Themen – Arbeit – Managerlöhne

Vom Markt und anderen Dingen die wir nicht verstehen

Die diesjährige Untersuchung von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, zur Lohnschere 1 2013 in 27 der grössten Schweizer Firmen zeigt, dass es den meisten dieser Konzerne gut geht. Vermeintliche Marktgesetze führen hier jedoch zu Salärentwicklungen, die weniger erfreulich sind. Dass beispielsweise bei der ABB für eine „solide Performance“ 2 die durchschnittliche Vergütung der Konzernleitung um 16 Prozent steigt, ist nicht nachvollziehbar. Und dass die durchschnittliche Vergütung bei Lonza bei einem Umsatz- (minus 4 Prozent) und Gewinnrückgang (minus 50 Prozent) um 84 Prozent steigt, das widerspricht sogar jeglicher Logik. mehr

Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz ist trotz diverser Schwierigkeiten weiter erfreulich. Jedoch können nicht alle Schweizer Topfirmen auf ein gutes Jahr zurück blicken. Das in einem funktionierenden Markt eine schlechte Geschäftsentwicklung nicht zwingend negativ auf die Saläre der Führungsetage wirkt, soll an den Beispielen Lonza und Credit Suisse aufgezeigt werden. Dass Führungskräfte nicht nur für ihre vermeintlichen Leistungen entlohnt werden, zeigte letztes Jahr Daniel Vasella vom Pharmakonzern Novartis.

Lonza in der Krise

Im letzten Jahr verloren bei Lonza 854 Personen ihre Arbeit (minus 8 Prozent). Der Umsatz von Lonza ging um rund 4 Prozent zurück. Das Ergebnis vor Ertragssteuern sowie der Reingewinn gingen jeweils um 50 Prozent zurück. Verzeichnete Lonza im Jahr 2010 noch 284 Millionen Gewinn, steht der Konzern heute bei 87 Millionen. In der gleichen Zeitspanne ist die durchschnittliche Vergütung der Konzernleitung von 1.4 Millionen auf 2.5 Millionen gestiegen. Während CEO Richard Ridinger mit 2.2 Millionen in etwa gleich viel wie sein Vorgänger Stefan Borgas im Jahr 2011 erhielt, ist die durchschnittliche Vergütung der restlichen Geschäftsleitung im Vergleich zum Jahr 2012 um 84 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ist darauf zurück zu führen, dass im vergangenen Jahr gleich drei Mitglieder die Geschäftsleitung verlassen haben und mit üppigen Millionenentschädigungen verabschiedet wurden. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, dass die abgetretenen Uwe Böhlke, Lukas Utiger, Jeanne Thoma und ein viertes Mitglied, das bereits im Vorjahr ausgeschieden ist, zusammen 5.179 Millionen Franken erhalten haben. Der Betrag setzt sich aus Basissalär und Bonus für einen Zeitraum von maximal 18 Monaten zusammen. Gleichzeitig hat der Konzern Arbeitnehmende entlassen und die durchschnittlichen Löhne sind im vergangen Jahr um rund zwei Prozent gesunken. Im gleichen Jahr erhalten Führungskräfte einen Bonus, obwohl sie nur einen Monat im Konzern tätig waren. Das ist nicht nur absurd, es ist auch ein Hohn für alle Arbeitnehmenden, die ihre Stelle verloren haben.

Grosszügige Abgangsentschädigungen scheinen allerdings Tradition zu haben bei Lonza. So erhielt der 2012 entlassene CEO Stefan Borgas mit 5.7 Millionen. Selbst bei einer Kündigungsfrist von 18 Monat und einem Basissalär von etwa 675‘000 Franken, bleiben damit rund 4.7 Millionen Franken ohne jegliche Gegenleistung.

Vasellas Erbe

Nicht nur Lonza muss sich mit Altlasten beschäftigen. Der neue Novartis Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt, der zuvor auch im Verwaltungsrat von Lonza tätig war, treibt zusammen mit CEO Joseph Jimenez den Umbau des Pharmakonzern voran und trennt sich dabei von der Diversifikationsstrategie des Übervaters Daniel Vasella. Nicht nur bei der Konzernausrichtung schlägt der Verwaltungsratspräsident einen neuen Weg ein. Rund 1.9 Millionen Franken hat Reinhardt für sein Engagement seit dem 1. August 2013 erhalten. Somit kommt er auf ein Jahreseinkommen von 5.4 Millionen Franken, was immer noch einer Lohnschere von 1:90 entspricht. Das ist weniger als die Hälfte der Vergütung die Vasella im Vorjahr erhalten hat (13.1 Millionen) oder der jährlichen Entschädigung von 12 Millionen, die Vasella über 6 Jahre für ein Konkurrenzverbot erhalten hätte. Das Salär von Reinhardt ist auch wesentlich tiefer, als der Betrag, den Vasella im Jahr 2013 von Novartis erhalten hat. So hat Daniel Vasella zusätzlich zu den rund 3 Millionen Franken, die er für die Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident bis Mitte Februar erhalten hat, weitere 5.1 Millionen Franken erhalten. Dieser Betrag wurde für „gewisse Übergangsdienstleistungen“ bis Ende Oktober ausbezahlt 3 . Darunter fällt auch die Unterstützung des neuen Verwaltungsratspräsidenten Jörg Reinhardt. Somit hat Daniel Vasella auch im Jahr 2013 rund 8.1 Millionen Franken (1:133) erhalten und das ohne, dass die Generalversammlung darüber abstimmen konnte.

