Themen – Arbeit – Löhne

Jetzt ist Zeit für Lohnerhöhungen

Die Schweizer Wirtschaft hat die internationalen Krisenjahre relativ schadlos überwunden und befindet sich wieder in einer Phase von anziehendem Wachstum. Neben dem dynamischen Binnenmarkt verbessern sich auch die Aussichten für die Exportwirtschaft. Mit grossem Einsatz, viel Flexibilität und bescheidenen Lohnerhöhungen in den letzten Jahren haben auch die Arbeitnehmenden ihren Beitrag zur Überwindung der Krise geleistet. In den meisten Branchen ist Luft vorhanden, um diesen Einsatz der Arbeitnehmenden mit deutlichen Lohnerhöhungen in diesem Jahr zu honorieren. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert für die Lohnrunde 2015 Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmenden in der Grössenordnung von 2 Prozent. mehr

Die Schweizer Wirtschaft hat die Finanz- und Wachstumskrise von 2008 erfreulich gut überwunden. Bereits Mitte 2010 hat die Schweiz das Vorkrisenniveau wieder erreicht und durchlebt seither eine solide Wachstumsphase. Mit Wachstumsprognosen von zwei und mehr Prozent sind sie Aussichten positiv; die Schweiz scheint vom Rückenwind der anziehenden Weltkonjunktur zu profitieren. Es ist an der Zeit, die Arbeitnehmenden am erfreulichen Wirtschaftswachstum teilhaben zu lassen.

Schweizer Wirtschaft mit positiven Aussichten

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO 1 rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2 Prozent und prognostiziert für das Jahr 2015 gar ein anziehendes Wirtschaftswachstum von 2.6 Prozent. Während der Krise der letzten Jahre war der Binnenmarkt jeweils die tragende Stütze der Schweizer Konjunktur. Zum einen hat sich der private Konsum sehr positiv entwickelt, er dürfte auch in naher Zukunft wichtig bleiben. Die ausserordentliche Dynamik der letzten Jahre dürfte sich allerdings etwas abschwächen. Es ist insbesondere das absehbare Ende der Null- (oder gar Minusteuerung), das hier bremsend wirkt. Zum anderen war der Bausektor während der internationalen Krisenjahre ein wichtiger Treiber des schweizerischen Wirtschaftswachstums. Auch dieser Bereich leistet für 2014 nochmals einen wichtigen Beitrag zur Stützung der Konjunktur, dürfte sich allerdings mittelfristig, aufgrund des abnehmenden Arbeitsvorrates, etwas abkühlen.

Die Exportwirtschaft sah sich in den letzten Jahren durch das rezessive Umfeld im Euroraum und die starke Aufwertung des Schweizer Frankens mit einer sehr anspruchsvollen Situation konfrontiert. Die Entwicklung der schweizerischen Wirtschaft gesamthaft und insbesondere die Robustheit der Exportwirtschaft ist in diesem Kontext umso bemerkenswerter. So hat sich die wirtschaftliche Lage der meisten Industrieunternehmen im ersten Halbjahr 2014 verbessert und insbesondere aus der MEM-Industrie sind steigende Auftragseingänge bekannt 2 , welche die Kapazitätsauslastungen bereits wieder über den langjährigen Durchschnitt steigen liessen. Und die Aussichten für die Exportwirtschaft verbessern sich im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung weiter. Entscheidend ist hier, dass auch der EU-Raum wieder auf den Wachstumskurs zurückgefunden hat. Die Wachstumsprognosen belaufen sich für den Euroraum im 2014 auf 1 Prozent. Bereits diese leichte Erholung im Euroraum vermag den Exportsektor in der Schweiz zu beleben und führt dazu, dass die Schweizer Exportwirtschaft wieder vermehrt zum Konjunkturaufschwung beiträgt. 3

