Themen – Gleichstellung – Mutterschaft und Vaterschaft

Vaterschaftsurlaub braucht dringend eine gesetzliche Basis

Travail.Suisse hat die Zahlen zur Verbreitung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweizer Wirtschaft aktualisiert (Stand Juli 2017). Dabei wurden die grössten und dazu die allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge analysiert (45 GAV). Es zeigt sich: Es geht nur langsam vorwärts mit einem Vaterschaftsurlaub. Für fast die Hälfte der einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Arbeitnehmenden sind nach wie vor nur 1-2 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Bei den grossen Unternehmen gibt es zahlreiche Beispiele mit 10 bis 20 Tagen Vaterschaftsurlaub.

Aktualisiert wurden auch die Zahlen zur öffentlichen Hand als Arbeitgeberin. Beim Bund, den Kantonen, den 30 grössten Städten und den Kantonshauptorten werden 5-10 Tage Vaterschaftsurlaub je länger je mehr zur Norm. Einen Vaterschaftsurlaub im Bereich von 20 Arbeitstagen, wie von der Volksinitiative von Travail.Suisse gefordert, bieten jedoch nur grössere städtische Zentren an.

Insgesamt besteht ein grosser Unterschied zwischen grossen und kleinen Arbeitgebern: Grosse Arbeitgeber sehen einen – wenn auch bescheidenen – Vaterschaftsurlaub vor, kleinere Arbeitgeber in der Regel nicht. Diese Lücke kann nur mit einer gesetzlichen Regelung zum Vaterschaftsurlaub und einer solidarischen Finanzierung geschlossen werden, welche gleiche Bedingungen für alle schafft.

> Factsheet Vaterschaftsurlaub in 45 Gesamtarbeitsverträgen
> Factsheet Vaterschaftsurlaub bei der öffentlichen Hand


Zusammengebastelter Vaterschaftsurlaub geht auf Kosten der Gesundheit

Väter, die in der Schweiz arbeiten, haben bei der Geburt eines Kindes keinen Anspruch auf eine bezahlte Auszeit. Viele Männer nehmen jedoch einige Tage frei und ziehen dafür Ferien oder Überstunden ein. Als Folge davon drohen Erschöpfung und gesundheitliche Beschwerden. Nationalrätin Yvonne Gilli erschien diese Situation stossend, weshalb sie in der letzten Parlamentssession ein Postulat einreichte. mehr

«Es ist offensichtlich, dass immer mehr Väter auch zuhause Verantwortung in ihrer Elternschaft übernehmen. Diese neue Rollenverteilung entspricht einer gesellschaftlichen Entwicklung der gleichen Rechte und Pflichten, unabhängig von Mutter- respektiv Vaterschaft“. Mit diesen Worten fasst die St. Galler Parlamentarierin und Ärztin Yvonne Gilli die Problematik in ihrer Interpellation an den Bundesrat vom Juni zusammen.

Die bezahlte Auszeit, die Eltern bei der Geburt oder Adoption eines Kindes in Anspruch nehmen können, ist in der Bundespolitik immer wieder Thema. Parlamentsmitglieder wie Marco Romano (CVP TI)1 oder Valérie Piller Carrard (SP FR)2, die erst seit Kurzem im Nationalrat sitzen, haben Lösungen für das Problem vorgeschlagen. Auch die Grüne Yvonne Gilli ist über die gesundheitlichen Folgen für Väter, die sich bei der Geburt eines Kindes selber einen Urlaub «zusammenbasteln», besorgt.

Heute besteht eine Ungleichbehandlung von Müttern – die seit 2005 Anspruch auf einen bezahlten Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen haben – und Vätern, die nur einen einzigen freien Tag erhalten. Dieser Tag wird den Vätern im Rahmen der «üblichen freien Tage» gemäss Obligationenrecht (Art. 329 Abs. 3) gewährt, d.h. als ausserordentliche Abwesenheit, die Arbeitnehmenden zusteht, um persönliche Angelegenheiten zu regeln. Bei einer Geburt in der Familie präsent zu sein und familiäre Pflichten zu übernehmen, wird somit nicht höher gewichtet als ein Umzug oder ein Zahnarztbesuch.

