem waren drei Personen von Jeunesse.Suisse als Beobachter mit dabei. Sie haben Grund sich zu freuen, denn der Kongress hat beschlossen, der Jugend in den Gremien des EGB mehr Platz einzuräumen. Dieselbe Frage stellt sich allerdings auch in Bezug auf die Frauen; in einer Resolution hat das neue EGB-Team den Auftrag erhalten, für eine bessere Vertretung der Frauen in den verschiedenen Organen zu sorgen.

Der EGB muss in Zukunft proaktiv reagieren

Seit dem letzten Kongress (2011 in Athen) war der EGB eher in der Defensive und begnügte sich mit Reaktionen auf die Sparpolitiken in vielen Ländern. Damit der EGB offensiver und proaktiver handeln kann, hat der Kongress ein Dokument über die Rolle des EGB für 2015 – 2019 verabschiedet. Es gilt die Prioritäten besser festzulegen und Funktionsweisen zu überdenken, um den Einfluss auf die europäischen Institutionen zu verstärken. Eine erste Gelegenheit bietet sich in der Unterstützung der Bürgerinitiative 1 , welche die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) am Kongress vorangekündigt hat. Diese Initiative bezweckt eine Verbesserung der Löhne und der Arbeitsbedingungen in dieser Branche auf europäischer Ebene.

1 Es handelt sich um ein neueres Instrument der EU, wonach mit einer Million Unterschriften aus der EU eine Änderung im europäischen Recht vorgeschlagen werden kann. Man kann es mit der Volksinitiative in der Schweiz vergleichen.

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) in Kürze

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) wurde 1973 gegründet und umfasst 90 Gewerkschaftsbünde aus 39 europäischen Ländern und 10 europäische Gewerkschaftsföderationen. Ihr oberstes Ziel besteht darin, der Arbeitswelt in Europa vor allem bei der Europäischen Union Gehör zu verschaffen mit Hilfe von Lobbying bei den europäischen Institutionen, insbesondere bei der Kommission und dem Europa-Parlament, und dank Stellungnahmen zu den europäischen Gesetzen, die unmittelbar oder auch nur entfernt die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Europa betreffen.

Der EGB kann auch über die nationalen Gewerkschaftsbünde mobilisieren und organisiert regelmässig grosse Demonstrationen auf europäischer Ebene.

Schliesslich spielt der EGB eine wichtige Rolle bei der Förderung des sozialen Dialogs in Europa, indem er an Verhandlungen über Abkommen mit den europäischen Arbeitnehmerverbänden teilnimmt. Die wichtigsten dieser europäischen Abkommen betreffen den Elternurlaub (überarbeitet 2009), die Teilzeitarbeit (1997) oder den Stress am Arbeitsplatz (2004).

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15 10 12 Europäischer Gewerkschaftsbund Resultate.docx 20 KB

12. Oktober 2015, Denis Torche, Leiter Internationale Politik Drucker-icon

Es ist Zeit, den Sparkurs zu beenden
und die Wirtschaft und Beschäftigung anzukurbeln

Ende September findet in Paris der Kongress des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB) statt, der alle vier Jahre abgehalten wird. Themen sind eine gerechte Gesellschaft, qualitativ gute Arbeitsplätze und die Rechte der Arbeitnehmenden. Der EGB wird ein Manifest und ein Aktionsprogramm für die kommenden vier Jahre verabschieden. Ausserdem wird der Kongress Gelegenheit bieten, darüber zu diskutieren, welchen Auftrag die europäische Gewerkschaftsdachorganisation hat und mit welchen Mitteln und Methoden sie ihren Einfluss bei den europäischen Institutionen stärken kann. mehr

Der letzte Kongress des EGB fand im Mai 2011 in Athen statt und stand im Zeichen der Mobilisierung gegen die Sparpolitik und für ein soziales Europa. Leider ist nach vier Jahren festzustellen, dass sich die soziale und wirtschaftliche Lage in Europa keineswegs günstig entwickelt hat: Der Kontinent hat gerade erst auf einen Wachstumspfad zurück gefunden, und dieser ist unsicher und vor allem nicht steil genug, um die Arbeitslosigkeit wesentlich zu reduzieren.

