Themen – Gleichstellung – Vereinbarkeit

Bürgerliche noch nicht in der Realität des Fachkräftemangels angekommen

Heute hat es der Nationalrat abgelehnt, die Befristung der erfolgreichen Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze aufzuheben. Das ist sehr kurzsichtig. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wären verlässliche und planbare Betreuungsstrukturen zentral. mehr

Heute muss das Parlament alle vier Jahre neu beschliessen, ob es das Bundesprogramm zur Anstossfinanzierung für familienergänzende Betreuungsplätze weiterführen will. Das Programm hat fast 50‘000 neue Betreuungsplätze geschaffen und ist somit eine Erfolgsgeschichte. Es ist deshalb unverständlich und kurzsichtig, wenn nun alle von Fachkräfteinitiative und mehr Einbindung der Mütter in den Arbeitsmarkt reden, gleichzeitig aber auf Verbesserungen bei der familienexternen Betreuung verzichtet wird. Eine solche Verbesserung wäre die vom Kanton Solothurn verlangte Aufhebung der Befristung des Bundesprogramms gewesen. Damit bleiben die Perspektiven für eine verbesserte familienexterne Betreuung unsicher.

Für mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

18. Dezember 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

info-workcare.ch – eine Antwort auf zahlreiche Erwartungen

Das von Travail.Suisse vor anderthalb Jahren lancierte Projekt weckt grosse Erwartungen in verschiedenen Kreisen. Ab Herbst 2016 soll diese erste nationale Plattform für berufstätige Personen, die Angehörige betreuen, unterstützen und pflegen, kostenlos allgemeine Informationen, nützliche Tipps und Adressen bereitstellen. Denn die Betroffenen brauchen sehr viel Zeit, um alle nützlichen Informationen und Adressen zusammenzusuchen. Die Internetseite info-workcare.ch bietet den betreuenden Angehörigen einen nützlichen Überblick und insbesondere mehr als tausend Adressen. mehr

In der letzten Ausgabe des Medienservice 1 wurden bereits die groben Züge des künftigen kostenlosen Angebots von Travail.Suisse umrissen, das sich an Berufstätige richtet, die ab einem Alter von rund 50 Jahren (manchmal aber auch schon früher) neue Aufgaben in ihrer Familie übernehmen müssen, da ihre älteren Angehörigen hilfsbedürftig werden.

Momentan befassen sich in der Bundesverwaltung mehrere Departemente und Bundesämter mit diesem Thema, denn es betrifft sowohl die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, aber gleichzeitig auch die Sozialversicherungen und die Gleichstellung von Frau und Mann. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann hat eine Analyse und wichtige Empfehlungen zum Thema veröffentlicht 2 . Im Bundeshaus sind einige Parlamentarier schon aktiv geworden. Auch auf kantonaler Ebene ist bereits einiges geschehen; so hat am 30. Oktober erstmals der Westschweizer Tag 3 der betreuenden Angehörigen stattgefunden, der alle entsprechenden Aktivitäten der Westschweizer Kantone unter einem Dach zusammenfasste.

Travail.Suisse stellt nach zahlreichen Kontaktaufnahmen bei den Vorbereitungsarbeiten des Projekts info-workcare.ch fest, dass dieses viele Erwartungen weckt. Tatsache ist, dass infolge unserer demografischen Situation die Anzahl älterer Menschen weiter steigen wird, und die Lebenserwartung geht ebenfalls nicht zurück. Ausserdem sind Frauen immer häufiger berufstätig, was dazu führt, dass die Gesellschaft für die Betreuung älterer Personen nicht mehr – wie bis anhin – ohne Weiteres auf diese Reserve an Gratisarbeitskräften zurückgreifen kann. Die Knacknuss der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit wird jede Familie, jeden Mann und jede Frau in unserem Land irgendwann treffen.

Was ist überhaupt «Care-Arbeit»?

Was beinhaltet der Begriff «Care-Arbeit» denn eigentlich? «Care» umfasst Dimensionen wie Achtsamkeit, Pflege, Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe – kurz die «Sorge für den anderen». In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann Care-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene» 4 . Das Büro betont, dass diese Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit sei und auf möglichst viele Personen – Männer und Frauen – verteilt werden müsse, damit sie auch in Zukunft erbracht werden kann, was sich sowohl die Gepflegten als auch die Pflegenden wünschen. Doch momentan tragen die Frauen die Belastung meist alleine und folglich auch die negativen Auswirkungen.

