Themen – Familie – Familie und Arbeit

Schweizer Stimmbevölkerung ist klar für einen Vaterschaftsurlaub

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, hat heute die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Vaterschaftsurlaub veröffentlicht. Die Resultate könnten eindeutiger nicht sein: Über 80 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten wollen einen gesetzlich festgelegten und bezahlten Vaterschaftsurlaub. Die Zustimmung ist über alle Bevölkerungsschichten, Altersgruppen und über beide Geschlechter stabil hoch. Das zeigt: Die Zeit ist überreif für den Vaterschaftsurlaub. Es ist nun an der Sozialkommission des Ständerates, die Zeichen der Zeit am 1. September zu erkennen und den konkreten Auftrag für ein entsprechendes Gesetz zu erteilen. mehr

Mit der repräsentativen Umfrage des Link-Instituts hat Travail.Suisse zum ersten Mal verlässliche Aussagen über die Ansichten der Schweizer Stimmbevölkerung hinsichtlich des Vaterschaftsurlaubs gewonnen. Dabei bestätigt sich die schon früher festgestellte Tendenz, dass der Vaterschaftsurlaub einem starken Bedürfnis entspricht: Über 80 Prozent der Stimmberechtigten sind dafür, dass Väter nach der Geburt eines eigenen Kindes einen gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub haben. Überaus stark wird das Anliegen von den 30-44-jährigen Müttern und Vätern unterstützt (fast 90 Prozent Zustimmung). Das Anliegen ist in der Stimmbevölkerung breit abgestützt. Keine Bevölkerungsgruppe weist eine Zustimmung von unter 70 Prozent aus. Obwohl in der Tendenz die jüngeren Stimmberechtigten dem Anliegen etwas stärker zustimmen, ist die Zustimmung z.B. auch in der Altersgruppe der 60-74-Jährigen überaus deutlich. So befürworten auch die Väter, die selber noch keinen Vaterschaftsurlaub hatten, einen solchen deutlich.

Das Gros der Bevölkerung will zwei bis vier Wochen Vaterschaftsurlaub

Die Umfrageteilnehmenden wurden auch zur idealen Dauer des Vaterschaftsurlaubs befragt. Etwas über 40 Prozent derjenigen, welche sich grundsätzlich für einen Vaterschaftsurlaub aussprechen, tendieren zu einer Auszeit von 4 Wochen oder mehr. Weitere gute 40 Prozent sprechen sich für zwei Wochen aus. Der Rest erachtet eine kürzere Dauer als genügend. Die Väter selber möchten tendenziell einen etwas längeren Urlaub als die Gesamtbevölkerung. Die Resultate der Studie mit Grafiken können im Anhang eingesehen werden.

Papizeit-Aktion am nächsten Sonntag (30. August 2015) in Bern

Die heutige Generation der Väter verlangt nun einen ersten konkreten Schritt der Politik. Auf www.papizeit.ch haben schon fast 200 Väter ihr Statement in Wort und Bild abgegeben, warum es einen Vaterschaftsurlaub braucht. Am 1. September kann die Sozialkommission des Ständerats dem geäusserten Bedürfnis Nachachtung verschaffen und einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub gutheissen. Damit würde erstmals der Auftrag verankert, ein entsprechendes Gesetz zu schaffen. Travail.Suisse und weitere Organisationen machen mit einer Papizeit-Aktion am 30. August auf dem Berner Waisenhausplatz nochmals auf das wichtige Anliegen aufmerksam. Weitere Infos gibt es unter www.kinderwagen-rallye.ch. Für Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse, ist klar: „Es braucht den Vaterschaftsurlaub jetzt!“.

