Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Stillzeit am Arbeitsplatz – Vorschlag geht zu wenig weit

Travail.Suisse, die unabhängige Organisation der Arbeitnehmenden, steht voll und ganz hinter dem Grundsatz, dass die Arbeitgeber Stillpausen in der Arbeitszeit entlöhnen müssen, denn diese Gesetzeslücke wird seit Jahren bemängelt. Doch der geänderte Artikel 60 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), den das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO vorschlägt, ist zu restriktiv formuliert und birgt die Gefahr, dass diese Bestimmungen zum Mutterschutz erneut missbräuchlich ausgelegt werden. Travail.Suisse wurde ebenfalls konsultiert und hat Vorschläge unterbreitet. mehr

Travail.Suisse, die unabhängige Organisation der Arbeitnehmenden, kritisiert seit Jahren, dass die Zeit, die Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub am Arbeitsplatz zum Stillen aufwenden, nicht zwingend entlöhnt wird. Wenn Frauen die Empfehlungen von Ärzten und Kinderärztinnen, des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO und sogar der Weltgesundheitsorganisation befolgen wollen, stillen sie ihre Kinder während sechs Monaten nach der Geburt. Weil der gesamtschweizerisch vorgeschriebene Mutterschaftsurlaub lediglich 14 Wochen dauert, müssen sie somit nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz weiter stillen können. In der Praxis sind sie jedoch gezwungen, ihr Kind bald abzustillen. Der Grund: Die Zeit zum Stillen (oder zum Abpumpen) gilt zwar laut Gesetz als Arbeitszeit, wird jedoch von gewissen Arbeitgebern, die eine zu ungenaue Gesetzgebung auf ihre Weise interpretieren, nicht entlöhnt. Mit dieser Auslegung soll nun Schluss sein: Nach der Annahme der Parlamentarischen Initiative von Ständerätin Liliane Maury Pasquier zur Ratifizierung des ILO-Übereinkommens Nr. 183 über den Mutterschutz durch das Parlament hat das SECO einen Verordnungsentwurf ausgearbeitet und die Anhörung der Sozialpartner organisiert. An dieser Anhörung hat Travail.Suisse als Gewerkschaftsdachverband ebenfalls teilgenommen: Die Organisation steht vorbehaltlos hinter dem Grundsatz, dass Stillpausen endlich bezahlt werden müssen und es keine Rolle mehr spielt, ob die Frau den Säugling in- oder ausserhalb des Unternehmens stillt, da diese Unterscheidung in der Praxis schwierig ist. Ja sagt Travail.Suisse auch zum Grundsatz einer Abstufung der bezahlten Stillzeit nach Tagespensum. Sie erachtet den Vorschlag aber als zu lückenhaft und zu wenig grosszügig.

Keine neuerliche missbräuchliche Interpretation

Die Regelung der Bezahlung von Stillpausen darf nicht dazu führen, dass diese Zeit als maximal zulässige Zeit verstanden wird, während der in der Arbeitszeit gestillt werden darf. Denn der Zeitaufwand für diesen individuellen biologischen Prozesses ist je nach Frau unterschiedlich. Die Verordnung muss präzisieren, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, die während der Arbeit zum Stillen benötigte Zeit zu gewähren. Damit wird vermieden, dass die bezahlte Stillzeit als maximal zulässige Stillzeit interpretiert wird. Wenn eine Frau mehr Zeit zum Stillen oder Abpumpen benötigt als die minimal entlöhnte Zeit, soll nach Ansicht von Travail.Suisse der Arbeitgeber entscheiden, ob er diese zusätzliche Zeit entlöhnt, die über die von der Verordnung festgelegte Zeit hinausgeht.

Organisation der Stillpausen während der Arbeitszeit

Wie eine Frau ihre Stillpause organisieren will, soll sie selber entscheiden können. Die Frauen müssen frei wählen dürfen, wann sie während der Arbeit stillen. Diese Präzisierung ist besonders wichtig für Frauen, die Teilzeit arbeiten – in der Schweiz die Mehrheit – und die ganz am Anfang oder Ende ihrer Arbeitszeit stillen wollen. Auch diese Stunden müssen entlöhnt werden, selbst wenn sie beispielsweise unmittelbar nach oder vor einem Arbeitshalbtag liegen.

