Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Ein Schritt in die richtige Richtung

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst es, dass Arbeitgeber grundsätzlich zur Bezahlung der Stillpausen während der Arbeitszeit verpflichtet werden. Damit wird eine rechtliche Lücke geschlossen, auf die Travail.Suisse seit Jahren hinweist. Allerdings ist die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vorgeschlagene Änderung von Artikel 60 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV1) zu restriktiv. Sie kann erneut zu einer missbräuchlichen Interpretation der Bestimmungen bezüglich Mutterschaftsschutz führen. mehr

Nachdem das Parlament die parlamentarische Initiative von Ständerätin Liliane Maury Pasquier angenommen hat, welche die Ratifizierung des Übereinkommens Nr. 183 der ILO zum Mutterschutz fordert, hat das Seco einen Vorschlag für eine entsprechende Anpassung des Schweizer Rechts ausgearbeitet und bei den Sozialpartnern in die Vernehmlassung geschickt.

Vorschlag des Seco geht zu wenig weit

Travail.Suisse begrüsst in seiner Stellungnahme zu dieser Vernehmlassung mit Nachdruck den Grundsatz, wonach Stillpausen bezahlt werden müssen und künftig auf eine Unterscheidung des Orts des Stillens (innerhalb oder ausserhalb des Betriebs) verzichtet werden soll. Travail.Suisse unterstützt zudem den Grundsatz, wonach das Recht auf bezahlte Stillpausen je nach täglicher Arbeitszeit abgestuft wird. Allerdings ist der Vorschlag für Travail.Suisse nicht grosszügig genug und enthält Lücken. Travail.Suisse fordert, dass der Arbeitgeber einer Arbeitnehmerin die ganze, für das Stillen während der Arbeit erforderliche Zeit zur Verfügung stellen soll. Damit kann verhindert werden, dass die Dauer der bezahlten Stillpausen missbräuchlicherweise als maximal erlaubte Stilldauer interpretiert wird. Zudem könnten unsensible Arbeitgeber versucht sein, ihre Arbeitnehmerinnen für die Stillpausen bezahlen zu lassen, indem sie ihnen zum Beispiel die Ferien kürzen. Diese Möglichkeit muss zwingend ausgeschlossen werden und zwar indem das heute gültige Recht, wonach Stillzeit weder vor- noch nachgeholt und sie auch nicht von anderen Ruhezeiten abgezogen werden darf, wieder aufgenommen wird.

30 Minuten sind zu wenig

Schliesslich ist die vom Seco vorgeschlagene Dauer der bezahlten Stillpausen ungenügend. Travail.Suisse schlägt – je nach täglicher Arbeitszeit (weniger als 4 Stunden, mehr als 4 Stunden oder ab 7 Stunden) – zu bezahlende Stillzeiten von 60, 90 und 120 Minuten vor. Dies sind je 30 Minuten mehr, als das Seco vorschlägt. Damit das Stillen über eine gewisse Zeit fortgesetzt werden kann – ärztlich empfohlen werden sechs Monate – muss der Milchfluss regelmässig stimuliert werden. Die dafür erforderliche Zeit müssen sich die betroffenen Frauen frei einteilen können.

> Zur Vernehmlassung: http://www.travailsuisse.ch/aktuell/vernehmlassungen

Für mehr Informationen:
Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstelllungspolitik, 079 598 06 37

16. Januar 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Alte Männer blockieren junge Väter

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, begrüsst den Beitrag des Bundesrats zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Umso unverständlicher ist jedoch, dass er sich nicht für einen gesetzlich verankerten Urlaub für junge Väter einsetzt. Damit trägt der Bundesrat weder den Bedürfnissen von jungen Familien noch der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung. mehr

Heute hat der Bundesrat entschieden, keine gesetzliche Grundlage für einen Vaterschaftsurlaub zu schaffen. Das bedeutet, dass Väter gemäss Obligationenrecht weiterhin höchstens Urlaub im Rahmen eines „üblichen freien Tages“ beziehen können.

