Themen – Bildung – Weiterbildung

Über 50-Jährige auf dem Arbeitsmarkt: warum man handeln muss und wie

Im internationalen Vergleich ist die Beteiligung der über 50-jährigen Arbeitnehmenden am Schweizer Arbeitsmarkt hoch. Aber aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Anteil dieser Altersgruppe an der Erwerbsbevölkerung noch deutlich zunehmen. Der Zeitpunkt für konkretes Handeln ist gekommen, insbesondere um den Fachkräftemangel abzuwenden, dessen Auswirkungen in den nächsten Jahren immer mehr spürbar werden. mehr

Die Erwerbsquote der 50- bis 64-Jährigen betrug 2011 76%, und jene der ab 55-Jährigen lag bei 70%, womit unser Land – im Vergleich der EU-/EFTA-Staaten – den dritten Platz hinter Island und Schweden belegt. Der EU-Durchschnitt beläuft sich auf 49,7%. Dieses gute Abschneiden darf jedoch nicht zur Annahme verleiten, dass alles bestens ist und geringer Handlungsbedarf besteht.
Während 2010 noch 786’000 erwerbstätige Personen im Alter von 55 Jahren oder älter verzeichnet wurden – was 17,5% der Erwerbsbevölkerung entspricht –, dürfte diese Altersgruppe gemäss dem mittleren Szenario der Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2020 über 20% und 2025 22% ausmachen. 1
Da sich bereits heute in vielen Berufen, wie den MINT-Berufen 2 , aber auch anderen Berufen, z.B. im öffentlichen Sektor (Lehrkräfte, SBB), ein Arbeitskräftemangel abzeichnet, ist es sehr wichtig, der demografischen Entwicklung vorzugreifen und dafür zu sorgen, dass ältere Arbeitnehmende sich länger auf dem Arbeitsmarkt halten können. Weitere Gründe, die für eine Förderung der Beschäftigung von ab 50-Jährigen sprechen, liegen darin, dass Sozialversicherungen und Sozialhilfe entlastet werden müssen und dass wir uns nicht zu stark von der manchmal bequemen Lösung, die von der Personenfreizügigkeit geboten wird, abhängig machen dürfen.
Manche Branchen sind stärker von der Alterung ihrer Arbeitskräfte betroffen als andere: Namentlich im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich und im Bildungswesen hat die Zahl der älteren Arbeitnehmenden zwischen 2000 und 2010 bedeutend zugenommen.
Der Arbeitskräftemangel hat zwar dafür gesorgt, dass man sich des Problems bewusst geworden ist und eine Debatte über die Beschäftigung älterer Arbeitnehmender lanciert hat, aber immer noch herrscht die vom Jugendwahn geprägte Vorstellung vor, dass über 50-Jährige weniger leistungsfähig sind. Die Realität ist jedoch viel komplexer, denn alles hängt von den zugewiesenen Aufgaben und den Möglichkeiten zum Stellenwechsel ab. Eine Schubladisierung älterer Arbeitnehmender ist auch deshalb nicht angebracht, weil es individuelle Unterschiede gibt.
Dauer- und Temporärstellenvermittler berichten, dass sich die Lage der über 50-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt in letzter Zeit verschlechtert hat. Einerseits werden sie öfter entlassen, andererseits werden sie auch seltener eingestellt, oder – was noch schlimmer ist – es gilt die stillschweigende Regel, dass keine über 50-Jährigen eingestellt werden dürfen. 3

Rahmenbedingungen verbessern…

Seit einigen Jahren sind sich das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) und das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) bewusst, dass man die Beteiligung älterer Arbeitnehmender angesichts der demografischen Überalterung fördern muss. Aber die bisher getroffenen Massnahmen bleiben zu punktuell und zu bescheiden. So wurden in der Arbeitslosenversicherung die Voraussetzungen für Einarbeitungszuschüsse an über 50-jährige Arbeitslose leicht verbessert. Es werden auch Anstrengungen unternommen, um die Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern. Es wären aber noch weitere Massnahmen nötig, die bisher völlig fehlen, so zum Beispiel die Einführung einer Einstellungspolitik ohne jede Altersdiskriminierung. Es ist zudem sehr wichtig, die Aus- und Weiterbildung von über 50-Jährigen zu fördern. Der Bundesrat und das Parlament beginnen, sich dessen bewusst zu werden, und man darf hoffen, dass die gesetzlichen Grundlagen bald so angepasst werden, dass sie diese Notwendigkeit berücksichtigen.

Das WBF hält in seiner Fachkräfteinitiative fest, dass Frauen und ältere Arbeitnehmende das grösste Potenzial zur Behebung des Mangels bergen. 2009 hätte die Wirtschaft über 420’000 zusätzliche Vollzeitäquivalente verfügt, wenn das Potenzial der Arbeitslosen, der Erwerbslosen und der Teilzeitbeschäftigten zwischen 55 und 64 Jahren voll ausgeschöpft worden wäre. Das Potenzial ist somit vorhanden, aber es müssen konkrete Massnahmen umgesetzt werden, damit man es zumindest teilweise nutzen kann.