Kein Nachholen oder Kompensieren

Die Formulierung von Artikel 60 der noch geltenden Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) sieht vor, dass die Hälfte der Stillzeit, die nicht als Arbeitszeit gilt (weil die Frau nicht im Unternehmen stillt) nicht nachgeholt und auch nicht von anderen Ruhezeiten abgezogen werden kann. Nach Ansicht von Travail.Suisse muss auch die neue Verordnung präzisieren, dass die zum Stillen oder Abpumpen benötigte Zeit weder nachzuholen noch zu kompensieren ist. Sonst besteht die Gefahr, dass gewisse Arbeitgeber ihre Arbeitnehmerinnen für die bezahlte Stillzeit «bezahlen lassen», namentlich in Form eines Ferienabzugs. Diese Möglichkeit muss verboten sein.

Dauer der entlöhnten Stillzeit ist unzureichend

Die Dauer der vom SECO vorgeschlagenen Stillpausen ist ungenügend: 30 Minuten pro Arbeitstag von weniger als 4 Stunden, 60 Minuten für mehr als 4 Stunden und 90 Minuten ab 8 Stunden Arbeitszeit pro Tag. Andere europäische Länder sind grosszügiger: In den Niederlanden wird bis ein Viertel der täglichen Arbeitszeit als Stillzeit gewährt (d.h. 2 Stunden bei einem Pensum von 7 Stunden), Italien gewährt 2 Stunden, wenn eine Frau mindestens 6 Stunden arbeitet und 1 Stunde, wenn das Tagespensum geringer ist.

Damit das Stillen länger als einige Wochen praktiziert werden kann, muss die Milchbildung regelmässig angeregt werden. Um diesen Prozess in Gang zu halten, muss die Frau mehrmals täglich stillen oder abpumpen. Eine einzige Stillpause reicht nicht, und es ist legitim, dass eine Frau die Stillzeit auf zwei oder drei Pausen aufteilt. Für einen vollen Arbeitstag sind 90 Minuten zu kurz, wenn zwei oder drei Pausen benötigt werden. Die Handhabung der Pumpe, bei der strenge Hygieneregeln einzuhalten sind, oder die Zeit, während der einem Kind die Brust gegeben wird, darf nicht so stark eingeschränkt werden. Die Schweizerische Gesellschaft für Arbeitsmedizin erachtet eine Stillzeit von 120 Minuten pro vollem Arbeitstag als üblich. Deshalb schlägt Travail.Suisse Stillzeiten von 60, 90 und 120 Minuten je nach Länge des Arbeitstags vor, d.h. je eine halbe Stunde mehr.

Travail.Suisse hat eine neue Formulierung für Artikel 60 ArGV 1 vorgeschlagen, welche die erwähnten Punkte berücksichtigt. Diese Regelung würde endlich dafür sorgen, dass Frauen nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht mehr gezwungen wären, aufgrund von schlechten Rahmenbedingungen ihr Kind frühzeitig abzustillen, wie dies bisher der Fall war. Die neue Gesetzgebung sollte noch in diesem Jahr in Kraft treten.

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20. Januar 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Ein Schritt in die richtige Richtung

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst es, dass Arbeitgeber grundsätzlich zur Bezahlung der Stillpausen während der Arbeitszeit verpflichtet werden. Damit wird eine rechtliche Lücke geschlossen, auf die Travail.Suisse seit Jahren hinweist. Allerdings ist die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vorgeschlagene Änderung von Artikel 60 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV1) zu restriktiv. Sie kann erneut zu einer missbräuchlichen Interpretation der Bestimmungen bezüglich Mutterschaftsschutz führen. mehr

Nachdem das Parlament die parlamentarische Initiative von Ständerätin Liliane Maury Pasquier angenommen hat, welche die Ratifizierung des Übereinkommens Nr. 183 der ILO zum Mutterschutz fordert, hat das Seco einen Vorschlag für eine entsprechende Anpassung des Schweizer Rechts ausgearbeitet und bei den Sozialpartnern in die Vernehmlassung geschickt.

