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BEISPIEL INTRO…


Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und «Care»-Arbeit für betagte Angehörige – Ein neues Projekt wird lanciert!

Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie darf nicht Frauensache bleiben. Das trifft nicht nur auf die Arbeit zu Hause mit Kleinkindern zu, sondern muss in Zukunft auch für «Care»-Arbeit bei betagten Angehörigen gelten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat deshalb mit Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann ein neues Projekt lanciert: Eine gesamtschweizerische Internet-Plattform zum Thema «work + care», die sensibilisiert und informiert. mehr

Die Problematik der Vereinbarkeit von bezahlter Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung stand in den vergangenen Jahren im Fokus der Sozialpartner und der Politik. Mit guten Grund, denn der Schweiz fehlt es noch immer an einer echten Familienpolitik. Das in diesem Bereich sehr zögerliche Parlament hat lediglich gewisse punktuelle Massnahmen beschlossen. Zwar wurde das Impulsprogramm des Bundes zur Schaffung von familienergänzenden Betreuungsplätzen für Kinder zum zweiten Mal verlängert, nachdem der Bundesrat vor kurzem seine Zustimmung gegeben hat . Weiter auf sich warten lassen hingegen etwa die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs und die Schaffung eines Elternurlaubs. Erwerbsarbeit mit Verpflichtungen im familiären Bereich vereinbaren zu müssen, ist aber nicht nur für junge Eltern sondern auch für Erwerbstätige ab 40 Jahren eine Realität. Denn in diesem Alter stehen viele Erwerbstätige vor der täglichen Herausforderung, sich neben dem Beruf auch um betagte Eltern kümmern zu müssen. Hier sprechen wir von «work + care».

Die richtigen Worte finden

Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Betreuung betagter Angehöriger ist ein breites Gebiet, mit dem sich verschiedene Kreise – Forschung, Verwaltung, Politik, Verbände – seit einiger Zeit befassen. Travail.Suisse hat bereits 2011, im Rahmen ihrer zehn Thesen zur Demografie , eine Vorreiterrolle übernommen.

«Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie darf nicht Frauensache bleiben», lautete die sechste These. Unter diesem Leitmotiv hat Travail.Suisse nun ein Projekt lanciert, das den Arbeitstitel «Betagten Angehörigen helfen + arbeiten» trägt. Das «+» steht dabei für die Vereinbarkeit. Die Wortwahl ist durchaus von Bedeutung, denn bei «Care»-Aufgaben handelt es sich tatsächlich um Arbeit. Die Betroffenen wachsen dabei mit zunehmender Abhängigkeit der betagten Angehörigen langsam in eine zweite Arbeit hinein, die manchmal zu einem eigentlichen zweiten Beruf wird.

Personen in den 50ern, die gerade erst den Kampf um die Vereinbarkeit von Beruf und Kleinkindern ausgefochten haben, finden sich plötzlich in einer Situation wieder, in der familiäre und berufliche Pflichten erneut nur schwer zu vereinbaren sind. Trotz vieler Betroffener ist diese Problematik fast ein Tabuthema. Gemäss einer Studie der Spitex erledigen Frauen zwei Drittel dieser Aufgaben (mit beträchtlichen regionalen Unterschieden), Männer sind aber ebenfalls präsent: Als Söhne oder Ehemänner kümmern sie sich um ihre Partnerin oder Eltern. Der Zeitaufwand ist dabei erheblich: Durchschnittlich leisten die betroffenen Söhne und Töchter 26 Stunden Betreuung pro Woche, Partnerinnen und Partner sogar 60 Stunden.

Das Projekt wird finanziell vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann unterstützt, denn es soll ein besseres Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern schaffen.

Was ist «Care»-Arbeit?

