Themen – Gleichstellung – Vereinbarkeit

Teilzeitarbeit nimmt zu – Diskriminierung bleibt

Teilzeitarbeit ist in der Schweiz auf dem Vormarsch, allerdings mit starken Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Für eine stärkere Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Zunahme der Teilzeitarbeit – insbesondere bei Männern – notwendig. Um dies zu erreichen, ist die Wirtschaft gefordert. Sie muss durch verstärkte Akzeptanz von Teilzeitstellen auch für ein grösseres Angebot an Teilzeitstellen sorgen. In einem ersten Schritt muss indes dringend die Diskriminierung der Teilzeit beseitigt werden: Nur so kann die optimale Voraussetzung für deren Förderung geschaffen werden. mehr

Vergangene Woche hat das Bundesamt für Statistik (BfS) die neusten Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) präsentiert. Das BfS hebt die Zunahme von flexiblen Arbeitsverhältnissen in der Schweiz hervor: Fast die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz unterstehen einem Modell der Wochen- oder Monatsarbeitszeit mit oder ohne Blockzeit, einer Jahresarbeitszeit oder Arbeitszeiten gänzlich ohne formale Vorgaben. Auch im europäischen Vergleich zeigt sich eine grosse Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse in der Schweiz. Gemäss einer Studie 1 der Fachhochschule Nordwestschweiz arbeiten die Arbeitnehmenden in der Schweiz also deutlich flexibler als jene in den Nachbarländern. Weniger als ein Drittel der Befragten geben an, dass ihre Arbeitszeiten vom Betrieb festgelegt werden, im Durchschnitt der europäischen Länder ist dies für fast 70% der Beschäftigten der Fall. Und insgesamt arbeiten rund 60% der Schweizerinnen und Schweizer flexibel, in der EU sind es nur 22%. Ausserdem verzeichnete die Schweiz zwischen 2005 und 2010 einen wahren Flexibilisierungsboom (massiver Anstieg der flexiblen Arbeitsverhältnisse von 48% auf 60%), während sich in den EU-Betrieben in dieser Hinsicht nur wenig verändert hat.

Teilzeitarbeit auf dem Vormarsch

In der SAKE wird auch eine Zunahme von Teilzeitarbeit festgestellt: 36% der Erwerbstätigen in der Schweiz haben eine Teilzeitanstellung; 2004 waren es noch 31.7%. Damit nimmt die Schweiz in Europa einen Spitzenplatz ein. Dies ist positiv zu beurteilen, da Teilzeitarbeit eine notwendige Voraussetzung für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellt. Allerdings zeigt sich auch, dass es grosse Unterschiede in Bezug auf die Geschlechter gibt. Zwar nimmt auch die Teilzeitarbeit bei Männern laufend zu, aber mit knapp 16% liegt die Teilzeitquote bei Männern doch deutlich tiefer als mit knapp 60% bei den Frauen (vgl. Grafik 1).

Dieser starke Unterschied zwischen den Geschlechtern ist Ausdruck einer einseitigen Verteilung der Betreuungs- und Pflegepflichten zuungunsten der Frauen. Eine Anhebung der Teilzeitquote der Männer ist unabdingbar, um eine ausgeglichenere Verteilung dieser unbezahlten Arbeit zu erreichen und so neben Fortschritten bei der Gleichstellung der Geschlechter auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Gefordert ist die Wirtschaft, die neben einem grösseren Angebot an Teilzeitstellen auch für eine bessere Akzeptanz derselben sorgen muss – ohne negative Effekte auf Lohn- und Karriereentwicklungen.

Diskriminierung von Teilzeitarbeit

Neben der mangelnden Akzeptanz wird Teilzeitarbeit im Vergleich zu Vollzeitarbeit heute besonders in zwei Bereichen diskriminiert: Zum einen führt der Koordinationsabzug in der beruflichen Vorsorge zu einer schlechteren Absicherung. Wer den vollen Koordinationsabzug von rund 25‘000 Franken hinnehmen muss, hat nur einen kleinen Teil seines Einkommens versichert und muss später mit einer tieferen Rente leben. Der in der Reform der Altersvorsorge 2020 vorgesehene Wegfall des fixen Koordinationsabzugs erachtet Travail.Suisse deshalb als zwingend notwendig zur besseren Absicherung von Teilzeitarbeit. Ebenfalls begrüsst wird die geplante Herabsetzung der Eintrittsschwelle auf 14‘000 Franken.

