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Nachholbildung für Erwachsene und die Situation älterer Arbeitnehmender – passende Themen zum Tag der Arbeit

Nächsten Sonntag, am 1. Mai, wird der Tag der Arbeit gefeiert. Es ist wichtiger denn je, sich Gedanken zur Arbeit und zur Arbeitswelt zu machen und sich die sozialen Errungenschaften in Erinnerung zu rufenn. Ein Rückblick auf das Spitzentreffen Berufsbildung und die Konferenz älterer Arbeitnehmenden von letzter Woche macht deutlich, dass Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, im Einsatz für die Arbeitnehmenden Schritt für Schritt weiterkommt. mehr

Es geht am Tag der Arbeit um Fairness, Gerechtigkeit, sozialen Ausgleich, Solidarität, gute Arbeitsbedingungen, Rechte am Arbeitsplatz und um Menschenrechte. Diese Inhalte sind nach wie vor aktuell. Der 1. Mai ist der einzige Feiertag, der auf der ganzen Welt und in allen Kulturen verbreitet ist. 2016 wird der Tag der Arbeit zum 126. Mal gefeiert. Zum harmlosen „Fest der Arbeit“ degeneriert, ist der 1. Mai ursprünglich ein Kampftag der internationalen ArbeiterInnenbewegung, der an den Kampf der Chicago-Arbeitenden für den 8-Stunden-Tag, für höhere Löhne und gegen die miserablen Arbeitsbedingungen in den Fabriken erinnern soll. Am 1. Mai 1886 befanden sich über 350’000 ArbeiterInnen in einem Generalstreik. Am 4. Mai schoss die Polizei auf die Streikenden und tötete vier Arbeiter. Sechs Streikende wurden verhaftet, weil sie beim Streik an vorderster Front dabei waren. Fünf von ihnen wurden zur Abschreckung auf der Basis eines Polizeikonstrukts zu Tode verurteilt und exekutiert.

Forderungen international durchsetzen

Drei Jahre später wurde am 14. Juli 1889 auf dem 2. Internationalen Arbeiterkongress in Paris der 1. Mai zum Gedenktag an den Protest von Chicago erklärt. Seitdem ist der 1. Mai zum Symbol von Solidarität unter allen Arbeiterinnen und Arbeitern weltweit geworden. Der Tag der Arbeit wird in diesem internationalen Sinne gefeiert. Der 8-Stunden-Tag ist heute nahezu weltweit zum Standard geworden – weil alle Arbeitnehmenden auf der ganzen Welt dafür gekämpft haben. Wichtig ist die Erkenntnis, dass diese Forderung nur eine Chance haben konnte, weil sie weltweit erhoben und durchgesetzt wurde. Werden Forderungen international erhoben, entfällt das Argument der Gegenseite, die Konkurrenzfähigkeit eines Landes werde durch eine Arbeitszeitverkürzung im Vergleich mit anderen Ländern beeinträchtigt, automatisch. Die Inhalte, die den 1. Mai prägen, sind in der Zeit der Globalisierung aktueller denn je. Auch deshalb arbeitet Travail.Suisse im Vorstand des Europäischen Gewerkschaftsbundes mit.

Nachholbildung für Erwachsene

Zum diesjährigen Tag der Arbeit passt ein Rückblick auf zwei Treffen der Sozialpartner mit dem Bundespräsidenten Schneider-Ammann und den Kantonen von vorletzter Woche. Travail.Suisse konnte für die Anliegen der Arbeitnehmenden kämpfen. Das Thema Nachholbildung fand am nationalen Spitzentreffen Berufsbildung einen prominenten Platz in der gemeinsamen Erklärung der Sozialpartner, des Bundes und der Kantone. Nach langjährigem Einsatz von Travail.Suisse wurde das Thema berufliche Qualifizierung von Erwachsenen auf die Traktandenliste gesetzt. Von den 550‘000 Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren, die 2014 keinen nachobligatorischen Abschluss haben, sind rund 50‘000 Arbeitnehmende zwischen 25 und 45 Jahren alt und könnten realistischerweise einen Berufsabschluss nachholen. Hier soll gemäss Schlusserklärung ein Effort geleistet werden, damit die Situation für die Betroffenen verbessert und dem Fachkräftemangel begegnet werden kann. Mit einer Informations- und Sensibilisierungsoffensive ab 2017, sowie dem in Kürze erscheinenden Leitfaden „Erwachsenengerechtes Ausbilden und Prüfen“ wollen die Verbundpartner Erwachsene, die einen Berufsabschluss nachholen oder sich weiterbilden wollen, sowie Bildungsanbieter und -beratende besser über bestehende Wege und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung informieren. Auch wenn aus Sicht von Travail.Suisse weitergehende Massnahmen gewünscht und möglich gewesen wären: Es ist ein erster Erfolg für Travail.Suisse und damit vor allem für die Arbeitnehmenden.

