Themen – Gleichstellung – Lohngleichheit

Eine Gesetzrevision, die nichts bewirken wird

Das heute durch den Bundesrat präsentierte Projekt der Revision des Gleichstellungsgesetzes GLG wird leider keine Wirkung erzielen, da es keine griffigen Kontroll- und Sanktionsmassnahmen gibt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst zwar den Schritt in die richtige Richtung, bedauert aber gleichzeitig die verpasste Gelegenheit. Denn ohne Kontrollen der internen Lohnanalysen und ohne abschreckende Sanktionen wird sich die Lohndiskriminierung nicht beseitigen lassen. mehr

Obligatorische Überprüfung der Löhne alle vier Jahre bei allen Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten, Information des Personals über die Ergebnisse dieser Überprüfung, Kontrolle der Analyse durch eine externe und unabhängige Revision: Travail.Suisse begrüsst diesen ersten und wichtigen Schritt in die richtige Richtung weil sie immerhin mehr Transparenz bringt.

Klar ist aber, dass weitere Massnahmen nötig sind, um die Lohndiskriminierung zu beseitigen. Von der Lohndiskriminierung sind insbesondere Frauen betroffen, in Franken und Rappen beträgt sie in der Schweiz satte 7,7 Milliarden Franken pro Jahr. Das Gesetz braucht also unbedingt zusätzliche Elemente wie etwa abschreckende Sanktionen und staatliche Handlungsmöglichkeiten. Leider beinhaltet das heute durch den Bundesrat präsentierte Projekt der Revision der GLG nichts mehr davon. Der Vorschlag, analog dem Vorgehen bei Unternehmen, die Schwarzarbeit zugelassen haben, eine „schwarze Liste“ zu erstellen, ist leider weg vom Tisch. Unternehmen können also weiter ungestraft die Verfassung verletzen.

Für Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse ist klar: « Das Parlament ist jetzt gefordert. Es muss die Arbeit vom Bundesrat fertig stellen. Aber mit der heutige politische Konstellation wird es schwierig, eine Mehrheit für so etwas zu erreichen». Die erwerbstätigen Frauen zahlen weiterhin den hohen Preis für die Lohndiskriminierung in Unternehmen.

Für mehr Informationen :
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, 079 598 06 37

05. Juli 2017, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Lohndiskriminierung : Die KMU stehen im Fokus

Weibliche Arbeitnehmende unter 30 Jahren und ohne Kaderfunktion, die in einem kleinen Restaurant mit weniger als 20 Angestellten arbeiten – diese Personen erleiden die krasseste Lohndiskriminierung in der Schweiz. Im Falle dieser Angestellten sind zwischen 52 und 65 Prozent der Lohndifferenz zu männlichen Angestellten objektiv nicht erklärbar. Es handelt sich also um pure Diskriminierung, die schweizweit eine Lohnsumme von fast 8 Milliarden Franken ausmacht. Am Vortag des Internationalen Frauentages steht fest: Diese Lohndiskriminierung ist schlicht skandalös. mehr

Die Analyse der Lohnunterschiede, die heute vom Bundesamt für Statistik präsentiert wurde, zeigt nach wie vor ein düsteres Bild für die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern in der Schweiz. Bekannt ist, dass der unerklärte Teil der Lohnungleichheit – die eigentliche Lohndiskriminierung – innerhalb der Branchen stark variiert: Die Hotellerie-Restauration (65.2 Prozent), der Detailhandel (56,9%) und die Maschinenindustrie (41,7 Prozent) stehen an der Spitze der Rangliste der schlechten Vorbilder. Nicht nur die Branche, sondern auch die Grösse der Unternehmung ist massgebend für die Lohndiskriminierung. Frauen, die in KMU mit weniger als 20 Angestellten arbeiten, werden am stärksten diskriminiert. Mehr als 56 Prozent der Lohnunterschiede zu ihren männlichen Kollegen können nicht durch objektive Kriterien erklärt werden (siehe Kasten). Besonders alarmierend ist, dass KMU mit weniger als 20 Angestellten in der Schweiz 95 Prozent der Unternehmen mit 36 Prozent der Arbeitnehmenden ausmachen.

«Das NFP60 zur Gleichstellung der Geschlechter hatte bereits auf die Lohndiskriminierung der jungen Frauen unmittelbar nach der Lehre aufmerksam gemacht, mit einem unerklärten Lohnunterschied von 7 Prozent», betont Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellung bei Travail.Suisse. Die Analyse des BFS bestätigt diesen Sachverhalt: Bei den unter 30jährigen Frauen ist mehr als die Hälfte des Lohnunterschieds diskriminierend (52,2 Prozent), der diskriminierende Anteil nimmt erst mit dem Alter etwas ab (36,8 Prozent bei den über 50jährigen).