Moderne Familienpolitik braucht engagierte Väter

Der aktive Einsatz der Väter in der Familie wird zunehmend wichtiger. Diese neue Rolle entspricht einem grundlegenden Bedürfnis der Väter wie auch der ganzen Familie und wird künftig zur gesellschaftlichen Notwendigkeit. Die demografische Entwicklung oder aber der Fachkräftemangel, den die Schweiz bewältigen muss, fordern eine moderne Familienpolitik. Der Vaterschaftsurlaub ist ein zentraler Bestandteil davon. Engagieren sich Väter schon früh in der Familie, so kehren die Frauen vermehrt und schneller an ihren Arbeitsplatz zurück und die Männer arbeiten eher Teilzeit – eine Rollenverteilung, welche die demografische Herausforderung abzufedern vermag.

Travail.Suisse wird sich weiterhin mit allen Mittel für einen Vaterschaftsurlaub einsetzen. „20 Tage nach der Geburt bezahlt bei der Familie bleiben zu können ist kein Luxus, sondern eine Basis für jede junge Familie“, sagt Martin Flügel, Prasident von Travail.Suisse. Ein solcher Urlaub würde die Schweiz rund 180 Millionen Franken jährlich kosten – im Vergleicht etwa zur den Steuerausfällen bei Annahme der SVP-Initiative von rund 1,4 Mia. Franken nicht sehr viel.

Steht die CVP für Familien ein?

In der Herbstsession hat der Nationalrat eine Motion zum Vaterschaftsurlaub von Valérie Piller-Carrard knapp – mit 96 zu 84 Stimmen abgelehnt. 13 Mitglieder der „Familienpartei“ CVP haben dagegen gestimmt, 5 weitere haben sich enthalten. Das Ergebnis zeigt: Die CVP hat es in der Hand. Wenn sie einen Vaterschaftsurlaub wirklich will, dann kann sie ihn haben. Die Verantwortung liegt nun in der Hand der Familienpartei CVP.

Für weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident, 079 743 90 05

30. Oktober 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Vereinbarkeit von Beruf und Familie –
Nationalrat lehnt alle konkreten Massnahmen ab

Zu Beginn der Herbstsession hätte es die grosse Kammer des Parlamentes in der Hand gehabt, mehrere Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verabschieden: Adoptionsurlaub, Vaterschaftsurlaub, nach einheitlichen Kriterien geführte Tagesschulen. Sie wurden alle abgelehnt. Einzig der Erarbeitung eines neuen Berichts zur aktuellen Situation der Familien in der Schweiz stimmte der Nationalrat zu. Dies zeigt, wie sehr sich die Politikerinnen und Politiker, die notabene vom Volk gewählt wurden, um den Willen eben dieses Volkes foutieren, das sich an der Urne für konkrete Massnahmen zu Gunsten einer Familienpolitik des Bundes ausgesprochen hat. mehr

Die Familienpolitik hat die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Bundesbern in der aktuellen Herbstsession einmal mehr beschäftigt. Im vergangenen März wurde an der Urne über einen Verfassungsartikel abgestimmt, der die Grundlagen für eine Familienpolitik des Bundes schaffen sollte. Dieser Familienartikel scheiterte zwar ganz knapp am Ständemehr, aber eine Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sprach sich dafür aus. Damit hatte das Volk ein klares Zeichen gesetzt, aber die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat hat sich leider erneut entschieden, diesem keine Beachtung zu schenken. Dabei sind die Bedürfnisse der Erwerbstätigen bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben nach wie vor akut.

Vaterschafts- und Adoptionsurlaub erneut abgelehnt

Der Tessiner CVP-Nationalrat Marco Romano reichte eine Motion ein, in der er die Gleichbehandlung von Müttern, die ein Kind adoptieren, und solchen, die selbst ein Kind zur Welt bringen, verlangte. Für eine Annahme dieses Vorschlags fehlten letztlich nur rund zehn Stimmen, womit ein zukünftiger weiterer Vorstoss zu diesem Thema gute Aussichten haben dürfte.

Ebenfalls keine Gnade fand eine Motion der Freiburger SP-Nationalrätin Valérie Piller-Carrard, die eine alte Forderung von Travail.Suisse wieder aufnahm: das Recht von Vätern, nach der Geburt eines Kindes 20 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub zu beziehen (fünf davon als Block rund um den Geburtstermin, den Rest flexibel im Zeitraum von sechs Monaten). Dieser Vorstoss, der mit rund einem Dutzend mehr Gegenstimmen bei sechs Enthaltungen abgelehnt wurde, fand nicht einmal bei der selbsternannten Familien-Partei CVP eine Mehrheit. Damit gehört die Schweiz zu den letzten Ländern in Europa, in denen man nach wie vor glaubt, dass die Geburt eines Kindes nur von den Müttern bewältigt werden muss. So können Väter in der chaotischen Zeit, in der die Familie grösser wird und man sich auch um weitere Kinder kümmern muss, ihren familiären Verpflichtungen nicht immer nachkommen.

