Themen – Bildung – Berufliche Grundbildung

Herausforderung ältere Arbeitnehmende

Für Travail.Suisse ist klar: Die Schweiz braucht eine Weiterbildungspolitik, die sich auch mit der Zielgruppe „ältere Arbeitnehmende“ auseinandersetzt. Es ist deshalb notwendig, das Berufsbildungsgesetz so zu ändern, dass die älteren Arbeitnehmenden eine Zielgruppe der berufsorientierten Weiterbildung (Art. 30-32 BBG) werden und Massnahmen zur Förderung der Weiterbildung von älteren Arbeitnehmenden nach Art. 55 BBG in Zukunft möglich sind. mehr

Die nationale Politik weiss angesichts der demografischen Entwicklung um die Bedeutung einer hohen Arbeitsmarktbeteiligung 1 der älteren Arbeitnehmenden 2 . In den nationalen Bildungsgesetzen hat sich diese Erkenntnis aber noch nicht niedergeschlagen. Weder im Berufsbildungsgesetz noch im Weiterbildungsgesetz, das gegenwärtig als bundesrätlicher Entwurf vorliegt, sind die älteren Arbeitnehmenden erwähnt. Sie werden auf Gesetzesebene nicht als spezielle Zielgruppe von Weiterbildung angesehen. Entsprechend fehlen heute auch Bildungsprojekte, welche die Zielgruppe “ältere Arbeitnehmende” im Fokus haben.

Ältere Arbeitnehmende werden wichtiger für die Wirtschaft

Die demografische Entwicklung führt dazu, dass es im Arbeitsmarkt im Verhältnis zu allen Arbeitnehmenden immer mehr ältere Arbeitnehmende gibt. Damit erarbeiten ältere Arbeitnehmende einen wachsenden Anteil am Bruttosozialprodukt, und der Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit wird wirtschaftlich bedeutsamer 3 . Sollen sie aber die Erwartungen des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft erfüllen können, müssen sie auch im fortgeschrittenen Alter über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Die Bildung darf dabei zwei grundlegende Ziele nicht aus den Augen verlieren:

Erstens darf es nicht zu De-qualifizierungen kommen. Es muss unbedingt verhindert werden, dass ältere Arbeitnehmende aufgrund von Verschiebungen im Anforderungsprofil, innerbetrieblichen Veränderungen, Wegfall von Tätigkeitsfeldern, technischen Entwicklungen oder einer zu starken Spezialisierung ihres Berufs aus dem Arbeitsmarkt herausfallen, an den Rand gedrängt oder demotiviert werden.

Zweitens muss Bildung die Voraussetzungen für eine zweite Karriere schaffen. Jüngere Arbeitnehmende verbinden mit Bildung vor allem eine Karriere nach oben. Daraus ziehen sie ihre Motivation. Ältere Arbeitnehmende hingegen sind eher an einer horizontalen Karriere interessiert, das heisst an einer beruflichen Entwicklung, welche ihre Bedürfnisse ernst nimmt. Dazu gehört etwa, dass sie trotz beruflichen Veränderungen eine interessante Arbeit ausführen können und ihre Arbeit geschätzt wird.

Damit diese zwei Ziele erreicht werden können, ist permanente Bildung notwendig. Das heisst ganz konkret drei Dinge:

Erstens braucht es für ältere Arbeitnehmende einen regelmässigen Zugang zur Bildung, und zwar frühzeitig. Grundsätzlich sollte eigentlich der Bildungsfaden nie abreissen. Alle Arbeitnehmende sollten am lebensbegleitenden Lernen beteiligt sein, damit sie beruflich nicht in Sackgassen geraten. Ist aber der Zugang zur Bildung verloren gegangen, so sollten die Betriebe spätestens die Personen ab 45 wieder in den Bildungsprozess zurückführen. Das widerspricht aber in starker Art und Weise der heutigen Personalpolitik.

Zweitens brauchen die älteren Arbeitnehmenden den Zugang zu einer Weiterbildung, die ihnen entspricht, die Themen behandelt, die sie interessieren und Fragen aufnimmt, die sie beschäftigen. Zudem sollten die Weiterbildungen helfen, De-qualifizierungen abzubauen und horizontale Karrieren zu ermöglichen.