Notlösungen auf Kosten der Gesundheit

Väter, deren Arbeitgeber auf privater Ebene keinerlei Lösungen anbieten, müssen deshalb mit Notlösungen vorlieb nehmen. Wie sehen diese aus? Die künftigen Väter sparen in den Monaten vor der Geburt Ferientage zusammen oder leisten mehr Überstunden, die sie dann bei der Geburt einziehen können. Eine solche Strategie bleibt nicht ohne Folgen für die Gesundheit… und ist nicht gesetzeskonform! Denn das Gesetz definiert Ferien als arbeitsfreie Zeit, die dazu dient, sich zu erholen. Gerade weil der Druck am Arbeitsplatz ständig zunimmt und die Fristen immer kürzer werden, ist es heute wichtiger denn je, dass sich die Arbeitnehmenden erholen können. Dass Väter bei der Geburt eines Kindes Ferien nehmen müssen, zahlt sich nicht aus, denn diese Zeit eignet sich nicht zur Erholung, ganz im Gegenteil. Bei der Geburt eines Kindes muss die gesamte Familienstruktur umgestellt werden, und die Eltern sind rund um die Uhr gefordert.

Gleichzeitig bleiben Wöchnerinnen immer weniger lang im Spital, weil die Gesundheitskosten eingedämmt werden sollen. Schon kurz nach der Geburt kommt die Mutter wieder nach Hause, und wenn ein Paar bereits eines oder mehrere Kinder hat, ist die Anwesenheit des Vaters unabdingbar, damit der Haushalt, die Kinderbetreuung und die Pflege von Ehefrau und Neugeborenem reibungslos funktionieren. Zur Erinnerung: Heutzutage können immer weniger junge Familie auf die Unterstützung von Angehörigen zählen, etwa weil die Grosseltern arbeiten oder die Familienmitglieder zu weit voneinander entfernt wohnen.

Deshalb gefährden Männer, die sich bei der Geburt ihres Kindes selber eine «Vaterzeit» zusammenbasteln, ihre Gesundheit. Sie sind bereits müde, wenn das freudige Ereignis eintritt, da sie ihre Ferien gespart oder mehr Arbeitsstunden geleistet haben, und sie kehren nach einigen psychisch und körperlich anstrengenden Tagen noch erschöpfter an ihren Arbeitsplatz zurück, ohne dass sie sich regenerieren konnten. Diese aufgestaute Müdigkeit schränkt mit Sicherheit die Produktivität ein und kann für den Arbeitnehmer sogar gefährlich sein.

Investitionen von 180 Millionen für den Schutz der Gesundheit der Väter

Weil heute andere Arbeits- und Familiensituationen dominieren als noch vor einer Generation, ist das Argument nicht mehr plausibel, Kinder seien ausschliesslich Privatsache und gingen den Staat nichts an. Eine bezahlte Auszeit für Väter bei der Geburt eines Kindes wäre gemäss Schätzungen von Travail.Suisse mit Kosten von rund 180 Millionen Franken pro Jahr verbunden3. Es wäre eine Investition in die Familie, zum Schutz der Arbeitnehmer und zur Beseitigung einer Ungleichbehandlung von Frauen und Männern.

Zwar müssen sich die Väter nicht von den körperlichen Folgen einer Geburt erholen. Sie müssen aber zusätzliche anstrengende Pflege- und Betreuungsaufgaben übernehmen, wenn ein Baby im Haus ist, ganz zu schweigen von den emotionalen Herausforderungen dieser Zeit. Weshalb sollte ein Arbeitnehmer seine Gesundheit aus Spiel setzen müssen, um seiner Rolle als Vater gerecht zu werden? Nicht nur die Unternehmen brauchen optimale Rahmenbedingungen, sondern auch die Familien.