„Wir glauben, dass die Vergütung des Präsidenten von Novartis den am Markt üblichen Grössenordnungen entspricht.“ Dies stand in der Einladung zur diesjährigen Generalversammlung bezüglich des Salärs von Jörg Reinhardt. Das gleiche Mantra, das die Vergütung von Daniel Vasella in der Vergangenheit oder das aktuelle Gehalt von Joseph Jimenez (1:217) rechtfertigt. Das Beispiel von Daniel Vasella und Jörg Reinhardt legt die Vermutung nahe, dass die Machtposition innerhalb eines Konzernes einen wesentlich höheren Einfluss auf das Salär hat, als der Markt.

Credit Suisse auf Abwegen

Für all jene, die Mühe bekunden, die Lohnentwicklung in Schweizer Konzernen zu verstehen, soll die folgende, vereinfachte Erklärung Klarheit schaffen: «Eine Bank, die in der Champions League spielt, muss marktgerechte Saläre zahlen, um die besten Mitarbeiter für sich zu gewinnen» – so die Rechtfertigung von Credit Suisse Verwaltungsratspräsident Urs Rohner an der diesjährigen Generalversammlung der Grossbank. Ob die Credit Suisse überhaupt noch in der Champions League spielt ist hierbei allerdings umstritten. Viele Banken aus der von der Credit Suisse definierten Bezugsgruppe 4 , wie etwa die britische Barclays oder die UBS, haben sich seit der Finanzkrise wesentlich besser entwickelt und sind wohl bald nur noch bezüglich Managersalären vergleichbar.

Wie die UBS im Jahr 2009 hat auch die Credit Suisse in der USA eine Busse für Beihilfe zu Steuerbetrug erhalten. 2.6 Milliarden Franken muss die Schweizer Grossbank bezahlen. Dies sind rund 300 Millionen mehr als der Gewinn von 2013 (2.326 Milliarden). Die Credit Suisse hätte die Busse auch aus den 3.6 Milliarden Franken bezahlen können, die sie im Jahr 2013 an ihre Mitarbeiter als Boni ausgeschüttet hat. Die die Talfahrt der Credit Suisse hat keine Konsequenzen für die Führungskräfte um CEO Brady Dougan. Dieser hat im vergangenen Jahr mit 9.43 Millionen Franken (1:175) 25 Prozent mehr erhalten als im Vorjahr. Auch der Rest der Konzernleitung bezieht fürstliche Gehälter mit durchschnittlich 6.75 Millionen Franken (plus sieben 7 Prozent). Im Anbetracht der diversen Probleme und dem Milliardenbussgeld der Credit Suisse, sind die steigenden Saläre einmal mehr etwas, das schwer nachvollziehbar ist.


1 Der Unterschied zum tiefen Lohn innerhalb der Firma.
2 ABB, Geschäftsbericht 2013, S. 4
3 Novartis, Geschäftsbericht 2013, S. 129
4 Credit Suisse, Geschäftsbericht 2013, S. 202

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2014 06 11 Managerloehne-und-der-vermeintliche-Zusammenhang-von-Lohn-und-Leistung d.docx 22 KB

11. Juni 2014, Markus Koch, Projektmitarbeiter „Managerlöhne“ Drucker-icon

Keine Gehaltsbegrenzung in der Teppichetage

Die diesjährige Untersuchung von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, zur Lohnschere 2013 in 27 der grössten Schweizer Firmen zeigt, dass die Gehälter der Manager in der Versicherungs- und Bankenbranche weiter steigen. Nach der vermeintlichen Stabilisierung 2012 ist die Lohnschere 1 in diversen Grossfirmen wieder aufgegangen. So öffnete sich die Schere bei Bruno Pfister, CEO von Swiss Life, um 26% auf 1:76, während im Bankensektor sogar wieder Lohnscheren von über 1 zu 200 erreicht werden. mehr

Trotz des schwierigen Umfeldes können die untersuchten Banken und Versicherungen 2 auf ein gutes Jahr 2013 verweisen. Die erfreulichen Ergebnisse spiegeln sich auch in der Vergütung der Manager und Verwaltungsräte wieder, die sich teilweise über unverschämte Erhöhungen ihrer Saläre freuen dürfen. Weniger erfreulich war das Jahr für die Arbeitnehmenden, deren Arbeitsplätze auf Grund von Restrukturierungen und geplanten Verlagerungen ins Ausland in Gefahr sind und deren Löhne stagnieren.

Swiss Life: schwankendes Gehalt des CEO

Auf ein gutes Geschäftsjahr kann die Swiss Life zurück blicken. Mit 784 Millionen Franken Reingewinn hatten sie das beste Ergebnis seit der Finanzkrise. Von dem profitierte CEO Bruno Pfister, dessen Lohn um rund 26% auf 4.24 Millionen Franken stieg. Mit diesem Anstieg hat er die Verdiensteinbusse des Vorjahres mehr als kompensiert: Im Vorjahr erhielt der Manager 19% weniger Salär, was auf Abschreibung von 578 Millionen Franken bei der AWD zurückzuführen ist. Bruno Pfisters Wirken im Konzern wird somit in etwa gleich vergütet wie bei Antritt der Stelle im Jahr 2008. Es bleibt hierbei abzuwarten, ob sich das Salär in dieser Höhe einpendelt (1:75) oder der Nachfolger, des zurücktretenden Bruno Pfisters, die 1:100 Marke in den nächsten Jahren knackt. 1:39 beträgt das Verhältnis zum Durchschnitt der Konzernleitung 3 , die mit einer Salärerhöhung von 16.5% neu 2.175 Millionen erhielt.