Projektziele

Ein wesentlicher Teil der künftigen Website dient auch der Sensibilisierung. Leisten Personen Care-Arbeit, wenn sie kleinere Besorgungen erledigen? Wenn sie also beispielsweise der Mutter beim Ausfüllen der Steuererklärung helfen, sie regelmässig für den Vater einkaufen (und gleichzeitig auch noch den Zustand der Lebensmittel im Kühlschrank kontrollieren) oder die Schwiegermutter zum Coiffeur oder zum Arzt begleiten? Die Antwort lautet: Ja. Soll man sich Gedanken über die Care-Arbeit machen, die der Vater für die Mutter leistet oder umgekehrt? Auch diese Frage ist mit Ja zu beantworten.

Und wann sollen Betroffene das Thema an ihrem Arbeitsplatz zur Sprache bringen? Heute ist bekannt, dass Erwerbstätige kaum über ihre diesbezüglichen Verpflichtungen im Privatleben sprechen. Meistens bringen sie das Thema viel zu spät zur Sprache, nämlich wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die Situation allein zu bewältigen. Häufig unterstützen pflegende Angehörige ihre Eltern in einem Mass, dass sie die körperlichen, aber auch die psychischen Grenzen ihrer Belastbarkeit überschreiten und selber krank werden. Die neue Website wird ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die in Zukunft unweigerlich auftauchen werden, wenn Betroffene einfach alles für sich behalten. Sie möchte auch die Männer ermuntern, ihren Anteil an der Care-Arbeit zu erhöhen.

Das von Travail.Suisse lancierte Projekt bezweckt eine bessere Vereinbarkeit regelmässiger Erwerbsarbeit ausserhalb des eigenen Haushalts mit Care-Arbeit für betagte Angehörige. Es soll insbesondere Fragen von Arbeitnehmenden beantworten, sobald sie auftauchen. Die Thematik ist bewusst auf dieses Gebiet begrenzt. Spezifische Aspekte im Zusammenhang mit Behinderungen oder medizinischen Diagnosen bei Kindern und Erwachsenen, die besondere Betreuung und Pflege benötigen, wurden nicht berücksichtigt. Das Projekt von Travail.Suisse setzt somit ganz am Anfang der Problematik an, um die Vereinbarkeit zu fördern.

Schon über 1000 Adressen zusammengetragen

Einen erheblichen Teil der Website info-workcare.ch macht ein Angebot an Kontaktadressen aus, die nach den Bedürfnissen der berufstätigen betreuenden Angehörigen sortiert sind. Alle veröffentlichten Angaben sind von allgemeinem Interesse, neutral und für das breite Publikum gedacht. Bis heute hat Travail.Suisse mehr als tausend Adressen zusammengetragen.

Es wurde eine Strategie definiert, welche Angebote und Adressen aufgenommen werden. Da die Website unter anderem mit öffentlichen Mitteln finanziert wird und sie keinen Ertrag abwirft, musste die Wahl der Adressen unter einem anderen Blickwinkel als beim üblichen Wirtschaftsmodell der «Gewinnmaximierung» und des «Return on Investment» erfolgen.

Die aufgeführten Adressen gehören hauptsächlich Verbänden und Organisationen ohne Gewinn-orientierung, die – nach Möglichkeit – gesamtschweizerisch tätig sind. Ebenfalls im Verzeichnis enthalten sind Angebote von anerkannten und/oder öffentlich finanzierten Organisationen und Einrichtungen. Rein kommerzielle Adressen werden folglich nicht aufgeführt. Es werden kostenlose und kostenpflichtige Dienstleistungen von gemeinnützigen Organisationen aufgenommen, die anerkannt sind und/oder mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Dienstleistungen hingegen, die bei rein privaten Unternehmen «erworben» werden können (für Personen, für den Haushalt usw.), werden nicht in der Liste aufgeführt.

Die Benutzerinnen und Benutzer haben die Möglichkeit, Adressen zu melden. Diese werden überprüft und, falls sie der Philosophie von www.info-workcare.ch entsprechen, veröffentlicht.

