Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Vaterschaftsurlaub braucht dringend eine gesetzliche Basis

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Travail.Suisse hat die Zahlen zur Verbreitung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweizer Wirtschaft aktualisiert (Stand Juli 2017). Dabei wurden die grössten und dazu die allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge analysiert (45 GAV). Es zeigt sich: Es geht nur langsam vorwärts mit einem Vaterschaftsurlaub. Für fast die Hälfte der einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Arbeitnehmenden sind nach wie vor nur 1-2 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Bei den grossen Unternehmen gibt es zahlreiche Beispiele mit 10 bis 20 Tagen Vaterschaftsurlaub.

Aktualisiert wurden auch die Zahlen zur öffentlichen Hand als Arbeitgeberin. Beim Bund, den Kantonen, den 30 grössten Städten und den Kantonshauptorten werden 5-10 Tage Vaterschaftsurlaub je länger je mehr zur Norm. Einen Vaterschaftsurlaub im Bereich von 20 Arbeitstagen, wie von der Volksinitiative von Travail.Suisse gefordert, bieten jedoch nur grössere städtische Zentren an.

Insgesamt besteht ein grosser Unterschied zwischen grossen und kleinen Arbeitgebern: Grosse Arbeitgeber sehen einen – wenn auch bescheidenen – Vaterschaftsurlaub vor, kleinere Arbeitgeber in der Regel nicht. Diese Lücke kann nur mit einer gesetzlichen Regelung zum Vaterschaftsurlaub und einer solidarischen Finanzierung geschlossen werden, welche gleiche Bedingungen für alle schafft.

> Factsheet Vaterschaftsurlaub in 45 Gesamtarbeitsverträgen
> Factsheet Vaterschaftsurlaub bei der öffentlichen Hand

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Vaterschaftsurlaubs-Initiative wird eingereicht

Heute werden 107‘106 beglaubigte Unterschriften für den Vaterschaftsurlaub bei der Bundeskanzlei eingereicht. Mehr als 130‘000 Unterschriften konnten insgesamt innert einem Jahr gesammelt werden, die Sammelfrist wurde um ein halbes Jahr abgekürzt. Das zeigt klar und deutlich: Die Bevölkerung will jetzt endlich einen Vaterschaftsurlaub! mehr

Das Parlament hat über 30 Vorstösse zu Elternzeit oder Vaterschaftsurlaub abgeschmettert. Deshalb haben am 24. Mai 2016 über 140 Organisationen unter dem Dach des Vereins „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ die Initiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. „Nach über 30 erfolglosen Vorstössen war uns allen klar: Es reicht! Die Politik hat lange genug an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbeipolitisiert. Deshalb haben wir die Vaterschaftsurlaubs-Initiative lanciert“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von „Vaterschaftsurlaub jetzt!“.

Überwältigender Erfolg auf der Strasse und im Internet

Dass der Vaterschaftsurlaub einem echten Bedürfnis der Bevölkerung entspricht, bewies der grosse Zuspruch auf der Strasse. „Interessierte wollten bereits unterschreiben, bevor wir unsere Sammelstände eingerichtet hatten“, sagt Wüthrich. Auch in den Sozialen Medien war spürbar, dass der Vaterschaftsurlaub mehr als erwünscht ist. Innert der ersten 24 Stunden nach der Lancierung haben mehr als 20‘000 und bis zum Abschluss der Sammelphase knapp 60‘000 Personen ihren Willen zu unterschreiben, bekundet, wovon etwa die Hälfte der Unterschriften auch wirklich eingeschickt wurde.