Arbeitsmarkt ist weiter sehr stabil

Der schweizerische Arbeitsmarkt ist in einer soliden Verfassung. Das Beschäftigungswachstum entwickelt sich mit gemässigtem Tempo weiter – wieder mit leicht zunehmenden Wachstumsraten. Erfreulicherweise hat das Beschäftigungswachstum seit Ende 2013 mit dem Gastgewerbe, dem Detailhandel und der Industrie auch Branchen erfasst, die zuvor seit längerer Zeit keine Stellen mehr aufgebaut haben. Das Beschäftigungswachstum präsentiert sich somit momentan deutlich breiter abgestützt als in den letzten Jahren. Der Arbeitsmarkt reagiert verzögert auf die positive Wirtschaftsentwicklung. Während für dieses Jahr noch eine Arbeitslosenquote von 3.1 Prozent prognostiziert wird, dürfte sie 2015 unter 3 Prozent fallen und bei 2.8 Prozent zu liegen kommen. Der Indikator der Beschäftigungsaussichten 4 hat sich sowohl für den zweiten wie dritten Sektor erhöht, was einen weiteren Stellenaufbau erwarten lässt.

Positive Wirtschaftsentwicklung soll zu angemessenen Lohnerhöhungen führen

Die Lohnrunde 2015 steht ganz im Zeichen der vergangenen unsicheren Jahre, in denen die Arbeitnehmenden trotz grosser Unsicherheit und starker Belastung eine hohe Leistung erbracht haben. Gleichzeitig sind die Lohnrunden der letzten Jahre unterdurchschnittlich ausgefallen. Mit Blick auf diese bescheidenen Lohnerhöhungen der letzten Jahre und den sich weiter verbessernden Wirtschaftsaussichten ist für Travail.Suisse klar, dass bei den Arbeitgebern genügend Luft vorhanden ist, um den Arbeitnehmenden spürbare und faire Lohnerhöhungen zuzugestehen. Lohnerhöhungen in der Grössenordnung von 2 Prozent sind aus folgenden Gründen realistisch und angemessen:

Bescheidene Nominallohnentwicklung in den letzten Jahren: Die Lohnerhöhung über die letzten vier Jahre fiel sehr bescheiden aus. Für das letzte Jahr rechnet die Lohnumfrage der UBS vom Herbst 2013 mit einer Nominallohnerhöhung von lediglich 0.9 Prozent. Mit dem absehbaren Ende der Zeit mit Null- oder gar Negativteuerung (die Prognosen gehen für dieses und insbesondere nächstes Jahr von einer anziehenden Inflation von 0.6 Prozent aus) steigt der Bedarf von Lohnerhöhungen. Damit der private Konsum auch in naher Zukunft eine wichtige Stütze der schweizerischen Konjunktur bleiben wird, ist es wichtig, dass die Lohnrunde 2015 die Kaufkraft der Arbeitnehmenden stärkt. Travail.Suisse erwartet für die Lohnrunde 2015 eine deutlich grössere Nominallohnerhöhung als im Vorjahr.
Früchte des Wachstums gerecht verteilen: Die Managerlohnstudien von Travail.Suisse zeigen, dass sich die Lohnschere – das Verhältnis zwischen dem höchsten und dem tiefsten Lohn im gleichen Unternehmen – in den letzten Jahren stark geöffnet hat. Während sich die Teppichetage ihre Bezüge um ein Mehrfaches erhöht hat, blieben für die normalen Arbeitnehmenden nur geringfügige Lohnerhöhungen übrig. Wenn das erreichte Wachstum in erster Linie den Chefs und Aktionären zugute kommt, führt dies zu einer ungleichen Einkommensverteilung. Neben einer politischen Lösungsfindung für das Problem der überhöhten Managersaläre braucht es zwingend kontinuierliche und spürbare Lohnerhöhungen für alle Arbeitnehmenden. Ausserdem ergibt sich durch die wieder stärker wachsende Arbeitsproduktivität für die Unternehmen ein grösserer Spielraum für die Lohnverhandlungen. Lohnerhöhungen in der Grössenordnung des Wirtschaftswachstums sind in den meisten Branchen realistisch.
Fokus auf Mindestlöhne und Frauenlöhne: Im Vorfeld der Abstimmung zur Mindestlohninitiative ist von Seiten der Wirtschaft und der Arbeitgeber immer wieder betont worden, dass Mindestlöhne in der Sozialpartnerschaft und nicht im Gesetz geregelt werden müssen. Nachdem ein gesetzlicher Mindestlohn jetzt vom Tisch ist, müssen die Arbeitgeber den Beweis erbringen, dass sie gewillt sind, in den Lohnverhandlungen gezielt Verbesserungen für die Arbeitnehmenden mit den tiefsten Einkommen zu ermöglichen. Für Travail.Suisse ist klar, dass im diesjährigen Lohnherbst ein besonderer Fokus auf Vereinbarungen, resp. Erhöhungen von orts- und branchenüblichen Mindestlöhnen gelegt werden muss. Gleiches gilt für die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. Der freiwillige Lohngleichheitsdialog ist praktisch ergebnislos beendet worden. Es liegt jetzt an den Arbeitgebern zu beweisen, dass die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau nicht nur toter Buchstabe in der Verfassung ist, sondern auch effektiv angestrebt wird. Travail.Suisse fordert daher, dass in den Lohnverhandlungen in diesem Herbst ein sozialpartnerschaftlicher Fokus auf die Verbesserung der Frauenlöhne gelegt wird.
Reguläre Lohnerhöhungen statt Boni; generelle statt individuelle Lohnerhöhungen: Travail.Suisse fordert für die Arbeitnehmenden reguläre Lohnerhöhungen anstelle eines Bonus. Nur reguläre Lohnerhöhungen garantieren eine nachhaltige Lohnentwicklung und führen zu einem konsolidierten Rentenanspruch. Ein Bonus mag zwar ein willkommener Zustupf sein, ist aber kein beständiger Lohnbestandteil und soll nur in Ausnahmefällen und vor allem nicht als Ersatz für reguläre Lohnerhöhungen ausbezahlt werden. Ausserdem sollen Lohnerhöhungen in erster Linie generell gewährt werden. Am Wirtschaftswachstum sollen alle Arbeitnehmenden teilhaben. Nur ein kleiner Teil der gesamten Lohnerhöhungen soll für individuelle Lohnerhöhungen verwendet werden. Während seit 2010 der Anteil der generellen Lohnerhöhungen zugenommen 5 hat, zeigen die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik, dass im 2013 deutlich mehr als die Hälfte der Lohnerhöhungen individuell ausgeschüttet wurden. Diese Entwicklung ist zwingend wieder zu korrigieren.


1 Konjunkturtendenzen Sommer 2014.
2 SwissMEM Panorama 2014.
3 UBS Outlook Schweiz. 3.Quartal 2014.
4 BFS Arbeitsmarktindikatoren 2014.
5 BFS, Gesamtarbeitsvertragliche Lohnabschlüsse 2013.

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2014 08 25 TravailSuisse-Lohnforderungen d.docx 23 KB

25. August 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Jetzt ist es Zeit für Lohnerhöhungen

Die Schweizer Wirtschaft befindet sich 2014 auf einem erfreulichen Wachstumskurs. Und die Aussichten auf das kommende Jahr sind noch besser. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz haben mit grossem Einsatz und hoher Flexibilität dazu beigetragen, die Schweiz aus der Krise zu heben. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union fordern deshalb für die Lohnrunde 2015 Lohnerhöhungen in der Grössenordnung von 2 Prozent. mehr

Die Schweizer Wirtschaft hat die internationalen Krisenjahre relativ schadlos überwunden und befindet sich mittlerweile wieder in einer Phase von anziehendem Wachstum. Mit grossem Einsatz haben die Arbeitnehmenden ihren Beitrag zur Überwindung der Krise geleistet. In den meisten Branchen ist Luft vorhanden, um diesen Einsatz der Arbeitnehmenden mit deutlichen Lohnerhöhungen in diesem Jahr zu honorieren.

