Themen – Sozialpolitik – Berufliche Vorsorge

2x JA zu sicheren Renten am 24. September 2017

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Am 24. September stimmt die Stimmbevölkerung gleichzeitig über die Reform der Altersvorsorge (AV2020) und die Zusatzfinanzierung der AHV über die Mehrwertsteuer ab. Die zwei Vorlagen sind verknüpft. Ohne Reform der Altersvorsorge keine Finanzierung der AHV und ohne Finanzierung der AHV keine Reform der Altersvorsorge.

Warum braucht es überhaupt einen Rentenkompromiss?

Wir werden immer älter, es gibt mehr Rentnerinnen und Rentner und weniger Zinsen für das in der Pensionskasse angelegte Geld. Deshalb braucht es zwingend eine Reform der Altersvorsorge.

Jahrelang rang das Parlament um einen Kompromiss zur Sicherung der Renten. Das Projekt Altersvorsorge (AV2020) sieht eine Reform mit Zusatzfinanzierung vor, die die Renten sichert.

2x JA zu AV2020 sichert unsere Renten
2x JA zu AV2020 verhindert Rentenalter 67 für alle
2x JA zu AV2020 verhindert den Absturz der AHV

Kurzargumentarium “JA zu sicheren Renten”

Flyer “JA zu sicheren Renten”

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Versicherungsindustrie lebt gut auf Kosten der Versicherten

Seit der Einführung der Legal-Quote-Regelung sind fast 5 Milliarden Franken aus der beruflichen Vorsorge an die Lebensversicherer abgeflossen. Auch 2014 war ein sehr gutes Jahr für die Lebensversicherer. Sie erwirtschafteten mit der 2. Säule 686 Millionen Franken Gewinn. Die hohen Gewinne gehen auf Kosten der Arbeitnehmenden, welche zu hohe Prämien bezahlen und nur ungenügend an den Überschüssen beteiligt werden. Das ist für eine Sozialversicherung inakzeptabel. Zehn Jahre nach Einführung der Mindestquote ist klar: Die heutige Regelung zur Gewinnbegrenzung in der beruflichen Vorsorge ist gescheitert. mehr

Wenn es nicht so störend wäre, wäre es fast schon langweilig: Seit Jahren analysiert Travail.Suisse die Geschäfte der Lebensversicherer mit der beruflichen Vorsorge und jedes Jahr müssen wir das gleiche feststellen. Differenziertere Excel-Tabellen der Finma bei der Berichterstattung haben leider nichts daran geändert, dass sich die Versicherer grosszügig an der Altersvorsorge bedienen. Mit den 686 Millionen Franken von 2014 sind in den letzten zehn Jahren fast 5 Milliarden Franken in die Taschen der Versicherungskonzerne und ihrer Aktionäre und Manager geflossen. Ein Grossteil davon ungerechtfertigt. Leidtragende sind die versicherten Arbeitnehmenden, welche über ihren Arbeitgeber einer Sammelstiftung einer Lebensversicherungsgesellschaft angeschlossen sind. Für sie sind es verlorene Milliarden, welche nicht zur Sicherung der Renten zur Verfügung stehen.