Weiterentwicklung der Berufsbildung

Am Spitzentreffen Berufsbildung wurde beschlossen die Berufsbildung weiterzuentwickeln. Nebst der Erarbeitung einer zukunftsorientierten Berufsbildungsstrategie mit Horizont 2030 setzen die Verbundpartner Massnahmen zur Optimierung von administrativen Prozessen auf die gemeinsame Agenda. Die Verbundpartner sind sich einig, dass die erforderlichen Mittel zur Umsetzung aller Massnahmen der Berufsbildung in der Botschaft Bildung, Forschung und Innovation 2017-2020 bereitgestellt werden müssen. Das Geschäft wird aktuell in der Kommission des Nationalrates behandelt. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die bessere Finanzierung der höheren Berufsbildung nicht zu Lasten der beruflichen Grundbildung erfolgt.

Ältere Arbeitnehmende in den Fokus rücken

An der zweiten Konferenz ältere Arbeitnehmende, die unter der Leitung des Bundespräsidenten stand, diskutierten Sozialpartner, Bund und Kantone Massnahmen zur Verbesserung der Situation der älteren Arbeitnehmenden. Die Delegation von Travail.Suisse machte sich für die Förderung von Standortbestimmungen ab Mitte des Erwerbslebens und die Förderung der Weiterbildung stark. Um die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu erhalten, braucht es frühzeitig gezielte Weiterbildungsmassnahmen. Vernachlässigungen bei der Weiterbildung rächen sich. Travail.Suisse begrüsst daher, dass die Konferenz ältere Arbeitnehmende den Nutzen von Standortbestimmungen in der Mitte des Erwerbslebens bekräftigt und auch die Förderung von Weiterbildung von bestimmten Zielgruppen ins Auge gefasst hat. Aufbauend auf der gemeinsam beschlossenen Schlusserklärung wird Travail.Suisse konkrete Massnahmen erarbeiten und präsentieren.

Finanzierungskredit für Weiterbildung nötig

Travail.Suisse wird einen besonderen Fokus auf die Sonderfinanzierung von Weiterbildungsmassnahmen legen. Der Bundesrat prüft auf Anregung von Travail.Suisse, ob er dem Parlament eine Finanzierung von Weiterbildungsmassnahmen beantragen soll. Vorbilder sind die Ende der 90er Jahre vom Parlament bewilligten Lehrstellenbeschlüsse zur Förderung von Lehrstellen. Analog soll nun in die Arbeitsmarktfähigkeit Erwachsener investiert werden. Mit dem Kredit könnten Massnahmen im Bereich Nachholbildung und Qualifizierung Erwachsener sowie Weiterbildungen finanziert werden. Den Arbeitnehmenden kann damit geholfen werden auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen.

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01. Mai 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Soll weiterhin in die Gleichstellung investiert werden?

In der Schweiz ist die Meinung weitverbreitet, dass Mann und Frau gleichgestellt sind, nicht nur aus rechtlicher Sicht, sondern auch tatsächlich. Und genau diese Ansicht bildet die Grundlage für die Kritiken in Bezug auf die Gleichstellungsaktivitäten sowie die Angriffe gegen die Finanzierung von Projekten zugunsten der Gleichstellung. Doch ist die Gleichstellung wirklich in dem Masse umgesetzt? Die von der britischen Zeitschrift «The Economist» durchgeführte Umfrage zeigt leider ein anderes Bild. Die Schweiz hinkt beim Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt weit hinterher. mehr

Seit 21 Jahren bietet das Gleichstellungsgesetz (GlG) dem Bund die Möglichkeit, Projekte zur Förderung der Gleichstellung im Erwerbsleben finanziell zu unterstützen (Artikel 14). Dank solcher Hilfen konnten www.infomutterschaft.ch und www.mamagenda.ch ins Leben gerufen werden. Auch die künftige Website für berufstätige betreuende Angehörige, www.info-workcare.ch, die diesen Herbst aufgeschaltet werden soll, hat davon profitiert. Das GlG ermöglicht es dem Bund ausserdem, privaten Institutionen Finanzhilfen zu gewähren, die Frauen im Erwerbsleben Beratung und Information bieten oder die die Wiedereingliederung von Frauen und Männern fördern, die ihre berufliche Tätigkeit zugunsten familiärer Aufgaben unterbrochen haben (Artikel 15).

