Themen – Arbeit – Arbeitsbedingungen

Das neue Ladenöffnungsgesetz verschlechtert die Arbeitsbedingungen von über 200‘000 Arbeitnehmenden

Ende dieser Woche endet die Vernehmlassungsfrist über die Einführung eines neuen Bundesgesetzes über die Ladenöffnungszeiten (LadÖG). Damit soll die bisherige Kompetenz der Kantone beim Festlegen der Ladenöffnungszeiten übersteuert werden. Für zwei Drittel der Kantone bedeutet dies eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, lehnt diese Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Angestellten im Detailhandel klar ab. mehr

Das neue Ladenöffnungsgesetz sieht vor, dass Geschäfte unter der Woche mindestens bis 20 Uhr und an Samstagen mindestens bis 19 Uhr geöffnet werden dürfen. Kantone mit restriktiveren Regelungen müssten ihre Ladenöffnungen anpassen. Längere Ladenöffnungszeiten verschlechtern die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmenden im Detailhandel. Die Reichweite dieses neuen Gesetzes ist sehr gross; betroffen wären 16 Kantone der Schweiz und damit verschlechterte Arbeitsbedingungen für über 200‘000 Arbeitnehmende im Detailhandel.

Fadenscheiniges Argument der Befürworter

Begründet wird das neue Gesetz unter anderem mit dem Wunsch nach harmonisierten Ladenöffnungszeiten. Harmonisierung hiesse aber, dass die Mindestöffnungszeiten im Gesetz konsequenterweise auch gleich den maximalen Ladenöffnungszeiten entsprechen würden. Eine solche Limitierung der Öffnungszeiten gegen oben wird aber im Gesetzesentwurf explizit ausgeschlossen. Damit zeigt sich deutlich, dass es in Tat und Wahrheit lediglich um eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten geht: „Eine solche Verlängerung der Ladenöffnungszeiten durch die Hintertüre lehnen wir ab“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Zwängerei der Liberalisierer

Im Bereich der Ladenöffnungszeiten gibt es eine eigentliche Zwängerei der Liberalisierer. Auf kantonaler Ebene fanden in den letzten Jahren viele Abstimmungen zu diesem Thema statt. Dabei hat sich die Stimmbevölkerung mehrheitlich gegen verlängerte Öffnungszeiten ausgesprochen. Allein seit 2009 ist in 6 der 16 betroffenen Kantone eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten im Sinne des neuen LadÖG von der Stimmbevölkerung abgelehnt worden – dazu kommt noch die vehemente Ablehnung von Vorlagen zur Totalliberalisierung in mehreren Kantonen. Der Versuch diese kantonalen Volksentscheide über ein Bundesgesetz zu übersteuern ist demokratiepolitisch äusserst fragwürdig und wird von Travail.Suisse abgelehnt.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Mobile: 076’412’30’53

27. Mai 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Belastung und Erholung in der Arbeitswelt sind zunehmend unausgewogen

Schweizer Arbeitskräfte sind sehr flexibel und einsatzfreudig und leisten so einen wichtigen Beitrag zur erfreulichen Performance des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft in der Schweiz. Gleichzeitig nehmen aber die Belastungen in der Arbeitswelt ständig zu; Produktivitätssteigerungen und Arbeitsverdichtungen erhöhen den Druck auf die Arbeitnehmenden. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass die Balance zwischen Belastung und Erholung zunehmend verloren geht. Die Folge sind gesundheitliche Probleme bei den Betroffenen und hohe Kosten für die Gesellschaft. mehr

In den letzten 30 Jahren hat die Arbeitswelt grosse Änderungen erfahren. Zeitdruck, Arbeitsverdichtung, Parallelität von Aufgabenerledigungen („Multitasking“), ständige Arbeitsunterbrechungen durch Telefonate und E-Mails sowie das Verschwimmen von klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verursachen Druck und Stress bei den Arbeitsnehmenden. Ausserdem zeichnet sich der Arbeitsmarkt der Schweiz durch lange Arbeitszeiten, weite Arbeitswege und viele Überstunden aus.

Lange Arbeitszeiten und grosser Einsatz der Arbeitnehmenden

Die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten war über lange Zeit hinweg ein Kernanliegen der Gewerkschaften. Es ging dabei um den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten, eine verbesserte Lebensqualität und – in Zeiten verbreiteter Erwerbslosigkeit – um die Sicherung von Arbeitsplätzen. In der Schweiz verlief die Entwicklung der Arbeitszeitverkürzung immer schon weniger stark ausgeprägt. Seit 1967 beträgt die gesetzliche Wochenarbeitszeit für die meisten Arbeitnehmenden 45 Stunden und hat sich seither kaum mehr verändert. So weisen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BfS) 1 für die Schweiz zwischen 1990 und 2009 nur noch eine geringfügige Reduktion der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 0.5 Stunden aus. Im europäischen Vergleich sind die Wochenarbeitszeiten in der Schweiz überdurchschnittlich lang. In einer europaweiten Studie 2 wird die Wochenarbeitszeit (nur Vollzeitstellen) im Jahr 2010 in der Schweiz mit durchschnittlich 44.3 Stunden ausgewiesen, während das europäische Mittel bei 42.5 Stunden und in den direkten Nachbarländern der Schweiz noch einmal darunter liegt.