Die Ausbeutung von mittellosen ausländischen Arbeitskräften bekämpfen

Travail.Suisse kann weder die Qualität der angebotenen Dienstleistungen noch die Ausbildung der Personen, die sie anbieten, und noch weniger ihre Arbeitsbedingungen überprüfen. Das ist der Grund dafür, dass Arbeitsvermittlungen aus dem In- und Ausland hier bewusst keine Plattform erhalten. Ausserdem wird daher ein grosser Teil der künftigen Website www.info-workcare.ch der Sensibilisierung und der Information von Angehörigen gewidmet, die de facto in die Arbeitgeberrolle schlüpfen müssen, indem sie Personen für die Betreuung ihrer Angehörigen zu Hause anstellen.

Denn die Umfragen zeigen 5 : Eine der Lösungen, die relativ begüterte Familien manchmal wählen, ist die Anstellung von Personen aus dem Ausland, welche die Care-Arbeit bei Pflegebedürftigen zu Hause übernehmen. Eine klare Aufklärung über die rechtliche Lage und die guten Praktiken in diesem Bereich ist unerlässlich, um zu verhindern, dass die ausländischen Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Das ehrgeizige Projekt info-workcare.ch will vielen Erwartungen gerecht werden. Um die Website im Herbst 2016 offiziell zu lancieren, wird momentan eine Tagung zum Thema Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit vorbereitet.

1 ««info-workcare.ch für berufstätige betreuende Angehörige», Valérie Borioli Sandoz, Medienservice vom 15. November 2015.
2 Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann. «Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern», Bern, April 2012. «Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit», Bern, Mai 2010.
3 http://www.betreuende-angehoerige-tag.ch

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14. Dezember 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

info-workcare.ch für berufstätige betreuende Angehörige

Seit einem Jahr leitet Travail.Suisse das Projekt zur Schaffung der ersten nationalen Plattform mit Informationen, nützlichen Tipps und Adressen für berufstätige Personen, die Angehörige betreuen, unterstützen und pflegen. Die Lancierung dieses neuen Angebots ist für 2016 geplant, doch über einen Teil der Inhalte, die allen Betroffenen auf www.info-workcare.ch kostenlos zur Verfügung stehen werden, können wir im Folgenden bereits informieren. mehr

Eine neue Website zu konzipieren, ist nicht einfach, insbesondere nicht, wenn damit eine grosse Lücke geschlossen werden soll. Im Jahr 2012 hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen runden Tisch «Work and Care» einberufen, an dem rund dreissig auf diesem Gebiet tätige Organisationen teilnahmen, die sich der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit 1 verschrieben haben. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, war mit von der Partie und hat festgestellt, dass es auf nationaler Ebene kein zentralisiertes Informationsangebot gibt, wo betreuende Angehörige rasch nützliche Angaben finden. Dies entsprach auch den Schlussfolgerungen des BAG. Eine weitere Schlussfolgerung des runden Tisches war die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für die Aktivität der betreuenden Angehörigen zu sensibilisieren und Tabus zu brechen.

Im Anschluss an diese Feststellung und gestützt auf seine demografische Analyse 2 hat Travail.Suisse ein Projekt zur Erstellung einer neuen Website lanciert und dafür vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann finanzielle Unterstützung erhalten. Auf dieser Website sollen berufstätige betreuende Angehörige kostenlos und einfach Informationen und Tipps finden. Das Projekt ist im Juni 2014 3 angelaufen und dauert bis Frühling 2017. Die Website selbst soll im Herbst 2016 online gehen.

Wertvolle Hilfe von Fachleuten

Für die Konzeption des Inhalts der künftigen Website www.info-workcare.ch hat Travail.Suisse Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Fachleute aus verschiedenen Kreisen beigezogen. Dank der Erfahrung und dem Know-how der Schweizerischen Alzheimervereinigung, des auf Personalmanagement spezialisierten Büros avaconseils.ch 4 , des Forschungsinstituts Careum Forschung 5 , von Caritas Schweiz, des Schweizerischen Roten Kreuzes, der Männerorganisationen «mannschaft» und «männer.ch» sowie des Vereins Part Time Optimierung (der das Projekt zur Förderung von Jobsharing 6 umgesetzt hat) erhält das Projekt viele Inputs. Der Expertenausschuss wird ergänzt durch Fachleute wie Frau Prof. Nicky Le Feuvre der Universität Lausanne, die eines der den älteren Arbeitnehmenden gewidmeten Projekte im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP60 über die Gleichstellung der Geschlechter7^ geleitet hat, und Joëlle Curchod, Autorin einer umfassenden Studie über das Angebot für betreuende Angehörige im Kanton Jura.