Der öffentliche Sektor übertrifft in Bezug auf die unerklärte Lohndifferenz sogar noch den nationalen Durchschnitt: 41,7 Prozent der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern sind im öffentlichen Sektor unerklärt, während der entsprechende nationale Durchschnitt bei 38,1 Prozent liegt. Insgesamt hat sich im öffentlichen Sektor der Lohnunterschied kaum verändert (16,6 Prozent) und ist nach wie vor kleiner ist als jener im privaten Sektor (19,5 Prozent).

Jeden Monat verlieren die Frauen aufgrund der Lohndiskriminierung mehrere hundert Franken. Und jedes Jahr beläuft sich das wirtschaftliche Volumen der Diskriminierung auf 7.7 Milliarden Franken. Die während ihres ganzen Lebens diskriminierten Frauen werden auch längerfristig, nämlich bei ihrer Pensionierung, benachteiligt. Es ist deshalb mehr als angebracht, am Vortag des Internationalen Tags der Frau an den Skandal zu erinnern, der mit diesen Zahlen und ihren Auswirkungen verbunden ist.

DEFINITION

Lohnungleichheit: Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern sind von verschiedenen Faktoren abhängig : personelle Faktoren (Alter, Ausbildung, Anzahl Dienstjahre), mit dem Arbeitsplatz verbundene Faktoren (berufliche Position, Qualifikationsniveau, Tätigkeitsbereich) und betriebliche Faktoren (Unternehmensgrösse, Wirtschaftszweig, Region).

Lohndiskriminierung: Nach Ausschluss der objektiv erklärbaren Faktoren mittels einer Regressionsanalyse (Modell Oaxaca) werden die verbleibenden Unterschiede, die nicht erklärt werden können, von den Fachleuten als Lohndiskriminierung eingestuft.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellung Travail.Suisse, 079 598 06 37

07. März 2017, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Lohngleichheit: Bundesrat bleibt auf halbem Weg stehen

Der Bundesrat ist der Meinung, mit seinem heutigen Entscheid „einen Schritt in Richtung Lohngleichheit“ gemacht zu haben. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, bezweifelt dies stark. Die Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden müssen zwar alle vier Jahre eine Lohnanalyse durchführen und diese von einer Revisionsstelle überprüfen lassen. Aber es ist keine Sanktion vorgesehen, wenn sie dies nicht tun. Der Bundesrat ist auf halbem Weg stehen geblieben. mehr

Die heute vom Bundesrat gefassten Beschlüsse ändern nichts an der Position von Travail.Suisse: Ohne Sanktionen gegen jene Unternehmen, die ihre Löhne nicht überprüfen lassen, wird das revidierte Gleichstellungsgesetz die Lohndiskriminierung, unter der vor allem die Frauen seit Jahrzehnten leiden, nicht beseitigen können. Zahlreiche Kreise haben mit Erfolg gegen eine « Lohnpolizei » lobbyiert, obwohl eine solche in der Vorlage, die zur Vernehmlassung unterbreitet worden ist, gar nie vorgesehen war.

Die Diskriminierung ist nach wie vor eine Tatsache, sie nimmt sogar zu, wie das World Economic Forum WEF – Ironie des Kalenders – gerade gestern in seiner jährlichen Studie „The Global Gender Gap Report 2016“ aufgezeigt hat: Die Schweiz rutscht im jüngsten Ranking einen Rang zurück.

Der Bundesrat will offensichtlich keine wirksame Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes und macht auf halben Weg Halt. Er appelliert an die Selbstverantwortung der Arbeitgeber, die bereits ihren Unwillen unter Beweis gestellt haben, indem sie sich nicht an den freiwilligen Massnahmen im Rahmen des Lohngleichheitsdialogs zwischen den Sozialpartnern (2009 bis 2014) beteiligt haben. Heute hat die Landesregierung auch auf eine Meldepflicht von säumigen Arbeitgebern verzichtet. Es wird jetzt an den Gewerkschaften und ihren Mitgliedern sein, die Augen offen zu halten und eine schwarze Liste von Unternehmen zu erstellen, die ungestraft gegen das Gesetz und die Verfassung verstossen.

Für mehr Informationen :
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik, Tel. 079 598 06 37

26. Oktober 2016, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Soll weiterhin in die Gleichstellung investiert werden?

