Themen – Gleichstellung – Vereinbarkeit

Der Ständerat muss heute für mehr zahlbare familienergänzende Betreuung sorgen

Die Kosten für die familienergänzende Kinderbetreuung sind in der Schweiz exorbitant hoch. Zudem fehlt es an Betreuungsplätzen, die auch Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder bieten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert den Ständerat auf, heute auf die vom Bundesrat vorgeschlagenen Verbesserungen des Bundesgesetzes über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung einzutreten (Geschäft-Nr. 16.055), was zu einem weniger teuren und besser auf die heutigen Arbeitswelt ausgerichteten Betreuungsangebot führen würde. mehr

„Die Fachkräfteinitiative setzt auf eine höhere Erwerbsbeteiligung der Eltern. Will man dieses Ziel ernsthaft erreichen, so genügt es nicht, auf den Goodwill einzelner Kantone zu hoffen. Der Bund muss gezielte Anreize für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzen“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Die zuständige Kommission hat vorgeschoben, familienergänzende Kinderbetreuung sei Sache der Kantone und will deshalb nicht auf die Vorlage eintreten. Das ist sehr kurzsichtig, denn in der heutigen Arbeitswelt, braucht es zwingend zahlbare und verlässliche Drittbetreuungsangebote. „Das geht nicht ohne den Bund, der den Kantonen auf die Sprünge hilft. Sonst bleibt es für Eltern Glückssache oder Zufall, ob sie auf eine gute Betreuungsinfrastruktur zählen können oder nicht, je nach Kantonszugehörigkeit. Das ist nicht mehr zeitgemäss, die moderne Arbeitswelt macht nicht an der Kantonsgrenze halt“, sagt Kuert Killer. Zwar sind die kaufkraftbereinigten Kosten für die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz vergleichbar mit denjenigen in unseren Nachbarländern Deutschland, Österreich und Frankreich. Aber ein Grossteil der Kosten wird in der Schweiz im Gegensatz zum benachbarten Ausland auf die Eltern überwälzt. Das macht die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz exorbitant teuer und führt häufig dazu, dass ein Zweiteinkommen sich finanziell kaum rechnet.

Enttäuschend ist, dass sich Exponent/innen der Familienpartei CVP und Kreise aus der Wirtschaft, die von der Fachkräfteinitiative reden und von einem steigenden Arbeitskräftepotenzial der Eltern profitieren würden gegen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wehren. Travail.Suisse fordert diese Kreise auf, langfristig zu denken und in ein zahlbares und verlässliches Angebot an familienexterner Kinderbetreuung zu investieren. Travail.Suisse ist überzeugt, dass es mittelfristig einen besseren Service Public in diesem Bereich braucht und fordert deshalb, dass die heutige Anstossfinanzierung des Bundes mittelfristig zu einem Rahmengesetz für die Betreuungsinfrastruktur umgebaut wird.

Für weitere Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

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28. November 2016, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Höhere Abzüge für Kinderdrittbetreuungskosten:
Ein Puzzlestein für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Heute hat der Bundesrat höhere steuerliche Abzüge für die Kosten der familienexternen Kinderbetreuung vorgeschlagen. Travail.Suisse begrüsst diese Massnahme, unterstreicht aber gleichzeitig, dass es damit bei weitem nicht getan ist. mehr

Arbeiten soll sich lohnen. Heute ist dies wegen der hohen Kosten der familienexternen Kinderbetreuung zu wenig der Fall. Mit den höheren steuerlichen Abzügen, welche der Bundesrat heute vorschlägt, wird diese unbefriedigende Situation vor allem für mittlere und hohe Einkommen etwas verbessert. So bleibt für gut ausgebildete Frauen – und auch Männer -, welche Ihren Beschäftigungsgrad erhöhen, mehr Geld im Portemonnaie. Daran ist nichts auszusetzen.

Wie eine kürzlich verfasste Studie zeigt, ist die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz nicht grundsätzlich teurer als in unseren Nachbarländern. Hingegen müssen die Kosten fast ausschliesslich von den Eltern getragen werden. Der Staat und die Arbeitgeber übernehmen nur einen sehr kleinen Teil. Um das Problem bei der Wurzel zu packen, braucht es deshalb auch Massnahmen, welche die familienexterne Kinderbetreuung für alle Eltern erschwinglicher machen. Eine höhere Beteiligung des Staates, aber auch der Arbeitgeber an den Kosten der familienexternen Kinderbetreuung ist deshalb für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit für mehr Fachkräfte unumgänglich. Familienpolitik in diesem Bereich muss zudem auch tiefe Einkommen umfassen. Diese können nur auf eigene Faust ein ausreichendes Familieneinkommen erwirtschaften, wenn die externe Kinderbetreuung erschwinglich wird.