Für mehr Informationen:
Martin Flügel, Präsident, Tel. 079/743‘90‘05
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079/777‘24‘69

Anhang Grösse

LINK Institut Report Travail Suisse Vaterschaftsurlaub 2015.pdf 1291 KB

23. August 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Vaterschaftsurlaub jetzt!

Am 1. September diskutiert die Sozialkommission des Ständerats über einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Auch wenn zehn arbeitsfreie Tage bescheiden sind: Sie wären ein wichtiger und konkreter Beitrag zu einem gelungenen Start ins Familienleben. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, organisiert zusammen mit unterstützenden Organisationen deshalb am 30. August in Bern eine Papizeit-Aktion, um dem Anliegen Nachdruck zu verschaffen. mehr

Heute erhalten Väter bei der Geburt ihrer Kinder gemäss Obligationenrecht von ihrem Arbeitgeber einen arbeitsfreien Tag zugesprochen. Travail.Suisse hat kürzlich in einer Analyse der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge gezeigt, dass dieser mickrige freie Tag auch in der Realität den Normalfall bedeutet. 1 Meistens sind es grössere Unternehmen, die etwas grosszügiger sind und einen nennenswerten Vaterschaftsurlaub anbieten. Das ist kein Zufall: Grössere Betriebe haben mehr finanzielle Möglichkeiten als Kleinbetriebe. Doch ein bezahlter Vaterschaftsurlaub darf nicht davon abhängen, wo ein Vater arbeitet. Heutige Väter wollen vom ersten Tag an Verantwortung übernehmen. Das ist auch richtig so: Es gilt die Mutter zu entlasten und allfällige Geschwister zu betreuen, eine Beziehung zum Neugeborenen aufzubauen, den Haushalt zu schmeissen, etc. Die Zeiten, als dies die Grossmütter getan haben, sind vorbei. Diese sind heute selber erwerbstätig.

Damit sich die Väter engagieren können, müssen sie aber genügend zeitliche Freiräume verfügen. Heute müssen sie ihr Ferienkontingent aufbrauchen und dann eine Zeit lang – oft übermüdet – ohne Ferien über die Runden kommen oder unbezahlten Urlaub nehmen. Das ist keine zeitgemässe Familienpolitik!

Parlament kann erstmals einen konkreten Gesetzesauftrag erteilen

Travail.Suisse macht sich seit längerem für einen über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanzierten 20-tägigen Vaterschaftsurlaub stark. Nun liegt im Parlament eine bescheidene, aber konkrete Lösung vor: Die parlamentarische Initiative von Martin Candinas propagiert das gleiche Modell wie Travail.Suisse, beschränkt den Urlaub aber auf zehn Arbeitstage. Auch wenn sich damit nicht alle heutigen Unzulänglichkeiten beseitigen lassen, wäre dies ein wichtiger erster Schritt für einen gelungenen Familienstart. Travail.Suisse unterstützt deshalb die parlamentarische Initiative Candinas. Dies mit Erfolg: Im April dieses Jahres hat sich die Sozialkommission des Nationalrats erstmals für zwei Wochen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen. Nun muss am 1. September die Schwesterkommission des Ständerats darüber befinden. Wenn sich mit der CVP die eigene Partei des Initianten konsequent für das Anliegen einsetzt, wird auch diese Hürde zu nehmen sein. Das Parlament hätte danach den Auftrag, einen konkreten Gesetzestext auszuarbeiten.

Papizeit-Aktion am 30. August

Um dem Anliegen Nachdruck zu verschaffen, hat Travail.Suisse mit Erfolg die Online-Plattform www.papizeit.ch eingerichtet. Als nächste Aktion laden Travail.Suisse und weitere unterstützende Organisationen am 30. August zu einer Kinderwagen-Rallye auf den Berner Waisenhausplatz ein. Väter und Kinder, aber auch Mütter, Verwandte und Bekannte treffen sich um 14.15 Uhr zum Fototermin und geben mit einer bunten Aktion dem Anliegen Vaterschaftsurlaub ein Gesicht. Weitere Informationen finden sich unter www.kinderwagen-rallye.ch.

Das Interesse an diesen Aktionen macht deutlich: Auch die etwas bejahrtere Ständeratskommission wird nicht weiter ignorieren können, dass die Zeit für einen Vaterschaftsurlaub auch in der Schweiz reif ist.

