Themen – Arbeit – Arbeitsmarkt

Ladenöffnungsgesetz: Der Nationalrat ist uneinsichtig

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist bestürzt über den Entscheid des Nationalrates, das neue Ladenöffnungsgesetz anzunehmen. Der Nationalrat will damit die bisherige Kompetenz der Kantone beim Festlegen der Ladenöffnungszeiten übersteuern. Das Bundesgesetz würde für zwei Drittel der Kantone eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten und damit für über 200‘000 Arbeitnehmende im Detailhandel eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen bedeuten. mehr

Während der Ständerat in der letzten Session nicht auf dieses Geschäft eingetreten ist, zeigt sich der Nationalrat uneinsichtig. Mit dem neuen Bundesgesetz über die Ladenöffnungszeiten soll die Kompetenz der Kantone in diesem Bereich ausgehebelt werden. Als Folge davon müssten eine Mehrheit der Kantone ihre Öffnungszeiten sowohl unter der Woche als auch an Samstagen ausdehnen. In den betroffenen Kantonen arbeiten über 200‘000 Personen im Detailhandel. Für diese bedeutet der Entscheid des Nationalrates eine Verlängerung der Arbeitszeiten, zerstückelte Arbeitstage und flexiblere Einsatzzeiten. Die Vereinbarkeit mit dem Familien- und Sozialleben wird verunmöglicht und die Arbeitsbedingungen verschlechtert.

Zwängerei der Liberalisierer

Im Bereich der Ladenöffnungszeiten gibt es eine eigentliche Zwängerei der Liberalisierer. Allein auf kantonaler Ebene fanden seit 2009 11 Abstimmungen zur Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten statt. Dabei hat die Stimmbevölkerung in den Kantonen in 9 von 11 Vorlagen eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten abgelehnt – dazu kommt noch die vehemente Ablehnung von Vorlagen zur Totalliberalisierung in mehreren Kantonen. Auch die Kantonsregierungen äussern sich grossmehrheitlich ablehnend zum neuen Bundesgesetz. „Der Nationalrat politisiert hier deutlich an der Haltung der Kantone, an den Entscheiden der Kantonsbevölkerung und an den Interessen der Arbeitnehmenden im Detailhandel vorbei“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Die Gesetzesvorlage kommt nun zurück in den Ständerat. Travail.Suisse fordert daher die Mitglieder des Ständerates auf, ihre Rolle als Kantonsvertreter zu spielen und das Ladenöffnungsgesetz auch zukünftig abzulehnen.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53

29. Februar 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Arbeitsmarkt zunehmend in Schieflage

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist besorgt über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Schweiz. Die neusten Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung des Bundesamtes für Statistik zeigen eine deutliche Zunahme der Erwerbslosen in der Schweiz. Besorgniserregend ist insbesondere die Zunahme von erwerbslosen Jugendlichen und von erwerbslosen Arbeitnehmenden ab 50 Jahren. mehr

Die Zahlen gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) zeigen, dass der schweizerische Arbeitsmarkt zunehmend in Schieflage gerät. Während einerseits zwischen dem 4. Quartal 2014 und dem 4. Quartal 2015 die Zahl der Erwerbstätigen um 0.5 Prozent gestiegen ist, nahm gleichzeitig die Erwerbslosenquote von 4.1 auf 4.7 Prozent zu. Von der steigenden Beschäftigung können die inländischen Arbeitskräfte nicht profitieren. Ausserdem entwickelt sich die Schweiz entgegengesetzt zum europäischen Umfeld. Dort ist die Erwerbslosenquote im gleichen Zeitraum von 10.0 auf 9.1 Prozent gesunken. Seit dem 3. Quartal 2015 liegt die Erwerbslosenquote in der Schweiz erstmals überhaupt höher als in Deutschland.

Wirtschaftliche Unsicherheit ist schädlich für den Arbeitsmarkt

Für Travail.Suisse ist klar, dass die Unsicherheit über die zukünftige Beziehung der Schweiz zur Europäischen Union beseitigt werden muss. Nur ein Erhalt der Bilateralen Verträge kann eine Basis für den Wirtschaftsstandort Schweiz darstellen, auf der sich auch der Arbeitsmarkt positiv entwickeln kann. Bei der Umsetzung von Art. 121a der Bundesverfassung muss mit der EU eine Verhandlungslösung gefunden werden. Eine unilaterale Einführung einer Schutzklausel mit allfälligen Kontingenten kann kein zielführender und nachhaltiger Weg sein.