… und gute Unternehmenspraktiken verbreiten

Die Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmende genügt jedoch nicht, um die Beschäftigung und die Beschäftigungsfähigkeit der über 50-Jährigen ausreichend zu fördern. Zusätzlich müssen gute Unternehmenspraktiken im Umgang mit dem Alter bekannt gemacht und verbreitet werden. Man muss ja nicht das Rad neu erfinden. Zahlreiche Studien, die in den letzten Jahren in der Schweiz oder im Ausland durchgeführt wurden, zeigen ziemlich klar, welche Massnahmen getroffen werden können. Folgende Beispiele seien hier genannt: flexible Pensionierung, Funktionsentwicklung, Ergonomie und Case Management 50+, Fortbildung, diskriminierungsfreie Einstellungspolitik, Gestaltung der Generationenbeziehungen, Kenntnis der Altersstruktur durch das Unternehmen usw. 4

Bei manchen Firmen zeigt sich der Wille, in dieser Frage voranzukommen, wie beispielsweise die Initiativen gewisser Schweizer Grossunternehmen belegen. Einige haben sich in einem Netzwerk zusammengeschlossen, um ein Generationenmanagement für den wirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten. 5

Die Zuwanderung ist keine Lösung

Es wäre gefährlich zu glauben, dass das Problem der überalterten Erwerbsbevölkerung durch die Zuwanderung oder die Personenfreizügigkeit dauerhaft ausgeglichen werden kann. Die Überalterung der Bevölkerung ist in ganz Europa ein Problem, und manche Länder sehen sich allmählich vor eine demografische Entwicklung gestellt, die noch ungünstiger verläuft als in der Schweiz, so zum Beispiel Deutschland. Gerade dieses Land ist in den letzten Jahren ein wichtiger Fachkräftelieferant für die Schweizer Wirtschaft geworden. Nun unternimmt Deutschland aber immer mehr Anstrengungen, um die in die Schweiz abgewanderten Arbeitskräfte zurückzuholen, beispielsweise durch bedeutende finanzielle Anreize. Daraus lässt sich schliessen, dass eine optimale Nutzung des Potenzials der einheimischen Arbeitskräfte eine ganz wichtige Strategie ist, um die Erwerbstätigenquote und damit den Wohlstand unseres Landes zu erhalten. Eine höhere Wertschätzung der älteren Arbeitnehmenden ist ein bedeutender Teil dieser Strategie.


Travail.Suisse-Projekt zu älteren Arbeitnehmenden mit ungarischen Partnern

Im Rahmen des Schweizer Erweiterungsbeitrags an die neuen Mitgliedstaaten der EU erhielt Travail.Suisse die Finanzierung für ein Zusammenarbeitsprojekt mit dem Titel «Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender. Erfahrungen in der Schweiz und vorgeschlagene Massnahmen in Ungarn» zugesprochen.
In Ungarn weisen die über 50-Jährigen eine der tiefsten Erwerbsquoten in Europa auf, während in der Schweiz genau das Gegenteil der Fall ist. Deshalb möchten die ungarischen Projektpartner (ungarischer Unternehmensberaterverband (MOSz) und ungarische Unternehmer- und Arbeitgebervereinigung) mehr über die Lage der älteren Arbeitnehmenden auf dem Schweizer Arbeitsmarkt erfahren.
Ein Teil des Projekts besteht aus einer Studienreise in der Schweiz, die vom 25. bis 30. November 2012 von Travail.Suisse für Vertreter der beiden ungarischen Partner organisiert wird. Dabei werden die Partner Schweizer Unternehmen mit guten Lösungen für ältere Arbeitnehmende sowie Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen und andere von dieser Problematik betroffene Institutionen aufsuchen. In einem zweiten Schritt findet ein Workshop in Ungarn statt, an dem die in der Schweiz gesammelten Erfahrungen sowie die Praxis in Ungarn einbezogen und kommentiert werden.
Auf dieser Grundlage wird eine Publikation mit Empfehlungen erarbeitet, die an regionalen Seminaren in Ungarn weitergegeben werden. Das Ziel ist, die bestehenden guten Praktiken in den verschiedenen Regionen Ungarns zu verbreiten. Mit diesem Projekt bringen wir gleichzeitig mehr über die Lage der älteren Arbeitnehmenden in der Schweiz in Erfahrung und können Sensibilisierungsarbeit leisten, um die Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmenden auch in unserem Land zu fördern.