Was umfasst überhaupt der Begriff «Care»? Entstanden ist der Begriff in der amerikanischen Frauenbewegung der 70er-Jahre als Gegenpol zu einem rationalen Gerechtigkeitskonzept, bei dem das Einzelkämpfertum und als vorwiegend männlich geltender Wert im Vordergrund stand. Anführerin der Bewegung war die amerikanische Psychologin und Philosophin Carol Gilligan. «Care» beinhaltet demnach eine Wahrnehmungsebene (achten auf andere, sich sorgen um andere) und eine Handlungsebene (sich kümmern um andere, pflegen). Das Herzstück des «Care»-Begriffs bilden Verantwortungsbewusstsein, Engagement, Aufmerksamkeit, Beziehungen und vor allem die Einsicht, dass alle Menschen verletzlich sind. «Care» umfasst somit Dimensionen wie Achtsamkeit, Sorge, Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe.

In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann «Care»-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene» . Das Büro betont, dass diese Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit sei und auf möglichst viele Personen – Männer und Frauen – verteilt werden müsse, damit sie auch in Zukunft erbracht werden kann, was sich sowohl die Gepflegten als auch die Pflegenden wünschen.

Das im Juni von Travail.Suisse lancierte Projekt bezweckt eine bessere Vereinbarkeit regelmässiger Erwerbsarbeit ausserhalb des eigenen Haushalts mit «care»-Arbeit für betagte Angehörige. Es soll insbesondere Fragen von Arbeitnehmenden beantworten, sobald diese auftauchen. Die Thematik ist bewusst auf dieses Gebiet eingegrenzt. Spezifische Aspekte im Zusammenhang mit Behinderungen oder medizinischen Diagnosen bei Kindern und Erwachsenen, die besondere Betreuung und Pflege benötigen, wurden nicht berücksichtigt. Das Projekt von Travail.Suisse setzt somit ganz am Anfang der Problematik an, um die Vereinbarkeit zu fördern.

Travail.Suisse schafft eine Erstanlaufstelle

Wenn erste Fragen zur Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsarbeit auftauchen, ist es wichtig, dass sich betroffene Arbeitnehmende an eine zentrale, gesamtschweizerische «Erstanlaufstelle» wenden können. Das von Travail.Suisse lancierte Projekt will eine Internetseite zur Verfügung stellen, die Erwerbstätigen, die auch Care-Arbeit verrichten, nützliche Informationen bietet.

Ein wesentlicher Teil der künftigen Website dient auch der Sensibilisierung. Leisten Personen «Care-Arbeit», wenn sie kleinere Besorgungen erledigen? Sie also beispielsweise der Mutter mit der Steuererklärung helfen, regelmässig für den Vater einkaufen (und gleich noch den Zustand der Lebensmittel im Kühlschrank kontrollieren) oder die Schwiegermutter zum Coiffeur oder Arzt begleiten? Die Antwort lautet: Ja. Soll man sich Gedanken über die «Care-Arbeit» machen, die der Vater für die Mutter leistet oder umgekehrt? Auch diese Frage ist mit Ja zu beantworten.

Und wann sollen Betroffene das Thema an ihrem Arbeitsplatz zur Sprache bringen? Heute ist bekannt, dass Erwerbstätige kaum darüber sprechen, welche Verpflichtungen sie diesbezüglich im Privatleben haben. Meistens thematisieren sie das Thema viel zu spät, nämlich wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die Situation allein zu bewältigen. Häufig unterstützen pflegende Angehörige ihre Eltern so stark, dass sie die körperlichen, aber auch die psychischen Grenzen ihrer Belastbarkeit überschreiten. Dann besteht die Gefahr, dass sie selber krank werden. Die neue Internetseite muss ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die in Zukunft unweigerlich auftauchen werden, wenn Betroffene einfach alles für sich behalten.

Begüterte Familien lösen das Problem manchmal, indem sie Personen aus dem Ausland anstellen, welche die «Care»-Arbeit bei Pflegebedürftigen zu Hause übernehmen. In diesem Fall wäre es wichtig, über gute Praktiken zu informieren, damit die häufig mittellosen ausländischen Arbeitskräfte nicht ausgebeutet werden.

