Themen – Bildung – HFKG

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden ab 2015 zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen haben sich gebildet, alte verändern sich und die Mitsprache wurde verstärkt. Auch Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, redet mit.

Aus diesem Anlass versenden wir periodisch ein Info-Mail und beleuchten für Sie Akteure, Stärken und noch offene Baustellen des neuen HFKG. Wollen Sie das Info-Mail ebenfalls erhalten, dann tragen Sie sich bitte hier ein:










Die Texte aus den Info-Mails finden Sie hier:

Kollateralschäden schwächen den Forschungsplatz Schweiz

Der Forschungsplatz Schweiz ist unter Druck. Die ungelöste Europafrage, gegenwärtig belastet durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI), produziert Kollateralschäden in der Forschung. Ende Jahr fällt die Schweiz als assoziiertes Mitglied auch noch aus dem ersten Pfeiler des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 heraus, wenn das Protokoll zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien seitens der Schweiz nicht fristgerecht bis am 9. Februar 2017 ratifiziert sein sollte. Die im Kroatiendossier vom Parlament auferlegte Bedingung, wonach das Protokoll erst ratifiziert werden darf, wenn mit der EU eine Lösung bzgl. der Steuerung der Zuwanderung besteht, erschwert die Situation zusätzlich. Für Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, ist das eine gefährliche Entwicklung, die nicht kleingeredet werden darf. mehr

Die Schweiz gehört in der Forschung zur Topliga. Ihre Position steht allerdings in der Gefahr, unterspült zu werden. Auf drei reale Risiken ist hier hinzuweisen:

1. Forschung ist auf internationalen Austausch angewiesen. Für die Schweiz war es sehr wichtig, dass sie ab 2004 als assoziertes Mitglied in die EU-Forschungsprogramme aufgenommen worden ist. Damit verfügten die Schweizer Forschenden (und auch Unternehmen) über die gleichen Rechte und Pflichten im Rahmen der EU-Forschungsprogramme und waren engstens mit den Forschungsentwicklungen verwoben. Die Schweiz hat diese Chance optimal genutzt. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie mehr Forschungsgelder aus den EU-Forschungsprogrammen herausholen konnte, als sie selber eingezahlt hatte. Seit der Annahme der MEI hat aber die internationale Zusammenarbeit über die EU-Forschungsprogramme einen herben Dämpfer erfahren. In den Pfeilern zwei und drei ist die Schweiz nur noch als Drittstaat geduldet. Und ab 2017 fällt die Schweiz auch im Pfeiler eins (wo die Förderungen des für die Schweizer Wissenschaft eminent wichtigen Europäischen Forschungsrates (ERC) integriert sind) in den Drittstaatmodus, wenn es nicht gelingt, die Personenfreizügigkeit in einer von der EU und der Schweiz akzeptierten Form fortzuführen und auf Kroatien auszuweiten. Damit würde die Schweiz aber wichtige Zugänge zur Forschungswelt verlieren.

2. Unsicherheit ist Gift für die Forschung. Forschung ist ein langjähriges Unternehmen. Sie ist auf Konstanz und Sicherheit angewiesen. Die gegenwärtigen bilateralen Probleme, welche durch die MEI ausgelöst wurden, schwächen das System. Sowohl Hochschulen als auch Unternehmen sind unsicher, wie es weitergeht, und sind deshalb in ihren Entscheidungen behindert und in ihrer Motivation geschwächt. Zudem ist das Gewinnen von talentierten Forschenden schwieriger geworden. Ein Land mit Drittstaatmodus verspricht keinen optimalen Zugang zu Forschungsprojekten und ist wird von der Europäischen Forschungsgemeinde nicht mehr als vertrauenswürdiger Partner angesehen. Da nimmt man lieber eine andere Stelle in einem anderen Land an, welches diesen Zugang auf längere Frist ermöglicht.

