Themen – Arbeit – Arbeitsbedingungen

Nein zu Ecopop am 30. November 2014

Die Ecopop-Initiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundla-gen“ verlangt eine Sicherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen in der Schweiz. Um dieses grundsätzlich richtige Ziel zu erreichen, werden zwei Instrumente vorgeschlagen. Neben der Forderung, dass 10% der Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in die freiwillige Familienplanung fliessen sollen, steht eine Beschränkung der Zuwanderung in der Schweiz im Zentrum. Die jährliche Zuwanderung soll auf 0.2% beschränkt werden. Die Initiative macht die Einwanderung zur Hauptursache von Umweltbelastung und Kulturlandverlust. Sie lässt dabei völlig ausser Acht, dass nicht die Anzahl Personen an sich, sondern vor allem der Pro-Kopf-Verbrauch eine Belastung der natürlichen Lebensgrundlagen darstellt. So werden Eingewanderte zu Sündenböcken gemacht, anstatt dass sie als wichtige Fachkräfte für unseren Arbeitsmarkt und Stützen unseres Wohlstandes anerkannt werden. mehr

Mit der starren Beschränkung der Zuwanderung wird sich der Fachkräftemangel in der Schweiz verstärken. Damit gefährdet Ecopop Wohlstand und Arbeitsplätze in der Schweiz. Die Arbeitnehmenden wären in Zukunft noch vermehrt mit Grenzgängern und Kurzaufenthaltern konfrontiert – damit steigt der Druck auf die Arbeitsbedingungen und die Löhne in der Schweiz, anstatt dass sie über einen Ausbau der flankierenden Massnahmen besser geschützt werden.

Während die Masseneinwanderungsinitiative die Personenfreizügigkeit und die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union vor Probleme stellt, wäre die Ecopop-Initiative mit den Bilateralen si-cherlich nicht kompatibel. Deren starre Obergrenze für die jährliche Zuwanderung von 0.2% führt unweigerlich zum Bruch mit der EU. Ein Ende der Bilateralen würde die Schweiz in praktisch allen Bereichen isolieren.

Die Initiative liefert keinen Lösungsansatz, wie über eine konsistentere Raumplanung, eine gesteigerte Energieeffizienz, den verbesserten Schutz des Kulturlandes, ein nachhaltigeres Konsumverhalten oder eine effizientere Mobilität ein effektiverer Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen erreicht werden könnte. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Initiative mit der Beschränkung der Zuwanderung viel zu kurz greift und für die Arbeitnehmenden in der Schweiz negative Auswirkungen hat. Eine starre Obergrenze für die jährliche Zuwanderung von 0.2% ist wirtschaftlich gefährlich und führt die Schweiz in eine Sackgasse:

• Sie gefährdet den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsmarkt in der Schweiz.
• Sie bringt eine Zunahme von Grenzgängern und Kurzaufenthaltern („Saisonniers“) auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt.
• Sie fördert prekäre Arbeitsverhältnisse und erhöht so den Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen sämtlicher Arbeitnehmenden in der Schweiz.
• Sie verstärkt den Fachkräftemangel (z.B. im Gesundheitswesen, Schule und Bildungswesen, öffentlicher Verkehr etc.) und beeinträchtigt so die Lebensqualität aller Einwohner/innen.
• Sie führt zu steigender Arbeitsbelastung für alle Arbeitnehmenden der Schweiz und erhöht den Druck zur Erhöhung des Rentenalters.
• Sie steht im Widerspruch zu den Bilateralen Verträgen, führt zum Bruch mit der Europäischen Union und führt die Schweiz in die Isolation.

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21. Oktober 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Nationalrat muss Frontalangriff auf die Sozialpartnerschaft abwehren

Am Mittwoch, 17. September, wird sich der Nationalrat mit einer Motion von Nationalrat Thomas Aeschi befassen, die eine Erhöhung der Voraussetzungen für die Allgemeinverbindlicherklärung von sozialpartnerschaftlich ausgehandelten Gesamtarbeitsverträgen fordert. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, sieht in dieser Motion einen Frontalangriff auf die gelebte und bewährte Sozialpartnerschaft in der Schweiz. Travail.Suisse fordert daher die Nationalrätinnen und Nationalräte auf, die Motion deutlich abzulehnen. mehr

Nur gerade die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz untersteht einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Diese tiefe GAV-Abdeckung ist einerseits Folge davon, dass längst nicht in allen Branchen GAV bestehen. Andererseits sind bereits die heutigen Anforderungen (mindestens die Hälfte der Arbeitnehmenden und der Arbeitgebenden müssen dem bestehenden GAV unterstellt sein) für eine Allgemeinverbindlicherklärung (AVE) – verglichen mit anderen europäischen Ländern – sehr hoch. Dort wo eine AVE allerdings besteht, ist sie ein wichtiger Bestandteil und eine wichtige Grundlage der sehr erfolgreichen Sozialpartnerschaft in der Schweiz. So schafft sie insbesondere auf Arbeitgeberseite gleich lange Spiesse im Wettbewerb – auch gegenüber ausländischer Konkurrenz.