Zur Förderung der «Care»-Arbeit braucht es also Informationen über die gesetzlichen Rechte und Pflichten der Erwerbstätigen sowie über Lösungsansätze, die am Arbeitsplatz für eine bessere Vereinbarkeit vorgeschlagen werden können. Ergänzt wird die Internetseite durch Informationen über finanzielle Unterstützung sowie technische Lösungen für eine Betreuung «aus der Ferne» (Long Distance Care Giving). Sinnvoll wäre zudem eine Datenbank mit kantonalen und/oder regionalen Adressen für die Nutzer/innen der künftigen Website. Nicht in Form einer endlosen Liste, sondern mit sorgfältig ausgewählten Tipps als nützliche Orientierungshilfe im Labyrinth der «Care»-Welt.

Begleitung durch Fachleute

Zur Begleitung des Projekts wurden mehrere Arbeitsgruppen gebildet, denen anerkannte Fachleute aus verschiedenen «Care»-Bereichen angehören (Privatsektor, Verbände, Hochschulen). Vertreter/innen der grossen Mitgliedsverbände von Travail.Suisse (Syna, OCST, transfair) haben die Aufgabe, die Anliegen ihrer Mitglieder weiterzuleiten. Diese werden ihrerseits die neue Plattform testen, sobald sie verfügbar ist, d.h. in rund zwei Jahren. Die offizielle Lancierung des neuen Dienstleistungsangebots von Travail.Suisse ist für Herbst 2016 vorgesehen. Travail.Suisse hat in den vergangenen Jahren rechtliche Informationen rund um das Thema Erwerbstätigkeit und Mutterschaft auf Papier und im Internet bereitgestellt (www.infomutterschaft.ch) und ein gezieltes Hilfsmittel zur Organisation von Schwangerschaft und Wiedereinstieg nach einer Geburt ausgearbeitet (www.mamagenda.ch). Nun stehen die Bedürfnissen der älteren Arbeitnehmenden auf der Agenda, die vor der Herausforderung stehen, Berufstätigkeit und die Betreuung von Angehörigen unter einen Hut zu bringen.

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2014 09 15 TravailSuisse work-and-care d.docx 24 KB

15. September 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Travail.Suisse begrüsst die Weiterführung der Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung

Der Nationalrat hat sich heute deutlich für die Weiterführung der Anschubfinanzierung zur Schaffung von familienergänzenden Betreuungsplätzen ausgesprochen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst diesen Schritt. Doch die Anschubfinanzierung ist lediglich ein kleiner Schritt zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf – weitere müssen folgen. mehr

Es braucht weitere Betreuungsplätze. Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Alterung und dem trotz vieler sehr gut ausgebildeter Frauen und Männer drohenden Fachkräftemangel muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet sein. Travail.Suisse ist deshalb erfreut über den Entscheid des Nationalrates und fordert den Ständerat auf, nächste Woche ebenfalls einzulenken.

Für eine zeitgemässe Familienpolitik

Soll die Schweiz jedoch eine zeitgemässe Familienpolitik bekommen, so muss die Schaffung einer verlässlichen Betreuungsinfrastruktur zwingend zu einer Daueraufgabe werden. Vor dem Hintergrund der demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen ist es nicht mehr zeitgemäss, auf einen kantonalen Flickenteppich zu setzen. Hier erwartet Travail.Suisse vom Bundesrat eine aktivere Rolle.

„Die heutige Situation ist volkswirtschaftlich ein Unsinn. Zwar investiert die öffentliche Hand in die Ausbildung von jungen Männern und Frauen, verhindert aber mit ihren zögerlichen Bemühungen bezüglich Betreuungsinfrastruktur, dass diese Investitionen mangels Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf dem Arbeitsmarkt fruchtbar gemacht werden können,“ sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Das ist doppelt unverständlich, denn Investitionen in familienergänzende Betreuungsplätze lohnen sich für die öffentliche Hand auch ganz unmittelbar: Verschiedene Studien zeigen, dass durch höhere Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge mehr Geld an die öffentliche Hand zurück fliesst, als investiert wird. „Der Bund muss dauerhaft in eine verlässliche Betreuungsinfrastruktur als Teil des Service Public investieren“, so Kuert Killer. Travail.Suisse erwartet vom Bundesrat während der nächsten vier Jahre konkrete Vorschläge.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse
Tel. 031 370 21 11, Mobile: 079 777 24 69
E-Mail: kuert@travailsuisse.ch

