Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Vaterschaftsurlaub braucht dringend eine gesetzliche Basis

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Travail.Suisse hat die Zahlen zur Verbreitung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweizer Wirtschaft aktualisiert (Stand Juli 2017). Dabei wurden die grössten und dazu die allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge analysiert (45 GAV). Es zeigt sich: Es geht nur langsam vorwärts mit einem Vaterschaftsurlaub. Für fast die Hälfte der einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Arbeitnehmenden sind nach wie vor nur 1-2 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Bei den grossen Unternehmen gibt es zahlreiche Beispiele mit 10 bis 20 Tagen Vaterschaftsurlaub.

Aktualisiert wurden auch die Zahlen zur öffentlichen Hand als Arbeitgeberin. Beim Bund, den Kantonen, den 30 grössten Städten und den Kantonshauptorten werden 5-10 Tage Vaterschaftsurlaub je länger je mehr zur Norm. Einen Vaterschaftsurlaub im Bereich von 20 Arbeitstagen, wie von der Volksinitiative von Travail.Suisse gefordert, bieten jedoch nur grössere städtische Zentren an.

Insgesamt besteht ein grosser Unterschied zwischen grossen und kleinen Arbeitgebern: Grosse Arbeitgeber sehen einen – wenn auch bescheidenen – Vaterschaftsurlaub vor, kleinere Arbeitgeber in der Regel nicht. Diese Lücke kann nur mit einer gesetzlichen Regelung zum Vaterschaftsurlaub und einer solidarischen Finanzierung geschlossen werden, welche gleiche Bedingungen für alle schafft.

> Factsheet Vaterschaftsurlaub in 45 Gesamtarbeitsverträgen
> Factsheet Vaterschaftsurlaub bei der öffentlichen Hand

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Adoptionsurlaub: Chance packen

Morgen wird sich die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK des Ständerates mit der parlamentarischen Initiative von Marco Romano (CVP/TI) zum Adoptionsurlaub befassen. Die SGK des Nationalrates hat dieser Initiative bereits im Januar zugestimmt. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, unterstützt den Grundsatz eines bezahlten Urlaubs von 12 Wochen für Eltern, die ein Kind unter vier Jahren adoptieren. mehr

Die Schweiz kennt heute noch keinen gesetzlich verankerten Adoptionsurlaub. Das ist eine Lücke in der Familienpolitik, die es zu stopfen gilt, zumal die Rahmenbedingungen für eine Adoption grundsätzlich alles andere als günstig sind. Die Tatsache, dass die Zahl der ausserfamiliären Adoptionen jährlich abnimmt, macht das deutlich: 2013 sind lediglich 94 Kinder unter vier Jahren von einer Familie in der Schweiz adoptiert worden.

Die Adoption ist ein grosszügiger Akt gegenüber einem entwurzelten Kind. Um ihm vom Zeitpunkt seiner Aufnahme in der neuen Familie an einen guten Start zu ermöglichen und das nötige Vertrauen aufzubauen, brauchen die Eltern genügend Zeit. In der Schweiz verfügt heute aber keiner der Elternteile über einen bezahlten Urlaub, um ein Kind unter den besten Voraussetzungen aufnehmen zu können – es sei denn er oder sie arbeitet für einen grosszügigen Arbeitgeber.

Travail.Suisse ruft deshalb die Mitglieder der SGK des Ständerates auf, der parlamentarischen Initiative von Marco Romano zuzustimmen, wie dies ihre Kollegen in der nationalrätlichen SGK bereits im Januar getan haben. Folgende Gründe sprechen dafür:

• Der Vorschlag bevorzugt keines der Geschlechter. Die Eltern teilen die für den Adoptionsurlaub vorgesehenen 12 Wochen frei unter sich auf. Die biologische Dimension der körperlichen Erholung nach der Geburt ist bei einer Adoption nicht relevant.
• Die Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung (EO) verursacht Kosten von ca. 1 Million Franken. Der Vorschlag ist massvoll und kostengünstig.
• Der Vorschlag verursacht keine Kosten, die eine Erhöhung der Beiträge an die EO erforderlich machen. Die finanzielle Situation der EO ist gut.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079/598’06’37