1Siehe Medienservice vom 19. März 2012

2Siehe Medienservice vom 4. Juni 2012

3Bei einem 20-tägigen Urlaub mit 80% Lohn wie bei der Mutterschaftsentschädigung. Siehe Medienservice vom 4. Juni 2012 für Einzelheiten zur Schätzung.

Anhang Grösse

PD Zusammengebastelter Vaterschaftsurlaub geht auf Kosten der Gesundheit.doc 110 KB

27. August 2012, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Der Vaterschaftsurlaub setzt sich bei Arbeitgebern der öffentlichen Hand durch

Die 25 grössten Städte und alle 26 Kantone haben an der fünften Umfrage zu den Elternurlauben von Travail.Suisse teilgenommen. Beim Vaterschaftsurlaub wurden in diesem Jahr zwar nur geringe Fortschritte erzielt; die Arbeitgeber der öffentlichen Hand haben indes ein zunehmend offenes Ohr für die familiären Anliegen ihrer Mitarbeitenden. In den von den Verbänden von Travail.Suisse ausgehandelten Gesamtarbeitsverträgen (GAV) sind bei den Elternurlauben und insbesondere beim Vaterschaftsurlaub allmählich Fortschritte zu erkennen. Die Zeit für die Einführung einer nationalen Lösung ist gekommen, damit alle Unternehmen den frisch gebackenen Vätern einen ihnen vorbehaltenen, bezahlten Urlaub anbieten können. mehr

Gemeinsam mit den Nationalräten Valérie Piller Carrard und Marco Romano stellte Travail.Suisse die fünfte Ausgabe ihrer jährlich bei den öffentlichen Arbeitgebern durchgeführten Umfrage den Medien vor1. Diese Umfrage gibt Aufschluss darüber, welche Politik die Kantone und die grossen Städte gegenüber den bei ihnen beschäftigten jungen Eltern, Männern wie Frauen, verfolgen.

Die Bundesverwaltung, mit fast 35’000 Mitarbeitenden die grösste öffentliche Arbeitgeberin des Landes, schneidet sehr gut ab. Frauen können bei Mutterschaft einen viermonatigen Urlaub in Anspruch nehmen, Männer erhalten einen bezahlten Urlaub von 5 Tagen, um erste Bande zu ihrem Kind zu knüpfen und das Familienleben zu organisieren, und Väter und Mütter können bei einer Adoption einen bezahlten Urlaub von zwei Monaten beziehen.

Mutterschaftsurlaub oft zu 100 Prozent bezahlt

Eine Mehrheit der Kantone bietet ihren Mitarbeiterinnen einen längeren und besser bezahlten Mutterschaftsurlaub, als es das gesetzliche Minimum mit 14 Wochen und 80 Prozent Lohn vorschreibt. In der Regel ist ein Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen bei 100 Prozent Lohn vorgesehen. Derselbe Trend ist bei 18 grösseren Städten des Landes festzustellen. Besonders bemerkenswert ist der Kanton Genf, wo drei Städte – nämlich Genf, Vernier und Lancy – den bei ihnen beschäftigten frisch gebackenen Müttern sogar einen Urlaub von 20 Wochen bieten. Die Auszahlung des vollen Lohnes ist vollumfänglich gerechtfertigt angesichts der Kosten, welche nach der Geburt des Kindes auf die jungen Eltern zukommen.

Bezahlter Vaterschaftsurlaub auf dem Vormarsch

Die Hälfte der kantonalen Verwaltungen (13 Kantone), darunter alle in der Westschweiz, gewährt den bei ihnen beschäftigten jungen Vätern einen Urlaub. Die Kantone Jura und Freiburg haben auf Anfang dieses Jahres einen Vaterschaftsurlaub von 12 Tagen (oder 17 Tage bei Mehrlingsgeburten) bzw. 5 Tagen eingeführt.