Vorschlag des Seco geht zu wenig weit

Travail.Suisse begrüsst in seiner Stellungnahme zu dieser Vernehmlassung mit Nachdruck den Grundsatz, wonach Stillpausen bezahlt werden müssen und künftig auf eine Unterscheidung des Orts des Stillens (innerhalb oder ausserhalb des Betriebs) verzichtet werden soll. Travail.Suisse unterstützt zudem den Grundsatz, wonach das Recht auf bezahlte Stillpausen je nach täglicher Arbeitszeit abgestuft wird. Allerdings ist der Vorschlag für Travail.Suisse nicht grosszügig genug und enthält Lücken. Travail.Suisse fordert, dass der Arbeitgeber einer Arbeitnehmerin die ganze, für das Stillen während der Arbeit erforderliche Zeit zur Verfügung stellen soll. Damit kann verhindert werden, dass die Dauer der bezahlten Stillpausen missbräuchlicherweise als maximal erlaubte Stilldauer interpretiert wird. Zudem könnten unsensible Arbeitgeber versucht sein, ihre Arbeitnehmerinnen für die Stillpausen bezahlen zu lassen, indem sie ihnen zum Beispiel die Ferien kürzen. Diese Möglichkeit muss zwingend ausgeschlossen werden und zwar indem das heute gültige Recht, wonach Stillzeit weder vor- noch nachgeholt und sie auch nicht von anderen Ruhezeiten abgezogen werden darf, wieder aufgenommen wird.

30 Minuten sind zu wenig

Schliesslich ist die vom Seco vorgeschlagene Dauer der bezahlten Stillpausen ungenügend. Travail.Suisse schlägt – je nach täglicher Arbeitszeit (weniger als 4 Stunden, mehr als 4 Stunden oder ab 7 Stunden) – zu bezahlende Stillzeiten von 60, 90 und 120 Minuten vor. Dies sind je 30 Minuten mehr, als das Seco vorschlägt. Damit das Stillen über eine gewisse Zeit fortgesetzt werden kann – ärztlich empfohlen werden sechs Monate – muss der Milchfluss regelmässig stimuliert werden. Die dafür erforderliche Zeit müssen sich die betroffenen Frauen frei einteilen können.

> Zur Vernehmlassung: http://www.travailsuisse.ch/aktuell/vernehmlassungen

Für mehr Informationen:
Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstelllungspolitik, 079 598 06 37

16. Januar 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Alte Männer blockieren junge Väter

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, begrüsst den Beitrag des Bundesrats zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Umso unverständlicher ist jedoch, dass er sich nicht für einen gesetzlich verankerten Urlaub für junge Väter einsetzt. Damit trägt der Bundesrat weder den Bedürfnissen von jungen Familien noch der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung. mehr

Heute hat der Bundesrat entschieden, keine gesetzliche Grundlage für einen Vaterschaftsurlaub zu schaffen. Das bedeutet, dass Väter gemäss Obligationenrecht weiterhin höchstens Urlaub im Rahmen eines „üblichen freien Tages“ beziehen können.

Moderne Familienpolitik braucht engagierte Väter

Der aktive Einsatz der Väter in der Familie wird zunehmend wichtiger. Diese neue Rolle entspricht einem grundlegenden Bedürfnis der Väter wie auch der ganzen Familie und wird künftig zur gesellschaftlichen Notwendigkeit. Die demografische Entwicklung oder aber der Fachkräftemangel, den die Schweiz bewältigen muss, fordern eine moderne Familienpolitik. Der Vaterschaftsurlaub ist ein zentraler Bestandteil davon. Engagieren sich Väter schon früh in der Familie, so kehren die Frauen vermehrt und schneller an ihren Arbeitsplatz zurück und die Männer arbeiten eher Teilzeit – eine Rollenverteilung, welche die demografische Herausforderung abzufedern vermag.

Travail.Suisse wird sich weiterhin mit allen Mittel für einen Vaterschaftsurlaub einsetzen. „20 Tage nach der Geburt bezahlt bei der Familie bleiben zu können ist kein Luxus, sondern eine Basis für jede junge Familie“, sagt Martin Flügel, Prasident von Travail.Suisse. Ein solcher Urlaub würde die Schweiz rund 180 Millionen Franken jährlich kosten – im Vergleicht etwa zur den Steuerausfällen bei Annahme der SVP-Initiative von rund 1,4 Mia. Franken nicht sehr viel.