Über eine Erhöhung der Vergütung um rund 5% kann sich Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig freuen. Er war bis 2008 der CEO von Swiss Life und ist ausserdem aktuell Verwaltungsratspräsident der Adecco, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Kaba Holding AG, Verwaltungsrat der Danzer AG und der Walter Frey Holding AG. Seine Tätigkeit in der Swiss Life AG wurde mit 1.8 Millionen vergütet, was dem 32-fachen des tiefsten Jahreslohnes innerhalb der Firma entspricht. Die übrigen Verwaltungsräte verdienten durchschnittlich 192‘000 Franken.

Zurich: Bescheidenes Wachstum führt zu massiven Lohnerhöhungen

Nicht nachvollziehbar ist die Salärentwicklung der Zurich Insurance Group. Umsatz und Reingewinn stiegen nur marginal (1.12%, beziehungsweise 0.34%) während der durchschnittliche Lohnaufwand pro Konzernleitungsmitglied um 11.37% stieg. Dies entspricht einer Vergütung von rund 4 Millionen Franken im Jahr. Die „wahre Liebe“ der Zurich scheint einseitig auf die Führungscrew verteilt zu sein, betrachtet man die jüngsten Entwicklungen. So hat der Versicherer Mitte März angekündigt, 800 Stellen bis Ende Jahr abzubauen, um im Zuge von Restrukturierung 250 Millionen Franken einzusparen. Nicht überraschend ist hierbei, dass CEO Martin Senn den Gürtel nicht enger schnallen muss und weiterhin 7.6 Millionen Franken erhält (1:137). Das vermeintliche unternehmerische Risiko tragen in diesem Fall die Arbeitnehmenden, die sich einen neuen Job suchen müssen.

Im Verwaltungsrat der Zurich kam es anfangs August zu personellen Veränderungen. Josef Ackermann, berühmt durch das Renditeziel von 25 Prozent auf das Eigenkapital bei der Deutschen Bank, trat als Präsident des Verwaltungsrats zurück, was einige Fragen aufwarf. Klar ist, dass Ackermann bis zu diesem Zeitpunkt 667‘000 Franken erhalten hat. Dies wäre auf ein Jahr aufgerechnet eine Lohnerhöhung um 35% auf 1.143 Millionen Franken für das Mandat. Das Amt übernommen hat ad Interim Tom de Swaan, der an der vergangen Generalversammlung mit einer Zustimmung von 89.69% in diesem Amt bestätigt wurde. Erhalten hat de Swaan 669‘000 Franken, es ist aber anzunehmen, dass die Vergütung der neue Position sich für das Jahr 2014 der Million annähern wird. Die durchschnittliche Vergütung des Verwaltungsrates sank um rund 1% auf 332‘000.

Helvetia und Bâloise: Frühzeitige Umsetzung der VegüV

Auf ein solides Jahr kann die Bâloise zurückblicken. Zwar konnte der Reingewinn nicht mit dem sehr guten Vorjahresergebnis mithalten (- 6.1%, was 455.4 Millionen Franken entspricht), das Geschäftsvolumen wurde dafür um 7.8% auf 9‘009 Millionen Franken gesteigert. Diesem Resultat entsprechend, ist auch die Vergütung des CEO Martin Strobel kleiner geworden. Dieser erhielt mit 2.728 Millionen rund 3% weniger als 2012, was aber immer noch einer Lohnschere von 1:50 entspricht. Der Gehalt von Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt betrug 2013 unverändert 1.379 Millionen oder 1: 25. Eine saftige Lohnerhöhung hat hingegen Jan de Meulder, der den Konzernbereich in Deutschland führt, erhalten: Mit 2.2 Millionen Franken erhielt er rund 12% zusätzlich.

Mit der raschen Umsetzung der Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV) nahm die Bâloise nicht den gesetzlich möglichen zeitlichen Spielraum wahr, was als positiv zu werten ist. So konnten die Aktionäre bereits in diesem Jahr bindend über die Vergütung der Konzernleitung und des Verwaltungsrates abstimmen, was jedoch zu keinen grösseren Diskussionen geführt hat. Negativ zu bewerten ist hingegen die vorgängige Abstimmung über die flexible Vergütung. Somit können die Aktionäre nicht mitentscheiden, ob sich die für ein Geschäftsjahr ausbezahlten Boni im Einklang mit der Geschäftsentwicklung befinden.
Einen Schritt weiter ging hier die Helvetia, die ebenfalls bereits dieses Jahr bindend über die Saläre der Führungsetage abgestimmt hat. Im Gegensatz zur Bâloise wird der flexible Teil der Vergütung erst im Nachhinein verabschiedet. Die Aktionäre sprachen sich allerdings mit einer grossen Mehrheit für die Erhöhungen der Vergütungen von Geschäftsleitung (9%) und Verwaltungsrat (7%) aus. Somit verdient CEO Stefan Loacker neu 1.634 Millionen Franken und somit das 27-fache des tiefsten Lohnes.

