Themen – Arbeit – Arbeitsbedingungen

Bundesrat höhlt das Verbot der Sonntagsarbeit aus

Der Bundesrat hat heute eine Verordnungsänderung präsentiert, mit der er das Verbot der Sonntagsarbeit weiter aushöhlt. Für bestimmte Shoppingzentren wird dauerhafte Sonntagsarbeit eingeführt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, bemängelt die schwammigen Voraussetzungen und ist insbesondere schockiert, dass die Interessen der Arbeitnehmenden nicht ausreichend berücksichtigt werden. mehr

Der Bundesrat hat heute eine Änderung der Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz (ArG) beschlossen. Über eine Ausnahmeregelung sollen gewisse Shoppingzentren in Zukunft an Sonntagen dauerhaft geöffnet sein. Die Voraussetzungen für eine Bewilligung sind dabei äusserst schwammig, und der Entscheid verbleibt bei den kantonalen Behörden. Mit dieser unnötigen zusätzlichen Ausnahme vom Verbot der Sonntagsarbeit höhlt der Bundesrat eine zentrale Schutzbestimmung für die Arbeitnehmenden weiter aus und lässt den Sonntag ein weiteres Stück zu einem ganz normalen Arbeitstag verkommen.

Kompensationsmassnahmen für die Beschäftigten unzureichend

Das Arbeitsgesetz und die dazugehörenden Verordnungen dienen dem Schutz der Arbeitnehmenden. Das Verbot der Sonntagsarbeit hat darüber hinaus auch einen grossen gesellschaftlichen und kulturellen Wert. Nur ein gemeinsamer arbeitsfreier Tag für alle ermöglicht ein intaktes Sozial- und Familienleben und die Pflege von Kontakten und Beziehungen. Mit dieser unnötigen Ausnahmeregelung höhlt der Bundesrat das Verbot der Sonntagsarbeit weiter aus und missachtet die Interessen der betroffenen Arbeitnehmenden. Dies umso mehr als die Kompensationsmassnahmen für die betroffenen Beschäftigten nicht ausreichen. „Mit dem Verzicht auf eine GAV-Pflicht für Sonntagsarbeit, macht der Bundesrat klar, dass er einseitig die Interessen der Shoppingzentren berücksichtigt“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Für mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 031 370 21 11 oder 076 412 30 53

18. Februar 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Art. 121a BV: Umsetzung nicht auf dem Buckel der Arbeitnehmenden

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, nimmt den heutigen Entscheid des Bundesrates über die Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung 121a zur Kenntnis. Entscheidend wird sein, dass die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union erhalten bleiben und dass die Umsetzung nicht auf dem Buckel der Arbeitnehmenden geschieht. mehr

Der Bundesrat hat heute den nächsten Schritt auf dem Weg der Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung 121a unternommen. Für Travail.Suisse bleiben die Verhandlungen mit der EU zentral. Nur wenn mit der EU eine Verhandlungslösung gefunden werden kann, bleiben die bilateralen Verträge erhalten und sorgen für geordnete Beziehungen zu unsern Nachbarn und wichtigsten Handelspartnern.

Lösungen für die Probleme der Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt gefordert

Jede Beschränkung des freien Personenverkehrs würde die Abhängigkeit des Arbeitnehmenden von seinem Arbeitgeber verstärken und zusätzlichen Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Schweiz bringen. Zukünftig wird den flankierenden Massnahmen also eine noch grössere Bedeutung zukommen, um den Grundsatz „in der Schweiz gelten Schweizer Löhne und Arbeitsbedingungen“ zu garantieren. Im Zusammenhang mit der Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmung ist also einerseits dafür zu sorgen, dass Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt verhindert wird. Andererseits muss die Stellung der Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt gestärkt werden, damit die Umsetzung der neuen Verfassungsbestimmungen nicht auf dem Buckel der Arbeitnehmenden geschieht. Es braucht ausserdem konkrete und messbare Massnahmen zur besseren Integration der inländischen Erwerbsbevölkerung in den Arbeitsmarkt. Nur mit einer Offensive in der Nachholbildung, einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Massnahmen zum Schutz der älteren Arbeitnehmenden können der Wirtschaft die benötigten Fachkräfte zur Verfügung gestellt werden.