3. Ein Pluspunkt weniger für eine Ansiedlung eines Unternehmens. Warum kommt jemand mit einem Unternehmen in die Schweiz und schafft hier Arbeitsplätze? Einer der Gründe ist sicher die Tatsache, dass die Schweiz punkto Forschung zur Topliga gehört. Wie lange gilt das allerdings noch? Wenn sich die Abschottung durchsetzt und die Schweiz in den EU-Forschungsprogrammen nur noch als Drittstaat teilnehmen kann, verliert die Forschung mittel- und längerfristig ihren Glanz. Ihre Position wird langsam und fortschreitend unterspült. Damit aber auch eine jener Säulen, welche den wirtschaftlichen Erfolg tragen.

Die MEI führt heute schon zu Kollateralschäden bei der Forschung. Es ist zu hoffen, dass sie sich nicht noch verstärken, sondern korrigiert werden können. In diesem Sinne ist für Travail.Suisse klar, dass eine einvernehmliche Lösung mit der EU angestrebt werden muss. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Möglichkeit einer einseitigen Schutzklausel ist nicht zielführend und mit Blick auf die wirtschafts- und forschungspolitischen Folgen gefährlich.

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27. Juni 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Fachhochschulen und Höhere Fachschulen nähern sich an

Nach der Höheren Fachschule einen Bachelor an einer Fachhochschule machen, soll einfacher werden. Die Präsidenten der beiden Bereiche arbeiten vermehrt zusammen. mehr

Die Begriffe sind zum Verwechseln ähnlich. Doch zwischen den beiden Welten tun sich Gräben auf: Während die Fachhochschulen (FH) im Rahmen des Bologna-Systems und des Hochschulkoordinations- und Förderungsgesetz (HFKG) in den letzten Jahren aufgewertet wurden, sind die Höheren Fachschulen (HF) als Sparte der Höheren Berufsbildung noch immer wenig bekannt. Beide gehören jedoch zum Tertiärbereich des schweizerischen Bildungssystems.

Nun sollen die Gräben allmählich zugeschüttet werden. „Universitäre Hochschulen, Fachhochschulen und die Höhere Berufsbildung sind gleichwertig und ergänzen sich“, sagt Crispino Bergamaschi. Als Präsident der Kammer Fachhochschulen der Hochschulkonferenz Swissuniversities suchte er deshalb das Gespräch mit dem Bereich höhere Berufsbildung – in einem ersten Schritt mit den Höheren Fachschulen. „Es ist uns wichtig, die Menschen sowie ihre Ziele und Anliegen kennen zu lernen.“

In eineinhalb Jahren zum Bachelor

Bisher gab es keine schweizweit einheitliche Regelung für die Aufnahme von HF-Absolventen an Fachhochschulen. Nun hat die Kammer Fachhochschulen, in der sämtliche Rektoren vertreten sind, in Absprache mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ein Best-Practice-Papier ausgearbeitet, das die Zulassungsbedingungen und die Anrechnung von Vorleistungen regelt. Gemäss diesem Papier sollen Absolventen einer HF ohne Aufnahmeprüfung zum Bachelor-Studium zugelassen werden – zumindest für fachverwandte Studiengänge. Somit werden HF-Diplome der Berufsmaturität praktisch gleichgestellt. Zudem werden von den 180 ETCS-Punkten, die es für einen Bachelor braucht, bis zu 50 Prozent erlassen. „Studiengangleiter sollen die Bewerbenden nach ihrem Erfahrungshintergrund individuell beurteilen und massgeschneiderte Lösungen anbieten“, erklärt Bergamaschi.

