Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Vaterschaftsurlaub braucht dringend eine gesetzliche Basis

vau_gav-erhebung_full.jpg

Travail.Suisse hat die Zahlen zur Verbreitung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweizer Wirtschaft aktualisiert (Stand Juli 2017). Dabei wurden die grössten und dazu die allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge analysiert (45 GAV). Es zeigt sich: Es geht nur langsam vorwärts mit einem Vaterschaftsurlaub. Für fast die Hälfte der einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Arbeitnehmenden sind nach wie vor nur 1-2 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Bei den grossen Unternehmen gibt es zahlreiche Beispiele mit 10 bis 20 Tagen Vaterschaftsurlaub.

Aktualisiert wurden auch die Zahlen zur öffentlichen Hand als Arbeitgeberin. Beim Bund, den Kantonen, den 30 grössten Städten und den Kantonshauptorten werden 5-10 Tage Vaterschaftsurlaub je länger je mehr zur Norm. Einen Vaterschaftsurlaub im Bereich von 20 Arbeitstagen, wie von der Volksinitiative von Travail.Suisse gefordert, bieten jedoch nur grössere städtische Zentren an.

Insgesamt besteht ein grosser Unterschied zwischen grossen und kleinen Arbeitgebern: Grosse Arbeitgeber sehen einen – wenn auch bescheidenen – Vaterschaftsurlaub vor, kleinere Arbeitgeber in der Regel nicht. Diese Lücke kann nur mit einer gesetzlichen Regelung zum Vaterschaftsurlaub und einer solidarischen Finanzierung geschlossen werden, welche gleiche Bedingungen für alle schafft.

> Factsheet Vaterschaftsurlaub in 45 Gesamtarbeitsverträgen
> Factsheet Vaterschaftsurlaub bei der öffentlichen Hand

::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


Die „mamagenda“ wird von ihren Testerinnen und Testern weiter empfohlen

Die digitale Agenda „mamagenda“, die während mehrerer Wochen in der Realsituation getestet wurde, findet allgemeine Zustimmung. Das neue Tool, das bald kostenlos im Internet bereitsteht, begleitet schwangere Arbeitnehmerinnen ab dem Zeitpunkt der Ankündigung der Schwangerschaft am Arbeitsplatz. Es wurde von Linienvorgesetzten und ihren betroffenen Mitarbeiterinnen getestet.

Anhang Grösse

PD Die mamagenda wird von ihren Testerinnen und Testern weiter empfohlen.doc 69 KB

21. Februar 2011, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Lohnfortzahlung bei Stillen am Arbeitsplatz – Gerichtsentscheid erwartet

Die Zeit, die eine Frau nach Wiederaufnahme ihrer Arbeit für das Stillen ihres Kindes aufwendet, gilt als Arbeitszeit. Die Bezahlung dieser Zeit ist jedoch nicht gesetzlich geregelt. Nur die Rechtsprechung kann der skandalösen Praxis gewisser Arbeitgeber, die diese Zeit vom Lohn der betroffenen Frauen abziehen, einen Riegel schieben. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden, freut sich, dass zum ersten Mal eine Arbeitnehmerin sich getraut hat, ihren Fall vor das Genfer Arbeitsgericht zu bringen. Die Gerichtsverhandlung findet am kommenden 16. November statt. Alle erwerbstätigen Mütter hoffen, dass das Urteil sich nach den letzten Stellungnahmen des Bundesrates zum Thema richtet.

Anhang Grösse

PD Stillen am Arbeitsplatz - erster Fall wird bald zum Präzedenzfall.doc 50 KB

08. November 2010, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Beginn der Testphase für mamagenda, die digitale Agenda zur Begleitung von schwangeren Arbeitnehmerinnen

Im Oktober beginnt in rund zehn Unternehmen und Verwaltungsstellen die Testphase für das neu entwickelte Instrument mamagenda von Travail.Suisse, der unabhängigen Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden. Mamagenda soll es Vorgesetzten erleichtern, die Arbeit einer schwangeren Mitarbeiterin während Schwangerschaft und Mutterschaftsurlaub so zu organisieren, dass die Rückkehr der Mitarbeiterin an den Arbeitsplatz reibungslos verläuft. Mit mamagenda muss eine Schwangerschaft kein Grund zur Sorge mehr sein, weder für das Unternehmen noch für die Mitarbeiterin.

Anhang Grösse

PD Beginn der Testphase für mamagenda.doc 43 KB

04. Oktober 2010, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Stillen am Arbeitsplatz – ein internationales Übereinkommen muss die Rechte der erwerbstätigen Frauen vorantreiben

Der Bundesrat hat zwei Motionen beantwortet, die im Juni im Nationalrat zum Thema Stillen am Arbeitsplatz eingereicht worden waren. Eine der beiden Motionen verlangt einen längeren Kündigungsschutz für stillende Frauen, die andere fordert, dass die Stillzeit bezahlt wird. Der Bundesrat empfiehlt die beiden Motionen zur Ablehnung, weil die Chancen gut stehen, dass die Räte dem IAO-Übereinkommen über den Mutterschutz zustimmen, was diese beiden Probleme seines Erachtens lösen würde. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden, ist der Ansicht, dass dies nur zum Teil stimmt und an der Forderung eines längeren Kündigungsschutzes festgehalten werden sollte.