Eine genauere Betrachtung des Abstimmungsergebnisses stimmt jedoch optimistisch, insbesondere was die Chancen eines zukünftigen Vorstosses für einen Vaterschaftsurlaub anbelangt: die Grünliberalen, die Hälfte der BDP, die SP und die Grünen haben sich dafür ausgesprochen. Nicht überraschend stellte sich das bürgerliche Lager dagegen, mit Ausnahme des Genfer FDP-Vertreters Hugues Hiltpold, der bereits 2009 eine Motion zur Einführung eines Vaterschaftsurlaubes eingereicht hatte und seiner Überzeugung treu geblieben ist. Der CVP wird deshalb eine entscheidende Rolle zukommen, denn es fehlen nur wenige Stimmen, um diesen Anachronismus endlich zum Verschwinden zu bringen. Es ist zu hoffen, dass sich die CVP-Vertreterinnen und -Vertreter zumindest an das halten werden, was die Partei auf dem Papier und intern unterstützt.

Ein Postulat der St. Galler CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz wurde hingegen von der grossen Kammer angenommen: Nachdem bereits zwei Familienberichte publiziert wurden – der letzte 2008 –, soll nun ein neuer Bericht zur Situation der Familien in der Schweiz erarbeitet werden.

Tagesschulen: Hoheitsgebiet der Kantone und wenige Ergebnisse

Eine Möglichkeit, wie man Eltern dabei unterstützen könnte, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen, wäre die Einrichtung von Tagesschulen in der ganzen Schweiz. Gemäss einer Umfrage der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK 1 sind solche Schulen, in denen die Kinder vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe I mehrmals pro Woche ganztags betreut werden, allerdings nur wenig verbreitet. In der Regel beschränkt sich das Angebot auf einige wenige Schulen pro Kanton; teilweise sind nicht einmal Daten dazu verfügbar. Die BDP beantragte, dass Tagesschulen in Zukunft national einheitliche Qualitätsmerkmale erfüllen müssen und dazu auch Finanzhilfe erhalten sollen. Der Bundesrat machte jedoch geltend, dass die Bildung zum Hoheitsgebiet der Kantone gehöre und nicht auf eidgenössischer Ebene geregelt werden könne. Er nutzte die Ablehnung des Familienartikels, um es den Kantonen zu erlauben, verschiedenste kantonale Lösungen einzuführen, die ohne Zutun des Bundes entwickelt wurden. Diese Lösungen sind aber den Besonderheiten der regionalen Politik unterworfen und haben nur wenig damit zu tun, was die Familien tatsächlich brauchen.

Wenn man sieht, wie die SVP dieses Thema in einigen Zentralschweizer Kantonen in Beschlag genommen hat, wo das HarmoS-Konkordat 2 zur Diskussion stand, so ist zu befürchten, dass dieses Flickwerk noch lange Bestand haben wird. Der Nationalrat hat sich leider den Argumenten des Bundesrates angeschlossen und die Motion der BDP mit 99 Ja- gegen 75 Nein-Stimmen bei 14 Enthaltungen abgelehnt.

Die Familienpolitik braucht neue Impulse, die zu einer umfassenden und sachlichen Auseinandersetzung mit dieser Problematik führen. Die neusten Entscheide des Nationalrats haben dies einmal mehr auf eklatante Weise gezeigt.