Die Städte übertreffen die kantonalen Verwaltungen: Etwas mehr als die Hälfte (13) der 25 befragten Städte gewährt Vätern einen 5-tägigen bezahlten Urlaub. Ausserdem geben fünf Städte 10 Tage Urlaub (Zürich, Winterthur, Luzern, Köniz, Vernier). Eine besondere Auszeichnung verdienen Genf, Lausanne und Bern, wo die Väter ohne bedeutende finanzielle Konsequenzen 4 Wochen bzw. 21 Tage oder 3 Wochen ihrer Arbeit fernbleiben können.

Ein Drittel der Gesamtarbeitsverträge sieht einen Vaterschaftsurlaub vor

Zum ersten Mal wurde eine Tabelle der GAV und Unternehmensverträge veröffentlicht, die von den elf Verbänden, die Travail.Suisse angehören, in allen Branchen und Regionen der Schweiz ausgehandelt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Vaterschaftsurlaub von 5 Tagen langsam auf dem Vormarsch ist. Ein Drittel der 90 ausgehandelten Verträge sieht einen den Vätern vorbehaltenen, bezahlten Urlaub vor. Die grosszügigsten Regelungen kennen die Unternehmen Huntsman mit 15 Tagen sowie BASF und Swisscom mit 10 Tagen.

Was den Mutterschaftsurlaub angeht, so werden den Mitarbeiterinnen häufig 16 Wochen gewährt, teilweise sogar 18 (Papierindustrie, Pharma- und Chemieindustrie Basel, Huntsman) oder 20 Wochen (Alters- und Pflegeheime Genf).

Die Gesamtarbeitsverträge tragen zu grösserem Wohl und besseren Arbeitsbedingungen bei, auch für Eltern. Bis das Parlament Bestimmungen erlässt, die der gesamten Bevölkerung zugute kommen, werden die Mitgliedsorganisationen von Travail.Suisse die Aufgabe übernehmen, im Rahmen der Sozialpartnerschaft familienfreundliche Bedingungen auszuhandeln.

Adoptionsurlaub und unbezahlter Elternurlaub haben nichts Exotisches an sich

Die Hälfte der Kantone hat einen Adoptionsurlaub eingeführt. In diesem Jahr hat auch Zug diesen Schritt gemacht. Dort, wo es einen Adoptionsurlaub gibt, dauert er mehrere Wochen, nämlich 8 bis 20 (Genf). Bei den Städten gewähren 16 einen solchen Urlaub. Was den unbezahlten Elternurlaub betrifft, so wird dem Personal diese Möglichkeit in fast allen Kantonen (21) und Städten (24) angeboten. Die Dauer ist jedoch oft nicht klar geregelt. Die besten Bedingungen diesbezüglich bieten die Stadt Bern und der Kanton Genf, die bis zu zwei Jahren Urlaub aus familiären Gründen gewähren.

Besondere Erwähnung verdient der Kanton Jura, der auf einen Schlag einen Vaterschaftsurlaub von 12 Tagen, einen Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen, einen zusätzlichen Stillurlaub von 4 Wochen und einen Adoptionsurlaub von 16 Wochen eingeführt hat.

Investitionen in familienfreundliche Massnahmen zahlen sich aus

Das vorherige Parlament befasste sich mehrmals mit Vorschlägen zur Änderung der eidgenössischen Bestimmungen, insbesondere zu Gunsten der Väter, jedoch bis heute erfolglos. Die neu gewählten Nationalräte Valérie Piller Carrard (SP FR) und Marco Romano (CVP TI) haben beschlossen, sich für den Vaterschafts- und den Adoptionsurlaub einzusetzen. Ihre Motionen kommen zu jenen ihrer dienstälteren Kolleginnen und Kollegen im Bundeshaus hinzu. Bisher wurden Fortschritte in diesem Bereich mit den Hinweis auf die Kosten unterbunden. Berechnungen auf der Basis der Kosten des Mutterschaftsurlaubs aus dem Jahr 2010 ergeben, dass ein bezahlter Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen 180 Millionen Franken pro Jahr zu Lasten der Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden2 kosten würde. Der Adoptionsurlaub kostet nur 3,5 Millionen3. Wird das zu einem Drittel erneuerte Parlament nun endlich die richtigen familienpolitischen Entscheidungen treffen? Travail.Suisse wird sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen.