1 Newsletter Demos, Nr. 2, Mai 2012, Bundesamt für Statistik
2 Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik
3 NZZ am Sonntag, „Kein Job, keine Rente“, S. 25, 30. Juni 2013
4 z.B. Studien zu aktivem Altern im Betrieb. Kurzfassungen. 27 S., 2009. Gesundheitsförderung Schweiz; Altersstrategie. 61 S. 2006. Schweizerischer Arbeitgeberverband; A guide to good practice in age management. 48 S. 2006. European Foundation for the Improvment of living and Working Conditions.
5 www.demographieforum.ch; www.demographie-netzwerk.ch

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Ueber 50jährige auf dem Arbeitsmarkt.docx 25 KB

14. Oktober 2013, Denis Torche, Leiter internationale Politik Drucker-icon

Neue Zeit – neue Herausforderungen

Am 1. Januar 2004 trat das neue Berufsbildungsgesetz (BBG) in Kraft. Als besondere Neuerung verfügt das BBG über einen Projektfonds. Mit seiner Hilfe können wichtige und innovative Berufsbildungsprojekte mitfinanziert werden. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist dieser Projektfonds ein grundlegendes Element für ein entwicklungsfähiges Berufsbildungssystem. Die Kriterienliste für die Bewilligung von Projekten muss deshalb auch regelmässig den aktuellen Bedürfnissen angepasst werden. mehr

Artikel 54 und 55 des neuen Berufsbildungsgesetzes 1 sind zwei der Garanten für ein innovatives Berufsbildungssystem. Auf ihrer Grundlage können Berufsbildungsprojekte von Kantonen, Organisationen der Arbeitswelt oder anderen Akteuren der Berufsbildung mitfinanziert werden. Jährlich stehen diesem Projektfonds 10% der Berufsbildungsausgaben des Bundes zur Verfügung. Eine Legion von Lehrstellenprojekten fand in diesem Projektfonds ihre finanzielle Basis. Ausbildungsverbünde konnten damit finanziert, der Aufbau des Case Management angestossen, Berufsbildungsverordnungen aktualisiert und Berufsschauen durchgeführt werden, um nur einige der Projekte zu nennen. Der Fonds übernimmt normalerweise 60% der Projektkosten, so dass die Träger selber 40% Eigenleistungen einbringen müssen. Travail.Suisse hat aktuell drei Projekte am Laufen, die durch Fondsgelder angestossen wurden: Ein äusserst erfolgreiches Theaterprojekt für Berufsfachschulen, das sich mit Fragen der Integration verschiedener Nationalitäten im Lehrlingsalltag beschäftigt 2 ; zweitens das Projekt „Zukunft statt Herkunft“, das Instrumente für eine faire Lehrlingsselektion bereitstellt 3 und drittens das Projekt „Wiedereinstieg“, das sich mit Handlungsfeldern und möglichen Massnahmen im Bereich der Bildung und Arbeitsmarktintegration von Wiedereinsteigenden auseinandersetzt 4 .

Der Kontext des Berufsbildungsgesetzes 2004: Lehrstellenmangel

Als das neue Berufsbildungsgesetz im Jahre 2002 ausgearbeitet und 2004 in Kraft gesetzt wurde, herrschte Lehrstellenmangel. Die Berufsbildungspolitik musste sich vor allem mit der Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen im eigenen Land auseinandersetzen. Der Blick auf die Erwachsenen in der Berufsbildung wie auch der Blick über die eigenen nationalen Grenzen hinaus war zu dieser Zeit kaum möglich. Entsprechend ist auch das Berufsbildungsgesetz ausgestaltet. Für den Projektfonds hat das negative Auswirkungen. Er kann verschiedene innovative Projekte nicht finanzieren, weil die gesetzlichen Grundlagen fehlen. Das ist natürlich für einen Innovationsfonds, der heute nicht die Probleme von 2004, sondern auch diejenigen von 2013ff. lösen sollte, eine kleine Katastrophe.

Neue Fragestellungen 2013

Situationen ändern sich, auch in der Berufsbildung. Aus dem Lehrstellenmangel ist ein zunehmender Fachkräftemangel geworden. Zudem ist die internationale Diskussion um die Berufsbildung in Fahrt gekommen, einerseits durch die Personenfreizügigkeit, die eine Vergleichbarkeit der Ausbildungen nötig macht, andererseits durch die hohe Jugenderwerbslosigkeit in verschiedenen Ländern Europas, die den Mangel der (rein) akademischen Bildungssysteme aufzeigt und zu einer Neubewertung der (dualen) Berufsbildung führt 5 . Innovative Projekte im Umfeld des Fachkräftemangels wie auch der internationalen Diskussionen sollten deshalb mitfinanziert werden können. Dazu sind Gesetzesänderungen nötig.

Förderung der Berufsbildung für Erwachsene

Eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt setzt heute minimal einen Abschluss auf Sekundarstufe II voraus. In der Schweiz verfügen rund 600‘000 Personen zwischen 25 und 65 Jahren über keinen solchen. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist es politisch angesagt, dieses Potential optimal auszunützen. Bildungspolitisch sind die Instrumente für die Berufsbildung für Erwachsene geschaffen: Abschlussprüfung für Erwachsene, Validierung von Bildungsleistungen, verkürzte Lehre und berufliche Grundbildung 6 . Was hingegen fehlt, ist die gesetzliche Grundlage für die Förderung der Berufsbildung für Erwachsene. Diese Basis ist zu erstellen, und zwar nach Travail.Suisse im Artikel 12 des BBG. In seiner gegenwärtigen Fassung verpflichtet er die Kantone, geeignete Massnahmen zu ergreifen, die Personen mit individuellen Bildungsdefiziten am Ende der obligatorischen Schulzeit auf die berufliche Grundbildung vorbereiten. Angesichts der sich verändernden Situation (aus dem Lehrstellenmangel ist ein Fachkräftemangel geworden) ist dieser Gesetzestext zu ergänzen. Neu müssen von diesem Artikel auch Erwachsene ohne Berufsausbildung erfasst werden. Artikel 12 könnte dann neu folgendermassen lauten:

“Vorbereitung auf die berufliche Grundbildung und die berufliche Nachholbildung :
Die Kantone ergreifen geeignete Massnahmen,
1 die Personen mit individuellen Bildungsdefiziten am Ende der obligatorischen Schulzeit auf die berufliche Grundbildung vorbereiten;
2 (neu) die erwachsenen Personen ohne berufliche Grundbildung die Möglichkeit schaffen, über die anderen Qualifikationsverfahren (Nachholbildung) einen Abschluss der beruflichen Grundbildung zu erlangen.

Eine solche Gesetzesänderung ist nötig, damit die Förderung der beruflichen Bildung für Erwachsene auch in das Kapitel 8 des Berufsbildungsgesetzes (Beteiligung des Bundes an den Kosten der Berufsbildung) und dort insbesondere in die Artikel 53 (Pauschalbeiträge an die Kantone) und Artikel 55 (Beiträge an besondere Leistungen im öffentlichen Interesse) aufgenommen werden kann. Nur so kann die notwendige Finanzierungssicherheit geschaffen werden.

Massnahmen zugunsten von älteren Arbeitnehmenden

In der Bildungsgesetzgebung fehlen bisher die älteren Arbeitnehmenden. Weder im Berufsbildungsgesetz noch im Weiterbildungsgesetz, das gegenwärtig im Parlament diskutiert wird, werden sie erwähnt. Sie kommen als spezielle Zielgruppe von Bildung und Weiterbildung in der Gesetzgebung nicht vor. Entsprechend fehlen heute auch Bildungsprojekte, welche die Zielgruppe „ältere Arbeitnehmende“ im Fokus haben. Dabei ist der Arbeitsmarkt angesichts der demografischen Entwicklung immer mehr auf gut qualifizierte ältere Arbeitnehmende angewiesen. Die Bildungspolitik ist deshalb gefordert, mit ihren Instrumenten die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu stärken. Travail.Suisse schlägt vor, dass der Artikel 32 BBG den neuen Herausforderungen angepasst wird:

„Art. 32 Massnahmen des Bundes
1 Der Bund fördert die berufsorientierte Weiterbildung.
2 Er unterstützt insbesondere Angebote, die darauf ausgerichtet sind:
a. Personen bei Strukturveränderungen in der Berufswelt den Verbleib im Erwerbsleben zu ermöglichen;
b. Personen, die ihre Berufstätigkeit vorübergehend eingeschränkt oder aufgegeben haben, den Wiedereinstieg zu ermöglichen,
c. (neu) durch geeignete Massnahmen die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu erhalten und zu verbessern.

Förderung von internationalen Projekten

Die Berufsbildung der Schweiz ist zwar erfolgreich. Ihre Spezialitäten sind aber im internationalen Umfeld noch viel zu wenig bekannt und müssen daher noch bewusster verkauft werden. Das trifft insbesondere auch auf die höhere Berufsbildung zu. Das neue Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Travail.Suisse wird die Arbeit des Staatssekretariates auch daran messen, ob es ihm gelingt, die Berufsbildung im europäischen und internationalen Kontext besser zu „verkaufen“, das heisst, besser zu positionieren und so Schritt für Schritt eine gleichwertige Anerkennung der berufsbezogenen mit den allgemeinbildenden Bildungswegen auch auf internationaler Ebenen zu erreichen. Aus Sicht von Travail.Suisse wäre es klug, wenn das Staatssekretariat die Verbundpartner in den Verkauf der Berufsbildung vermehrt einbeziehen würde. Eine Möglichkeit wäre, den Artikel 55.3 des Berufsbildungsgesetzes dafür einzusetzen 7 und vom Bundesrat zu erlangen, dass spezifische und innovative Projekte der Verbundpartner zum „Verkauf“ der Berufsbildung auf internationaler Bühne in Zukunft über die Artikel 54 und 55 finanziert werden können. Gegenwärtig fehlt dem Berufsbildungsgesetz die Dimension einer Verantwortung der Verbundpartner für die internationale Positionierung der Berufsbildung. Es ist daraufhin zu arbeiten, dass dieses Anliegen auf eine geschickte Art in eine Revision des Berufsbildungsgesetzes eingebracht wird.