Steht die CVP für Familien ein?

In der Herbstsession hat der Nationalrat eine Motion zum Vaterschaftsurlaub von Valérie Piller-Carrard knapp – mit 96 zu 84 Stimmen abgelehnt. 13 Mitglieder der „Familienpartei“ CVP haben dagegen gestimmt, 5 weitere haben sich enthalten. Das Ergebnis zeigt: Die CVP hat es in der Hand. Wenn sie einen Vaterschaftsurlaub wirklich will, dann kann sie ihn haben. Die Verantwortung liegt nun in der Hand der Familienpartei CVP.

Für weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident, 079 743 90 05

30. Oktober 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Vereinbarkeit von Beruf und Familie –
Nationalrat lehnt alle konkreten Massnahmen ab

Zu Beginn der Herbstsession hätte es die grosse Kammer des Parlamentes in der Hand gehabt, mehrere Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verabschieden: Adoptionsurlaub, Vaterschaftsurlaub, nach einheitlichen Kriterien geführte Tagesschulen. Sie wurden alle abgelehnt. Einzig der Erarbeitung eines neuen Berichts zur aktuellen Situation der Familien in der Schweiz stimmte der Nationalrat zu. Dies zeigt, wie sehr sich die Politikerinnen und Politiker, die notabene vom Volk gewählt wurden, um den Willen eben dieses Volkes foutieren, das sich an der Urne für konkrete Massnahmen zu Gunsten einer Familienpolitik des Bundes ausgesprochen hat. mehr

Die Familienpolitik hat die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Bundesbern in der aktuellen Herbstsession einmal mehr beschäftigt. Im vergangenen März wurde an der Urne über einen Verfassungsartikel abgestimmt, der die Grundlagen für eine Familienpolitik des Bundes schaffen sollte. Dieser Familienartikel scheiterte zwar ganz knapp am Ständemehr, aber eine Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sprach sich dafür aus. Damit hatte das Volk ein klares Zeichen gesetzt, aber die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat hat sich leider erneut entschieden, diesem keine Beachtung zu schenken. Dabei sind die Bedürfnisse der Erwerbstätigen bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben nach wie vor akut.

Vaterschafts- und Adoptionsurlaub erneut abgelehnt

Der Tessiner CVP-Nationalrat Marco Romano reichte eine Motion ein, in der er die Gleichbehandlung von Müttern, die ein Kind adoptieren, und solchen, die selbst ein Kind zur Welt bringen, verlangte. Für eine Annahme dieses Vorschlags fehlten letztlich nur rund zehn Stimmen, womit ein zukünftiger weiterer Vorstoss zu diesem Thema gute Aussichten haben dürfte.

Ebenfalls keine Gnade fand eine Motion der Freiburger SP-Nationalrätin Valérie Piller-Carrard, die eine alte Forderung von Travail.Suisse wieder aufnahm: das Recht von Vätern, nach der Geburt eines Kindes 20 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub zu beziehen (fünf davon als Block rund um den Geburtstermin, den Rest flexibel im Zeitraum von sechs Monaten). Dieser Vorstoss, der mit rund einem Dutzend mehr Gegenstimmen bei sechs Enthaltungen abgelehnt wurde, fand nicht einmal bei der selbsternannten Familien-Partei CVP eine Mehrheit. Damit gehört die Schweiz zu den letzten Ländern in Europa, in denen man nach wie vor glaubt, dass die Geburt eines Kindes nur von den Müttern bewältigt werden muss. So können Väter in der chaotischen Zeit, in der die Familie grösser wird und man sich auch um weitere Kinder kümmern muss, ihren familiären Verpflichtungen nicht immer nachkommen.