1 http://www.travailsuisse.ch/themen/gleichstellung/mutterschaft_und_vaterschaft

Anhang Grösse

15 08 15 Vaterschaftsurlaub jetzt.docx 18 KB

17. August 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Seit gestern wird die Stillzeit am Arbeitsplatz bezahlt

Seit gestern, 1. Juni, werden Frauen, die ihre Kinder während ihrer Arbeitszeit stillen, für diese „Stillpausen“ bezahlt. Eine Anpassung der Verordnung 1 zum Arbeitsrecht (ArGV1) ist seit gestern in Kraft. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass diese Schliessung einer Gesetzeslücke Arbeitnehmerinnen dazu ermutigen wird, ihre Babies auch nach dem Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen weiter zu stillen. mehr

Die Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsrechts hat nichts grundlegendes verändert, sondern eine Lücke geschossen: Bis anhin war der Arbeitgeber zwar verpflichtet, Stillpausen zu gewährleisten, musst sie aber nicht als Arbeitszeit bezahlen. Dank der Revision ist seit gestern auch klar, wie viel von diesen Stillpausen minimal bezahlt werden muss.

Endlich klare Regelung

Neu müssen bei einer täglichen Arbeitszeit von weniger als vier Stunden mindestens 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von bis zu 7 Stunden pro Tag 60 Minuten und bei mehr als 7 Stunden täglicher Arbeitszeit mindestens 90 Minuten Stillzeit vom Arbeitgeber bezahlt werden. Als Stillzeit ist auch die Zeit definiert, die eine Frau zum Abpumpen der Muttermilch benötigt. Vor der Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsrecht (ArGV1) galt die Stillzeit zwar als Arbeitszeit, wenn im Büro gestillt oder abgepumpt wurde, wenn die Frau dies aber auswärts – zum Beispiel in einer Kindertagesstätte – tun wollte, dann galt eine andere Regelung. Glücklicherweise besteht diese Unterscheidung heute nicht mehr. Grundsätzlich kann also eine Frau ihren Arbeitstag früher beenden und zu Hause oder in der Kindertagesstätte stillen oder sie kann sich so organisieren, dass sie ihr Baby am Arbeitsplatz stillen kann. Diese Regelung gilt solange sie stillt – maximal aber ein Jahr nach der Geburt.

„Der Abzug der Stillpausen von der Arbeitszeit hat bisher viele Frauen dazu gebracht, dass sie ihr Baby mit Wiederaufnahme der Arbeit abgestillt haben, vor allem bei denjenigen, die sowieso schon einen sehr tiefen Lohn erhalten“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Verantwortlich für die Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Gleichstellungspolitik, Mobile: 079 598 06 37

02. Juni 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Votum für eine fortschrittliche Familienpolitik

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist erfreut, dass sich die Stimmbevölkerung heute gegen eine rückwärtsgewandte Familienpolitik ausgesprochen und die SVP-Familieninitiative abgelehnt hat. Damit ist der Weg frei, um die wirklichen familienpolitischen Herausforderungen anzugehen. Das Nein zur 1:12-Initiative zeichnete sich ab, es bedeutet indes nicht das Ende der Diskussion über die exorbitanten Managerlöhne. mehr

Die Stimmbevölkerung hat mit ihrem heutigen Nein zur Familieninitiative gezeigt, dass sie nicht will, dass gut verdienende Alleinernährer-Familien zulasten aller übrigen Eltern steuerlich entlastet werden. Und sie hat zum Ausdruck gebracht, dass eine Familienpolitik, welche sich an einem rückwärtsgewandten Familienmodell orientiert, den aktuellen und künftigen Herausforderungen nicht gerecht wird.

Eine fortschrittliche Familienpolitik muss dafür sorgen, dass all jene, welche Kinder wollen, diesen Kinderwunsch auch verwirklichen können. Wenn die Kinder da sind, muss gewährleistet werden, dass jede Familie so leben kann, wie sie es für richtig hält. Für die grosse Mehrheit der Mütter und Väter ist es normal, neben der Familie erwerbstätig zu sein. Dies weil sie es wollen oder weil sie finanziell auf zwei Einkommen angewiesen sind. Das ist volkswirtschaftlich und gleichstellungspolitisch sinnvoll. Angesichts der demografischen Herausforderungen und angesichts der immer zahlreicheren sehr gut ausgebildeten jungen Frauen, wäre es fatal, die Familien vor die Wahl – Kinder oder Erwerbstätigkeit – zu stellen.