10. September 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

mamagenda.ch: Neuer Look und mehr Informationen

Die digitale Agenda mamagenda.ch unterstützt erwerbstätige Frauen und ihre Vorgesetzten beim Organisieren der Zeit vor und nach der Geburt. Seit dem 1. Juli 2014 präsentiert sich die Website nun in einem neuen Look. Die Überarbeitung beschränkt sich aber nicht auf die Optik: Auch die rund zwanzig Merkblätter wurden unter Berücksichtigung der gesetzlichen Änderungen auf den neuesten Stand gebracht. Verbesserungen beim Navigieren machen das kostenlose Angebot von Travail.Suisse noch anwendungsfreundlicher und attraktiver. mamagenda.ch ist damit eine konkrete Antwort auf die Fachkräfteinitiative, die Bundesrat Schneider-Ammann lanciert hat. mehr

Die Gewerkschaft Syna als Mitglied von Travail.Suisse, der unabhängigen Dachorganisation der Arbeitnehmenden sowie die Ernst Göhner Stiftung konnten als neue Partnerinnen für mamagenda.ch gewonnen werden. Sie stellen mit ihrer grosszügigen finanziellen Unterstützung sicher, dass die kostenlose Plattform aktualisiert und betreut werden kann. Die Plattform trägt aktiv dazu bei, dass erwerbstätige Frauen und ihre Vorgesetzten einer Mutterschaft entspannt entgegensehen können. Ein Novum: Die Nutzerinnen und Nutzer können künftig ihrer Zufriedenheit Ausdruck geben, indem sie über eine Spende per Mausklick einen Beitrag – und sei er auch noch so klein – überweisen. Für Travail.Suisse ist dies eine Premiere im Crowdfunding.

Merkblätter auf dem neusten gesetzlichen Stand

Travail.Suisse hat die Neugestaltung der Website auch genutzt, um das Logo von mamagenda.ch aufzufrischen, «tote» Links zu entfernen und die online-Hilfsfunktion zu optimieren. Doch die wesentliche Arbeit ist nicht auf den ersten Blick sichtbar: Sie steckt in den 23 Merkblättern und Checklisten, die den Nutzerinnen und Nutzern der digitalen Agenda und allen Interessierten, welche die Site besuchen, kostenlos zur Verfügung stehen. Sämtliche Merkblätter wurden anhand der aktuellsten gesetzlichen Änderungen auf den neuesten Stand gebracht.

Dies gilt insbesondere für die Merkblätter Nr. 10 «Stillen am Arbeitsplatz – möglich und bezahlt» und Nr. 12 «Absenzen und Lohnanspruch – Was das Gesetz sagt» zur Frage des Stillens am Arbeitsplatz, die in der revidierten Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz genau geregelt ist, namentlich was die während der Arbeitszeit mindestens zu bezahlende Stillzeit betrifft. Das Merkblatt Nr. 11 «Arbeitsunfähigkeitszeugnis – in jedem Fall nötig?» wurde um einen Abschnitt erweitert, der sich an die Arbeitgeber/innen richtet. Erklärt wird darin auch, wie schwierig die Situation manchmal für erwerbstätige Frauen ist, die während der Schwangerschaft gesundheitliche Probleme haben und zwischen den Ansprüchen ihres Arbeitgebers und den ärztlichen Empfehlungen hin- und hergerissen sind.