Schweizer Wirtschaft mit positiven Aussichten

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2 Prozent und prognostiziert für das Jahr 2015 gar ein Wachstum von 2.6 Prozent. Für die Schweiz ist und bleibt der Binnenmarkt, getragen durch den privaten Konsum und den Bausektor, eine wichtige Stütze. Aber auch für die Exportwirtschaft verbessern sich die Aussichten. Solide präsentiert sich auch der schweizerische Arbeitsmarkt: Das Beschäftigungswachstum entwickelt sich in gemässigtem Tempo weiter, erfreulicherweise hat es seit Ende 2013 mit dem Gastgewerbe, dem Detailhandel und der Industrie auch Branchen erfasst, die zuvor seit längerer Zeit keine Stellen mehr aufgebaut haben.

Positive Wirtschaftsentwicklung soll zu angemessenen Lohnerhöhungen führen

In den letzten Jahren haben die Arbeitnehmenden bei äusserst bescheidenen Lohnerhöhungen grosse Leistungen erbracht. Travail.Suisse und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel & Gastro Union für die Lohnrunde 2015 fordern aus folgenden Gründen Lohnerhöhungen in der Grössenordnung von 2 Prozent:

Bescheidene Nominallohnentwicklung im letzten Jahr: Die Lohnerhöhungen über die letzten vier Jahre fielen sehr bescheiden aus. Aufgrund der Wirtschaftsprognosen für dieses und insbesondere für das kommende Jahr müssen Lohnerhöhungen wieder drin liegen – auch um den privaten Konsum zu stützen, der für die schweizerischen Konjunktur sehr wichtig ist.

Früchte des Wachstums gerecht verteilen: Die Managerlohnstudien von Travail.Suisse zeigen, dass sich die Lohnschere in den letzten Jahren stark geöffnet hat. Während sich die Teppichetage ihre Bezüge um ein Mehrfaches erhöht hat, blieben für die normalen Arbeitnehmenden nur geringfügige Lohnerhöhungen übrig. Aber nur regelmässige Lohnerhöhungen für alle Arbeitnehmenden garantieren eine gerechte Verteilung des Wohlstandes.

Fokus auf Mindest- und Frauenlöhne: Im Vorfeld der Abstimmung zur Mindestlohninitiative wurde von Wirtschaft und Arbeitgebern immer wieder betont, dass Mindestlöhne in der Sozialpartnerschaft ausgehandelt werden müssen. Jetzt müssen die Arbeitgeber den Beweis erbringen, dass sie gewillt sind, gezielt Verbesserungen für Arbeitnehmende mit tiefen Einkommen zu realisieren. Ein weiterer Fokus muss auf den Frauenlöhnen liegen. Der freiwillige Lohngleichheitsdialog ist praktisch ergebnislos gescheitert. Es liegt jetzt an den Arbeitgebern zu beweisen, dass die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau nicht nur toter Buchstabe in der Verfassung ist, sondern auch effektiv angestrebt wird.

Für Travail.Suisse ist klar, dass es für die Arbeitnehmenden reguläre Lohnerhöhungen anstelle eines Bonus geben muss, denn nur reguläre Lohnerhöhungen garantieren eine nachhaltige Lohnentwicklung und führen zu einem konsolidierten Rentenanspruch. Travail.Suisse fordert ausserdem generelle Lohnerhöhungen statt individuelle, denn am Wirtschaftswachstum sollen alle Arbeitnehmenden teilhaben können.