„Es reicht nicht, Familienpolitik über die Steuern zu betreiben. Das wäre, wie wenn die Altersvorsorge nur aus der 3. Säule bestehen würde“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse. Will die Politik dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen, muss die Betreuungsinfrastruktur für Kinder endlich als Teil des Service public und auch als Aufgabe der Wirtschaft begriffen werden. Positive Ansätze existieren bereits in verschiedenen Kantonen. Diese Entwicklung muss nun auch vom Bund vorangetrieben werden.

Weitere Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, 079 777 24 69

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30. September 2016, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Das Parlament muss sich um die berufstätigen, pflegenden Angehörigen kümmern

Die Behandlungsfrist von zwei parlamentarischen Initiativen zu den pflegenden Angehörigen, 2011 von der damaligen Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz eingereicht, läuft ab. Morgen hat das Parlament die Möglichkeit, sie zu verlängern. Diese Verfahrensformalität scheint auf Widerstand zu stossen, obwohl es für viele Kreise unbestritten ist, dass die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien gefördert und vereinfacht werden muss. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, ruft die Parlamentarierinnen und Parlamentarier dazu auf, die Diskussion über diese Thematik nicht zu stoppen. mehr

In naher Zukunft wird es in der Schweiz immer mehr ältere Menschen geben, die Pflege und Unterstützung benötigen. Viele der Betroffenen wünschen sich, solange wie möglich zuhause leben können. Um ihnen das zu ermöglichen, bieten ihnen die Angehörigen ihre Hilfe an – auch wenn sie daneben noch berufstätig sind. Diese grosse von den Arbeitnehmenden geleistete Arbeit findet wenig Anerkennung und, was noch schlimmer ist, gefährdet wegen der fehlenden Erholung die Gesundheit der Hilfeleistenden. Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse, unterstreicht: „Oft müssen pflegende Angehörige – es sind vor allem Frauen – aufgrund der zu hohen Belastung auf jede Berufstätigkeit verzichten. Das ist für die Betriebe, die unter einem Mangel an Fachkräften leiden, ein grosser Verlust.“

Die erste 2011 von Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz eingereichte parlamentarische Initiative fordert eine Betreuungszulage von 25 Franken pro Monat für pflegende Angehörige. Mit dieser vor allem symbolischen Zulage soll die ehrenamtlich innerhalb der Familien geleistete Arbeit anerkannt werden. Die zweite parlamentarische Initiative verlangt einen bezahlten Urlaub von sieben Tagen pro Jahr für Personen, die ihre älteren, behinderten oder chronisch kranken Angehörigen unterstützen, begleiten und pflegen. Beide Initiativen wurden vom Nationalrat und seiner vorberatenden Kommission angenommen. Die Behandlungsfrist läuft indes bald ab und die Massnahmen, die der Bundesrat vorsieht, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten, sind nach wie vor nicht bekannt. Es ist deshalb zu hoffen, dass das Parlament die zwei Vorstösse morgen nicht abschreibt. Die Kommission muss ihre Arbeiten in diesem sensiblen Bereich fortsetzen.

Am 25. Oktober 2016 wird Travail.Suisse im Rahmen einer halbtägigen Veranstaltung die Internetseite www.info-workcare.ch, die sich an berufstätige Personen richtet, die Angehörige pflegen, lancieren. Diese erste nationale Plattform verfolgt das Ziel, die generationenübergreifende Hilfe innerhalb der Familien zu stärken, indem sie den Betroffenen kostenlos Informationen, Tipps, Serviceleistungen und Kontaktadressen zur Verfügung stellt. Interessierte können sich über die Website von Travail.Suisse www.travailsuisse.ch für diese Veranstaltung anmelden.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Tel. 079 598 06 37

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2016 09 29 Communiqué Verlängerung PI Meier-Schatz pflegende-Angehörige.doc 61 KB

29. September 2016, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Wirtschaft und Politik treiben ein gefährliches Spiel

Heute haben sich Vertreter des Bundes, der Kantone, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmendenvertretungen zum Spitzentreffen Fachkräfte Schweiz getroffen. Ziel war es, Massnahmen zur Förderung des inländischen Fachkräftepotenzials zu entwickeln. Das Ziel wurde nicht erreicht, was Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, stark bedauert. mehr

Spricht man von Fachkräftemangel und dessen Behebung, so haben Investitionen in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und in die Weiterbildung von älteren Arbeitnehmenden bei weitem den grössten Impact. Doch damit endlich Bewegung in diese Bereiche kommt, braucht es griffige Massnahmen. Diese zu ergreifen, hat das Spitzentreffen Fachkräfte Schweiz heute Vormittag verpasst.