Berufliche Vorsorge als Milchkuh für die Versicherer

Trotz Klageliedern der Versicherer muss klar festgehalten werden, dass die berufliche Vorsorge für sie ein hochinteressantes Geschäft ist. Während das Einzellebensgeschäft bröckelt, stellt sich die berufliche Vorsorge geradezu als Milchkuh dar: Von den 1.1 Milliarden Franken Gewinn, welche die Lebensversicherer 2014 machten, stammen mit den 686 Millionen Franken aus der beruflichen Vorsorge fast zwei Drittel aus einer Sozialversicherung. Überschüsse schrieben die Lebensversicherer letztes Jahr sowohl im „Sparprozess“ als auch im „Risikoprozess“ 1. Da die Versicherer nicht nur in Staatsobligationen, sondern auch in gut rentable Immobilien und Unternehmensanleihen investieren, erzielten sie trotz Tiefzinsumfeld eine gute Rendite. Damit konnte weit mehr als nur den gesetzlichen Verpflichtungen wie der Verzinsung des Alterskapitals mit dem Mindestzins (2014: 1.75 Prozent) nachgekommen werden. Es konnten auch die Gewinne gesteigert und grosszügige Rückstellungen angelegt werden. Seit 2009 haben die Versicherungskonzerne ihre Rückstellungen um über 7.5 Milliarden Franken verstärkt. Damit sank für die Versicherer ihr unternehmerisches Risiko, für Leistungen der beruflichen Vorsorge mit dem Kapital der Aktionäre gerade stehen zu müssen. Dadurch reduziert sich aus Sicht von Travail.Suisse aber auch die Notwendigkeit der Gewinne, die ja von den Lebensversicherern als Entschädigung für das eingegangene unternehmerische Risiko bezeichnet werden.

Versicherte zu wenig vor Missbrauch geschützt

Wir befinden uns wie gesagt in einer Sozialversicherung, welche für die Arbeitnehmenden obligatorisch ist. Zweck der beruflichen Vorsorge ist die Altersvorsorge und die Absicherung gegen Invalidität und Todesfälle und nicht das Erwirtschaften von Gewinnen. Mit der Einführung der Mindestquote (Legal Quote) sollte deshalb sichergestellt werden, dass der Hauptharst der Gewinne an die Versicherten zurückfliesst. Das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) legt deshalb fest, dass mindestens 90 Prozent der „Überschüsse“ aus dem Geschäft der 2. Säule den versicherten Arbeitnehmenden zugutekommen sollen. Maximal 10 Prozent der Überschüsse sollen von den Versicherungsgesellschaften als Gewinn einbehalten werden können. Der Begriff „Überschuss“ wurde jedoch gesetzlich nicht klar definiert. Gemeint war der Gewinn, also „Ertrag minus Aufwand“. In der Verordnung, welche die Basis der Berechnung der Mindestquote bildet, wurde der Begriff „Überschuss“ jedoch unter dem Einfluss der Versicherungsindustrie mit den gesamten Erträgen gleichgesetzt. Aus der Gewinnbeteiligung ist eine Ertragsbeteiligung geworden („Bruttomethode“). Jährlich resultieren so zwei- bis dreimal so hohe Gewinne wie ursprünglich vom Parlament vorgesehen. Seit 2005 sind damit mehr als 3.5 Milliarden Franken mehr an die Lebensversicherer geflossen als vorgesehen 2. Die Versicherten werden nicht geschützt. Travail.Suisse fordert deshalb in der Altersreform eine Erhöhung der Legal Quote, so dass mindestens 95 Prozent des Ertrages den Versicherten zustehen. Es soll mehr Geld für die Renten und weniger Geld für die Gewinne der Versicherer zur Verfügung stehen.

Es braucht eine drastische Senkung der Risikoprämien

Selbst eine erhöhte Legal Quote ist für Travail.Suisse jedoch nur akzeptabel, wenn die Versicherer die Erträge nicht mit überhöhten Risikoprämien in die Höhe treiben können. Im Normallfall müssten die eingenommenen Prämien im Mehrjahresdurchschnitt ungefähr den Aufwendungen für die Renten/Abfindungen bei Tod und Invalidität entsprechen. Die Prämien für Todesfall- und Invaliditätsleistungen waren jedoch über die letzten zehn Jahre hinweg durchwegs fast doppelt so hoch wie die effektiv ausbezahlten Leistungen. Auch wenn man die notwendigen Rückstellungen einbezieht, ändert sich nichts am Bild: Nur gut die Hälfte des Geldes, welches zum Zweck der Invaliditäts- und Todesfallleistungen eingenommen oder zurückgestellt worden ist, ist auch zu diesem Zweck ausgegeben worden! Damit dienen die Risikoprämien als stabile Gewinnquelle ohne unternehmerisches Risiko. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Neurentnerinnen und Neurentner bei der Invalidenversicherung drastisch zurückgegangen, trotzdem haben die Versicherer ungehemmt hohe Prämien einkassiert, wie wenn nichts geschehen wäre. Dass die Finma diese Praxis mit fadenscheinigen Begründungen deckt, ist inakzeptabel.

