Themen – Arbeit – Managerlöhne

Wem nützen die hohen Managerlöhne?

Der Nationalrat hat heute eine Motion (15.3100) von Jacques-André Maire abgelehnt, welche eine Steuertransparenz für hohe Managerlöhne forderte. Die Politik zeigt damit wenig Gehör für das Ärgernis der überhöhten Entschädigungen für Manager. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist dies eine verpasste Chance, die Diskussion der Managerlöhne zu versachlichen und aufzuzeigen, dass die hohen Managerlöhne auch einen gesellschaftlichen Nutzen haben. mehr

Mit dieser Motion hätte eine Öffentlichkeit über das Steuerregister der direkten Bundessteuer für die Manager mit sehr hohen Salären eingeführt werden sollen. Öffentliche Steuerregister auf kantonaler Ebene entsprachen über Jahre hinweg schweizerischer Tradition. Erst in den letzten Jahren wurde die Einsicht ins Steuerregister mehr und mehr beschränkt, resp. abgeschafft. „Eine Transparenz über die Steuerzahlungen der Topmanager, würde helfen, den Nutzen dieser Saläre – sprich die hohen Steuerzahlungen – für die Allgemeinheit aufzuzeigen“, sagt Jacques-André Maire, Vizepräsident von Travail.Suisse.

Abzockerproblem nach wie vor ungelöst

Die exorbitanten Löhne der Topmanager sind in der Schweiz seit längerem ein Thema, welches die Bevölkerung empört. Dies führt zu einer Entfremdung und Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Wirtschaft. Deutlich zeigt sich dies bei der Annahme der Abzocker- und Masseneinwanderungsinitiative sowie der Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III. Aus der Managerlohnstudie von Travail.Suisse wird deutlich, dass die Entwicklung der Managerlöhne auch in den letzten Jahren nicht gebremst wurde. Seit 2011 sind die Bezüge für zwei Drittel der CEO’s und gar für drei Viertel der übrigen Konzernleitungsmitglieder gestiegen – und zwar durchschnittlich um 21% für die Chefs und um 15 % für den Rest der Konzernleitung. „Die angenommene Abzockerinitiative stellt kein wirksames Instrument gegen die horrenden Managerlöhne dar – zu zahlreich sind die Umgehungsmöglichkeiten und zu wenig zielführend die Vergütungsabstimmungen“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. „ Mit der heute abgelehnten Motion, macht die Politik deutlich, dass sie nicht wirklich gewillt ist, das Abzockerproblem in den Griff zu bekommen“, so Fischer weiter.

Für weitere Informationen:
Jacques-André Maire, Vizepräsident Travail.Suisse, 078 709 48 50
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

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2017 02 22 NR Managerloehne Steuertransparenz d.docx 40 KB

27. Februar 2017, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Praktikumsstelle für Projekt Managerlöhne und Lohnschwere

Exorbitante Cheflöhne und wirkungsvolle Gegenmassnahmen sind ein Dauerbrenner in der politischen Diskussion. Travail.Suisse berechnet seit über zehn Jahren die Lohnschere (das Verhältnis vom Höchst- zum Tiefstlohn) von ausgewählten Unternehmen in der Schweiz und leistet damit einen Beitrag zu dieser Diskussion. Das Projekt soll im Frühjahr 2017 fortgesetzt werden. mehr

Dazu suchen wir ab Mitte Februar 2017 eine/n Praktikantin / Praktikanten. Interessiert?

Die ganze Stellenausschreibung finden Sie untenstehend.

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2016 11 15 Ausschreibung Praktikum Managerloehne D.pdf 193 KB

16. November 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Managerlöhne 2015: Weitverbreitete Erhöhungen – Beginn des nächsten Bonirausches?

Das Geschäftsjahr 2015 zeigt ein grosses Wachstum bei den Managerlöhnen in der Schweiz. Die Lohnscheren in den Unternehmen haben sich wieder stark geöffnet und befinden sich auf dem höchsten Stand der letzten fünf Jahre. Bei der Credit Suisse steigt die Lohnschere auf 1:363. Die neue Führung dreht kräftig an der Bonispirale und viele Unternehmen ziehen mit. Ein dämpfender Einfluss auf die Entschädigungen durch die Annahme der Abzockerinitiative lässt sich nicht feststellen. Ebenso sind die Vergütungsabstimmungen an den Generalversammlungen nicht zielführend und es existieren diverse Umgehungsmöglichkeiten. mehr

Seit mehr als zehn Jahren untersucht Travail.Suisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Unternehmen und damit zusammenhängend die Entwicklung der Lohnschere als Verhältnis zwischen dem höchsten und dem tiefsten Lohn innerhalb der Unternehmen.