Zum anderen wird Teilzeitarbeit auch im Bereich der Überzeitregelungen diskriminiert. Überzeit sind Arbeitsstunden, die über den gesetzlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeiten liegen. Für Überzeitarbeit ist grundsätzlich ein Lohnzuschlag von 25% auszurichten. Für Arbeitnehmende in industriellen Betrieben sowie für Büropersonal, technische und andere Angestellte sowie für das Verkaufspersonal in Grossbetrieben des Detailhandels beträgt die wöchentliche Höchstarbeitszeit 45 Stunden; für alle übrigen Arbeitnehmenden 50 Stunden.

Mit der heutigen Regelung beginnt Überzeit für Arbeitnehmende mit Teilzeitpensum ab der gleichen wöchentlichen Arbeitszeit wie für Arbeitnehmende mit Vollzeitpensum. Dies führt zu einer Benachteiligung der Teilzeitbeschäftigten, da sie anteilsmässig viel mehr Arbeitsstunden über die vertragliche Arbeitszeit hinaus leisten müssen, bis sie in den Bereich der kompensierten und bezahlten Überzeit kommen (vgl. Grafik 2).

Teilzeitarbeitende werden oftmals als – für den Arbeitgeber – ideale Arbeitskräftepuffer eingesetzt. So ermöglicht zum Beispiel ein Angestellter im 50%-Pensum bei einer 40-Stundenwoche 20 fix vereinbarte Arbeitsstunden und zusätzlich 25 potenzielle Arbeitsstunden ohne Zuschläge bei starkem Arbeitsanfall. In diesem Sinn flexibel ausgelegte Teilzeitarbeit bringt aber keine Verbesserung der Vereinbarkeit, sondern erschwert diese zusätzlich, denn die Gründe für Teilzeitarbeit sind vielschichtig. Der wichtigste Grund ist die Abkehr vom klassischen Einverdienerhaushalt und damit die Aufteilung der Familien- und Betreuungspflichten, die neben der Berufstätigkeit ausgeübt werden. Weitere gewichtige Gründe sind Weiterbildungen oder die Ausübung einer Nebenbeschäftigung. Arbeitnehmende im Teilzeitpensum leisten somit nachweislich insgesamt ebenfalls ein volles Pensum; sie benötigen Planbarkeit und einen bedürfnisorientierten und zwingenden Schutz durch das Arbeitsgesetz. Die aktuell geltende gesetzliche Höchstarbeitszeit stellt den persönlichen Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden mit Teilzeitpensum nicht sicher und setzt falsche Anreize zum Einsatz von Teilzeitarbeit.

Travail.Suisse spricht sich klar für eine anteilsmässige Anpassung der wöchentlichen Überzeitgrenze an den Beschäftigungsgrad aus. Damit würde Überzeit beispielsweise bei einem 80%-Pensum bei 36 Stunden (bzw. 40 Stunden) einsetzen. So könnte der Realität der zunehmenden Teilzeitarbeit entsprochen werden. Ausserdem würde damit ein Schritt in Richtung Gleichstellung der Teilzeitarbeit mit Vollzeitarbeit getan und den Teilzeitarbeitenden die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Weiterbildung, Nebenbeschäftigung usw. erleichtert.

1 Fachhochschule Nordwestschweiz. 5. Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen 2010. Ausgewählte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive. S. 73ff.

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28. April 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Wiedereinstieg im toten Winkel der Arbeitslosenversicherung

Der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben ist ein langwieriger Prozess voller Tücken. Das gilt insbesondere für den Zugang zu spezifischen Schulungen. Theoretisch können Wiedereinstiegswillige die vom Arbeitslosenversicherungsgesetz vorgesehenen Massnahmen nutzen. Praktisch stehen diese Menschen jedoch im toten Winkel des Gesetzes. Eine von Nationalrat Jacques-André Maire, Vizepräsident von Travail.Suisse, eingereichte parlamentarische Initiative möchte diese Gesetzeslücke füllen. Sie wird diese Woche von der zuständigen Kommission behandelt. mehr

