Themen – Arbeit – Managerlöhne

Durchzogenes Jahr für die Versicherungen – aber nicht für ihre Manager

Mit wenigen Ausnahmen öffneten sich 2011 die Lohnscheren bei den untersuchten Versicherungen einmal mehr. Spitzenreiter dieser Unverschämtheit ist der Verwaltungsratspräsident von Zurich mit einer Öffnung der Lohnschere um 37 Prozent. Aber er ist nicht alleine mit seinem hohen Lohnanstieg. mehr

Seit acht Jahren untersucht Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170’000 Arbeitnehmenden, im Rahmen der Managerlohnstudie die Lohnscheren von Zurich, Swiss Life, Helvetia und Baloise. Einmal mehr zeigen die Zahlen: Die oberste Etage legt zu, während der Tiefstlohn in keiner der Versicherungen angehoben wurde.

Swiss Life als negatives Musterbeispiel

Bei Swiss Life stiegen 2011 alle hohen Löhne deutlich an, während der Tiefstlohn konstant blieb. Verwaltungsratspräsident Dörig verdiente 2011 neu 1.666 Mio. Franken und damit 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Vergütung eines Verwaltungsratsmitglieds stieg gar um 16 Prozent an. Bei der Konzernleitung sieht es ähnlich aus: CEO Bruno Pfister erhielt 13 Prozent mehr als im Vorjahr und damit 76mal den Tiefstlohn. Die durchschnittliche Vergütung eines Konzernleitungsmitglieds stieg um 7 Prozent auf 2.2 Mio. Franken und eine Lohnschere von 1 zu 41 an.

Im Zehnjahresvergleich ist die Lohnschere zwischen der durchschnittlichen Vergütung pro Konzernleitungsmitglied und dem Tiefstlohn von 1 zu 23 auf 1 zu 41, also um untragbare 80 Prozent aufgegangen. Beim Durchschnittslohn eines Verwaltungsrats hat sich das Verhältnis in dieser Zeit von 1 zu 3.1 auf 1 zu 6.4 und damit um 110 Prozent verschlechtert.

Zurich: Umsatz und Gewinn sanken, CEO und Verwaltungsratpräsident verdienten mehr

Die Lohnschere bei der Zurich öffnete sich 2011 um 8 Prozent auf 1 zu 150. Oder anders formuliert: Das was Herr Senn 2011 zusätzlich verdiente, entspricht dem, was ein Arbeiter mit Tiefstlohn in seinem Unternehmen innerhalb von 12 Jahren verdient. Welch unverschämte Tatsache bei einem Gewinnrückgang um 8 Prozent und einem Drittel weniger Umsatz! Auch der Verwaltungsrat erhielt deutlich mehr: Hier öffnete sich die Lohnschere um 18 Prozent auf über 1 zu 7. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Symmetrie der Bonussysteme meist nicht funktioniert. Es werden Boni ausbezahlt unabhängig davon, ob die Leistungen gut oder schlecht waren. An der GV haben denn auch 13.4 Prozent der Aktionäre den Vergütungsbericht abgelehnt.

Zurich gibt die Vergütungen für den Verwaltungsrat neu in Schweizer Franken und nicht mehr in US Dollar an. Diese Umstellung wurde natürlich für eine deutliche Erhöhung der Ansätze genutzt. Zurich begründet dies damit, dass die Entlöhnung nicht mehr dem aktuellen Marktniveau entsprach. Es darf bezweifelt werden, ob die vorherige durchschnittliche Entlöhnung von über 25’000 Franken pro Monat für einen Verwaltungsrat zu knapp bemessen war. Nach der Erhöhung waren es jedenfalls durchschnittlich 30’000 Franken pro Monat. Vor allem der Verwaltungspräsident profitierte. Er erhielt 2011 eine Million Franken und damit unglaubliche 37 Prozent mehr. Der Verwaltungspräsident ist Mitglied des Entschädigungsausschusses, welcher die Empfehlungen für die Vergütung erarbeitet. Es ist natürlich schon ein fragwürdiges System, wenn Herr Gentz sein eigenes Gehalt auf diese Weise um 270’000 Franken erhöhen kann.