Vaterschaftsurlaub ist notwendig und bezahlbar

Klar ist: Die erste Zeit nach der Geburt eines Kindes ist besonders intensiv für eine junge Familie und heutige Väter wünschen sich, diese wichtige Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Zwar können immer mehr junge Männer davon profitieren, dass ihnen ihr Arbeitgeber einen Vaterschaftsurlaub gewährt. Ein gesetzlicher Vaterschaftsurlaub jedoch hätte den Vorteil, dass beispielsweise auch Angestellte in KMU davon profitieren können. Finanziert würde der Vaterschaftsurlaub, der gemäss Bundesrat maximal 380 Millionen Franken kosten würde, analog dem Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO). Konkret bedeutet das, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmende je 0.06 Lohnprozente mehr einzahlen würden. Bei einem Monatslohn von beispielsweise 6000 Franken wäre das in etwa so viel wie eine Tasse Kaffee. „Das ist ein wahnsinnig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für diese so wichtige und einmalige Zeit. Wir dürfen nicht vergessen, dass wirklich sehr viele junge Väter nicht mehr als einen Tag Urlaub bekommen, was unglaublich rückständig ist“, sagt Clivia Koch Vizepräsidentin von „Vaterschaftsurlaub jetzt!“.

Von der Einreichung zur Abstimmung

Die Vertretungen der breiten, zivilgesellschaftlichen Allianz starten heute um 15 Uhr mit einem Kinderwagenspaziergang bei der Heiliggeistkirche in Bern und spazieren zum Bundesplatz (über die Bundesgasse). Personen aus der ganzen Schweiz reisen nach Bern an, um bei der Einreichung dabei sein zu können und dem Bedürfnis nach einem Vaterschaftsurlaub ein Gesicht zu verleihen. Nach der heutigen Einreichung hat der Bundesrat ein Jahr Zeit, seine Botschaft mit der Abstimmungsempfehlung dem Parlament zu unterbreiten (4. Juli 2018). National- und Ständerat haben dann 1,5 Jahre Zeit für die Behandlung der Initiative inklusive Schlussabstimmungen (4. Januar 2019). Unterbreiten Bundesrat oder Parlament einen Gegenvorschlag, so kann das den Prozess maximal ein Jahr verlängern (4. Januar 2020). Etwa 10 Monate nach den Schlussabstimmungen im Parlament kommt die Initiative vors Volk. Bei einem Ja des Volkes und der Kantone müsste das Parlament innerhalb von drei Jahren die erforderlichen Gesetze schaffen und den Vaterschaftsurlaub einführen. Andernfalls muss drei Jahre nach Annahme der Bundesrat dies mittels Verordnung tun. Der Vaterschaftsurlaub muss also bei Annahme spätestens per 1. Januar 2025 eingeführt werden. Diese Zeitachse zeigt vor allem eines: Geduld ist angesagt. Wichtig ist in den kommenden Monaten die Begleitung des Anliegens in Verwaltung und Parlament sowie in der Öffentlichkeit. Mit der Einreichung beginnt die Arbeit also erst richtig.


Der Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und was die Initiative will
Der Verein wird von vier Dachverbänden getragen: Travail.Suisse (Arbeitnehmende), männer.ch ( Männer- und Väterorganisationen), Alliance F (Frauenorganisationen) und Pro Familia Schweiz (Familienorganisationen). Inklusive Passivmitglieder vereint der Verein inzwischen über 160 verschiedene Organisationen und vertritt damit eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz. Die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ wurde am 24. Mai 2016 lanciert und heute eingereicht und verlangt einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen, anstatt wie bis anhin einen einzigen Tag im Rahmen der „üblichen freien Tage und Stunden“ (OR Art. 329, Abs. 3). Mit der Initiative würde ein Vaterschaftsurlaub von 20 bezahlten Tagen eingeführt, der tageweise und flexibel innerhalb eines Jahres beziehbar wäre.

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Mehr Informationen:

  • Adrian Wüthrich, Präsident „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ und Travail.Suisse, Tel. 079 287 04 93
  • Clivia Koch, Vize-Präsidentin „Vaterschaftsurlaub jetzt“!, Präsidentin Wirtschaftsfrauen Schweiz, Tel. 079 417 79 58

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04. Juli 2017, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Vaterschaftsurlaubs-Initiative wird am 4. Juli eingereicht – damit ist die Politik wieder am Zug

Innert nur einem Jahr konnten 130‘000 Unterschriften für die Initiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ gesammelt werden. Die grosse Unterstützung in allen Landesteilen zeigt den dringenden Wunsch der Bevölkerung, endlich einen Vaterschaftsurlaub in der Schweiz einzuführen. Mit der offiziellen Einreichung der Initiative am 4. Juli 2017 geht der Ball zurück an die Politik: Ende 2020 – bei einem Gegenvorschlag Ende 2021 – wird die Initiative spätestens zur Abstimmung vor das Volk kommen – ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub wäre dann auf den 1.1.2025 spruchreif. mehr

Dank der breiten zivilgesellschaftlichen Allianz bestehend aus den Dachverbänden Travail.Suisse, Alliance F, männer.ch und Pro Familia Schweiz konnten die Unterschriften in gerade mal einem Jahr gesammelt werden. Besonders hervorgehoben werden darf das perfekte Zusammenspiel der Organisationen, die unglaubliche Unterstützung unzähliger freiwilliger Sammlerinnen und Sammler, aber auch die Online-Kampagne, die in dieser Art erst- und einmalig war. All diese Faktoren haben wesentlich zum Erfolg beigetragen, der am 4. Juli anlässlich der offiziellen Einreichung gefeiert wird.

Bei einem Ja zur Initiative wird der Vaterschaftsurlaub spätestens 2025 eingeführt

Nach der Einreichung am 4. Juli 2017 hat der Bundesrat ein Jahr Zeit, seine Botschaft mit der Abstimmungsempfehlung dem Parlament zu unterbreiten (4. Juli 2018). National- und Ständerat haben dann 1,5 Jahre Zeit für die Behandlung der Initiative inklusive Schlussabstimmungen (4. Januar 2019). Unterbreitet der Bundesrat oder das Parlament einen Gegenvorschlag, so kann die Behandlungszeit um maximal ein Jahr verlängert werden (4. Januar 2020). Etwa 10 Monate nach den Schlussabstimmungen im Parlament kommt die Initiative vors Volk (Herbst 2020 oder Frühling 2021). Bei einem Ja des Volkes und der Kantone müsste das Parlament innerhalb von drei Jahren die erforderlichen Gesetze schaffen und den Vaterschaftsurlaub einführen. Andernfalls muss drei Jahre nach Annahme der Bundesrat dies gemäss Verordnung tun. Der Vaterschaftsurlaub kann also spätestens per 1. Januar 2025 eingeführt werden. Diese Zeitachse zeigt vor allem eines: Geduld ist angesagt. Wichtig ist in den kommenden Monaten die Begleitung des Anliegens in Verwaltung und Parlament, sowie in der Öffentlichkeit. Mit der Einreichung beginnt die Arbeit also erst richtig.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine zentrale Herausforderung im Arbeitsleben

Die Politikerinnen und Politikern in National- und Ständerat müssen verstehen, dass für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – eine der zentralen Herausforderungen im modernen Arbeitsleben – der Vaterschaftsurlaub ein entscheidendes Puzzle-Teil ist. Natürlich sind auch Teilzeit und Elternzeit prominente Gestaltungsinstrumente, um Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen, die Initiative fokussiert aber auf den Vaterschaftsurlaub. Die EU-Kommission schlug Ende April ihren Mitgliedstaaten vor, mindestens 10 bezahlte Tage Vaterschaftsurlaub zu gewähren und einen Elternurlaub einzuführen. Zudem: Der Durchschnitt der OECD-Länder bietet acht Wochen Vaterschaftsurlaub. Ein Richtlinienvorschlag der Europäischen Kommission will die Vereinbarkeit generell bedarfsgerechter ausgestalten und flexibler an den sich ändernden Betreuungsbedarf anpassen. Davon ist die Schweiz noch weit entfernt.

Alle EU-Staaten haben eine gesetzliche Regelung für einen Vaterschaftsurlaub

In allen EU-Ländern gibt es gesetzliche Regelungen für einen Vaterschafts- oder Elternurlaub. Die Schweiz ist auch hier ein Sonderfall: In keinem Gesetz wird allgemein von einem Vaterschaftsurlaub gesprochen. Wird ein Mann Vater, so erhält er einen Tag Urlaub, gleich viel wie für einen Wohnungswechsel. Im Gesetz steht dies aber nicht explizit und ist „unter den üblichen freien Stunden und Tage“ subsumiert, die der Arbeitnehmer von der Arbeit fern bleiben darf. Dass dieser Tag vom Arbeitgeber bezahlt wird, hat sich ebenfalls ergeben, auch wenn es nicht gesetzlich geregelt ist. Die ersten Tage und Wochen sind für den Start ins Familienleben jedoch sehr wichtig. Die Bindung zwischen Vater und Kind entsteht in dieser Zeit und die Mutter des Kindes braucht vielleicht Unterstützung. Da die Vaterschaftsurlaubs-Initiative einen flexiblen Bezug der 20 Arbeitstage vorsieht, kann der Vater diese Tage auch einzeln beziehen. Damit ermöglicht die Initiative die grösstmögliche Flexibilität für die Familien und die kommt auch den Unternehmen zu Gute.