Für mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 076 412 30 53

11. Februar 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Nein zu Ecopop am 30. November 2014

Die Ecopop-Initiative „Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundla-gen“ verlangt eine Sicherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen in der Schweiz. Um dieses grundsätzlich richtige Ziel zu erreichen, werden zwei Instrumente vorgeschlagen. Neben der Forderung, dass 10% der Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in die freiwillige Familienplanung fliessen sollen, steht eine Beschränkung der Zuwanderung in der Schweiz im Zentrum. Die jährliche Zuwanderung soll auf 0.2% beschränkt werden. Die Initiative macht die Einwanderung zur Hauptursache von Umweltbelastung und Kulturlandverlust. Sie lässt dabei völlig ausser Acht, dass nicht die Anzahl Personen an sich, sondern vor allem der Pro-Kopf-Verbrauch eine Belastung der natürlichen Lebensgrundlagen darstellt. So werden Eingewanderte zu Sündenböcken gemacht, anstatt dass sie als wichtige Fachkräfte für unseren Arbeitsmarkt und Stützen unseres Wohlstandes anerkannt werden. mehr

Mit der starren Beschränkung der Zuwanderung wird sich der Fachkräftemangel in der Schweiz verstärken. Damit gefährdet Ecopop Wohlstand und Arbeitsplätze in der Schweiz. Die Arbeitnehmenden wären in Zukunft noch vermehrt mit Grenzgängern und Kurzaufenthaltern konfrontiert – damit steigt der Druck auf die Arbeitsbedingungen und die Löhne in der Schweiz, anstatt dass sie über einen Ausbau der flankierenden Massnahmen besser geschützt werden.

Während die Masseneinwanderungsinitiative die Personenfreizügigkeit und die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union vor Probleme stellt, wäre die Ecopop-Initiative mit den Bilateralen si-cherlich nicht kompatibel. Deren starre Obergrenze für die jährliche Zuwanderung von 0.2% führt unweigerlich zum Bruch mit der EU. Ein Ende der Bilateralen würde die Schweiz in praktisch allen Bereichen isolieren.

Die Initiative liefert keinen Lösungsansatz, wie über eine konsistentere Raumplanung, eine gesteigerte Energieeffizienz, den verbesserten Schutz des Kulturlandes, ein nachhaltigeres Konsumverhalten oder eine effizientere Mobilität ein effektiverer Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen erreicht werden könnte. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Initiative mit der Beschränkung der Zuwanderung viel zu kurz greift und für die Arbeitnehmenden in der Schweiz negative Auswirkungen hat. Eine starre Obergrenze für die jährliche Zuwanderung von 0.2% ist wirtschaftlich gefährlich und führt die Schweiz in eine Sackgasse:

• Sie gefährdet den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsmarkt in der Schweiz.
• Sie bringt eine Zunahme von Grenzgängern und Kurzaufenthaltern („Saisonniers“) auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt.
• Sie fördert prekäre Arbeitsverhältnisse und erhöht so den Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen sämtlicher Arbeitnehmenden in der Schweiz.
• Sie verstärkt den Fachkräftemangel (z.B. im Gesundheitswesen, Schule und Bildungswesen, öffentlicher Verkehr etc.) und beeinträchtigt so die Lebensqualität aller Einwohner/innen.
• Sie führt zu steigender Arbeitsbelastung für alle Arbeitnehmenden der Schweiz und erhöht den Druck zur Erhöhung des Rentenalters.
• Sie steht im Widerspruch zu den Bilateralen Verträgen, führt zum Bruch mit der Europäischen Union und führt die Schweiz in die Isolation.

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TravailSuisse Argumentarium-gegen-Ecopop d.pdf 271 KB

21. Oktober 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Nationalrat muss Frontalangriff auf die Sozialpartnerschaft abwehren

Am Mittwoch, 17. September, wird sich der Nationalrat mit einer Motion von Nationalrat Thomas Aeschi befassen, die eine Erhöhung der Voraussetzungen für die Allgemeinverbindlicherklärung von sozialpartnerschaftlich ausgehandelten Gesamtarbeitsverträgen fordert. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, sieht in dieser Motion einen Frontalangriff auf die gelebte und bewährte Sozialpartnerschaft in der Schweiz. Travail.Suisse fordert daher die Nationalrätinnen und Nationalräte auf, die Motion deutlich abzulehnen. mehr