Mehr Informationen:
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
• Arno Kerst, Vizepräsident Syna, Tel. 079 598 67 70
• Eric Dubuis, Mitglied der Geschäftsleitung und Sekretär Romandie Hotel & Gastro Union, Tel. 079 290 76 26
• Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Vize-Präsident des Personalverbands transfair, Tel. 076 332 15 26

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2014 08 04 MK-Lohnforderungen-2015 Redetext-Fischer TravailSuisse d.doc 90 KB

2014 08 04 MK-Lohnforderungen-2015 Redetext-Kerst Syna d.doc 85 KB

2014 08 04 MK-Lohnforderungen-2015 Redetext-Mueller-Altermatt transfair d.docx 38 KB

2014 08 04 MK-Lohnforderungen-2015 Redetext-Dubuis Hotel Gastro Union d.docx 519 KB

04. August 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Von Mindestlohn und Sozialpartnerschaft

In den parlamentarischen Debatten zur Mindestlohninitiative haben wir es mit anderen Vorschlägen, welche die Sozialpartnerschaft gefördert hätten, versucht, so z.B. einer Änderung der Bedingungen für eine flächendeckendere Einführung von Gesamt- oder Normalarbeitsverträgen. Auf diesem Weg hätte man eine Differenzierung des Mindestlohnes nach Branche und Region beibehalten. Leider haben die rechten Parteien diese Vorschläge systematisch abgelehnt, obwohl sie die Vorzüge der Sozialpartnerschaft anpreisen. mehr

Bevor Sie Ihren Stimmzettel in die Urne legen, leite ich Ihnen diesen Aufruf von «Eglise et Monde du travail», einer der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Waadt nahestehenden Vereinigung, weiter:

In Stellungnahmen zur Abstimmung zu den Mindestlöhnen gehen ethische Fragen und die von den Working Poor, Männern wie Frauen, erlebte Realität meistens vergessen.

Ein zu tiefer Lohn bedeutet, dass die Arbeit nicht anerkannt wird: Einer Person, die Vollzeit arbeitet und dabei etwa dasselbe Einkommen hat, wie wenn sie nicht arbeiten und Sozialhilfe erhalten würde, wird die Botschaft vermittelt: Ihre Arbeit ist nichts wert!

Ein zu tiefer Lohn ist eine Verletzung der Würde: Wenn eine Person Vollzeit arbeitet und am Monatsende um die Unterstützung der Sozialhilfe betteln muss, weil ihr Lohn nicht zum Leben reicht, ist sie in ihrer Würde verletzt.

Dient die Sozialhilfe dem Ausgleich von zu tiefen Löhnen, wird sie zweckentfremdet: Die Sozialhilfe ist Ausdruck von Solidarität, wenn die privaten Akteure nicht mehr intervenieren können. Sie wird zweckentfremdet, wenn sie Unternehmen ermöglicht, ihre Mitarbeitenden unterzubezahlen.

Niedriglohnbeschäftigung rettet keine Unternehmer: Wirtschaftliche Schwierigkeiten gibt es, das weiss man. Aber wenn ein Landwirt, eine Familie oder ein Kleinunternehmer seine Mitarbeitenden nicht angemessen bezahlen kann, damit sie in Würde leben können, ist das ein Zeichen dafür, dass der Unternehmer selbst nicht genug verdient, um seine Firma am Leben zu halten. Das Problem kann, wenn es wirtschaftlich ist, nicht auf den Schultern der Arbeitnehmenden gelöst werden.

Niemand spricht davon: Die zur Abstimmung vorgelegte Initiative lässt Ausnahmen zu! Absatz 5 der Initiative sieht vor, dass Ausnahmeregelungen unter Mitwirkung der Sozialpartner möglich sind. Diese Bestimmung eignet sich zur Förderung eines Dialogs, der notwendig und in Niedriglohnsektoren oft nicht vorhanden ist.

Kein Vertrag schützt den Lohn von Working Poor: Den Gewerkschaften gelingt es nicht, sich zu organisieren und sich in Wirtschaftssektoren ohne Gesamtarbeitsvertrag Gehör zu verschaffen. Arbeitgeber, die ihre Angestellten schlecht bezahlen, lassen sich nie auf eine Verhandlung oder einen Vertrag zu den Löhnen ein, solange es kein Gesetz gibt, das sie zur Aushandlung und Unterzeichnung eines GAV verpflichtet.