Ein verlässliches und gutes Angebot an familienexterner Betreuung ist deshalb auch für die Wirtschaft von grosser Bedeutung. Hier müssen weitere Fortschritte erzielt werden. Eine zeitgemässe Familienpolitik für alle Familien muss auch dafür sorgen, dass genügend Geld und Zeit für die Familie übrig bleibt. Statt Steuergeschenke braucht es deshalb einen Ausbau des Systems der Familienzulagen. Die heutigen Zulagen mit einem Mindestansatz von 200 Franken pro Kind werden den direkten Kinderkosten – 1310 Franken pro Monat bei zwei Kindern – bei weitem nicht gerecht. Bezüglich Zeit hat die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs oberste Priorität. Wer dafür sorgen will, dass sich Väter vermehrt um die Kinder kümmern, muss sie von Beginn an in die Familienarbeit einbinden. Und diese beginnt bei der Geburt.

Überrissene Managerlöhne bleiben ein Thema

Die 1:12-Initiative hat heute vor dem Volk erwartungsgemäss keine Mehrheit gefunden. Die Diskussion im Vorfeld der Abstimmung hat allerdings gezeigt, dass der Missmut über die ungezügelte Selbstbedienungsmentalität der Manager-Klasse in weiten Teilen der Bevölkerung verankert ist. Nicht zuletzt wurde auch von Seiten der Gegner immer wieder betont, dass mit der Bekämpfung der Initiative keinesfalls die millionenschweren Saläre gutgeheissen werden, sondern dass eine fixe Lohnspanne von 1:12 nicht das geeignete Mittel zur Lösung dieses Problems sei.

Für Travail.Suisse ist somit klar, dass mit dieser Abstimmung das Thema Managerlöhne nicht vom Tisch ist. Wenn trotz der öffentlichen Diskussion und trotz Abzockerinitiative keine Mässigung der Top-Saläre erwirkt werden kann, so dürfte die Lancierung der nächsten Vorschläge für griffigere Massnahmen nur eine Frage der Zeit sein.

Für weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident, Tel. 079/743.90.05

24. November 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Familieninitiative: Bumerang für die Familien

Die Entlastung der Familien ist ein hehres Ziel. Mit der Familieninitiative wird dieses Ziel aber nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Initiative würde eine kleine Minderheit von wohlhabenden Familien begünstigen, während sie für die grosse Mehrheit der Familien mit mittleren und tieferen Einkommen massive finanzielle Mehrbelastungen und Einschränkungen der Lebensqualität bringt. mehr

Die Familieninitiative der SVP fordert vordergründig eine Gleichbehandlung von Familien, die ihre Kinder vollständig selbst betreuen, mit Familien, die ihre Kinder auch familienextern betreuen lassen. Beide Familien sollen nämlich in der Steuererklärung den gleichen Betrag für die Betreuung der Kinder abziehen können. Dies ist aber nur scheinbar eine Gleichbehandlung. Denn während die eine Familie reale Rechnungen für Krippe, Mittagstisch oder Hort zu bezahlen hat, ist das bei der anderen Familie nicht der Fall. Familien, die nicht auf einen Zweitverdienst angewiesen sind, profitieren also von einem Abzug, dem gar keine Kosten gegenüberstehen. Das ist Bevorzugung anstatt Gleichbehandlung.

An der Mehrheit der Familien vorbei

Zudem ist es eine Bevorzugung einer kleinen Minderheit. Denn heute sind in der grossen Mehrheit der Familien in der Schweiz beide Elternteile erwerbstätig. Dies ist der Fall in 65 Prozent der Familien mit Kindern unter 6 Jahren und sogar in 70 Prozent der Familien mit Kindern zwischen 6 und 15 Jahren. Die meisten dieser Familien sind auf das Zweiteinkommen angewiesen. Gleichzeitig ist es ihnen nicht möglich, ihre Kinder vollständig selbst zu betreuen. Diese grosse Mehrheit der Familien hat also keine steuerliche Entlastung zu erwarten von der Familieninitiative. Im Gegenteil, je nachdem wie ein Kanton die Initiative umsetzt, werden sie sogar bestraft. Denn eine Möglichkeit der Umsetzung besteht natürlich darin, die bisherigen Abzüge für die Kosten der Kinderbetreuung zu senken oder zu streichen und damit alle Familien mit einem Zweiteinkommen schlechter zu stellen.