Anfang April hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) einen Paradigmenwechsel punkto Finanzhilfen beschlossen.

Finanzhilfen nach dem GlG: ein merkwürdiges Geburtstagsgeschenk

Ab 2019 wird das Departement von Alain Berset die Finanzhilfen, die seit 1996 elf bestehenden Beratungsstellen gewährt wurden, streichen, weil deren Dienstleistungen mittlerweile von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren oder von den kantonalen Berufsberatungsstellen angeboten würden.

Weiter wird das EDI ab 2017 die Unterstützung für Projekte und Programme zur Förderung der Gleichstellung im Erwerbsleben neu ausrichten. Der Bund wird Dienstleistungen und Projekte gemäss zwei Stossrichtungen unterstützen: Einerseits werden die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Verwirklichung der Lohngleichheit in Unternehmen gefördert, andererseits fliessen die Gelder in Projekte, die die Arbeit von Frauen in Berufen mit Fachkräftemangel fördern, zum Beispiel in Informatik, Naturwissenschaft oder Technik. Prioritär unterstützt werden Projekte, die die Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt verändern, wie flexible Arbeitszeitmodelle oder faire Lohnsysteme.

Dieser doppelte Entscheid stellt einen Paradigmenwechsel dar: Nur die Projekte, die sich an Unternehmen richten, können auf eine Finanzhilfe hoffen, sofern sie den festgelegten Stossrichtungen entsprechen. Dienstleistungen und Produkte, die direkt für die betroffenen Personen bestimmt sind, werden hingegen nicht mehr unterstützt. Travail.Suisse stellt fest, dass es die Unternehmen bisher nicht eilig hatten, die Gleichstellung intern konkret voranzutreiben. Nur sehr wenige von ihnen haben für ein internes Gleichstellungsprojekt oder -programm finanzielle Unterstützung beantragt. Es sei daran erinnert, dass auch nur sehr wenige Unternehmen sich am Lohngleichheitsdialog beteiligt haben, der – in der Sozialpartnerschaft – darauf abzielte, die Lohnungleichheit durch eine automatische Kontrolle der Lohngleichheit zu beseitigen 1 . Das EDI setzt nun jedoch voll und ganz auf die Unternehmen. Das GlG erhält zu seinem 20. Geburtstag im Juli 2016 ein merkwürdiges Geburtstagsgeschenk.

Unverzichtbare und einzigartige Dienstleistungen

Das EDI hat diesen Entscheid Anfang April gefällt. Dafür bedurfte es keiner Konsultation. Der Entscheid basiert auf juristischen Analysen in Bezug auf die Kompetenzenaufteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden. Schockierend ist, dass die Realität ganz anders aussieht, wie Travail.Suisse in seiner Studie über den Wiedereinstieg ins Berufsleben betont hat.
2013 2 hat Travail.Suisse gezeigt, dass die von den Beratungsstellen angebotenen Dienstleistungen einzigartig und unverzichtbar sind. Auch wenn diese Stellen trotz Bundesbeiträgen angesichts der ständigen Nachfrage nur wenig Mittel haben. Einige Stellen schaffen es gar, kostenlos zu arbeiten. Vor allem Frauen benötigen solche Dienstleistungen, insbesondere diejenigen, die über kein sehr hohes Ausbildungsniveau verfügen und die finanziell nicht sehr gut gestellt sind. Wichtig ist aber auch, dass die Beratungsstellen – im Gegensatz zur Aussage der juristischen Analysen – die staatlichen Angebote nicht konkurrenzieren. Die Frauen wenden sich nicht an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), weil sie wissen, dass sie dort keine aufmerksame und kompetente Unterstützung in Bezug auf ihre besondere Problematik erhalten. Das hat eine Studie des BFS gezeigt 3 . Diese Frauen haben auch nicht die Mittel, um teure Beratungen zur beruflichen Neuorientierung zu zahlen.