Drittens braucht es Weiterbildungen, die richtig vermittelt werden, bei denen also die Didaktik und Methodik stimmen, das heisst auf ältere Arbeitnehmende zugeschnitten sind. So sollen sie zum Beispiel berücksichtigen, dass ältere Arbeitnehmende mit vielen beruflichen Erfahrungen an einer Weiterbildung teilnehmen und meistens nicht nur Neues lernen müssen, sondern auch Altes „überlernen“ müssen.

Ein neues Bild der älteren Arbeitnehmenden

Nimmt man die Demografie ernst, so muss sich in der Arbeitswelt ein neues Bild der älteren Arbeitnehmenden durchsetzen. Dazu gehören folgende Facetten:

• Weiterbildung ist nicht nur für die jungen, sondern auch in zunehmendem Masse für die älteren Arbeitnehmenden notwendig und wichtig.
• Es braucht eine Weiterbildungskultur, welche die älteren Arbeitnehmenden mit ihren spezifischen Bedürfnissen ernster nimmt und sich sowohl thematisch wie auch methodisch und didaktisch diesem Zielpublikum zuwendet.
• In Zukunft können sich die Betriebe nicht einfach darauf verlassen, dass Innovationen über die Anstellung von jüngeren Arbeitnehmenden bewältigt werden können. Vielmehr müssen sie sich überlegen, wie mit und dank den älteren Arbeitnehmenden Innovationen möglich werden.
• Ältere Arbeitnehmende verfügen über eine längere Berufserfahrung als jüngere Arbeitnehmende. Es muss erreicht werden, dass ihre Erfahrungen nicht zum Hindernis von Entwicklungen, sondern vielmehr zur Basis von Entwicklungen werden können.
• Jüngere Arbeitnehmende motivieren sich für Weiterbildungen über die Hoffnung auf einen Karriereschritt nach oben und einen höheren Lohn. Die Arbeitswelt muss sich so präsentieren, dass auch ältere Arbeitnehmende ohne weitere Karrierehoffnungen nach oben sich für Weiterbildungen motivieren können.

Forderung an die Bildungspolitik

Die Bildung kann mit ihren Instrumenten mithelfen, die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu stärken, indem sie im Berufsbildungsgesetz für ihr Handeln eine gesetzliche Basis schafft. Diese könnte folgendermassen aussehen:

Art. 32 Massnahmen des Bundes
1 Der Bund fördert die berufsorientierte Weiterbildung.
2 Er unterstützt insbesondere Angebote, die darauf ausgerichtet sind:
a. Personen bei Strukturveränderungen in der Berufswelt den Verbleib im Erwerbsleben zu ermöglichen;
b. Personen, die ihre Berufstätigkeit vorübergehend eingeschränkt oder aufgegeben haben, den Wiedereinstieg zu ermöglichen,
c. (neu) durch geeignete Massnahmen die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu erhalten und zu verbessern.

1 Fachkräfteinitiative – Situationsanalyse und Massnahmenbericht, herausgegeben vom Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF und der Konferenz kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren VDK, 07. März 2013, S.16.
2 Vgl. Antwort des Bundesrates auf die Interpellation 11.3112.
3 François Höpflinger, Ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, S. 5, www.hoepflinger.com , letzte Änderungen: 1. Februar 2013.

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10. Juni 2013, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Nachholbildungen gezielt fördern

Es wird erwartet, dass der Bundesrat in der Sommersession seinen Vorschlag zum Weiterbildungsgesetz dem Parlament übergibt. Für Travail.Suisse ist es unabdingbar, dass das Weiterbildungsgesetz in Zukunft einen Beitrag zur Nachholbildung von Personen leistet, insbesondere von Personen, die über keinen beruflichen Erstabschluss verfügen. Dazu schlägt Travail.Suisse eine Bestimmung vor, welche Bund und Kantone zusammen mit den Organisationen der Arbeitswelt zu Massnahmen verpflichtet, die erwerbstätige Personen ohne berufliche Grundbildung auf die anderen Qualifikationsverfahren (Nachholbildung) vorbereiten. mehr