Die Zahlen untermauern dies: Die Arbeitslosenquote erreichte 2013 mit 26,6 Millionen Personen ein Rekordniveau; 5,6 Millionen davon waren weniger als 25 Jahre alt. Griechenland und Spanien sehen sich mit Arbeitslosenraten von gegen 25 Prozent konfrontiert. Zugenommen haben auch Phänomene wie Working Poor, unfreiwillige Teilzeitarbeit, Unterbeschäftigung und prekäre Arbeitsverhältnisse sowie die Ungleichheiten innerhalb und zwischen nationalen Arbeitsmärkten. Überdurchschnittlich stark von der Krise und deren Folgen betroffen sind weiterhin Frauen, Jugendliche, ausländische Arbeitskräfte, Behinderte und besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen. 1

Ein Aktionsprogramm mit drei Pfeilern

In diesem äusserst schwierigen Umfeld plant der EGB, an seinem Kongress ein auf drei Pfeilern beruhendes Aktionsprogramm zu verabschieden, um mehr Einfluss auf die europäischen Institutionen nehmen zu können. Das Ziel des ersten Pfeilers ist eine starke Wirtschaft, die im Dienste der Bevölkerung steht. Der EGB verlangt dazu ein lohnbasiertes Impulsprogramm und ein 10-jähriges Investitionsprogramm im Umfang von 2 Prozent des BIP, um qualitativ gute Arbeitsplätze zu schaffen. Ein hoher Stellenwert wird dabei grünen Stellen eingeräumt, da die Entwicklung von nachhaltigen Energiesystemen immer dringender wird.

Der Kongress des EGB findet am gleichen Ort statt wie im Dezember 2015 die UNO-Klimakonferenz. Der Europäische Gewerkschaftsbund engagiert sich für eine Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2030, aber auch für eine gerechte Übergangsphase. Denn der Kampf gegen die Klimaerwärmung kann gewisse Wirtschaftsbranchen in Schwierigkeiten bringen. Arbeitnehmende, die ihre Stelle verlieren, sind deshalb durch Ausbildungs- oder berufliche Umschulungsmassnahmen zu unterstützen.

Der zweite Pfeiler will stärkere Gewerkschaften, welche die demokratischen Werte und die Demokratie am Arbeitsplatz verteidigen. Hier geht es darum, die Systeme der Kollektivverhandlung zu stärken, denn diese wurden durch die Krise geschwächt. Der EGB lehnt jegliche Einmischung der Behörden in den Sozialdialog ab. Auch das Streikrecht ist zu respektieren, und es braucht auf Verlangen der Gewerkschaften gesetzliche Mindestlöhne, die in Absprache mit den Sozialpartnern festzulegen sind.

Ziel des dritten Pfeilers ist ein Sockel von ehrgeizigen Sozialstandards. Hauptelement dieses Pfeilers ist die Forderung nach einem Protokoll, das die EU-Verträge ergänzt und Europa soziale Fortschritte bringt, indem es Sozialdumping verhindert und bekräftigt, dass die Grundrechte Vorrang vor den Wirtschaftsfreiheiten haben. Die Richtlinie zur Entsendung von Arbeitnehmenden muss so revidiert werden, dass das Gleichbehandlungsprinzip – d.h. gleicher Lohn am gleichen Arbeitsort – gewährleistet ist. Der EGB unterstützt den freien Personenverkehr im Sinne der Gleichbehandlung, betont aber, dass die Arbeitgeber diesen nicht instrumentalisieren dürfen, um die nationalen Normen herabzusetzen und mehr prekäre Stellen zu schaffen.