Höchstlöhne: Die Chefetagen gewährten sich satte Salärerhöhungen

Die Cheflöhne haben 2015 einen grossen Sprung nach oben gemacht. Die CEO’s von 22 Unternehmen erhalten eine grössere Entschädigung, lediglich in fünf Unternehmen fällt die Höchstentschädigung tiefer aus als im Vorjahr. Im Schnitt sind die Bezüge der Chefs um satte 9% gestiegen. Spitzenreiter ist Tidjane Thiam von der Credit Suisse. Dieser erhielt neben seinem Fixgehalt und dem Bonus auch eine Kompensation der Bonusansprüche, die ihm aufgrund seines Wechsels zur CS bei seinem früheren Arbeitgeber zukünftig entgehen. Alles zusammengenommen und auf ein Jahr hochgerechnet, hat Thiam im 2015 über 20 Mio. Franken erhalten (+ 117% gegenüber dem Vorjahr). Daneben haben 2015 aber auch Lonza (+ 58%), Valora (+ 54%), UBS (+ 28%), Kuoni (+ 23%), Georg Fischer (+ 22%) und ABB (+ 20%) deutlich an der Bonispirale gedreht.

Diese Zunahme der Managerlöhne hat zu einer verbreiteten Öffnung der Lohnschere geführt: In 19 Unternehmen hat sich die Lohnschere letztes Jahr geöffnet, in drei ist sie stabil geblieben und lediglich in fünf Unternehmen ist eine leichte Schliessung der Lohnschere zu beobachten.

Auch bei den übrigen Mitgliedern der Konzernleitungen sind 2015 die Entschädigungen deutlich stärker gestiegen als bei den tiefsten Einkommen. In 17 Unternehmen wurden teils massive Erhöhungen der Saläre ihrer zweiten Garde beschlossen. Als Haupttreiber fallen hier Kuoni (57%), Valora (35%) und Swiss Life (+27%) auf.
Es gibt 18 Unternehmen, in welchen Mitglieder der Konzernleitung oder des Verwaltungsrates über 2 Mio. Franken kassieren; gesamthaft entspricht dies 130 Managern. 39 davon finden sich im Lohnkartell von Travail.Suisse wieder. Das Lohnkartell bildet die Riege der Manager ab, die über 100mal mehr verdienen als ihre MitarbeiterInnen. Das Lohnkartell macht deutlich, dass die unverschämten Saläre Tatsache bleiben. Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse stellen die Mehrheit dieser abgehobenen Managerkaste. Neben Tidjane Thiam (CS) und Sergio Ermotti (UBS) finden sich aber auch Severin Schwan (Roche), Paul Bulcke (Nestlé), Ulrich Spiesshofer (ABB), Joseph Jimenez (Novartis) und Ernst Tanner (Lindt&Sprüngli) auf den vordersten Plätzen im Lohnkartell.

Kontinuierliche Zunahme seit 2011 – Kein dämpfender Effekt der Abzockerinitiative

Auch beim Mehrjahresvergleich zeigt sich ein deutliches Wachstum der Managerlöhne in den letzten Jahren. So sind seit 2011 die Bezüge für zwei Drittel der CEO’s und gar für drei Viertel der übrigen Konzernleitungsmitglieder gestiegen – und zwar durchschnittlich um 21% für die Chefs und um 15 % für den Rest der Konzernleitung. Folglich hat sich in der klaren Mehrheit der untersuchten Unternehmen die Lohnschere in den letzten Jahren weiter geöffnet. Diese Entwicklung ist keinesfalls nur von den grössten Unternehmen der Finanz- und Pharmabranche geprägt, sondern lässt sich quer durch alle Branchen feststellen. Beispielhaft für die Öffnung der Lohnschere der letzten Jahre stehen Lonza-Chef Richard Ridinger (von 1:40 auf 1:72), Yves Serra von Georg Fischer (von 1:32 auf 1:50) und Bobst-CEO Jean-Pascal Bobst (von 1:20 auf 1:30) sowie die restlichen Konzernleitungsmitglieder von Valora (von 1:12 auf 1:25), Kuoni (von 1:29 auf 1: 47) und Lindt&Sprüngli (von1:34 auf 1:48).