Altersreform 2020 muss heutige Praxis unterbinden

Die Verteilungsfrage muss neu gestellt werden: Wem sollen die Überschüsse zugutekommen? Den Arbeitnehmenden, ist für Travail.Suisse klar. Die heutige Praxis mit überhöhten Risikoprämien und mit einer hohen Ertragsbeteiligung der Versicherer frisst nicht nur Mittel, die für die Rentenzahlungen benötigt würden, sondern ist auch aus Gründen der Systemsicherheit falsch: Das Argument, die Systemsicherheit – sprich möglichst solvente Versicherungsgesellschaften – würde mit einer möglichst tiefen Mindestquote erhöht, ist falsch. Wer mehr Sicherheit will, muss die Mindestquote erhöhen: So besteht ein höherer Anreiz, notwendige Rückstellungen zu tätigen, anstatt noch mehr Gelder an die Aktionäre auszuschütten. Die Rückstellungen werden nämlich zum Anteil der Mindestquote gezählt, welcher den Versicherten zugutekommt. Damit kann die Sicherheit sowohl für die Versicherer als auch für die Versicherten erhöht werden. Die Versicherer sollen durch gute und zuverlässige Dienstleistungen Geld in der beruflichen Vorsorge verdienen, nicht jedoch wegen laschen gesetzlichen Regelungen und überhöhten Prämien. Es ist nun am Nationalrat, für einen besseren Schutz der Versicherten zu sorgen, wenn die Reform der Altersvorsorge 2020 nicht gefährdet werden soll.

1 Vgl. Übersichtstabelle s.2 im Dokument „Die verlorenen Milliarden – die Gewinne der Lebensversicherer in der 2. Säule, Ausgabe 2015, http://www.travailsuisse.ch/aktuell/positionen

2 Vgl. Dokument „Die verlorenen Milliarden – Die Gewinne der Lebensversicherer in der 2. Säule, Ausgabe 2015, Tabelle 2), http://www.travailsuisse.ch/aktuell/positionen

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15 10 12 Gewinne Lebensversicherer.docx 24 KB

12. Oktober 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Die verlorenen Milliarden – Die Gewinne der Lebensversicherer in der 2. Säule – Ausgabe 2015

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151005 Zusammenstellung Kenzahlen 05 bis 014.doc.pdf 1486 KB

08. Oktober 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Berufliche Vorsorge ist für die Versicherungsindustrie eine Milchkuh

Die 2. Säule bleibt für die Lebensversicherer ein hochinteressantes Geschäft: 2014 haben sie mit der beruflichen Vorsorge 686 Millionen Franken Gewinn erwirtschaftet. Damit sind in den letzten 10 Jahren fast 5 Milliarden Franken aus dieser Sozialversicherung in die Taschen der Versicherungskonzerne und ihrer Aktionäre und Manager geflossen. Das zeigt die neuste Analyse von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden. mehr

Travail.Suisse analysiert seit der Einführung der Mindestquoten-Regelung (Legal Quote) die Gewinne, welche die Versicherungsindustrie aus der 2. Säule abschöpft. Die neuste Analyse zeigt, dass es im letzten Jahr wiederum über 686 Millionen Franken waren. Damit stammen fast zwei Drittel der 2014 von den Lebensversicherern erzielten Gewinne aus einer Sozialversicherung.

In den letzten 10 Jahren sind insgesamt fast 5 Milliarden Franken aus der beruflichen Vorsorge an die Lebensversicherer abgeflossen. Ein Grossteil davon ungerechtfertigt. Leidtragende sind die versicherten Arbeitnehmenden, welche über ihren Arbeitgeber einer Sammelstiftung einer Lebensversicherungsgesellschaft angeschlossen sind. „Für sie sind es verlorene Milliarden, welche nicht zur Sicherung der Renten zur Verfügung stehen“, stellt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse, fest.