Die Löhne der Konzernleitungsmitglieder der Zurich sind leicht gesunken, was aber vor allem auf den tiefen Wechselkurs zurückzuführen ist. Die Löhne sind noch immer in Dollar angegeben und werden für die Analyse in Franken umgerechnet. Diese Umrechnung bereitet Probleme, da Zurich keinen Wechselkurs angibt. In solchen Fällen hat Travail.Suisse die Angaben mit dem Jahresdurchschnittswechselkurs der Schweizerischen Nationalbank umgerechnet. Mit dem letztjährigen Wechselkurs wären die Gehälter gestiegen.

Helvetia: Kontinuierlich nach oben

Bei Helvetia stieg die Vergütung seit dem CEO-Wechsel im Jahr 2007 kontinuierlich an. 2008 lag die CEO-Lohnschere bei 1 zu 17, 2009 bei 1 zu 21, 2010 bei 1 zu 23 und 2011 bei 1 zu 25. Weshalb sollte der CEO jedes Jahr zwei Jahressaläre eines Mitarbeiters zum Tiefstlohn mehr erhalten? Die Konzernleitung erhielt durchschnittlich knapp 2 Prozent mehr und kommt damit auf ein Verhältnis von 1 zu 19.

Auch bei Helvetia war beim Verwaltungsratspräsidenten der grösste Shift nach oben zu verzeichnen. Erich Walser erhielt 2011 knapp 30 Prozent mehr und die Lohnschere stieg auf 1 zu 14.

Schlechtes Ergebnis bei Baloise – weniger Bonuszahlungen

Einzig bei der Baloise zeigt sich ein anderes Bild. Das schlechte Jahresergebnis, unter anderem wegen Abschreibungen auf griechischen Staatsanleihen, spiegelt sich in den Vergütungen für die Konzernleitung wider. Die Lohnschere schloss sich um 8 Prozent auf 1 zu 32. Auch CEO Strobel verdiente 11 Prozent weniger. Der Rückgang ist auf die tiefere Anzahl Aktien und einen tieferen Aktienwert zurückzuführen. Bei 15 Prozent weniger Umsatz und 86 Prozent weniger Gewinn ist aber definitiv auch nichts anderes zu erwarten.

Die Erhöhung der Löhne im Verwaltungsrat ist auf den personellen Wechsel im Präsidentenamt zurückzuführen. Da der neue Präsident nicht mehr exekutiv ist, wird er in die durchschnittliche Entlöhnung eingerechnet, was den Durchschnitt in die Höhe treibt.

Baloise wird dadurch aber nicht zum Musterschüler. Die langfristige Perspektive zeigt eine Öffnung der Lohnschere von 126 Prozent: 2002 lag die Lohnschere zwischen den durchschnittlichen Vergütung eines Konzernleitungsmitglied und dem Tiefstlohn bei 1 zu 14. 2011 lag sie bei 1 zu 32.

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Tabellen Managerlöhne Versicherungen.doc 96 KB

18. Juni 2012, Stéphanie Bäumler, Projektmitarbeiterin "Managerlöhne" Drucker-icon

Frauen in Konzernleitungen und Verwaltungsräten bleiben rar

Die Resultate der Analyse von 27 Schweizer Unternehmen bezüglich des Frauenanteils in den Verwaltungsräten und Konzernleitungen schockieren: Der Anteil der Frauen ist im Jahr 2011 gesunken. mehr

Seit neun Jahren erhebt Travail.Suisse den Frauenanteil in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von 27 ausgewählten Schweizer Firmen1. Dieses Jahr zeigt sich ein düsteres Bild: Sowohl in den Geschäftsleitungen wie auch in den Verwaltungsräten ist der Frauenanteil gegenüber 2010 gesunken.

Nur jedes 20. Konzernleitungsmitglied ist eine Frau

Der Anteil von Frauen in den Konzernleitungen der untersuchten Unternehmen sank im letzten Jahr von 5.24 Prozent auf 5.20 Prozent. Nur gut ein Drittel der untersuchten Unternehmen haben eine Frau in der Konzernleitung. Der Uhrenkonzern Swatch ist das einzige Unternehmen, bei dem mehr als eine Frau in der Konzernleitung aktiv ist. In den Verwaltungsräten sieht die Lage ähnlich aus, wenn auch auf etwas höherem Niveau. Der Frauenanteil ist leicht um 0.3 Prozentpunkte auf 13.4 Prozent gesunken.