Fachkräfte-Initiative wird definitiv zum Marketinginstrument

Dass endlich Substanz in die Diskussion um die Fachkräfte-Initiative muss, hat Travail.Suisse bereits im Vorfeld des Spitzentreffens betont. „Leider ist das nicht passiert“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. „Die Plattform hätte ein grosses Potenzial gehabt, sozialpartnerschaftliche Lösungen zur Förderung von Vereinbarkeit und zur Weiterbildung von älteren Arbeitnehmenden zu finden. Leider scheinen weder Arbeitgebervertretungen noch die Politik an Lösungen und Massnahmen interessiert.“ Das Propagieren des freien Arbeitsmarktmarktes und die Forderung der Abschaffung der Arbeitszeitverfassung zielt zu kurz, führt zu mehr Gratisarbeit und wird von Travail.Suisse vehement abgelehnt.

Die Haltung von Arbeitgebervertretern und Politik ist gefährlich: Eben erst hat die Staatpolitische Kommission des Nationalrates beschlossen, dass die Fachkräfteinitiative die erste und wichtigste Massnahme zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative sein soll, dass also über die Mobilisierung von inländischen Fachkräften die von der SVP geforderten Kontingente umgangen werden können. „Doch wenn Bundespräsident Schneider-Ammann seine Fachkräfteinitiative vorantreibt wie bisher – also ohne konkrete Lösungen – so wird der Schuss in die falsche Richtung gehen“, sagt Wüthrich. Das heisst: Der Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen muss sichergestellt, die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt verbessert, die Arbeitsmarktpartizipation der Frauen erhöht und der Verbleib von älteren Arbeitnehmenden im Arbeitsmarkt gesichert werden. Nur so wird es gelingen die Bevölkerung weiter vom bilateralen Weg mit der europäischen Union zu überzeugen.

Mehr Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, Mobile: 079 287 04 93


Travail.Suisse hat bereits im Vorfeld des Spitzentreffens Massnahmen im Bereich der Vereinbarkeit gefordert: Erstens mehr Geld, z.B. für eine Betreuungszulage für pflegende Angehörige, zweitens mehr Infrastruktur etwa mit einem Rahmengesetz für die Betreuungsinfrastruktur als Aufgabe des Service Public und drittens mehr Zeit, beispielsweise dank einem Vaterschaftsurlaub – denn Vereinbarkeit darf nicht Sache der Frauen, sondern Sache der Frauen und Männer sein. Für die älteren Arbeitnehmenden hat Travail.Suisse einen Sonderkredit Weiterbildung gefordert, damit ihre Arbeitsmarktfähigkeit gefördert und unterstützt werden kann.

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12. September 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

100 Millionen für Vereinbarkeit sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein

Der Bundesrat will 100 Millionen Franken zur Verfügung stellen, um die Kosten für die Drittbetreuung zu senken und das Betreuungsangebot an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst diese Verbesserungen. Doch das reicht bei weitem nicht. Angesichts künftigen Herausforderungen ist die Eidgenossenschaft aufgefordert, ein Rahmengesetz für die Infrastrukturen zu Gunsten von externer Kinderbetreuung und betreuenden Angehörigen zu schaffen. mehr

Ein Tropfen auf den heissen Stein: So muss die heutige Entscheidung des Bundesrates zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingeordnet werden. Die Stossrichtung ist zwar klar positiv, insbesondere angesichts der im internationalen Vergleich sehr teuren externen Kinderbetreuung – sie kostet in der Schweiz drei Mal mehr als in den grossen europäischen Städten. Das bremst eine erhöhte Erwerbstätigkeit von Eltern auf dem Arbeitsmarkt.

„Die Familienpolitik als Ganzes muss dringend überdacht werden“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche für Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse. „56 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung hat sich 2013 deutlich für einen Verfassungsartikel zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgesprochen – leider ist er am Ständemehr gescheitert“.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Bildungspolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 598 06 37

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29. Juni 2016, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

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