Die schweizerische Gesetzgebung sieht die Möglichkeit von Nachholbildungen vor. Eine berufliche Nachholbildung kann zum Beispiel über eine Validierung der Bildungsleistungen 1 , eine verkürzte Lehre oder ein Qualifikationsverfahren 2 nach Artikel 32 der Berufsbildungsverordnung erfolgen. Die Gesetzgebung sieht aber nicht vor, dass Nachholbildungen bewusst gefördert werden. Der Arbeitsmarkt ist jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels verstärkt auf Nachholbildungen angewiesen, insbesondere auf Nachholbildungen von Personen, die noch über keinen beruflichen Erstabschluss verfügen. Zudem funktioniert der Arbeitsmarkt heute so, dass eine Ausbildung auf Sekundarstufe II als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration in den ersten Arbeitsmarkt anzusehen ist. Bildungspolitisch ist daher die Nachholbildung zu einem der zentralen Themen der nächsten Jahre zu machen.

Ergebnis einer Studie von Travail.Suisse

Eine Studie von Travail.Suisse zeigt, dass sich in der Schweiz von den rund 600’000 Personen im erwerbsfähigen Alter ohne beruflichen Erstabschluss rund 52’000 sehr eignen würden, eine Nachholbildung über die Anerkennung von Bildungsleistungen zu erreichen 3 . Um dieses Potenzial auszunützen, schlägt Travail.Suisse zum einen ein Commitment unter den Verbundpartnern vor, zum andern eine gesetzliche Regelung im gegenwärtig diskutierten Weiterbildungsgesetz.

Commitment unter den Verbundpartnern

Um die berufliche Nachholbildung von Erwachsenen ohne Berufsabschluss zu fördern, ist es sinnvoll, unter den Verbundpartnern der Berufsbildung ein Commitment auszuarbeiten. Dieses soll einerseits die anzustrebenden Ziele, die zu ergreifenden Massnahmen und die Verantwortlichkeiten festlegen, andererseits aber auch die Umsetzung ermöglichen. In beiden Phasen ist auf die Möglichkeit der Projektförderung nach Artikel 54 und 55 des Berufsbildungsgesetzes zurückzugreifen. Dank dieser gesetzlichen Grundlage hat der Bund die Möglichkeit, die Analyse- und Planungsarbeit mitzufinanzieren und geeignete Massnahmen zu unterstützen.

Chance „Weiterbildungsgesetz“

Das Commitment wird gestärkt, wenn die Förderung der Nachholbildung auch gesetzlich verankert wird. Gegenwärtig besteht die Chance, im neu zu schaffenden Weiterbildungsgesetz eine entsprechende Regelung aufzunehmen. Beim aktuellen Stand der Diskussion kann davon ausgegangen werden, dass das Weiterbildungsgesetz vorsieht, dass nichtformale und informelle Bildung an die formale Bildung, zum Beispiel an die berufliche Grundbildung, angerechnet wird. Damit nimmt auch das Weiterbildungsgesetz das Thema «Nachholbildung» auf. Aber wie im Berufsbildungsgesetz wird auch im Weiterbildungsgesetz die Nachholbildung nur geregelt, nicht gefördert. Dies ist mit einer entsprechenden Ergänzung im Artikel 7 zu korrigieren:

«Art. 7 Anrechnung von Bildungsleistungen an die formale Bildung
1 Bund und Kantone sorgen mit ihrer Gesetzgebung für transparente und möglichst gleichwertige Verfahren zur Anrechenbarkeit von Weiterbildung und informeller Bildung an die formale Bildung.
3 (neu) Sie ergreifen zusammen mit den Organisationen der Arbeitswelt Massnahmen, die erwerbstätige Personen ohne berufliche Grundbildung auf die anderen Qualifikationsverfahren (Nachholbildung) vorbereiten.»