Eine genauere Betrachtung des Abstimmungsergebnisses stimmt jedoch optimistisch, insbesondere was die Chancen eines zukünftigen Vorstosses für einen Vaterschaftsurlaub anbelangt: die Grünliberalen, die Hälfte der BDP, die SP und die Grünen haben sich dafür ausgesprochen. Nicht überraschend stellte sich das bürgerliche Lager dagegen, mit Ausnahme des Genfer FDP-Vertreters Hugues Hiltpold, der bereits 2009 eine Motion zur Einführung eines Vaterschaftsurlaubes eingereicht hatte und seiner Überzeugung treu geblieben ist. Der CVP wird deshalb eine entscheidende Rolle zukommen, denn es fehlen nur wenige Stimmen, um diesen Anachronismus endlich zum Verschwinden zu bringen. Es ist zu hoffen, dass sich die CVP-Vertreterinnen und -Vertreter zumindest an das halten werden, was die Partei auf dem Papier und intern unterstützt.

Ein Postulat der St. Galler CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz wurde hingegen von der grossen Kammer angenommen: Nachdem bereits zwei Familienberichte publiziert wurden – der letzte 2008 –, soll nun ein neuer Bericht zur Situation der Familien in der Schweiz erarbeitet werden.

Tagesschulen: Hoheitsgebiet der Kantone und wenige Ergebnisse

Eine Möglichkeit, wie man Eltern dabei unterstützen könnte, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen, wäre die Einrichtung von Tagesschulen in der ganzen Schweiz. Gemäss einer Umfrage der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK 1 sind solche Schulen, in denen die Kinder vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe I mehrmals pro Woche ganztags betreut werden, allerdings nur wenig verbreitet. In der Regel beschränkt sich das Angebot auf einige wenige Schulen pro Kanton; teilweise sind nicht einmal Daten dazu verfügbar. Die BDP beantragte, dass Tagesschulen in Zukunft national einheitliche Qualitätsmerkmale erfüllen müssen und dazu auch Finanzhilfe erhalten sollen. Der Bundesrat machte jedoch geltend, dass die Bildung zum Hoheitsgebiet der Kantone gehöre und nicht auf eidgenössischer Ebene geregelt werden könne. Er nutzte die Ablehnung des Familienartikels, um es den Kantonen zu erlauben, verschiedenste kantonale Lösungen einzuführen, die ohne Zutun des Bundes entwickelt wurden. Diese Lösungen sind aber den Besonderheiten der regionalen Politik unterworfen und haben nur wenig damit zu tun, was die Familien tatsächlich brauchen.

Wenn man sieht, wie die SVP dieses Thema in einigen Zentralschweizer Kantonen in Beschlag genommen hat, wo das HarmoS-Konkordat 2 zur Diskussion stand, so ist zu befürchten, dass dieses Flickwerk noch lange Bestand haben wird. Der Nationalrat hat sich leider den Argumenten des Bundesrates angeschlossen und die Motion der BDP mit 99 Ja- gegen 75 Nein-Stimmen bei 14 Enthaltungen abgelehnt.

Die Familienpolitik braucht neue Impulse, die zu einer umfassenden und sachlichen Auseinandersetzung mit dieser Problematik führen. Die neusten Entscheide des Nationalrats haben dies einmal mehr auf eklatante Weise gezeigt.