In der Schweiz ist die Meinung weitverbreitet, dass Mann und Frau gleichgestellt sind, nicht nur aus rechtlicher Sicht, sondern auch tatsächlich. Und genau diese Ansicht bildet die Grundlage für die Kritiken in Bezug auf die Gleichstellungsaktivitäten sowie die Angriffe gegen die Finanzierung von Projekten zugunsten der Gleichstellung. Doch ist die Gleichstellung wirklich in dem Masse umgesetzt? Die von der britischen Zeitschrift «The Economist» durchgeführte Umfrage zeigt leider ein anderes Bild. Die Schweiz hinkt beim Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt weit hinterher. mehr

Seit 21 Jahren bietet das Gleichstellungsgesetz (GlG) dem Bund die Möglichkeit, Projekte zur Förderung der Gleichstellung im Erwerbsleben finanziell zu unterstützen (Artikel 14). Dank solcher Hilfen konnten www.infomutterschaft.ch und www.mamagenda.ch ins Leben gerufen werden. Auch die künftige Website für berufstätige betreuende Angehörige, www.info-workcare.ch, die diesen Herbst aufgeschaltet werden soll, hat davon profitiert. Das GlG ermöglicht es dem Bund ausserdem, privaten Institutionen Finanzhilfen zu gewähren, die Frauen im Erwerbsleben Beratung und Information bieten oder die die Wiedereingliederung von Frauen und Männern fördern, die ihre berufliche Tätigkeit zugunsten familiärer Aufgaben unterbrochen haben (Artikel 15).

Anfang April hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) einen Paradigmenwechsel punkto Finanzhilfen beschlossen.

Finanzhilfen nach dem GlG: ein merkwürdiges Geburtstagsgeschenk

Ab 2019 wird das Departement von Alain Berset die Finanzhilfen, die seit 1996 elf bestehenden Beratungsstellen gewährt wurden, streichen, weil deren Dienstleistungen mittlerweile von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren oder von den kantonalen Berufsberatungsstellen angeboten würden.

Weiter wird das EDI ab 2017 die Unterstützung für Projekte und Programme zur Förderung der Gleichstellung im Erwerbsleben neu ausrichten. Der Bund wird Dienstleistungen und Projekte gemäss zwei Stossrichtungen unterstützen: Einerseits werden die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Verwirklichung der Lohngleichheit in Unternehmen gefördert, andererseits fliessen die Gelder in Projekte, die die Arbeit von Frauen in Berufen mit Fachkräftemangel fördern, zum Beispiel in Informatik, Naturwissenschaft oder Technik. Prioritär unterstützt werden Projekte, die die Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt verändern, wie flexible Arbeitszeitmodelle oder faire Lohnsysteme.

Dieser doppelte Entscheid stellt einen Paradigmenwechsel dar: Nur die Projekte, die sich an Unternehmen richten, können auf eine Finanzhilfe hoffen, sofern sie den festgelegten Stossrichtungen entsprechen. Dienstleistungen und Produkte, die direkt für die betroffenen Personen bestimmt sind, werden hingegen nicht mehr unterstützt. Travail.Suisse stellt fest, dass es die Unternehmen bisher nicht eilig hatten, die Gleichstellung intern konkret voranzutreiben. Nur sehr wenige von ihnen haben für ein internes Gleichstellungsprojekt oder -programm finanzielle Unterstützung beantragt. Es sei daran erinnert, dass auch nur sehr wenige Unternehmen sich am Lohngleichheitsdialog beteiligt haben, der – in der Sozialpartnerschaft – darauf abzielte, die Lohnungleichheit durch eine automatische Kontrolle der Lohngleichheit zu beseitigen 1 . Das EDI setzt nun jedoch voll und ganz auf die Unternehmen. Das GlG erhält zu seinem 20. Geburtstag im Juli 2016 ein merkwürdiges Geburtstagsgeschenk.