Mit einer solchen Regelung könnte eine Politik entwickelt werden, welche die Weiterbildungsbeteiligung der Personen ohne berufliche Erstausbildung erhöhen würde. Denn diese Gruppe beteiligt sich nur halb so viel an der Weiterbildung wie Personen, die über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen 4 . Damit fehlen der Gruppe der Ausbildungslosen aber wichtige Voraussetzungen, um einen verbesserten Zugang zur Nachholbildung zu finden. Denn fehlende Weiterbildung ist eines der Hindernisse, welches dieser Gruppe den Zugang zur Nachholbildung erschwert.

Travail.Suisse wird sich dafür einsetzen, dass die Politik die Chance „Weiterbildungsgesetz“ packt und das Potenzial an Nachholbildungen ausnützt. Denn fehlende Nachholbildungen bedeuten erstens mehr Migration und zweitens höhere Kosten bei der sozialen Sicherheit.

1 http://www.validacquis.ch/InfoKand.php
2 http://www.berufsbildung.ch/download/mb6.pdf
3 Gesellschaftliche Kosten der Ausbildungslosigkeit mit Fokus auf Validierung und Ausbildungsabbrüche, Tobias Fritschi, Livia Bannwart, Oliver Hümbelin, Sanna Frischknecht, Schlussbericht im Auftrag Travail.Suisse, Bern, 20. März2012, http://www.travailsuisse.ch/system/uploadedfile3s/202/original/Schlussbericht_Ausbildungslosigkeit_2.4.12.pdf?1354265782
4 Weiterbildung in der Schweiz 2011, Mikrozensus Aus- und Weiterbildung 2011, Korrigierte Version 15.04.2013, S. 5 und 7, http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/publikationen.html?publicationID=4895

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13. Mai 2013, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Lebenslanges Lernen —
ohne Alterslimiten bei Stipendien

Das Stipendien-Konkordat sieht vor, dass die Alterslimite von 35 Jahren in den kantonalen Stipendiengesetzen nicht unterschritten werden darf. Das revidierte Ausbildungsbeitragsgesetz hält an dieser Alterslimite fest. Damit werden Personen, die ihren Bildungsweg mit Unterbrüchen und auf Umwegen zurücklegen, häufig ausgeschlossen. Dies widerspricht der Forderung nach lebenslangem Lernen. Denn ohne finanzielle Unterstützung werden einkommensschwache Personen über 35 Jahre kaum einen Bildungsabschluss absolvieren. Das Festhalten an einer Alterslimite ist mutlos, denn bereits heute sehen zehn Kantone von Alterslimiten ab. mehr

Die Revision des geltenden Ausbildungsbeitragsgesetzes befindet sich zurzeit in Vernehmlassung. Die Gesetzesrevision ist der indirekte Gegenvorschlag des Bundesrates zur Stipendieninitiative der Schweizer Studierendenschaften VSS. Die Revision übernimmt die formellen Bestimmungen des Stipendien-Konkordates, soweit sie den Tertiärbereich betreffen. Das Stipendien-Konkordat wurde 2009 von der Interkantonalen Stipendienkonferenz verabschiedet und tritt am 1. März 2013 in Kraft. Das Stipendien-Konkordat strebt eine Harmonisierung der kantonalen Gesetze an und legt Mindeststandards fest. Auf einen Punkt der Gesetzesrevision soll im Folgenden genauer eingegangen werden: die Alterslimite von 35 Jahren.

Alterslimiten streichen

Das Stipendien-Konkordat regelt die Alterslimite im Artikel 12 Absatz 2 wie folgt: „Für den Bezug von Stipendien können die Kantone eine Alterslimite festlegen. Die Alterslimite darf 35 Jahre bei Beginn der Ausbildung nicht unterschreiten.“ Diese Regelung findet sich nun wieder in der Revision des Ausbildungsbeitragsgesetzes.

In den einzelnen Kantonen indes finden sich Regelungen, die deutlich über diese Alterslimite hinausgehen. Zehn Kantone kennen gar keine Alterslimiten mehr. Kantone, die dem Stipendien-Konkordat noch nicht beigetreten sind, haben fünf Jahre Zeit, ihre Gesetzgebung anzupassen 1 . Nun bietet sich die Gelegenheit, im Zuge der Anpassung des kantonalen Rechts die Aufhebung der Alterslimite zu erreichen. Auch im revidierten Ausbildungsbeitragsgesetz – und damit auf eidgenössischer Ebene – sollte die Alterslimite fallen.