mamagenda.ch – Willkommene Verbesserungen!
Wie lässt sich die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie konkret fördern? Travail.Suisse tut dies mit einer digitalen Agenda auf dem Internet, die allen Interessierten kostenlos zur Verfügung steht (www.mamagenda.ch). Diese zweisprachige Website (Deutsch und Französisch) ermöglicht eine Begleitung von schwangeren Frauen am Arbeitsplatz und hilft ihnen, notwendige Entscheidungen frühzeitig und in aller Ruhe zu treffen. Das erklärte Ziel ist es dabei, Frauen zu ermutigen, auch nach der Geburt eines Kindes erwerbstätig zu bleiben. Diese Website, die 2011 mit Unterstützung des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau lanciert wurde, wird jeden Monat von durchschnittlich 750 Personen aufgerufen. Eine italienische Version sollte demnächst aufgeschaltet werden. Im Laufe der Zeit haben die Nutzerinnen der kostenlosen Agenda mamagenda.ch viele technische Verbesserungsvorschläge gemacht. Mehrere davon konnten unterdessen umgesetzt werden. Manchmal nutzen nur die schwangeren Frauen die digitale Agenda, weil sie nicht auf die wohlwollende Mitwirkung ihres oder ihrer Vorgesetzten zählen können. mamagenda wurde zwar mit dem Ziel geschaffen, den Dialog zwischen Arbeitnehmerinnen und Vorgesetzten zu fördern, aber das Instrument kann ein fehlendes gutes Einvernehmen zwischen diesen beiden nicht ersetzen. Deshalb müssen schwangere Frauen die Agenda auch autonom nutzen können. Ab sofort können sie den voraussichtlichen Geburtstermin selbst ändern und auch die Dauer des Mutterschaftsurlaubs kann von der Mitarbeiterin selbst angepasst werden. Weitere kleinere Unschönheiten wurden ebenfalls korrigiert: So etwa können nun keine «unmöglichen» Daten mehr eingegeben werden (zum Beispiel irrtümliche Eingabe des Geburtsdatums der Mitarbeiterin statt des Geburtstermins des Kindes). Die digitale Agenda wird auch an Fachmessen vorgestellt. An der bevorstehenden BabyPlanet-Messe, die vom 11. bis 13. Oktober in Lausanne stattfindet, wird mamagenda mit einem Stand präsent sein. Danach kann man sich vom 31. Januar bis 2. Februar 2014 auch an der Hochzeitsmesse in Bern über dieses Angebot informieren. Ein kleiner Wettbewerb mit Sofortgewinn gibt Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, auf spielerische Weise zu erfahren, was es mit mamagenda.ch auf sich hat.


1 EDK – Umfrage 2012/2013: http://www.ides.ch/dyn/15964.php
2 HarmoS-Konkordat: interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule, mit Organisation des Schulalltags und Betreuung der Kinder ausserhalb der Unterrichtszeit.

Anhang Grösse

Aktuelle Familienpolitik und Relaunch mamagenda.doc 45 KB

23. September 2013, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Der Nationalrat belässt die Last der Vereinbarkeit auf den Schultern der Mütter

Der Nationalrat hat heute eine Motion von Nationalrätin Valérie Piller Carrard für die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen abgelehnt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat kein Verständnis für diesen Entscheid. Ein Vaterschaftsurlaub ist unerlässlich, damit die Eltern Beruf und Familie in der heiklen Phase nach der Geburt eines Kindes vereinbaren können. mehr

Die Motion von Nationalrätin Valérie Piller Carrard (SP/FR) ist heute zum grossen Bedauern von Travail.Suisse vom Nationalrat abgelehnt worden. Die Mehrheit der Volksvertreterinnen und –vertreter zeigt sich bezüglich der Schwierigkeiten, Beruf und Familie in einer besonders schwierigen Zeit zu vereinbaren, nach wie vor uneinsichtig. Sie ist offensichtlich der Meinung, dass es immer noch alleine an der Mutter liegt, das Familienleben zu organisieren. Diese Sicht der Dinge ist für Travail.Suisse unverständlich, entspricht sie doch in keiner Weise den Vorstellungen und Bedürfnissen der jüngeren Generationen.

Die Motion verlangte die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen, der nach Absprache mit dem Arbeitgeber flexibel in den ersten sechs Monaten nach der Geburt bezogen werden kann. Nur die ersten fünf Tage müssten obligatorisch in den ersten zehn Tagen nach der Geburt bezogen werden. Finanziert würde dieser Urlaub aus der Kasse der Erwerbsersatzordnung. Gemäss Schätzungen von Travail.Suisse würden sich die Kosten auf 180 Millionen Franken pro Jahr belaufen.