EGB muss proaktiver und offensiver werden

In den vier Jahren seit 2011 war der EGB eher in der Defensive und eher am Reagieren als offensiv und proaktiv. Der Grund dafür lag darin, dass das schwierige Wirtschaftsumfeld und vor allem der Sparkurs nur wenig Spielraum liessen. Das Dokument zur Rolle des EGB im Rahmen des Mandats 2015-2019, das ebenfalls Thema am Kongress von Paris sein wird, bezweckt eine Neuausrichtung mit einem proaktiveren EGB, der in der Lage ist, mehr Einfluss auf die Agenda Europas zu nehmen. Falls der Aufschwung in Europa anhält, wird sich der EGB in einem günstigeren Kontext weiterentwickeln können. Wichtig ist aber auch, dass die nationalen Gewerkschaften ihren Mitgliederschwund bremsen. Einen starken EGB kann es nur geben, wenn die Branchenverbände und die nationalen Gewerkschaften, aus denen er besteht, ebenfalls stark sind.

Mit Hollande und Juncker

Eröffnet wird der Kongress mit Beiträgen von François Hollande, Präsident der Französischen Republik, Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, und Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments. Die Teilnahme dieser hochrangigen europäischen Persönlichkeiten zeigt, dass dem EGB im europäischen Aufbauprozess eine gewichtige Rolle zuteilwird. Es ist zu hoffen, dass diese Beiträge dem EGB zusätzliche Impulse verleihen, sodass er seinen Auftrag für ein sozialeres, gerechteres Europa umsetzen kann, das den Anliegen der Arbeitnehmenden in ganz Europa Rechnung trägt.

1 EGB – Tätigkeitsbericht 2011-2015 (Rapport d’activités 2011-2015, S. 20)

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) in Kürze

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) wurde 1973 gegründet und besteht aus 90 nationalen Gewerkschaften aus 39 europäischen Ländern und 10 europäischen Gewerkschaftsverbänden. Das Hauptziel des EGB besteht darin, den Arbeitnehmenden in Europa eine Stimme zu geben, in erster Linie bei der Europäischen Union. Der EGB engagiert sich in Form von Lobbying bei europäischen Institutionen, insbesondere bei der Europäischen Kommission und beim Europäischen Parlament, und nimmt Stellung zu den meisten europäischen Gesetzen, die im engeren oder weiteren Sinn die Interessen der Arbeitnehmenden in Europa betreffen.

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28. September 2015, Denis Torche, Leiter Internationale Politik Drucker-icon

Internationale Arbeitskonferenz 2015: menschenwürdige Arbeit nach wie vor im Fokus

Die Internationale Arbeitskonferenz, die jedes Jahr Anfang Juni in Genf tagt, ist eben zu Ende gegangen. Als Erfolge zu verbuchen sind dieses Jahr die Annahme einer Empfehlung zur Überführung informeller zur formeller Wirtschaft, die Schaffung von menschenwürdigen und produktiven Arbeitsplätzen in kleineren und mittleren Unternehmen und die Arbeit der Kommission für die Anwendung der Normen, mit besonderer Berücksichtigung der Beschäftigten der Landwirtschaft. mehr

Die informelle Wirtschaft umfasst sämtliche wirtschaftlichen Tätigkeiten der Arbeitnehmenden, die weder per Gesetz noch in der Praxis bestimmten Vorschriften unterliegen – so beispielsweise die Bereiche Gesundheit, Sicherheit am Arbeitsplatz oder sozialer Schutz. Schätzungen zufolge geht mehr als die Hälfte der Beschäftigten weltweit einer informellen Beschäftigung nach, was angesichts des Bestrebens nach menschenwürdiger Arbeit eine enorme Herausforderung darstellt: Die Arbeitnehmenden haben keinen Zugang zu den grundlegenden Prinzipien und Rechten im Bereich der Arbeit sowie zum sozialen Schutz. All dies wirkt sich negativ auf die Entwicklung von nachhaltigen Unternehmen aus. Gemäss Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind 90% der Unternehmen, die zwischen 10 und 250 Personen beschäftigen, im informellen Sektor angesiedelt.

