Themen – Gleichstellung – Vereinbarkeit

Betreuende Angehörige leisten doppelte Arbeit! Wen kümmert‘s?

Heute, 30. Oktober 2015, findet in der Westschweiz der interkantonale Tag der betreuenden Angehörigen statt. Der Fokus liegt – zurecht – auf den zahllosen Leistungen, die Angehörige meist unentgeltlich für Personen in ihrem Umfeld, die Hilfe benötigen, erbringen. Vergessen geht meist, dass die betreuenden Angehörigen in erster Linie einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Mit dem Projekt «info-workcare.ch» will Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit erleichtern: Travail.Suisse wird 2016 die erste nationale Plattform mit Informationen, Dienstleistungen und Adressen für berufstätige betreuende Angehörige einrichten. mehr

2012 hatte das Bundesamt für Gesundheit den runden Tisch «Work and Care» einberufen, an dem auch Travail.Suisse teilgenommen hat. Das Ergebnis dieses Treffens waren rund zehn Schlussfolgerungen, allen voran die Feststellung, dass es auf nationaler Ebene kein zentralisiertes Informationsangebot gibt, wo sich die betreuenden Angehörigen gut und rasch informieren können. Auch heute noch gibt es keine einheitliche Plattform, wo Betroffene Unterstützungsangebote auf regionaler Ebene finden können.

Travail.Suisse hat deshalb beschlossen, die erste nationale Plattform mit kostenlosen Informationen und Dienstleistungen für berufstätige Angehörige zu schaffen, die Personen aus ihrem Umfeld pflegen und betreuen. Info-workcare.ch bezweckt eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit. Es sollen nützliche Informationen bereitgestellt werden, um den Erhalt der Beschäftigung der betreuen¬den Angehörigen zu begünstigen. Mit verschiedenen Fachleuten und schweizweit aktiven Verbänden, und dank der finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann, verfolgt Travail.Suisse das ehrgeizige Ziel, die Plattform im Herbst 2016 aufzuschalten.

Eine weitere Schlussfolgerung des runden Tisches war die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für die Aktivität der betreuenden Angehörigen zu sensibilisieren und Tabus zu brechen. Und genau hier setzt der «Tag der betreuenden Angehörigen» an, der 2015 in der Westschweiz erstmals kantonsübergreifend stattfindet (ohne den französischsprachigen Teil des Kantons Bern). Die Website www.betreuende-angehoerige-tag.ch stellt das Angebot der betreffenden Kantone vor. Runde Tische, Filmvorführungen, Ausstellungsstände oder Tage der offenen Tür in Wohneinrichtungen für betagte Personen, Broschüren, Websites, Interviews mit Politikern usw.: Jeder Kanton organisiert sich ganz individuell. In der Deutschschweiz wird am 24. November 2015 ein erster Tag für betreuende Angehörige stattfinden. Unklar ist jedoch noch, ob die Initiative privat bleibt oder auch von den Kantonen getragen wird. Diese Beispiele zeigen die Stärken, aber auch die Schwächen des föderalistischen Systems auf: Die betreuenden Angehörigen finden sich darin kaum zurecht, was ihre Arbeit unnötig erschwert.

Der Erhalt der Beschäftigung und die Wiedereingliederung in das aktive Leben nach mehrjähriger Care-Arbeit tragen dazu bei, den Fachkräftemangel in unserem Land zu begrenzen. Dank dem Ein¬satz von Travail.Suisse stehen diese Themen auch im neuen Parlament weiterhin auf der politischen Agenda.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37

30. Oktober 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

mamagenda.ch : endlich dreisprachig!

Die italienische Version der digitalen Online-Agenda für die Mutterschaft am Arbeitsplatz wurde am 24. September in Lugano der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach wie vor kostenlos und für alle zugänglich ist mamagenda ein einzigartiges Instrument, das Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen bei Fragen rund um eine Schwangerschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Die OCST, Mitgliedsorganisation von Travail.Suisse, hat das ehrgeizige Projekt, mamagenda.ch dreisprachig zu gestalten, umgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch nicht bloss um eine Übersetzung; die OCST hat vielmehr eine neue Version von mamagenda.ch erstellt. Sie ist moderner und benutzerfreundlicher und wird den zahlreichen Benutzerinnen und Benutzern zweifellos weiterhin gute Dienste leisten. mehr