Lebenslanges Lernen — aber nur mit linearem Bildungsweg

Die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens, um sich beruflich à jour zu halten und neues Wissen zu erwerben, ist heute unbestritten. Der Forderung nach lebenslangem Lernen stehen jedoch Gesetze gegenüber, die dies bei einkommensschwachen Personen verhindern. Die Gesetze gehen immer noch von Bildungskarrieren aus, die ohne Unterbrüche und Umwege durchschritten werden.

Höherqualifizierung zwar erwünscht — aber Unterstützung nicht vorgesehen

Die Fachkräfte-Initiative des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF sieht in nicht oder gering erwerbstätigen Müttern mit Sek II Abschluss ein Arbeitskräftepotenzial. Das WBF stellt — neben strukturellen Massnahmen — Handlungsbedarf bei der Höherqualifizierung fest.

Wiedereinsteigende, die wieder ins Berufsleben zurückkehren wollen, weisen häufig keinen linearen Bildungsweg auf. Auch erwerbstätige Mütter unterbrechen häufig ihre Bildungskarriere, weil ihnen neben der familiären und beruflichen Belastung die Zeit und Energie für eine Weiterbildung fehlt. Nicht und gering erwerbstätige Mütter sind daher meist über 40 Jahre alt, wenn sie den Besuch einer Weiterbildung oder eines Bildungsgangs auf Tertiärstufe ins Auge fassen 2 . Sie haben kein Anrecht auf Ausbildungsbeiträge, obwohl sie häufig nur über ein beschränktes Haushalteinkommen verfügen.

Berufsabschluss nachholen lohnt sich

Lebenslanges Lernen heisst auch, dass die Nachholbildung gefördert wird. Eine Studie der Berner Fachhochschule für Soziale Arbeit zeigt, dass rund 50’000 erwerbstätige Personen ohne Berufsabschluss die Voraussetzungen erfüllen, um eine Nachholbildung zu absolvieren 3 . Gegenwärtig macht nur ein Bruchteil dieser Personen eine Nachholbildung. Obwohl sich ein Berufsabschluss für diese auch mit über 40 Jahren noch lohnen würde. Dies zeigt die Kosten-Nutzen-Analyse der oben erwähnten Studie. Der Anteil der Personen, die einen Bildungsabschluss nachholen, wird sich aber nur schwer steigern lassen, solange der Bezug von Stipendien ab einem mittleren Alter nicht mehr möglich ist.

Lebenslanges Lernen heisst nicht nur, sich nach einem Berufs- und Tertiärabschluss regelmässig weiterzubilden. Lebenslanges Lernen heisst auch, dass Menschen in der Lebensmitte noch einen Berufsabschluss nachholen und dass deren Anstrengungen, sich höher zu qualifizieren, unterstützt werden.

1 Mehr Information zum Beitrittsverfahren zum Stipendien-Konkordat finden Sie unter: http://www.edk.ch/dyn/25861.php.

2 Das Durchschnittalter der Mütter bei der Erstgeburt lag im Jahre 2000 bereits bei 28.7 Jahren In der Zwischenzeit ist es weiter angestiegen und liegt 2010 bei 30.2 Jahren. Zur Tabelle des Bundesamtes für Statistik siehe unter http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/06/blank/key/02/07.html.

3 Berner Fachhochschule Soziale Arbeit. Fritschi, Tobias et al.: Gesellschaftliche Kosten der Ausbildungslosigkeit mit Fokus auf Validierung und Ausbildungsabbrüche. Schlussbericht im Auftrag Travail.Suisse, Bern, 20. März 2012.