Gewinne werden zur Hypothek für die Reform der Altersvorsorge

Dass bezüglich der Legal Quote Handlungsbedarf besteht, hat auch der Bundesrat erkannt. In der dem Parlament unterbreiteten Vorlage zur Reform der Altersvorsorge 2020 hat er vorgeschlagen, die Legal Quote von 90 auf 92 Prozent zu erhöhen. Das würde bedeuten, dass mehr Geld bei den Versicherten bleibt und die Gewinne der Lebensversicherer etwas reduziert würden. Der stark mit der Versicherungsindustrie verflochtene Ständerat hat den Vorschlag in der Herbstsession jedoch dreist abgelehnt. Travail.Suisse fordert, dass der Nationalrat diesen Entscheid unbedingt korrigiert und dafür sorgt, dass nicht nur 92, sondern mindestens 95 Prozent des Ertrags den Versicherten zukommen. Wenn es zu keiner Korrektur kommt, werden die privatisierten Gewinne in der Sozialversicherung Berufliche Vorsorge zur Hypothek für die Akzeptanz der Reform der Altersvorsorge. „Den Arbeitnehmenden wird mit dieser Reform viel zugemutet; es wäre für sie deshalb nicht einsichtig, wieso sich die Versicherungsindustrie weiterhin grosszügig an ihrem Pensionskassengeld bedienen kann, während sie bluten müssen“, warnt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse.

Für weitere Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident, Tel. 079 287 04 93
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

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151005 Zusammenstellung Kenzahlen 05 bis 014.doc.pdf 1486 KB

factsheet d2.pdf 2016 KB

15 10 05 MK-Lebensversicherer Redetext A-Wuethrich.doc.pdf 133 KB

15 10 05 MK-Lebensversicherer Redetext M-Kuert.doc.pdf 135 KB

05. Oktober 2015, Adrian Wüthrich, Präsident und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Den Arbeitnehmenden in der Schweiz eine starke Stimme sein: Für Arbeit mit Zukunft

Drei grosse Themen werden uns in den nächsten vier Jahren beschäftigen: unser Verhältnis zu Europa, die Sicherung der Altersvorsorge und der Klimaschutz. Ein paar Gedanken dazu. mehr

Die latente Unsicherheit nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative beschäftigt – neben der Aufgabe des Euro-Mindestkurses – nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Arbeitnehmenden. Die Bilateralen Verträge mit der Europäischen Union sind wichtig für den Erhalt des Wohlstandes in der Schweiz, für die Sicherung vieler Arbeitsplätze. Das war und ist das Hauptargument für ein Ja zu den Bilateralen. Wir müssen für eine nächste Abstimmung (wahrscheinlich im Jahr 2017) erneut aufzeigen, dass die Personenfreizügigkeit und die damit verbundene Zuwanderung für uns alle bewältigbar sind. Ich höre ab und zu, dass lieber auf zusätzlichen Wohlstand verzichtet wird, wenn damit nicht mehr Leute aus dem Ausland in die Schweiz kommen. Die Politik muss die Bedenken ernst nehmen und Antworten liefern. Wer viel Geld hat, merkt von der Zuwanderung weniger. Das breite Volk spürt die Enge und nimmt die Veränderung wahr. Wir werden verbesserte Flankierende Massnahmen einfordern, damit die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Schweiz geschützt bleiben. Dafür werden wir uns auch bei unseren Partnern auf Europäischer Ebene einsetzen. Eines ist klar: Wer die Flankierenden Massnahmen als notwendiges Übel anschaut und ihre Verbesserung hintertreibt, riskiert einen europapolitischen Scherbenhaufen.