Trotz einer leichten Abschwächung in den letzten Monaten ist der Schweizer Franken nach wie vor überbewertet, was sich nicht zuletzt negativ auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Die Nationalbank ist hier weiter gefordert, Massnahmen zu treffen, um den Franken zu schwächen und ein realistisches und verträgliches Wechselkursverhältnis zum Euro zu erreichen. Aus Sicht von Travail.Suisse gehört der Erhalt der Beschäftigung in der Schweiz zu den prioritären Zielen der Schweizerischen Nationalbank.

Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie ältere Arbeitnehmende sind besonders betroffen

Betroffen von der zunehmenden Schieflage auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sind insbesondere die Jugendlichen und die älteren Arbeitnehmenden. So stieg die Jugenderwerbslosigkeit innerhalb eines Jahres von 6.2 auf 9.8 Prozent und bei den älteren Arbeitnehmenden von 3.2 auf 4.0 Prozent. Für Travail.Suisse ist es an der Zeit, dass die Politik hier Massnahmen ergreift. Die Jugendlichen sind beim Berufseinstieg stärker zu unterstützen, um sie im Arbeitsmarkt zu integrieren; bei den älteren Arbeitnehmenden braucht es Massnahmen zum besseren Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit und zum Verbleib im Arbeitsmarkt.

Für mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 031 370 21 11 oder 076 412 30 53

18. Februar 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Travail.Suisse begrüsst Verlängerung der Kurzarbeit

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst den heutigen Entscheid des Bundesrates, die Bezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung von zwölf auf achtzehn Monate zu verlängern. Die vom überbewerteten Franken betroffenen Unternehmen können sich damit über einen längeren Zeitraum an die neue Marktlage anpassen und die Zahl der Entlassungen kann gebremst werden. Angesichts der angespannten Situation auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt unterstützt Travail.Suisse Massnahmen zu dessen Beruhigung. mehr

Mit der Verlängerung der Bezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigung auf achtzehn Monate und der gleichzeitigen Verkürzung der Karenzzeit auf einen Tag pro Abrechnungsperiode macht der Bundesrat einen kleinen Schritt zur Unterstützung des gebeutelten Arbeitsmarktes in der Schweiz.

Praktisch gleichzeitig mit der Ankündigung des Bundesrates wurde auch der Verlust von über 1000 Arbeitsplätzen bei Alstom bekannt gegeben. Und auch die Prognosen für 2016 sind negativ. Erwartet wird eine Erhöhung der Arbeitslosenquote auf 3.6 Prozent – so hoch wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor fünf Jahren nicht mehr. Die Kurzarbeit ist in diesem Kontext ein bewährtes Mittel zur Verhinderung von vorschnellen Entlassungen. Travail.Suisse begrüsst daher den heutigen Entscheid des Bundesrates, auch wenn momentan erst wenige Unternehmen von der Kurzarbeit als Folge von Währungsschwankungen Gebrauch machen. Es ist durchaus denkbar, dass sich einerseits bei etlichen Unternehmen die sinkenden Auftragseingänge erst langsam auf die Beschäftigung auswirken, resp. dass zuerst die noch bestehenden Überstunden abgebaut werden, bevor Kurzarbeit zur Anwendung kommt. Andererseits ist es für die Arbeitnehmenden der bereits stark betroffenen Unternehmen wichtig, früh über eine mögliche Verlängerung der Kurzarbeit informiert zu werden.

Für mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident, Tel. 079 287 04 93
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 076 412 30 53

13. Januar 2016, Adrian Wüthrich, Präsident und Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Dunkle Wolken über dem Arbeitsmarkt

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist besorgt über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Schweiz. Wie das SECO an seiner heutigen Medienkonferenz mitteilte, hat die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im 2015 weiter zugenommen und auch die Aussichten für 2016 sind alles andere als rosig. Ende 2015 sind 158‘629 Personen in der Schweiz als arbeitslos gemeldet, was einer Zunahme von über 11‘000 Personen während des letzten Jahres entspricht. mehr

Die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung und der zukünftigen Beziehung mit der Europäischen Union sowie die Überbewertung des Frankens nach dem Entscheid der Nationalbank zur Aufhebung des Euromindestkurses vor einem Jahr hinterlassen ihre Spuren auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag 2015 im Mittel bei 3.3 Prozent, was einer Zunahme von 0.1 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Laut den aktuellsten SECO-Prognosen vom Dezember 2015 ist fürs laufende Jahr mit einer weiteren Zunahme auf 3.6 Prozent zu rechnen, womit die Arbeitslosenquote so hoch wie nie mehr seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2009 wäre.