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18. Februar 2013, Angela Zihler, Co-Leiterin Projekt "Expérience ReProf" Drucker-icon

Begrüssenswerte Überlegungen zur Förderung des einheimischen Arbeitskräftepotenzials

Der Bundesrat hat die Kontingente für ausländische Arbeitskräfte für 2013 unverändert belassen und ist damit den Forderungen der Wirtschaft nicht entgegengekommen. Zum ersten Mal basierte der Entscheid des Bundesrates nicht nur auf wirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch auf dem Gedanken, dass das bereits vorhandene Potenzial an Arbeitskräften besser ausgeschöpft werden muss. Wenn der Bundesrat einen Zusammenhang zwischen Kontingenten und einer Aufwertung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials in der Schweiz herstellt, geht er in Richtung der migrationspolitischen Forderungen von Travail.Suisse. mehr

Ein Blick auf die Zulassungspolitik zeigt, dass die Kontingente für Personen aus Drittstaaten lediglich 6 Prozent ausmachen, gegenüber einem Anteil von 40 Prozent an Arbeitskräften, die im Rahmen des Personenfreizügigkeitsabkommens in die Schweiz kommen, um hier zu arbeiten. Weil jedoch nur gegenüber den Drittstaaten ein Spielraum bei der Zulassung besteht, ist es wichtig, diesen sinnvoll zu nutzen.

Was die Kontingente für 2013 betrifft, ist erfreulich, dass der Bundesrat dem Druck der Wirtschaft, die höhere Kontingente verlangte, standgehalten hat. Somit werden 2013 wie bereits 2012 insgesamt 3500 Aufenthalts- und 5000 Kurzaufenthaltsbewilligungen für qualifizierte und hochqualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten bereitstehen. Auch bei den Dienstleistungserbringern aus dem EU/EFTA-Raum, die ebenfalls der Kontingentierung unterstehen, wenn sie länger als drei Monate in der Schweiz tätig sind, gibt es keine Änderungen. Für sie stehen somit auch im nächsten Jahr 3000 Kurzaufenthalts- und 500 Aufenthaltsbewilligungen zur Verfügung. Positiv zu werten ist dies auch im Hinblick auf die beunruhigende Situation bei der Einhaltung der Löhne und Arbeitsbedingungen durch ausländische Dienstleistungserbringer.

Arbeitsmarktzugang der Arbeitskräfte in der Schweiz fördern

Neu ist, dass sich die Argumentation des Bundesrates nicht auf die Zahl der Bewilligungen und auf konjunkturelle Überlegungen beschränkt. In seiner Medienmitteilung vom 30. November 2012 erklärte der Bundesrat nämlich, dass er den Arbeitsmarktzugang für die Arbeitskräfte in der Schweiz nachhaltig fördern will, indem er das bestehende Potenzial besser nutzt. In erster Linie sollen Weiterbildungen gefördert und das Qualifikationsniveau angehoben werden. Travail.Suisse legt bei diesem Punkt Wert darauf, dass die Nachholbildung nicht vergessen wird. Diese birgt ein bedeutendes Potenzial, da in der Schweiz 600’000 Personen zwischen 25 und 64 Jahren keine Ausbildung haben.

Es ist erfreulich, dass der Bundesrat die Frage der Kontingente in einen weiteren Zusammenhang stellt und sie nicht nur auf die Zulassungspolitik reduziert. Eine solche Betrachtungsweise geht in Richtung der Forderungen, die Travail.Suisse insbesondere im Positionspapier zur Migrationspolitik1 oder im Dokument zum Kongress vom November 2011 im Abschnitt zur Migrationspolitik formuliere.

Denn angesichts der Alterung der Bevölkerung wird eine Herausforderung der Zukunft darin bestehen, die Erwerbsquote auf einem ausreichend hohen Niveau zu halten und Personal für Branchen zu finden, die bereits heute Schwierigkeiten haben, genügend qualifiziertes oder weniger qualifiziertes Personal zu rekrutieren.

Wir müssen uns bewusst sein, dass auch die EU mit einer ausgeprägten Alterung der Bevölkerung konfrontiert ist und sich ein zunehmend härterer Wettbewerb um ausländisches und insbesondere gut qualifiziertes Personal entwickelt. Es liegt deshalb im Interesse der Schweiz, der Migration von Arbeitskräften einen angemessenen Stellenwert einzuräumen, aber auch, sich nicht allzu stark von der Migration abhängig zu machen, sondern alle Massnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen, das bestehende Arbeitskräftepotenzial in der Schweiz besser auszuschöpfen. Die Bevölkerung wird unter diesem Umständen auch eher akzeptieren, dass zusätzlich ausländisches Personal rekrutiert werden muss.