Umsetzung der VegüV

Die bisherigen Generalversammlungen diverser schweizerischen Grossfirmen weisen darauf hin, dass das Ziel der Minderinitiative, Abzockerei zu stoppen, mit der Umsetzung der VegüV kaum erreicht wird. So führten bisher alle bindenden wie auch alle konsultativen Abstimmungen, die ebenfalls die Ansichten der Aktionäre abbilden, über die Vergütung zu klaren Mehrheit für die von den Konzernen vorgeschlagenen Saläre. Dies trotz der Tatsache, dass sich die Schweizer Pensionskassen sowie Anlagestiftungen, insbesondere Ethos, oft gegen die hohen Vergütungen stellen. Internationale Grossinvestoren und ausländische Investorenvertreter, hervorzuheben sind insbesondere die US-Stimmrechtsberater ISS, die bis zu 30% der Stimmen bewegen können, haben hingegen andere Prioritäten. So setzen sich diese für vorgängige bindende Abstimmungen ein, auch beim flexiblen Teil. Diese Variante wird bevorzugt, um Unsicherheit zu vermeiden, was auch die hauptsächlichen Interessen der internationalen Investoren wiederspiegelt. Die Investition in Schweizer Grosskonzerne geschieht hauptsächlich mit finanziellen Zielen und bei einer günstigen Entwicklung von Rendite und Aktienkursen ist kaum damit zu rechnen, dass sich diese gegen die Saläre der Manager stellen. Dies wäre aber gerade bei jenen Konzernen notwendig, die Vergütungen im höheren 7- oder gar 8-stelligen Bereich zahlen, da ohne die internationalen Investoren kaum eine Mehrheit gegen diese Missstände gefunden werden kann.

Lohnexzesse bei Grossbanken: Keine Stabilisierung in Sicht

In der kommenden Woche haben mit der UBS und der Credit Suisse, gleich zwei dieser internationalen Riesen ihre Generalversammlung. Beide lassen konsultativ über die Vergütung der Konzernspitze abstimmen und beide verzeichneten eine absurde Zunahme der Saläre. So hat CEO Sergio Ermotti eine Gehaltserhöhung von 21% erhalten, somit die 10 Millionengrenze durchbrochen und sein Salär ist mit 10.7 Millionen Franken sogar grösser, als jenes seines Vorgängers im Jahr 2007. Somit müsste der Arbeitnehmer der UBS mit dem tiefsten Lohn 214 Jahre arbeiten, um denselben Lohn zu verdienen, den der CEO scheinbar in einem Jahr für die Bank wert ist. Es ist augenfällig, dass die UBS Chefetage zumindest was die Vergütung ihrer eigenen Positionen betrifft keine Lehren aus der Finanzkrise, der anhaltenden Schuldenkrise sowie dem labilen Zustand des schweizerischen Finanzsektors gezogen hat. Im Gegenteil: Mit Andrea Orcel bezieht gerade der CEO des in der Kritik stehenden Investment Bankings mit 11.43 Millionen Franken die höchste Vergütung innerhalb der UBS. Gesamthaft sind die Saläre der Konzernleitung um 20% gestiegen, was 7.16 Millionen Franken pro Jahr entspricht. Auch Axel Webers Position als Verwaltungsratspräsident wurde mit 6 Millionen Franken (+12%) vergoldet.

Vergleichbare Tendenzen sind bei der Credit Suisse zu erkennen. Der Grossbank, die in letzter Zeit vor allem durch anhaltende gerichtliche Streitigkeiten auffällt, ist die Arbeit ihres CEO ebenfalls beinahe 10 Millionen Franken wert. Mit 9.43 Millionen Franken (1:175) erhielt er letztes Jahr 25% mehr als im Vorjahr und sogar 75% mehr als vor zwei Jahren. Gestiegen sind auch die durchschnittlichen Saläre der Konzernleitung. Diese erhielten mit 6.57 Millionen rund 7% mehr als im Vorjahr. In dieser Runde beinahe bescheiden wirkt Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, der mit stolzen 4.9 Millionen Franken 6% weniger als im Vorjahr erhielt.

Die Lohnexzesse bei den Grossbanken scheinen sich somit nicht zu stabilisieren und es ist abzuwarten, ob sich die Aktionäre gegen diese Entwicklung stellen. Wenn nicht jetzt, angesichts dieser Gehaltsexplosionen, wann dann soll die neue VegüV wirken? Es bleibt aber die Vermutung, dass die VegüV nicht zur gewünschten Demokratisierung der Konzerne mittels der verstärkten Position der Generalversammlung führt. Eher führt sie zu einer Aktionärsplutokratie, bei der sich reiche und internationale Grossinvestoren für noch mehr Reichtum einsetzen, ohne sich an den Superreichen der Konzernspitzen zu stören. Somit sind die eigentlichen Probleme, gegen die sich die Schweizer Bevölkerung mit einem klaren Ja zur Abzocker-Initiative gestellt hat, ungelöst. Es müssen neue Lösungswege gefunden werden, damit der Graben zwischen der Bevölkerung und der Wirtschaftselite nicht weiter aufgeht.


1 Der Unterschied zum tiefen Lohn innerhalb der Firma.
2 Zurich Insurance Group, Bâloise, Helvetia, Swiss Life, UBS und Credit Suisse.
3 Ohne CEO.

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Managerloehne Versicherungen und Banken d.docx 25 KB

28. April 2014, Markus Koch, Projektmitarbeiter „Managerlöhne“ Drucker-icon

Früchte des Wachstums gerecht verteilen

Die Löhne der am besten bezahlten Manager haben sich auf einem sehr hohen Niveau eingependelt. In vielen Unternehmen wurden die Saläre der Manager aber auch 2012 massiv erhöht. Das führt zu einem wachsenden Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Wirtschaft. mehr

Zum neunten Mal in Folge hat Travail.Suisse anhand der Jahresberichte die Löhne der Manager von 27 Schweizer Unternehmen untersucht und die Lohnscheren – das Verhältnis zwischen dem höchsten und tiefsten Lohn im gleichen Unternehmen – berechnet. Das Fazit ist ernüchternd: Bei den Unternehmen mit den höchsten Managergehältern haben sich die Lohnscheren zwar seit 2009 nicht mehr so stark geöffnet wie zwischen 2002 und 2008, in den meisten anderen untersuchten Firmen sind die Managersaläre aber auch 2012 massiv gestiegen.