Verabschiedung einer Empfehlung zum Übergang der informellen zur formellen Wirtschaft

Die meisten Personen arbeiten nicht freiwillig in der informellen Wirtschaft. Vielmehr fehlt Ihnen der Zugang zu einer formellen Beschäftigung. Durch die Verabschiedung der Empfehlung, die als internationale Arbeitsnorm einzustufen ist, wird der Übergang von der informellen hin zur formellen Wirtschaft erleichtert. Die Empfehlung sieht Strategien für die Schaffung von qualitativ guten Arbeitsplätzen und das Wachstum des formellen Sektors vor. Sie bietet ein internationales Rahmenwerk, das auch die Anwendung der Grundrechte an der Arbeit, den sozialen Dialog, die Gleichstellung, das Unternehmertum, die Qualifikationen und das Management, den Zugang zu Krediten und zum Markt sowie die Ausdehnung des sozialen Schutzes umfasst.

Die Verabschiedung der Empfehlung zum Thema informelle Wirtschaft hat zum Zweck, Hunderten Millionen Beschäftigten den Weg aus der informellen Wirtschaft zu ebnen und ihnen den Zugang zu einer formellen Beschäftigung zu erleichtern. Das Wichtigste sei die Umsetzung der Empfehlung, betonte Guy Ryder, Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Verbesserung der Qualität der Arbeitsplätze und der Produktivität der KMU

Die Schweizer Regierung hat sich – in einem Land, in dem das Thema aufgrund seiner wirtschaftlichen Struktur besonders interessiert – in der Kommission zum Thema KMU für die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze stark eingesetzt. Denn die Schweizer KMU (bis zu 250 Beschäftigte) stellen knapp 99 Prozent der Unternehmen und rund zwei Drittel der Stellen dar. In unserem Land wurde der Akzent auf die Debatten über den Zugang zu Krediten, Finanzierung, administrative Erleichterungen zugunsten der KMU und die wichtige Stellung der Sozialpartnerschaft gelegt. Dies ist sicher notwendig, aber man darf dabei andere wesentliche Aspekte nicht vergessen, so die Arbeits- und Lohnbedingungen sowie die gewerkschaftliche Vertretung der Kleinunternehmen. Der Bericht des IAA 1 , der als Grundlage für die Debatten diente, hebt hervor, dass in den Kleinunternehmen der soziale Dialog, die Produktivität, die Arbeits- und Lohnbedingungen, die Gesundheit sowie die Sicherheit am Arbeitsplatz einen kleineren Stellenwert haben als in den grösseren Unternehmen.

Weiter zu berücksichtigen ist der Umstand, dass oft weniger die Grösse des Unternehmens ausschlaggebend ist als vielmehr das Tätigkeitsfeld, das nach den Kriterien menschenwürdiger Arbeit Mängel aufweist. Aus diesem Grund war es uns ein Anliegen, dass die Schlussfolgerungen der Kommission auch KMU ansprechen, die in Wirtschaftszweigen mit eher prekären Arbeitsbedingungen tätig sind, beispielsweise die Landwirtschaft, das Gastgewerbe, Reinigungsdienste, Bauwesen und Industriezweige wie das Textilgewerbe.

Die von der Konferenz betreffend der KMU angenommenen Schlussfolgerungen und die Schaffung von menschenwürdigen und produktiven Arbeitsplätzen beleuchten die Hindernisse (Defizite in Sachen menschenwürdige Arbeit, Gesundheit und niedriges Sicherheitsniveau) und empfehlen Massnahmen zur Abhilfe (Zugang zur Finanzierung, Schaffung von Unternehmensnetzwerken, aber auch die Notwendigkeit des sozialen Dialoges und die Unterstützung der öffentlichen Stellen). Die bereits bestehenden Programme der Internationalen Arbeitsorganisation zur Unterstützung der KMU müssten weiterentwickelt werden, aber es müssten auch soziale Partner einbezogen werden, insbesondere Gewerkschaften.