Will also zum Beispiel eine Pflegefachfrau HF mit einigen Jahren Berufserfahrung an einer Fachhochschule Pflege studieren, könnte sie in lediglich eineinhalb Jahren einen Bachelorabschluss erwerben. „Es wird eher die Minderheit sein, die den akademischen Weg einschlägt“, betont Franziska Lang-Schmid, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz Höhere Fachschulen. „Wir begrüssen diese Empfehlung zur Passerelle sehr.“ Gleichzeitig betont Lang-Schmid, dass HF-Absolventen auch ohne anschliessendes Studium problemlos in der Arbeitswelt bestehen können. „Es braucht beide Kompetenz-Profile.“

Durchlässigkeit überprüfen

Auf politischer Ebene kämpfen die beiden Interessengruppen gemeinsam für ein höheres Budget im Bereich Bildung, Forschung und Innovation für die Periode 2017 bis 2020. Der Nationalrat hat sich jedoch für ein Ausgabenwachstum von 2 Prozent statt der gewünschten 3,2 Prozent ausgesprochen.

Die Vertretenden der beiden Bereiche wollen sich auch künftig regelmässig treffen. Dabei werden die aktuellen Erfahrungen mit der Durchlässigkeit zwischen FH und HF ein wichtiges Thema bleiben. Franziska Lang-Schmid könnte sich auch vorstellen, direkt in der Arbeitswelt über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Bildungsbereiche zu informieren. Und Crispino Bergamaschi will die Höheren Fachschulen der Region demnächst an die Fachhochschule Nordwestschweiz einladen, deren Direktionspräsident er ist. „Es ist uns wichtig, im Kontakt zu sein und Interesse zu signalisieren.“

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Zwei Bildungssysteme auf Tertiärstufe
Die Höheren Fachschulen und die eidgenössischen Prüfungen (eidg. Fachausweis und eidg. Diplom) gehören zum Tertiärbereich des Schweizer Bildungssystems, jedoch nicht zum Schweizerischen Hochschulraum. In der Schweizerischen Konferenz Höhere Fachschulen sind acht Berufsbereiche vertreten: Technik, Hotellerie-Restauration/Tourismus, Wirtschaft, Land- und Waldwirtschaft, Gesundheit, Soziales/Erwachsenenbildung, Künste/Gestaltung/Design sowie Transport/Verkehr.
Als eidgenössisch anerkannte Fachhochschulen gelten die sieben öffentlich-rechtlichen Fachhochschulen der Schweiz sowie die private Fachhochschule Kalaidos.

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27. Juni 2016, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Hausärzte gewinnen, aber wie?

Die Schweiz braucht mehr Ärzte, insbesondere Hausärzte. Der Bund will deshalb in den Aufbau neuer Studienplätze investieren. 100 Millionen möchte er dazu zur Verfügung stellen. Es sollen dabei jene Studienorte den Zuschlag erhalten, welche bestrebt sind, die Anzahl der Hausärzte und Hausärztinnen zu erhöhen. Welche Massnahmen sind aber dazu geeignet, mehr junge Ärzte und Ärztinnen für den Hausarztberuf zu gewinnen? Ein Blick auf zwei Studien. mehr

Der Frage, welche Interventionen dazu führen, dass Medizinstudierende vermehrt beruflich in die medizinische Grundversorgung einsteigen, wird auch in wissenschaftlichen Studien nachgegangen. Zwei Kriterien haben sich dabei als wirksam erwiesen: Longitudinale Programme und frühe klinische Erfahrungen.

Longitudinale Programme

2015 hat Eva Pfarrwalder u.a. eine Untersuchung gestartet 1 mit dem Ziel Interventionen an medizinischen Fakultäten zu identifizieren, „welche den Anteil von Studierenden erhöhen, die eine Weiterbildung in einer Grundversorgungsdisziplin anstreben“ 2. Ihr Ergebnis: „Longitudinale Programme waren als einzige Interventionsart konsistent mit einem erhöhten Anteil an Studierenden, die eine Hausarztkarriere wählten, assoziiert. 3 “ Diese können dabei diverse Lernformate wie auch die Selektion der Studierenden beinhalten^4^. Hingegen zeigen isolierte, einzelne Module oder Praktika „keine klare Wirkung“ 5.