Der Langzeitvergleich seit 2002 zeigt zudem, dass sich in Firmen wie Lonza, Clariant, Kuoni, Georg Fischer und Oerlikon die höchsten Saläre verdoppelt oder fast verdreifacht haben und um ein Vielfaches stärker angehoben wurden als der Tiefstlohn. Dieser massive Anstieg der Höchstlöhne ist umso unverständlicher, als die wirtschaftliche Leistung dieser Unternehmen in dieser Zeit eher bescheiden ausfiel.

Die ungleiche Einkommensverteilung führt zu einem wachsenden Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber den Anliegen der Wirtschaft. Das wuchtige Ja zur Abzockerinitiative ist ein deutliches Zeichen für diese Entwicklung.

Politik muss Führungsrolle übernehmen

Die Politik muss deshalb die Führungsrolle übernehmen und nicht nur in Bezug auf die Managerlöhne, sondern auch in Bezug auf die Verteilung des Wohlstandes glaubwürdige politische Antworten finden. Dazu gehören:

- Managersaläre limitieren und Lohnkartell aufbrechen: Bei den Managersalären ist eine materielle Beschränkung unabdingbar geworden und damit ein Ja zur 1:12 Initiative notwendig, Zudem fordert Travail.Suisse verbindliche Abstimmungen der Aktionäre über die Saläre der einzelnen Mitglieder von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Damit aber nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Arbeitnehmenden gestärkt werden, braucht es eine angemessene Personalvertretung im Verwaltungsrat.
- Löhne und Arbeitsbedingungen schützen: Zur Vertrauensbildung braucht es nicht nur eine Eindämmung der Managersaläre, sondern auch den Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen der „normalen“ Arbeitnehmenden. Dazu muss die Politik regionale und branchenspezfische Mindestlöhne garantieren und den Sozialpartnern neue Werkzeuge in die Hand geben, diese Mindestlöhne auch durchzusetzen.
- Tiefststeuerpolitik für hohe Einkommen und Unternehmensgewinne beenden: Von der heutigen Tiefststeuerpolitik der Kantone profitieren primär die Manager mit ihren hohen Bezügen und die Unternehmen, die diese Saläre bezahlen. Gleichzeitig müssen viele Kantone sparen. Unter fehlendem Geld für öffentlichen Verkehr, Strassenunterhalt, Gesundheitsversorgung, Bildungswesen, Kitas etc., leiden in erster Linie der Mittelstand und Personen mit tiefen Einkommen.

Travail.Suisse fordert Massnahmen für eine Schweiz, in der alle am steigenden Wohlstand partizipieren und in der der wirtschaftliche Erfolg auf mehr Gleichheit statt Ungleichheit beruht. Das Eindämmen der Managersaläre ist unabdingbarer Teil davon.

Für mehr Informationen:
Martin Flügel, Präsident, Tel: 031/370.21.11 oder 079/743.90.05
Josiane Aubert, Nationalrätin und Vizepräsidentin, 079/635.98.20
Dario Bucheli, Projektmitarbeiter, Tel. 031/370.21.11

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Managerlohnstudie 2012.pdf 387 KB

PK 240613 Text M Flügel.doc 43 KB

PK 240613 Text J Aubert.doc 28 KB

PK 240613 Text D Bucheli.doc 43 KB

PK 240613 Text D Bucheli 2.doc 44 KB

TravailSuisseA4 D.pdf 1830 KB

24. Juni 2013, Martin Flügel, Präsident und Dario Bucheli, Projektmitarbeiter Drucker-icon

Von der Empörung zur Entfremdung

Über ein Jahrzehnt Bonirausch in den Teppichetagen haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Wirtschaft und deren Verbände zerstört. Das Ja zur Abzockerinitiative war ein deutliches Zeichen. Nun stehen mehrere Abstimmungen zur Personenfreizügigkeit ins Haus. Die bilateralen Verträge und das Erfolgsmodell Schweiz stehen zur Disposition. Die Politik ist gefordert. Nur wenn es ihr gelingt, den Vertrauensverlust auszugleichen und die Früchte des Wachstums gerechter zu verteilen, werden Personenfreizügigkeit und bilaterale Verträge auch die kommenden Abstimmungen überstehen. mehr

Seit einigen Jahren analysiert Travail.Suisse die Entwicklung der Managersaläre. Die Bilanz fällt im besten Fall durchzogen aus. Die negativen Entwicklungen überwiegen bei weitem, weil sie nach wie vor den grösseren Teil der untersuchten Firmen betreffen. Insofern ist auch der politische Handlungsbedarf weiterhin gegeben.

Wachsender Vertrauensverlust in die Wirtschaft

Dies gilt umso mehr, als dass die Entwicklung der Managersaläre in der Bevölkerung zu einer Entwicklung geführt hat, die längst weit über diese Saläre hinaus reicht. Heute ist in der Schweiz eine grosse Skepsis gegenüber den Anliegen der Wirtschaft auszumachen. Die Glaubwürdigkeit der Wirtschaft und deren Verbände hat grundsätzlich gelitten, was spätestens beim wuchtigen Ja zur Abzockerinitiative klar zutage getreten ist. Die Empörung über einige Abzocker hat heute einer grundsätzlichen Entfremdung der Bevölkerung von der Wirtschaft Platz gemacht.