Weitere Unterstützung bei diesem ehrgeizigen Unterfangen erhält Travail.Suisse durch die eigenen Mitgliedsverbände. Syna, OCST und transfair sind auch in der Projektleitung vertreten. Vertreter der Fachstelle UND und des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner vervollständigen das Team.

Die Rahmenbedingungen für die Care-Arbeit kennen

info-workcare.ch bezweckt die Förderung der generationsübergreifenden Betreuung innerhalb der Familie und will dabei dazu beitragen zu verhindern, dass Berufstätige ihre eigene Arbeitstätigkeit aufgeben oder zu stark einschränken müssen. Sie müssen über ihre eigene Situation als betreuende Angehörige – heute wie in Zukunft – in Kenntnis der Sachlage selbst entscheiden können. Die Rahmenbedingungen für die Care-Arbeit stellen einen wichtigen Teil des Angebots von info-workcare.ch dar.

Aber von welchen Informationen ist denn überhaupt die Rede? Finanzielle und rechtliche Aspekte sind wichtige, grundlegende Fragen, die sich betreuende Angehörige stellen müssen. Hinsichtlich der finanziellen Seite wird info-workcare.ch auf wichtige Fragen eingehen, die bei jeder Person, unabhängig von der persönlichen Situation, auftauchen können. Wie kann man sein eigenes Einkommen bei der Pensionierung bestimmen, wenn man beschlossen hat, weniger zu arbeiten, um seinen Angehörigen zu helfen? Gibt es Finanzhilfen für betreuende Angehörige? Und über welche Mittel verfügt die betreute Person unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Situation? Werden Kosten vergütet und falls ja, von wem? Wie ist vorzugehen, um die vorgesehenen Hilfen für die betreuten Angehörigen zu erhalten? Können betreuende Angehörige Hilfe beantragen?

Auf rechtlicher Ebene stellen sich ebenfalls wichtige Fragen sowohl für die Angehörigen, die man betreut, wie auch für sich selbst. Die Gesetzgebung bezüglich Erwachsenenschutz wurde revidiert, was wichtige Neuerungen in Bezug auf die Art, wie die Angelegenheiten und die Gesundheitspflege der betreuten Angehörigen delegiert werden können, nach sich gezogen hat. Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung, gesetzliche Vertretung durch den Ehegatten, Vertretung bei medizinischen Massnahmen und die verschiedenen Arten der Beistandschaft werden auf der Website erläutert.

Häufig gehen betreuende Angehörige selbst einer Erwerbstätigkeit nach. info-workcare.ch weist auf die geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen hin, bietet aber auch alle notwendigen Informationen und Tipps zur Erarbeitung von massgeschneiderten individuellen Lösungen. Es existieren gute Praktiken, und neue Arbeitsmodelle wurden bereits in vielen Unternehmen erprobt: Hier finden betreuende Angehörige Anregungen, um ihrem Arbeitgeber Vorschläge zu unterbreiten.

Nützliche Tipps

In einem Notfall müssen rasch Mittel und Wege gefunden werden, um optimal mit der Situation umzugehen. Zusammen mit Fachleuten wurden sieben Notfallsituationen definiert. Was macht man, falls betreute Angehörige verunfallen und man am Arbeitsplatz angerufen wird? Wie organisiert man sich, wenn man darüber informiert wird, dass ein Familienmitglied verschwunden ist? Oder wie geht man mit Situationen um, in denen die Gewaltbereitschaft zunimmt? Für jede der sieben Notfallsituationen gibt es eine kurze Liste mit Tipps zum weiteren Vorgehen. Den vorgeschlagenen Vorgehensweisen gemeinsam ist die Art, wie die Situation am Arbeitsplatz gehandhabt werden soll: Denn bei info-workcare.ch steht die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit im Fokus.

