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An den Hochschulen sollen alle mehr mitreden

Das HFKG nimmt es bereits vorweg: Studierende, Dozierende und andere Gruppen an Hochschulen sollen sich in Entscheidungsprozesse einbringen können. Nun verlangt der Verband der Dozierenden Nägel mit Köpfen. mehr

Eine straffe Hierarchie hat sich der Gesetzgeber für die Hochschulen offensichtlich nicht gewünscht. Das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) sieht angemessene Mitwirkungsrechte für alle Hochschulangehörigen vor. Dieser Forderung verleihen die Dozierenden nun Nachdruck: In einem Antrag an die Schweizerische Hochschulkonferenz verlangt der Verband Swissfaculty, in dem die Dozierenden aller drei Hochschultypen vereinigt sind, dass konkrete Empfehlungen formuliert werden.

An den universitären Hochschulen mit teils jahrhundertelanger Tradition funktioniere die Mitwirkung in der Regel bereits gut, erklärt Stephan Morgenthaler, Professor an der EPFL und Vertreter von Swissfaculty im Hochschulrat. Etablierte Strukturen stellen sicher, dass sich Studierende, Dozierende und zum Teil auch andere Berufsgruppen in Entscheidungsprozesse einbringen können. Sie nehmen zum Beispiel Einsitz in Kommissionen, die sich mit Themen wie Berufungen für Lehrstühle, Ethik oder Sport befassen. Hingegen bestehe an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen diesbezüglich noch Handlungsbedarf, weiss Morgenthaler. „Häufig verläuft der Informationsfluss ausschliesslich von oben nach unten, und auch dies erst, wenn bereits entschieden wurde.“ Mancherorts seien zwar Mitspracherechte vorhanden, doch sie würden kaum genutzt, weil den Hochschulangehörigen die Zeit dazu fehlt.

Mitsprache bei Details statt Wichtigem

Dies bemängelt auch Denise Martin, Generalsekretärin des Verbands der Fachhochschuldozierenden fh-ch. Zudem beschränke sich die Mitwirkung meist auf wenig relevante Bereiche: Zum Beispiel dürfen Betroffene sich zur Farbe äussern, in der das Labor gestrichen wird, haben aber nichts zu sagen zu einem Personalreglement, bei dem es auch um die Gewährung von Forschungssemestern geht. Häufig sei es die Schulleitung, welche Vertreter für ein Gremium bestimmt, statt dass die Person vom Kollegium abgeordnet wird. Stellungnahmen werden zwar eingeholt, aber nicht immer berücksichtigt. „Bleiben konkrete Massnahmen aus, sinkt die Bereitschaft, sich zu engagieren“, stellt Martin klar.

In den Pädagogischen Hochschulen sei die Mitwirkung unterschiedlich weit gediehen, sagt Richard Kohler, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen –und Lehrerbildung. Während die Dozierenden sehr kleiner Schulen fast automatisch in alle relevanten Prozesse eingebunden sind, werde in den mittleren und grossen in der Regel nur eine Mitsprache ermöglicht, nicht aber eine Mitbestimmung.

Drei Hochschulen müssen nachbessern

Mitwirkung ist auch in den Akkreditierungsverfahren ein wichtiges Kriterium. Drei der vier Hochschulen, die bisher nach neuem Recht akkreditiert wurden, haben in diesem Punkt eine Auflage erhalten. Während die Hochschule für Wirtschaft Zürich ihre Strukturen für die Mitwirkung explizit definieren soll, verlangt der Akkreditierungsrat von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, dass sie die Partizipation der Studierenden in allen Gremien aktiv fördert und von der Pädagogischen Hochschule Bern, dass sich sämtliche Angehörige an Projekten beteiligen.

Expertenwissen verbessert Qualität

Parallel zu den Dozierenden streben auch die Studierenden und der Mittelbau mehr Mitsprache an und bereiten entsprechende Vorstösse vor. Swissfaculty-Vertreter Morgenthaler hält es für sinnvoll, dass der Hochschulrat für alle Gruppen gleichzeitig Empfehlungen ausarbeitet. Nicht alle sollten aber bei den gleichen Themen mitreden können, betont Morgenthaler. So sei die Einschätzung der Studierenden zum Beispiel bei der Beurteilung von Lehre und Angeboten der Hochschule überaus willkommen. In organisatorischen Fragen mit langfristiger Wirkung für die Mitarbeitenden sei ihre Mitsprache hingegen weniger sinnvoll, da Studierende lediglich einige Jahre an der Hochschule bleiben.