Frühe klinische Erfahrungen

Eine andere Studie 6 zeigt, dass „Early experience (in clinical and community settings, der Verf.) increased recruitment to primary care/rural medical practice“ 7. Unter “experience” wird dabei an “authentic (real as opposed to simulated) human contact in a social or clinical context” verstanden. Und “early” meint: “What would traditionally have been regarded as the preclinic phase, usually the first 2 years” 8.

Zusammenfassung

Die beiden Studien führen uns zu folgenden Fragen:
• Nach welchen allgemeinen Kriterien wird gemessen, ob ein Studienort den Zuschlag erhält, neue medizinische Studienplätze aufzubauen?
• Welche Rolle spielt bei den Kriterien das Bestreben der Studienorte, die Anzahl der Hausärzte und Hausärztinnen zu erhöhen?
• Welche Massnahmen werden als geeignet angesehen, um mehr Studierende für den Hausarztberuf zu gewinnen?
• Auf welche Studien beruft man sich bei der Definition dieser Massnahmen?
• Welche Bedeutung wird den Kriterien „Longitudinale Programme“ und „frühe klinische Erfahrungen“ zugesprochen?


1 Eva Pfarrwaller, M.D., Johanna Sommer, M.D., Christopher Chung, M.D., Hubert Maisonneuve, M.D., Mathieu Nendaz, M.D., M.H.P.E., Noëlle Junod Perron, M.D., Ph.D., and Dagmar M. Haller, M.D., Ph.D, Impact of Interventions to Increase the Proportion of Medical Students Choosing a Primary Care Career: A Systematic Review. In: Journal of General Internal Medicine, p. 1349ff., Juli, 2015.
2 Vgl. dazu die deutschsprachige Zusammenfassung der Autorin unter http://bit.ly/1X8qijj.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 T.Dornan u.a. How can experience in clinical and community settings contribute to early medical education? In: Medical Teacher, Vol. 28, No. 1, 2006, pp. 3–18
7 Ebd. S.3.
8 Ebd.

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27. Juni 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

„Wir können die ambitionierten Ziele mit diesem Budget nicht erreichen“

Im Juni steht im Parlament die Debatte über das Bildungs-Budget für den Zeitraum 2017 bis 2020 an. Swissuniversities-Präsident Michael Hengartner erklärt, wieso es mehr Geld braucht, als der Bundesrat vorgesehen hat. mehr

Der Bundesrat beabsichtigt, in den kommenden vier Jahren fast 26 Milliarden in die Bildung, Forschung und Innovation zu investieren – 2 Prozent mehr als in der vergangenen Periode. Weshalb sind die Hochschulen nicht zufrieden?
Michael Hengartner*: Das hört sich nach viel Geld an. Doch gleichzeitig hat der Bundesrat den Hochschulen sehr ambitionierte Ziele vorgegeben. Diese können wir mit diesem Budget nicht erreichen. Auch der Nationalrat hat sich für ein Wachstum von 3,9 Prozent ausgesprochen. Wenn die Schweiz in der Forschung und Ausbildung an der Spitze bleiben will, muss sie aufpassen. Einige Länder, zum Beispiel Südkorea und Israel, befinden sich auf der Überholspur.

Entschieden ist ja noch nichts. Aber schon mal im Voraus: Falls die bildungsfreundlichen Parlamentarier nicht obsiegen, wo werden die Hochschulen Abstriche bei ihren Ausbauplänen machen?
Wir haben bereits jetzt die Beiträge für Forschungsinfrastrukturen gestrichen. Vorgesehen waren 27 Millionen Franken. Geplant war zum Beispiel der Kauf von Instrumenten, welche die Strukturerkennung von Proteinen ermöglichen. Die Universitäten Basel und Zürich sowie die ETH wollten diese gemeinsam erwerben und wären selber für einen Teil der rund 17 Millionen aufgekommen.