Wie es lange auch beim Mutterschaftsurlaub der Fall war, sind heute nur Arbeitgeber der öffentlichen Hand und Unternehmen mit einem gesunden finanziellen Fundament in der Lage, ihren Mitarbeitenden Elternurlaube und weitere familienfreundliche Massnahmen zu bieten. Sie haben die Botschaft, dass solche Investitionen einen Return on Investment von etwa 8 Prozent bewirken4, klar verstanden.

Eine landesweite Lösung nach dem Vorbild des Mutterschaftsurlaubs würde dafür sorgen, dass sich Kosten und Risiken der Elternurlaube auf alle Arbeitgeber verteilen, was allen Unternehmen, insbesondere den KMU, ermöglicht, ebenfalls auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden einzugehen. Eine nationale Lösung sorgt auch für Solidarität zwischen allen arbeitenden Personen, unabhängig von Einkommen und Wohnort. Es wird Zeit zu begreifen, dass familienfreundliche Massnahmen nicht als Argument im Wettbewerb zwischen Unternehmen eingebracht werden sollten, sondern als Teil einer verantwortungsvollen, vorausschauenden nationalen Familienpolitik, welche die heutigen Probleme von Familien berücksichtigt und den künftigen Herausforderungen in Zusammenhang mit der gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung in unserem Land begegnet.

1Die Tabellen zu den in den Verwaltungen der Kantone und der grossen Städte gewährten Elternurlauben können abgerufen werden unter http://www.travailsuisse.ch / Themen: Familie – Arbeit und Familie (http://www.travailsuisse.ch/de/node/3183).

2Die Schätzungen beruhen auf einer paritätischen Finanzierung Arbeitgeber/Arbeitnehmer nach demselben Modell wie beim Mutterschaftsurlaub, d.h. durch die Erwerbsersatzordnung (EOG). Die Berechnung berücksichtigt die Anzahl jährlicher Geburten, inkl. Mehrlingsgeburten, die Erwerbsquote der Männer, das höhere Lohnniveau der Männer und die durchschnittliche Höhe der ausgerichteten Mutterschaftsentschädigungen.

3Die Schätzungen zu den vom Adoptionsurlaub verursachten Kosten gehen davon aus, dass die Frauen dieselbe Anzahl Taggelder erhalten wie bei einer «natürlichen» Geburt (98 Tage) und dass die Männer einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen beziehen können.

4Modellrechnung am Beispiel des fiktiven Unternehms «Familien AG» mit 1500 Mitarbeitenden. «Betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse familienfreundlicher Unternehmenspolitik», Prognos AG, Trägerschaft: Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement, Migros, Die Schweizerische Post, Novartis, Raiffeisen. Basel, 2005.

Anhang Grösse

PD Der Vaterschaftsurlaub setzt sich bei Arbeitgebern der öffentlichen Hand durch.doc 128 KB

04. Juni 2012, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Vaterschaftsurlaub: Die Stadt Genf ist am grosszügigsten

Die letzte Woche von Travail.Suisse veröffentlichte Umfrage zu den von den Arbeitgebern der öffentlichen Hand gewährten Elternurlauben enthielt leider einen Fehler: Die Stadt Genf gewährt ihren Angestellten, die Vater werden, vier Wochen Urlaub. Damit ist sie in Sachen Vaterschaftsurlaub die grosszügigste der 25 grössten Städte der Schweiz. mehr

Leider enthielten die Tabellen zu den verschiedenen Urlauben, die die Arbeitgeber der öffentlichen Hand ihren Angestellten gewähren und die Travail.Suisse anlässlich der Medienkonferenz vom 24. Mai veröffentlicht hat, einen Fehler: Die Stadt Genf gewährt ihren Angestellten, die Vater werden, nicht nur 2 Tage, sondern 4 Wochen Vaterschaftsurlaub. Damit ist sie in Sachen Vaterschaftsurlaub die grosszügigste Stadt der Schweiz.