Bestehende Unsicherheiten beseitigen

Für Travail.Suisse ist klar, dass die Unsicherheit über die zukünftige Beziehung der Schweiz zur Europäischen Union beseitigt werden muss. Nur ein Erhalt der Bilateralen Verträge kann eine Basis für den Wirtschaftsstandort Schweiz darstellen, auf dem sich auch der Arbeitsmarkt positiv entwickeln kann. Bei der Umsetzung von Art. 121a der Bundesverfassung muss mit der EU eine Verhandlungslösung gefunden werden. Eine unilaterale Einführung einer Schutzklausel mit allfälligen Kontingenten kann kein zielführender und nachhaltiger Weg sein.

Wesentlich für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist auch das Niveau des Wechselkurses des Schweizer Frankens. Auch wenn sich die Befürchtung einer Parität zum Euro nicht eingestellt hat, ist der Franken nach wie vor stark überbewertet. Die Nationalbank ist hier weiter gefordert, Massnahmen zu treffen, um den Franken zu schwächen und ein realistisches und verträgliches Wechselkursverhältnis zum Euro zu erreichen.

Massnahmen für Berufseinsteiger und ältere Arbeitnehmende

Weiter fordert Travail.Suisse die Politik auf, Massnahmen zu ergreifen, um Personengruppen mit besonderen Problemen auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen. Dazu zählen einerseits Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, welche teilweise nicht oder nur mit erheblichen Problemen und Umwegen in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Andererseits sind insbesondere die älteren Arbeitnehmenden betroffen. Hier sind Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsmarktfähigkeit und zum Verbleib im Arbeitsmarkt gefordert.

Für mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 076 412 30 53

08. Januar 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Jetzt braucht es Lösungen für die Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist erfreut über die heutige Ankündigung des Bundesrates, zusätzliche Massnahmen für den besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen zu prüfen. Endlich scheint auch der Bundesrat zur Einsicht gekommen zu sein, dass die Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung mit zusätzlichen Massnahmen begleitet werden muss. Es ist unabdingbar, dass rasch Lösungen präsentiert werden, um diese noch in die Botschaft zur Umsetzung von Artikel 121a integrieren zu können. mehr

Die Ankündigung des Bundesrates von vorletzter Woche, eine Schutzklausel einzuführen, birgt grosse Risiken für den Wirtschaftsstandort Schweiz und bedroht die Situation der Arbeitnehmenden. Endlich hat auch der Bundesrat erkannt, dass es Massnahmen zum besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen braucht. Travail.Suisse wird sich mit aller Kraft für eine Optimierung der flankierenden Massnahmen einsetzen.

Auch im Rahmen der Fachkräfteinitiative wurden richtige Entscheide gefällt. Für Travail.Suisse ist zudem klar, dass die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt verbessert, die Arbeitsmarktpartizipation der Frauen über eine Vereinfachung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhöht und der Verbleib von älteren Arbeitnehmenden im Arbeitsmarkt gesichert werden muss. Travail.Suisse wird sich in den Gesprächen mit dem Bundesrat weiterhin für eine Sonderfinanzierung der Weiterbildung der älteren Arbeitnehmenden einsetzen und in den Arbeitsgruppen aktiv mitarbeiten. Nur wenn wirksame Massnahmen beschlossen werden, kann Travail.Suisse am Fachkräftegipfel im September 2016 die Massnahmen sozialpartnerschaftlich mittragen.

Rasche Massnahmen zum Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen

Der Bundesrat hat sich viel Zeit gelassen, umso entscheidender ist jetzt ein rasches Vorgehen.„Die Massnahmen zum besseren Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen müssen zwingend in die Botschaft zur Umsetzung von Artikel 121a der Bundesverfassung integriert werden. Das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse. Die Botschaft ist bereits für Ende März angekündigt, weshalb es jetzt rasch konkrete Lösungen braucht. Travail.Suisse begrüsst, dass der Bundesrat endlich die Weichen gestellt hat; gefordert sind jetzt aber insbesondere auch die Arbeitgeber. Travail.Suisse fordert diese auf, Hand zu bieten für Lösungen der Probleme auf dem Arbeitsmarkt und weitere Verbesserungen zum Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen. Nur mit effektiven Massnahmen wird es gelingen, die Bevölkerung weiterhin vom bilateralen Weg mit der europäischen Union zu überzeugen.

Für mehr Informationen :
Adrian Wüthrich, Präsident, Tel. 079 287 04 93

18. Dezember 2015, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

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