Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Vaterschaftsurlaub braucht dringend eine gesetzliche Basis

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Travail.Suisse hat die Zahlen zur Verbreitung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweizer Wirtschaft aktualisiert (Stand Juli 2017). Dabei wurden die grössten und dazu die allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge analysiert (45 GAV). Es zeigt sich: Es geht nur langsam vorwärts mit einem Vaterschaftsurlaub. Für fast die Hälfte der einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Arbeitnehmenden sind nach wie vor nur 1-2 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Bei den grossen Unternehmen gibt es zahlreiche Beispiele mit 10 bis 20 Tagen Vaterschaftsurlaub.

Aktualisiert wurden auch die Zahlen zur öffentlichen Hand als Arbeitgeberin. Beim Bund, den Kantonen, den 30 grössten Städten und den Kantonshauptorten werden 5-10 Tage Vaterschaftsurlaub je länger je mehr zur Norm. Einen Vaterschaftsurlaub im Bereich von 20 Arbeitstagen, wie von der Volksinitiative von Travail.Suisse gefordert, bieten jedoch nur grössere städtische Zentren an.

Insgesamt besteht ein grosser Unterschied zwischen grossen und kleinen Arbeitgebern: Grosse Arbeitgeber sehen einen – wenn auch bescheidenen – Vaterschaftsurlaub vor, kleinere Arbeitgeber in der Regel nicht. Diese Lücke kann nur mit einer gesetzlichen Regelung zum Vaterschaftsurlaub und einer solidarischen Finanzierung geschlossen werden, welche gleiche Bedingungen für alle schafft.

> Factsheet Vaterschaftsurlaub in 45 Gesamtarbeitsverträgen
> Factsheet Vaterschaftsurlaub bei der öffentlichen Hand

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mamagenda.ch: Neuer Look und mehr Informationen

Die digitale Agenda mamagenda.ch unterstützt erwerbstätige Frauen und ihre Vorgesetzten beim Organisieren der Zeit vor und nach der Geburt. Seit dem 1. Juli 2014 präsentiert sich die Website nun in einem neuen Look. Die Überarbeitung beschränkt sich aber nicht auf die Optik: Auch die rund zwanzig Merkblätter wurden unter Berücksichtigung der gesetzlichen Änderungen auf den neuesten Stand gebracht. Verbesserungen beim Navigieren machen das kostenlose Angebot von Travail.Suisse noch anwendungsfreundlicher und attraktiver. mamagenda.ch ist damit eine konkrete Antwort auf die Fachkräfteinitiative, die Bundesrat Schneider-Ammann lanciert hat. mehr

Die Gewerkschaft Syna als Mitglied von Travail.Suisse, der unabhängigen Dachorganisation der Arbeitnehmenden sowie die Ernst Göhner Stiftung konnten als neue Partnerinnen für mamagenda.ch gewonnen werden. Sie stellen mit ihrer grosszügigen finanziellen Unterstützung sicher, dass die kostenlose Plattform aktualisiert und betreut werden kann. Die Plattform trägt aktiv dazu bei, dass erwerbstätige Frauen und ihre Vorgesetzten einer Mutterschaft entspannt entgegensehen können. Ein Novum: Die Nutzerinnen und Nutzer können künftig ihrer Zufriedenheit Ausdruck geben, indem sie über eine Spende per Mausklick einen Beitrag – und sei er auch noch so klein – überweisen. Für Travail.Suisse ist dies eine Premiere im Crowdfunding.

Merkblätter auf dem neusten gesetzlichen Stand

Travail.Suisse hat die Neugestaltung der Website auch genutzt, um das Logo von mamagenda.ch aufzufrischen, «tote» Links zu entfernen und die online-Hilfsfunktion zu optimieren. Doch die wesentliche Arbeit ist nicht auf den ersten Blick sichtbar: Sie steckt in den 23 Merkblättern und Checklisten, die den Nutzerinnen und Nutzern der digitalen Agenda und allen Interessierten, welche die Site besuchen, kostenlos zur Verfügung stehen. Sämtliche Merkblätter wurden anhand der aktuellsten gesetzlichen Änderungen auf den neuesten Stand gebracht.