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, hat die digitale Agenda mamagenda.ch entwickelt und im Sommer 2011 online gestellt. Sie ermöglicht Betrieben und Mitarbeiterinnen eine Schwangerschaft während der Arbeit und die Rückkehr an den Arbeitsplatz stressfrei zu bewältigen. Ursprünglich wurde mamagenda in deutscher und französischer Sprache entwickelt. Die italienischsprachigen Mitglieder der Travail.Suisse angeschlossenen Verbände, wovon der Grossteil bei der OCST im Tessin organisiert ist, wollten die Agenda indes auch in ihrer Sprache nutzen können. Das ist jetzt möglich! Mit der finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann und der fachlichen Begleitung von Travail.Suisse hat die OCST deshalb eine italienische Version entwickelt. Somit ist mamagenda.ch nunmehr in drei Sprachen verfügbar.

Das Erscheinungsbild ist praktisch unverändert

Nichts einfacher als eine dritte Sprachversion anzubieten: dafür braucht es ja nur eine Übersetzung. Die OCST hat jedoch einen andern Weg eingeschlagen und beschlossen, eine neue Homepage mamagenda.ch mit einem CMS (content management system) zu entwickeln, was Travail.Suisse und der OCST erlaubt, den Inhalt bei gesetzlichen Änderungen rasch anzupassen. Dabei wurden auch die kleinen Fehler in der Originalversion ausgemerzt.

Um die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer von mamagenda.ch nicht zu verwirren, blieb das allgemeine Erscheinungsbild unverändert. Das Publikum von mamagenda.ch nimmt im Übrigen laufend zu. Schon nach 6 Monaten haben insgesamt 1500 Besucher 2700-mal diese Seite aufgerufen. Nach einer Werbekampagne von 2012 bis 2014 mit Ständen an Fach- und Publikumsmessen und gezielten Werbebeilagen stieg die Besucherzahl deutlich an. 2013 haben 800 Besucher monatlich 1100-mal diese Homepage aufgerufen. Im Verlaufe der letzten 12 Monate (September 2014 bis September 2015) zählte mamagenda.ch durchschnittlich 950 Besucher mit 1216 Sessionen pro Monat. Juli 2015 war der Spitzenmonat mit 1581 Benutzern und 1740 Besuchen.

Verbesserte Funktionsfähigkeit

mamagenda.ch begleitet die Vorgesetzten und Angestellten während der Schwangerschaft, dem Mutterschaftsurlaub und auch während der ersten Wochen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit allgemeinen und rechtlichen Informationen, Ratschlägen und Checklisten. Alle können sich gratis auf der Homepage registrieren und mit einer E-Mail-Adresse ein persönliches Konto einrichten. Die Mitarbeiterin trägt zudem den errechneten Geburtstermin ein. Danach erhält sie einen Zeitplan, der von diesem Datum ausgeht. Wenn der oder die Vorgesetzte sich zuerst registriert, kann sie oder er so viele Kalender einrichten, wie Schwangerschaften gleichzeitig zu betreuen sind.

Das Spezielle von mamagenda.ch besteht darin, dass sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiterinnen zu einer gemeinsamen Nutzung aufgefordert werden. mamagenda.ch generiert ein E-Mail, worin eine der Parteien die andere dazu auffordert, die Registrierung durch einen Klick auf einen Link zu bestätigen. Zu verschiedenen Zeitpunkten während der Schwangerschaft schlägt mamagenda.ch Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen Gespräche mit Diskussionsthemen vor. Beide Parteien bereiten sich auf jedes Treffen anhand von thematischen Informationsblättern vor, die online verfügbar sind und ausgedruckt werden können. Es werden Daten für die Gespräche festgelegt, die – und das ist neu – von beiden Parteien geändert werden können. Wer das vereinbarte Treffen verschiebt, muss dies natürlich der anderen Partei mitteilen, was sich eigentlich von selbst versteht.

Während der Zeit vor und nach der Geburt werden die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen zu Gunsten der betroffenen Frauen (Schwangerschaft, nach der Niederkunft oder während der Stillzeit) eingeblendet. Als Gedächtnisstütze verschickt der Kalender allen, die sich abonniert haben, kleine Informationen per E-Mail. Daraus geht hervor, ob sich aus gesundheitlichen Gründen irgendwelche Änderungen am Arbeitsplatz aufdrängen. Zuweilen steht auch das Wohlbefinden der Frauen während der Schwangerschaft, nach der Niederkunft oder dem Wiedereinstieg im Vordergrund.

