Themen – Bildung – Berufliche Grundbildung

Rookie: Theaterprojekt für die Berufsfachschulen erfolgreich abgeschlossen

In der Berufsbildung treffen Jugendliche mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen aufeinander. Das 2006 von Travail.Suisse lancierte Projekt „Rookie – verschiedene Nationalitäten im Lehrlingsalltag“ nahm diese Situation ernst und bot Berufsfachschulen ein Forumtheater an, das kulturell bedingte Konfliktsituationen ins Rampenlicht rückte. Im Sommer 2014 hat dieses überaus erfolgreiche Projekt nun seinen Abschluss gefunden. mehr

Die Berufsbildung ist multikulturell. „In 50% aller bei uns vertretenen Berufsausbildungen bilden die Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Mehrheit“, beschreibt zum Beispiel Heinz Flück, Leiter für Förderpädagogik, die Situation am Berufsbildungszentrum Olten. Diese Situation beinhaltet Chancen, aber auch Konfliktpotential. Sie sollte deshalb nach Meinung von Travail.Suisse an den Schulen bewusst angesprochen werden. Aus diesem Grund hat Travail.Suisse daher 2006 das Forumtheater Rookie entwickelt.

Das Forumtheater: Eine spielerische Art der Konfliktlösung

Das Forumtheater ist eine interaktive Theaterform. Konfliktgeladene Theaterszenen führen die Teilnehmenden in verschiedene, ihnen bekannte Konfliktsituationen. Es bleibt aber nicht bei den Konfliktsituationen. Das Forumtheater erlaubt den Teilnehmenden, mitten in den Konflikten nach Alternativen zu suchen. Unter der Leitung eines geschickt agierenden Moderators werden Ideen gesammelt, durchgespielt, verworfen und weiterentwickelt. So entstehen unter Mitwirkung der Teilnehmenden neue Szenen, in denen Lösungen sichtbar werden.

Rookie – ein Forumtheater für die Berufsfachschulen

„Rookie“ bot in den letzten acht Jahren den Berufsfachschulen die Möglichkeit, mit Hilfe der Methode des Forumtheaters die heutige multikulturelle Welt mit ihren Chancen und Spannungen – von Anziehung und Zusammenarbeit bis Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus – auf eine praktische, spannende und packende Art in der Schule zum Thema zu machen. Entwickelt und gespielt wurden die Szenen von der Theatergruppe Maralam.

Die Berufsfachschulen machten regen Gebrauch von diesem Angebot. Insgesamt konnten 150 Vorstellungen mit insgesamt 19‘300 Teilnehmenden durchgeführt werden. In einer Vor- und Nachbereitung wurden die angesprochenen Themen aufgearbeitet. Dazu wurden vom Projekt didaktisch und methodisch aufbereitete Unterrichtsmaterialien für den allgemeinbildenden Unterricht zur Verfügung gestellt.

Breite Unterstützung des Projektes

Das Projekt fand eine breite Unterstützung. Der Dachverband der Berufsfachlehrer/innen BCH unterstützte Travail.Suisse in der Anfangsphase in der Projektleitung. Das ehemalige Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (heute Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI) half mit, die Produktion zu finanzieren und die Stiftung Bildung und Entwicklung (heute: Education 21) unterstützte die Schulen finanziell bei der Durchführung.

Ausgewertet – eine neue Produktion ist geplant

Das Projekt „Rookie“ wurde im letztes Jahr ausgewertet. Vor allem die offene Form des Forumtheaters stiess bei Lernenden und Lehrenden auf überaus positive Kritik. Die Szenen vermochten emotionale Betroffenheit zu schaffen. Und statt nur in der Rolle des Zuschauers zu verbleiben, ermöglicht das Forumtheater den Lernenden ein Mitwirken. Lösungen konnten ausprobiert und soziale Kompetenzen erweitert werden. Travail.Suisse ist deshalb daran, ein Nachfolgeprojekt zu planen, das die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre aufnehmen und verarbeiten soll.

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2014 09 29 TravailSuisse Abschluss-Rookie d.docx 14 KB

29. September 2014, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Selbstbewusstes Auftreten der Berufsbildung

Vom 17. bis am 21. September 2014 finden unter dem Namen SwissSkills 2014 die ersten schweizerischen Berufsmeisterschaften statt. Gegen 1000 junge Berufsleute aus den verschiedensten Berufen werden um den Schweizermeistertitel in ihrem Beruf kämpfen. Diese Veranstaltung ermöglicht es, einen Einblick in die Vielfalt der schweizerischen Berufsbildungslandschaft zu vermitteln. Insbesondere für Jugendliche in der Berufswahlphase ist SwissSkills also eine besondere Gelegenheit. Jeunesse.Suisse, die Jugendkommission von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, wird ebenfalls Teil der SwissSkills 2014 sein. mehr

„Was soll ich werden?“ Über 60% der Jugendlichen in der Schweiz beantworten diese Frage, indem sie sich für eine Berufslehre entscheiden. Sie treffen eine gute Wahl, denn das durchlässige Bildungssystem ermöglicht, dass sich mit jeder Lehre die unterschiedlichsten Karrierewege eröffnen.

Besuch nicht verpassen

Die ersten schweizerischen Berufsmeisterschaften bieten einen spannenden Einblick in die schweizerische Berufsbildungslandschaft. Rund 1000 „Show“-Arbeitsplätze aus den verschiedensten Berufen werden von den Branchenverbänden für vier Tage in Bern aufgebaut. Die Besucher/innen können den Teilnehmenden über die Schultern schauen und beobachten, wie sie schwierige Aufgaben ihres Berufes konzentriert und kompetent lösen. Parallel dazu können sich interessierte an Ständen über die Berufe informieren. Vor allem Jugendliche in der Berufswahlphase sollten dieses Event nicht verpassen.

Selbstbewusste Berufsbildung

Die Berufsbildung weiss um ihren Wert für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Die Berufsmeisterschaften sind ein Ausdruck dieses Selbstbewusstseins. Die Berufsbildung muss sich nicht verstecken, sondern sie darf stolz auf ihre Bildungsleistung sein. Durch die vielfältigen Reformen, ausgelöst durch das neue Berufsbildungsgesetz, sind die heutigen Ausbildungen up to date. Und das werden sie auch bleiben, da das Berufsbildungssystem einerseits durch seinen engen Arbeitsmarktbezug und andererseits durch die heutige Gesetzgebung innovationsfähig ist und bleibt. Den zukünftigen Herausforderungen darf die Berufsbildung daher mit der Überzeugung begegnen, dass sie sie bewältigen wird.

Präsenz von Travail.Suisse an den Berufsmeisterschaften

Die wichtigsten Akteure an den SwissSkills sind sicherlich die Wettbewerbsteilnehmenden, dann aber auch ihre Begleiter/innen, die Juroren und all die Vertretungen der Branchenverbände. Ihre Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Doch auch Travail.Suisse ist an den SwissSkills mit einem Stand vertreten: Mit demjenigen der Jugendkommission Jeunesse.Suisse. Die Jugendlichen aus den verschiedenen Mitgliedverbänden des Dachverbands Travail.Suisse werden das Gespräch mit anderen Jugendlichen zum Thema “Die Lehre meistern” suchen und ihnen den dazu erschienenen Ratgeber präsentieren (siehe auch hier). Travail.Suisse hat Travail.Suisse als einziger Arbeitnehmerdachverband im OK von SwissSkills 2014 mitgearbeitet.


Neuer Ratgeber: Meine Chancen nach der Lehre

Je näher der Lehrabschluss rückt, desto dringender stellt sich die Frage: Wie weiter nach der Lehre? In der Broschüre „Meine Chancen nach der Lehre“ finden junge Menschen, die vor dem Lehrabschluss stehen, wertvolle Anregungen und Tipps.

Nach dem Sommer haben in der Schweiz Zehntausende Lernende ihr letztes Lehrjahr angetreten. Damit stellt sich für sie bald die Frage, wie es nach Abschluss der Lehre weitergehen soll: Will ich im erlernten Beruf weiterarbeiten? Soll ich eine Zweitausbildung in Angriff nehmen oder die Berufsmatura absolvieren? Will ich ein Zwischenjahr einschieben, um einen Sprachaufenthalt oder einen Sozialeinsatz zu machen?

Es lohnt sich, sich frühzeitig Gedanken über die Zeit nach der Lehre zu machen und verschiedene Möglichkeiten auszuloten. Die 12-seitige Broschüre „Meine Chancen nach der Lehre“ gibt Anregungen, welche Wege eine junge Frau oder ein junger Mann am Anfang des Berufslebens einschlagen kann. Jenen, die im erlernten Beruf weiter arbeiten wollen, gibt sie wertvolle Informationen und Tipps, um den Übergang von der Lehre in eine erste Stelle zu schaffen.

Die Broschüre „Meine Chancen nach der Lehre“ reiht sich ein in eine Serie von Ratgebern, die zu verschiedenen Themen der Arbeitswelt (Lohn, Pensionskasse, Schwangerschaft usw.) Auskunft geben. Alle Ratgeber können unter www.travailsuisse.ch bestellt werden.
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15. September 2014, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Meine Chancen nach der Lehre

Je näher der Lehrabschluss rückt, desto dringender stellt sich die Frage: Wie weiter nach der Lehre? In der Broschüre „Meine Chancen nach der Lehre“ finden junge Menschen, die vor dem Lehrabschluss stehen, wertvolle Anregungen und Tipps. Die Broschüre ist eine weitere Nummer der Ratgeberreihe von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, zu Fragen aus der Arbeitswelt. mehr

Nach dem Sommer haben in der Schweiz Zehntausende Lernende ihr letztes Lehrjahr angetreten. Damit stellt sich für sie bald die Frage, wie es nach Abschluss der Lehre weitergehen soll: Will ich im erlernten Beruf weiterarbeiten? Soll ich eine Zweitausbildung in Angriff nehmen oder die Berufsmatura absolvieren? Will ich ein Zwischenjahr einschieben, um einen Sprachaufenthalt oder einen Sozialeinsatz zu machen?

Es lohnt sich, sich frühzeitig Gedanken über die Zeit nach der Lehre zu machen und verschiedene Möglichkeiten auszuloten. Die 12-seitige Broschüre „Meine Chancen nach der Lehre“ gibt Anregungen, welche Wege eine junge Frau oder ein junger Mann am Anfang des Berufslebens einschlagen kann. Jenen, die im erlernten Beruf weiter arbeiten wollen, gibt sie wertvolle Informationen und Tipps, um den Übergang von der Lehre in eine erste Stelle zu schaffen.

Die Broschüre „Meine Chancen nach der Lehre“ reiht sich ein in eine Serie von Ratgebern, die zu verschiedenen Themen der Arbeitswelt (Lohn, Pensionskasse, Schwangerschaft usw.) Auskunft geben. Alle Ratgeber können unter www.travailsuisse.ch bestellt werden.

Über einen Hinweis in Ihrer Publikation würden wir uns sehr freuen. Auf Anfrage stellen wir Ihnen gerne ein Ansichtsexemplar zu.

Für weitere Informationen:
Therese Schmid, Schlussredaktion Ratgeber Travail.Suisse,
Tel. 031 370 21 11
Mail: schmid@travailsuisse.ch

04. September 2014, Therese Schmid, Leiterin Administration Drucker-icon

Positionspapier: Mehr Erstabschlüsse für Erwachsene – Berufsbildung neu denken

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TravailSuisse-Positionspapier Mehr-Erstabschluesse-fuer-Erwachsene d.pdf 220 KB

23. April 2014, Angela Zihler, Projektleiterin Drucker-icon

Nachholbildung wirkt gegen Fachkräftemangel

Jede achte Person zwischen 25 und 64 hat keinen Berufsabschluss. Obwohl ein beträchtliches Potenzial vorhanden ist, schaffen es nur wenige Erwachsene ohne Berufsabschluss, eine Erstausbildung zu absolvieren. Es gilt, den Zugang zu Information, Beratung und Begleitung zu verbessern und finanzielle Hürden aus dem Weg zu schaffen. Dazu müssen die Kantone die Stipendiengesetze anpassen und mit der Sozialhilfe abstimmen. Zudem sollen mehr Erwerbslose mithilfe von Ausbildungszuschüssen der Arbeitslosenversicherung eine Erstausbildung absolvieren. mehr

Die Frage, wie die Schweiz in Zukunft ihren Bedarf an Fachkräften decken wird, hat nach dem Ja der zur Initiative gegen die Masseneinwanderung an Brisanz gewonnen. Die geburtenschwachen Jahrgänge treten in den nächsten Jahren in den Arbeitsmarkt ein. Sie können die Babyboomer-Generation, die in Rente geht, nicht ersetzen. Der Fokus muss also darauf gerichtet werden, dass die erwerbsfähige Bevölkerung auf dem Arbeitsmarkt verbleibt und sich höher qualifizieren kann.

Vom Lehrstellenmangel zum Fachkräftemangel

Die Berufsbildung ist damit besonders gefordert. Sie setzte in den letzten zwei Jahrzehnten einen Schwerpunkt bei der Schaffung von Lehrstellen und der Integration von Jugendlichen mit schulischen, sprachlichen und sozialen Schwierigkeiten. Mit dieser Förderstrategie gelang es, Jugendliche in die Berufswelt zu integrieren. Der Lehrstellenmangel wurde nun vom Fachkräftemangel abgelöst. Eine Möglichkeit, diesen zu entschärfen, ist die Qualifizierung von Erwachsenen ohne anerkannten Berufsabschluss.

Die Instrumente, um Erwachsenen einen Erstabschluss zu ermöglichen, sind vorhanden. Für Erwachsene gibt es die Möglichkeit, eine Lehre zu machen. Diese kann auch in Teilzeit oder verkürzt absolviert werden. Es gibt aber auch den Weg, sich berufsbegleitend auf die Lehrabschlussprüfung vorzubereiten. Schliesslich gibt es in bestimmten Berufen Validierungsverfahren, um die Berufserfahrung anerkennen zu lassen. Dennoch absolvieren nur wenige der über 600‘000 Erwachsenen ohne Erstabschluss eine Ausbildung. Je nach Studien bringen 52‘000 bis 93‘000 Personen die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Nachholbildung einzusteigen. 2012 gingen jedoch nur rund 1‘300 Berufsabschlüsse an Erwachsen ohne Erstausbildung.

Zugang zu Information und Beratung erleichtern

Das Potenzial der Erwachsenen ohne Erstausbildung wird nur schlecht ausgeschöpft. Es stellt sich die Frage, welche Faktoren den Zugang zur Nachholbildung erschweren. Zum Teil fehlt es in breiten Kreisen der Bevölkerung nach wie vor an Wissen über die Ausbildungsangebote, selbst bei Berufsbildner/innen oder Personalfachleuten. Die relevanten Informationen auf den Webseiten der Kantone sind erst nach mehreren Klicks zu finden. Die Beratungen sind nicht in allen Kantonen kostenlos. Es braucht deshalb eine Informationskampagne, die von Bund, Kantonen und den Sozialpartnern getragen wird. Branchenverbände sollen ihre Arbeitgeber sensibilisieren und die Nachholbildung zu ihrem Anliegen machen. Schliesslich sollen die Kantone Information, Beratung und Begleitung leicht zugänglich und kostenlos anbieten.

Teils mangelnde Grundkompetenzen

Einem Teil der ausbildungslosen Erwachsenen fehlt es an den notwenigen Grundkompetenzen (Lesen und Schreiben, Alltagsmathematik, lokale Standardsprache, Kenntnisse der Informations- und Kommunikationstechnologie IKT). 1 Dies betrifft sowohl Migrantinnen und Migranten mit einem schmalen Bildungsrucksack wie auch Personen, die in der Schweiz die Schule besucht haben. Die letzteren haben den Einstieg in die Lehre nicht geschafft, die Ausbildung abgebrochen oder die Abschlussprüfung nicht bestanden. Bei den drei genannten Gründen spielen schwache schulische Leistungen eine wichtige Rolle. Dazu kommt, dass die Grundkompetenzen im Berufsalltag von vielen Ausbildungslosen wenig angewendet werden und über die Jahre hinweg vergessen gehen. Ein Teil der ausbildungslosen Erwachsenen wird sich also zuerst die schulischen Grundlagen erarbeiten müssen, um überhaupt in der Lage zu sein, eine Ausbildung auf Sekundarstufe II in Angriff zu nehmen.

Bei Migrantinnen und Migranten erweist sich oft die ungenügende Sprachkompetenz in der lokalen Standardsprache als hinderlich. Zusätzlich kann auch der Erwerb einer zweiten Landessprache, wie er in der Kaufmännischen Lehre und den Detailhandelsberufen vorgesehen ist, eine Barriere bilden. Die Kantone sollten darum vermehrt berufsvorbereitenden Angebote bereitstellen (z.B. die Vorlehre Erwachsene im Kanton Bern) sowie Bildungsangebote, die mit Spracherwerb kombiniert werden.

Finanzielle Hürden sind hoch

Häufig scheitern Bemühungen zur Nachqualifizierung schlichtweg am Geld. Erwerbstätige ohne Ausbildung erzielen nur einen geringen Lohn. Sie können, gerade wenn sie noch für Kinder zu sorgen haben, ihr Pensum wegen einer Ausbildung nicht reduzieren. In vielen Kantonen können Erwachsene ohne Erstabschluss nicht auf Stipendien zurückgreifen. Entweder scheitern sie an der Altersobergrenze oder die Höhe der Stipendien ist nach oben begrenzt. Bei Sozialhilfebeziehenden stellt sich zusätzlich das Problem, dass Sozialhilfe und Stipendiengesetze häufig nicht aufeinander abgestimmt sind. Die Regelungen sind daher zu ändern: Stipendien sollen ohne Altersobergrenze vergeben werden und den Lebensunterhalt sichern.

Ausbildungszuschüsse werden sehr restriktiv angewandt

Personen ohne Erstabschluss machen rund ein Drittel aller Stellensuchenden aus. Sie können die Zeit der Arbeitslosigkeit kaum nutzen, da die Arbeitslosenversicherung nur in Ausnahmefällen eine Berufsausbildung finanziert. Die Massnahme der Ausbildungszuschüsse wird nämlich nur restriktiv angewandt. Mit Ausbildungszuschüssen ergänzt die Arbeitslosenversicherung den Lehrlingslohn maximal während drei Jahren auf einen Höchstbetrag von CHF 3‘500. 2012 waren 41‘000 registrierte Arbeitslose ohne Erstausbildung. Dem standen weniger als 500 Erwachsene in Ausbildung gegenüber, die von der Arbeitslosenversicherung mit Ausbildungszuschüssen unterstützt wurden. Die Zahl der Berufsabschlüsse, die mithilfe von Ausbildungszuschüsse erreicht werden, muss massiv erhöht werden. Ziel muss sein, jährlich 1‘000 Berufsabschlüsse mithilfe von Ausbildungszuschüssen zu erreichen. Diese Kosten für die Grundausbildung sollen nicht von der Arbeitslosenversicherung selbst sondern vom Bund übernommen werden, denn die Erstausbildung ist Sache des Staates.

Commitment zur Förderung der Nachholbildung

Neben den verbesserten Rahmenbedingungen braucht es eine gezielte Förderung der Nachholbildung durch Bund, Kantone und die Sozialpartner. Zurzeit besteht keine Verpflichtung der Verbundpartner, die Bildungsanstrengungen von Erwachsenen ohne Erstabschluss aktiv zu fördern. Mit einer verbindlichen Vereinbarung könnte dies geändert werden. Das Commitment, dass 95% aller Jugendlichen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen, sollte dabei als Vorbild dienen. Dazu sind Gesetzesänderungen im Berufsbildungsgesetz notwendig, um Erstabschlüsse von Erwachsenen finanziell fördern und entsprechende Gelder für innovative Projekte zur Verfügung stellen zu können. Als Ziel des Commitments schlägt Travail.Suisse vor, in zehn Jahre 30‘000 Erstabschlüsse von Erwachsenen zu erreichen. Bund und Kantone müssten zur Finanzierung der Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten je rund CHF 850 Mio. zur Verfügung stellen.


1 Der Entwurf des Bundesrates zum Weiterbildungsgesetz WeBiG sieht Regelungen zum Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen Erwachsener vor: Bund und Kantone sollen Grundkompetenzen Erwachsener fördern (WeBiG Art. 15), das SBFI kann Finanzhilfen an die Kantone leisten (WeBiG Art. 16). Zum aktuellen Stand des Weiterbildungs-gesetzes siehe
http://www.sbfi.admin.ch/themen/01366/01382/01388/index.html?lang=de.

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14. April 2014, Angela Zihler, Projektleiterin Drucker-icon

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