Vier Wochen Vaterschaftsurlaub zum Preis von einer Tasse Kaffee im Monat

Die Finanzierung funktioniert nach Vorbild des Mutterschaftsurlaubs über die Erwerbsersatzordnung (EO). Dabei gilt eine Lohnersatzquote von 80 Prozent mit einem maximalen Taggeld von 196 Franken. Die Gesamtkosten eines Vaterschaftsurlaubs schätzt der Bundesrat laut einem Bericht von 2013 auf rund 385 Millionen Franken. Diese Summe macht für Arbeitnehmende und Arbeitgeber je 0.06 Lohnprozente aus (bei einem angenommenen Lohn von 6000 Fr./Monat bezahlen beide je 3.60 Fr. pro Monat – so viel wie für eine Tasse Kaffee). Der aktuelle EO-Beitragssatz von 0.45 Lohnprozent wird aber kaum angepasst werden müssen, da die Anzahl Militärdiensttage (ebenfalls über die EO geregelt) mit der Weiterentwicklung der Armee sinkt und nicht klar, ist ob alle Väter die volle Anzahl Vaterschaftsurlaub beziehen. Allenfalls müsste der Bundesrat die Senkung des EO-Satzes vom 1. Januar 2016 von 0.5 auf 0.45 Lohnprozente wieder rückgängig machen. Angesichts der Sozialleistungen von 162 Milliarden Franken pro Jahr, sind die rund 385 Millionen Franken (0.24%) eine kleine, aber vernünftige Investition in unsere Familien, die sich die Schweiz endlich leisten muss!

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27. Juni 2017, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Parlament interessiert sich nicht für Vaterschaftsurlaub

Das Parlament will keine Analyse der Bedürfnisse der Väter sowie der gängigen Praxis des Bezugs von Vaterschaftsurlaub in der Schweiz. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, kritisiert diesen Entscheid. Vor allem vor dem Hintergrund der Vaterschaftsurlaubsinitiative zeugt der Entscheid von der Ignoranz des Parlaments gegenüber einem echten Anliegen der Bevölkerung. mehr

Der Nutzen des Vaterschaftsurlaubs ist wissenschaftlich stark belegt – auch für die Schweiz, wo etwa vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Programme (siehe www.lives-nccr.ch) klare Erkenntnisse präsentieren. Was hingegen fehlt, ist eine klare Analyse des Ist-Zustands. Zwar hat der Bundesrat in seinem Bericht von 2013 verschiedene Modelle zum Vaterschafts- und Elternurlaub dargestellt und einer Bewertung unterzogen. Was aber fehlt, ist eine Analyse der Präsenz der Väter und der Bedürfnisse der Familien während der ersten Lebenswochen und des ersten Lebensjahres des eigenen Kindes. Fragen wie „Welche freiwilligen Leistungen gewähren Arbeitgeber? Wie viel Urlaub beziehen Väter? Wie viel bezahlter/unbezahlter Urlaub wird bezogen?“ werden nicht beantwortet. Eine solche Analyse würde ein wesentlich klareres Bild über die heutige Realität in Sachen Vaterschaftsurlaub zeigen, was gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Volksinitiative von Travail.Suisse sowie von Männer-, Frauen- und Familienorganisationen (www.vaterschaftsurlaub.ch ) notwendig und leistbar wäre.