Sicherung der Altersvorsorge nicht zu Lasten der Beschäftigten

Die aktuell diskutierte Sicherung der Altersvorsorge ist ein weiteres sehr wichtiges Geschäft für Travail.Suisse. Sie ist für die Arbeitnehmenden von grosser Wichtigkeit. Wir wollen gute Renten und brauchen dafür eine solide Finanzierung. Der Ständerat hat die Vorschläge seiner Kommission beraten und unterstützt. In der Vorlage sind allerdings viele bittere Pillen enthalten. Damit die Revision verdaubar wird, sind Verbesserungen nötig. Positiv hervorzuheben ist, dass nach 20 Jahren die AHV-Renten endlich wieder einmal erhöht werden. Allerdings vermag diese Erhöhung die drastischen Auswirkungen der Senkung des Umwandlungssatzes in der 2. Säule nicht aufzuwiegen.

Dass es noch schlimmer kommen könnte, zeigen Äusserungen verschiedener Politiker zu Rentenalter 67. Auf Smartvote sagen über 80 Prozent der Parlamentarierinnen und Parlamentarier von FDP und SVP Ja zur Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre.


h2. Klimapolitik für gute Arbeit

Als drittes grosses Thema ist die Klimapolitik zu erwähnen. Das mag auf den ersten Blick erstaunen. Aber wir haben diesen Sommer wieder erfahren, wie es ist, wenn es länger sehr heiss ist. Es belastet uns, auch an der Arbeit. Die Klimaveränderung führt dazu, dass es auf der Erde immer wärmer wird. Schaffen wir es mit geeigneten Massnahmen nicht, den Anstieg der durchschnittlichen Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen, hat dies auch in der Schweiz negative Auswirkungen auf die Arbeitnehmenden.

Schon lange werden international Verhandlungen geführt für ein weltweites Abkommen. Es braucht in unserer globalisierten Wirtschaft gemeinsame Lösungen, alle müssen sich an Regeln halten. Sonst profitieren jene, die sich nicht an die Regeln halten zu Lasten derer, die sich für das Klima anpassen. Wenn die Länder dieser Welt nichts tun, wird es noch wärmer. Wir sollten reagieren und das nicht erst, wenn es zu spät ist. Ende dieses Jahres bietet sich wieder eine Möglichkeit: In Paris findet eine weitere UNO-Klimakonferenz statt. Ich hoffe sehr, dass sich die Staaten finden können und Massnahmen zur Rettung unserer Erde beschliessen. Die Verhandlungen müssen aber auch nach 2015 weitergehen. Auch die Schweiz ist gefordert. Dass es schon nicht einfach ist, gemeinsame Lösungen im eigenen Land zu finden, zeigen die harschen Diskussionen im Parlament zur Energiestrategie 2050. Und das obwohl mit den darin vorgesehenen Massnahmen Zehntausende von Arbeitsplätzen in der Schweiz geschaffen bzw. gesichert werden können.

Wir haben viel zu tun. Mit dem Positionspapier, das Travail.Suisse am Kongress verabschiedet hat, haben wir uns viel vorgenommen, um unsere Vorstellung von Arbeit mit Zukunft zu realisieren. Gemeinsam mit den angeschlossenen Verbänden und ihren Mitgliedern will Travail.Suisse möglichst viele dieser Ziele erreichen. Wir wollen fair, respektvoll und engagiert auftreten. Als eigenständige Stimme auf der nationalen Politik-Bühne wollen wir uns aktiv einbringen. Dass Politik “ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmass zugleich” ist, wie Max Weber treffend gesagt hat, schreckt uns nicht ab. Wir bohren weiter.