Anhang Grösse

PD Stillen am Arbeitsplatz - IAO-Übereinkommen.doc 43 KB

04. Oktober 2010, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Stillen und arbeiten – es braucht mehr Sicherheiten

Stillen am Arbeitsplatz: Diese Möglichkeit ist von der Gesetzgebung vorgesehen und wird von den Behörden empfohlen. Tatsächlich hängt es aber vom guten Willen des Arbeitgebers ab, ob eine Mutter ihr Kind nach dem Mutterschaftsurlaub weiter stillen kann. Deshalb sind heute im Parlament von Nationalrätin und Travail.Suisse-Vizepräsidentin Josiane Aubert (SP/VD) sowie von ihrer Ratskollegin Maria Roth-Bernasconi (SP/GE) zwei Motionen eingereicht worden mit dem Ziel, die gesetzlichen Lücken zu stopfen und den Frauen zu ermöglichen, ihr Kind am Arbeitsplatz weiterhin und ohne Sorgen zu stillen. Zudem hat Ständerätin Liliane Maury Pasquier (SP/GE) ein Postulat eingereicht zur Frage der Lohnfortzahlung für den Fall, wo ein Neugeborenes länger als drei Wochen im Spital bleiben muss. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden, und der Schweizerische Hebammenverband (SHV) unterstützen diese Vorstösse, deren Ziel der Schutz der Mutterschaft am Arbeitsplatz ist. mehr

Fachleute im Bereich des Stillens wie der Schweizerische Hebammenverband oder Arbeitnehmerorganisationen wie Travail.Suisse stellen bei ihrer Arbeit immer wieder fest, dass die Frauen darauf verzichten, ihrem Kind die Brust zu geben, oder es frühzeitig abstillen, wenn sie am Arbeitsplatz im Zusammenhang mit dem Stillen auf Widerstand stossen. Sie tun dies, um Schwierigkeiten zu vermeiden und um ihre Stelle nicht zu verlieren. Dieser Sachverhalt ist bereits 2004 durch eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bestätigt worden: Nur noch 14 Prozent der Frauen ernähren ihr Kind im Alter von sechs Monaten ausschliesslich mit der Brust, während es unmittelbar nach der Geburt noch deren 94 Prozent sind. Mehr als 50’000 Frauen sind jedes Jahr von dieser Situation betroffen.

24 Wochen Kündigungsschutz für stillende Frauen
Die Motion von Nationalrätin Josiane Aubert fordert, den Kündigungsschutz für stillende Frauen zu verlängern. Gegenwärtig beträgt dieser 16 Wochen. Der gesetzlich festgeschriebene bezahlte Mutterschaftsurlaub beläuft sich auf mindestens 14 Wochen. Viele Betriebe jedoch, wie kantonalen Verwaltungen, oder auch Gesamtarbeitsverträge sehen bei Mutterschaft einen Urlaub von 16 Wochen vor. Oft verlängern die Frauen den Urlaub mit den Ferien oder einem unbezahlten Urlaub. Der Kündigungsschutz muss an diese Situation angepasst werden und auf 24 Wochen verlängert werden. Dies würde einer Stilldauer von 24 Wochen und damit der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) empfohlenen Mindeststilldauer entsprechen.

Die Stillzeit am Arbeitsplatz soll endlich bezahlt werden
Der Vorstoss von Nationalrätin Maria Roth-Bernasconi fordert, die Lohnfortzahlung für die Zeit, die für das Stillen aufgewendet wird, klar zu regeln. Stillzeit gilt gemäss Arbeitsgesetz als Arbeitszeit; je nach Ort des Stillens gilt die ganze dafür verwendete Zeit als Arbeitszeit (Stillen am Arbeitsplatz) oder die Hälfte (Stillen ausserhalb des Betriebs). Die Lohnfortzahlung unterliegt allerdings dem Arbeitsvertragsrecht, das nichts dazu aussagt. Diese fehlenden Bestimmungen verleiten gewisse Arbeitgeber zur Meinung, dass eine Mutter, die ihr Kind bei der Arbeit stillt oder die Milch abpumpt, keinen Lohnanspruch hat. Die entsprechende Änderung des Obligationenrechts würde dieser missbräuchlichen Interpretation ein Ende setzen.

Einkommen der Mutter während dem Spitalaufenthalt ihres Neugeborenen sichern
Ein drittes schwerwiegendes Problem nimmt Ständerätin Liliane Maury Pasquier, Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbandes, in ihrem Postulat auf : Wenn ein Neugeborenes nach seiner Geburt mehr als drei Wochen im Spital bleiben muss, kann die Mutter zwar den Aufschub der Zahlung der Mutterschaftsentschädigung verlangen, erhält aber in dieser Zeit nicht unbedingt ihren Lohn – obwohl sie nicht arbeiten darf. Ein Urteil des Genfer Arbeitsgerichts hat im Jahr 2007 einen Arbeitgeber zwar zur Lohnfortzahlung verpflichtet, allerdings gilt dieser Entscheid nicht für die ganze Schweiz. Das heute eingereichte Postulat fordert den Bundesrat auf zu prüfen, welche Möglichkeiten bestehen, das Gesetz zu ändern und zukünftig zu verhindern, dass eine Frau in finanzieller Hinsicht bestraft wird, während sie eine sehr schwierige persönliche Lebenssituation durchlebt.

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden, und der Schweizerische Hebammenverband fordern das Parlament auf, diese drei Fragen zu regeln und dafür zu sorgen, dass die von den Gesundheitsbehörden regelmässig vorgebrachten Empfehlungen zugunsten des Stillens auch tatsächlich umgesetzt werden und die erwerbstätigen Frauen finanziell nicht für eine bei der Geburt des Kindes eingetretene Komplikation bestraft werden.

17. Juni 2010, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik und Doris Güttinger, Schweizer Hebammenverband SHV Drucker-icon

Medienkontakte

Kontaktperson für Medienanfragen

Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
079 743 5047
rosenkranz@travailsuisse.ch

Anwesend: Montag bis Mittwoch

Medienmitteilungen

Medienservice

Medienkonferenzen

Altersvorsorge 2020: Ein Plus für alle Generationen

Zum Mediendossier

Archiv