Mehr Informationen:
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, Mobile: 079 777 24 69

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07. Juni 2017, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Das Ende einer Ungerechtigkeit: Der Mutterschaftsurlaub kann bei Spitalaufenthalt des Neugeborenen verlängert werden

Der Nationalrat hat heute einer Änderung des Gesetzes zugestimmt, welche die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs vorsieht, wenn ein Neugeborenes nach der Geburt länger als drei Wochen im Spital bleiben muss. Er ist damit Bundesrat und Ständerat gefolgt. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, freut sich über diesen Entscheid. Die betroffenen Mütter müssen damit künftig während der Dauer des Arbeitsverbots nach der Niederkunft keinen Lohnverlust mehr in Kauf nehmen. mehr

Eine Frau, die geboren hat, untersteht während den ersten acht Wochen nach der Geburt eines Kindes einem Arbeitsverbot. Wenn ihr Neugeborenes für mehr als drei Wochen im Spital bleiben muss, kann sie beantragen, dass die Ausrichtung der Mutterschaftsentschädigung auf den Tag aufgeschoben wird, an dem ihr Kind nach Hause kann. Zwischen dem Zeitpunkt der Geburt und dem Zahlungsbeginn der Mutterschaftsentschädigung war ihr Einkommen bisher nicht gesichert – und das in einer für eine junge Mutter ohnehin sehr belastenden Lage. Mit dem heutigen Entscheid des Nationalrates wird diese unbefriedigende Situation behoben.

Mit der verlängerten Ausrichtung der Mutterschaftsentschädigung via Erwerbsersatzordnung im Falle eines längeren Spitalaufenthalts eines Neugeborenen werden die Risiken unter den Arbeitgebern aufgeteilt und es wird damit vermieden, dass einige von ihnen zusätzlich belastet werden. Denn es liegt bereits ein Urteil des Genfer Zivilgerichts vor, wonach betroffene Mütter gemäss Obligationenrecht (Art. 324a) Anspruch auf ihren Lohn haben, weil sie ohne Verschulden an der Arbeitsleistung verhindert sind. Allerdings bleibt den Gerichten ein Ermessensspielraum, der zu einer Rechtsunsicherheit führt und die Wahrscheinlichkeit von Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitgebern erhöht.

Die neue Bestimmung findet nur dann Anwendung, wenn die betroffenen Frauen weiter arbeiten. Zudem wird die Verlängerung begrenzt. Gemäss Bundesrat Alain Berset soll es zwischen 45 und 56 zusätzliche Taggelder geben. „Es wäre logisch, das vorgesehene Maximum vorzusehen, also 56 Taggelder, denn das entspricht den acht Wochen Arbeitsverbot gemäss Arbeitsgesetz“, betont Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse. Mit dieser Lösung würden 80 Prozent der rund 1000 jährlichen Fälle gedeckt.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

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07. Juni 2017, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Zum Vätertag:
120‘000 Unterschriften für die Vaterschaftsurlaubs-Initiative

Vor fast genau einem Jahr haben die Dachverbände der Arbeitnehmenden (Travail.Suisse), der Familien (Pro Familia Schweiz), der Frauen (Alliance F) und der Männer- und Väterorganisationen (männer.ch) mit insgesamt über 140 angeschlossenen Organisationen die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“ lanciert. Nach einem engagierten Schlussspurt darf der Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ einen Tag vor dem Schweizer Vätertag bekanntgeben: Es sind über 120‘000 Unterschriften gesammelt worden! Die Unterschriftensammlung ist nun abgeschlossen – eingereicht wird noch diesen Sommer. mehr

Nachdem das Parlament in den letzten 10 Jahren über 30 Vorstösse zu Vaterschafts- oder Elternurlaub vom Tisch gefegt hat, entschied sich eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz dafür, eine Volksinitiative für einen 20tägigen, flexibel beziehbaren Vaterschaftsurlaub zu lancieren. Heute ist es so weit, über 120‘000 Unterschriften sind gesammelt. „Wir sind stolz, die Vaterschaftsurlaub-Initiative bereits nach einem Jahr einreichen zu können. Es freut uns ganz besonders, den Vätern in der Schweiz dieses wichtige Geschenk zum Vätertag zu machen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident des Vereins „Vaterschaftsurlaub jetzt!“.