Humoristische Videos von Michele Januzzi

Die neue verbesserte dreisprachige Version von mamagenda.ch läuft auf allen Geräten (PC, Tablet und Smartphone) und mehreren Browsern (wie z.B. Safari, Chrome, Firefox). Deshalb kann mamagenda.ch auch unterwegs eingesehen werden.

Weitere Neuheit: kleine humorvolle Videos, gezeichnet von Michele Januzzi. Er hat als Protagonistin Magda, eine Architektin, ausgewählt, die für einen einfühlsamen Chef arbeitet, und es mit zugegebenermassen manchmal etwas einfältigen Kolleginnen und Kollegen zu tun hat. Diese Videos sind auf Youtube verfügbar.

Verschiedene Sponsoren auf beidseits der Alpen unterstützen mamagenda.ch: die Handels- und Industriekammer des Kantons Tessin, diie Gewerkschaft Syna – Mitgliedsorganisation von Travail.Suisse – und die Ernst Göhner Stiftung. Das Patronat haben das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Pro Familia Schweiz, Schweiz. Stiftung zur Förderung des Stillens, Schweiz. Gesellschaft für Arbeitsmedizin und die Fachstelle UND übernommen.

Konkreter Beitrag zur Bekämpfung des Mangels an Facharbeitskräften

Für die Frauen stellt die Schwangerschaft ein echtes Risiko für das Ausscheiden aus dem Berufsleben dar, nachdem sie ihren Rückstand auf die Männer bei der Berufsbildung aufgeholt haben. mamagenda.ch ist ein konkreter Beitrag von Travail.Suisse im Kampf gegen den Fachkräftemangel, denn damit wird dank des kontinuierlichen Dialogs der Wiedereinstieg der Frauen nach der Mutterschaft gefördert.

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28. September 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

mamagenda.ch: endlich dreisprachig !

Die italienische Version der digitalen Agenda mamagenda.ch wird heute in Lugano der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach wie vor kostenlos und für alle zugänglich ist mamagenda ein einzigartiges Instrument, das Vorgesetzten und ihren Mitarbeiterinnen bei organisatorischen Fragen rund um eine Schwangerschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Die italienische Version von mamagenda.ch wurde von der Organizzazione Cristiano-Sociale Ticinese OCST, Mitgliedsorganisation von Travail.Suisse, entwickelt. mamagenda.ch wurde aber nicht nur ins Italienische übersetzt, sondern auch gestalterisch und technisch angepasst. mamagenda.ch ist heute moderner und benutzerfreundlicher und wird ihren Nutzerinnen und Nutzer viele wertvolle Dienste leisten. mehr

Die von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, entwickelte digitale Agenda mamagenda.ch ist seit dem Sommer 2011 online. Sie ermöglicht Betrieben und ihren Mitarbeiterinnen, eine Schwangerschaft am Arbeitsplatz und den Rückkehr an den Arbeitsplatz stressfrei zu bewältigen. Ursprünglich wurde mamagenda in deutscher und französischer Sprache entwickelt. Die italienischsprachigen Mitglieder der Travail.Suisse angeschlossenen Verbände, wovon der Grossteil bei der OCST organisiert sind, wollten die Agenda indes auch in ihrer Sprache nutzen können. Mit der finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann und der fachlichen Begleitung von Travail.Suisse hat die OCST deshalb eine italienische Version entwickelt. Ab heute ist mamagenda.ch in drei Sprachen verfügbar.