26. März 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Es braucht einen gesamtschweizerischen Vaterschaftsurlaub

Der Nationalrat hat sich heute gegen eine kantonale Kompetenz zur Einführung eines Vaterschaftsurlaubs ausgesprochen. Travail.Suisse bedauert zwar, dass kein Schritt in Richtung Vaterschaftsurlaub gemacht wurde. Gleichzeitig ist der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden aber überzeugt, dass es eine nationale Lösung braucht. Travail.Suisse fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub für alle. Ein zwar bescheidener, aber richtiger Schritt kann mit der parlamentarischen Initiative Candinas demnächst getan werden. mehr

Travail.Suisse fordert seit langem die Einführung eines vierwöchigen, über die EO bezahlten Vaterschaftsurlaubs. Die Zeit ist reif. Die Väter wollen heute vom ersten Tag nach der Geburt an ihre Verantwortung wahrnehmen und präsent sein. Nachdem heute kantonalen Lösungen eine Abfuhr erteilt wurde, muss das Parlament eine gesamtschweizerische Lösung finden. Die nächste Gelegenheit dazu bietet die parlamentarische Initiative Candinas, welche zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub fordert. Das ist zwar äusserst bescheiden, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Travail.Suisse fordert deshalb die Sozialkommission des Nationalrats auf, diesen Vorstoss zu unterstützen und die Zeichen der Zeit nicht mehr länger zu ignorieren.

Für mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079 777 24 69

05. März 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

mamagenda.ch: Neuer Look und mehr Informationen

Die digitale Agenda mamagenda.ch unterstützt erwerbstätige Frauen und ihre Vorgesetzten beim Organisieren der Zeit vor und nach der Geburt. Seit dem 1. Juli 2014 präsentiert sich die Website nun in einem neuen Look. Die Überarbeitung beschränkt sich aber nicht auf die Optik: Auch die rund zwanzig Merkblätter wurden unter Berücksichtigung der gesetzlichen Änderungen auf den neuesten Stand gebracht. Verbesserungen beim Navigieren machen das kostenlose Angebot von Travail.Suisse noch anwendungsfreundlicher und attraktiver. mamagenda.ch ist damit eine konkrete Antwort auf die Fachkräfteinitiative, die Bundesrat Schneider-Ammann lanciert hat. mehr

Die Gewerkschaft Syna als Mitglied von Travail.Suisse, der unabhängigen Dachorganisation der Arbeitnehmenden sowie die Ernst Göhner Stiftung konnten als neue Partnerinnen für mamagenda.ch gewonnen werden. Sie stellen mit ihrer grosszügigen finanziellen Unterstützung sicher, dass die kostenlose Plattform aktualisiert und betreut werden kann. Die Plattform trägt aktiv dazu bei, dass erwerbstätige Frauen und ihre Vorgesetzten einer Mutterschaft entspannt entgegensehen können. Ein Novum: Die Nutzerinnen und Nutzer können künftig ihrer Zufriedenheit Ausdruck geben, indem sie über eine Spende per Mausklick einen Beitrag – und sei er auch noch so klein – überweisen. Für Travail.Suisse ist dies eine Premiere im Crowdfunding.

Merkblätter auf dem neusten gesetzlichen Stand

Travail.Suisse hat die Neugestaltung der Website auch genutzt, um das Logo von mamagenda.ch aufzufrischen, «tote» Links zu entfernen und die online-Hilfsfunktion zu optimieren. Doch die wesentliche Arbeit ist nicht auf den ersten Blick sichtbar: Sie steckt in den 23 Merkblättern und Checklisten, die den Nutzerinnen und Nutzern der digitalen Agenda und allen Interessierten, welche die Site besuchen, kostenlos zur Verfügung stehen. Sämtliche Merkblätter wurden anhand der aktuellsten gesetzlichen Änderungen auf den neuesten Stand gebracht.