Die Kantone müssen auf finanzieller Ebene nun also aktiv werden, wie dies die Bundesverfassung (Art. 8 Abs. 3 2. Satz) und aus völkerrechtlicher Sicht das UNO-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, das die Schweiz ratifiziert hat, vorschreiben. Das Bundesgericht hat in einem Urteil vom 21. November 2011 daran erinnert, dass die Kantone verpflichtet seien, geeignete Massnahmen zu treffen, um die faktische Gleichstellung zu fördern. In einer Zeit, wo Budgeteinschränkungen an der Tagesordnung sind, wird diese Übertragung von Verantwortung vom Bund auf die Kantone die Aufgabe der Beratungsstellen nicht vereinfachen. Denn diese werden die jeweiligen kantonalen Behörden davon überzeugen müssen, dass eine Aufrechterhaltung ihres Angebots unabdingbar ist.

Die Lohndiskriminierung hat sich verschärft

Alle zwei Jahre erinnert die Analyse der Lohndiskriminierung, die auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des BFS basiert, daran, dass die berufliche Gleichstellung von Mann und Frau tatsächlich nicht existiert. Die Lohndiskriminierung ist im Privatsektor von 37,63 Prozent aller im Jahr 2010 beobachteten Lohnungleichheiten auf 41 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Ab dem Eintritt auf den Arbeitsmarkt verdienen junge Frauen im Schnitt 7 Prozent weniger als ihre Kollegen, unter ansonsten gleichen Bedingungen 4 . Somit haben sie im Monat 280 Franken weniger im Portemonnaie, ein Betrag, der weiter zunimmt. Letztlich werden den berufstätigen Frauen in der Schweiz über 7 Milliarden Franken pro Jahr nicht ausbezahlt – was absolut ungerechtfertigt ist.

Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt: die Schweiz weit abgeschlagen

Neulich hat die Zeitschrift «The Economist» die Ergebnisse ihres «Glass Ceiling Index» 5 veröffentlicht, der sich mit dem Phänomen der sogenannten gläsernen Decke auseinandersetzt. Dieser Index wurde anlässlich des Internationalen Frauentages der Vereinten Nationen am 8. März erstellt. Er misst den Zugang der Frauen zum Arbeitsmarkt anhand von neun Kriterien (Lücke in der höheren Bildung, Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt, Lohndifferenz, Anteil der Frauen auf Managerstufe, Frauen in Führungsorganen von Unternehmen, Kosten der Kinderbetreuung, bezahlter Mutterschaftsurlaub, Anteil der Frauen mit einem höheren Wirtschaftsdiplom, Anteil der auf nationaler Ebene gewählten Frauen).

2016 wurde ein zehntes Kriterium hinzugefügt: das Vorhandensein eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs. Die Schweiz rangiert weiterhin auf dem viertletzten Platz vor der Türkei, Japan und Nordkorea! Ihre Wertung ist in einem Jahr von 41,7 auf 40,6 von insgesamt 100 Punkten gesunken. Die besten Plätze belegen die nordischen Länder: Island, Norwegen, Schweden und Finnland. Der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 56 Punkten.

Die angekündigte Lancierung einer Volksinitiative für die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs von 20 Tagen (was im Hinblick auf die Praktiken bei unseren Nachbarn eher bescheiden ist) durch einen Zusammenschluss von Familien-, Frauen-, Männer- und Arbeitnehmendenorganisationen ist eine erste Antwort auf das vielschichtige Problem der Ungleichheit, auch wenn es zur Lösung dieses Problems weitaus mehr braucht.

Es muss weiter investiert werden

Der Entscheid des EDI, die finanzielle Unterstützung der Beratungsstellen zu streichen und die Finanzhilfen neu für Projekte zur Gleichstellung im Erwerbsleben einzusetzen, ist zweifellos auf politischen Druck zurückzuführen, in einem Umfeld, wo die Gleichstellung zu einem leidigen Thema geworden ist, das die Gemüter gar nicht mehr erregt. Die Zusammensetzung des Parlaments nach den Wahlen im Herbst 2015 hat ganz sicher etwas damit zu tun. Ein Beleg dafür ist wohl die Tatsache, dass im letzten Winter versucht wurde, das Budget der vom EBG gewährten Unterstützungsleistungen auf die Hälfte zusammenzustreichen. Die Gleichstellung ist zwar im Gesetz verankert, doch viele verstehen nicht, dass sie immer noch nicht Realität ist und dass daher immer noch in Projekte und Dienstleistungen für die betroffenen Personen investiert werden muss. Ausserdem sind auch die Sensibilisierung und die Information von Unternehmen unermüdlich weiterzuführen.