Travail.Suisse ist sich bewusst, dass in Zukunft unter dem Druck der Wirtschaftskreise und insbesondere im Falle eines Aufschwungs die Kontingente vermutlich aufgestockt werden. Es dürfte in einem solchen Fall einfacher sein, der Bevölkerung überzeugend darzulegen, dass mehr ausländische Fachkräfte aus Drittländern benötigt werden, wenn vorher Massnahmen getroffen wurden, die den Arbeitsmarktzugang für die bereits in der Schweiz lebenden Arbeitnehmenden fördern.

Bis dahin drängt sich aufgrund des angespannten Klimas im Zusammenhang mit den Auswirkungen des freien Personenverkehrs – Beispiele dafür sind die Initiativen zur Massenimmigration der SVP und die Ecopop-Initiative – eine relativ strenge Migrationspolitik in den Bereichen auf, wo noch etwas Spielraum besteht.

Falls Fortschritte bei der Weiterbildung, der Nachholbildung und der Integration erzielt werden, könnte Travail.Suisse in einigen Jahren höheren Kontingenten für Fachkräfte aus Drittländern zur Deckung der Personalknappheit in gewissen Branchen relativ positiv gegenüberstehen. Die Rekrutierung von Personal mit geringem und mittlerem Qualifikationsniveau aus Drittländern wird ebenfalls diskutiert werden müssen, da diese Nachfrage heute zum Teil auf scheinheilige Art mit «Sans-papiers» gelöst wird, die aufgrund ihres sehr prekären Status ausgenutzt werden können.

1 http://www.travailsuisse.ch/de/node/2977

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13. Dezember 2012, Denis Torche, Leiter Umwelt-, Steuer- und Aussenpolitik Drucker-icon

Lehrstellenkonferenz: Strategien für die Zukunft

An der Lehrstellenkonferenz werden von den Verbundpartnern jedes Mal grundlegende strategische Entscheidungen in Bezug auf die Berufsbildung getroffen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband von 170‘000 Arbeitnehmenden, ist erfreut, dass auch in diesem Jahr durch die Lehrstellenkonferenz neue Impulse ausgelöst wurden. mehr

Die Berufsbildung ist darauf angewiesen, dass sie frühzeitig auf neue Herausforderungen reagiert. Nur so bleibt sie zukunftsfähig und kann sowohl die Bedürfnisse der Wirtschaft nach gut qualifizierten Fachkräften ernst nehmen wie auch attraktiv für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bleiben. Für Travail.Suisse sind vor allem vier Entscheidungen der Lehrstellenkonferenz1 von besonderer Bedeutung:

Grundlagenbericht zur Nachholbildung

Das Berufsbildungsgesetz sieht die Möglichkeit von Nachholbildungen vor. Es sieht aber in seiner heutigen Form nicht vor, dass die Nachholbildungen bewusst gefördert werden. Der Arbeitsmarkt ist jedoch aufgrund der demografischen Entwicklung und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels verstärkt auf Nachholbildungen angewiesen, insbesondere auf Nachholbildungen von Personen, die noch über keinen beruflichen Erstabschluss verfügen. Indem die Lehrstellenkonferenz einen Grundlagenbericht zur Nachholbildung verlangt, setzt sie den Grundstein zur bewussten und zielgerichteten Förderung der Nachholbildung. Travail.Suisse ist überzeugt, dass die Förderung der Nachholbildung von Personen ohne beruflichen Erstabschluss eines der zentralen bildungspolitischen Themen der nächsten Jahre werden muss. Ein Berufsabschluss verbessert nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig, sondern ist auch für die Gesellschaft höchst profitabel und trägt dazu bei, den absehbaren demografischen Fachkräftemangel zu lindern. Die Alternative zu mehr Nachholbildung sind erstens mehr Migration und zweitens höhere Kosten bei der sozialen Sicherheit. Dies zeigen Studien, die Travail.Suisse zum Thema Nachholbildung veröffentlicht hat (http://www.travailsuisse.ch/de/node/3145).