Neben dem Vaterschaftsurlaub gewährt die Stadt Genf den Müttern einen Mutterschaftsurlaub von 20 Wochen bei 100 Prozent des Lohnes (anstatt des gesetzlichen Minimums von 14 Wochen zu 80 Prozent des Lohns), 20 Wochen Adoptionsurlaub, welcher von Vater oder Mutter bezogen werden kann, und ein Jahr Elternurlaub mit der Garantie auf Rückkehr an den Arbeitsplatz, den der oder die Angestellte vor dem Urlaub innehatte.

Anhang Grösse

Congés parentaux 25Villes 2012 D CORR 0-1.doc 122 KB

29. Mai 2012, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Elternurlaube – die Arbeitgeber der öffentlichen Hand gleichen die Mängel des Gesetzes aus

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, hat anlässlich einer Medienkonferenz in Bern die Resultate 2012 der jährlichen Umfrage zu den Elternurlauben präsentiert. Zwei neue Mitglieder des eidgenössischen Parlaments, Nationalrätin Valérie Piller Carrard und Nationalrat Marco Romano, haben bei dieser Gelegenheit ihre Vorstösse zum Thema erläutert. Wie im Vorjahr wurden der Bund, die Kantone und die grossen Schweizer Städte in die Umfrage einbezogen. Dieses Jahr umfasste die Umfrage zudem die durch die Mitgliedsverbände von Travail.Suisse ausgehandelten Gesamtarbeitsverträge. mehr

Zum fünften Mal in Folge hat Travail.Suisse die Resultate der bei den Arbeitgebern der öffentlichen Hand (Bund, Kantone, grosse Städte) durchgeführten Umfrage vorgestellt. Auch wenn in Sachen Vaterschaftsurlaub nur geringe Fortschritte erzielt worden sind, zeigt die Umfrage auf, dass die Arbeitgeber der öffentlichen Hand die Anliegen ihrer Angestellten mit Familienpflichten ernst nehmen. Die Regelungen zugunsten der Angestellten, die Mutter werden, sind denn auch oft grosszügiger als die gesetzlichen Regelungen. Das gilt auch für den Vaterschaftsurlaub und für den Adoptionsurlaub.

Nationalrätin Valérie Piller Carrard (SP/FR) wird anlässlich der kommenden Sommersession einen Vorstoss einreichen, der verlangt, dass die Väter bei der Geburt ihres Kindes im Sinne der Gleichbehandlung auch in den Genuss von mehreren Urlaubstagen kommen, damit sie sich um das Neugeborene und den Rest der Familie kümmern können.

Nationalrat Marco Romano (CVP/TI) hat bereits in der Frühlingssession eine Motion eingereicht mit der Forderung, der Diskriminierung von Familien, die ein Kind adoptieren, eine Ende zu setzen.

Eine schweizerische Lösung, um den Vaterschafts- und Adoptionsurlaub für die KMU zugänglich zu machen

Travail.Suisse stellt fest, dass viele Gesamtarbeitsverträge einen Mutterschaftsurlaub von 16, zuweilen sogar 18 Wochen, vorsehen. Der Vaterschaftsurlaub macht langsam, aber sicher auch seinen Weg. Die Kosten werden zurzeit von den einzelnen Arbeitgebern getragen. Mit einer nationalen Lösung würden diese Urlaub endlich auch für die Angestellten von kleinen und mittleren Unternehmen möglich. Die Investitionen würden sich gemäss Schätzungen von Travail.Suisse auf nur 180 Millionen Franken belaufen für einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen und 3,5 Millionen Franken für einen Adoptionsurlaub.