Dies gilt insbesondere für die Merkblätter Nr. 10 «Stillen am Arbeitsplatz – möglich und bezahlt» und Nr. 12 «Absenzen und Lohnanspruch – Was das Gesetz sagt» zur Frage des Stillens am Arbeitsplatz, die in der revidierten Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz genau geregelt ist, namentlich was die während der Arbeitszeit mindestens zu bezahlende Stillzeit betrifft. Das Merkblatt Nr. 11 «Arbeitsunfähigkeitszeugnis – in jedem Fall nötig?» wurde um einen Abschnitt erweitert, der sich an die Arbeitgeber/innen richtet. Erklärt wird darin auch, wie schwierig die Situation manchmal für erwerbstätige Frauen ist, die während der Schwangerschaft gesundheitliche Probleme haben und zwischen den Ansprüchen ihres Arbeitgebers und den ärztlichen Empfehlungen hin- und hergerissen sind.

Die Navigation ist noch intuitiver

Wer sein Passwort vergessen hat, erhält künftig ganz einfach ein neues: Per Mausklick kann ein neuer Zugangscode an die registrierte E-Mail-Adresse geschickt werden. Nach dem Anklicken des Links muss nur noch ein neues Passwort gewählt werden – fertig. Die Onlinehilfe in Form eines PDF-Files wurde ebenfalls optimiert. Die Erklärungen zur Funktionsweise der Agenda stehen nun in Form eines kleinen Hefts zur Verfügung, das ausgedruckt werden kann. Zum Schluss gibt die Onlinehilfe Antwort auf die je zehn häufigsten Fragen von betroffenen Frauen und Vorgesetzten. 2013 registrierten sich pro Monat über 50 Personen bei der digitalen Agenda. Besucht (ohne Login) wurde die Website von wesentlich mehr Personen: Monatlich waren im Durchschnitt rund 1100 Besuche von gegen 800 Personen zu verzeichnen.

Ein konkreter Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels

mamagenda.ch ist die bisher einzige kostenlose digitale Agenda, die bei organisatorischen Fragen rund um eine Mutterschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Auch drei Jahre nach der Einführung im Juni 2011 ist mamagenda.ch ein innovatives Instrument, das in der Schweiz in diesem Bereich eine Pionierrolle spielt. Die Grundidee besteht darin, einen konstruktiven Dialog zwischen Arbeitnehmerin und Arbeitgeber/in in Gang zu setzen, damit diese auf Fragen rund um eine Schwangerschaft gemeinsam befriedigende Antworten finden. Dies soll dafür sorgen, dass eine Mutterschaft nicht mehr länger zu einem Hindernis für eine weitere Erwerbstätigkeit wird. Dieses Ziel ist angesichts der Beschäftigungslage in der Schweiz äusserst dringlich.

Frauen in der Schweiz sind sehr gut qualifiziert – sei es durch eine Berufsausbildung oder ein Studium. Dass ihr Potenzial ausgeschöpft wird, ist unabdingbar, insbesondere nach der folgenschweren Abstimmung vom 9. Februar zugunsten der Volksinitiative mit dem trügerischen Titel «gegen Masseneinwanderung», mit der sich der seit Jahren beobachtete Fachkräftemangel weiter verschärften wird. Angesichts der immer angespannteren Lage auf dem Arbeitsmarkt wird auf Hochtouren an Ansätzen gearbeitet, die es der Wirtschaft ermöglichen, die benötigten Fachkräfte zu rekrutieren. Mit mamagenda.ch trägt Travail.Suisse direkt zu den Bemühungen der Fachkräfteinitiative bei, die Bundesrat Schneider-Ammann lanciert hat. Daneben sind – das kann nicht oft genug betont werden – zahlreiche weitere Massnahmen notwendig, wie Krippen- und ausserschulische Betreuungsplätze, erschwingliche Mittagstische, familienfreundliche Arbeitsmodelle oder Tagesschulen. Als einer der ersten Schritte im Rahmen der Nutzung von mamagenda.ch wird darauf hingewirkt, dass Arbeitgeber/in und erwerbstätige Frauen Schwangerschaft und Mutterschaft nicht mehr als etwas Negatives empfinden, wie dies heute noch häufig der Fall ist.

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2014 08 25 Relaunch www-mamagenda-ch d.doc 41 KB

25. August 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Neues Kleid für mamagenda.ch

mamagenda.ch ist eine Website von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden. Die Online-Plattform begleitet Arbeitnehmerinnen während Schwangerschaft und Mutterschaftsurlaub und wurde in den letzten Monaten komplett neu überarbeitet. Heute, am 1. Juli 2014, erscheint mamagenda.ch im neuen Kleid: Neu präsentiert sich mamagenda.ch mit einem neuen Logo, neuen SponsorInnen und mit neuen und komplett überarbeiteten Info-Blättern. Damit beginnt heute ein neuer Lebenszyklus für die einzige und kostenlose Online-Plattform in diesem Bereich. mehr

Zwei neue Sponsoren haben sich entschieden, die Website mamagenda.ch die kommenden drei Jahre zu finanzieren: Die Gewerkschaft Syna und die Ernst Göhner Stiftung. Dank dieser Unterstützung konnte die Online-Plattform komplett überarbeitet werden und erscheint heute in einem neuen Kleid. Ebenfalls modernisiert wurde die Unterstützungsmöglichkeit über PayPal: Neu können Interessierte, die mamagenda.ch auch finanziell unterstützen wollen, auch sehr kleine Beträge spenden. Ziel ist es, dass dank vielen kleinen und grösseren Beiträgen mamangenda.ch auch in Zukunft gratis bleiben kann.

mamagenda.ch unterstützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitgebende

Auf mamagenda.ch können Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber/innen einen Account erstellen, über den die Schwangerschaft, der Mutterschaftsurlaub und der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben dynamisch und interaktiv begleitet werden kann. Die Website unterstützt Arbeitnehmerinnen und ihre Arbeitgeber/innen aktiv mit Informationen, Checklisten und Tipps, um diese Phase im Arbeitsleben zu vereinfachen und die wichtigsten Schritte planen zu können. Die neu erstellte Rubrik «Hilfe» vereinfacht zudem die ersten Schritte auf mamagenda.ch. Auch die 23 Info-Blätter zum Downloaden wurden neu überarbeitet und modernisiert. So sind beispielsweise neu auch die aktuellen Regelungen zu den Stillpausen integriert.

Seit Anfang 2014 hat mamagenda.ch bereits 5000 neue Logins verzeichnen können, das ist eine Zunahme von 14% verglichen mit den sechs ersten Monaten im 2013. Die Plattform ist ein von Travail.Suisse entwickelter Service für Arbeitnehmende, für die Mitglieder ihrer Mitgliedorganisationen und für alle Interessierten.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Gleichstellungspolitik, Mobile: 079 598 06 37

01. Juli 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Höchste Zeit für einen Vaterschaftsurlaub

Heute werden Väter nach der Geburt eines Kindes mit ein bis zwei freien Tagen abgespeist. Das entspricht nicht mehr den Realitäten. Die Präsenz der Väter nach einer Geburt des Kindes ist unerlässlich für einen guten Start ins Familienleben. Es ist Zeit für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub. Die Kosten sind tragbar und es steht ihnen ein vielfältiger Nutzen gegenüber. mehr

Familienpolitik besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: Es braucht a) einen substanziellen finanziellen Ausgleich der finanziellen Belastung durch Kinder. Es braucht b) eine gute Infrastruktur zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und es braucht c) Massnahmen, damit genug Zeit für ein funktionierendes Familienleben bleibt. Gemeinschaft wird als erstes in der Familie erlebt und gelebt. Damit dafür genügend Raum bleibt, braucht es klar definierte Auszeiten vom Erwerbsleben zugunsten der Familie. Nur genügend zeitliche Freiräume erlauben den Aufbau von tragfähigen Beziehungen. Das gilt insbesondere für die erste Zeit nach der Geburt eines Kindes. Seit einigen Jahren gibt es in der Schweiz einen gesetzlich garantierten Mutterschaftsurlaub. Er bringt der Mutter eine – sehr knapp bemessene – Auszeit von der Arbeit. Eine zeitgemässe Familienpolitik sollte einen solchen Freiraum auch für Väter schaffen. Travail.Suisse macht sich deshalb für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub stark.

Die Väter braucht es jetzt – nicht später

Heutige Väter wollen Verantwortung übernehmen und sich ins Familienleben einbringen. Männer, die Väter werden, müssen vom ersten Augenblick an präsent sein, um eine Bindung zum Kind aufzubauen und sich während der geburtsbedingten Abwesenheit der Mutter und der nachfolgenden Erholungsphase um die allenfalls weiteren Kinder kümmern zu können. Das Bewusstsein der Väter ist gestiegen, dass es vom ersten Tag an auf sie ankommt. Heute kriegen sie im Regelfall aber höchstens einen oder zwei Tage bezahlten Urlaub. Dies im Rahmen der „üblichen freien Tage“ nach OR (Art. 329 Abs. 3). Der Vaterschaftsurlaub wird also gleich behandelt wie z.B. ein Wohnungsumzug. Den Rest müssen die Väter auf Kosten ihres Ferienbudgets oder im Falle eines unbezahlten Urlaubs aus ihrem Familienbudget bestreiten. Das ist für eine zeitgemässe Familienpolitik nicht mehr länger haltbar. Travail.Suisse fordert deshalb als nächsten wichtigen Schritt der Familienpolitik einen bezahlten, flexibel einziehbaren Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen mit einer Ersatzquote von 80 Prozent. Wie der Mutterschaftsurlaub, soll auch der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert werden. Dies wie beim Mutterschaftsurlaub bei einer Ersatzquote von 80 Prozent und einem maximalen Taggeld von 196 Franken. Mit dem Vaterschaftsurlaub ist das Anrecht verbunden, 20 Arbeitstage dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Die Leistung ist auf ein Jahr nach der Geburt beschränkt. Entschädigt werden 28 Taggelder der EO (inkl. Wochenende). Es wird erst nach dem vollständigen Bezug des Vaterschaftsurlaubs abgerechnet, so dass der administrative Aufwand sich für den Arbeitgeber in engen Grenzen hält.

Teilzeitarbeit erproben

Der Vaterschaftsurlaub kann auch in einzelnen Tagen bezogen und für Teilzeitarbeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg benutzt werden. Er stellt somit auch eine Entlastungsmöglichkeit für die Mutter im Übergang nach dem Mutterschaftsurlaub (Berufsrückkehr der Mutter, Einführung Krippenplatz, etc.) dar und kann den Beginn einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Vaters darstellen. Das ist für die Väter wie auch für die Betriebe sinnvoll, denn es besteht heute eine Hemmschwelle der Teilzeitarbeit gegenüber: Viele Väter möchten zwar Teilzeit arbeiten, fordern dies von ihrem Arbeitgeber aber zu wenig konsequent ein. Und auch viele Betriebe sind der Überzeugung, die Abläufe könnten nur mit einer 100-Prozent-Beschäftigung der Väter aufrechterhalten werden. Mit den 20 Arbeitstagen Vaterschaftsurlaub haben sowohl die Väter wie auch die Betriebe die Möglichkeit, Teilzeitarbeit über mehrere Monate hinweg zu testen (max. 20 Wochen à 1 Tag) und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

Finanzierung über EO gewährleistet

Der Bundesrat veranschlagt in seinem Bericht vom 30.10. 2013 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub auf 384 Mio. Franken. Das ist nicht gratis, aber in Relation zum Nutzen sehr bescheiden. Es entspricht rund 0.1 Prozent der Lohnsumme in der Schweiz. Aus der finanziellen Situation der EO und deren mittelfristigen Perspektiven zeigt sich, dass auf Grund der Einführung eines 4-wöchigen Vaterschaftsurlaubs mit keiner bzw. nur einer sehr moderaten Erhöhung der EO-Beiträge gerechnet werden muss: Erstens schreibt die EO heute Gewinne (2013: 148 Mio. Franken). Ihre Finanzen sind gesund. Zudem ist die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig. So gab es 2008 noch rund 175‘000 EO-Bezüger/innen der Armee. 2012 waren es noch rund 145‘000. Es ist deshalb bei gleich bleibenden Beiträgen mit stark steigenden Gewinnen zu rechnen. Dies widerspiegelt sich in den finanziellen Zukunftsperspektiven der EO: Es wird bis 2035 von stetig steigenden Umlageergebnissen (Ergebnis ohne Vermögensanlagen) der EO ausgegangen. Diese belaufen sich gemäss dem mittleren Szenario des Bundesrates im Jahr 2025 jährlich auf über 250 Mio. Franken und steigen bis 2035 auf über 300 Mio. Franken an. Zusammen mit dem Anlageergebnis nimmt auch das voraussichtliche Vermögen der EO deutlich zu. Mit den heutigen Leistungen steigt das Kapital der EO bis 2025 auf über 3.5 Mrd. Franken an. Ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub ist somit mittel- bis langfristig bereits grösstenteils finanziert. Dem steht ein vielfältiger Nutzen, nicht nur für die Väter gegenüber.

Nutzen für die Familien

Eine Mehrheit der Eltern ist heute der Ansicht, dass die Präsenz der Väter nach der Geburt eines Kindes unerlässlich für einen guten Start in das Familienleben ist. Die Zeit unmittelbar nach der Geburt ist entscheidend. Beim ersten Kind müssen sich die frischen Eltern in der neuen Situation einleben und eine Beziehung zum Neugeborenen aufbauen. Sind bereits Geschwister vorhanden, kommt die Betreuung dieser Kinder hinzu. Die Väter selber wollen ihre Verantwortung wahrnehmen und sehen in einem Vaterschaftsurlaub einen wesentlichen Bestandteil einer zeitgemässen Familienpolitik. Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub stellt eine Anerkennung ihres Engagements dar. Die gelebte Realität soll auch zur gesetzlichen Realität werden.

Nutzen für die Betriebe insbesondere KMU

Das Modell ist auch für Selbständigerwerbende anwendbar. Es wird paritätisch finanziert und von allen Erwerbstätigen getragen. Die für die Unternehmen entstehenden Kosten sind dadurch moderat und unabhängig von der der Belegschaft. Damit haben alle Unternehmen gleich lange Spiesse (keine Wettbewerbsverzerrung). Heute liegt es meistens im Ermessen der Arbeitgeber, ob sie ihren Angestellten einen Vaterschaftsurlaub gewähren. Grössere Betriebe können hier auf Grund ihrer Möglichkeiten grosszügiger sein. Sie gewähren heute zum Teil schon 10 Tage Vaterschaftsurlaub (z.B. Migros, Swisscom, Bund) auf Kosten des Arbeitgebers. Mit einer Lösung über die Sozialversicherung EO finanzieren alle Erwerbstätigen solidarisch den Vaterschaftsurlaub, so dass dieser auch für KMU-Betriebe und ihre Angestellten möglich wird.

Gesellschaftlicher Nutzen

Wenn Väter sich ab der Geburt in der Familienarbeit engagieren können, trägt dies viel zu stabilen und tragfähigen Familienbeziehungen bei. Spüren die Mütter zudem vom ersten Tag an die Entlastung durch ihre Partner, sind sie eher bereit, nach der ersten Babyphase wieder in das Erwerbsleben einzusteigen. Damit trägt ein Vaterschaftsurlaub gleichzeitig zur Gleichstellung von Mann und Frau in der Familie wie auch zu einer volkswirtschaftlich sinnvollen Beteiligung der Mütter an der Erwerbsarbeit bei.

In der Frühlingssession wurden im Nationalrat zwei Vorstösse von zwei jungen Vätern eingereicht, welche den Vaterschaftsurlaub zum Thema haben. Während der Vorstoss von Nationalrat Caroni den Müttern den Mutterschaftsurlaub streitig machen will (Acht Wochen für die Mütter, der Rest frei aufteilbar) und wohl eher für die Galerie gedacht ist, geht die parlamentarische Initiative von Nationalrat Candinas (zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub) in die richtige Richtung. Travail.Suisse wird sich mit viel Überzeugungsarbeit auch auf parlamentarischer Ebene dafür einsetzen, dass der Vaterschaftsurlaub zur Realität wird. Es braucht die Väter – jetzt nicht später.


1 http://www.bsv.admin.ch/index.html?webcode=d_11095_de, s.52
2 Quelle: Gesamtsicht über die Finanzierungsperspektiven der Sozialversicherungen bis 2035. Bericht des Bundesrates November 2013.

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2014 06 11 Vier-Wochen-Vaterschaftsurlaub d.docx 22 KB

11. Juni 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Väter sollen Zeit für ihre Kinder haben

Die Tage, an denen die Väter nach getaner Erwerbsarbeit die Füsse hochlegten, sind gezählt, denn sie übernehmen mehr und mehr eine aktive Rolle im Familienleben. Damit ist es an der Zeit, ihnen ein Recht auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub einzuräumen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub. Die Studie von Travail.Suisse zeigt, dass die öffentliche Hand als Arbeitgeberin Vätern heute schon einen bezahlten Urlaub von meistens zwischen 2 und 10 Tagen gewährt. Das reicht jedoch nicht: Damit sich alle Unternehmen – insbesondere auch KMU – einen Vaterschaftsurlaub leisten können, muss er aus der Erwerbsersatzordnung bezahlt werden. mehr

Väter bekommen heute in der Regel höchstens einen oder zwei Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub – etwas besser sieht es bei der öffentlichen Hand aus (siehe Box). Wollen sie mehr, so müssen sie dies auf Kosten des Ferien- oder des Familienbudgets tun (bei unbezahltem Urlaub). Diese Situation ist unhaltbar und entspricht nicht mehr den heutigen Realitäten.

Finanzierung von vier Wochen Vaterschaftsurlaub ist kein Problem

Der Bundesrat veranschlagt in einem Bericht 1 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub (28 Taggelder) auf Basis der Angaben von 2012 auf 384 Mio. CHF 2 . Das ist zwar nicht gratis, aber in Relation zum Nutzen sehr bescheiden und absolut realisierbar. Aus der finanziellen Situation der EO und deren mittelfristigen Perspektiven zeigt sich, dass auf Grund der Einführung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs mit keiner bzw. nur einer sehr moderaten Erhöhung der EO-Beiträge gerechnet werden muss, denn die EO schreibt heute Überschüsse (2013: 148 Mio. Franken). Zudem ist die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig. Es ist deshalb bei gleich bleibenden Beiträgen mit stark steigenden Überschüssen zu rechnen.

Vaterschaftsurlaub: Positive Auswirkungen auf Familien und Wirtschaft

Die Zeit unmittelbar nach der Geburt eines Kindes ist entscheidend. Beim ersten Kind müssen sich die frischen Eltern in der neuen Situation einleben und eine Beziehung zum Neugeborenen aufbauen. Sind bereits Geschwister vorhanden, kommt die Betreuung dieser Kinder hinzu. Die Väter selber wollen ihre Verantwortung wahrnehmen und sehen in einem Vaterschaftsurlaub einen wesentlichen Bestandteil einer zeitgemässen Familienpolitik. Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub stellt eine Anerkennung ihres Engagements dar. Die gelebte Realität soll auch zur gesetzlichen Realität werden.

Der Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen soll analog dem Mutterschaftsurlaub über die EO bei einer Lohn-Ersatzquote von 80 Prozent finanziert werden. Er wird auf ein Jahr nach der Geburt beschränkt und kann in einzelnen Tagen bezogen werden. So wäre es etwa möglich, 20 Wochen lang das Arbeitspensum um 20% zu reduzieren, was den Beginn einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Vaters darstellen kann. Mit diesem Modell haben sowohl die Väter wie auch die Betriebe die Möglichkeit, Teilzeitarbeit über mehrere Monate hinweg zu testen und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

Jetzt ist das Parlament gefordert

Im Parlament sind verschiedene Vorstösse hängig, die den Vaterschaftsurlaub zum Thema haben. Travail.Suisse wird sich weiterhin mit viel Überzeugungsarbeit auch auf parlamentarischer Ebene dafür einsetzen, dass der Vaterschaftsurlaub zur Realität wird. Erste Gespräche für eine parlamentarische Vätergruppe sind angelaufen. Einen Vaterschaftsurlaub haben sich die heutigen Väter verdient, denn es braucht sie – heute und nicht erst morgen.

((Box))
Neue Analyse zeigt: Vaterschaftsurlaub ist möglich, aber es braucht gesetzlichen Schub
Die öffentlichen Arbeitgeber/-innen sind Vorreiter/-innen beim Vaterschaftsurlaub. Bund, Kantone und 25 der grössten Schweizer Städte haben 2014 alle eine geregelte Auszeit für Väter, allerdings variieren sie sehr stark (1-21 Tage). Am meisten gewähren öffentlichen Arbeitgeber/-innen 5 Tage, Städte und Bund erweisen sich als väterfreundlicher als die Kantone. Die Entwicklung über die letzten Jahre zeigt, dass die Leistungen zwar moderat ausgebaut wurden, sie jedoch immer noch weit vom notwendigen Mass entfernt sind. Von 2013 zu 2014 gab es nur noch vereinzelte Erhöhungen.

Ganze sieben Kantone sind noch immer steinzeitlich unterwegs: Bern, Glarus, Solothurn, Aargau, Appenzell Innerhoden und Thurgau speisen Väter noch immer mit zwei Urlaubstagen ab. Ganz um die Väter foutiert sich Obwalden, der nur einen Tag Vaterschaftsurlaub bietet. Bei den Städten stechen Neuenburg mit ebenfalls nur einem Tag Urlaub und Fribourg mit einer Reduktion von 5 auf 3 Tage negativ hervor. Sie sind die öffentlichen und offiziellen Steinzeit-Arbeitgeber der Schweiz. Die väterfreundlichste öffentliche Arbeitgeberin ist die Stadt Lausanne mit 21 Urlaubstagen, gefolgt von der Stadt Genf (20 Tage) und der Stadt Bern (15 Tage).

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Top 3: Lausanne, Stadt Genf, Stadt Bern
Steinzeit 3: Obwalden, Stadt Neuenburg, Kanton Bern (ex aequo mit anderen Kantonen)_

Mehr Informationen:
• Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, 079 777 24 69
• Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37


1 http://www.bsv.admin.ch/index.html?webcode=d_11095_de
2 Ebd., S. 52.

Anhang Grösse

2014 05 15 TravailSuisse 4-Wochen-Vaterschaftsurlaub Redetext-und-Beiblatt-KOSTEN Matthias-Kuert-Killer d.docx 26 KB

2014 05 15 TravailSuisse Congé-paternité Redetext Valérie-Borioli-Sandoz d.docx 19 KB

2014 05 15 TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Analyse Kantone-Bund-Staedte d.pdf 285 KB

15. Mai 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Stillzeiten gelten endlich als bezahlte Arbeitszeit!

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, freut sich über den Entscheid des Bundesrates, den Grundsatz von entlöhnten Stillzeiten gesetzlich zu verankern. Die Frauen werden damit in Zukunft nicht mehr dafür kämpfen müssen, nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub ihr Kind weiterhin stillen zu können. mehr

Das ist eine gute Nachricht für alle erwerbstätigen Mütter, die ihr Kind nach dem Mutterschaftsurlaub weiterhin stillen wollen. Der Bundesrat hat heute die Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz verabschiedet, welche festlegt, dass eine Arbeitnehmerin für die Zeit, die sie für das Stillen oder Abpumben benötigt, entlöhnt werden muss. Diese Zeit galt bis anhin bereits als Arbeitszeit, die Frage der Entlöhnung blieb indes unklar. Ab dem 1. Juni 2014 werden die Arbeitgeber das Gesetz nicht mehr nach ihrem Gutdünken interpretieren können: Sie haben die Pflicht, die Stillpausen im in der Verordnung festgehaltenen Umfang zu entlöhnen.

Je nach täglicher Arbeitszeit wird die Dauer der bezahlten Stillpausen zwischen 30 Minuten (bei einer täglichen Arbeitszeit von bis zu 4 Stunden) und 90 Minuten (bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als 7 Stunden) betragen. Diese Unterscheidung ist eine der Situation in der Schweiz, wo viele Frauen mit kleinen Kindern Teilzeit arbeiten, angepasstte Lösung. „Es handelt sich um echten Fortschritt, auch wenn die Schweiz verglichen mit anderen europäischen Ländern nicht zu den grösszügigsten gehört“, stellt Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse, fest.

Dank der Ratifizierung des Übereinkommens Nr. 183 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über den Mutterschutz konnte der langjährige Kampf von Travail.Suisse für bezahlte Stillpausen endlich erfolgreich abgeschlossen werden. Gemäss des IAO-Übereinkommens ist für die Anrechenbarkeit der Stillzeit als Arbeitszeit nicht mehr zwischen Stillen im Betrieb und Stillen ausserhalb des Betriebs zu unterscheiden. Diese Unterscheidung, die sich in der Praxis im Übrigen als schwierig umsetzbar erwies, wird nun auch in der Schweiz aufgehoben.

Künftig werden Frauen, die nach dem Mutterschaftsurlaub ihre Arbeit wieder aufnehmen, nicht mehr in die Situation kommen, wegen ungünstiger Rahmenbedingungen ihr Kind vorzeitig abzustillen. Travail.Suisse freut sich über diese Entwicklung..

Für weitere Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

30. April 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

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Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
079 743 5047
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