1 «Beendigung des Projekts ‹Lohngleichheitsdialog›: Es braucht automatische Kontrollen zur Lohngleichheit» Medienmitteilung von Travail.Suisse vom 9. Dezember 2013
2 Travail.Suisse – Die Rückkehr ins Berufsleben erfolgreich meistern. Handlungsfelder und mögliche Massnahmen im Bereich der Bildung und Arbeitsmarktintegration von Wiedereinsteigenden. Bern, 2013.
3 BFS Aktuell – Frauen und Erwerbslosigkeit: Anhaltende Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbslosenquote. Neuenburg, August 2012.
4 Projekt Belodis des NFP60 über die Gleichstellung der Geschlechter.
5 http://www.economist.com/news/business/21598669-bestand-worstplaces-be-working-woman-glass-ceiling-index

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26. April 2016, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Kollateralschäden schwächen den Forschungsplatz Schweiz

Der Forschungsplatz Schweiz ist unter Druck. Die ungelöste Europafrage, gegenwärtig belastet durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI), produziert Kollateralschäden in der Forschung. Ende Jahr fällt die Schweiz als assoziiertes Mitglied auch noch aus dem ersten Pfeiler des Programms Horizon 2020 heraus, wenn keine Lösungen im Kroatiendossier und bei der Personenfreizügigkeit vorliegen. Für Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, ist das eine gefährliche Entwicklung, die nicht kleingeredet werden darf. mehr

Die Schweiz gehört in der Forschung zur Topliga. Ihre Position steht allerdings in der Gefahr, unterspült zu werden. Auf drei reale Risiken ist hier hinzuweisen:

1. Forschung ist auf internationalen Austausch angewiesen. Für die Schweiz war es sehr wichtig, dass sie ab 2004 als assoziertes Mitglied in die EU-Forschungsprogramme aufgenommen worden ist. Damit verfügten die Schweizer Forscher (und auch Unternehmen) über die gleichen Rechte und Pflichten im Rahmen der EU-Forschungsprogramme und waren engstens mit den Forschungsentwicklungen verwoben. Die Schweiz hat diese Chance optimal genutzt. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie mehr Forschungsgelder aus den EU-Forschungsprogrammen herausholen konnte, als sie selber eingezahlt hatte. Seit der Annahme der MEI hat aber der internationale Austausch über die EU-Forschungsprogramme einen herben Dämpfer erfahren. In den Pfeilern zwei und drei ist die Schweiz nur noch als Drittstaat geduldet. Und ab 2017 fällt die Schweiz auch im Pfeiler eins in den Drittstaatmodus, wenn es nicht gelingt, die Personenfreizügigkeit in einer von der EU und der Schweiz akzeptierten Form fortzuführen und auf Kroatien auszuweiten. Damit würde die Schweiz aber wichtige Zugänge zur Forschungswelt verlieren.

2. Unsicherheit ist Gift für die Forschung. Forschung ist ein langjähriges Unternehmen. Sie ist auf Konstanz und Sicherheit angewiesen. Die gegenwärtigen bilateralen Probleme, welche durch die MEI ausgelöst wurden, schwächen das System. Sowohl Hochschulen als auch Unternehmen sind unsicher, wie es weitergeht, und sind deshalb in ihren Entscheidungen behindert und in ihrer Motivation geschwächt. Zudem ist das Gewinnen von talentierten Forschenden schwieriger geworden. Ein Land mit Drittstaatmodus verspricht keinen optimalen Zugang zu Forschungsprojekten. Da nimmt man lieber eine andere Stelle in einem anderen Land an, welches diesen Zugang auf längere Frist ermöglicht.