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2015 09 28 Eine starke Stimme.docx 15 KB

28. September 2015, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Ständerat kuscht vor Versicherungsindustrie

Heute hat der Ständerat das Reformprojekt Altersvorsorge 2020 zu Ende beraten. Er hat es abgelehnt, die massiv überhöhten Gewinne der Versicherungsgesellschaften mit Pensionskassengeldern zu unterbinden. Dies obwohl ein Vorschlag des Bundesrates auf dem Tisch liegt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist verärgert über diese Ignoranz. Wird dieser Entscheid vom Nationalrat nicht korrigiert, werden die privatisierten Gewinne in der Sozialversicherung Berufliche Vorsorge zur Hypothek für die Akzeptanz der Altersreform. mehr

Seit Jahren machen die Versicherungsgesellschaften auf Grund einer für sie vorteilhaften Gesetzgebung überhöhte Gewinne mit den Pensionskassengeldern. Die aktuelle Mindestquoten-Regelung („Legal Quote“) erlaubt ihnen, zehn Prozent des Umsatzes anstatt zehn Prozent der Gewinne für sich und die Aktionäre zu behalten. Das führt zu jährlichen Gewinnen der Versicherungsindustrie von 600 bis 700 Mio. Franken. Das ist Geld, welches den versicherten Arbeitnehmenden vorenthalten wird. Für eine Sozialversicherung sind solch exorbitante Gewinne viel zu hoch.

Heute hätte sich dem Ständerat die Möglichkeit geboten, die Gewinne auf Vorschlag des Bundesrates wenigstens etwas zu reduzieren. Der stark mit der Versicherungsindustrie verflochtene Ständerat hat unter dem Kommando des beim Versicherungskonzern Baloise angestellten Ständerats Kuprecht jedoch sämtliche Schritte hin zu einer faireren Überschussverteilung verworfen. Wenn der Nationalrat diesen Entscheid nicht korrigiert, wird die Versicherungsindustrie zur Hypothek für die Akzeptanz der Altersreform. „Es ist für die Bevölkerung nicht einsichtig, wieso sie wegen der Senkung des Mindestumwandlungssatzes bluten soll, die Versicherungsindustrie sich jedoch weiterhin am Pensionskassengeld der Versicherten bedienen können soll“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse.

Es braucht zusätzliche Kompensationsmassnahmen

Bereits früher diese Woche hat der Ständerat für die Arbeitnehmenden schwer verdaubare Entscheidungen getroffen: Die Erhöhung des Frauenrentenalters und die drastische Senkung des Mindestumwandlungssatzes werden viele Arbeitnehmende stark belasten. Es wurde im Ständerat verpasst, die Erhöhung des Frauenrentenalters an eine bessere Absicherung der Teilzeitarbeit und an einen sozialen Ausgleich bei Rentenvorbezug zu koppeln.

Die drastische Senkung des Mindestumwandlungssatzes hat Auswirkungen auf die Renten. Damit es zu keinen Rentensenkungen kommt, braucht es umfangreiche Kompensationsmassnahmen. Erfreulich wirken hier die beschlossene Rentenerhöhung um 70 Franken in der AHV und der höhere Plafond bei den Ehepaaren. Es ist richtig, dass so zumindest ein Teil der Kompensationsmassnahmen über die erste Säule läuft.

Mit der Erhöhung der AHV-Renten allein ist das Versprechen des Bundesrates, dass es zu keinen Rentenkürzungen kommen soll, nicht zu halten. Es braucht deshalb auch weitere Kompensationsmassnahmen in der beruflichen Vorsorge. Es ist eine verpasste Chance, dass der Ständerat den Koordinationsabzug nicht abgeschafft hat. Damit hätte er auf einen Schlag die Rentenverluste abfedern und Teilzeitarbeit und damit viele Frauen besser versichern können. Positiv zu würdigen ist, dass Einigkeit darüber besteht, dass mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer die AHV-Finanzen stabilisiert werden sollen.

Travail.Suisse verfolgt die weiteren parlamentarischen Beratungen eng. Noch ist eine mehrheitsfähige Vorlage möglich. Es sind jedoch Verbesserungen notwendig. Eine Verschlechterung zu Lasten der Arbeitnehmenden wird Travail.Suisse entschieden bekämpfen.

Für weitere Informationen
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

16. September 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

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Altersvorsorge 2020: Ein Plus für alle Generationen

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