Arbeitssicherheit – Knowhow-Sicherung in der Berufsbildung

Unfallverhütung ist Aufgabe der Arbeitgeber. Das gilt auch in Bezug auf die Lehrlinge. Diese Gruppe ist allerdings überdurchschnittlich in Arbeitsunfälle verwickelt 8 . Zudem ist es die Aufgabe des SBFI, jene Ausnahmen zu bewilligen, die Jugendlichen erlauben, gefährliche Arbeiten während der Lehre zu verrichten 9 . Die Berufsbildung hat daher eine doppelte Motivation, das Thema Arbeitssicherheit in ihrem Umfeld besser zu bearbeiten, z.B. über innovative Projekte. Es ist ernsthaft die Frage zu stellen, wie in Zukunft das Thema „Arbeitssicherheit“ in der Berufsbildung bearbeitet werden soll. Dies insbesondere auch deshalb, weil Forderungen auf dem Tisch liegen, die Altersgrenze für gefährliche Arbeiten von 16 Jahren auf 15 Jahre zu senken.
__________

1 http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20001860/index.html
2 http://www.rookie-forumtheater.ch/rookie.html
3 http://www.zukunftstattherkunft.ch/index_de.html
4 A. Zihler, V. Borioli Sandoz, Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern, Bern, Februar 2013.
5 http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-634_en.htm
6 http://www.berufsbildung.ch/dyn/8728.aspx
7 BBG Art. 55.3: Der Bundesrat kann weitere Leistungen im öffentlichen Interesse festlegen, für die Beiträge gewährt werden können
8 http://www.suva.ch/startseite-suva/praevention-suva/arbeit-suva/sichere-lehrzeit-suva.htm
9 Jugendarbeitsschutzverordnung, ArGV 5: Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)2 kann mit Zustimmung des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) für Jugendliche ab 16 Jahren insbesondere in den Bildungsverordnungen Ausnahmen vorsehen, sofern dies für das Erreichen der Ziele der beruflichen Grundbildung oder von behördlich anerkannten Kursen unentbehrlich ist. Es legt die notwendigen Massnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes fest.

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23. September 2013, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Was kann die Bildungspolitik für ältere Arbeitnehmende tun?

Die älteren Arbeitnehmenden sind in der Schweiz ein Medienthema geworden. Zu recht. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, erachtet es als absolut notwendig, dass insbesondere die Bildungspolitik diese Zielgruppe nicht länger übergeht, sondern für sie die Basis für bildungspolitische Projekte legt. mehr

Eines vorweg: Die älteren Arbeitnehmenden sind eher weniger als andere Arbeitnehmende von Erwerbslosigkeit betroffen. Wenn sie hingegen erwerbslos werden, dann haben sie grössere Schwierigkeiten, den Weg zurück auf den Arbeitsmarkt zu finden. Das schlägt sich in der Statistik der Langzeitarbeitslosigkeit nieder. Mit einem Anteil von 40.6% (Juli 2013) sind sie in dieser Statistik überdurchschnittlich vertreten. Nach 50 erwerbslos zu werden heisst deshalb, sich auf viele Absagen und auf eine längere Zeit des Suchens einzustellen. Dass dies Frustrationen und Zukunftsängste bei den betroffenen Personen und Familien auslöst, ist verständlich. Umso notwendiger ist es, dass sich die Politik der Thematik annimmt, gerade im Bereich der Bildungspolitik.

Erste positive Reaktion des Bundes

In der Bildungsgesetzgebung fehlen bisher die älteren Arbeitnehmenden. Weder im Berufsbildungsgesetz noch im Weiterbildungsgesetz, das gegenwärtig im Parlament diskutiert wird, werden sie erwähnt. Sie kommen als spezielle Zielgruppe von Bildung und Weiterbildung in der Gesetzgebung nicht vor. Entsprechend fehlen heute auch Bildungsprojekte, welche die Zielgruppe „ältere Arbeitnehmende“ im Fokus haben.

Umso erfreulicher ist es, dass der Bundesrat bereit ist, ein Postulat zum Themenbereich „Bildung und Weiterbildung von älteren Arbeitnehmenden“ entgegenzunehmen. Er soll prüfen, „was aus bildungspolitischer Sicht unternommen werden muss, damit das Risiko von Dequalifizierungen von älteren Arbeitnehmenden minimiert wird und Weiterbildungen entstehen, die den Bedürfnissen der älteren Arbeitnehmenden entsprechen“ 1. Unterstützt auch das Parlament dieses Postulat, so ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu Bildungsprojekten getan, die sowohl den älteren Arbeitnehmenden nützen wie auch der Wirtschaft entgegenkommen, die angesichts des erwarteten Fachkräftemangels immer mehr auf gut qualifizierte ältere Arbeitnehmende angewiesen ist.

Best-practice-Modelle

Aus der Lehrstellenkrise hat die Bildungspolitik gelernt, dass Probleme über vielfältige regionale und branchenspezifische Projekte und durch den Austausch von Best-practice-Modellen grösstenteils gelöst werden können. Auch im Bereich der „älteren Arbeitnehmenden“ ist ein solches Vorgehen zu prüfen. Ein derartiges Vorgehen verlangt jedoch zwingend eine minimale gesetzliche Basis. Denn der Bund kann Projekte nur anstossen, wenn er über eine gesetzliche Grundlage verfügt.