Der Mangel an qualifizierten, motivierten und in die Schweizer Gesellschaft integrierten Arbeitskräften ist eine schmerzliche Realität. Die Gewerkschaftskreise, in letzter Zeit unterstützt von Wirtschafts- und Arbeitgeberkreisen, sind sich darin einig, dass die Unternehmen auf die in unserem Land verfügbaren Arbeitswilligen zurückgreifen können müssen. Ein Arbeitskräftepotenzial bieten Personen, die aus familiären Gründen mehr als vier Jahre lang dem Arbeitsmarkt ferngeblieben sind. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Frauen. Am 21. Januar dieses Jahres haben der Schweizerische Arbeitgeberverband und economiesuisse das Programm «Zukunft Arbeitsmarkt Schweiz» lanciert. Darin steht, dass man «das inländische Potenzial ausschöpfen» muss. Ins Visier genommen werden Ältere, Frauen, Jugendliche und Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Das Projekt knüpft an die Bestrebungen der Regierung an, die bereits 2011 eine Initiative zur Bekämpfung des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften, die so genannte «Fachkräfteinitiative FKI», lanciert hat. Im Ausgangsdokument des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements wurden fünf Bevölkerungskategorien als Arbeitskräftereservoirs ermittelt. Dazu gehören Personen, die wieder ins Erwerbsleben einsteigen möchten, sowie Eltern mit Erziehungsaufgaben, die sich vermehrt am Erwerbsleben beteiligen können sollten.

«Expérience ReProf» – von der Studie zur politischen Agenda

Bei Travail.Suisse ist das Problem des Wiedereinstiegs ins Erwerbsleben schon lange bekannt, namentlich dank der Kontakte mit den Beratungsstellen des Netzwerks www.plusplus.ch. Im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI hat Travail.Suisse von 2011 bis 2013 eine Studie durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, welche Bedürfnisse die Betroffenen haben und vor welchen Herausforderungen sie stehen 1 . Diese Studie hat gezeigt, dass es viele Wiedereinstiegswillige gibt: Die vorsichtigsten Schätzungen gehen von 13’500 Betroffenen pro Jahr aus. Diese verfügen oft über eine abgeschlossene Berufsausbildung auf Sekundarstufe II, die jedoch nach einem Unterbruch von durchschnittlich zehn Jahren nicht mehr auf dem neusten Stand ist. Sie haben berufliche Wissenslücken und sind auch nicht mehr auf dem Laufenden, wie man eine Arbeit sucht und seine Fähigkeiten ins rechte Licht rückt. Dafür legen Wiedereinstiegswillige eine ausserordentliche Motivation an den Tag. Gleichzeitig haben sie das Gefühl, nichts wert zu sein. Das mangelnde Selbstwertgefühl verstärkt sich dadurch, dass ihnen eine Vernetzung mit der Berufswelt und zu Beginn auch eine gewisse Flexibilität fehlt.

Wiedereinstiegswillige müssen über mehrere Monate begleitet werden sowie spezifisch auf sie zugeschnittene Schulungen absolvieren und die erworbenen Kenntnisse in Praktika anwenden können. Sie benötigen finanzielle Unterstützung für die Fortbildung und angemessene Rahmenbedingungen. Faktisch haben diese Personen insbesondere keinen Zugang zu den Leistungen der Arbeitslosenversicherung, obwohl das Gesetz sie explizit nennt. Mit der Revision des AVIG im Jahr 2011 wurde auch ihr Anspruch auf Taggelder von 12 auf 4 Monate gekürzt.

Nach einer breiten Streuung der Studienergebnisse arbeitete Travail.Suisse mit einem Dutzend Parlamentarierinnen und Parlamentariern zusammen, welche die Frage im Bundeshaus aufgegriffen haben. Die Thematik steht nun auf der politischen Agenda 2 .

Wenn die Arbeitslosenversicherung «das Pferd am Schwanz aufzäumt»

Wie das Bundesamt für Statistik in seiner Analyse auf Grundlage der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 3 festgestellt hat, sind Frauen vor der Stellensuche häufiger erwerbslos als Männer (ca. 50% der weiblichen Arbeitslosen gemäss Definition ILO gegenüber 30% der männlichen). Ausserdem sucht eine Mehrheit der Frauen (6 von 10) eine Stelle, ohne sich beim einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum anzumelden. 39,5% der weiblichen Arbeitslosen gemäss ILO und 52,6% der männlichen sind bei einem RAV registriert.

Das AVIG anerkennt die Zielgruppe in seinen Artikeln 9b, 14 und 59d. Der erstgenannte Artikel definiert die Rahmenfrist im Falle von Erziehungszeiten: 4 Jahre, die bei einer weiteren Niederkunft um 2 Jahre verlängert werden. Innerhalb der Rahmenfrist wurde der Anspruch auf Taggelder auf 4 Monate gekürzt, was klar zu wenig ist, um wieder Fuss zu fassen. Artikel 14 befreit Personen in Ausbildung, Erkrankte, Verunfallte, Frauen im Mutterschaftsurlaub, Inhaftierte und Personen aus zerrütteten Familien (Trennung, Scheidung, Tod oder Invalidität des Ehegatten), sofern das Ereignis nicht mehr als ein Jahr zurückliegt, von der Erfüllung der Beitragszeit.