Über Notfallsituationen hinaus gilt es auch, Wege zu finden, um sich bei der Arbeit wie zu Hause zu organisieren. Für die Situation am Arbeitsplatz werden vier Schritte vorgeschlagen, und in drei Kapiteln werden Tipps für die Situation zu Hause geliefert. Die Informationen sind zeitlich strukturiert. Nach dem Notfall müssen die betreuenden Angehörigen die Angelegenheiten nach und nach organisieren und auch an die – nahe und ferne – Zukunft denken.

Im Internet müssen die veröffentlichten Texte jeweils so kurz wie möglich gehalten werden. Das Lesen am Bildschirm ist nicht so einfach wie auf Papier. Deshalb werden einige Themen in Merkblättern im PDF-Format vertieft behandelt. Diese Dateien lassen sich herunterladen, ausdrucken und in Ruhe «offline» lesen.

Noch mehr Inhalte!

Die künftige Website wird noch viele weitere Informationen, Dienstleistungen und Tipps umfassen. Travail.Suisse hat bereits über 1100 Adressen zusammengetragen und geprüft, und die Erhebung geht weiter. Über den Aufbau und die Auswahlkriterien der Adressen werden wir in einem nächsten Artikel des Medienservices informieren.

Für die Sensibilisierung gibt es ausserdem Videos von Personen, die von der Thematik betroffen sind. Diese Videos wurden in drei Landessprachen gedreht und sollen das Bewusstsein wecken, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung eines Tages mit der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit konfrontiert sein wird. Denn wir sind alle Tochter oder Sohn, Schwiegertochter oder Schwiegersohn, Nichte oder Neffe.

1 In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann Care-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene». In «Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern. Anpassungsbedarf des Sozialstaats in Zeiten sich ändernder Arbeitsteilung». Bern, Januar 2012.
2 Dr. Martin Flügel «Zehn Thesen zur Demografie – Ein Manifest für die Arbeit», Bern, Februar 2011. http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfile4s/205/original/d_Thesen_Demografie_Februar_2011.pdf
3 Medienservice vom 15. September 2014: «Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und ‹Care›-Arbeit für betagte Angehörige – Ein neues Projekt wird lanciert!» von Valérie Borioli Sandoz
4 Siehe www.avaconseils.ch
5 Siehe www.careum.ch
6 Siehe www.go-for-jobsharing.ch
7 Projekt EGALISE des NFP60

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02. November 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Betreuende Angehörige leisten doppelte Arbeit! Wen kümmert‘s?

Heute, 30. Oktober 2015, findet in der Westschweiz der interkantonale Tag der betreuenden Angehörigen statt. Der Fokus liegt – zurecht – auf den zahllosen Leistungen, die Angehörige meist unentgeltlich für Personen in ihrem Umfeld, die Hilfe benötigen, erbringen. Vergessen geht meist, dass die betreuenden Angehörigen in erster Linie einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Mit dem Projekt «info-workcare.ch» will Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit erleichtern: Travail.Suisse wird 2016 die erste nationale Plattform mit Informationen, Dienstleistungen und Adressen für berufstätige betreuende Angehörige einrichten. mehr

2012 hatte das Bundesamt für Gesundheit den runden Tisch «Work and Care» einberufen, an dem auch Travail.Suisse teilgenommen hat. Das Ergebnis dieses Treffens waren rund zehn Schlussfolgerungen, allen voran die Feststellung, dass es auf nationaler Ebene kein zentralisiertes Informationsangebot gibt, wo sich die betreuenden Angehörigen gut und rasch informieren können. Auch heute noch gibt es keine einheitliche Plattform, wo Betroffene Unterstützungsangebote auf regionaler Ebene finden können.

Travail.Suisse hat deshalb beschlossen, die erste nationale Plattform mit kostenlosen Informationen und Dienstleistungen für berufstätige Angehörige zu schaffen, die Personen aus ihrem Umfeld pflegen und betreuen. Info-workcare.ch bezweckt eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit. Es sollen nützliche Informationen bereitgestellt werden, um den Erhalt der Beschäftigung der betreuen¬den Angehörigen zu begünstigen. Mit verschiedenen Fachleuten und schweizweit aktiven Verbänden, und dank der finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann, verfolgt Travail.Suisse das ehrgeizige Ziel, die Plattform im Herbst 2016 aufzuschalten.