Cleveres Modell – Win-Win für beide Seiten

Über 80 Prozent der Stimmberechtigten sind gemäss Umfrage für einen Vaterschaftsurlaub, Väter sind heute viel präsenter in den Familien als noch vor 30 Jahren, die meisten Mütter gehen nach ihrem Mutterschaftsurlaub wieder einer Erwerbsarbeit nach, die Familien wohnen nicht mehr so nah, dass Grosseltern selbstverständlich helfen können. All diese Fakten sprechen für sich: Ein einziger Tag Vaterschaftsurlaub entspricht in keiner Weise mehr den Bedürfnissen der heutigen Familien. Das vorliegende Modell mit 20 Tagen flexibel beziehbarem Vaterschaftsurlaub ist eine vernünftige und damit Ur-Schweizerische Lösung. Es ist familienfreundlich, weil es dem Vater ermöglicht, nach der Geburt für das Neugeborene, seine Partnerin und allfällige ältere Geschwister da zu sein. Und es ist arbeitgeberfreundlich, weil es den männlichen Angestellten ermöglicht, mit ihren Vorgesetzten die beidseits passende Lösung zu verhandeln. So könnte ein Vater beispielsweise zwei Wochen direkt nach der Geburt zu Hause bleiben und die verbleibenden Tage einzeln während dem ersten Lebensjahr des Kindes beziehen. In einem anderen Fall passt es vielleicht besser, wenn der Vater während 20 Wochen je einen Tag die Verantwortung für die Kinderbetreuung übernimmt.

Vaterschaftsurlaub: Eine Chance für die Schweizer Wirtschaft

Die heutige Situation in der Schweiz ist ungerecht: Grosse Firmen können es sich leisten, den Vätern einen bezahlten Urlaub zu gewähren, kleinere nicht. Glück hat also, wer in einer grossen Unternehmung mit fortschrittlichen Arbeitsbedingungen – meist einem Gesamtarbeitsvertrag – angestellt ist. „Die heutige Situation benachteiligt die KMU in der Schweiz auf dem Arbeitsmarkt. Es braucht eine nationale Lösung für alle Arbeitnehmenden und Unternehmen“, sagt Clivia Koch, Vize-Präsidentin des Vereins „Vaterschaftsurlaub jetzt!“. Die meisten Väter müssen sich also mit einem einzigen Tag zufrieden geben, Ferientage opfern oder unbezahlten Urlaub nehmen – was sich nicht jeder leisten kann. Das vorliegende Modell mit der Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung (EO) erlaubt es allen Firmen, unabhängig von ihrer Grösse, einen Vaterschaftsurlaub anzubieten. Das bedeutet gleich lange Spiesse für alle Unternehmen.

Erfolgreiche Online-Kampagne

Knapp 60‘000 Personen haben auf der Plattform wecollect.ch ihre Absicht bekundet, die Vaterschaftsurlaubs-Initiative zu unterschreiben. Knapp die Hälfte davon hat es auch wirklich getan: Mit rund 29‘000 Unterschriften hat die Vaterschaftsurlaubs-Initiative also einen neuen Weg gezeigt, wie Demokratie in Zukunft funktionieren kann. „Wir konnten mit unserer Initiative und mit der entsprechenden Online-Kampagne Personen erreichen und politisieren, die wenig Interesse an Politik haben und vielleicht noch nie eine Initiative unterschrieben haben. Das zeigt die grosse Unterstützung für unsere Initiative, die uns gestärkt in die weitere politische Debatte führt“, sagt Wüthrich.

Mehr Infos unter: www.vaterschaftsurlaub.ch und auf Facebook unter www.facebook.com/papizeit

Hinweis an die Medien: Sobald der Einreichungstermin von der Bundeskanzlei bestätigt ist, werden wir Ihnen die Medieneinladung zum Einreichungs-Event schicken.

Weitere Informationen:

  • Adrian Wüthrich, Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“; Präsident Travail.Suisse, Mobil: 079 287 04 93
  • Clivia Koch, Vize-Präsidentin Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“; Vorstandsmitglied Alliance F, Mobile: 079 417 79 58

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2017 06 03 VATERSCHAFTSURLAUB Unterschriften-gesammelt def d.docx 35 KB

03. Juni 2017, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

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031 370 2111 oder
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