Nur gerade die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz untersteht einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Diese tiefe GAV-Abdeckung ist einerseits Folge davon, dass längst nicht in allen Branchen GAV bestehen. Andererseits sind bereits die heutigen Anforderungen (mindestens die Hälfte der Arbeitnehmenden und der Arbeitgebenden müssen dem bestehenden GAV unterstellt sein) für eine Allgemeinverbindlicherklärung (AVE) – verglichen mit anderen europäischen Ländern – sehr hoch. Dort wo eine AVE allerdings besteht, ist sie ein wichtiger Bestandteil und eine wichtige Grundlage der sehr erfolgreichen Sozialpartnerschaft in der Schweiz. So schafft sie insbesondere auf Arbeitgeberseite gleich lange Spiesse im Wettbewerb – auch gegenüber ausländischer Konkurrenz.

Motion stellt Sozialpartnerschaft in Frage

Die Motion von Nationalrat Aeschi (12.3806) fordert eine Erhöhung der Quoren auf 75% als Voraussetzung für eine Allgemeinverbindlicherklärung eines GAV. „Damit würde eine AVE in den meisten Branchen faktisch verunmöglicht und ein Grossteil der bestehenden AVE wäre gefährdet“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Diese Motion stellt die Sozialpartnerschaft in Frage und sägt damit in fahrlässiger Weise an einem zentralen Erfolgsfaktor des Schweizer Arbeitsmarktes und Wirtschaftsstandortes. Die Erhöhung der Quoren würde zu einem eigentlichen Kahlschlag führen. Von den aktuell bestehenden 36 AVE-GAV auf kantonaler Ebene und den 37 AVE-GAV auf Bundesebene, würden nur 8, resp. 3 ein erhöhtes Quorum erfüllen. „Dem Lohn- und Sozialdumping ausländischer Firmen würde so Tür und Tor geöffnet. Die Folgen für die Sozialpartnerschaft sind nicht abschätzbar“, so Fischer. Travail.Suisse bekennt sich klar zur Sozialpartnerschaft und fordert den Nationalrat – gemeinsam mit der Gewerkschaft Syna – auch per Brief klar dazu auf, diese schädliche Motion am Mittwoch klar und deutlich abzulehnen und den Wert der Sozialpartnerschaft anzuerkennen.

15. September 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Immer weniger Frauen in den Konzernleitungen

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, untersucht im Rahmen der Managerlohnstudie jedes Jahr auch weitere Aspekte der Corporate Governance bei grossen Schweizer Unternehmen 1 . Erschreckendes zeigt die diesjährige Erhebung in Bezug auf den Frauenanteil in den Verwaltungsräten und Konzernleitungen: Frauen sind nicht nur massiv untervertreten, der Anteil von Frauen in den Konzernleitungen ist sogar rückläufig. Mit weniger als 4 % Frauen in den Konzernleitungen ist dies der tiefste Wert seit 2008. Nach wie vor lässt die Schweiz einen Teil ihres Talentpools brach liegen. Bessere Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Karrierechancen von Frauen sind daher dringend notwendig. mehr

Die Managerlohnstudie, die Travail.Suisse alljährlich durchführt, untersucht neben der Lohnschere auch weitere Faktoren der Corporate Governance wie den Frauenanteil in den Konzernleitungen. Die Studie zeigt ein erschreckendes Bild: Diane de Saint Victor, Bianka Wilson, Pamela Thomas-Graham, Wan Ling Martello, Susanne Ruoff, Silvia Ayyoubi, Florence Ollivier-Lamarque, Cecilia Reyes – dies die Namen der acht Frauen, die Ende 2013 in den Konzernleitungen der 27 untersuchten Unternehmen Einsitz hatten. Lediglich acht der insgesamt 209 Posten in den Konzernleitungen werden also von Frauen besetzt, das entspricht einer Frauenquote von weniger als vier Prozent. Erschreckend ist insbesondere auch, dass sich die Vertretung von Frauen in den Konzernleitungen rückläufig entwickelt. Mit weniger als 4 Prozent Frauen in den Konzernleitungen ist dies der tiefste Wert seit 2008.