Diese Zahlen belegen eindrücklich die Entwicklung der Managerlöhne und es wird klar, dass die Abzockerinitiative keine dämpfende Wirkung auf die Entwicklung der Managerlöhne ausübt. Aus folgenden drei Gründen stellt diese kein wirksames Instrument dar:

1. Keine dämpfende Wirkung sichtbar: Wie die Resultate der Managerlohnstudie zeigen, lässt sich bisher keine dämpfende Wirkung der Abzockerinitiative auf die Höhe der Managementsentschädigungen feststellen.

2. Nicht zielführende Abstimmungen an den GV’s: Durch die Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Unternehmen (VegüV) werden die Unternehmen an den Generalversammlungen zu bindenden Abstimmungen über die Managementvergütungen verpflichtet. Sinnvoll kann dabei nur eine getrennte Abstimmung über die fixen Entschädigungen und die variablen Entschädigungen (Boni) sein. Ausserdem muss die Abstimmung über die Boni retrospektiv – also im Folgejahr, wenn die Geschäftsergebnisse vorliegen – erfolgen. Lediglich sechs der untersuchten Unternehmen orientieren sich an dieser Abstimmungskaskade. Bei den restlichen 17 Unternehmen erfolgt die Genehmigung der Boni im Voraus und damit ohne Kenntnis über den Geschäftsgang des Unternehmens.

3. Umgehungsmöglichkeiten: Insbesondere horrende Antritts- und Abgangsentschädigungen werden von der Bevölkerung als stossend wahrgenommen. Zwar wird die Vorauszahlung (ohne Gegenleistung) durch die VegüV verunmöglicht. Zulässig bleiben hingegen Antrittsprämien, welche den Manager aus den Bonusplänen des bisherigen Arbeitgebers freikaufen, ebenso wie die Vergütung von Leistungen durch Konkurrenzverbote beim alten Arbeitgeber. Die Credit Suisse hat so an den neuen CEO Tidjane Thiam über 14 Mio. Franken entrichtet, welche ihn für die entgangenen Boni beim bisherigen Arbeitgeber kompensieren sollen.

Auch vertraglich vereinbarte oder statutarisch festgelegte Abgangsentschädigungen wurden dank der VegüV unzulässig. Zulässig bleiben hingegen Lohnfortzahlungen bis zum Ende der Kündigungsfrist, überlange entschädigte Konkurrenzverbote sowie Beraterverträge, bei welchen die Gegenleistung nicht transparent aufgezeigt wird. So weist der Geschäftsbericht von Roche knapp 400‘000 Franken aus, welche Franz Humer auch im zweiten Jahr nach seinem Austritt aus dem VR für Beratertätigkeiten erhalten hat.

Für Travail.Suisse ist klar, dass in der kommenden Aktienrechtsrevision zwingend strengere Regulierung zur Eindämmung der überrissenen Managerlöhne gemacht werden müssen, ansonsten droht ein erneuter Bonirausch mit entsprechenden politischen und gesellschaftlichen Kosten.

Frauen: Mehr Verwaltungsrätinnen – Keine Fortschritte in den Konzernleitungen

In den Verwaltungsräten der untersuchten Unternehmen finden sich 55 Frauen. Damit hat sich die Frauenquote in den letzten zehn Jahren zwar mehr als verdoppelt, noch immer ist aber weniger als jeder vierte Sitz mit einer Frau besetzt. Geradezu dramatisch präsentiert sich das Bild bei den Konzernleitungen. Von den 220 Konzernleitungsposten waren Ende 2015 lediglich 9 durch Frauen besetzt. Die Frauenquote liegt damit mit 4% beschämend tief. Bezeichnend ist auch, dass von den 18 neu besetzten Posten 2015 lediglich einer von einer Frau eingenommen wurde.

(gesamte Dossier siehe unten)

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2016 06 20 Managerloehne d.docx 24 KB

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20. Juni 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Bonispirale dreht sich wieder – mit hohen politischen Kosten

Seit über einem Jahrzehnt untersucht Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Entwicklung der Managerlöhne. Das Fazit der 12. Erhebung ist alarmierend: Die Chefs gewähren sich satte Lohnerhöhungen, während bei den tiefen Einkommen Lohndruck, Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz zunehmen. Auch die Abzockerinitiative zeigt keine Wirkung und die Lohnschere öffnet sich weiter und ist so gross, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Nun ist die Politik gefordert, mit einer griffigen Aktienrechtsrevision diese Auswüchse zu begrenzen und über einen Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen den Nutzen der hohen Managerlöhne für die Allgemeinheit zu vergrössern. mehr

Bereits zum zwölften Mal in Folge hat Travail.Suisse die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in 27 Schweizer Unternehmen untersucht. Die Analyse fördert beunruhigende Entwicklungen zu Tage.