Dies gilt insbesondere für die Merkblätter Nr. 10 «Stillen am Arbeitsplatz – möglich und bezahlt» und Nr. 12 «Absenzen und Lohnanspruch – Was das Gesetz sagt» zur Frage des Stillens am Arbeitsplatz, die in der revidierten Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz genau geregelt ist, namentlich was die während der Arbeitszeit mindestens zu bezahlende Stillzeit betrifft. Das Merkblatt Nr. 11 «Arbeitsunfähigkeitszeugnis – in jedem Fall nötig?» wurde um einen Abschnitt erweitert, der sich an die Arbeitgeber/innen richtet. Erklärt wird darin auch, wie schwierig die Situation manchmal für erwerbstätige Frauen ist, die während der Schwangerschaft gesundheitliche Probleme haben und zwischen den Ansprüchen ihres Arbeitgebers und den ärztlichen Empfehlungen hin- und hergerissen sind.

Die Navigation ist noch intuitiver

Wer sein Passwort vergessen hat, erhält künftig ganz einfach ein neues: Per Mausklick kann ein neuer Zugangscode an die registrierte E-Mail-Adresse geschickt werden. Nach dem Anklicken des Links muss nur noch ein neues Passwort gewählt werden – fertig. Die Onlinehilfe in Form eines PDF-Files wurde ebenfalls optimiert. Die Erklärungen zur Funktionsweise der Agenda stehen nun in Form eines kleinen Hefts zur Verfügung, das ausgedruckt werden kann. Zum Schluss gibt die Onlinehilfe Antwort auf die je zehn häufigsten Fragen von betroffenen Frauen und Vorgesetzten. 2013 registrierten sich pro Monat über 50 Personen bei der digitalen Agenda. Besucht (ohne Login) wurde die Website von wesentlich mehr Personen: Monatlich waren im Durchschnitt rund 1100 Besuche von gegen 800 Personen zu verzeichnen.

Ein konkreter Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels

mamagenda.ch ist die bisher einzige kostenlose digitale Agenda, die bei organisatorischen Fragen rund um eine Mutterschaft am Arbeitsplatz weiterhilft. Auch drei Jahre nach der Einführung im Juni 2011 ist mamagenda.ch ein innovatives Instrument, das in der Schweiz in diesem Bereich eine Pionierrolle spielt. Die Grundidee besteht darin, einen konstruktiven Dialog zwischen Arbeitnehmerin und Arbeitgeber/in in Gang zu setzen, damit diese auf Fragen rund um eine Schwangerschaft gemeinsam befriedigende Antworten finden. Dies soll dafür sorgen, dass eine Mutterschaft nicht mehr länger zu einem Hindernis für eine weitere Erwerbstätigkeit wird. Dieses Ziel ist angesichts der Beschäftigungslage in der Schweiz äusserst dringlich.

Frauen in der Schweiz sind sehr gut qualifiziert – sei es durch eine Berufsausbildung oder ein Studium. Dass ihr Potenzial ausgeschöpft wird, ist unabdingbar, insbesondere nach der folgenschweren Abstimmung vom 9. Februar zugunsten der Volksinitiative mit dem trügerischen Titel «gegen Masseneinwanderung», mit der sich der seit Jahren beobachtete Fachkräftemangel weiter verschärften wird. Angesichts der immer angespannteren Lage auf dem Arbeitsmarkt wird auf Hochtouren an Ansätzen gearbeitet, die es der Wirtschaft ermöglichen, die benötigten Fachkräfte zu rekrutieren. Mit mamagenda.ch trägt Travail.Suisse direkt zu den Bemühungen der Fachkräfteinitiative bei, die Bundesrat Schneider-Ammann lanciert hat. Daneben sind – das kann nicht oft genug betont werden – zahlreiche weitere Massnahmen notwendig, wie Krippen- und ausserschulische Betreuungsplätze, erschwingliche Mittagstische, familienfreundliche Arbeitsmodelle oder Tagesschulen. Als einer der ersten Schritte im Rahmen der Nutzung von mamagenda.ch wird darauf hingewirkt, dass Arbeitgeber/in und erwerbstätige Frauen Schwangerschaft und Mutterschaft nicht mehr als etwas Negatives empfinden, wie dies heute noch häufig der Fall ist.