Travail.Suisse wird nicht locker lassen und sich weiterhin für den Urlaub von jungen Eltern einsetzen: Neuste Analysen zeigen nämlich, dass Elternurlaube – und zwar sowohl solche für die Mütter wie auch für die Väter – nicht nur notwendig sind, um den Neugeborenen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sondern auch um den Eltern die Neuorganisation ihres Familienlebens in der besonders heiklen Phase nach der Geburt eines Kindes zu erleichtern.

Für mehr Informationen :
Valérie Borioli Sandoz, Leitern Gleichstellungspolitik, Tel.031 370 21 11 oder 079 598 06 37

12. September 2013, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Bezahlung der Stillpausen – konkrete Lösung ist gefragt

Das Parlament hat im Herbst 2012 die Bezahlung der für das Stillen aufgewendeten Zeit, die vom Gesetz als Arbeitszeit anerkannt wird, im Grundsatz gutgeheissen. Nun muss eine klare, eindeutige Lösung gefunden werden, um diesem unbestrittenen Willen zu entsprechen. Die Frage nach der Dauer der Stillpausen steht im Zentrum der Vorbereitungsarbeiten. Zwei Stunden bezahlte Stillpausen pro Tag könnten der Schweiz ermöglichen, ihre Gesetzgebung mit dem IAO-Übereinkommen über den Mutterschutz in Übereinstimmung zu bringen. mehr

Die Bezahlung der Stillzeit, wenn eine Frau arbeitet, war das einzige noch bestehende Hindernis für die Ratifizierung des von der Schweiz unterzeichneten IAO-Übereinkommens Nr. 183 über den Mutterschutz. Der einzige Vorwand, der gewissen rücksichtslosen Arbeitgebern bisher ermöglichte, stillenden Arbeitnehmerinnen die dafür aufgewendete Zeit vom Lohn abzuziehen, ist eine rechtliche Lücke der Verordnung 1 des Arbeitsgesetzes (ArGV1), die nicht präzisiert, dass diese Zeit zu bezahlen ist. Mangels anderer Bestimmungen wurde die Frage durch das Obligationenrecht geregelt.

Arbeitgeberkreise, wie das Centre Patronal oder der Schweizerische Gewerbeverband, haben sich auf diese Lücke gestützt, um die Bezahlung der Stillpausen weiterhin zu verweigern, und scheinbar tun sie das trotz des klaren Willens des Parlaments immer noch. Diese Haltung zeigt sehr gut, wie schwach die Argumentation ist. Das ist nichts weiter als engstirniger, kleinlicher Konservatismus. Dieser letzte Unsinn sollte demnächst behoben werden, denn ein Entwurf zur Verordnungsänderung wird derzeit geprüft.

Regelungen der europäischen Nachbarn als Anregung für die Schweiz

Die Medien haben aufgegriffen, was die Bundesverwaltung über das Staatssekretariat für Wirtschaft in die Vernehmlassung schickt. Gemäss diesen Berichten soll die Mutter im ersten Lebensjahr des Kindes über eineinhalb Stunden vom Arbeitgeber bezahlte Stillpausen verfügen können. So lange darf eine Mutter in Deutschland, Österreich oder Luxemburg bei einem Arbeitstag von über 8 Stunden ihr Kind stillen. Italien zeigt sich weit grosszügiger und gewährt zwei Stunden bezahlte Stillzeit, wenn eine Frau mehr als sechs Stunden pro Tag arbeitet, und eine Stunde, wenn sie weniger arbeitet. In den Niederlanden steht es den Frauen völlig frei, ihr Kind bis zu seinem neunten Monat so oft zu stillen, wie sie möchten, jedenfalls so lange, bis ein Viertel der Arbeitszeit erreicht ist.

Nach Ansicht von Travail.Suisse ist die italienische Lösung mit zwei Stunden pro Tag die richtige. Sie entspricht dem, was Arbeitsärzte als akzeptabel erachten.

In der Schweiz – und damit ist sie in Europa eine Ausnahme – arbeitet die grosse Mehrheit der Frauen mit Kindern Teilzeit. Für Travail.Suisse ist es ganz wichtig, dass das gewählte Modell Teilzeit arbeitende Frauen nicht benachteiligt und ihnen auch ermöglicht, am Arbeitsplatz zu stillen sowie Milch abzupumpen, was gemäss den Empfehlungen des SECO dem Stillen gleichkommt. Gut vorstellbar wäre eine je nach Tagesarbeitszeit gestaffelte Dauer der bezahlten Stillpausen, wie das Italien vorsieht.