Satte Salärerhöhungen für die Chefetagen –Lohnschere öffnet sich

Die Cheflöhne haben 2015 einen grossen Sprung nach oben gemacht: In 22 von 27 untersuchten Unternehmen stieg die Entschädigung für den CEO im Schnitt um satte 9%. Unrühmlicher Spitzenreiter ist Tidjane Thiam von der Credit Suisse. Zusammen mit der Antrittsprämie (in Form einer Kompensation der entgangenen Boni beim alten Arbeitgeber) kommt er 2015 auf eine Entschädigung von über 20 Millionen Franken (+ 117% gegenüber dem Vorjahr). Daneben wurde aber auch bei Lonza (+ 58%), Valora (+ 54%), UBS (+ 28%), Kuoni (+ 23%), Georg Fischer (+ 22%) und ABB (+20%) deutlich an der Bonispirale gedreht. „Von solchen Zahlen wagen Personen mit tiefen Einkommen nicht einmal zu träumen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse „In mehr als zwei Drittel aller untersuchten Unternehmen ist die Lohnschere 2015 weiter aufgegangen, damit geht der Bonirausch in die nächste Runde“, sagt Wüthrich. Die Credit Suisse (1:363), die UBS (1:275) und Roche (1:273) wiesen 2015 wieder Lohnscheren aus wie zuletzt 2010.

Abzockerinitiative ohne Wirkung

Die Resultate zeigen deutlich, dass die Abzockerinitiative keinerlei mässigenden Einfluss auf die Höhe der Managerlöhne hat. Die Stärkung der Aktionärsrechte führt zwar zu Abstimmungen über die Entschädigung des Managements an den Generalversammlungen. Dabei wird aber grossmehrheitlich gemeinsam über die fixen und variablen Teile (Boni) sowie prospektiv – also im Voraus und ohne Kenntnis über den Geschäftsgang – abgestimmt. Auch Antrittsprämien, welche die Manager aus den Bonusplänen der bisherigen Arbeitgeber freikaufen, sind nach wie vor zulässig, ebenso wie Lohnfortzahlungen, respektive Beratermandate in Millionenhöhe nach Ende der Beschäftigung.

Es braucht griffige Massnahmen der Politik

Die sich öffnenden Lohnscheren führen zu einer Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft. Die Annahme der Abzockerinitiative und noch viel mehr der Masseneinwanderungsinitiative zeigen die unabsehbaren politischen Kosten. Es braucht also dringend vertrauensbildende Massnahmen durch die Politik und einen grösseren Nutzen der hohen Managerlöhne für die Allgemeinheit. Handlungsbedarf sieht Travail.Suisse in folgenden Bereichen:

• Griffige Aktienrechtsrevision: Mit der angenommenen Abzockerinitiative wurden die Aktionärsrechte gestärkt werden. Ein dämpfender Effekt auf die Managerlöhne ist aber nicht feststellbar und es bestehen weiterhin Schlupflöcher und Umgehungsmöglichkeiten für Antritts- und Abgangsentschädigungen. In der anstehenden Aktienrechtsrevision müssen hier zwingend griffigere Massnahmen eingeführt werden.

• Steuertransparenz und Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen: Da die Begrenzung der hohen Saläre politisch nicht mehrheitsfähig ist und die Stärkung der Aktionärsrechte das Problem nicht lösen wird, muss der Nutzen der hohen Saläre für die Gesellschaft erhöht werden. Es braucht Steuertransparenz für hohe Einkommen und eine politische Diskussion über einen Solidaritätsbeitrag.

• Löhne und Arbeitsplätze schützen: Die Vorstellung, dass oben die Saläre munter steigen und unten Lohndruck, Arbeitsbelastung und Angst vor Arbeitsplatzverlust zunimmt, trägt wesentlich zum Unbehagen in der Bevölkerung bei. Es braucht einen besseren Schutz der Löhne und der Arbeitsplätze.

• Tiefsteuerpolitik für Unternehmen beenden: Mit der Unternehmenssteuerreform III werden umfassende Steuersenkungen in Milliardenhöhe für die Unternehmen ermöglicht. Die dadurch notwendigen Sparpakete treffen den Mittelstand und die tiefen Einkommen. Dies vergrössert die Kluft zwischen breiten Bevölkerungsschichten und der Wirtschaft. Es braucht eine Korrektur dieser Steuerpolitik.