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Lediglich in acht Konzernleitungen 2 sind überhaupt Frauen vertreten, d.h. mehr als zwei Drittel der obersten Entscheidungsgremien der Schweizer Wirtschaft sind reine Männergremien. Ausserdem ist mit Susanne Ruoff bei der Post lediglich eine Frau in der Funktion des CEO tätig.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Schillingreport 3 , der seit 2006 die Führungsregimes der grössten Schweizer Unternehmen untersucht. In dieser Stichprobe, die sämtliche Unternehmen des SMI enthält, ist der Frauenanteil Ende 2013 mit 6 Prozent zwar etwas höher, aber auch hier zeigt sich im Vergleich zum letzten Jahr eine rückläufige Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil um zwei Prozentpunkte gefallen.

Etwas positiver zeigt sich die Entwicklung beim Frauenanteil in den Verwaltungsräten. Hier stehen 44 Verwaltungsrätinnen 205 Verwaltungsräten gegenüber, was einem Frauenanteil von immerhin 17.6 Prozent entspricht. Es zeigt sich hier in den letzten Jahren eine kontinuierliche Zunahme von Frauen in den Verwaltungsräten; in den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Verwaltungsrätinnen beinahe verdoppelt.

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Trotz der positiven Entwicklung stellt dies aber immer noch eine sehr bescheidene Vertretung der Frauen in den wichtigsten strategischen Posten der Schweiz Wirtschaft dar. Insbesondere ist sie noch weit von der Zielvorgabe von 30 Prozent 4 entfernt, die der Bund für seine 24 bundesnahen Unternehmen bis 2020 vorsieht. Auch der Vergleich mit der Quote von 40% 5 , welche die EU-Kommission für Unternehmen mit mehr als 250 MitarbeiterInnen bis 2020 festgelegt hat, stellt dem Einbezug der Frauen in die Entscheidungspositionen der Wirtschaft in der Schweiz ein schlechtes Zeugnis aus. Mit Valora, Ruag, Oerlikon, Clariant und Bobst sind fünf Unternehmen in der Untersuchung präsent, deren Verwaltungsräte Ende 2013 gänzlich ohne Frauen zusammengesetzt waren; als positives Beispiel steht Coop mit vier Frauen im 10-köpfigen Gremium.

Verschwendetes Potential

Der Fachkräftemangel in der Schweiz ist mittlerweile gut bekannt. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird sich dieser Mangel in Zukunft noch verstärken – dies gilt gerade auch für den Managementbereich. Gleichzeitig hält der Schillingreport 2014 6 fest, dass der Ausländerinnenanteil unter den Managerinnen erstmalig auf 50 Prozent steigt. Unter den neu in Geschäftsleitungen eintretenden Kadermitarbeiterinnen beträgt der Ausländerinnenanteil gar 70 Prozent. Das bedeutet, dass von den neuen Konzernleitungsmitgliederinnen mehr als zwei Drittel im Ausland rekrutiert werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die starke Untervertretung in den Konzernleitungen von Frauen im Allgemeinen und von Schweizer Frauen im Speziellen eine grosse Verschwendung von wirtschaftlichem Potenzial. Dies wird umso deutlicher, wenn man mitberücksichtigt, dass sich die tertiären Bildungsabschlüsse mittlerweile praktisch ausgeglichen auf die Geschlechter verteilen. Während in der höheren Berufsbildung die Männer nach wie vor stärker vertreten sind als die Frauen, haben sowohl an den Fachhochschulen wie auch den universitären Hochschulen die Frauen 2012 mehr Abschlüsse erlangt als die Männer. Gesamthaft lässt sich sagen, dass die Frauen heute ebenso gut ausgebildet sind wie die Männer.

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Vereinbarkeit und Lohngleichheit als Schlüssel – Quoten als Starthilfe