Motion stellt Sozialpartnerschaft in Frage

Die Motion von Nationalrat Aeschi (12.3806) fordert eine Erhöhung der Quoren auf 75% als Voraussetzung für eine Allgemeinverbindlicherklärung eines GAV. „Damit würde eine AVE in den meisten Branchen faktisch verunmöglicht und ein Grossteil der bestehenden AVE wäre gefährdet“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Diese Motion stellt die Sozialpartnerschaft in Frage und sägt damit in fahrlässiger Weise an einem zentralen Erfolgsfaktor des Schweizer Arbeitsmarktes und Wirtschaftsstandortes. Die Erhöhung der Quoren würde zu einem eigentlichen Kahlschlag führen. Von den aktuell bestehenden 36 AVE-GAV auf kantonaler Ebene und den 37 AVE-GAV auf Bundesebene, würden nur 8, resp. 3 ein erhöhtes Quorum erfüllen. „Dem Lohn- und Sozialdumping ausländischer Firmen würde so Tür und Tor geöffnet. Die Folgen für die Sozialpartnerschaft sind nicht abschätzbar“, so Fischer. Travail.Suisse bekennt sich klar zur Sozialpartnerschaft und fordert den Nationalrat – gemeinsam mit der Gewerkschaft Syna – auch per Brief klar dazu auf, diese schädliche Motion am Mittwoch klar und deutlich abzulehnen und den Wert der Sozialpartnerschaft anzuerkennen.

15. September 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Immer weniger Frauen in den Konzernleitungen

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, untersucht im Rahmen der Managerlohnstudie jedes Jahr auch weitere Aspekte der Corporate Governance bei grossen Schweizer Unternehmen 1 . Erschreckendes zeigt die diesjährige Erhebung in Bezug auf den Frauenanteil in den Verwaltungsräten und Konzernleitungen: Frauen sind nicht nur massiv untervertreten, der Anteil von Frauen in den Konzernleitungen ist sogar rückläufig. Mit weniger als 4 % Frauen in den Konzernleitungen ist dies der tiefste Wert seit 2008. Nach wie vor lässt die Schweiz einen Teil ihres Talentpools brach liegen. Bessere Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Karrierechancen von Frauen sind daher dringend notwendig. mehr

Die Managerlohnstudie, die Travail.Suisse alljährlich durchführt, untersucht neben der Lohnschere auch weitere Faktoren der Corporate Governance wie den Frauenanteil in den Konzernleitungen. Die Studie zeigt ein erschreckendes Bild: Diane de Saint Victor, Bianka Wilson, Pamela Thomas-Graham, Wan Ling Martello, Susanne Ruoff, Silvia Ayyoubi, Florence Ollivier-Lamarque, Cecilia Reyes – dies die Namen der acht Frauen, die Ende 2013 in den Konzernleitungen der 27 untersuchten Unternehmen Einsitz hatten. Lediglich acht der insgesamt 209 Posten in den Konzernleitungen werden also von Frauen besetzt, das entspricht einer Frauenquote von weniger als vier Prozent. Erschreckend ist insbesondere auch, dass sich die Vertretung von Frauen in den Konzernleitungen rückläufig entwickelt. Mit weniger als 4 Prozent Frauen in den Konzernleitungen ist dies der tiefste Wert seit 2008.

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Lediglich in acht Konzernleitungen 2 sind überhaupt Frauen vertreten, d.h. mehr als zwei Drittel der obersten Entscheidungsgremien der Schweizer Wirtschaft sind reine Männergremien. Ausserdem ist mit Susanne Ruoff bei der Post lediglich eine Frau in der Funktion des CEO tätig.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Schillingreport 3 , der seit 2006 die Führungsregimes der grössten Schweizer Unternehmen untersucht. In dieser Stichprobe, die sämtliche Unternehmen des SMI enthält, ist der Frauenanteil Ende 2013 mit 6 Prozent zwar etwas höher, aber auch hier zeigt sich im Vergleich zum letzten Jahr eine rückläufige Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil um zwei Prozentpunkte gefallen.