Unverzichtbare und einzigartige Dienstleistungen

Das EDI hat diesen Entscheid Anfang April gefällt. Dafür bedurfte es keiner Konsultation. Der Entscheid basiert auf juristischen Analysen in Bezug auf die Kompetenzenaufteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden. Schockierend ist, dass die Realität ganz anders aussieht, wie Travail.Suisse in seiner Studie über den Wiedereinstieg ins Berufsleben betont hat.
2013 2 hat Travail.Suisse gezeigt, dass die von den Beratungsstellen angebotenen Dienstleistungen einzigartig und unverzichtbar sind. Auch wenn diese Stellen trotz Bundesbeiträgen angesichts der ständigen Nachfrage nur wenig Mittel haben. Einige Stellen schaffen es gar, kostenlos zu arbeiten. Vor allem Frauen benötigen solche Dienstleistungen, insbesondere diejenigen, die über kein sehr hohes Ausbildungsniveau verfügen und die finanziell nicht sehr gut gestellt sind. Wichtig ist aber auch, dass die Beratungsstellen – im Gegensatz zur Aussage der juristischen Analysen – die staatlichen Angebote nicht konkurrenzieren. Die Frauen wenden sich nicht an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), weil sie wissen, dass sie dort keine aufmerksame und kompetente Unterstützung in Bezug auf ihre besondere Problematik erhalten. Das hat eine Studie des BFS gezeigt 3 . Diese Frauen haben auch nicht die Mittel, um teure Beratungen zur beruflichen Neuorientierung zu zahlen.

Die Kantone müssen auf finanzieller Ebene nun also aktiv werden, wie dies die Bundesverfassung (Art. 8 Abs. 3 2. Satz) und aus völkerrechtlicher Sicht das UNO-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, das die Schweiz ratifiziert hat, vorschreiben. Das Bundesgericht hat in einem Urteil vom 21. November 2011 daran erinnert, dass die Kantone verpflichtet seien, geeignete Massnahmen zu treffen, um die faktische Gleichstellung zu fördern. In einer Zeit, wo Budgeteinschränkungen an der Tagesordnung sind, wird diese Übertragung von Verantwortung vom Bund auf die Kantone die Aufgabe der Beratungsstellen nicht vereinfachen. Denn diese werden die jeweiligen kantonalen Behörden davon überzeugen müssen, dass eine Aufrechterhaltung ihres Angebots unabdingbar ist.

Die Lohndiskriminierung hat sich verschärft

Alle zwei Jahre erinnert die Analyse der Lohndiskriminierung, die auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des BFS basiert, daran, dass die berufliche Gleichstellung von Mann und Frau tatsächlich nicht existiert. Die Lohndiskriminierung ist im Privatsektor von 37,63 Prozent aller im Jahr 2010 beobachteten Lohnungleichheiten auf 41 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Ab dem Eintritt auf den Arbeitsmarkt verdienen junge Frauen im Schnitt 7 Prozent weniger als ihre Kollegen, unter ansonsten gleichen Bedingungen 4 . Somit haben sie im Monat 280 Franken weniger im Portemonnaie, ein Betrag, der weiter zunimmt. Letztlich werden den berufstätigen Frauen in der Schweiz über 7 Milliarden Franken pro Jahr nicht ausbezahlt – was absolut ungerechtfertigt ist.

Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt: die Schweiz weit abgeschlagen

Neulich hat die Zeitschrift «The Economist» die Ergebnisse ihres «Glass Ceiling Index» 5 veröffentlicht, der sich mit dem Phänomen der sogenannten gläsernen Decke auseinandersetzt. Dieser Index wurde anlässlich des Internationalen Frauentages der Vereinten Nationen am 8. März erstellt. Er misst den Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt anhand von neun Kriterien (Lücke in der höheren Bildung, Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt, Lohndifferenz, Anteil der Frauen auf Managerstufe, Frauen in Führungsorganen von Unternehmen, Kosten der Kinderbetreuung, bezahlter Mutterschaftsurlaub, Anteil der Frauen mit einem höheren Wirtschaftsdiplom, Anteil der auf nationaler Ebene gewählten Frauen).

2016 wurde ein zehntes Kriterium hinzugefügt: das Vorhandensein eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs. Die Schweiz rangiert weiterhin auf dem viertletzten Platz vor der Türkei, Japan und Nordkorea! Ihre Wertung ist in einem Jahr von 41,7 auf 40,6 von insgesamt 100 Punkten gesunken. Die besten Plätze belegen die nordischen Länder: Island, Norwegen, Schweden und Finnland. Der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 56 Punkten.

Die angekündigte Lancierung einer Volksinitiative für die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen (was im Hinblick auf die Praktiken bei unseren Nachbarn eher bescheiden ist) durch einen Zusammenschluss von Familien-, Frauen-, Männer- und Arbeitnehmendenorganisationen ist eine erste Antwort auf das vielschichtige Problem der Ungleichheit, auch wenn es zur Lösung dieses Problems weitaus mehr braucht.