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2014 08 25 Relaunch www-mamagenda-ch d.doc 41 KB

25. August 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Neues Kleid für mamagenda.ch

mamagenda.ch ist eine Website von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden. Die Online-Plattform begleitet Arbeitnehmerinnen während Schwangerschaft und Mutterschaftsurlaub und wurde in den letzten Monaten komplett neu überarbeitet. Heute, am 1. Juli 2014, erscheint mamagenda.ch im neuen Kleid: Neu präsentiert sich mamagenda.ch mit einem neuen Logo, neuen SponsorInnen und mit neuen und komplett überarbeiteten Info-Blättern. Damit beginnt heute ein neuer Lebenszyklus für die einzige und kostenlose Online-Plattform in diesem Bereich. mehr

Zwei neue Sponsoren haben sich entschieden, die Website mamagenda.ch die kommenden drei Jahre zu finanzieren: Die Gewerkschaft Syna und die Ernst Göhner Stiftung. Dank dieser Unterstützung konnte die Online-Plattform komplett überarbeitet werden und erscheint heute in einem neuen Kleid. Ebenfalls modernisiert wurde die Unterstützungsmöglichkeit über PayPal: Neu können Interessierte, die mamagenda.ch auch finanziell unterstützen wollen, auch sehr kleine Beträge spenden. Ziel ist es, dass dank vielen kleinen und grösseren Beiträgen mamangenda.ch auch in Zukunft gratis bleiben kann.

mamagenda.ch unterstützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitgebende

Auf mamagenda.ch können Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber/innen einen Account erstellen, über den die Schwangerschaft, der Mutterschaftsurlaub und der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben dynamisch und interaktiv begleitet werden kann. Die Website unterstützt Arbeitnehmerinnen und ihre Arbeitgeber/innen aktiv mit Informationen, Checklisten und Tipps, um diese Phase im Arbeitsleben zu vereinfachen und die wichtigsten Schritte planen zu können. Die neu erstellte Rubrik «Hilfe» vereinfacht zudem die ersten Schritte auf mamagenda.ch. Auch die 23 Info-Blätter zum Downloaden wurden neu überarbeitet und modernisiert. So sind beispielsweise neu auch die aktuellen Regelungen zu den Stillpausen integriert.

Seit Anfang 2014 hat mamagenda.ch bereits 5000 neue Logins verzeichnen können, das ist eine Zunahme von 14% verglichen mit den sechs ersten Monaten im 2013. Die Plattform ist ein von Travail.Suisse entwickelter Service für Arbeitnehmende, für die Mitglieder ihrer Mitgliedorganisationen und für alle Interessierten.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Gleichstellungspolitik, Mobile: 079 598 06 37

01. Juli 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Höchste Zeit für einen Vaterschaftsurlaub

Heute werden Väter nach der Geburt eines Kindes mit ein bis zwei freien Tagen abgespeist. Das entspricht nicht mehr den Realitäten. Die Präsenz der Väter nach einer Geburt des Kindes ist unerlässlich für einen guten Start ins Familienleben. Es ist Zeit für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub. Die Kosten sind tragbar und es steht ihnen ein vielfältiger Nutzen gegenüber. mehr

Familienpolitik besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: Es braucht a) einen substanziellen finanziellen Ausgleich der finanziellen Belastung durch Kinder. Es braucht b) eine gute Infrastruktur zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und es braucht c) Massnahmen, damit genug Zeit für ein funktionierendes Familienleben bleibt. Gemeinschaft wird als erstes in der Familie erlebt und gelebt. Damit dafür genügend Raum bleibt, braucht es klar definierte Auszeiten vom Erwerbsleben zugunsten der Familie. Nur genügend zeitliche Freiräume erlauben den Aufbau von tragfähigen Beziehungen. Das gilt insbesondere für die erste Zeit nach der Geburt eines Kindes. Seit einigen Jahren gibt es in der Schweiz einen gesetzlich garantierten Mutterschaftsurlaub. Er bringt der Mutter eine – sehr knapp bemessene – Auszeit von der Arbeit. Eine zeitgemässe Familienpolitik sollte einen solchen Freiraum auch für Väter schaffen. Travail.Suisse macht sich deshalb für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub stark.