Um die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer der mamagenda.ch – im Durchschnitt wird mamagenda.ch von 950 Personen pro Monat genutzt – nicht unnötig zu verwirren, ist das Erscheinungsbild nicht grundlegend verändert worden. Die Seite wurde jedoch durch Animationsfilme von Michele Januzzi angereichert. Diese Filme sind auch auf Youtube abrufbar. Sie setzen die Mitarbeiterin Magda in verschiedenen, amüsanten Situationen in Szene.

mamagenda.ch wurde auch in technischer Hinsicht verbessert und funktioniert jetzt auf allen gängigen Geräten (Computer, Tablets und Smartphones) und auf verschiedenen Internetbrowsern (IE, Safari, Chrome, Firefox).

mamagenda.ch begleitet Vorgesetzte und ihre Mitarbeiterinnen durch die Phasen Schwangerschaft, Mutterschaftsurlaub und in den ersten Wochen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit allgemeinen und rechtlichen Informationen, Ratschlägen und Checklisten. Den Betroffenen werden zudem Gespräche zu Themen vorgeschlagen, die dem jeweiligen Zeitpunkt der Schwangerschaft angepasst sind.

Travail.Suisse will mit mamagenda.ch die mit einer neuen Situation verbundenen Unsicherheiten reduzieren und damit Vorgesetzten wie Mitarbeiterin während der Schwangerschaft und bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach dem Mutterschaftsurlaub eine möglichst stressfreie Zeit ermöglichen. Damit leistet Travail.Suisse einen Beitrag zur Förderung des Wiedereinstiegs der Frauen nach einer Mutterschaft und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse, 079 598 06 37
Nadia Ghisolfi, Verantwortlich für den Bereich « Frau und Arbeit » bei der OCST, 091 950 09 02

24. September 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Zaudernder Bundesrat verpasst wichtige Weichenstellung

Die heute vorgestellten Berichte hätten die Möglichkeit geboten, verschiedene zeitgemässe Anpassungen bei der Familienpolitik vorzunehmen. Die vom Bundesrat tatsächlich getroffenen Massnahmen sind indes äusserst bescheiden. Statt mutig voranzugehen, beschränkt sich die Landesregierung auf Pflästerlipolitik. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Abeitnehmenden, erachtet dieses Vorgehen angesichts der demografischen Herausforderungen und der Familienarmut als mut- und verantwortungslos. mehr

Die Herausforderungen der Familienpolitik sind heute besonders vielfältig: Alternde Gesellschaft, bescheidene Geburtenraten und Fachkräftemangel haben viel mit Familienpolitik zu tun. Der Schweiz fehlt es bis jetzt an einer durchdachten Familienpolitik. Statt einer gesamtheitlichen Strategie gibt es ein Sammelsurium von Einzelmassnahmen. Die Schweiz gibt mit 1.3 Prozent des BIP sehr wenig für die Familien aus. Resultat: Es fehlt an Massnahmen, damit den Familien genügend Geld zum Leben bleibt. Es fehlt an Massnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten, und es fehlt an Massnahmen, damit genügend Zeit für das Familienleben bleibt.

Zaudernder statt mutiger Bundesrat

In dieser Situation wäre ein mutiger Bundesrat gefordert. Mit den heute präsentierten Grundlagenberichten hätte er die Möglichkeit gehabt, voranzugehen und zukunftsweisende Weichenstellungen sowohl bei der Bekämpfung des „Armutsrisikos Familie“ wie auch bei der Vereinbarkeitsproblematik vorzunehmen. Er hätte bedarfsabhängige Kinderzulagen für armutsbetroffene Familien vorantreiben, Gutschriften auf dem Steuerbetrag (inkl. Negativsteuern) einführen, das Recht auf eine Pensenreduktion bei Geburt eines Kindes ins Spiel bringen und Vorschläge liefern können, wie die heutige Anstossfinanzierung des Bundes bei der familienexternen Betreuung zu einem Rahmengesetz für die Betreuungsinfrastruktur von Kindern und pflegebedürftigen Menschen umgebaut werden könnte.

Stattdessen zaudert der Bundesrat. Die Berichte zeigen die Möglichkeiten gut auf, aber der Bundesrat versteckt sich, wie schon bei der Thematik über den Vaterschaftsurlaub, hinter dem Parlament und den Kantonen. Dabei hätte der Bund bei den Steuern und bei den Familienzulagen durchaus die Kompetenzen, um die Weichen anders zu stellen.