Die Navigation ist noch intuitiver

Wer sein Passwort vergessen hat, erhält künftig ganz einfach ein neues: Per Mausklick kann ein neuer Zugangscode an die registrierte E-Mail-Adresse geschickt werden. Nach dem Anklicken des Links muss nur noch ein neues Passwort gewählt werden – fertig. Die Onlinehilfe in Form eines PDF-Files wurde ebenfalls optimiert. Die Erklärungen zur Funktionsweise der Agenda stehen nun in Form eines kleinen Hefts zur Verfügung, das ausgedruckt werden kann. Zum Schluss gibt die Onlinehilfe Antwort auf die je zehn häufigsten Fragen von betroffenen Frauen und Vorgesetzten. 2013 registrierten sich pro Monat über 50 Personen bei der digitalen Agenda. Besucht (ohne Login) wurde die Website von wesentlich mehr Personen: Monatlich waren im Durchschnitt rund 1100 Besuche von gegen 800 Personen zu verzeichnen.

Ein konkreter Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels

mamagenda.ch ist die bisher einzige kostenlose digitale Agenda, die bei organisatorischen Fragen rund um eine Mutterschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Auch drei Jahre nach der Einführung im Juni 2011 ist mamagenda.ch ein innovatives Instrument, das in der Schweiz in diesem Bereich eine Pionierrolle spielt. Die Grundidee besteht darin, einen konstruktiven Dialog zwischen Arbeitnehmerin und Arbeitgeber/in in Gang zu setzen, damit diese auf Fragen rund um eine Schwangerschaft gemeinsam befriedigende Antworten finden. Dies soll dafür sorgen, dass eine Mutterschaft nicht mehr länger zu einem Hindernis für eine weitere Erwerbstätigkeit wird. Dieses Ziel ist angesichts der Beschäftigungslage in der Schweiz äusserst dringlich.

Frauen in der Schweiz sind sehr gut qualifiziert – sei es durch eine Berufsausbildung oder ein Studium. Dass ihr Potenzial ausgeschöpft wird, ist unabdingbar, insbesondere nach der folgenschweren Abstimmung vom 9. Februar zugunsten der Volksinitiative mit dem trügerischen Titel «gegen Masseneinwanderung», mit der sich der seit Jahren beobachtete Fachkräftemangel weiter verschärften wird. Angesichts der immer angespannteren Lage auf dem Arbeitsmarkt wird auf Hochtouren an Ansätzen gearbeitet, die es der Wirtschaft ermöglichen, die benötigten Fachkräfte zu rekrutieren. Mit mamagenda.ch trägt Travail.Suisse direkt zu den Bemühungen der Fachkräfteinitiative bei, die Bundesrat Schneider-Ammann lanciert hat. Daneben sind – das kann nicht oft genug betont werden – zahlreiche weitere Massnahmen notwendig, wie Krippen- und ausserschulische Betreuungsplätze, erschwingliche Mittagstische, familienfreundliche Arbeitsmodelle oder Tagesschulen. Als einer der ersten Schritte im Rahmen der Nutzung von mamagenda.ch wird darauf hingewirkt, dass Arbeitgeber/in und erwerbstätige Frauen Schwangerschaft und Mutterschaft nicht mehr als etwas Negatives empfinden, wie dies heute noch häufig der Fall ist.

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2014 08 25 Relaunch www-mamagenda-ch d.doc 41 KB

25. August 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Seit gestern wird die Stillzeit am Arbeitsplatz bezahlt

Seit gestern, 1. Juni, werden Frauen, die ihre Kinder während ihrer Arbeitszeit stillen, für diese „Stillpausen“ bezahlt. Eine Anpassung der Verordnung 1 zum Arbeitsrecht (ArGV1) ist seit gestern in Kraft. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass diese Schliessung einer Gesetzeslücke Arbeitnehmerinnen dazu ermutigen wird, ihre Babies auch nach dem Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen weiter zu stillen. mehr

Die Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsrechts hat nichts grundlegendes verändert, sondern eine Lücke geschossen: Bis anhin war der Arbeitgeber zwar verpflichtet, Stillpausen zu gewährleisten, musst sie aber nicht als Arbeitszeit bezahlen. Dank der Revision ist seit gestern auch klar, wie viel von diesen Stillpausen minimal bezahlt werden muss.