Diese Tatsache ist insofern von grösster Bedeutung, als dass uns mehrere Abstimmungen über die Personenfreizügigkeit – und damit verbunden über die bilateralen Verträge – erwarten. Gerade bei diesen Vorlagen droht die fehlende Glaubwürdigkeit der Wirtschaft und die Entfremdung der Bevölkerung von der Wirtschaft zu einem echten Problem für die Schweiz zu werden. Einem Problem, das weit über die Frage der Managersaläre hinaus reicht, das aber trotzdem nur bewältigt werden kann, wenn die Politik auch zu dieser Frage wirksame Antworten findet.

Einpendeln an der Spitze – ungebrochener Trend im Mittelfeld

Die diesjährige Analyse von Travail.Suisse zur Entwicklung der Managersaläre zeigt, dass Laissez-faire keine Option ist. Zwar findet ganz oben eine gewisse Stabilisierung statt, die Saläre pendeln sich ein, wenn auch auf unverschämt hohem Niveau. Dies betrifft beispielsweise die Banken- und die Pharmabranche oder auch Nestlé.

Gleich dahinter ist der Trend aber ungebrochen. Bei Firmen wie Lonza, Clariant oder Kuoni sind die Saläre auch im letzten Jahr massiv gesteigen. Und der Langzeitvergleich seit 2002 zeigt, dass sich bei den gleichen Firmen und einigen anderen wie Georg Fischer oder Oerlikon die höchsten Saläre und damit die Lohnschere meist verdoppelt oder fast verdreifacht haben. Dabei ist die wirtschaftliche Leistung dieser Unternehmen eher bescheiden ausgefallen und hat auf jeden Fall nicht Schritt gehalten mit dem Anstieg der Topsaläre. Nur bei einer einzigen untersuchten Firma – bei Coop – waren die durchschnittlichen Bezüge der Konzernleitungsmitglieder nicht höher als der Jahreslohn der am schlechtesten bezahlten Mitarbeiterin.

Diese Entwicklung gerade hinter der Spitze macht überdeutlich, dass kein Umdenken stattgefunden hat und keine breite Korrektur nach unten absehbar ist. Die Selbstbedienung breitet sich sogar weiter aus. Eine Selbstregulierung ist, Abzockerinitiative hin oder her, nicht zu erwarten. Die Politik bleibt gefordert, den Managern Grenzen zu setzen. Denn die Vorstallung, dass oben die Saläre munter weiter steigen und unten der Lohndruck zunimmt, ist unerträglich und schadet der Schweiz.

Steigende Dringlichkeit des politischen Handlungsbedarfs

Seit mehreren Jahren fordern wir die Politik auf, etwas gegen die explodierenden Managersaläre und für die Vertrauensbildung zwischen Wirtschaft und Bevölkerung zu unternehmen. Geschehen ist bisher wenig und wenn, dann nur unter massivem Druck.

Gestiegen sind in dieser Zeit nicht nur die Saläre, sondern auch die Empörung. Dazu kommt – wie bereits gesagt – in letzter Zeit eine zunehmende Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft. Angesichts der anstehenden, zentralen Abstimmungen zur Personenfreizügigkeit steigt nun auch die Dringlichkeit des politischen Handlungsbedarfs rasant. Es bleibt keine Zeit mehr, auf Besserung in den Teppichetagen zu hoffen. Die Politik muss die Führungsrolle übernehmen und nicht nur in Bezug auf die Managerlöhne, sondern für die Verteilung des Wohlstandes allgemein glaubwürdige politische Antworten finden. Dazu gehören:

- Managersaläre limitieren und Lohnkartell aufbrechen: Bei den Managersalären ist eine materielle Beschränkung unabdingbar geworden und damit ein Ja zur 1:12 Initiative notwendig, Zudem fordern wir nach wie vor verbindliche Abstimmungen der Aktionäre über die Saläre der einzelnen Mitglieder von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Damit aber nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Arbeitnehmenden gestärkt werden, braucht es eine angemessene Personalvertretung im Verwaltungsrat. So kann das Lohnkartell der Manager aufgebrochen und die langfristige Orientierung der Unternehmen gestärkt werden.
- Löhne und Arbeitsbedingungen schützen: Zur Vertrauensbildung braucht es nicht nur eine Eindämmung der Managersaläre, sondern auch den Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen der „normalen“ Arbeitnehmenden. Dazu muss die Politik regionale und branchenspezfische Mindestlöhne garantieren und den Sozialpartnern neue Werkzeuge in die Hand geben, diese Mindestlöhne auch durchzusetzen. Zudem sind die immer neuen Angriffe auf die Arbeitszeiten – Stichwort Nacht- und Sonntagsarbeit – kontraproduktiv, wenn das Verständnis der Bevölkerung für die Anliegen der Wirtschaft gewonnen werden soll.
- Tiefststeuerpolitik für hohe Einkommen und Unternehmensgewinne beenden: Von der heutigen Tiefststeuerpolitik der Kantone profitieren primär die Manager mit ihren hohen Bezügen und die Unternehmen, die diese Saläre bezahlen. Gleichzeitig müssen viele Kantone sparen. Unter fehlendem Geld für öffentlichen Verkehr, Strassenunterhalt, Gesundheitsversorgung, Bildungswesen, Kitas etc., leiden in erster Linie der Mittelstand und Personen mit tiefen Einkommen. Dies vertieft die Kluft zwischen breiter Bevölkerung und Wirtschaft weiter. Der Moment ist gekommen, um auch in der Steuerpolitik wieder auf mehr Gleichheit anstatt mehr Ungleichheit zu setzen.