Weitere Informationen:

• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93
• Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

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2016 06 20 DOSSIER Medienkonferenz Managerloehne d.pdf 992 KB

20. Juni 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Frauenanteil in Führungsgremien macht kaum Fortschritte

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, untersucht im Rahmen der jährlich durchgeführten Managerlohnstudie auch weitere Aspekte der Corporate Governance – z.B. die Vertretung der Frauen in den Konzernleitungen und Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmen. Die diesjährige Analyse von 27 Schweizer Aktiengesellschaften 1 bringt ein ambivalentes Resultat hervor: Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, in der Konzernleitung ist er bedauerlicherweise gesunken. Nicht einmal jede 20. Stelle ist von einer Frau besetzt. mehr

Die weibliche Vertretung in den Konzernleitungen erweist sich auch im 13. Jahrgang der durchgeführten Studie von Travail.Suisse als äusserst beschämend. Diane de Saint Victor, Bianka Wilson, Lara J. Warner, Wan Ling Martello, Susanne Ruoff, Silvia Ayyoubi, Rita Baldegger, Florence Ollivier-Lamarque und Isabelle Welton sind jene neun Frauen, die Ende 2015 Konzernleitungsmitglied waren. Auf zwei Zeilen lassen sich also alle Frauen zusammenfassen, die Einsitz in den 27 Führungsgremien mit gesamthaft 220 Sitzen haben – dies entspricht einem Anteil von 4 Prozent. Kritisch zu betrachten ist, dass sich dieser Wert gegenüber demjenigen des Vorjahres rückläufig verhält. Bloss in neun von den untersuchten 27 Unternehmen sind Frauen überhaupt vertreten, d.h. zwei Drittel sind reine Männerkomitees 2 . Die oben erwähnte Susanne Ruoff ist die einzige Frau im Sample, welche die Funktion eines CEOs innehat. Nicht eines der Unternehmen zählt mehr als ein weibliches Konzernleitungsmitglied, was bei grossen Gremien – evt. sogar mit erweiterter Konzernleitung – mit über zehn Mitgliedern (ABB, Credit Suisse, Nestlé, Swatch, Zurich) doch eher nachdenklich stimmen mag.

Grafik 1: Entwicklung des Frauenanteils in Verwaltungsrat und Konzernleitung 2002-2015
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Quelle: eigene Darstellung Travail.Suisse

Bei der Zusammensetzung der Verwaltungsräte sieht es etwas besser aus. Obwohl auch hier noch lange nicht von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis gesprochen werden kann, ist 2015 der Frauenanteil wenigstens nicht gesunken, sondern die positive Entwicklung der letzten Jahre hat sich fortgesetzt. Mit einem durchschnittlichen Frauenanteil von 21.8 Prozent ist er im Vergleich zum Vorjahr um ein halbes und gegenüber 2013 um vier Prozent gestiegen. Ein Blick auf den längerfristigen Verlauf zeigt, dass die weibliche Vertretung in den Verwaltungsräten seit 2002 (8.6 Prozent) stetig zugenommen hat. So weit so gut. Trotz diesem positiven Trend ist heute nur gut jedes fünfte Verwaltungsratsmitglied eine Frau, was äusserst bescheiden ist. Ende 2015 bestanden die Verwaltungsräte in drei der untersuchten Unternehmen (Bobst, Clariant und Valora) gar aus reinen Männergremien. Nebst den 193 Verwaltungsräten waren insgesamt 54 Verwaltungsrätinnen im Amt. Bei Coop nahmen vier Frauen der gesamthaft zehn Mitglieder Einsitz im Verwaltungsrat. Auch die Post und die Zurich Insurance sind positive Beispiele mit jeweils vier Frauen im neun- bzw. zehnköpfigen Gremium. Bei Lindt & Sprüngli sind zwei von gesamthaft fünf Mitgliedern Frauen.