Es muss weiter investiert werden

Der Entscheid des EDI, die finanzielle Unterstützung der Beratungsstellen zu streichen und die Finanzhilfen neu für Projekte zur Gleichstellung im Erwerbsleben einzusetzen, ist zweifellos auf politischen Druck zurückzuführen, in einem Umfeld, wo die Gleichstellung zu einem leidigen Thema geworden ist, das die Gemüter gar nicht mehr erregt. Die Zusammensetzung des Parlaments nach den Wahlen im Herbst 2015 hat ganz sicher etwas damit zu tun. Ein Beleg dafür ist wohl die Tatsache, dass im letzten Winter versucht wurde, das Budget der vom EBG gewährten Unterstützungsleistungen auf die Hälfte zusammenzustreichen. Die Gleichstellung ist zwar im Gesetz verankert, doch viele verstehen nicht, dass sie immer noch nicht Realität ist und dass daher immer noch in Projekte und Dienstleistungen für die betroffenen Personen investiert werden muss. Ausserdem sind auch die Sensibilisierung und die Information von Unternehmen unermüdlich weiterzuführen.


1 «Beendigung des Projekts ‹Lohngleichheitsdialog›: Es braucht automatische Kontrollen zur Lohngleichheit» Medienmitteilung von Travail.Suisse vom 9. Dezember 2013
2 Travail.Suisse – Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern. Handlungsfelder und mögliche Massnahmen im Bereich der Bildung und Arbeitsmarktintegration von Wiedereinsteigenden. Bern, 2013.
3 BFS Aktuell – Frauen und Erwerbslosigkeit: Anhaltende Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbslosenquote. Neuenburg, August 2012.
4 Projekt Belodis des NFP60 über die Gleichstellung der Geschlechter.
5 http://www.economist.com/news/business/21598669-bestand-worstplaces-be-working-woman-glass-ceiling-index

26. April 2016, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

Gleichstellungsgesetz: Die vorgeschlagene Revision genügt nicht!

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, beurteilt die Vorlage zur Revision des Gleichstellungsgesetzes, als klar ungenügend. Der Revisionsvorschlag bringt aber immerhin einen wichtigen Nutzen: Er ermöglicht den Unternehmen, sich des Problems der Lohndiskriminierung überhaupt bewusst zu werden. Das Argument der Transparenz hat die Mitgliedsverbände von Travail.Suisse denn auch davon überzeugt, die Vorlage zu unterstützen. Allerdings sind Nachbesserungen unbedingt nötig. mehr

Um wirksam zu sein und die Lohndiskriminierung, von der in der Schweiz mehrheitlich die Frauen betroffen sind, zu beseitigen, braucht es mehr als eine obligatorische interne Überprüfung der Löhne durch alle Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten, die alle vier Jahre durchgeführt und von einer externen Stelle kontrolliert werden muss. Die Pflicht zur Durchführung von Lohnanalysen muss nach Ansicht von Travail.Suisse für alle Unternehmen geilten und nicht nur für jene 2 Prozent, die gross genug für die Anwendung einer anerkannten Überprüfungsmethode sind. Es braucht deshalb eine Analysemethode, die auch der Grösse der Mehrheit der Betriebe in der Schweiz angepasst ist. Diese neue Methode muss auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhen wie jene, die für alle Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden kostenlos zur Verfügung steht (Methode Logib).

Travail.Suisse ist zudem der Meinung, dass die Unternehmen Erklärungen liefern müssen, wenn die Analyse eine Lohndiskriminierung aufdeckt. Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse : « Gemäss dem Grundsatz des « comply or explain » müssen die Unternehmen verpflichtet werden, auf das Problem einzugehen und ihre Lohnsysteme im Detail zu untersuchen. ». Diese Lohnsysteme verändern sich kontinuierlich und diskriminierende Verzerrungen können im Laufe der Zeit auftreten.

Zu den von Travail.Suisse vorgeschlagenen Korrekturen gehören aber vor allem auch Sanktionen für jene Unternehmen, welche die festgestellten Lohnunterschiede nicht rechtfertigen können oder die Empfehlungen der von ihnen gewählten externen Kontrollstelle nicht befolgen. Als Sanktionen sind Geldbussen vorzusehen, deren Höhe sich je nach dem vom betroffenen Unternehmen erzielten Umsatz bemisst. Travail.Suisse fordert weiter, dass die Kontrollstellen nicht nur die korrekte Durchführung der Analyse überprüfen müssen, sondern auch die Ergebnisse. Als zwingend erachtet Travail.Suisse auch den Einbezug der Sozialpartner: So soll die Kontrolle der Analyse prioritär der Arbeitnehmendenvertretung übertragen werden.

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungsgesetz, 079 598 06 37

Die vollständige Stellungnahme von Travail.Suisse finden sie im Anhang (nur in französischer Sprache verfügbar)

26. Februar 2016, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik

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