Nichts tun kostet

Der Bundesrat ist nur bereit, 100 Mio. Franken über 8 Jahre zusätzlich in die familienergänzende und schulergänzende Betreuung zu investieren. Das reicht bei weitem nicht. Mit 14 Mio. Franken pro Jahr an zusätzlichen Investitionen in die Familien wird man die anstehenden Probleme nicht lösen können. Zum Vergleich: Würde die Schweiz schon nur mit dem OECD-Durchschnitt bei den Familienausgaben gleichziehen, müsssten über 4.5 Mrd. Franken zusätzlich in die Familien investiert werden. „Das fehlende Geld ist kein Argument“, betont Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. „Gestern hat der Bundesrat der Landwirtschaft grosszügig die Subventionsbeiträge erhöht. Soviel wie eine Kuh sollten uns auch die Kinder wert sein!“. Der Bund muss endlich beginnen, in die Familien zu investieren. Denn auch Nichtstun kostet: Der künftige Preis ist eine tiefe Kinderzahl und/oder eine tiefe Erwerbsbeteiligung der Frauen. Beides kostet unsere Gesellschaft weit mehr als eine zeitgemässe Familienpolitik.

Für mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

21. Mai 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Teilzeitarbeit nimmt zu – Diskriminierung bleibt

Teilzeitarbeit ist in der Schweiz auf dem Vormarsch, allerdings mit starken Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Für eine stärkere Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Zunahme der Teilzeitarbeit – insbesondere bei Männern – notwendig. Um dies zu erreichen, ist die Wirtschaft gefordert. Sie muss durch verstärkte Akzeptanz von Teilzeitstellen auch für ein grösseres Angebot an Teilzeitstellen sorgen. In einem ersten Schritt muss indes dringend die Diskriminierung der Teilzeit beseitigt werden: Nur so kann die optimale Voraussetzung für deren Förderung geschaffen werden. mehr

Vergangene Woche hat das Bundesamt für Statistik (BfS) die neusten Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) präsentiert. Das BfS hebt die Zunahme von flexiblen Arbeitsverhältnissen in der Schweiz hervor: Fast die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz unterstehen einem Modell der Wochen- oder Monatsarbeitszeit mit oder ohne Blockzeit, einer Jahresarbeitszeit oder Arbeitszeiten gänzlich ohne formale Vorgaben. Auch im europäischen Vergleich zeigt sich eine grosse Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse in der Schweiz. Gemäss einer Studie 1 der Fachhochschule Nordwestschweiz arbeiten die Arbeitnehmenden in der Schweiz also deutlich flexibler als jene in den Nachbarländern. Weniger als ein Drittel der Befragten geben an, dass ihre Arbeitszeiten vom Betrieb festgelegt werden, im Durchschnitt der europäischen Länder ist dies für fast 70% der Beschäftigten der Fall. Und insgesamt arbeiten rund 60% der Schweizerinnen und Schweizer flexibel, in der EU sind es nur 22%. Ausserdem verzeichnete die Schweiz zwischen 2005 und 2010 einen wahren Flexibilisierungsboom (massiver Anstieg der flexiblen Arbeitsverhältnisse von 48% auf 60%), während sich in den EU-Betrieben in dieser Hinsicht nur wenig verändert hat.

Teilzeitarbeit auf dem Vormarsch

In der SAKE wird auch eine Zunahme von Teilzeitarbeit festgestellt: 36% der Erwerbstätigen in der Schweiz haben eine Teilzeitanstellung; 2004 waren es noch 31.7%. Damit nimmt die Schweiz in Europa einen Spitzenplatz ein. Dies ist positiv zu beurteilen, da Teilzeitarbeit eine notwendige Voraussetzung für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellt. Allerdings zeigt sich auch, dass es grosse Unterschiede in Bezug auf die Geschlechter gibt. Zwar nimmt auch die Teilzeitarbeit bei Männern laufend zu, aber mit knapp 16% liegt die Teilzeitquote bei Männern doch deutlich tiefer als mit knapp 60% bei den Frauen (vgl. Grafik 1).

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Dieser starke Unterschied zwischen den Geschlechtern ist Ausdruck einer einseitigen Verteilung der Betreuungs- und Pflegepflichten zuungunsten der Frauen. Eine Anhebung der Teilzeitquote der Männer ist unabdingbar, um eine ausgeglichenere Verteilung dieser unbezahlten Arbeit zu erreichen und so neben Fortschritten bei der Gleichstellung der Geschlechter auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Gefordert ist die Wirtschaft, die neben einem grösseren Angebot an Teilzeitstellen auch für eine bessere Akzeptanz derselben sorgen muss – ohne negative Effekte auf Lohn- und Karriereentwicklungen.