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2014 05 12 A-propos-de-salaire-minimal-et-de-partenariat-social d.docx 15 KB

12. Mai 2014, Josiane Aubert, Vizepräsidentin Travail.Suisse Drucker-icon

Nur flankierende Massnahmen garantieren den Lohnschutz in der Schweiz

Der heutige Bericht des seco zur Umsetzung der flankierenden Massnahmen zum freien Personenverkehr, stellt den flankierenden Massnahmen ein gutes Zeugnis zum Schutz der Löhne in der Schweiz aus. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden ist klar, dass die flankierenden Massnahmen unabdingbar sind, um den Lohnschutz in der Schweiz zu garantieren. mehr

Die flankierenden Massnahmen wurden zeitgleich mit der Personenfreizügigkeit eingeführt, um die in- und ausländischen Arbeitnehmenden vor Verstössen gegen die schweizerischen minimalen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schützen. Auch wenn der Bericht etwas gar schönfärberisch daher kommt, teilt Travail.Suisse die Meinung, dass dank den flankierenden Massnahmen ein erodieren der Löhne auf breiter Front verhindert werden konnte. „Die flankierenden Massnahmen sind ein wichtiges Element des erfolgreichen Arbeitsmarktes in der Schweiz und helfen entscheidend mit, die Löhne in der Schweiz zu schützen. Besser jedenfalls als dies eine willkürliche und diskriminierende Beschränkung der Einwanderung tun könnte“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Flankierende Massnahmen bei Branchen mit Mindestlohn besonders effektiv

Auffällig ist, dass in Branchen mit einem GAV (und damit einem Mindestlohn) bei 33 Prozent der Entsendebetriebe (resp. 25 Prozent der CH-Betriebe) Lohndumping vermutet wird. Im Gegensatz dazu liegen diese Zahlen bei Branchen ohne GAV mit 15 Prozent Lohndumping bei Entsendebetrieben (resp. 8 Prozent bei CH-Betrieben) bedeutend tiefer. Nur in Branchen mit einem Mindestlohn kann die Lohnunterbietung effektiv nachgewiesen werden. Das Abstützen auf orts- und branchenüblichen Löhnen ist schwammig und zum Teil willkürlich und mit tiefen Refernzlöhnen kann die Schwelle für Lohndumping bei sehr tiefen Löhnen festgesetzt werden. Für Gabriel Fischer ist klar, „dass die Allgemeinverbindlicherklärung von Gesamtarbeitsverträgen erleichtert werden muss, damit die flankierenden Massnahmen effektiv angewandt werden können und der Lohnschutz in der Schweiz funktioniert“.

Für weitere Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, 076 412 30 53

05. Mai 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Vorstand von Travail.Suisse sagt Ja zur Mindestlohninitiative

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat an der Vorstandssitzung vom 4. Februar die Parole für die Mindestlohninitiative gefasst, über die das Stimmvolk am 18. Mai abstimmen wird. Der Vorstand sagt Ja zum gesetzlichen Mindestlohn und anerkennt damit den dringenden Handlungsbedarf bei den tiefen Löhnen. mehr

Die Mindestlohninitiative fordert einen gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde, was einem Monatslohn von rund 4000 Franken entspricht. Travail.Suisse anerkennt die Probleme der Personen in den Tieflohnbranchen und ortet insbesondere im Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit und dem damit zusammenhängen Lohn- und Beschäftigungsdruck Handlungsbedarf.

Kein Entgegenkommen aus der Politik

Travail.Suisse hat auf verschiedenen Ebenen auf einen indirekten oder einen direkten Gegenvorschlag zur Mindestlohninitiative hingearbeitet, was als Zeichen für eine funktionierende Sozialpartnerschaft hätte gewertet werden dürfen. Schliesslich wurde die Initiative durch das Parlament ohne den kleinsten Schritt des Entgegenkommens abgelehnt. „Die Politik hätte die Chance gehabt, einen Mittelweg zu finden. Da kein Entgegenkommen spürbar war, sagt Travail.Suisse Ja zur Mindestlohninitiative“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Für mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 031/370’21’11

05. Februar 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
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