Eine neue Norm im Berufsbildungsgesetz

Das Berufsbildungsgesetz kennt im Artikel 55 die Möglichkeit, in bestimmten Bereichen Bildungsprojekte von öffentlichem Interesse zu unterstützen. Bildungsprojekte mit der Zielgruppe „ältere Arbeitnehmende“ gehören heute noch nicht dazu. Sollen aber in diesem Bereich Projekte angestossen werden, so braucht es eine Gesetzesänderung, z.B. eine Anpassung des Artikels 32 BBG:

Art. 32 Massnahmen des Bundes
1 Der Bund fördert die berufsorientierte Weiterbildung.
2 Er unterstützt insbesondere Angebote, die darauf ausgerichtet sind:
a. Personen bei Strukturveränderungen in der Berufswelt den Verbleib im Erwerbsleben zu ermöglichen;
b. Personen, die ihre Berufstätigkeit vorübergehend eingeschränkt oder aufgegeben haben, den Wiedereinstieg zu ermöglichen,
c. (neu) durch geeignete Massnahmen die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu erhalten und zu verbessern.

Eine solche Gesetzesänderung wäre eine sinnvolle Reaktion auf die neue Herausforderung „ältere Arbeitnehmende“.

1 Martin Candinas – Postulat 13.3639 http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20133639

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Aeltere Arbeitnehmende und Bildungspolitik.docx 20 KB

09. September 2013, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Weiterbildungsabschlüsse sind Teil
der Weiterbildungslandschaft

Die Diskussion um das Weiterbildungsgesetz hat auf parlamentarischer Ebene begonnen. Ein wichtiges Thema ist die Definition von „Weiterbildung“. Leider fehlen in der bundesrätlichen Definition die Weiterbildungsabschlüsse. Sie bilden allerdings einen wichtigen Teil der Bildungslandschaft. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert daher, dass die Weiterbildungsabschlüsse ins Weiterbildungsgesetz aufgenommen werden. mehr

Das in Diskussion stehende Weiterbildungsgesetz definiert Weiterbildung als nichtformale Bildung. Sie ist zusammen mit der formalen Bildung Teil der strukturierten Bildung. Die strukturierte Bildung und die informelle Bildung bilden miteinander das lebenslange Lernen (vgl. Beilage.

In dieser Definition, die als solche von Travail.Suisse akzeptiert wird, fehlt indes ein wichtiger Teil der Weiterbildungslandschaft. Während in der Definition der formalen Bildung die Bildungsabschlüsse erwähnt werden, fehlen diese bei der nichtformalen Bildung. Dabei gibt es auch im nichtformalen Bereich Abschlüsse. Zu erwähnen sind hier etwa die folgenden Weiterbildungsabschlüsse: SVEB-Zertifikat, Zertifikat Sachbearbeitung in den Berufen der Immobilienwirtschaft (Verbandszertifikat SVIT), Diplom Ranger des Bildungszentrum Wald Lyss oder Bibliothekar/in SAB 1 .

Bedeutung der Weiterbildungsabschlüsse

Es wäre ein grober Fehler, wenn die Weiterbildungsabschlüsse nicht ins Weiterbildungsgesetz aufgenommen würden. Und zwar aus drei Gründen:

Erstens ermöglichen sie im nichtformalen Bildungsbereich standardisierte Abschlüsse, die in der Arbeitswelt eine wichtige Rolle spielen (können). Weiterbildungsabschlüsse verhelfen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Kreisen ihren Bedürfnissen entsprechend Ausbildungen aufzubauen, anzubieten und selber zu kontrollieren.

Zweitens entlasten die Weiterbildungsabschlüsse das formale System, indem sie durch Modularisierung, Referenzrahmen oder standardisierte Abschlüsse einen Bildungsbereich ordnen, ohne dass der Staat eingreifen muss. Weiterbildungsabschlüsse sind eine wichtige Ergänzung zu den Abschlüssen der höheren Berufsbildung. Eine Aufwertung der Weiterbildungsabschlüsse durch Aufnahme ins Weiterbildungsgesetz ist sowohl für die Weiterbildung wie auch für die höhere Berufsbildung hilfreich.

Drittens können die Weiterbildungsabschlüsse eine wichtige Rolle im Verfahren zur Anrechnung von Weiterbildung an die formale Bildung spielen. Da es standardisierte Abschlüsse sind, ist durch ihre Transparenz die Anrechnung an das formale System einfacher zu bewerkstelligen.

Ergänzung der Definition

Travail.Suisse schlägt vor, dass die Weiterbildungsabschlüsse ins Weiterbildungsgesetz aufgenommen werden. Artikel 3 soll um folgenden Nebensatz ergänzt werden:

Art 3. Begriffe
In diesem Gesetz bedeuten:
a. Weiterbildung (nicht-formale Bildung): strukturierte Bildung ausserhalb der formalen Bildung, die zu Weiterbildungsabschlüssen führen kann.

Zudem ist es sinnvoll, wenn im Weiterbildungsgesetz (z.B. im Artikel 7) erwähnt wird, dass Weiterbildungsabschlüsse unter bestimmten Bedingungen zum nationalen Qualifikationsrahmen referenziert werden können. Die Bedingungen sollen in der Verordnung zum Weiterbildungsgesetz festgeschrie-ben werden. Eine Referenzierung erlaubt, dass unterschiedliche Abschlüsse miteinander verglichen werden können und damit auch einen Wert in der Bildungslandschaft zugunsten der Teilnehmenden erhalten.