Die Väter braucht es jetzt – nicht später

Heutige Väter wollen Verantwortung übernehmen und sich ins Familienleben einbringen. Männer, die Väter werden, müssen vom ersten Augenblick an präsent sein, um eine Bindung zum Kind aufzubauen und sich während der geburtsbedingten Abwesenheit der Mutter und der nachfolgenden Erholungsphase um die allenfalls weiteren Kinder kümmern zu können. Das Bewusstsein der Väter ist gestiegen, dass es vom ersten Tag an auf sie ankommt. Heute kriegen sie im Regelfall aber höchstens einen oder zwei Tage bezahlten Urlaub. Dies im Rahmen der „üblichen freien Tage“ nach OR (Art. 329 Abs. 3). Der Vaterschaftsurlaub wird also gleich behandelt wie z.B. ein Wohnungsumzug. Den Rest müssen die Väter auf Kosten ihres Ferienbudgets oder im Falle eines unbezahlten Urlaubs aus ihrem Familienbudget bestreiten. Das ist für eine zeitgemässe Familienpolitik nicht mehr länger haltbar. Travail.Suisse fordert deshalb als nächsten wichtigen Schritt der Familienpolitik einen bezahlten, flexibel einziehbaren Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen mit einer Ersatzquote von 80 Prozent. Wie der Mutterschaftsurlaub, soll auch der Vaterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert werden. Dies wie beim Mutterschaftsurlaub bei einer Ersatzquote von 80 Prozent und einem maximalen Taggeld von 196 Franken. Mit dem Vaterschaftsurlaub ist das Anrecht verbunden, 20 Arbeitstage dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Die Leistung ist auf ein Jahr nach der Geburt beschränkt. Entschädigt werden 28 Taggelder der EO (inkl. Wochenende). Es wird erst nach dem vollständigen Bezug des Vaterschaftsurlaubs abgerechnet, so dass der administrative Aufwand sich für den Arbeitgeber in engen Grenzen hält.

Teilzeitarbeit erproben

Der Vaterschaftsurlaub kann auch in einzelnen Tagen bezogen und für Teilzeitarbeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg benutzt werden. Er stellt somit auch eine Entlastungsmöglichkeit für die Mutter im Übergang nach dem Mutterschaftsurlaub (Berufsrückkehr der Mutter, Einführung Krippenplatz, etc.) dar und kann den Beginn einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Vaters darstellen. Das ist für die Väter wie auch für die Betriebe sinnvoll, denn es besteht heute eine Hemmschwelle der Teilzeitarbeit gegenüber: Viele Väter möchten zwar Teilzeit arbeiten, fordern dies von ihrem Arbeitgeber aber zu wenig konsequent ein. Und auch viele Betriebe sind der Überzeugung, die Abläufe könnten nur mit einer 100-Prozent-Beschäftigung der Väter aufrechterhalten werden. Mit den 20 Arbeitstagen Vaterschaftsurlaub haben sowohl die Väter wie auch die Betriebe die Möglichkeit, Teilzeitarbeit über mehrere Monate hinweg zu testen (max. 20 Wochen à 1 Tag) und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

Finanzierung über EO gewährleistet

Der Bundesrat veranschlagt in seinem Bericht vom 30.10. 2013 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub auf 384 Mio. Franken. Das ist nicht gratis, aber in Relation zum Nutzen sehr bescheiden. Es entspricht rund 0.1 Prozent der Lohnsumme in der Schweiz. Aus der finanziellen Situation der EO und deren mittelfristigen Perspektiven zeigt sich, dass auf Grund der Einführung eines 4-wöchigen Vaterschaftsurlaubs mit keiner bzw. nur einer sehr moderaten Erhöhung der EO-Beiträge gerechnet werden muss: Erstens schreibt die EO heute Gewinne (2013: 148 Mio. Franken). Ihre Finanzen sind gesund. Zudem ist die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig. So gab es 2008 noch rund 175‘000 EO-Bezüger/innen der Armee. 2012 waren es noch rund 145‘000. Es ist deshalb bei gleich bleibenden Beiträgen mit stark steigenden Gewinnen zu rechnen. Dies widerspiegelt sich in den finanziellen Zukunftsperspektiven der EO: Es wird bis 2035 von stetig steigenden Umlageergebnissen (Ergebnis ohne Vermögensanlagen) der EO ausgegangen. Diese belaufen sich gemäss dem mittleren Szenario des Bundesrates im Jahr 2025 jährlich auf über 250 Mio. Franken und steigen bis 2035 auf über 300 Mio. Franken an. Zusammen mit dem Anlageergebnis nimmt auch das voraussichtliche Vermögen der EO deutlich zu. Mit den heutigen Leistungen steigt das Kapital der EO bis 2025 auf über 3.5 Mrd. Franken an. Ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub ist somit mittel- bis langfristig bereits grösstenteils finanziert. Dem steht ein vielfältiger Nutzen, nicht nur für die Väter gegenüber.