Anhang Grösse

PK 240512 Text V Borioli.doc 54 KB

PK 240512 Text V Piller Carrard.doc 28 KB

PK 240512 Text M Romano.doc 28 KB

PK 240512 Motion M Romano.doc 36 KB

Congés paternité Cantons 2012 D CORR.doc 134 KB

Congés parentaux 25Villes 2012 D CORR.doc 122 KB

24. Mai 2012, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Gleiche Rechte für Eltern, die ein Kind adoptieren

Heute werden Familien, die ein Kind adoptieren, doppelt bestraft: Es ist nicht nur schwierig, ein Kind zu adoptieren, sondern die betroffenen Eltern können auch nicht dieselben Rechte beanspruchen wie Familien, die das Glück haben, eigene Kinder zu bekommen. Mit einer Motion will Nationalrat Marco Romano (CVP/TI) dieser Ungleichbehandlung ein Ende setzen. Travail.Suisse, die unabhängige Organisation von 170’000 Arbeitnehmenden, unterstützt den Vorschlag vorbehaltlos. mehr

Für viele Eltern ist es nicht möglich, auf «natürliche» Weise eine Familie zu gründen, das heisst leibliche Kinder zu haben. Dies trifft auf immer mehr Paare zu. Das Nationale Forschungsprogramm 50 (NFP50) befasst sich mit den Ursachen dieses Problems, insbesondere mit der abnehmenden männlichen Fruchtbarkeit. 2007 bestätigten die Ergebnisse eines Projekts im Rahmen des NFP50, dass die Qualität der männlichen Spermien in der Schweiz abnimmt, unter anderem, weil chemische Produkte mit hormonähnlicher Wirkung (sog. Umwelthormone oder endokrine Disruptoren) in der Biosphäre vorkommen1. Auch andere Gründe wurden inzwischen von Experten untersucht, etwa das steigende Durchschnittsalter der Männer, die Kinder zeugen. Tatsächlich hat das Alter des Vaters Auswirkungen in Form eines Rückgangs der natürlichen Fruchtbarkeit, der Spermienproduktion und der biologischen Qualität der Spermien2. Auch in der Schweiz haben Männer wie Frauen immer später Kinder. Unverändert stark ist hingegen in der Schweiz der Kinderwunsch, wie eine Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen bestätigte3.

Die Adoption eines Kindes ermöglicht es Eltern, die keine eigenen Kinder haben können, eine Familie zu gründen. Es ist bekannt, dass das Adoptionsverfahren lang und schwierig ist, manchmal auch sehr kostspielig. Das ist eine erste Benachteiligung. Falls sie dieses Verfahren erfolgreich absolviert haben, werden die betroffenen Eltern in gewisser Weise nochmals «bestraft», weil die Schweiz die Adoption nicht einer Geburt gleichstellt, nach der die Mutter einen Urlaubsanspruch hat, damit sie ein Kind unter guten Bedingungen in die Familie aufnehmen kann.

Auf Bundesebene besteht bei einer Adoption weder für die Mutter noch für den Vater ein Anspruch auf einen Elternurlaub. Diese Lücke bestraft zahlreiche Familien und kann Eltern sogar davon abhalten, diesen Weg der Familiengründung zu wählen.

Starker Kinderwunsch trotz gegenläufiger Trends erkennbar

Seit 1980 ist die Zahl der Adoptionen stark zurückgegangen: Während damals noch gegen 1600 Kinder adoptiert wurden, waren es 2010 gemäss Bundesamt für Statistik lediglich noch 580. Ein Grossteil der Adoptionen (45 Prozent) betrifft Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren. Die Entwicklung dieser Altersgruppe deckt sich mit dem Abwärtstrend, der auch bei der Gesamtzahl der Adoptionen für Kinder jeden Alters festzustellen ist. 2010 wurden 263 Kinder im Alter von weniger als 4 Jahren adoptiert.