Was halten Sie von der Erhöhung von Studiengebühren?
Die schwachen Wachstumszahlen des Bundesrates haben die beiden ETH schon veranlasst, offen über höhere Beiträge in Erwägung zu diskutieren. Eine ähnliche Diskussion werden wohl auch andere Hochschulen führen müssen. Es gibt aber einen Konsens, dass die Semestergebühren nur einen kleinen Teil des Gesamtbudgets ausmachen sollen. Wir wollen in der Schweiz keine amerikanischen Verhältnisse. Wenn sich finanziell Benachteiligte ein Studium nicht mehr leisten können, müsste man unbedingt auch das Stipendiensystem anpassen.

Ein definierter Schwerpunkt in der BFI-Botschaft 2017-2020 ist die Förderung des akademischen Nachwuchses. Wieso ist das so dringend?
Wir verlieren viele talentierte Wissenschaftler an die Wirtschaft, weil sie dort deutlich mehr verdienen und wir ihnen keine klaren Karriereaussichten bieten können. Nach der Dissertation bleiben sie auf unabsehbare Zeit in der Postdoc-Schlaufe hängen und erhalten keine feste Stelle. Die Unsicherheit schreckt viele ab. Weiter braucht es noch mehr attraktive Doktoratsprogramme.

Wieso wurden letztes Jahr weniger Forschungsgelder abgeholt, als zur Verfügung standen?
Weil wir beim europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 nicht mehr voll assoziiert sind, hat die Beteiligung von Schweizer Forschern an europäischen Konsortien massiv abgenommen. Die von der Schweiz aus koordinierten Projekte sind sogar um das 10-fache eingebrochen. Zwar wäre die Zusammenarbeit theoretisch noch möglich, doch die unklaren künftigen Verhältnisse haben bei Wissenschaftlern aus EU-Ländern starke Verunsicherung ausgelöst. Das ist Gift für den Forschungsplatz Schweiz.

Was für ein Szenario für die künftige Zusammenarbeit mit der EU zeichnet sich ab?
Natürlich hoffen wir wieder auf eine volle Assoziierung, welche die EU von der Personenfreizügigkeit mit Kroatien abhängig macht. Wir drängen darauf, dass die Schweiz das Kroatienprotokoll ratifiziert. Falls nicht, muss eine Lösung gefunden werden, damit sich Schweizer Forschende wieder an ausländischen Projekten beteiligen können und ausländische an solchen in der Schweiz. Dies wird uns mehr Geld kosten. Denn die Schweiz hat in den letzten Jahren stets mehr aus dem EU-Fonds abgeholt, als sie einbezahlt hat.

Abgesehen von der Sicherstellung der Finanzen – was möchten Sie als Präsident von Swissuniversities erreichen?
Ein weiteres wichtiges Thema ist die bessere Koordination der verschiedenen Hochschultypen auf Doktoratsstufe. Schweizer Nachwuchskräfte sollen in der Schweiz doktorieren können. Heute erhalten Doktorierende an Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen oft einen Titel von einer ausländischen Hochschule. Hier gibt es Diskussionsbedarf.

*Michael Hengartner (49) ist seit Anfang Jahr Präsident von Swissuniversities, dem Verband der Schweizerischen Hochschulen. Der Rektor der Universität Zürich ist Naturwissenschaftler.

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12. April 2016, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Hochschulen sollen mehr für Geflüchtete tun

Studierende der Universität Basel gehen mit einem guten Beispiel voran: Sie ermöglichen Geflüchteten den Zugang zu Vorlesungen. Doch für ein richtiges Studium sind die Hürden hoch. mehr

Für Philosophie hatte sich Kamiran S. schon immer interessiert. Bevor er in die Schweiz kam, studierte er in Syrien im zweiten Semester im Rahmen eines Fernstudiums. Dann musste er sein Land wegen politischer Probleme verlassen. Seit fünf Jahren lebt der 35-Jährige mit seiner Frau und den beiden Kindern in Reinach. Er hat eine Aufenthaltsbewilligung erhalten, ist jedoch erwerbslos. Seit dem Februar besucht er an der Universität Basel ein Seminar über den griechischen Philosophen Platon. „Es ist sehr interessant und ich bin erfreut, dass ich etwa 80 Prozent verstehe“, sagt der Geflüchtete. Ausserdem lerne er dabei nette Leute kennen, was sonst in der Schweiz gar nicht so einfach sei.