Noch 140 Jahre bis zu einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis

In vier Unternehmen aus der Maschinenindustrie (Ascom, Bobst, Oerlikon und Schindler) sowie bei Valora, Clariant und Implenia sind gar keine Frauen in den beiden höchsten Gremien vertreten. Das macht einen beachtlichen Anteil von 26 Prozent der untersuchten Unternehmen aus.

Seit 2002 hat sich der Frauenanteil in der Konzernleitung zwar von 2.36 auf 5.20 Prozent verdoppelt. Das Wachstum entspricht aber mageren 0.3 Prozent pro Jahr. Im Verwaltungsrat gibt es eine Zunahme von 4.8 Prozent in neun Jahren, was einer jährlichen Wachstumsrate von 0.5 Prozent entspricht. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, dauert es noch 68 Jahre bis zu einer ausgeglichenen Vertretung der Geschlechter in den Verwaltungsräten. In den Konzernleitungen würde es noch ganze 141 Jahre dauern, also bis ins Jahr 2153.

Untragbar für Gesellschaft und Wirtschaft

Eine derart schleichende Entwicklung kann sich die Schweizer Wirtschaft aber nicht leisten. Seit einigen Jahren erlangen mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss. Die Unternehmen können es sich nicht erlauben, die Hälfte des Potenzials nicht besser auszuschöpfen – also die Frauen nicht im Arbeitsmarkt zu halten und zu fördern. Ausserdem zeigen diverse Studien einen positiven Effekt von Frauen in Führungsgremien auf die Firmenperformance auf. So kommt beispielsweise eine Studie von McKinsey2 zum Schluss, dass Firmen mit grösserer Geschlechterdiversität einen höheren Gewinn ausweisen.

Viele Firmen setzen heute auf Diversität, was bedeutet, dass alle Anwärter unabhängig ihrer Herkunft, ihres Geschlechts und Alters gleiche Chancen haben sollen. Da aber oft keine explizite Unterstützung für Minderheiten vorgesehen ist, reicht dies nicht, um Frauen angemessen zu fördern. Es braucht konkrete Massnahmen, die den vorhandenen, gut ausgebildeten und motivierten Frauen ermöglichen, in die gleichen Positionen wie ihre männlichen Mitbewerber zu gelangen. Die nötigen Massnahmen beginnen beim Image der Firma, bei der Rekrutierung des Personals und der gezielten Weiterbildung. Wichtig sind weiter vor allem Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie zum Beispiel die Möglichkeit, auf allen Stufen Teilzeit oder im Jobsharing zu arbeiten.

Immer mehr Quoten für die Verwaltungsräte in Europa

In den EU-Ländern ist die Frauenvertretung in Verwaltungsräten und Konzernleitungen sehr unterschiedlich. Der Durchschnitt in den Verwaltungsräten liegt bei einem Anteil von 13.7 Prozent, die einzelnen Länder variieren aber zwischen 3 (Malta) und 27 Prozent (Finnland). Vor einem Jahr versuchte die EU-Kommissarin Vivian Reding Firmen zu motivieren, auf freiwilliger Basis mehr Frauen in die Führungsetagen zu holen. Auf ihren Aufruf zur Selbstverpflichtung für eine Quote von 40 Prozent bis 2020 haben sich nur gerade 24 Unternehmen gemeldet. Nun kündigt die Justizkommissarin weitere Massnahmen an. Bis Ende Mai läuft eine öffentliche Konsultation zum Thema, anschliessend sollen weitere Schritte beschlossen werden.

Verschiedene europäische Länder haben inzwischen eigene Gesetze erlassen. Vorreiter Norwegen hat seit Dezember 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent für Verwaltungsräte von börsenkotierten Unternehmen. Neu hat Frankreich eine Frauenquote von ebenfalls 40 Prozent mit einer Frist bis 2016 eingeführt. Seither steigt der Anteil stark an. Auch Spanien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Österreich haben konkrete Mittel zur Frauenförderung auf gesetzlicher Ebene einge-führt.