Etwas positiver zeigt sich die Entwicklung beim Frauenanteil in den Verwaltungsräten. Hier stehen 44 Verwaltungsrätinnen 205 Verwaltungsräten gegenüber, was einem Frauenanteil von immerhin 17.6 Prozent entspricht. Es zeigt sich hier in den letzten Jahren eine kontinuierliche Zunahme von Frauen in den Verwaltungsräten; in den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Verwaltungsrätinnen beinahe verdoppelt.

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Trotz der positiven Entwicklung stellt dies aber immer noch eine sehr bescheidene Vertretung der Frauen in den wichtigsten strategischen Posten der Schweiz Wirtschaft dar. Insbesondere ist sie noch weit von der Zielvorgabe von 30 Prozent 4 entfernt, die der Bund für seine 24 bundesnahen Unternehmen bis 2020 vorsieht. Auch der Vergleich mit der Quote von 40% 5 , welche die EU-Kommission für Unternehmen mit mehr als 250 MitarbeiterInnen bis 2020 festgelegt hat, stellt dem Einbezug der Frauen in die Entscheidungspositionen der Wirtschaft in der Schweiz ein schlechtes Zeugnis aus. Mit Valora, Ruag, Oerlikon, Clariant und Bobst sind fünf Unternehmen in der Untersuchung präsent, deren Verwaltungsräte Ende 2013 gänzlich ohne Frauen zusammengesetzt waren; als positives Beispiel steht Coop mit vier Frauen im 10-köpfigen Gremium.

Verschwendetes Potential

Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist mittlerweile gut bekannt. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird sich dieser Mangel in Zukunft noch verstärken – dies gilt gerade auch für den Managementbereich. Gleichzeitig hält der Schillingreport 2014 6 fest, dass der Ausländerinnenanteil unter den Managerinnen erstmalig auf 50 Prozent steigt. Unter den neu in Geschäftsleitungen eintretenden Kadermitarbeiterinnen beträgt der Ausländerinnenanteil gar 70 Prozent. Das bedeutet, dass von den neuen Konzernleitungsmitgliederinnen mehr als zwei Drittel im Ausland rekrutiert werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die starke Untervertretung in den Konzernleitungen von Frauen im Allgemeinen und von Schweizer Frauen im Speziellen eine grosse Verschwendung von wirtschaftlichem Potenzial. Dies wird umso deutlicher, wenn man mitberücksichtigt, dass sich die tertiären Bildungsabschlüsse mittlerweile praktisch ausgeglichen auf die Geschlechter verteilen. Während in der höheren Berufsbildung die Männer nach wie vor stärker vertreten sind als die Frauen, haben sowohl an den Fachhochschulen wie auch den universitären Hochschulen die Frauen 2012 mehr Abschlüsse erlangt als die Männer. Gesamthaft lässt sich sagen, dass die Frauen heute ebenso gut ausgebildet sind wie die Männer.

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Vereinbarkeit und Lohngleichheit als Schlüssel – Quoten als Starthilfe

Aus Sicht von Travail.Suisse liegt der Schlüssel für einen besseren Einbezug der Frauen in den Arbeitsmarkt und insbesondere in die Spitzenpositionen der Wirtschaft in der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit sind einerseits die Kinderbetreuung und andererseits v.a. zukünftig auch die Betreuung von pflegebedürftigen betagten Angehörigen gemeint. Auch die OECD sieht in den hohen Kosten und dem ungenügenden Angebot der Kinderbetreuung ein Hauptgrund für die Unterrepräsentation von Frauen in den Chefpositionen und dem leitenden Kader. Schliesslich gehört die Schweiz zu den OECD-Ländern mit den tiefsten staatlichen Ausgaben für die Kinderbetreuung, resp. den Vorschulbereich. Sie betrugen 2009 lediglich knapp 0.2 Prozent des BIP, was nur rund einem Drittel des OECD-Durchschnittes entspricht. 7 Weiter ist auch die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern ein grosses Hindernis. Laut dem eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau EBG verdienen Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer; davon sind rund 7 Prozent nicht erklärbar und basieren auf diskriminierendem Verhalten. Im Bereich der Kaderpositionen vergrössert sich die Lohndifferenz gar bis zu 30 Prozent. Dieser Lohnnachteil wirkt sich auf die Frauen entmutigend aus und führt, verstärkt durch eine zunehmende Grenzsteuerbelastung dazu, dass der Verzicht der Frauen auf zusätzliches Arbeitspensum oder Karriere innerhalb einer Paarbeziehung als rationaler Entscheid erscheint.