Artikel 59d sieht schliesslich finanzielle Leistungen in Form von arbeitsmarktlichen Massnahmen (kein Taggeld) für Personen vor, die weder die Voraussetzungen bezüglich Beitragszeit erfüllen noch davon befreit sind (Art. 14). Das Problem ist, dass RAV-Beraterinnen und -Berater bei der Gewährung der Massnahmen einen grossen Interpretationsspielraum haben, namentlich bezüglich Pflichten der stellensuchenden Person. Die verlangten Kriterien können von der Zielgruppe unmöglich erfüllt werden: Die Betroffenen müssen nicht nur vermittlungsfähig sein (Art. 15 AVIG), sondern auch jede zumutbare Arbeit unverzüglich annehmen (Art. 16 AVIG) und einen Nachweis für die Stellensuche erbringen (Art. 17 AVIG). Das nennt man «das Pferd am Schwanz aufzäumen»: Wie kann man von einer wiedereinstiegswilligen Person verlangen, einen Nachweis für die Stellensuche zu erbringen, wenn sie ganz am Anfang eines langwierigen, mehrere Monate dauernden Prozesses steht, bei dem sie zuerst ihr Selbstvertrauen aufbauen und ihr Wissen auf den neusten Stand bringen muss?

Wie die Statistiken belegen, sind Personen, die wegen Erziehungsaufgaben länger als 4 Jahre dem Arbeitsmarkt fernbleiben, faktisch vom Feld der Anspruchsberechtigten ausgeschlossen. Wiedereinstiegswillige befinden sich in einem toten Winkel des Gesetzes.

Parlamentarische Initiative Maire: die Gelegenheit, den Worten Taten folgen zu lassen

Nationalrat Jacques-André Maire, Vizepräsident von Travail.Suisse, hat im vergangenen Jahr eine parlamentarische Initiative 4 eingereicht, die diese Woche von der Eidgenössischen Kommission für Wirtschaft und Abgaben behandelt wird. Jacques-André Maire beantragt eine Ergänzung des Artikels, der die Personen mit Leistungsanspruch für Bildungsmassnahmen (arbeitsmarktliche Massnahmen oder AMM) aufführt. Der Vorteil einer Aufnahme der Wiedereinstiegswilligen in Artikel 60 liegt darin, dass sie für die Dauer der Bildungsmassnahme nicht vermittlungsfähig sein müssen.

Artikel 60 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes führt derzeit zwei Gruppen von Personen auf: Versicherte, die an einer AMM oder einer Beschäftigungsmassnahme teilnehmen oder sich auf eine selbstständige Erwerbstätigkeit vorbereiten, und Personen, die unmittelbar von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Nichts spricht dagegen, eine weitere Gruppe zu einzubeziehen, nämlich Personen, die nach einer Erziehungszeit von über 4 Jahren wieder ins Erwerbsleben einsteigen wollen.

• Das ist notwendig, damit Wiedereinstiegswillige finanzielle Unterstützung für auf sie zugeschnittene Schulungen erhalten und so wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren können.
• Das ist notwendig, damit für sie nicht Kriterien gelten, die in ihrer besonderen Situation völlig unangemessen sind.
• Das ist notwendig, damit die Wirtschaft auf die Wiedereinstiegswilligen als gebildete, gut integrierte und hoch motivierte Arbeitskräfte zurückgreifen kann.

Die Mitglieder der Kommission für Wirtschaft und Abgaben haben Gelegenheit, den Worten Taten folgen zu lassen. Travail.Suisse hofft, dass sie umsichtig genug sind, um die parlamentarische Initiative von Jacques-André Maire anzunehmen.

1 Schlussbericht «Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern. Handlungsfelder und mögliche Massnahmen im Bereich der Bildung und Arbeitsmarktintegration von Wiedereinsteigenden». Travail.Suisse, Bern, 2013. http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfiles/2772/original/Rueckkehr_ins_Berufsleben_erfolgreich_meistern.pdf?1379494699

2 Siehe Artikel «Wiedereinstieg ins Erwerbsleben auf die politische Agenda! », Valérie Borioli Sandoz, Medienservice vom 25. März 2013.