Art. 7 Anrechnung von Bildungsleistungen an die formale Bildung
3 Weiterbildungsabschlüsse können zum nationalen Qualifikationsrahmen referenziert werden. Die Bedingungen regelt die Verordnung.

Für die Stärkung der Weiterbildung drängt es sich auf, dass der Bund Organisationen der Weiterbildung darin unterstützen kann, Weiterbildungsabschlüsse aufzubauen. Der gegenwärtige Artikel 12 schliesst das in seiner Formulierung nicht aus. Eine bewusste Erwähnung der „Weiterbildungsabschlüsse“ zeigt aber auf, dass gerade für die Entwicklung der Weiterbildungslandschaft „Weiterbildungsabschlüsse“ sowohl im Hinblick auf die Transparenz wie auch im Hinblick auf die Qualität eine wichtige Rolle spielen können.

Art. 12 Finanzhilfen an Organisationen der Weiterbildung
1 Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) kann für Informations- und Koordinationsaufgaben, für die Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung sowie für die Entwicklung der Weiterbildung und den Aufbau von Weiterbildungsabschlüssen im Rahmen der bewilligten Kredite Finanzhilfen an Organisationen der Weiterbildung gewähren oder mit ihnen Leistungsvereinbarungen abschliessen.

Da Weiterbildungsabschlüsse sowohl ein Gewinn für den Staat, die Wirtschaft, die Gesellschaft und die einzelnen Personen darstellen, dürfen sie vom Weiterbildungsgesetz nicht übergangen, sondern müssen gezielt aufgenommen werden.

1 Weitere Weiterbildungsabschlüsse: Personalassistent/in mit Zertifikat, SFV-Zertifikat Leadership, Zertifikat «Sachbearbeiter/in Personalwesen», edupool.ch/KV Schweiz, DAS Evaluation (Uni Bern), «Zertifizierte/r Gutachter/in KEB» der unabhängigen Kommission Expertisen und Gutachten des Verbandes JardinSuisse, Zertifizierter Pharmaberater/In shqa (Verbandszertifikat), Verbandszertifikat «Bewegungspädagoge/-pädagogin BGB». Quelle: André Schläfli, SVEB. Vgl. auch Berufliche Ausbildung für Erwachsene, Schweizerischer Verband für Berufsberatung SVB, 2011.

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PD Weiterbildungsabschlüsse sind Teil der Weiterbildungslandschaft.doc 43 KB

24. Juni 2013, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Herausforderung ältere Arbeitnehmende

Für Travail.Suisse ist klar: Die Schweiz braucht eine Weiterbildungspolitik, die sich auch mit der Zielgruppe „ältere Arbeitnehmende“ auseinandersetzt. Es ist deshalb notwendig, das Berufsbildungsgesetz so zu ändern, dass die älteren Arbeitnehmenden eine Zielgruppe der berufsorientierten Weiterbildung (Art. 30-32 BBG) werden und Massnahmen zur Förderung der Weiterbildung von älteren Arbeitnehmenden nach Art. 55 BBG in Zukunft möglich sind. mehr

Die nationale Politik weiss angesichts der demografischen Entwicklung um die Bedeutung einer hohen Arbeitsmarktbeteiligung 1 der älteren Arbeitnehmenden 2 . In den nationalen Bildungsgesetzen hat sich diese Erkenntnis aber noch nicht niedergeschlagen. Weder im Berufsbildungsgesetz noch im Weiterbildungsgesetz, das gegenwärtig als bundesrätlicher Entwurf vorliegt, sind die älteren Arbeitnehmenden erwähnt. Sie werden auf Gesetzesebene nicht als spezielle Zielgruppe von Weiterbildung angesehen. Entsprechend fehlen heute auch Bildungsprojekte, welche die Zielgruppe “ältere Arbeitnehmende” im Fokus haben.

Ältere Arbeitnehmende werden wichtiger für die Wirtschaft

Die demografische Entwicklung führt dazu, dass es im Arbeitsmarkt im Verhältnis zu allen Arbeitnehmenden immer mehr ältere Arbeitnehmende gibt. Damit erarbeiten ältere Arbeitnehmende einen wachsenden Anteil am Bruttosozialprodukt, und der Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit wird wirtschaftlich bedeutsamer 3 . Sollen sie aber die Erwartungen des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft erfüllen können, müssen sie auch im fortgeschrittenen Alter über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Die Bildung darf dabei zwei grundlegende Ziele nicht aus den Augen verlieren:

Erstens darf es nicht zu De-qualifizierungen kommen. Es muss unbedingt verhindert werden, dass ältere Arbeitnehmende aufgrund von Verschiebungen im Anforderungsprofil, innerbetrieblichen Veränderungen, Wegfall von Tätigkeitsfeldern, technischen Entwicklungen oder einer zu starken Spezialisierung ihres Berufs aus dem Arbeitsmarkt herausfallen, an den Rand gedrängt oder demotiviert werden.