Nutzen für die Familien

Eine Mehrheit der Eltern ist heute der Ansicht, dass die Präsenz der Väter nach der Geburt eines Kindes unerlässlich für einen guten Start in das Familienleben ist. Die Zeit unmittelbar nach der Geburt ist entscheidend. Beim ersten Kind müssen sich die frischen Eltern in der neuen Situation einleben und eine Beziehung zum Neugeborenen aufbauen. Sind bereits Geschwister vorhanden, kommt die Betreuung dieser Kinder hinzu. Die Väter selber wollen ihre Verantwortung wahrnehmen und sehen in einem Vaterschaftsurlaub einen wesentlichen Bestandteil einer zeitgemässen Familienpolitik. Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub stellt eine Anerkennung ihres Engagements dar. Die gelebte Realität soll auch zur gesetzlichen Realität werden.

Nutzen für die Betriebe insbesondere KMU

Das Modell ist auch für Selbständigerwerbende anwendbar. Es wird paritätisch finanziert und von allen Erwerbstätigen getragen. Die für die Unternehmen entstehenden Kosten sind dadurch moderat und unabhängig von der der Belegschaft. Damit haben alle Unternehmen gleich lange Spiesse (keine Wettbewerbsverzerrung). Heute liegt es meistens im Ermessen der Arbeitgeber, ob sie ihren Angestellten einen Vaterschaftsurlaub gewähren. Grössere Betriebe können hier auf Grund ihrer Möglichkeiten grosszügiger sein. Sie gewähren heute zum Teil schon 10 Tage Vaterschaftsurlaub (z.B. Migros, Swisscom, Bund) auf Kosten des Arbeitgebers. Mit einer Lösung über die Sozialversicherung EO finanzieren alle Erwerbstätigen solidarisch den Vaterschaftsurlaub, so dass dieser auch für KMU-Betriebe und ihre Angestellten möglich wird.

Gesellschaftlicher Nutzen

Wenn Väter sich ab der Geburt in der Familienarbeit engagieren können, trägt dies viel zu stabilen und tragfähigen Familienbeziehungen bei. Spüren die Mütter zudem vom ersten Tag an die Entlastung durch ihre Partner, sind sie eher bereit, nach der ersten Babyphase wieder in das Erwerbsleben einzusteigen. Damit trägt ein Vaterschaftsurlaub gleichzeitig zur Gleichstellung von Mann und Frau in der Familie wie auch zu einer volkswirtschaftlich sinnvollen Beteiligung der Mütter an der Erwerbsarbeit bei.

In der Frühlingssession wurden im Nationalrat zwei Vorstösse von zwei jungen Vätern eingereicht, welche den Vaterschaftsurlaub zum Thema haben. Während der Vorstoss von Nationalrat Caroni den Müttern den Mutterschaftsurlaub streitig machen will (Acht Wochen für die Mütter, der Rest frei aufteilbar) und wohl eher für die Galerie gedacht ist, geht die parlamentarische Initiative von Nationalrat Candinas (zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub) in die richtige Richtung. Travail.Suisse wird sich mit viel Überzeugungsarbeit auch auf parlamentarischer Ebene dafür einsetzen, dass der Vaterschaftsurlaub zur Realität wird. Es braucht die Väter – jetzt nicht später.


1 http://www.bsv.admin.ch/index.html?webcode=d_11095_de, s.52
2 Quelle: Gesamtsicht über die Finanzierungsperspektiven der Sozialversicherungen bis 2035. Bericht des Bundesrates November 2013.

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2014 06 11 Vier-Wochen-Vaterschaftsurlaub d.docx 22 KB

11. Juni 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

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