Schliesslich unterscheidet das heutige Recht zwischen Stillen am Arbeitsplatz (gilt zu 100 Prozent als Arbeitszeit) und Stillen ausserhalb des Betriebs (gilt nur zu 50 Prozent als Arbeitszeit). Das Übereinkommen über den Mutterschutz macht diesen Unterschied nicht. Es sieht eine vollständige Entschädigung der Stillpausen vor, gestattet den Staaten allerdings, diese Pausen zu begrenzen. Nach Ansicht von Travail.Suisse könnte die im Schweizer Recht vorgesehene Unterscheidung abgeschafft werden, wenn eine klare und nicht diskriminierende Regelung zur Bezahlung und Dauer der Stillzeit eingeführt wird.

Wahlfreiheit als Grundsatz

Es ist wichtig, die Frauen bei ihrer Entscheidung, das Kind nach Wiederaufnahme der Arbeit weiter zu stillen, zu unterstützen. So muss das Stillen während der Arbeit ein anerkanntes Recht jeder Frau sein, und zwar unabhängig von der Dauer und Häufigkeit der Stillpausen. Ausserdem muss jede Mutter ihr Kind so lange stillen können, wie sie das möchte. Dieser Grundsatz muss unbedingt in der neuen Fassung von Artikel 60 der Verordnung ArGV1 stehen.

Um das Stillen über mehrere Monate zu fördern, muss die Stillzeit während der Arbeit natürlich bezahlt werden, oder es muss zumindest eine grosszügig bemessene Pausendauer festgelegt werden, während der Anspruch auf Bezahlung besteht. Die Erfahrung der Verbände von Travail.Suisse zeigt jedoch, dass Frauen ihr Kind bei der geringsten Spannung am Arbeitsplatz – die Nichtbezahlung der Stillzeit ist eine Ursache dafür – rascher abstillen, als sie eigentlich möchten, dies trotz der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, des Bundesamts für Gesundheit und der Ärzteschaft. Das gewählte System sollte daher grosszügig sein. Gerade bei den Stellen mit den tiefsten Löhnen, die meistens von Frauen besetzt werden, ist ein Lohnausfall während der Stillzeit schlicht nicht tragbar.

Geringfügige Kosten

Die Kosten für die Arbeitgeber sind geringfügig, denn die Pausen zum Stillen und Abpumpen der Milch bleiben bezüglich Häufigkeit und Dauer im Rahmen. Nach dreieinhalb Monaten (Mindestdauer des eidgenössischen Mutterschaftsurlaubs) wird ein Säugling nicht mehr so oft gestillt wie nach der Geburt. Viele Frauen kombinieren zudem die Muttermilch mit Pulvermilch im Fläschchen. Sehr oft stillen die Mütter ihr Kind nach sechs Monaten ab, wenn der Zeitpunkt zur Diversifizierung der Nahrung gekommen ist.

Jene, die wieder einmal das Schreckgespenst der unhaltbaren, wachsenden Kostenlast für die Unternehmen heraufbeschwören, seien an den einzigen bis heute bekannten Gerichtsfall erinnert: Dieser hat gezeigt, dass sich die strittige Summe lediglich auf etwa 600 Franken beläuft.

Die Unternehmen können jedoch mit einem deutlich höheren «Return on Investment» rechnen, beispielsweise in Bezug auf die Absenzen des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin wegen Krankheit des Kindes. Es ist nämlich anerkannt, dass ein Kind, das mehrere Monate lang gestillt wurde, später seltener krank ist und weniger Allergien entwickelt. Ausserdem sind Arbeitnehmerinnen, die ohne Schikane stillen können, deutlich motivierter, was sich positiv auf die Produktivität auswirkt.

Alles spricht für grosszügige Bestimmungen bezüglich Bezahlung der Stillpausen. Hoffen wir, dass die Arbeitskommission und der Bundesrat den gesunden Menschenverstand walten lassen.

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PD Bezahlung der Stillpausen - konkrete Lösungen sind gefragt.doc 43 KB

26. August 2013, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

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031 370 2111 oder
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