mamagenda.ch – Willkommene Verbesserungen!
Wie lässt sich die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie konkret fördern? Travail.Suisse tut dies mit einer digitalen Agenda auf dem Internet, die allen Interessierten kostenlos zur Verfügung steht (www.mamagenda.ch). Diese zweisprachige Website (Deutsch und Französisch) ermöglicht eine Begleitung von schwangeren Frauen am Arbeitsplatz und hilft ihnen, notwendige Entscheidungen frühzeitig und in aller Ruhe zu treffen. Das erklärte Ziel ist es dabei, Frauen zu ermutigen, auch nach der Geburt eines Kindes erwerbstätig zu bleiben. Diese Website, die 2011 mit Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau lanciert wurde, wird jeden Monat von durchschnittlich 750 Personen aufgerufen. Eine italienische Version sollte demnächst aufgeschaltet werden. Im Laufe der Zeit haben die Nutzerinnen der kostenlosen Agenda mamagenda.ch viele technische Verbesserungsvorschläge gemacht. Mehrere davon konnten unterdessen umgesetzt werden. Manchmal nutzen nur die schwangeren Frauen die digitale Agenda, weil sie nicht auf die wohlwollende Mitwirkung ihres oder ihrer Vorgesetzten zählen können. mamagenda wurde zwar mit dem Ziel geschaffen, den Dialog zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten zu fördern, aber das Instrument kann ein fehlendes gutes Einvernehmen zwischen diesen beiden nicht ersetzen. Deshalb müssen schwangere Frauen die Agenda auch autonom nutzen können. Ab sofort können sie den voraussichtlichen Geburtstermin selbst ändern und auch die Dauer des Mutterschaftsurlaubs kann von der Mitarbeiterin selbst angepasst werden. Weitere kleinere Unschönheiten wurden ebenfalls korrigiert: So etwa können nun keine «unmöglichen» Daten mehr eingegeben werden (zum Beispiel irrtümliche Eingabe des Geburtsdatums der Mitarbeiterin statt des Geburtstermins des Kindes). Die digitale Agenda wird auch an Fachmessen vorgestellt. An der bevorstehenden BabyPlanet-Messe, die vom 11. bis 13. Oktober in Lausanne stattfindet, wird mamagenda mit einem Stand präsent sein. Danach kann man sich vom 31. Januar bis 2. Februar 2014 auch an der Hochzeitsmesse in Bern über dieses Angebot informieren. Ein kleiner Wettbewerb mit Sofortgewinn gibt Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, auf spielerische Weise zu erfahren, was es mit mamagenda.ch auf sich hat.


1 EDK – Umfrage 2012/2013: http://www.ides.ch/dyn/15964.php
2 HarmoS-Konkordat: interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule, mit Organisation des Schulalltags und Betreuung der Kinder ausserhalb der Unterrichtszeit.

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Aktuelle Familienpolitik und Relaunch mamagenda.doc 45 KB

23. September 2013, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Der Nationalrat belässt die Last der Vereinbarkeit auf den Schultern der Mütter

Der Nationalrat hat heute eine Motion von Nationalrätin Valérie Piller Carrard für die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen abgelehnt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat kein Verständnis für diesen Entscheid. Ein Vaterschaftsurlaub ist unerlässlich, damit die Eltern Beruf und Familie in der heiklen Phase nach der Geburt eines Kindes vereinbaren können. mehr

Die Motion von Nationalrätin Valérie Piller Carrard (SP/FR) ist heute zum grossen Bedauern von Travail.Suisse vom Nationalrat abgelehnt worden. Die Mehrheit der Volksvertreterinnen und –vertreter zeigt sich bezüglich der Schwierigkeiten, Beruf und Familie in einer besonders schwierigen Zeit zu vereinbaren, nach wie vor uneinsichtig. Sie ist offensichtlich der Meinung, dass es immer noch alleine an der Mutter liegt, das Familienleben zu organisieren. Diese Sicht der Dinge ist für Travail.Suisse unverständlich, entspricht sie doch in keiner Weise den Vorstellungen und Bedürfnissen der jüngeren Generationen.

Die Motion verlangte die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen, der nach Absprache mit dem Arbeitgeber flexibel in den ersten sechs Monaten nach der Geburt bezogen werden kann. Nur die ersten fünf Tage müssten obligatorisch in den ersten zehn Tagen nach der Geburt bezogen werden. Finanziert würde dieser Urlaub aus der Kasse der Erwerbsersatzordnung. Gemäss Schätzungen von Travail.Suisse würden sich die Kosten auf 180 Millionen Franken pro Jahr belaufen.

Travail.Suisse wird nicht locker lassen und sich weiterhin für den Urlaub von jungen Eltern einsetzen: Neuste Analysen zeigen nämlich, dass Elternurlaube – und zwar sowohl solche für die Mütter wie auch für die Väter – nicht nur notwendig sind, um den Neugeborenen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sondern auch um den Eltern die Neuorganisation ihres Familienlebens in der besonders heiklen Phase nach der Geburt eines Kindes zu erleichtern.

Für mehr Informationen :
Valérie Borioli Sandoz, Leitern Gleichstellungspolitik, Tel.031 370 21 11 oder 079 598 06 37

12. September 2013, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

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