Aus Sicht von Travail.Suisse liegt der Schlüssel für einen besseren Einbezug der Frauen in den Arbeitsmarkt und insbesondere in die Spitzenpositionen der Wirtschaft in der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit sind einerseits die Kinderbetreuung und andererseits v.a. zukünftig auch die Betreuung von pflegebedürftigen betagten Angehörigen gemeint. Auch die OECD sieht in den hohen Kosten und dem ungenügenden Angebot der Kinderbetreuung ein Hauptgrund für die Unterrepräsentation von Frauen in den Chefpositionen und dem leitenden Kader. Schliesslich gehört die Schweiz zu den OECD-Ländern mit den tiefsten staatlichen Ausgaben für die Kinderbetreuung, resp. den Vorschulbereich. Sie betrugen 2009 lediglich knapp 0.2 Prozent des BIP, was nur rund einem Drittel des OECD-Durchschnittes entspricht. 7 Weiter ist auch die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern ein grosses Hindernis. Laut dem eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau EBG verdienen Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer; davon sind rund 7 Prozent nicht erklärbar und basieren auf diskriminierendem Verhalten. Im Bereich der Kaderpositionen vergrössert sich die Lohndifferenz gar bis zu 30 Prozent. Dieser Lohnnachteil wirkt sich auf die Frauen entmutigend aus und führt, verstärkt durch eine zunehmende Grenzsteuerbelastung dazu, dass der Verzicht der Frauen auf zusätzliches Arbeitspensum oder Karriere innerhalb einer Paarbeziehung als rationaler Entscheid erscheint.

Für Travail.Suisse ist klar, dass ein weiterer Ausbau der externen Kinderbetreuung nötig ist, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Nur so können Frauen am Arbeitsmarkt partizipieren und somit auch stärker in den Konzernleitungen vertreten sein. Gleiches gilt für die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern: Solange das strukturelle Hindernis der Lohnungleichheit fortbesteht, wird die Förderung von Frauen in Kaderpositionen erschwert. Nach dem praktisch ergebnislosen Ende des freiwilligen Lohngleichheitsdialoges braucht es daher zwingend Transparenz über die Lohndiskriminierung und Massnahmen zu deren Korrektur. Der Auftrag in Artikel 8 Absatz 3 der Schweizerischen Verfassung, wonach Mann und Frau für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollen, ist endlich umzusetzen. Die Frage der Quoten muss differenziert betrachtet werden 8 . Grundsätzlich sind sie als Starthilfe zu begrüssen, um gerade in einem Bereich mit sehr wenigen Frauen – wie den Konzernleitungen – der Stereotypisierung entgegenzuwirken 9 . Quoten ermöglichen so Erfahrungen für und mit den weiblichen Kadern und helfen mit, Stereotypisierungen rascher zu überwinden und Verhaltensänderungen so rascher zu ermöglichen. Konkret: Auch ohne Quoten hat der Frauenanteil in der Konzernleitungen unserer Studie in 10 Jahren mit einem Faktor von 2.26 zugenommen. Nur würde es bis zu einem vertretbaren Frauenanteil von 40 Prozent in den Konzernleitungen noch weitere 30 Jahre dauern, eine Dauer die wir uns nicht leisten wollen. Die Partizipation von Frauen in den Konzernleitungen kann mit Quoten beschleunigt werden und so mithelfen, dass dieses produktivitätsfördernde wirtschaftliche Potenzial nicht weiter brach liegen bleibt.


1 Nestlé, UBS, Roche, Novartis, Lindt&Sprüngli, ABB, Credit Suisse, Swatch, Zurich, Oerlikon, Clariant, Swiss Life, Schindler, Kuoni, Bâloise, Lonza, Implenia, Georg Fischer, Swisscom, Helvetia, Valora, Bobst, Ascom, Ruag, Migros, Post, Coop.
2 ABB, Ascom, Credit Suisse, Nestlé, Post, Roche, Swatch, Zurich.
3 www.schillingreport.ch
Vgl. Medienmitteilung Eidgenössisches Finanzdepartement EFD vom 6.11.2013.
4 Vgl. Pressemitteilung des EU-Parlamentes vom 20.11.2013.
5 Schillingreport 2014, Transparenz an der Spitze – Die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der hundert grössten Schweizer Unternehmen im Vergleich: S.22.
6 Vgl. Die Rolle der Frau in der Schweizer Wirtschaft – der Bericht der OECD in: Die Volkswirtschaft 6-2014, S.7-10.
7 Vgl. Gleichstellung an der Unternehmensspitze – Bilanz zur Quotenfrage in: Medienservice von Travail.Suisse vom 2.12.2013.
8 Vgl. Warum es ohne Quoten nicht geht – die Sicht der Verhaltensökonomik in: Die Volkswirtschaft 6-2014, S.15-18.

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2014 09 15 TravailSuisse Managerloehne Weniger-Frauen-in-der-Konzernleitung d.docx 103 KB

15. September 2014, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
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rosenkranz@travailsuisse.ch

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