Der Syrer ist einer von rund 20 Männern und Frauen, die am Programm Offener Hörsaal der Universität Basel teilnehmen. Das Angebot wurde von Studierenden der universitären Amnesty-International-Gruppe lanciert. „Wir wollen Geflüchteten mit akademischem Hintergrund einen ersten Kontakt mit unseren Hochschulen ermöglichen“, erklärt Jakob Merane vom Kernteam. Man habe mit über 30 Personen Gespräche geführt und dabei die Sprachkenntnisse sowie den Ausbildungshintergrund geprüft, sagt der Jus-Student. Bedingung ist ein gutes Niveau in mindestens einer der drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch.

Appell an Universitätsleitung

Die Geflüchteten kommen mehrheitlich aus Afghanistan, Syrien und Eritrea und haben allesamt bereits früher studiert oder sogar schon einen Abschluss. Alle erhalten zwei „buddies“ zur Seite gestellt, die sie mit dem Studienalltag vertraut machen. Die Teilnehmenden würden an der Hochschule kaum auffallen, sagt Merane. „Einige bringen wertvolle Erfahrungen ein, besonders in Vorlesungen wie Politikwissenschaften.“

Kreditpunkte gibt es vorerst keine, höchstens eine Bestätigung der Vorlesungsbesuche. Dies bedauert Kamiran S. „Ich würde gerne richtig studieren und Prüfungen ablegen“, sagt der Syrer. Doch bei seiner überstürzten Flucht aus dem Heimatland habe er seine Zeugnisse nicht mitnehmen können. Ähnlich geht es vielen anderen Geflüchteten, die zurzeit am Hörerprogramm teilnehmen. Ein weiteres Problem ist die längerfristige Finanzierung. Das Projekt hat von der Nachhaltigkeitsstelle der Universität Basel einen Preis in der Höhe von 5000 Franken gewonnen. Damit können für ein Semester die Gebühren von 60 Franken pro Wochenstunde gedeckt werden. Doch wenn das Geld einmal aufgebraucht ist, müssen sich die Studierenden nach neuen Lösungen umsehen. Sie sind mit Stiftungen in Kontakt, wollen aber spätestens im Sommer auch an die Universitätsleitung herantreten und um mehr Unterstützung ersuchen. „Wir möchten, dass die Universität das Programm offiziell mitträgt und dies auch kommuniziert“, sagt Merane.

Auf Fähigkeiten statt Formalitäten achten

Ein ähnliches Projekt gibt es an der Universität Genf, wo sich dieses Semester knapp 10 Geflüchtete unter die Studierenden mischen. Dass sich Hochschulen für diese Menschen mit schwierigen Bedingungen öffnen, wird auch von der Schweizerischen Rektorenkonferenz Swissuniversities unterstützt. In einer Medienmitteilung vom letzten September schreibt die Organisation etwas unverbindlich: „Die Rektoren und Rektorinnen bekräftigen ihre Absicht, im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten Flüchtlingen für den Wiederaufbau ihrer Heimat und Gesellschaft nach ihrer Rückkehr die fachlichen Kompetenzen mitzugeben.“

Deutlichere Forderungen stellt Travail.Suisse. „In dieser speziellen Situation sollte man den Menschen entgegen kommen“, findet Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik. Er legt den Verantwortlichen nahe, weniger auf die formalen Abschlüsse zu schauen, dafür mehr auf die vorhandenen Fähigkeiten. „Wenn Geflüchtete mit geeigneten Kompetenzen studieren dürfen, werden sie später ihr Leben eigenständig bestreiten können“, sagt Weber-Gobet. „Die Schweiz soll dieses Potenzial ausschöpfen.“

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12. April 2016, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

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