Vor allem Familien mit gutem oder sehr gutem Einkommen profitieren

Bereits die Tatsache, dass nur Einverdienerfamilien von der Familieninitiative profitieren, deutet darauf hin, dass vor allem die guten und sehr guten Einkommen profitieren. Denn damit eine Familie heute ohne weiteres von einem Einkommen leben kann, muss dieses eine Einkommen relativ hoch sein. Dazu kommt, dass aufgrund der Steuerprogression immer die höheren Einkommen stärker von Steuerabzügen profitieren als tiefere und mittlere Einkommen. Mit der Familieninitiative werden beide Effekte kombiniert, so dass eine sehr gezielte Entlastung der Familien mit den höchsten Einkommen resultiert.

Entlastung von Familien mit hohem Einkommen ist unnötig

Travail.Suisse hat vor kurzem eine Studie erstellen lassen, die die Entwicklung der Familieneinkommen während den letzten zehn Jahren untersucht. Darin zeigt sich, dass gerade die bereits wohlhabenden Familien ihre Einkommen am stärksten zu steigern vermochten, während die Einkommen der übrigen Familien stagnierten. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass bereits in den letzten zehn Jahren alle steuerlichen Entlastungen vor allem zugunsten der höheren Einkommen ausgefallen sind. Eine weitere Entlastung der Familien mit hohen Einkommen ist unnötig und sicher kein Fortschritt in der Familienpolitik

Wer bezahlt die Zeche?

Die Familieninitiative bringt ja nicht nur Steuererleichterungen für wohlhabende Familien, sondern auch Steuerausfälle von ca. einer Milliarde Franken für die Kantone. Diese kämpfen bereits heute mit Defiziten, und ein Kanton nach dem anderen legt ein Sparpaket auf. Die heutigen Sparmassnahmen zeigen, wer die Zeche bezahlt. So sind beispielsweise viele Kantone daran, die individuellen Krankenkassenprämienverbilligungen runter zu fahren. In vielen Sparpaketen sind unter diesem Posten viele Millionen Franken eingeplant. (z.B. AG 26 Mio.; SG 6.5 Mio.; LU 4 Mio.; BE 35 Mio.). Ebenfalls gespart wird bei den Ergänzungsleistungen (SG 8.8 Mio.) oder bei der Spitex (BE 11 Mio.). Im Weiteren kommen Klassengrössen unter Druck (AG und BE), Schulgelder werden erhöht (AG für Musikunterricht) oder neu eingeführt (LU für Brückenangebote) und gleichzeitig die Stipendien gesenkt (SG 1.35 Mio.).

Familieninitiative ist für Mehrheit der Familien ein Bumerang

Eines wird aus diesen wenigen Beispielen überdeutlich: Einsparungen erfolgen vorwiegend bei den „Armen, Alten und Auszubildenden“. Gerade die Familien sind von Sparmassnahmen wie weniger Krankenkassenprämienverbilligungen, höheren Schulgeldern oder tieferen Stipendien stark betroffen. Ein weiterer Ausfall von einer Milliarde Franken würde diese Sparübungen noch verstärken. Das heisst, der grösste Teil der Familien in der Schweiz würde durch die Familieninitiative nicht nur nicht entlastet, sondern wäre mit massiven finanziellen Mehrbelastungen konfrontiert. Für alle diese Familien ist die Familieninitiative nicht nur eine Mogelpackung, sondern sogar ein Bumerang. Deshalb sagt Travail.Suisse ganz klar Nein zur Familieninitiative.

Anhang Grösse

Familieninitiative - Bumerang für die Familien.docx 15 KB

28. Oktober 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Medienkontakte

Kontaktperson für Medienanfragen

Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
079 743 5047
rosenkranz@travailsuisse.ch

Anwesend: Montag bis Mittwoch

Medienmitteilungen

Medienservice

Medienkonferenzen

Lohnresultate 2017

Zum Mediendossier

Archiv