Für die Erwerbstätigen in der Schweiz kommen zu den langen Arbeitszeiten auch noch überdurchschnittlich lange Wege zur Arbeitsstelle hinzu. Im Europäischen Durchschnitt benötigen Arbeitnehmenden knapp 40 Minuten pro Tag für ihren Arbeitsweg (hin und zurück), in der Schweiz sind es knapp 10 Minuten mehr. Seit 2005 hat sich die durchschnittliche Länge des Arbeitsweges um fast 13 Minuten verlängert.

Auch in Bezug auf die geleisteten Überstunden lässt sich eine zunehmende Belastung der Schweizer Arbeitnehmenden feststellen (vgl. Grafik 1). Im Jahr 2011 wurden in der Schweiz 219 Millionen Überstunden geleistet. Dies entspricht 113‘000 Vollzeitstellen. Das Überstundenvolumen hat stark zugenommen. So weist das BfS seit 2002 eine Zunahme der Überstunden pro Kopf von 15 Prozent aus.

Grafik 1: Entwicklung der Überstunden 2005-2011 (in Mio. Stunden)
Grafik_Entwicklung_der_Ueberstunden_2005-2011.jpg
(eigene Darstellung. Quelle: Beschäftigungsstatistik BfS 2013 & AVOL)

Belastung und Stress führen zu hohen Kosten

Lange Arbeitszeiten, weite Arbeitswege und zahlreiche Überstunden führen zu einer starken Belastung, die Folge sind Stress und gesundheitliche Probleme bei den betroffenen Arbeitnehmenden. In einer Studie des Staatssekretariates für Wirtschaft SECO 3 geben 11 Prozent der Erwerbstätigen an, dass sie einen Zusammenhang zwischen belastenden Arbeitszeiten und ihren gesundheitlichen Problemen sehen. Stress am Arbeitsplatz ist definitiv keine Randerscheinung, sondern ein weit verbreitetes Phänomen. Rund ein Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst. 4 Dies sind 30 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Und in Zukunft wird Stress zu einem der grössten Arbeitsplatz-Risiken überhaupt. So geht die SUVA davon aus, dass bis ins Jahr 2030 die psychischen und neurologischen Krankheiten um fünfzig Prozent zunehmen werden. Dannzumal wird die Anzahl arbeitsbedingter, psychischer Erkrankungen die physischen Erkrankungen übersteigen. Folglich wird chronischer Stress für die Mehrzahl der ausgefallenen Arbeitsstunden verantwortlich sein – nicht mehr die Grippe. Wer sich dem Zeit- und Leistungsdruck nicht anpassen kann, hat es schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu behaupten. Überforderung und Stress werden von den meisten ohne Widerrede in Kauf genommen – mit der Folge, dass immer mehr Menschen an gesundheitlichen Symptomen leiden. Die gesundheitlichen Folgen zeigen sich zum Beispiel in Schlafproblemen, chronischen Schmerzen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Burnouts. Die Auswirkungen auf die Betroffenen und deren Familien sind immens. Auch die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind enorm, so belaufen sich die wirtschaftlichen Kosten von Stress auf jährlich 10 Milliarden Franken. Stress ist ausserdem ein Auslöser für die klassischen Verschleisserscheinungen, die dazu beitragen, dass bereits heute ein Drittel der Arbeitnehmenden aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur ordentlichen Pensionierung arbeiten, sondern frühzeitig aus dem Erwerbsprozess ausscheiden. Im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung, der Alterung der Erwerbstätigen und dem damit zusammenhängenden Fachkräftemangel wird sich diese Problematik zukünftig noch verschärfen.


1 Bundesamt für Statistik. Statistik der Betriebsüblichen Arbeitszeit (BUA).
2 Fachhochschule Nordwestschweiz. 5. Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen 2010. Ausgewählte Ergebnisse aus Schweizer Perspektive.
3 SECO. Arbeit und Gesundheit. Zusammenfassung der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2007.
4 SECO. Stressstudie 2010 – Stress bei Schweizer Erwerbstätigen.

Anhang Grösse

2014 05 12 Arbeitszeit und Stress d.docx 37 KB

12. Mai 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Änderung des Bundesgesetzes über die Arbeit in Unternehmen des öffentlichen Verkehrs (Arbeitszeitgesetz; AZG). Vernehmlassung.

(nur Deutsch)

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2014 05 01 VN Arbeitzeitgesetz AZG d.pdf 128 KB

17. April 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Änderung der Verordnung 5 zum Arbeitsgesetz (ArGV 5). Anhörung

(nur Deutsch)

Anhang Grösse

2014 04 10 VN Verordnung 5 zum ArG d.pdf 130 KB

16. April 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Gesundheitsberufegesetz, GesBG (provisorischer Titel), Vernehmlassung

(nur Deutsch)

Anhang Grösse

2014 04 18 Bundesgesetz ueber die Gesundheitsberufe d.pdf 152 KB

16. April 2014, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

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