Grüne Arbeitsplätze ebenso im Mittelpunkt der Diskussionen

Dieses Treffen unter dem Titel «Der Klimawandel und die Welt der Arbeit» stand auch im Zeichen einer Debatte unter ranghohen Vertretern wie des französischen Präsidenten François Hollande über die Notwendigkeit, mittels Schaffung von grünen Arbeitsplätzen und Ökoberufen gegen den Klimawandel zu kämpfen. Die ILO ist aufgrund ihrer dreigliedrigen Struktur (Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgeber) besonders geeignet, bei der Förderung grüner Arbeitsplätze und einer nachhaltigen Entwicklung eine wichtige Rolle einzunehmen.

Die Kommission für die Einhaltung der Arbeitsnormen hat sich als Erstes des Schicksals der Landarbeiter angenommen. Unter dem Titel «Den Landarbeitern eine Stimme geben» hat der entsprechende Bericht aufgezeigt, wie wichtig es ist, die Vereinigungsfreiheit von Organisationen, die die Landarbeiter vertreten, zu fördern. Denn die Landwirtschaft ist weltweit nach wie vor ein bedeutender Sektor und umfasst eine bedeutende Anzahl an schutzbedürftigen Arbeitnehmenden, weil die Arbeitsbedingungen und die Löhne – auch in der Schweiz – oft miserabel sind. Der Vertreter der Schweizer Arbeitnehmenden wies darauf hin, es sei in der Schweiz bis heute nicht möglich gewesen, einen Gesamtarbeitsvertrag für die Landwirtschaft zu erarbeiten.

Kampf gegen die Zwangsarbeit in Katar und Eritrea

Die Kommission hat dieses Jahr 24 Länder geprüft, in denen schwerwiegende Probleme in der Anwendung der ratifizierten internationalen Arbeitsübereinkommen aufgetreten sind. Das Augenmerk wurde dabei aufgrund der Verletzung des Übereinkommens Nr. 29 zur Abschaffung der Zwangsarbeit auf Eritrea und Katar gelenkt. Diese beiden Fälle wirken sich direkt auf unser Land aus: im Falle Eritreas ist es so, dass die Zwangsrekrutierung in die Armee, die eine Verletzung des Übereinkommens Nr. 29 darstellt, zu vielen Asylbewerbungen von eritreischen Flüchtlingsgruppen führt. Was Katar angeht, so wird das Kafala-System kritisiert, in dem der ausländische Arbeiter vom Arbeitgeber abhängig gemacht wird. Der Druck, der mit Blick auf die Fussballweltmeisterschaft 2022 auf Katar als Organisator bzw. als Austragungsort ausgeübt wird, damit dort der Zwangsarbeit ein Ende gesetzt wird, ist willkommen und dürfte wirkungsvoll sein. Die Schweiz ist insofern betroffen, als die FIFA mit ihrem Sitz in der Schweiz auf Katar Druck ausüben muss, damit dort auf den riesigen Baustellen menschenwürdige Arbeitsbedingungen eingeführt werden.

Zu den 24 Ländern, die aufgrund schwerwiegender Mängel bei der Einhaltung der Arbeitsnormen im Visier stehen, gehören die Länder, in denen das Travail.Suisse-Hilfswerk Brücke – Le pont Zusammenarbeitsprojekte unterstützt. Die Rede ist von Bolivien in Zusammenhang mit dem Übereinkommen Nr. 138 über das Mindestalter [für die Zulassung zur Beschäftigung] (Kinderarbeit) und von Honduras mit dem Übereinkommen Nr. 81 über die Arbeitsaufsicht [in Gewerbe und Handel] sowie von El Salvador bzw. dem Übereinkommen Nr. 87 über die Vereinigungsfreiheit.


1 Kleinere und mittlere Unternehmen und die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze. Bericht IV, 76 S. Internationales Arbeitsamt, Genf.

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23. Juni 2015, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon

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Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
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