Endlich klare Regelung

Neu müssen bei einer täglichen Arbeitszeit von weniger als vier Stunden mindestens 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von bis zu 7 Stunden pro Tag 60 Minuten und bei mehr als 7 Stunden täglicher Arbeitszeit mindestens 90 Minuten Stillzeit vom Arbeitgeber bezahlt werden. Als Stillzeit ist auch die Zeit definiert, die eine Frau zum Abpumpen der Muttermilch benötigt. Vor der Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsrecht (ArGV1) galt die Stillzeit zwar als Arbeitszeit, wenn im Büro gestillt oder abgepumpt wurde, wenn die Frau dies aber auswärts – zum Beispiel in einer Kindertagesstätte – tun wollte, dann galt eine andere Regelung. Glücklicherweise besteht diese Unterscheidung heute nicht mehr. Grundsätzlich kann also eine Frau ihren Arbeitstag früher beenden und zu Hause oder in der Kindertagesstätte stillen oder sie kann sich so organisieren, dass sie ihr Baby am Arbeitsplatz stillen kann. Diese Regelung gilt solange sie stillt – maximal aber ein Jahr nach der Geburt.

„Der Abzug der Stillpausen von der Arbeitszeit hat bisher viele Frauen dazu gebracht, dass sie ihr Baby mit Wiederaufnahme der Arbeit abgestillt haben, vor allem bei denjenigen, die sowieso schon einen sehr tiefen Lohn erhalten“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Verantwortlich für die Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Gleichstellungspolitik, Mobile: 079 598 06 37

02. Juni 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Väter sollen Zeit für ihre Kinder haben

Die Tage, an denen die Väter nach getaner Erwerbsarbeit die Füsse hochlegten, sind gezählt, denn sie übernehmen mehr und mehr eine aktive Rolle im Familienleben. Damit ist es an der Zeit, ihnen ein Recht auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub einzuräumen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub. Die Studie von Travail.Suisse zeigt, dass die öffentliche Hand als Arbeitgeberin Vätern heute schon einen bezahlten Urlaub von meistens zwischen 2 und 10 Tagen gewährt. Das reicht jedoch nicht: Damit sich alle Unternehmen – insbesondere auch KMU – einen Vaterschaftsurlaub leisten können, muss er aus der Erwerbsersatzordnung bezahlt werden. mehr

Väter bekommen heute in der Regel höchstens einen oder zwei Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub – etwas besser sieht es bei der öffentlichen Hand aus (siehe Box). Wollen sie mehr, so müssen sie dies auf Kosten des Ferien- oder des Familienbudgets tun (bei unbezahltem Urlaub). Diese Situation ist unhaltbar und entspricht nicht mehr den heutigen Realitäten.

Finanzierung von vier Wochen Vaterschaftsurlaub ist kein Problem

Der Bundesrat veranschlagt in einem Bericht 1 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub (28 Taggelder) auf Basis der Angaben von 2012 auf 384 Mio. CHF 2 . Das ist zwar nicht gratis, aber in Relation zum Nutzen sehr bescheiden und absolut realisierbar. Aus der finanziellen Situation der EO und deren mittelfristigen Perspektiven zeigt sich, dass auf Grund der Einführung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs mit keiner bzw. nur einer sehr moderaten Erhöhung der EO-Beiträge gerechnet werden muss, denn die EO schreibt heute Überschüsse (2013: 148 Mio. Franken). Zudem ist die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig. Es ist deshalb bei gleich bleibenden Beiträgen mit stark steigenden Überschüssen zu rechnen.

Vaterschaftsurlaub: Positive Auswirkungen auf Familien und Wirtschaft

Die Zeit unmittelbar nach der Geburt eines Kindes ist entscheidend. Beim ersten Kind müssen sich die frischen Eltern in der neuen Situation einleben und eine Beziehung zum Neugeborenen aufbauen. Sind bereits Geschwister vorhanden, kommt die Betreuung dieser Kinder hinzu. Die Väter selber wollen ihre Verantwortung wahrnehmen und sehen in einem Vaterschaftsurlaub einen wesentlichen Bestandteil einer zeitgemässen Familienpolitik. Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub stellt eine Anerkennung ihres Engagements dar. Die gelebte Realität soll auch zur gesetzlichen Realität werden.