Zweitens muss Bildung die Voraussetzungen für eine zweite Karriere schaffen. Jüngere Arbeitnehmende verbinden mit Bildung vor allem eine Karriere nach oben. Daraus ziehen sie ihre Motivation. Ältere Arbeitnehmende hingegen sind eher an einer horizontalen Karriere interessiert, das heisst an einer beruflichen Entwicklung, welche ihre Bedürfnisse ernst nimmt. Dazu gehört etwa, dass sie trotz beruflichen Veränderungen eine interessante Arbeit ausführen können und ihre Arbeit geschätzt wird.

Damit diese zwei Ziele erreicht werden können, ist permanente Bildung notwendig. Das heisst ganz konkret drei Dinge:

Erstens braucht es für ältere Arbeitnehmende einen regelmässigen Zugang zur Bildung, und zwar frühzeitig. Grundsätzlich sollte eigentlich der Bildungsfaden nie abreissen. Alle Arbeitnehmende sollten am lebensbegleitenden Lernen beteiligt sein, damit sie beruflich nicht in Sackgassen geraten. Ist aber der Zugang zur Bildung verloren gegangen, so sollten die Betriebe spätestens die Personen ab 45 wieder in den Bildungsprozess zurückführen. Das widerspricht aber in starker Art und Weise der heutigen Personalpolitik.

Zweitens brauchen die älteren Arbeitnehmenden den Zugang zu einer Weiterbildung, die ihnen entspricht, die Themen behandelt, die sie interessieren und Fragen aufnimmt, die sie beschäftigen. Zudem sollten die Weiterbildungen helfen, De-qualifizierungen abzubauen und horizontale Karrieren zu ermöglichen.

Drittens braucht es Weiterbildungen, die richtig vermittelt werden, bei denen also die Didaktik und Methodik stimmen, das heisst auf ältere Arbeitnehmende zugeschnitten sind. So sollen sie zum Beispiel berücksichtigen, dass ältere Arbeitnehmende mit vielen beruflichen Erfahrungen an einer Weiterbildung teilnehmen und meistens nicht nur Neues lernen müssen, sondern auch Altes „überlernen“ müssen.

Ein neues Bild der älteren Arbeitnehmenden

Nimmt man die Demografie ernst, so muss sich in der Arbeitswelt ein neues Bild der älteren Arbeitnehmenden durchsetzen. Dazu gehören folgende Facetten:

• Weiterbildung ist nicht nur für die jungen, sondern auch in zunehmendem Masse für die älteren Arbeitnehmenden notwendig und wichtig.
• Es braucht eine Weiterbildungskultur, welche die älteren Arbeitnehmenden mit ihren spezifischen Bedürfnissen ernster nimmt und sich sowohl thematisch wie auch methodisch und didaktisch diesem Zielpublikum zuwendet.
• In Zukunft können sich die Betriebe nicht einfach darauf verlassen, dass Innovationen über die Anstellung von jüngeren Arbeitnehmenden bewältigt werden können. Vielmehr müssen sie sich überlegen, wie mit und dank den älteren Arbeitnehmenden Innovationen möglich werden.
• Ältere Arbeitnehmende verfügen über eine längere Berufserfahrung als jüngere Arbeitnehmende. Es muss erreicht werden, dass ihre Erfahrungen nicht zum Hindernis von Entwicklungen, sondern vielmehr zur Basis von Entwicklungen werden können.
• Jüngere Arbeitnehmende motivieren sich für Weiterbildungen über die Hoffnung auf einen Karriereschritt nach oben und einen höheren Lohn. Die Arbeitswelt muss sich so präsentieren, dass auch ältere Arbeitnehmende ohne weitere Karrierehoffnungen nach oben sich für Weiterbildungen motivieren können.

Forderung an die Bildungspolitik

Die Bildung kann mit ihren Instrumenten mithelfen, die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu stärken, indem sie im Berufsbildungsgesetz für ihr Handeln eine gesetzliche Basis schafft. Diese könnte folgendermassen aussehen:

Art. 32 Massnahmen des Bundes
1 Der Bund fördert die berufsorientierte Weiterbildung.
2 Er unterstützt insbesondere Angebote, die darauf ausgerichtet sind:
a. Personen bei Strukturveränderungen in der Berufswelt den Verbleib im Erwerbsleben zu ermöglichen;
b. Personen, die ihre Berufstätigkeit vorübergehend eingeschränkt oder aufgegeben haben, den Wiedereinstieg zu ermöglichen,
c. (neu) durch geeignete Massnahmen die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu erhalten und zu verbessern.

1 Fachkräfteinitiative – Situationsanalyse und Massnahmenbericht, herausgegeben vom Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF und der Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren VDK, 07. März 2013, S.16.
2 Vgl. Antwort des Bundesrates auf die Interpellation 11.3112.
3 François Höpflinger, Ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, S. 5, www.hoepflinger.com , letzte Änderungen: 1. Februar 2013.

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PD Herausforderung ältere Arbeitnehmende.doc 41 KB

10. Juni 2013, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

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Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
079 743 5047
rosenkranz@travailsuisse.ch

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