Diskriminierung von Teilzeitarbeit

Neben der mangelnden Akzeptanz wird Teilzeitarbeit im Vergleich zu Vollzeitarbeit heute besonders in zwei Bereichen diskriminiert: Zum einen führt der Koordinationsabzug in der beruflichen Vorsorge zu einer schlechteren Absicherung. Wer den vollen Koordinationsabzug von rund 25‘000 Franken hinnehmen muss, hat nur einen kleinen Teil seines Einkommens versichert und muss später mit einer tieferen Rente leben. Der in der Reform der Altersvorsorge 2020 vorgesehene Wegfall des fixen Koordinationsabzugs erachtet Travail.Suisse deshalb als zwingend notwendig zur besseren Absicherung von Teilzeitarbeit. Ebenfalls begrüsst wird die geplante Herabsetzung der Eintrittsschwelle auf 14‘000 Franken.

Zum anderen wird Teilzeitarbeit auch im Bereich der Überzeitregelungen diskriminiert. Überzeit sind Arbeitsstunden, die über den gesetzlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeiten liegen. Für Überzeitarbeit ist grundsätzlich ein Lohnzuschlag von 25% auszurichten. Für Arbeitnehmende in industriellen Betrieben sowie für Büropersonal, technische und andere Angestellte sowie für das Verkaufspersonal in Grossbetrieben des Detailhandels beträgt die wöchentliche Höchstarbeitszeit 45 Stunden; für alle übrigen Arbeitnehmenden 50 Stunden.

Mit der heutigen Regelung beginnt Überzeit für Arbeitnehmende mit Teilzeitpensum ab der gleichen wöchentlichen Arbeitszeit wie für Arbeitnehmende mit Vollzeitpensum. Dies führt zu einer Benachteiligung der Teilzeitbeschäftigten, da sie anteilsmässig viel mehr Arbeitsstunden über die vertragliche Arbeitszeit hinaus leisten müssen, bis sie in den Bereich der kompensierten und bezahlten Überzeit kommen (vgl. Grafik 2).

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Teilzeitarbeitende werden oftmals als – für den Arbeitgeber – ideale Arbeitskräftepuffer eingesetzt. So ermöglicht zum Beispiel ein Angestellter im 50%-Pensum bei einer 40-Stundenwoche 20 fix vereinbarte Arbeitsstunden und zusätzlich 25 potenzielle Arbeitsstunden ohne Zuschläge bei starkem Arbeitsanfall. In diesem Sinn flexibel ausgelegte Teilzeitarbeit bringt aber keine Verbesserung der Vereinbarkeit, sondern erschwert diese zusätzlich, denn die Gründe für Teilzeitarbeit sind vielschichtig. Der wichtigste Grund ist die Abkehr vom klassischen Einverdienerhaushalt und damit die Aufteilung der Familien- und Betreuungspflichten, die neben der Berufstätigkeit ausgeübt werden. Weitere gewichtige Gründe sind Weiterbildungen oder die Ausübung einer Nebenbeschäftigung. Arbeitnehmende im Teilzeitpensum leisten somit nachweislich insgesamt ebenfalls ein volles Pensum; sie benötigen Planbarkeit und einen bedürfnisorientierten und zwingenden Schutz durch das Arbeitsgesetz. Die aktuell geltende gesetzliche Höchstarbeitszeit stellt den persönlichen Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden mit Teilzeitpensum nicht sicher und setzt falsche Anreize zum Einsatz von Teilzeitarbeit.

Travail.Suisse spricht sich klar für eine anteilsmässige Anpassung der wöchentlichen Überzeitgrenze an den Beschäftigungsgrad aus. Damit würde Überzeit beispielsweise bei einem 80%-Pensum bei 36 Stunden (bzw. 40 Stunden) einsetzen. So könnte der Realität der zunehmenden Teilzeitarbeit entsprochen werden. Ausserdem würde damit ein Schritt in Richtung Gleichstellung der Teilzeitarbeit mit Vollzeitarbeit getan und den Teilzeitarbeitenden die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Weiterbildung, Nebenbeschäftigung usw. erleichtert.

1 Fachhochschule Nordwestschweiz. 5. Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen 2010. Ausgewählte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive. S. 73ff.

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28. April 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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