Der Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen soll analog dem Mutterschaftsurlaub über die EO bei einer Lohn-Ersatzquote von 80 Prozent finanziert werden. Er wird auf ein Jahr nach der Geburt beschränkt und kann in einzelnen Tagen bezogen werden. So wäre es etwa möglich, 20 Wochen lang das Arbeitspensum um 20% zu reduzieren, was den Beginn einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Vaters darstellen kann. Mit diesem Modell haben sowohl die Väter wie auch die Betriebe die Möglichkeit, Teilzeitarbeit über mehrere Monate hinweg zu testen und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

Jetzt ist das Parlament gefordert

Im Parlament sind verschiedene Vorstösse hängig, die den Vaterschaftsurlaub zum Thema haben. Travail.Suisse wird sich weiterhin mit viel Überzeugungsarbeit auch auf parlamentarischer Ebene dafür einsetzen, dass der Vaterschaftsurlaub zur Realität wird. Erste Gespräche für eine parlamentarische Vätergruppe sind angelaufen. Einen Vaterschaftsurlaub haben sich die heutigen Väter verdient, denn es braucht sie – heute und nicht erst morgen.

((Box))
Neue Analyse zeigt: Vaterschaftsurlaub ist möglich, aber es braucht gesetzlichen Schub
Die öffentlichen Arbeitgeber/-innen sind Vorreiter/-innen beim Vaterschaftsurlaub. Bund, Kantone und 25 der grössten Schweizer Städte haben 2014 alle eine geregelte Auszeit für Väter, allerdings variieren sie sehr stark (1-21 Tage). Am meisten gewähren öffentlichen Arbeitgeber/-innen 5 Tage, Städte und Bund erweisen sich als väterfreundlicher als die Kantone. Die Entwicklung über die letzten Jahre zeigt, dass die Leistungen zwar moderat ausgebaut wurden, sie jedoch immer noch weit vom notwendigen Mass entfernt sind. Von 2013 zu 2014 gab es nur noch vereinzelte Erhöhungen.

Ganze sieben Kantone sind noch immer steinzeitlich unterwegs: Bern, Glarus, Solothurn, Aargau, Appenzell Innerhoden und Thurgau speisen Väter noch immer mit zwei Urlaubstagen ab. Ganz um die Väter foutiert sich Obwalden, der nur einen Tag Vaterschaftsurlaub bietet. Bei den Städten stechen Neuenburg mit ebenfalls nur einem Tag Urlaub und Fribourg mit einer Reduktion von 5 auf 3 Tage negativ hervor. Sie sind die öffentlichen und offiziellen Steinzeit-Arbeitgeber der Schweiz. Die väterfreundlichste öffentliche Arbeitgeberin ist die Stadt Lausanne mit 21 Urlaubstagen, gefolgt von der Stadt Genf (20 Tage) und der Stadt Bern (15 Tage).

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Top 3: Lausanne, Stadt Genf, Stadt Bern
Steinzeit 3: Obwalden, Stadt Neuenburg, Kanton Bern (ex aequo mit anderen Kantonen)_

Mehr Informationen:
• Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, 079 777 24 69
• Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37


1 http://www.bsv.admin.ch/index.html?webcode=d_11095_de
2 Ebd., S. 52.

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2014 05 15 TravailSuisse 4-Wochen-Vaterschaftsurlaub Redetext-und-Beiblatt-KOSTEN Matthias-Kuert-Killer d.docx 26 KB

2014 05 15 TravailSuisse Congé-paternité Redetext Valérie-Borioli-Sandoz d.docx 19 KB

2014 05 15 TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Analyse Kantone-Bund-Staedte d.pdf 285 KB

15. Mai 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

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