3 «Frauen und Erwerbslosigkeit: Anhaltende Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbslosenquote. Analyse auf der Grundlage der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) und der Datenquelle Soziale Sicherheit und Arbeitsmarkt (SESAM) von 2001 bis 2011». BFS Aktuell, August 2012.

4 14.452 Parlamentarische Initiative J.-A. Maire – AVIG – Kriterien für Bildungsmassnahmen im Falle eines Wiedereinstiegs ins Berufsleben nach Erziehungszeiten http://www.parlament.ch/d/suche/Seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20140452

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15 04 28 IP-J-A-Maire Wiedereinstieg im toten Winkel der Arbeitslosenversicherung.doc 54 KB

28. April 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Schwanger und berufstätig? – Eine Frage der Organisation!

Immer mehr Frauen wollen weder auf Kinder noch auf einen Job verzichten. Doch eine Schwangerschaft am Arbeitsplatz wirft oftmals Fragen und Unsicherheiten auf – bei der Angestellten wie auch bei der Chefin oder dem Chef. Das Online-Tool „mamagenda.ch“ hilft beiden Seiten. mehr

Der Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt kontinuierlich an. Bei den 25 bis 44-jährigen sind es 82,7 Prozent (vgl. Männer: 96,3 Prozent). Das ist nicht erstaunlich: Immer mehr Frauen verfügen über eine sehr gute berufliche Ausbildung. So gibt es heute bei den 25 bis 34-jährigen bereits mehr Frauen als Männer, welche die Tertiärstufe (Universität und Fachhochschulen) und die Sekundarstufe 2 erreicht haben. Erwerbstätige und gut qualifizierte Frauen werden nach der folgenschweren Abstimmung vom 9. Februar 2014 noch begehrter, denn die Volksinitiative hat den seit Jahren beobachtete Fachkräftemangel weiter verschärft.

Vom „Hosenlupf“ zum „Kinderspiel“

Wird eine erwerbstätige Frau schwanger, so stellen sich meist viele Fragen – bei der Schwangeren wie auch bei den Vorgesetzten. Ob Fragen zum Arbeitsgesetz wie z.B. zu Nacht- oder Schichtarbeit oder Fragen zum Mutterschaftsurlaub – die Suche nach Antworten beginnt. mamagenda.ch ist ein Beitrag von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, diese Unsicherheiten aus der Welt zu schaffen. Die Website beantwortet die meisten Fragen rund um den Familiennachwuchs und bietet ein Online-Tool, mit dem Gespräche geplant werden können und das die nötigen Informationen für einen unverkrampften Umgang mit der Mutterschaft im Unternehmen liefert. Ausserdem finden sich mit den insgesamt 23 Merkblätter und Checklisten alle wichtigen Informationen zu den Rechten und Pflichten einer erwerbstätigen Schwangeren auf der Website.

Das Handling von mamagenda.ch ist kinderleicht. Sobald die Agenda startbereit ist, gibt es für Führungskräfte auch die Möglichkeit, eine oder gleich mehrere Angestellte zu erfassen, die Mutter werden. Die Begleitung mehrerer Schwangerschaften wird so vom administrativen „Hosenlupf“ zum Kinderspiel: Die Agenda macht rechtzeitig darauf aufmerksam, was mit welcher Mitarbeiterin besprochen und geregelt werden muss, informiert über die zu einem bestimmten Zeitpunkt der Schwangerschaft relevanten gesetzlichen Vorschriften und unterstützt bei der Kommunikation. Dabei beschränkt sich die Unterstützung durch mamagenda.ch nicht nur auf die Schwangerschaft, sondern erstreckt sich auch auf den Mutterschaftsurlaub und die Rückkehr an den Arbeitsplatz. Die Nutzung von mamagenda.ch ist kostenlos; es genügt, sich anzumelden.

mamagenda.ch: Eine Erfolgsgeschichte

mamagenda.ch ist die bisher einzige kostenlose digitale Agenda, die bei organisatorischen Fragen rund um eine Mutterschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Auch drei Jahre nach der Einführung im Juni 2011 ist mamagenda.ch ein innovatives Instrument, das in der Schweiz in diesem Bereich eine Pionierrolle spielt. Die Gewerkschaft Syna als Mitglied von Travail.Suisse ist seit Juni 2014 Partnerin für mamagenda.ch. Dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung stellt Syna sicher, dass die kostenlose Plattform aktualisiert und betreut werden kann. Eine italienische Version ist in Vorbereitung und wird Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten bald zur Verfügung stehen.