Quoten in der Schweiz?

In der Schweiz fanden Vorschläge, die Geschlechterungleichheit mit Hilfe von Vorschriften zu verringern, bisher wenig Zuspruch. Letzten Frühling wurde eine Motion von alt Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber, welche eine Quote von 40 Prozent forderte, deutlich abgelehnt. Für die Bundesverwaltung hat der Bundesrat im Juni 2011 Sollwerte in Form von Zielbändern definiert. Sie liegen beim oberen Kader zwischen 16 und 20 Prozent und müssen bis 2015 erreicht sein. In bundesnahen Betrieben gibt es keine gesetzlichen Vorschriften bis auf einen Leitsatz, welcher „eine angemessene Vertretung der Geschlechter und Sprachregionen“ fordert. Dass diese Regelung nicht reicht, zeigen die Zahlen unserer Studie: Swisscom, Post und Ruag haben Frauenanteile in der Konzernleitung zwischen null und einem Zehntel, im Verwaltungsrat zwischen null und 22 Prozent.

Firmen ergreifen die Initiative und kommen doch nicht voran

Roche ist ein Unternehmen, das bezüglich Geschlechtervertretung im obersten Kader immerhin eigene Ziele definiert. Die Unternehmensführung hat sich ein „Gendergoal“ von 20 Prozent im obersten Kader bis 2014 gesetzt. Davon ist Roche momentan noch deutlich entfernt.

Es gibt diverse Firmen, welche Anstrengungen zur Förderung der Frauen im Kader unternehmen (oder dies zu mindest so kommunizieren) und doch zeigen sich sehr wenige Fortschritte. Da stellt sich die Frage, wie ernst und ganzheitlich diese Art von Frauenförderung betrieben wird und ob es nicht doch gesetzliche Regelungen bräuchte.

1ABB, Ascom, Bâloise, Bobst, Clariant, Coop, Credit Suisse, Georg Fischer, Helvetia, Implenia, Kuoni, Lindt & Sprüngli, Lonza, Migros, Néstle, Novartis, Oerlikon, Post, Roche, Ruag, Schindler, Swatch, Swisscom, SwissLife, US, Valora und Zürich

2McKinsey & Company (2007) „Woman Matter – Gender diversity, a corporate performance driver“

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Grafiken Frauenanteil GL und VR.doc 34 KB

04. Juni 2012, Stéphanie Bäumler, Projektmitarbeiterin "Managerlöhne" Drucker-icon

Langsam, aber stetig mehr für die Chefs von Post, Swisscom und Ruag

Die Lohnscheren bei Post, Swisscom und Ruag sind in diesem Jahr nicht oder nur sehr wenig aufgegangen. Überblickt man aber eine etwas längere Zeitspanne, zeigt sich folgendes Bild: Während der Tiefstlohn in der untersuchten Periode durchschnittlich um 10 Prozent gestiegen ist, ist die durchschnittliche Vergütung der Konzernleitungsmitglieder um 39 Prozent und die der Verwaltungsratsmitglieder um 34 Prozent angestiegen. mehr

Eine neue Volksinitiative fordert eine Beschränkung der Löhne der Manager im Service public. Travail.Suisse untersucht seit 2002 die Lohnentwicklungen in den ehemaligen Staatsbetrieben Swisscom, Post und Ruag und stellt folgende Entwicklungen fest.

Swisscom: Gewinneinbruch führt zu tieferen Löhnen

Die Swisscom erwirtschaftete über 60 Prozent weniger Gewinn als noch im letzten Jahr. Deshalb sank der Lohn von CEO Carsten Schloter von 1.9 Mio. auf 1.57 Mio. Franken und die Lohnschere zum tiefsten Lohn im Unternehmen schloss sich auf 1 zu 35. Die Lohnschere zwischen der durchschnittlichen Vergütung eines Konzernleitungsmitglieds und dem Tiefstlohn ging ebenfalls zurück auf 1 zu 22. Ein Konzernleitungsmitglied der Swisscom verdient mit einer guten Million Franken aber immer noch mehr als doppelt so viel wie ein Bundesrat. Die Verwaltungsräte bei der Swisscom verdienten 14 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Insgesamt verdienen die beiden Gremien 12,8 Millionen Franken.

Seit 2002 ist die Lohnschere zwischen dem tiefsten Lohn und dem Durchschnittslohn eines Konzernleitungsmitglieds um 21 Prozent aufgegangen. Die Schere zwischen dem Lohnaufwand pro Verwaltungsrat und dem niedrigsten Lohn im Unternehmen hat sich um 24 Prozent geöffnet. Die Schere zwischen CEO und Tiefstlohn ist in diesem Jahr etwa wieder auf dem gleichem Niveau wie vor 9 Jahren.

Post: Starke Öffnung der Lohnschere seit 2002

Bei der Post verdienten dieses Jahr vor allem die Verwaltungsräte mehr. Die durchschnittliche Vergütung pro Verwaltungsrat ohne den Verwaltungsratspräsidenten stieg um 18 Prozent an. Hier gilt es zu bemerken, dass die Löhne der Verwaltungsratsmitglieder in den letzten Jahren stark schwankten und keinen eindeutigen Trend aufwiesen. Der Lohnaufwand des CEO ist in diesem Jahr um ein Prozent angestiegen, und die Lohnschere liegt bei 1 zu 21. Seit 2002 ist sein Lohn um 84 Prozent angestiegen, während der Tiefstlohn in dieser Zeit um nur 7 Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung klagt Travail.Suisse an. Es ist unverständlich, weshalb der relative Lohnanstieg je nach Lohnniveau so unterschiedlich sein soll.

Ruag: Gut bezahlte CEO-Stelle zu vergeben

Der ehemalige Ruag-CEO Lukas Braunschweiler hat per 31.Oktober 2011 zum Hörgerätehersteller Sonova gewechselt. Deshalb ist der höchste Lohn um 35 Prozent zurückgegangen. Auch die Lohnsumme für die Konzernleitung ging zurück, und das Verhältnis zwischen dem Tiefstlohn und dem Lohn eines Konzernleitungsmitglieds sank auf 1 zu 10.5. Die Entschädigung der Verwaltungs-ratsmitglieder entspricht der letztjährigen Entlöhnung. Das Verhältnis zum Tiefstlohn liegt bei 1 zu 2.

Bisher wurde noch kein Nachfolger für Braunschweiler gefunden. Der Verwaltungsratspräsident und CEO ad interim Konrad Peter nennt den zu tiefen Lohn als Hauptgrund für die bisher erfolglose Suche. Die Löhne der Ruag unterstehen den Kaderlohnverordnungen des Bundes. Die Obergrenze liegt, laut Peter, bei einer Million Franken.

Eine Erhöhung der Löhne wäre auch aus anderen Gründen nicht angebracht. Die Firma führte ab dem 1. Januar 2012 für 200 Mitarbeiter Kurzarbeit ein und entliess 15 Angestellte.

2002 – 2011: Lohnschere öffnet sich stark

Zusammenfassend ist der Lohn in den Führungsetagen der ehemaligen Bundesbetriebe in den letzten neun Jahren deutlich stärker angestiegen als der Tiefstlohn. Nicht zu vergessen, dass hier immer vom relativen Lohnanstieg gesprochen wird. In absoluten Zahlen ist die Ungleichheit des Anstiegs noch eindrücklicher. So verdient etwa ein Mitarbeiter der Post mit dem Tiefstlohn ganze 217 Franken mehr pro Monat als noch 2002. Der CEO der Post hingegen verdient, verglichen mit vor neun Jahren, 32’440 Franken mehr pro Monat.

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PD Managerlöhne ehemalige Staatsbetriebe.doc 168 KB

Tabellen Managerlöhne Post Swisscom und Ruag.doc 57 KB

23. April 2012, Stéphanie Bäumler, Projektmitarbeiterin "Managerlöhne" Drucker-icon

Managerlöhne in der Chemie- und Pharmabranche: Es geht auf hohem Niveau weiter

Die Löhne in der Pharmabranche sind viel zu hoch oder steigen gar weiter an. Bei Novartis werden Stellen abgebaut, während die oberste Etage mehr verdient. In der Lonza werden die Konzernleitungslöhne erhöht und gleichzeitig müssen die Mitarbeitenden für den gleichen Lohn mehr Stunden leisten. mehr

Die vier untersuchten Chemie- und Pharmaunternehmen zeigen kein einheitliches Bild.

Novartis: 20 Millionen Franken mehr für die oberste Etage

Novartis lässt uns staunen. Während der Konzern in Basel Stellen abbaut und ein weiterer Stellenabbau nur durch Steuererleichterungen des Kantons Waadt verhindert werden konnte, steigen die oberen Löhne weiter an. Der CEO Joseph Jimenez verdient für das Jahr 2011 rund 15.7 Millionen Franken. Dies sind 22 Prozent mehr als im vorangehenden Jahr. Daniel Vasella, seit Februar 2010 nur noch als Verwaltungsratspräsident tätig, verdient noch immer 13 Millionen Franken. Im Geschäftsbericht wird ausgewiesen, dass Vasella an 15 Sitzungen pro Jahr teilnimmt. Daraus gibt sich eine Entschädigung von 900’000 Franken pro Sitzung.

Zudem können sich die Aktionäre bei Novartis dieses Jahr nicht zur Vergütung äussern. Während Roche, CS und UBS inzwischen jährliche Konsultativabstimmungen über die Vergütung kennen, sieht Novartis eine solche nur alle drei Jahre vor. Letztes Jahr wurde erstmals eine Abstimmung durchgeführt und prompt hatten 38 Prozent der Aktionäre gegen die Vergütung gestimmt. Dass Novartis dieses Votum nicht ernst nimmt, zeigt sich in der Vergütung für das Geschäftsjahr 2011. Das Unternehmen lässt sich weder von politischem Druck noch von der Meinung der Aktionäre beeindrucken und erhöht die Lohnsumme für die rund 20 Mitglieder von Verwaltungsrat und Konzernleitung um insgesamt 20 Millionen Franken.

Lonza und der Median-Lohn

Lonza verzeichnet 2011 einen Gewinnrückgang von 46 Prozent auf 175 Millionen Franken. Aufgrund dieser schlechten Performance musste der CEO Stefan Borgas das Unternehmen im Januar 2012 verlassen. Trotzdem enthält sein Lohn noch 45 Prozent Bonusanteil, was 1 Million Franken entspricht. Der Bonus wäre eine Leistungsprämie, welche gute Arbeit belohnen sollte. Die Auszahlung eines Bonus in dieser Höhe für einen CEO, der aufgrund schlechter Leistung entlassen wird, ist ein weiteres Beispiel für die Absurdität dieses Vergütungssystems.

Wird der Lohn von Borgas herausgerechnet, zeigt sich, dass der durchschnittliche Lohn für ein Konzernleitungsmitglied um 5 Prozent auf 1.5 Millionen Franken ansteigt. Laut dem Lonza-Geschäftsbericht wurden die Löhne der Geschäftsleitung nach oben angepasst, da diese momentan unter dem relevanten Markt-Median lägen. Eine solche Argumentation ist untragbar, weil damit die Lohnspirale weiter nach oben gedreht wird. Die Unternehmen suchen nach neuen Begründungen, um die Löhne weiter anzuheben, weil ihnen klar wird, dass die durch Leistung begründeten Boni nicht mehr für alles hinhalten.

Während sich also die Chefetage um die branchenüblichen Managerlöhne kümmert, haben die Angestellten der Lonza in Visp andere Sorgen. Lonza hat dort die Wochenarbeitszeit für den gleichen Lohn von 41 auf 42.5 Stunden erhöht. Diese Erhöhung ist immer noch in Kraft und dauert voraussichtlich bis Ende 2012 an.

Clariant aus der Krise, Geschäftsbericht bleibt intransparent

Clariant liefert hingegen gute Zahlen. Gewinn und Umsatz sind angestiegen. Es scheint, dass die Krise der letzten Jahre überwunden ist. Die Lohnschere zwischen dem tiefstem Lohn und dem Lohnaufwand für ein Konzernleitungsmitglied verharrt bei 1 zu 58. Auch die durchschnittliche Vergütung pro Verwaltungsrat bleibt unverändert.

Doch eigentlich sind diese Zahlen bei Clariant nicht sehr aussagekräftig. Denn die Darstellung im Geschäftsbericht ist unübersichtlich und zum Teil fehlen Angaben, welche für das umfassende Verständnis der Entlöhnung notwendig wären. Zum Beispiel hat sich die Anzahl Aktien für die Konzernleitung um 75 Prozent erhöht, der „Gesamtmarktwert bei Vergabe“ ist laut Clariant jedoch um 4 Prozent gesunken. Das ist durchaus möglich, es werden aber keine Angaben zum verwendeten Kurs gemacht. Dieser hat im letzten Jahr teilweise stark geschwankt. Gerade in einer solchen Situation wäre Transparenz über den verwendeten Kurs dringend angebracht. Klar ist schon heute, dass der Gegenwert der Vergütung 2011 mit der bereits eingesetzten Erholung der Clariant-Aktie stark ansteigen wird.

Roche: Löhne bleiben viel zu hoch

Grundsätzlich begrüsst Travail.Suisse die Lohnentwicklung bei Roche. Denn mit Ausnahme des Lohns von CEO Severin Schwan sinken oder stagnieren die untersuchten Löhne. Die Lohnschere zwischen dem tiefsten Lohn und dem Lohnaufwand pro Konzernleitungsmitglied schließt sich um 17 Prozent auf 1 zu 97. Dieser Rückgang ist aber vor allem auf einen tieferen Marktwert eines Vergütungsbestandteils zurückzuführen. Noch immer verdient Verwaltungsratspräsident Franz Humer 151-mal mehr als ein Mitarbeitender mit dem tiefsten Lohn im Unternehmen. Severin Schwan seinerseits verdient ganze 219-mal mehr als der Mitarbeitende mit dem Tiefstlohn (5 Prozent mehr als letztes Jahr). An dem grundsätzlichen Missverhältnis hat sich also nichts geändert.

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02. April 2012, Stéphanie Bäumler, Projektmitarbeiterin "Managerlöhne" Drucker-icon

UBS: Sinkende Boni kompensiert durch steigende Fixlöhne

Zwar sinkt die Lohnsumme für die Teppichetage, bei näherem Hinschauen erkennt man aber einige sehr fragwürdige Entwicklungen: Die Entlöhnung des CEO steigt mit Ermotti wieder stark an. Um die Lohnausfälle aufgrund gekürzter Boni zu kompensieren, erhöhte die UBS den Fixlohn. Und der bestverdienende UBS-Mann ist der Verantwortliche für die zweifelhaften Amerika-Geschäfte der UBS. mehr

Das Konzernergebnis sinkt 2011 um 45% auf 4’159 Mio. Franken. Da diese Performance es nicht anders zu lässt, zahlt die UBS deutlich weniger Boni aus. Prompt steigen dieses Jahr dafür die Fixlöhne der Konzernleitungsmitglieder um fast 30% an. Diese Salärgarantie reduziert einmal mehr das Risiko für die Manager und zeigt die Absurdität dieser Vergütungssysteme auf.

Ermotti verdient bereits jetzt 2.8-mal so viel wie Grübel

Der neue CEO Sergio P. Ermotti verdient 2011 mit 6.4 Mio. Franken bereits fast dreimal so viel wie sein Vorgänger Oswald Grübel. Ermotti war im Jahr 2011 nur drei Monate lang CEO und ist erst seit April in der Konzernleitung. Dies lässt für die nächsten Jahre nichts Gutes erahnen und lässt uns an die Ära Ospel zurückdenken.

Höchster Lohn für Amerika-Verantwortlichen

Das bestbezahlte Konzernleitungsmitglied ist dieses Jahr Robert J. McCann, CEO Wealth Management Americas und CEO UBS Group Americas. Während der Bundesrat noch immer die Folgen der dubiosen Geschäftspraktiken der UBS verteidigen muss, erhält der Verantwortliche dafür satte 9.2 Mio. Franken.

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Entschädigungen UBS.doc 73 KB

15. März 2012, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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