Massnahmen zur Mobilitätsförderung in der Berufsbildung

An den Gymnasien ist es selbstverständlich, dass die Studierenden neben der Muttersprache mindestens zwei Fremdsprachen lernen. Zudem haben die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Möglichkeit, durch ein internationales Austauschjahr eine Fremdsprache vertieft kennenzulernen. Auf der Seite der Berufsbildung sieht das anders aus. Etwa 50 Prozent der Jugendlichen in Berufslehren ohne Berufsmaturität erhalten keine obligatorische fremdsprachliche Förderung. Im gewerblich-industriellen Bereich sind es sogar fast 80 Prozent! Zudem verfügen Austausch- und Mobilitätsprogramme in der Berufsbildung über wenig Tradition. Dadurch, dass die Mobilität und das Fremdsprachenlernen in der Berufsbildung nur eine untergeordnete Rolle spielen, verpasst die Schweiz vielerlei Chancen, ihre Berufslernenden gut auf den europäischen Arbeitsmarkt und die Weiterbildung vorzubereiten: Denn dort wird heute immer öfter erwartet, dass sie sich in mehreren Sprachen verständigen und in multikulturellen Kontexten bewegen können. Travail.Suisse begrüsst deshalb explizit die beschlossenen Massnahmen zur Mobilitätsförderung2 in der Berufsbildung.

Stärkung der höheren Berufsbildung und der Berufsmaturität

Die Höherqualifikation der Berufsleute über die höhere Berufsbildung und die Berufsmaturität mit anschliessender Fachhochschule leistet einen überaus wichtigen Beitrag an die Qualität, die Produktivität und Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft. Sie so zu stärken, dass ihre Vorzüge national und international bekannt sind und eine gleichwertige Anerkennung wie die allgemeinbildenden Wege erhalten, ist absolut notwendig. Aus Sicht von Travail.Suisse wäre es klug, wenn das zukünftige Staatssekretariat zur Erreichung dieses Zieles die Verbundpartner stärker einbeziehen würde. Eine Möglichkeit wäre, den Artikel 55.3 des Berufsbildungsgesetzes dafür einzusetzen5 und vom Bundesrat zu verlangen, dass spezifische und innovative Projekte der Verbundpartner zur besseren Positionierung der Berufsbildung auf der internationalen Bühne in Zukunft über den Artikel 54 finanziert werden können. Gegenwärtig fehlt dem Berufsbildungsgesetz die Dimension einer Verantwortung der Verbundpartner für die internationale Positionierung der Berufsbildung. Allenfalls müsste dieses Anliegen auf eine geschickte Art in eine Revision des Berufsbildungsgesetzes eingebracht werden.

Potenzial von Migrantinnen und Migranten vermehrt nutzen

Die Lehrstellenkonferenz sieht auch eine bessere Nutzung des Potenzials von Migrantinnen und Migranten für die Berufsbildung vor: „Wichtige Hinweise liefert hier das Forschungsprojekt MIRAGE der Universität Fribourg. Empfohlen wird insbesondere, sich von der bisherigen Defizitperspektive zu lösen, den Fokus auf das mögliche Potenzial von Migrantinnen und Migranten zu richten und eine gezieltere und „offensivere“ Förderung in der Berufsbildung anzustreben. Weiter sollen mit gezielten Sensibilisierungs- und Kommunikationsmassnahmen die vielfältigen Möglichkeiten der Berufsbildung gerade bei Migrantinnen und Migranten bekannter gemacht werden“3. Travail.Suisse ist in diesem Zusammenhang daran, ein Projekt zum Thema „Elternbildung für fremdsprachige Eltern: Berufswahl und Lehrstellensuche“ zusammen mit dem Dachverband der Migrantenorganisationen (www.fimm.ch) aufzubauen. Wir hoffen, dass unser Projekt vom Bund unterstützt wird.

1 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28789.pdf

2 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments /28781.pdf

3 http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/28789.pdf, Seite 2/4.

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PD Lehrstellenkonferenz - Strategien für die Zukunft.doc 116 KB

02. Dezember 2012, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

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