Travail.Suisse fordert also Massnahmen für eine prosperierende Schweiz, für eine Schweiz, in der alle am steigenden Wohlstand partizipieren und in der der wirtschaftlicher Erfolg auf mehr Gleichheit anstatt mehr Ungleichheit beruht. Das Eindämmen der Managersaläre ist zwar nur ein Teil davon, aber es gehört unabdingbar dazu.

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PD Von der Empörung zur Entfremdung.doc 43 KB

24. Juni 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Banken im Umbau – Managerlöhne steigen wieder

2012 war für die Banken kein leichtes Jahr. Auf die Löhne der obersten Manager hat sich das nicht ausgewirkt. Diese zeigen wieder nach oben. mehr

2012 war wiederum ein schwieriges Jahr für die Banken. Bussen und Rückstellungen für Rechtsfälle, Goodwill-Abschreiber aufgrund von Restrukturierungen, die Aufwertung der eigenen Verbindlichkeiten und das tiefe Zinsniveau lasteten auf den beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Auch fünf Jahre nach der Finanzkrise waren sie noch voll damit beschäftigt, sich dem neuen regulatorischen Umfeld anzupassen. Die Branche kann sich der wirtschaftlichen Ungewissheit derzeit nicht entziehen. Wer aufgrund dieser Ausgangslage mit sinkenden Managerlöhnen rechnet, hat indes falsch gedacht.

UBS: Höhere Managerlöhne aufgrund der “Bescheidenheit” der alten Chefs

Die UBS zahlte 2012 insgesamt 2,5 Milliarden Franken an Boni bei einem Reinverlust von 2,5 Milliarden Franken. Die UBS schüttet den Bonus nach dem bereinigten Vorsteuergewinn von rund 3 Milliarden Franken aus, der keine Goodwill-Abschreiber (von rund 3 Milliarden Franken wegen der Umstrukturierung des Investment Bankings) und keine Schuldenaufwertungen (von rund 2,5 Milliarden Franken) enthält. Noch höhere Boni könnte die Bank einzig ausschütten, würde sie auch die rund 1,5 Milliarden Franken Busse aufgrund der Libor-Affäre nicht berücksichtigen.

Das Ergebnis der UBS liest sich demnach schlechter als es wirklich ist. Denn operativ konnte die UBS einen Gewinn erwirtschaften, durch Neugeldzufluss stiegen die verwalteten Vermögen und der Aktienkurs am Jahresende lag 27,6 Prozent über dem Vorjahr. Dennoch war das Jahr 2012 ein Jahr des Umbruchs und keineswegs ein Jahr des Erfolgs, ausser für die Aktionäre, die von einer um 50 Prozent erhöhten Dividende profitieren konnten.

Im Vergütungsbericht der UBS wirkten sich insbesondere die vergangenen Personenwechsel des CEO (im September 2011 von Grübel auf Ermotti) und des Verwaltungsratspräsidenten (im Mai 2012 von Villiger auf Weber) aus. Die ehemaligen Chefs verzichteten damals auf einen Grossteil ihres Lohnanspruchs, was der aktuelle CEO Sergio Ermotti und der aktuelle Verwaltungspräsident Axel A. Weber nicht tun. Im Gegenteil: Weber bekam am 3. Mai 2012 zur Begrüssung gar 4,268 Millionen Franken als Antrittsprämie. Rechnet man seinen Lohn auf ein ganzes Jahr auf und addiert dazu die Antrittsprämie, kommt Weber auf ein Jahresgehalt von knapp 9,7 Millionen Franken, was 194mal so viel ist, wie der Mitarbeitende mit dem tiefsten Lohn bei der UBS verdient.

Neben dem Wechsel des vollamtlichen Verwaltungsratspräsidenten wurde bei der UBS der Verwaltungsrat von elf auf zwölf Köpfe erweitert und der Frauenanteil aufgestockt. Pro Kopf lag die Entschädigung der nebenamtlichen Verwaltungsratsmitglieder ein Prozent unter jener im Vorjahr. Das Verhältnis dieser Entschädigung zum tiefsten Lohn blieb bei 1 zu 15.

Die grösste Entschädigung in der Konzernleitung der UBS ging im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals an CEO Sergio Ermotti mit 8,871 Millionen Franken. Amerikachef Robert McCann, der 2011 noch 9,183 Millionen Franken verdiente, musste sich 2012 mit 8,555 Millionen Franken, was 171mal soviel ist wie der Tiefstlohn im Unternehmen, zufrieden geben. Die grösste Lohnschere in der Konzernleitung verringerte sich damit um 3,4 Prozent auf 1 zu 177. Die Schere zwischen dem Lohn Ermottis und dem Tiefstlohn bei der UBS öffnete sich im Vergleich zu 2011 um 4,8 Prozent und – wegen des angesprochenen Lohnverzichts von Oswald Grübel – gar um 199 Prozent im Vergleich zum Lohn seines Vorgängers.

Für die weiteren neun Mitglieder, die Ende 2012 noch in der Konzernleitung der UBS sassen, wird der Lohn nicht separat ausgewiesen. Durchschnittlich betrug er über 6,2 Millionen Franken oder das 125-fache des tiefsten Lohns bei der UBS. Diese Lohnschere öffnete sich damit um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

UBS: Aufgeschobene Vergütungen und 24,5 Millionen Franken Ersatzzuteilungen für Orcel

Der neue Star bei der UBS heisst Andrea Orcel. Der CEO des Investment Bankings stiess am 1. Juli in die Konzernleitung. Zu diesem Wechsel wurde er bewegt, indem die UBS aufgeschobene Lohnansprüche von knapp 6 Millionen Franken in bar und 18,5 Millionen in gesperrten Aktien von seinem alten Arbeitgeber Bank of America Merrill Lynch übernahm. Würde man diese Ersatzzuteilungen als Lohn betrachten, hätte Orcel im Jahr 2012 614mal soviel verdient wie der Mitarbeitende mit dem tiefsten Lohn bei der UBS. Es handelt sich bei diesen Ersatzzuteilungen nicht um einen eigentlichen Lohnbestandteil, sondern um eine fragliche Marktpraxis, die das Konzept der aufgeschobenen Lohnansprüche torpediert. Durch die aufgeschobenen Vergütungen sollen sich die Manager auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens konzentrieren. Dementsprechend bleiben die aufgeschobenen Vergütungen auch in den Folgejahren an Leistungs- und Performancekriterien gekoppelt, im extremsten Fall könnte die aufgeschobene Vergütung gar wieder auf Null sinken. Werden die Manager nun nach der Marktpraxis, wie sie die UBS 2012 bei Orcel und 202 weiteren Kaderpersonen praktizierte, aus den aufgeschobenen Vergütungen rausgekauft, so wird das ganze Konzept der aufgeschobenen Vergütungen in Frage gestellt.

Credit Suisse: Öffnende Topverdiener Shafir und Dougan

Im Gegensatz zur UBS konnte die Credit Suisse 2012 einen Reingewinn verzeichnen. Mit 1,349 Milliarden Franken lag dieser allerdings 30,9 Prozent unter jenem des Vorjahres und auch unter den Erwartungen der Experten. Der Jahresendkurs der Aktie lag nur 0,9 Prozent über jenem von 2011. Ähnlich wie bei der UBS lastete auf dem Ergebnis die höhere Bewertung von eigenen Verbindlichkeiten mit ungefähr 2,9 Milliarden Franken.

Bereits 2011 war aufgrund des eingeleiteten Umbaus ein schlechtes Jahr für die CS, was damals auch in den gesunkenen Managergehältern zum Ausdruck kam. 2012 hat diese begrüssenswerte Entwicklung wieder gekehrt.

Urs Rohner, seit Ende April 2011 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse im Vollamt, erhielt mit 5,235 Millionen Franken knapp 22 Prozent mehr als letztes Jahr. Die Schere zwischen seinem Lohn und jenes des Mitarbeitenden mit dem tiefsten Lohn im Unternehmen öffnete sich um zwölf Prozent auf 1 zu 97.

Der Verwaltungsrat wurde um eine Person auf 14 nebenamtliche Verwaltungsräte erweitert. Die Lohnschere schloss sich deshalb trotz einer höheren Gesamtentschädigung um 9,4 Prozent auf 1 zu 10.

Grosse personelle Veränderungen waren in der Konzernleitung der Credit Suisse zu verzeichnen. Fünf Mitglieder schieden während des Jahres 2012 aus. Private Banking und Wealth Management (inklusive Asset Management) wurden zusammengelegt und werden neu von Hans-Ulrich Meister und Robert S. Shafir gemeinsam geführt. Auch das Investment Banking soll künftig von zwei Konzernleitungsmitgliedern gemeinsam geleitet werden.

Die höchste Gesamtentschädigung der Credit Suisse ging wie im Vorjahr an Robert S. Shafir. Nach 8,5 Millionen Franken im Vorjahr wurden ihm 2012 insgesamt 10,59 Millionen Franken (plus 24,6 Prozent) zugesprochen. Die grösste Lohnschere bei der CS öffnete sich damit um 18 Prozent auf 1 zu 191.

Nach dem massiven Lohneinbruch von Brady Dougan im Jahr 2011 stieg seine Gesamtentschädigung dieses Jahr wieder um 33,5 Prozent auf 7,77 Millionen Franken an. Hauptsächlich dafür verantwortlich ist der höhere Gegenwert der ihm zugesprochenen Aktien. Der im letzten Jahr festgestellte Trend hin zu vernünftigeren Managerlöhnen hat sich also bereits wieder gekehrt. Die Schere zwischen dem Lohn Dougans und dem tiefsten Lohn bei der CS nahm um 26,5 Prozent auf 1 zu 140 zu.

Die Löhne der elf weiteren Konzernleitungsmitglieder werden nicht einzeln angegeben. Im Durchschnitt verdienen sie pro Kopf knapp 5,7 Millionen Franken, was einer Lohnschere von 1 zu 105 (plus 3,4 Prozent) entspricht.

Aktionäre unternehmen nichts

Die beiden Schweizer Grossbanken schütteten 2012 trotz der massiven Spar- und Restrukturierungsmassnahmen – beide Konzerne haben über 2000 Vollzeitstellen gestrichen – wieder höhere Managerlöhne aus. Die neuen Bonusprogramme der Banken führen nicht zu einer grundsätzlich tieferen Entlohnung der Manager, sondern knüpfen eher nahtlos an die alten Programme an. Diese Entwicklung in Richtung steigender Managerlöhne wird von der Minder-Initiative allein kaum gestoppt. An den diesjährigen Generalversammlungen war bei der Konsultativabstimmung eine deutlich höhere Zustimmung der Aktionäre zum Vergütungsbericht zu verzeichnen als im Vorjahr. Bei der UBS stimmten 82,5 Prozent der Aktionäre dem Vergütungsbericht zu. Im Vorjahr waren es nur 60 Prozent gewesen. Bei der CS lag die Zustimmung gar bei 88 Prozent gegenüber 67,6 Prozent im Vorjahr.

Um diese Entwicklung zu stoppen oder umzudrehen sind weitere politische Massnahmen notwendig.

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10. Juni 2013, Dario Bucheli, Projektmitarbeiter Drucker-icon

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