Die Gründe für diesen Abwärtstrend liegen zweifellos darin, dass die Fortpflanzungsmedizin Fortschritte gemacht hat und immer vielfältigere Methoden einer breiteren Bevölkerung zugänglich sind (In-vitro-Fertilisation, intrazytoplasmatische Spermieninjektion). 2009 waren über 2 Prozent der Geburten das Ergebnis von künstlichen Befruchtungen, was 1’891 Lebendgeburten entspricht. Weil nicht alle Behandlungen erfolgreich sind und zu einer Geburt führen, ist auch erwähnenswert, dass sich 6300 Paare im Jahr 2009 für eine Behandlung im Bereich der medizinisch unterstützten Fortpflanzung entschieden, d.h. fast doppelt so viele wie 2002.

Sowohl diese medizinischen Behandlungen als auch die Adoptionen zeigen: Schweizerinnen und Schweizer wünschen sich Kinder und möchten eine Familie gründen. Nicht nachvollziehbar ist, dass Familien, die sich für eine Adoption entscheiden, am Ende ihres Weges bestraft werden. Die Aufnahme eines Kleinkinds in eine Familie braucht Zeit, unabhängig davon, ob es in der Schweiz oder an einem anderen Ort geboren wurde.

Dreieinhalb Millionen für Eltern, die Kinder adoptieren

Wenn die Rede von neuen Sozialversicherungsleistungen ist, stellt sich sofort die Frage der Kosten. Die Kosten eines Mutterschaftsurlaubs oder eines bezahlten Urlaubs für Väter bei der Geburt eines Kindes sind jedoch ebenso wie die Kosten im Zusammenhang mit einem Elternurlaub anerkanntermassen eine Investition in die Zukunft.

Travail.Suisse hat trotzdem berechnet, wie viel ein Adoptionsurlaub für Mütter kosten würde, der auf demselben Modell wie der Mutterschaftsurlaub gemäss Erwerbsersatzgesetz beruht: 2010 hätte dies lediglich Mehrkosten von 2,8 Millionen verursacht, neben den 725 Millionen für die Mutterschaftsentschädigungen. Die Berechnung beschränkt sich auf Adoptionen von Kindern zwischen 0 und 4 Jahren.

Wenn man wie Travail.Suisse davon ausgeht, dass auch die Väter Anspruch darauf haben, Zeit mit einem neu adoptierten Kind zu verbringen, kämen weniger als 700’000 Franken hinzu, d.h. insgesamt 3,5 Millionen Franken. Die Berechnung basiert auf dem Vorschlag von Travail.Suisse, dass Väter bei der Geburt eines Kindes 20 Tage bezahlten Urlaub erhalten.

Im Sinne eines Engagements für alle Familien hat der Tessiner CVP-Nationalrat Marco Romano am 8. März im Parlament eine Motion eingereicht, die verlangt, dass Familien bei einer Adoption dieselbe Unterstützung erhalten wie bei einer Geburt4. Konkret würde dies bedeuten, dass die Mütter bei einer Adoption einen längeren Mutterschaftsurlaub erhalten, dass es aber auch eine neue Lösung für die Väter braucht, damit diese ebenfalls während eines bezahlten Urlaubs Zeit mit dem Kind verbringen können.

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden, stellt mit Genugtuung fest, dass das Thema Elternurlaub auch im neu zusammengesetzten Parlament, aktuell bleibt. Die neuen Parlamentsmitglieder führen die Bemühungen ihrer politischen Vorgängerinnen und Vorgänger fort, damit die Schweiz eine Familienpolitik erhält, die diesen Namen verdient. Sie können dabei auf die Unterstützung von Travail.Suisse zählen.

1 http://www.nrp50.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/Publications/Final_Summaries/final_summary_Germond.pdf

2 http://rms.medhyg.ch/article_p.php?ID_ARTICLE=RMS_241_0646

3 http://www.bsv.admin.ch/dokumentation/publikationen/00096/02357/02383/index.html?lang=de

4http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20123110

Anhang Grösse

PD Gleiche Rechte für Eltern die ein Kind adoptieren.doc 119 KB

19. März 2012, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon