Themen – Bildung – Berufliche Grundbildung

Vorbereitungskurse im Spannungsfeld von Berufsbildung und akademischer Bildung

Am 1. Januar 2018 treten neue Regelungen im Zusammenhang mit der Finanzierung von Vorbereitungskursen auf Berufs- und Höhere Fachprüfungen in Kraft. Die Hochschulen sind davon auch betroffen – auch sie können Vorbereitungskurse anbieten. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist es wichtig, dass die Hochschulen eine klare Vorstellung davon haben, unter welchen Bedingungen sie Vorbereitungskurse ausschreiben und durchführen. mehr

Berufsprüfungen (BP) und Höhere Fachprüfungen (HFP) sind wichtige formale Abschlüsse zur Höherqualifizierung von Fachleuten auf Tertiärstufe. Pro Jahr erreichen rund 18‘000 Personen einen solchen Abschluss. Die grosse Mehrzahl bereitet sich mit einem Vorbereitungskurs auf diese Prüfungen vor. Wer die Prüfung ablegt, hat das Recht, von der öffentlichen Hand 50% der anrechenbaren Kosten für die Vorbereitungskurse zurückzuerhalten – unabhängig vom Prüfungserfolg.

Ein Angebot der Berufsbildung

Die Berufs- und Höheren Fachprüfungen sind Abschlüsse der Berufsbildung und werden im nationalen Qualifikationsrahmen der Berufsbildung eingestuft. Anders als beim Qualifikationsrahmen der Hochschulen wird im Qualifikationsrahmen der Berufsbildung jeder Abschluss individuell eingestuft. Entsprechend bewegen sich zum Beispiel die Abschlüsse der Höheren Fachprüfungen von Niveau 6 bis Niveau 8 1 . Diese an der Praxis orientierten Abschlüsse können daher auch für eine Person mit einem akademischen Abschluss von Interesse sein.

Hochschulen können Vorbereitungskurse anbieten

Auch Hochschulen können Vorbereitungskurse auf Berufs- und Höhere Fachprüfungen anbieten. Eine Voraussetzung für alle Anbieter, also auch für die Hochschulen, ist, dass sie ihr Angebot auf der elektronischen Liste des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI eintragen. Nur dann können die Teilnehmenden von der öffentlichen Finanzierung profitieren.

Anders als die Abschlüsse sind die Vorbereitungskurse auf die BP und HFP non-formal. Aus Hochschulsicht unterliegen sie daher den Regelungen, die das HFKG 2 auf der Grundlage des Weiterbildungsgesetz WeBiG 3 festlegt. Diese Regelungen sind gegenwärtig in Bearbeitung. Aus Sicht von Travail.Suisse ist es vor allem wichtig, dass in Bezug auf die Vorbereitungskurse im Kontext der Hochschulen Klarheit darüber herrscht, wer

a. das Zielpublikum ist und wer daher Zugang zu den Vorbereitungskursen hat, welche die Hochschulen anbieten und
b. wie das Verhältnis der Vorbereitungskurse zu den anderen Hochschulweiterbildungen gestaltet ist, zum Beispiel im Zusammenhang mit den Durchlässigkeiten und der Anrechenbarkeit.

Insbesondere weil sich in den Vorbereitungskursen auf BP und HFP, die von den Hochschulen angeboten werden, das Berufsbildungssystem und das akademische System überschneiden, macht es aus Sicht von Travail.Suisse Sinn, dass sich die Hochschulen diesbezüglich klare Regelungen geben.


1 https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20151046/index.html#app1ahref1
2 HFKG, Art. 12.3.a.4 unter Berücksichtigung von Art. 3.i.
3 WeBiG, Art. 2.2

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HFKG Neue-Vorbereitungskurse-ab-2018 d.docx 45 KB

21. November 2017, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Forumtheater „I Girl I Boy I Phone“

„Identitätsfindung junger Menschen in Zeiten der Globalisierung, der Digitalisierung und der Migration“ – so lässt sich das Thema der neuen Forumtheaterproduktion von Maralam zusammenfassen. Die Premiere des Forumtheaters „I Girl I Boy I Phone“ findet am 20. November 2017 in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden) in Baden statt. Träger des Projektes ist Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden. mehr

Von Bruno Weber-Gobet, Produktionsleiter des Forumtheaterprojekts und Leiter Bildungspolitik Travail.Suisse und Peter Braschler, Projektleiter MARALAM

Die neue Forumtheaterproduktion nimmt die teilnehmenden Schulklassen mit auf eine Reise durch Fragen der Identitätsfindung junger Menschen in Zeiten der Globalisierung, der Digitalisierung (Industrie 4.0) und der Migration. Inhaltlich bedeutsam sind die unterschiedlichen Frauen- und Männerbilder, mit denen junge Menschen in der heutigen Zeit in ihrem familiären, schulischen, beruflichen, religiösen und gesellschaftlichen Umfeld konfrontiert werden. Besonders beachtet wird dabei die Rassismusdebatte, die durch Migrations- und Integrationsfragen wie auch durch die starke Vernetzung über die sozialen Medien angefacht wird.

Intensive Recherchearbeit

Die Grundlage für die Erarbeitung des Forumtheaters bilden intensive Recherchearbeiten in und mit Berufsschulklassen und Betrieben. Die Theatermacher wollten verstehen, was heutige Berufslernende beschäftigt, wie sie mit Globalisierung, Digitalisierung und Migration umgehen und in welche Identitätskonflikte sie als Frauen oder Männer verwickelt sind. Daraus sind konfliktreiche Szenen entstanden, auf welche die Teilnehmenden reagieren können.

Interaktion wird gross geschrieben

Das Forumtheater ist eine besondere Theaterform. Sie setzt auf Interaktion. Die Szenen thematisieren Konflikte und fordern die Teilnehmenden heraus, aktiv ins Bühnengeschehen einzugreifen und ihre Vorschläge zur Lösung der Konflikte spielerisch einzubringen. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Prozess des konkreten Ausprobierens von Lösungen für die Teilnehmenden spannend und befreiend ist – es wird viel gelacht. Begleitet wird das Forumtheater durch didaktisch-pädagogische Materialien zur Vor- und Nachbereitung. Während das Forumtheater eher eine ganzheitliche, auch die Emotionen und die Ästhetik einschliessende Form darstellt, werden mit den Materialien zur Vor- und Nachbereitung eher theoretisches, analytisches und mehr-perspektivisches Wissen zum Themenfeld aufgebaut. Es ermöglicht eine vertiefte und breite Reflexion des Themenfeldes.

Smartphone on

Identitätsfindung findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in der realen Welt, zu der heute auch die digitale Welt gehört. Das Smartphone als Teil der digitalen Welt und ständiger Begleiter der meisten Jugendlichen (und Erwachsenen) gehört daher auf die Bühne, sonst wird die heutige Welt nicht richtig abgebildet. Für die SchauspielerInnen wie auch für die Schulklassen heisst es daher „Smartphone on“. In den Szenen soll präsent sein, dass die digitale Welt unsere Beziehungen prägt, über sie Werte vermittelt werden, ihre richtigen (?) oder falschen (?) Informationen Wirklichkeiten mit zum Teil weitreichenden Folgen schafft und die Berufe und die Berufsbildung beeinflusst.

Der Start eines längeren Projektes

Mit der Premiere in Baden startet ein längerfristig angelegtes Projekt. Zur Premiere sind daher auch die Verantwortlichen der anderen Berufsfachschulen eingeladen. Sie sollen durch die Visionierung entscheiden können, ob sie das Forumtheaterprojekt „I Girl I Boy I Phone“ auch an ihrer Schule durchführen wollen. Das Vorgängerprojekt von „I Girl I Boy I Phone“ – „Rookie – verschiedene Nationalitäten im Lehrlingsalltag“, das ebenfalls von Travail.Suisse und Maralam initiiert wurde – hat zwischen 2007 und 2014 mehr als 20‘000 Berufslernende erreicht. Das neue Projekt wird auch in der französischsprachigen und italienischsprachigen Schweiz durchgeführt. Die Premierenorte sind schon festgelegt und die Verträge mit den jeweiligen Theatergruppen unterzeichnet. Alle weiteren Informationen sind auf der Homepage www.Igirlboyphone.ch zu finden.

Abspann

Das Forumtheaterprojekt „I Girl I Boy I Phone“ wird getragen von Travail.Suisse in Partnerschaft mit der SDK, Schweizerische Direktorinnen- und Direktorenkonferenz der Berufsfachschulen und dem SVABU, Schweizerischer Verband für allgemeinbildenden Unterricht.

Für die Premierenserie in der Deutschschweiz besteht eine Kooperation mit der Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden). Die Produktion wird unterstützt durch die Schweizerische Eidgenossenschaft, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und dem
Industrieverband „*Swissmem*“.

Durchgeführt wird es durch das Theater Maralam, das seit Jahren mit spezifischen Produktionen für Berufsschulen erfolgreich ist – stufengerecht, doch herausfordernd. www.maralam.net

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2017 11 13 Neues-Forumtheater d.docx 17 KB

13. November 2017, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Die Berufsbildung von morgen – heute angedacht

Das Berufsbildungssystem der Schweiz ist top. Das haben aktuell die Weltmeisterschaften der Berufsbildung (worldskills) in Abu Dhabi gezeigt: 20 Medaillen, davon 11 goldene, haben sich die jungen Berufsleute aus der Schweiz erkämpft. Damit die Berufsbildung ihre hohe Qualität halten kann, darf sie nicht ruhen, sondern muss kluge und neue Antworten auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen finden. Das wird mit einer neuen Strategie „Berufsbildung 2030“ angestrebt. mehr

Was bedeuten Digitalisierung, Globalisierung, Migration oder erhöhte Anforderungen des Arbeitsmarktes für die Berufsbildung? Wie kann die Berufsbildung den schnellen technologischen Wandel bewältigen? Wie kann die Berufsbildung die Erwachsenen, auch die älteren Arbeitnehmenden, besser ins Berufsbildungssystem integrieren? Solche und ähnliche Fragen werden seit mehr als einem Jahr in der Berufsbildung intensiv diskutiert. Entstanden ist ein erstes Leitbild.

Ein verheissungsvolles Leitbild

Das erarbeitete Leitbild verlangt zum Beispiel, dass die Berufsbildung „individuelle Lernwege und Laufbahnentwicklungen“ fördert. Das ist eine Verheissung für Erwachsene und bedeutet, dass die Berufsbildung besser mit der persönlichen Lebenssituation vereinbart werden können soll. Mit Hilfe der Digitalisierung soll die Bildung ort- und zeitunabhängiger werden. Die Hürden bei einer beruflichen Neuorientierung sollen minimiert werden. Das sind alles Ideen, die es den Erwachsenen vereinfachen sollen, ihre beruflichen Kompetenzen auf aktuellem Stand zu halten und notwendige Berufswechsel durchzuführen. Denn niemand weiss, ob es seinen oder ihren Beruf in der jetzigen Form in Zukunft noch gibt und ob die bereits erworbenen beruflichen Kompetenzen in Zukunft noch benötigt werden. Da ist es gut, wenn die Berufsbildung sich so weiterentwickelt, dass Anpassungen einfacher möglich sind.

Eine dornige Umsetzung?

Solche Ideen müssen nun in konkrete Massnahmen umgesetzt werden. Das wird nicht einfach werden. Denn ein Leitbild zu formulieren, ist das eine. Es wirklich umzusetzen, ein anderes. Aber schon dieses Jahr sollen erste Schritte dazu gemacht werden. Am 13. November 2017 findet das Spitzentreffen der Berufsbildung statt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann, die Spitzen der Kantone und der Wirtschaft, darunter auch der Präsident von Travail.Suisse, Adrian Wüthrich, werden das Leitbild miteinander diskutieren und – hoffentlich – auch erste Entscheidungen im Hinblick auf die Umsetzung treffen. Dazu gehört zum Beispiel die Prioritätensetzung und die Entscheidung, welche Ideen und Leitsätze als erstes umgesetzt werden sollen.

Die Forderungen von Travail.Suisse

Travail.Suisse war von Beginn weg eng in den Strategieprozess Berufsbildung 2030 involviert und hat seine Forderungen eingebracht. Im Fokus stehen insbesondere folgende Punkte:

a) In allen Diskussionen und Entscheidungen müssen immer alle Bereiche der Berufsbildung, also die berufliche Grundbildung, die Berufsmaturität, die Höhere Berufsbildung sowie die berufsorientierte Weiterbildung mitgedacht werden und nicht nur die berufliche Grundbildung.
b) In allen Diskussionen und Entscheidungen sollen nicht nur die Anliegen und Bedürfnisse der Jugendlichen, sondern immer auch die Anliegen und Bedürfnisse der Erwachsenen, auch der über 50-jährigen Personen, berücksichtigt werden.
c) Bei allen Diskussionen und Entscheidungen soll immer nach dem Informations- und Beratungsbedarf der verschiedenen Zielgruppen gefragt werden. Weiter muss der Zugang zu Leistungen der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung für alle möglichst vereinfacht werden.
d) In allen Diskussionen und Entscheidungen darf nicht nicht von einem einengenden Bild der Verbundpartnerschaft ausgehen. Wichtig ist es, immer wieder zu fragen, wer bei dem besprochenen Thema an den Diskussions- und Verhandlungstisch gehört, um sachgerechte und zukunftsfähige Lösungen zu finden.