Für Travail.Suisse ist klar, dass ein weiterer Ausbau der externen Kinderbetreuung nötig ist, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Nur so können Frauen am Arbeitsmarkt partizipieren und somit auch stärker in den Konzernleitungen vertreten sein. Gleiches gilt für die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern: Solange das strukturelle Hindernis der Lohnungleichheit fortbesteht, wird die Förderung von Frauen in Kaderpositionen erschwert. Nach dem praktisch ergebnislosen Ende des freiwilligen Lohngleichheitsdialoges braucht es daher zwingend Transparenz über die Lohndiskriminierung und Massnahmen zu deren Korrektur. Der Auftrag in Artikel 8 Absatz 3 der Schweizerischen Verfassung, wonach Mann und Frau für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollen, ist endlich umzusetzen. Die Frage der Quoten muss differenziert betrachtet werden 8 . Grundsätzlich sind sie als Starthilfe zu begrüssen, um gerade in einem Bereich mit sehr wenigen Frauen – wie den Konzernleitungen – der Stereotypisierung entgegenzuwirken 9 . Quoten ermöglichen so Erfahrungen für und mit den weiblichen Kadern und helfen mit, Stereotypisierungen rascher zu überwinden und Verhaltensänderungen so rascher zu ermöglichen. Konkret: Auch ohne Quoten hat der Frauenanteil in der Konzernleitungen unserer Studie in 10 Jahren mit einem Faktor von 2.26 zugenommen. Nur würde es bis zu einem vertretbaren Frauenanteil von 40 Prozent in den Konzernleitungen noch weitere 30 Jahre dauern, eine Dauer die wir uns nicht leisten wollen. Die Partizipation von Frauen in den Konzernleitungen kann mit Quoten beschleunigt werden und so mithelfen, dass dieses produktivitätsfördernde wirtschaftliche Potenzial nicht weiter brach liegen bleibt.


1 Nestlé, UBS, Roche, Novartis, Lindt&Sprüngli, ABB, Credit Suisse, Swatch, Zurich, Oerlikon, Clariant, Swiss Life, Schindler, Kuoni, Bâloise, Lonza, Implenia, Georg Fischer, Swisscom, Helvetia, Valora, Bobst, Ascom, Ruag, Migros, Post, Coop.
2 ABB, Ascom, Credit Suisse, Nestlé, Post, Roche, Swatch, Zurich.
3 www.schillingreport.ch
Vgl. Medienmitteilung Eidgenössisches Finanzdepartement EFD vom 6.11.2013.
4 Vgl. Pressemitteilung des EU-Parlamentes vom 20.11.2013.
5 Schillingreport 2014, Transparenz an der Spitze – Die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der hundert grössten Schweizer Unternehmen im Vergleich: S.22.
6 Vgl. Die Rolle der Frau in der Schweizer Wirtschaft – der Bericht der OECD in: Die Volkswirtschaft 6-2014, S.7-10.
7 Vgl. Gleichstellung an der Unternehmensspitze – Bilanz zur Quotenfrage in: Medienservice von Travail.Suisse vom 2.12.2013.
8 Vgl. Warum es ohne Quoten nicht geht – die Sicht der Verhaltensökonomik in: Die Volkswirtschaft 6-2014, S.15-18.

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2014 09 15 TravailSuisse Managerloehne Weniger-Frauen-in-der-Konzernleitung d.docx 103 KB

15. September 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Ständerat bekennt sich zum Arbeitnehmerschutz

Der Ständerat hat heute eine vom Nationalrat leichtfertig angenommene Motion von Nationalrat Yannick Buttet abgelehnt. Mit der Motion sollte die Ladenöffnung an Sonntagen in Randregionen ermöglicht werden. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, begrüsst den Entscheid des Ständerates, diesen Frontalangriff auf den Arbeitnehmerschutz des Arbeitsgesetzes zu stoppen. mehr

Bereits heute sind knapp ein Viertel der Arbeitnehmenden teilweise mit Sonntagsarbeit konfrontiert. So gibt es nicht zuletzt für Tourismusgebiete Ausnahmebestimmungen vom Verbot der Sonntagsarbeit. Ausserdem unterliegen die gerade in Randregionen stark verbreiteten Familienbetriebe nicht dem Arbeitsgesetz. Diese Motion ist somit nicht nur schädlich sondern auch völlig unnötig.

Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit nur restriktiv und nur mit Gesamtarbeitsvertrag

Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion Buttet richtigerweise festgehalten hat, dient das Arbeitsgesetz dem Schutz der Arbeitnehmenden. Das Verbot der Sonntagsarbeit ist dabei ein zentraler Punkt des Arbeitnehmerschutzes. Der arbeitsfreie Sonntag dient aber nicht nur dem Gesundheitsschutz, sondern ist als gemeinsamer arbeitsfreier Tag eine wichtige Voraussetzung zur Pflege des Sozial- und Familienlebens. Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit sind daher nur restriktiv zuzulassen und die Arbeitsbedingungen der betroffenen Arbeitnehmenden sind zu schützen. „Der Arbeitnehmerschutz bei Sonntagsarbeit muss zwingend über einen sozialpartnerschaftlich ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag sichergestellt werden“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Salamitaktik der Arbeitszeitliberalisierer

Diese Motion ist der beste Beweis für die Salamitaktik der Arbeitszeitliberalisierer. Nach den Bahnhöfen und den Tankstellenshops sollten jetzt die kleinen Läden in den Randregionen an die Reihe kommen. Die Befürworter von deregulierten Arbeitszeiten machen selbst vor dem arbeitsfreien Sonntag nicht halt. Travail.Suisse fordert nun den Nationalrat auf, sich dem Ständerat anzuschliessen und diese unnötige und schädliche Motion abzulehnen.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Mobile 076 412 30 53

16. Juni 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Das neue Ladenöffnungsgesetz verschlechtert die Arbeitsbedingungen von über 200‘000 Arbeitnehmenden

Ende dieser Woche endet die Vernehmlassungsfrist über die Einführung eines neuen Bundesgesetzes über die Ladenöffnungszeiten (LadÖG). Damit soll die bisherige Kompetenz der Kantone beim Festlegen der Ladenöffnungszeiten übersteuert werden. Für zwei Drittel der Kantone bedeutet dies eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, lehnt diese Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Angestellten im Detailhandel klar ab. mehr

Das neue Ladenöffnungsgesetz sieht vor, dass Geschäfte unter der Woche mindestens bis 20 Uhr und an Samstagen mindestens bis 19 Uhr geöffnet werden dürfen. Kantone mit restriktiveren Regelungen müssten ihre Ladenöffnungen anpassen. Längere Ladenöffnungszeiten verschlechtern die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmenden im Detailhandel. Die Reichweite dieses neuen Gesetzes ist sehr gross; betroffen wären 16 Kantone der Schweiz und damit verschlechterte Arbeitsbedingungen für über 200‘000 Arbeitnehmende im Detailhandel.

Fadenscheiniges Argument der Befürworter

Begründet wird das neue Gesetz unter anderem mit dem Wunsch nach harmonisierten Ladenöffnungszeiten. Harmonisierung hiesse aber, dass die Mindestöffnungszeiten im Gesetz konsequenterweise auch gleich den maximalen Ladenöffnungszeiten entsprechen würden. Eine solche Limitierung der Öffnungszeiten gegen oben wird aber im Gesetzesentwurf explizit ausgeschlossen. Damit zeigt sich deutlich, dass es in Tat und Wahrheit lediglich um eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten geht: „Eine solche Verlängerung der Ladenöffnungszeiten durch die Hintertüre lehnen wir ab“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Zwängerei der Liberalisierer

Im Bereich der Ladenöffnungszeiten gibt es eine eigentliche Zwängerei der Liberalisierer. Auf kantonaler Ebene fanden in den letzten Jahren viele Abstimmungen zu diesem Thema statt. Dabei hat sich die Stimmbevölkerung mehrheitlich gegen verlängerte Öffnungszeiten ausgesprochen. Allein seit 2009 ist in 6 der 16 betroffenen Kantone eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten im Sinne des neuen LadÖG von der Stimmbevölkerung abgelehnt worden – dazu kommt noch die vehemente Ablehnung von Vorlagen zur Totalliberalisierung in mehreren Kantonen. Der Versuch diese kantonalen Volksentscheide über ein Bundesgesetz zu übersteuern ist demokratiepolitisch äusserst fragwürdig und wird von Travail.Suisse abgelehnt.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Mobile: 076’412’30’53

27. Mai 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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Managerlöhne: Abzockerinitiative kann Bonispirale nicht stoppen

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