Eine weitere Schlussfolgerung des runden Tisches war die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für die Aktivität der betreuenden Angehörigen zu sensibilisieren und Tabus zu brechen. Und genau hier setzt der «Tag der betreuenden Angehörigen» an, der 2015 in der Westschweiz erstmals kantonsübergreifend stattfindet (ohne den französischsprachigen Teil des Kantons Bern). Die Website www.betreuende-angehoerige-tag.ch stellt das Angebot der betreffenden Kantone vor. Runde Tische, Filmvorführungen, Ausstellungsstände oder Tage der offenen Tür in Wohneinrichtungen für betagte Personen, Broschüren, Websites, Interviews mit Politikern usw.: Jeder Kanton organisiert sich ganz individuell. In der Deutschschweiz wird am 24. November 2015 ein erster Tag für betreuende Angehörige stattfinden. Unklar ist jedoch noch, ob die Initiative privat bleibt oder auch von den Kantonen getragen wird. Diese Beispiele zeigen die Stärken, aber auch die Schwächen des föderalistischen Systems auf: Die betreuenden Angehörigen finden sich darin kaum zurecht, was ihre Arbeit unnötig erschwert.

Der Erhalt der Beschäftigung und die Wiedereingliederung in das aktive Leben nach mehrjähriger Care-Arbeit tragen dazu bei, den Fachkräftemangel in unserem Land zu begrenzen. Dank dem Ein¬satz von Travail.Suisse stehen diese Themen auch im neuen Parlament weiterhin auf der politischen Agenda.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37

30. Oktober 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

mamagenda.ch : endlich dreisprachig!

Die italienische Version der digitalen Online-Agenda für die Mutterschaft am Arbeitsplatz wurde am 24. September in Lugano der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach wie vor kostenlos und für alle zugänglich ist mamagenda ein einzigartiges Instrument, das Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen bei Fragen rund um eine Schwangerschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Die OCST, Mitgliedsorganisation von Travail.Suisse, hat das ehrgeizige Projekt, mamagenda.ch dreisprachig zu gestalten, umgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch nicht bloss um eine Übersetzung; die OCST hat vielmehr eine neue Version von mamagenda.ch erstellt. Sie ist moderner und benutzerfreundlicher und wird den zahlreichen Benutzerinnen und Benutzern zweifellos weiterhin gute Dienste leisten. mehr

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, hat die digitale Agenda mamagenda.ch entwickelt und im Sommer 2011 online gestellt. Sie ermöglicht Betrieben und Mitarbeiterinnen eine Schwangerschaft während der Arbeit und die Rückkehr an den Arbeitsplatz stressfrei zu bewältigen. Ursprünglich wurde mamagenda in deutscher und französischer Sprache entwickelt. Die italienischsprachigen Mitglieder der Travail.Suisse angeschlossenen Verbände, wovon der Grossteil bei der OCST im Tessin organisiert ist, wollten die Agenda indes auch in ihrer Sprache nutzen können. Das ist jetzt möglich! Mit der finanziellen Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann und der fachlichen Begleitung von Travail.Suisse hat die OCST deshalb eine italienische Version entwickelt. Somit ist mamagenda.ch nunmehr in drei Sprachen verfügbar.

Das Erscheinungsbild ist praktisch unverändert

Nichts einfacher als eine dritte Sprachversion anzubieten: dafür braucht es ja nur eine Übersetzung. Die OCST hat jedoch einen andern Weg eingeschlagen und beschlossen, eine neue Homepage mamagenda.ch mit einem CMS (content management system) zu entwickeln, was Travail.Suisse und der OCST erlaubt, den Inhalt bei gesetzlichen Änderungen rasch anzupassen. Dabei wurden auch die kleinen Fehler in der Originalversion ausgemerzt.

Um die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer von mamagenda.ch nicht zu verwirren, blieb das allgemeine Erscheinungsbild unverändert. Das Publikum von mamagenda.ch nimmt im Übrigen laufend zu. Schon nach 6 Monaten haben insgesamt 1500 Besucher 2700-mal diese Seite aufgerufen. Nach einer Werbekampagne von 2012 bis 2014 mit Ständen an Fach- und Publikumsmessen und gezielten Werbebeilagen stieg die Besucherzahl deutlich an. 2013 haben 800 Besucher monatlich 1100-mal diese Homepage aufgerufen. Im Verlaufe der letzten 12 Monate (September 2014 bis September 2015) zählte mamagenda.ch durchschnittlich 950 Besucher mit 1216 Sessionen pro Monat. Juli 2015 war der Spitzenmonat mit 1581 Benutzern und 1740 Besuchen.