Wird die Strategie „Berufsbildung 2030“ in griffige und konkrete Massnahmen umgesetzt, so kann sie den Weg ebnen, dass Jugendliche wie auch Erwachsene den Wechsel in die digitalisierte Arbeitswelt erfolgreich schaffen. Damit dies gelingt, sind Politik wie Wirtschaft gleichermassen gefordert.

>> Zur Strategie

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17 10 30 Die Berufsbildung von morgen d.docx 16 KB

30. Oktober 2017, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Die Arbeit an einem Kompromiss hat sich gelohnt!

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, dass der Nationalrat im Zusammenhang mit der Finanzierung der Bildung, Forschung und Innovation 2017-2020 dem Ständerat gefolgt ist. Damit werden dem BFI-Bereich für die nächsten Jahre 395 Millionen Franken mehr zugesprochen, als der Bundesrat in seiner Botschaft verlangt hat. mehr

Alle diese Erhöhungen sind gut begründet und notwendig. Besonders freut Travail.Suisse, dass durch die Erhöhung der Beiträge für die Berufsbildung die Kantone weniger unter Druck geraten, insbesondere was die Finanzierung der beruflichen Grundbildung und die Finanzierung von Projekten betrifft, welche den Berufsabschluss für Erwachsene und die Berufs- und Laufbahnberatung fördern.

Es ist zu hoffen, dass National- und Ständerat bei der Beratung des Stabilisierungsprogramms ihre jetzt gewählte Linie durchhalten und die Bildung nicht überdurchschnittlich belasten, sondern sich mit den Sparmassnahmen begnügen, die auch in diesem Vorschlag noch enthaltenen sind.

Für mehr Informationen:
Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Travail.Suisse, Tel. 031 370 21 11 oder 079 348 71 67

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2016 09 15 BFI-Botschaft Nationalrat d.docx 46 KB

15. September 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Herausforderung Berufsbildung (II)

Wohin soll sich die Berufsbildung entwickeln? Welches sind die relevanten Fragen, auf welche die Berufsbildung Antworten finden muss? Im letzten Mediendienst vom 6. Juni von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, wurden fünf Themenfelder skizziert, die im Rahmen der Vision Berufsbildung 2030 1 diskutiert werden müssen. Heute soll diese Liste mit weiteren fünf Fragestellungen ergänzt werden. mehr

Am diesjährigen Spitzentreffen der Berufsbildung kam man überein, eine gezielte Weiterentwicklung derselben ins Auge zu fassen. Travail.Suisse trägt diese Entscheidung gerne mit und leistet hiermit einen zweiten Beitrag dazu.

1. Das Verhältnis der Berufsbildung zu den Fremdsprachen ist noch nicht optimal gelöst. Für zu viele Jugendliche hört das Fremdsprachenlernen mit dem Eintritt in die Lehre auf. Dabei werden in der vorgelagerten Schulzeit die Grundlagen für den Fremdsprachengebrauch gelegt. Ziel müsste es sein, dass das Erarbeitete gepflegt und auf ein höheres Niveau gehoben wird. Die Frage stellt sich: Wie kann dieses Ziel erreicht werden zum Beispiel angesichts der dichten Stundenpläne oder des nicht in allen Branchen unmittelbar ausgewiesenen Bedarfs? Die Berufsbildung steht bei den Fremdsprachen vor einer wirklichen Knacknuss. Angesichts des internationalen Arbeitsmarktes und der Bedeutung der Fremdsprachen beim beruflichen Weiterkommen sollte die Lösungssuche allerdings nicht zu schnell aufgegeben werden. Die Berufsbildung braucht bessere Lösungen als die heute im Berufsbildungsgesetz (Art. 6 BBG) und in der Berufsbildungsverordnung (Art. 20.4 BBV) vorgezeichneten. Der Bericht des BBT „Stossrichtungen zur Förderung der Mobilitätsaktivitäten und des schulischen Fremdsprachenerwerbs in der Berufsbildung“ von 2012 ist daraufhin auszuwerten und zu vertiefen.

2. Die Höhere Berufsbildung gehört sowohl zur Berufsbildung wie auch zum Tertiärbereich, dem auch die Hochschulen angehören. Sie befindet sich damit in einer Art Zwischenbereich. Nach Meinung von Travail.Suisse muss das Verhältnis zwischen der Höheren Berufsbildung und den Hochschulen besser geklärt werden. Die Entwicklung einer Vision Berufsbildung 2030 ist deshalb auf ein konstruktives Gespräch mit den Hochschulen angewiesen. Das ist heute einfacher als auch schon, da sowohl die Hochschulen wie auch die Berufsbildung bundesseitig unter dem gleichen Dach angesiedelt sind, nämlich unter dem Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI. Wichtige Themen des Gesprächs sind: Aufbau eines gemeinsamen Qualifikationsrahmens, gegenseitige Zulassungsfragen, Möglichkeiten der Einbindung der Höheren Fachschulen in den Innovationsprozess der KTI, Verhältnis von Hochschulweiterbildung und Höherer Berufsbildung, Rolle der Höheren Berufsbildung im Thema Industrie 4.0.

3. Einer der zentralen Gründe für die Vision Berufsbildung 2030 ist die in der Arbeitswelt spürbare Digitalisierung. Damit verbunden sind zwei Fragen, die sich überlagern. Einerseits geht es um die Frage der Strategie einer Branche oder eines Unternehmens: Wie schnell, wie weit und wie aktiv muss die Digitalisierung vorwärtsgetrieben werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit erhalten und allenfalls sogar ausgebaut werden kann? Andererseits geht es um die Strategie des Berufes: Wie muss sich die branchenspezifische Berufslehre angesichts der Digitalisierungsstrategie einer Branche verändern, damit die Ausgebildeten über die von ihnen verlangten Kompetenzen verfügen können? Und – von der vorhergehenden Fragestellung weitergedacht: Was muss unternommen werden, um die heute schon ausgebildeten Berufsleute zu befähigen, die neuen beruflichen Erwartungen zu erfüllen. Im Hinblick auf das Berufsbildungsgesetz ist zu fragen, was sein Beitrag zur Bewältigung der Digitalisierung ist.

4. Internationale Fragen in der Berufsbildung haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Das zeigt sich zum Beispiel in dem vom Bundesrat 2010 verabschiedeten Bericht „Internationale Strategie der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation“ oder im 2014 veröffentlichte Bericht „Internationale Berufsbildungszusammenarbeit IBBZ – Konkretisierung der internationalen BFI-Strategie der Schweiz für den Bereich Berufsbildung“. Im Berufsbildungsgesetz BBG von 2002 ist vom Internationalen – mit Ausnahme im Art. 68 – noch kaum etwas zu spüren. Bei einer Revision des BBG ist dies zu ändern. Es braucht zumindest bei den Zielen (heute Art. 4.) wie auch im Hinblick auf die Projekte im öffentlichen Interesse (heute Art. 55) Bestimmungen, welche die internationalen Fragen widerspiegeln 2 .

5. Eine der wichtigsten und erfolgreichsten Neuerungen des Berufsbildungsgesetzes von 2002 ist die Projektförderung nach Art. 54 und 55 BBG. Die Projektförderung schafft wichtige Voraussetzungen für Innovationen in der Berufsbildung. Im Hinblick auf eine Revision des Berufsbildungsgesetzes ist die Projektförderung einer Evaluation zu unterziehen, vor allem mit Blick darauf, welche neuen Leistungen im öffentlichen Interesse in die Liste aufgenommen werden müssen. Denn es nützt nichts, Finanzen für die Projektförderung zu haben, wenn sich die Liste der Leistungen im öffentlichen Interesse nicht an den die aktuellen und zukunftsrelevanten Herausforderungen orientiert.

Das sind weitere fünf Vorschläge für zu diskutierende Themenfelder. Den vorhergehenden Artikel zum Thema finden Sie unter: http://bit.ly/1XniJ7O

Travail.Suisse wird sich im Rahmen der Weiterentwicklung der Berufsbildung vertieft mit diesen zehn Schwerpunktthemen auseinandersetzen und sich im Interesse der Arbeitnehmenden für ihre Aufnahme einsetzen.


1 http://www.sbfi.admin.ch/aktuell/medien/00483/00586/index.html?lang=de&msg-id=61390
2 Heute in Art. 64 Abs. 1bis Berufsbildungsverordnung „versteckt“.

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2016 06 20 Herausforderungen-der-Berufsbildung Teil-2 d.docx 19 KB

20. Juni 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

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