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15 02 17 Schwanger-und-erwerbstaetig Eine-Frage-der-Organisation d.doc 36 KB

17. Februar 2015, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

Es reicht mit Konzepten: Der Ständerat will Taten sehen

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst die Annahme der Motion Häberli-Koller „Gesetzliche Änderungen zur Förderung inländischer Arbeitskräfte“ durch den Ständerat. Mit dieser Motion wird der Bundesrat beauftragt, konkrete Massnahmen zu ergreifen, um dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu begegnen. mehr

Die Motion der Thurgauer Christdemokratin Brigitte Häberli-Koller ist nicht zuletzt angesichts der Annahme des neuen Verfassungsrtikels 121a durch das Schweizer Stimmvolk gerechtfertigt. Die Landesregierung hat zwar im Hinblick auf die Bekämpfung des Fachkräftemangels die Fachkräfteinitiative (FKI) lanciert, diese besteht indes aus blossen Absichtsklärungen. Travail.Suisse teilt die Meinung von Ständerätin Häberli-Koller: Es ist nicht zu erwarten, dass die Wirtschaft die nötigen Anstrengungen freiwillig unternimmt. Der Bundesrat muss gesetzliche Änderungen beschliessen, damit die Frauen ihr Arbeitpensum erhöhen können und ältere Arbeitnehmende nicht unnötig ausgemustert werden. Er ist zudem aufgefordert, die Bildungspolitik dahingehend zu steuern, dass Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt möglichst ausgeglichen sind.

Für Travail.Suisse ist zentral, dass zuerst die Gründe analysiert werden, welche die Frauen davon abhalten, sich stärker auf dem Arbeitsmarkt zu engagieren. Anschliessend sind für Betriebe, welche Frauen wegen einer Mutterschaft entlassen oder keine über 50-jährigen Personen anstellen, Sanktionen vorzusehen.

Für mehr Informationen :
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

11. Dezember 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Weiterführung der Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung unter Dach

Auch der Ständerat hat sich heute zur Weiterführung der Anschubfinanzierung für familienergänzende Kinderbetreuung ausgesprochen. Dieser Schritt ist ein dringend notwendig – weitere müssen folgen. mehr

Dass es weitere familienergänzende Betreuungsplätze braucht, ist in Zeiten der demografischen Alterung und angesichts des trotz vieler sehr gut ausgebildeter Frauen und Männer drohenden Fachkräftemangels augenfällig. Der heutige Entscheid ist deshalb für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, folgerichtig und wichtig.

Volkswirtschaftlich groteske Situation

Vor dem Hintergrund der demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen und der von den Arbeitnehmenden geforderten Mobilität ist es nicht mehr zeitgemäss, bei der familienergänzenden Kinderbetreuung auf einen kantonalen Flickenteppich zu setzen. Es darf nicht Zufall sein, ob man je nach Wohnort auf eine verlässliche Betreuungsinfrastruktur zählen kann oder nicht. Die Schweiz wird deshalb für eine zeitgemässe Familienpolitik nicht darum herum kommen, dass der Bund das Steuer übernimmt.

„Die heutige Unsicherheit ist Gift für ein weiter gehendes berufliches Engagement von Vätern und Müttern. Ein freier Entscheid über das Familien- und Erwerbsmodell ist je nach Wohnort heute nicht möglich“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Die heutige Situation ist volkswirtschaftlich grotesk: Zwar investiert die öffentliche Hand sehr viel in die Ausbildung von jungen Männern und Frauen, lässt aber zu, dass wegen fehlenden Betreuungsplätzen hohe Hürden bestehen, um diese Investitionen fruchtbar zu machen.

Das Zögern und Zaudern des Bundes kann sich die Schweiz nicht länger leisten. Travail.Suisse erwartet vom Bundesrat während der nächsten vier Jahre konkrete Vorschläge und eine aktive Rolle, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Die Schaffung von familienergänzenden Betreuungsplätzen als Daueraufgabe des Bundes ist ein wichtiges Element dafür. Verschiedene Studien zeigen, dass durch höhere Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge mehr Geld an die öffentliche Hand zurück fliesst, als investiert wird. „Der Bund muss dauerhaft in eine verlässliche Betreuungsinfrastruktur als Teil des Service Public investieren“, so Kuert Killer.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik
Tel. 031 370 21 11, Mobile 079 777 24 69
kuert@travailsuisse.ch

16. September 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

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