Swissfaculty fordert eine aktive Förderung des Engagements aller Beteiligten sowie eine rechtzeitige Information, damit sich die jeweiligen Experten fundiert äussern können. In sämtlichen Gremien und auf allen Führungsebenen sollte ihnen ein Antragsrecht gewährt werden. Mit klar definierten Strukturen könne das Potenzial aller Beteiligten und Betroffenen besser genutzt werden, ist Stephan Morgenthaler überzeugt. „Dies verbessert die Qualität von Lehre und Forschung.“

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21. November 2017, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Besser studieren mit Beeinträchtigung

Seh- und Hörbehinderte sehen sich an Hochschulen mit vielen Hürden konfrontiert. Im Rahmen der projektgebundenen Beträge des Bundes will ihnen ein Forscherteam das Studium erleichtern. mehr

Im Hintergrund sieht man ein kleines Kind, das am ganzen Körper zuckt. Gleichzeitig gibt ein Arzt Erklärungen zum Wund-Starrkrampf ab. Mit diesem Film will das Bundesamt für Gesundheit die Bevölkerung für die Tetanus-Impfung gewinnen. Wie aber kann man damit auch Sehbehinderte erreichen? Sie können zwar die Ausführungen hören. Die emotionale Botschaft, die mit den Bildern transportiert wird, bleibt ihnen jedoch verwehrt.

Mit solchen Fragen befasst sich derzeit ein Team der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Die Forschenden des Instituts Übersetzen und Dolmetschen wollen gemeinsam mit Fachkollegen der Universität Genf ein Nationales Kompetenzzentrum für Barrierefreie Kommunikation aufbauen. Im Fokus stehen Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, mit temporären kognitiven Beeinträchtigungen, wie sie etwa bei schweren Erkrankungen oder in persönlichen Belastungssituationen auftreten können, sowie Fremdsprachige. Ihnen soll der Zugang zu einem Hochschul-Studium erleichtert werden.

Emotionale Bilder beschreiben

Am Beispiel des Kampagnen-Films für die Tetanus-Impfung will man herausfinden, wie Lehrfilme für Sehbehinderte verbessert werden können. Bei der Versprachlichung von Spielfilmen habe man bereits viel Erfahrung, sagt Projektleiterin Susanne Jekat, die in diesem Bereich mit dem Schweizer Fernsehen zusammengearbeitet hat. Populäre Sendungen wie der „Tatort“ oder „der Bestatter“ werden heute für Sehbehinderte aufbereitet. Die in den Bildern enthaltenen Informationen und Eindrücke werden für sie vertextet und zwischen den Dialogen eingefügt. Sind die Lücken in der Originalversion zu kurz, müssen die Dialoge komprimiert werden. Dabei darf der Spannungsaufbau nicht verloren gehen. Zwar gibt es auf dem Markt bereits sogenannte Audiodeskriptionsprogramme, welche die Übersetzung von Bildern unterstützen. Diese sind aber teuer und eignen sich eher für Spielfilme als für Lehrfilme, bei denen die Wissensvermittlung im Vordergrund steht.

Gebärdender Avatar

Weitere Teile des Projekts widmen sich zum Beispiel der maschinellen Übersetzung von gesprochener in Gebärdensprache. Ein entsprechendes System mit einem Avatar wurde an der Universität Genf bereits entwickelt und soll nun für gehörlose Studierende erweitert werden. Ein Forschungsgebiet ist zudem die Einfache Sprache: Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten oder für Fremdsprachige sollen Fachtexte vereinfacht werden.

In einer ersten Phase verschaffen sich die Forschenden einen Überblick der bereits bestehenden technischen Hilfsmittel und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Danach werde diese von Nutzern getestet und für den Gebrauch an Hochschulen adaptiert.

Service für alle Hochschulen

Das Projekt zugunsten Studierender mit Beeinträchtigung wird vom Bund im Rahmen der Projektgebundenen Beiträge 2017-2020 mit 578 000 Franken unterstützt. Insgesamt stehen knapp 225 Millionen Franken für 18 Projekte und Programme zur Verfügung. Das bekannteste davon dürfte wohl jenes für die Erhöhung der Ausbildungsplätze in der Humanmedizin sein, das mit 100 Millionen Franken allein fast die Hälfte des Budgets verschlingt.

Gemäss Vorgabe müssen die Innovationen von gesamtschweizerischer hochschulpolitischer Bedeutung sein, wie auch mit dem geplanten Kompetenzzentrum für Barrierefreie Kommunikation angestrebt wird: „Es soll eine Anlaufstelle werden, an die sich jede Hochschule wenden kann, um die Bedürfnisse ihrer diversen Studierenden mit Beeinträchtigung abzudecken“, erklärt Susanne Jekat.

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21. November 2017, Andrea Söldi, freie Journalistin BR Drucker-icon

Vereinfachtes Verfahren für die Erneuerung der institutionellen Akkreditierung

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14. September 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz: Eine neue Ära der Hochschulpolitik beginnt

Auf den 1. Januar 2015 ist das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz HFKG in Kraft getreten. Damit beginnt eine neue Ära der strategischen Steuerung der Hochschullandschaft Schweiz. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, wird in der Hochschulkonferenz über den vierköpfigen ständigen Ausschuss der Organisationen der Arbeitswelt mit Antragsrecht mitwirken können. mehr

Bisher sind 16 Kantone, davon 8 Universitätskantone, dem Hochschulkonkordat beigetreten. Sechs weitere Kantone werden das in Kürze tun. 14 Kantone, davon 8 Universitätskantone, waren nötig für die Inkraftsetzung des HFKG. Dank diesen Beitritten kann nun eine neue Geschichte der Steuerung der Hochschullandschaft Schweiz beginnen.

Eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen

Das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz HFKG schafft eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen. Ein Bundesrat und je ein Vertreter oder eine Vertreterin der Kantone, die dem Hochschulkonkordat beigetreten sind, bilden die Plenumsversammlung der Hochschulkonferenz. Die Leitung der Hochschulkonferenz unterliegt einem Bundesrat. 2015 ist dies Bundesrat Schneider-Ammann. Die Hochschulkonferenz ist dabei im Rahmen ihrer Zuständigkeit gleichzeitig verantwortlich für alle Hochschulbereiche (Universitäten, Fachhochschulen, pädagogische Hochschulen). Auch das ist eine Neuerung.

Zweck der Hochschulkonferenz

Nach dem HFKG Art. 1.1 soll der Bund zusammen mit den Kantonen „für die Koordination, die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit des gesamtschweizerischen Hochschulbereichs“ sorgen. Diese Aufgabe können sie z.B. erfüllen durch die Festlegung von finanziellen Rahmenbedingungen und Referenzkosten, durch die institutionelle Akkreditierung, die Schaffung von gesamtschweizerischen Regelungen beispielweise im Bereich der Weiterbildung, durch die Zugänge und Durchlässigkeiten, durch günstige Rahmenbedingungen für Lehre und Forschung oder durch die Aufgabenteilung in besonders kostenintensiven Bereichen.

Ausschuss der Organisationen der Arbeitswelt

Das HFKG sieht auch einen Ausschuss aus Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitswelt vor, der aus je zwei Vertretungen der Arbeitnehmer- und je zwei der Arbeitgeberorganisationen besteht. Sie sind zu den Sitzungen der Hochschulkonferenz eingeladen und haben das Recht, dort zu den Traktanden Stellung zu nehmen und eigene Anträge einzugeben. Travail.Suisse wird – unter Vorbehalt der Wahl durch die Hochschulkonferenz vom 26. Februar 2015 – einen Sitz auf der Arbeitnehmendenseite innehaben.

Anliegen von Travail.Suisse

Travail.Suisse hat sich 2014 auf diese Aufgabe vorbereitet und ein Info-Mail zum Thema lanciert. In den vier Veröffentlichungen hat Travail.Suisse einerseits wichtigen Akteuren der schweizerischen Hochschullandschaft das Wort gegeben und andererseits die wichtigsen Anliegen ausformuliert.

Dazu gehören insbesondere,
• dass bei den Entscheidungen im Hochschulbereich das gesamte Bildungssystem im Blick bleibt;
• dass die unterschiedliche Profilierung der Hochschultypen nicht verloren geht, sondern durch entsprechende Massnahmen gestärkt wird;
• dass im Hochschulsystem wie auch im Tertiärsystem als Ganzem den Studierenden eine „ehrliche“ Durchlässigkeit garantiert wird, die ihnen einen Spurwechsel ermöglicht, sei dies in Bezug auf den Bachelor, den Master oder den PhD. Talentierte und motivierte Personen sollen nicht am System scheitern;
• dass die Mitwirkungsrechte der Dozierenden vor allem an den Fachhochschulen gestärkt werden. Eine wirkliche Teilhabe an der Gestaltung einer Hochschule beeinflusst die Motivation der Dozierenden nachhaltig und ist daher ein wichtiges Qualitätskriterium.


Info-Mail neues HFKG

Das neue HFKG ist ein für die Schweizer Bildungslandschaft einzigartiges Projekt: Alle Hochschulen – also Universitäten, ETH, EPFL, Fach- und Pädagogische Hochschulen – werden seit dem 1. Januar zentral gefördert und koordiniert. Diese Umstrukturierung bewegt das Hochschul-Umfeld: Neue Organisationen bilden sich, alte werden sich verändern und die Mitsprache wird stärker gewichtet.

Interessieren Sie sich für das Info-Mail über das neue Gesetz, das regelmässig wichtige Neuerungen, Prozesse und Themen zur Sprache bringt? Hier können Sie sich anmelden: www.travailsuisse.ch/themen/bildung/hfkg

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15 01 19 Medienservice Neues-Hochschulfoerderungsgesetz-ist-in-Kraft d.docx 15 KB

19. Januar 2015, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Reglement über die Organisation der Schweizerischen Hochschulkonferenz (OReg-SHK) – Anhörungsantwort
(nur Deutsch)

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2014 04 11 HFKG Reglement OReg-SHK d.pdf 142 KB

16. April 2014, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

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