Verbesserte Funktionsfähigkeit

mamagenda.ch begleitet die Vorgesetzten und Angestellten während der Schwangerschaft, dem Mutterschaftsurlaub und auch während der ersten Wochen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit allgemeinen und rechtlichen Informationen, Ratschlägen und Checklisten. Alle können sich gratis auf der Homepage registrieren und mit einer E-Mail-Adresse ein persönliches Konto einrichten. Die Mitarbeiterin trägt zudem den errechneten Geburtstermin ein. Danach erhält sie einen Zeitplan, der von diesem Datum ausgeht. Wenn der oder die Vorgesetzte sich zuerst registriert, kann sie oder er so viele Kalender einrichten, wie Schwangerschaften gleichzeitig zu betreuen sind.

Das Spezielle von mamagenda.ch besteht darin, dass sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiterinnen zu einer gemeinsamen Nutzung aufgefordert werden. mamagenda.ch generiert ein E-Mail, worin eine der Parteien die andere dazu auffordert, die Registrierung durch einen Klick auf einen Link zu bestätigen. Zu verschiedenen Zeitpunkten während der Schwangerschaft schlägt mamagenda.ch Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen Gespräche mit Diskussionsthemen vor. Beide Parteien bereiten sich auf jedes Treffen anhand von thematischen Informationsblättern vor, die online verfügbar sind und ausgedruckt werden können. Es werden Daten für die Gespräche festgelegt, die – und das ist neu – von beiden Parteien geändert werden können. Wer das vereinbarte Treffen verschiebt, muss dies natürlich der anderen Partei mitteilen, was sich eigentlich von selbst versteht.

Während der Zeit vor und nach der Geburt werden die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen zu Gunsten der betroffenen Frauen (Schwangerschaft, nach der Niederkunft oder während der Stillzeit) eingeblendet. Als Gedächtnisstütze verschickt der Kalender allen, die sich abonniert haben, kleine Informationen per E-Mail. Daraus geht hervor, ob sich aus gesundheitlichen Gründen irgendwelche Änderungen am Arbeitsplatz aufdrängen. Zuweilen steht auch das Wohlbefinden der Frauen während der Schwangerschaft, nach der Niederkunft oder dem Wiedereinstieg im Vordergrund.

Humoristische Videos von Michele Januzzi

Die neue verbesserte dreisprachige Version von mamagenda.ch läuft auf allen Geräten (PC, Tablet und Smartphone) und mehreren Browsern (wie z.B. Safari, Chrome, Firefox). Deshalb kann mamagenda.ch auch unterwegs eingesehen werden.

Weitere Neuheit: kleine humorvolle Videos, gezeichnet von Michele Januzzi. Er hat als Protagonistin Magda, eine Architektin, ausgewählt, die für einen einfühlsamen Chef arbeitet, und es mit zugegebenermassen manchmal etwas einfältigen Kolleginnen und Kollegen zu tun hat. Diese Videos sind auf Youtube verfügbar.

Verschiedene Sponsoren auf beidseits der Alpen unterstützen mamagenda.ch: die Handels- und Industriekammer des Kantons Tessin, diie Gewerkschaft Syna – Mitgliedsorganisation von Travail.Suisse – und die Ernst Göhner Stiftung. Das Patronat haben das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Pro Familia Schweiz, Schweiz. Stiftung zur Förderung des Stillens, Schweiz. Gesellschaft für Arbeitsmedizin und die Fachstelle UND übernommen.

Konkreter Beitrag zur Bekämpfung des Mangels an Facharbeitskräften

Für die Frauen stellt die Schwangerschaft ein echtes Risiko für das Ausscheiden aus dem Berufsleben dar, nachdem sie ihren Rückstand auf die Männer bei der Berufsbildung aufgeholt haben. mamagenda.ch ist ein konkreter Beitrag von Travail.Suisse im Kampf gegen den Fachkräftemangel, denn damit wird dank des kontinuierlichen Dialogs der Wiedereinstieg der Frauen nach der Mutterschaft gefördert.

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28. September 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Medienkontakte

Kontaktperson für Medienanfragen

Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
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rosenkranz@travailsuisse.ch

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