Die seit 2006 jährlich durchgeführte Studie der Guido Schilling AG 3 , in der die 100 grössten Schweizer Unternehmen untersucht werden, zeigt ein stetig positiveres, aber dennoch nicht zufriedenstellendes Bild: Der durchschnittliche Frauenanteil in den evaluierten Geschäftsleitungen beträgt sechs Prozent. Beachtlich ist, dass in über zwei Drittel der analysierten Unternehmen Veränderungen in der Zusammensetzung der Gremien stattgefunden haben – erfreulich wäre es, wenn diese Wechsel den Frauen zugutekämen. Unter den gesamthaft 125 neu eingetretenen Mitgliedern befinden sich aber nur gerade neun Prozent Frauen. 15 Prozent der Verwaltungsratsposten sind von Frauen besetzt – viel weniger als im Untersuchungssample von Travail.Suisse. Positiv zeigt sich hier jedoch der Zuwachs an weiblichen Mitgliedern im letzten Jahr; 33% der neuen sind Frauen. In der gesamten Stichprobe des Schillingreports befinden sich nur drei weibliche CEOs und eine Veraltungsratspräsidentin.

Geschlechter-Richtwerte fürs obere Kader müssen eingeführt werden

Im Hinblick auf die Aktienrechtsrevision hat der Bundesrat Ende 2015 Grundsatzentscheide gefasst, bei denen u.a. an den Richtwerten für die Geschlechtervertretung im obersten Kader festgehalten wurde: Der Verwaltungsrat grosser börsenkotierter Unternehmen soll mindestens zu je 30 Prozent aus beiden Geschlechtern bestehen (bei einer unveränderten Anpassungsfrist von fünf Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes). Für die Konzernleitung hat der Bundesrat in den Eckwerten im Vergleich zum Vorentwurf einen tieferen Wert von 20 Prozent beschlossen und die Anpassungsfrist für die Unternehmen von fünf auf zehn Jahre verlängert. Werden diese Ansätze von einem Unternehmen nicht erfüllt, so gilt der sogenannte „Comply-or-Explain-Ansatz“, der keine Sanktionen für Gesellschaften vorsieht, die diese Vorgaben nicht umsetzen, sondern eine Begründung, weshalb die Richtwerte nicht erreicht wurden sowie die Offenlegung vorgesehener Massnahmen verlangt. Travail.Suisse fordert endlich konkrete Massnahmen, denn nur so sind baldige Veränderungen in den Geschäftsführungen möglich.


h2. Noch ganze 90 Jahre bis zu einem Frauenanteil von 20 Prozent in Konzernleitungen?

Wenn es in diesem Tempo weiterginge, so würde es noch neun Jahre dauern, bis die vom Bundesrat verlangte Geschlechtervertretung von je 30 Prozent im Verwaltungsrat erreicht wäre. Bei der Konzernleitung darf es auf gar keinen Fall so schleppend weitergehen wie bisher; auf die vorgesehenen 20 Prozent Frauenanteil in den obersten Schweizer Wirtschaftsgremien müssten wir noch ganze 90 Jahre warten, also bis ins Jahr 2106! U.a. aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass es Richtwerte gibt, die auch eingehalten werden müssen. Sie sind eine gute Starthilfe, um einen besseren und schnelleren Einbezug der Frauen in die Spitzenpositionen zu erreichen. Travail.Suisse stützt das Vorhaben des Bundesrates, eine Quotenregelung für grosse börsenkotierte Unternehmen einzuführen, damit die Diversität der Geschlechter gefördert und ein ausgeglichenes Verhältnis endlich vorangetrieben wird. Männliche Monokulturen können durch die Partizipation von Frauen in Führungsgremien aufgebrochen werden und sich vielfältiger entwickeln.

In der Schweizer Wirtschaft bilden Frauen auch heute noch eine Minderheit. Das weibliche Geschlecht macht aber die Hälfte der Bevölkerung aus – Frauen müssen stärker in den Markt eingebunden werden. Es ist höchste Zeit, dass sie endlich adäquate Positionen zu ihren Fähigkeiten besetzen.


1 Nestlé, UBS, Roche, Novartis, Lindt&Sprüngli, ABB, Credit p(footnote). Suisse, Swatch, Zurich, Oerlikon, Clariant, Swiss Life, Schindler, Kuoni, Bâloise, Lonza, Implenia, Georg Fischer, Swisscom, Helvetia, Valora, Bobst, Ascom, Ruag, Migros, Post, Coop. 2 Bâloise, Bobst, Clariant, Coop, Georg Fischer, Helvetia, Implenia, Kuoni, Lindt&Sprüngli, Lonza, Migros, Novartis, Oerlikon, Schindler, Swiss Life, Swisscom, UBS, Valora. 3 Guido Schilling, schillingreport 2015 (2016, S.6,11,16-17): Transparenz an der Spitze.

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2016 06 6 Mangerloehne II d.docx 58 KB

06. Juni 2016, Laura Iseli, Projektmitarbeiterin "Managerlöhne" Drucker-icon

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