3. Ein Pluspunkt weniger für eine Ansiedlung eines Unternehmens. Warum kommt jemand mit einem Unternehmen in die Schweiz und schafft hier Arbeitsplätze? Einer der Gründe ist sicher die Tatsache, dass die Schweiz punkto Forschung zur Topliga gehört. Wie lange gilt das allerdings noch? Wenn sich die Abschottung durchsetzt und die Schweiz in den EU-Forschungsprogrammen nur noch als Drittstaat teilnehmen kann, verliert die Forschung mittel- und längerfristig ihren Glanz. Ihre Position wird langsam und fortschreitend unterspült. Damit aber auch eine jener Säulen, welche den wirtschaftlichen Erfolg tragen.

Die MEI führt heute schon zu Kollateralschäden bei der Forschung. Es ist zu hoffen, dass sie sich nicht noch verstärken, sondern korrigiert werden können. In diesem Sinne ist für Travail.Suisse klar, dass eine einvernehmliche Lösung mit der EU angestrebt werden muss. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Möglichkeit einer einseitigen Schutzklausel ist nicht zielführend und mit Blick auf die wirtschafts- und forschungspolitischen Folgen gefährlich.

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16 04 26 Kollateralschaeden-schwaechen-Forschungsplatz-Schweiz d.docx 16 KB

26. April 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Die Integration von Flüchtlingen bedingt einen stärkeren politischen Willen

Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, spricht sich für die Einführung von Massnahmen zur besseren Integration anerkannter Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommener aus. Der Bundesrat plant ein Pilotprogramm für die Integration dieser Personengruppen, doch die Vorschläge sind noch nicht ausgereift. Am 29. April wird Travail.Suisse an seiner Delegiertenversammlung eine entsprechende Resolution vorstellen. mehr

Im Rahmen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hat der Bundesrat angekündigt, auf das Potenzial einheimischer Arbeitskräfte setzen zu wollen, mit dem Ziel, den Arbeitskräftemangel auf dem Arbeitsmarkt zum Teil auszugleichen und die Rekrutierung von Migrantinnen und Migranten im Ausland einzuschränken. Verschiedene Massnahmen sollen zur Erreichung dieses Ziels beitragen. Der Bundesrat hat daher unter anderem ein Pilotprogramm geplant, das die Integrationsmassnahmen für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene stärken soll. Es umfasst zwei Hauptstossrichtungen: eine frühzeitige Sprachförderung für Personen im Asylprozess und eine Integrationsvorlehre, um den Zugang zur Berufsbildung oder zum Arbeitsmarkt für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene zu erleichtern. Die Umsetzung dieses Programms ist für 2018 vorgesehen, doch die Vorschläge bleiben im Hinblick auf die heutige Politik und die momentane Arbeitsmarktsituation schwach.

Die Beseitigung rechtlicher Hindernisse hat Priorität

Obwohl die meisten vorläufig Aufgenommenen und die Mehrheit der anerkannten Flüchtlinge schon seit mehreren Jahren in der Schweiz wohnen, bleibt ihr Rechtsstatus schwach, was administrative Hindernisse für den Zugang zum Arbeitsmarkt aufwirft. Daher empfiehlt Travail.Suisse, die Sonderabgabe von 10 Prozent, den die vorläufig Aufgenommenen auf ihren Lohn entrichten müssen, möglichst rasch aufzuheben und auch die Verfahren für den Erhalt einer Arbeitsbewilligung abzuschaffen. Die Gewährung einer Aufenthaltsbewilligung für vorläufig Aufgenommene könnte ebenfalls vereinfacht werden, da diese Personen schon seit vielen Jahren in der Schweiz wohnhaft sind. Travail.Suisse erinnert daran, dass die Stärkung des Rechtsstatus von Migrantinnen und Migranten nötig ist, um ihnen eine soziale und emotionale Stabilität zu gewähren, die sich positiv auf ihre Integration auswirkt.

Löhne und Arbeitsbedingungen bewahren, aber nicht nur

Es gibt zahlreiche Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen. Erstens ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt hart, insbesondere für vorläufig Aufgenommene. Denn nur schon die Erwähnung des Worts «vorläufig» schafft für die Arbeitgeber keinen Anreiz, diese Personen zu rekrutieren. Und falls sie angestellt werden, sind die Lohnbedingungen häufig schlecht und der Arbeitsvertrag nur auf eine kurze Dauer beschränkt. Es braucht eine starke Sensibilisierung der Arbeitgeber, doch diese gestaltet sich ziemlich schwierig in Anbetracht der heutigen Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Diese resultiert aus den Verhandlungen mit der Europäischen Union, um die Freizügigkeitsabkommen (FZA) weiterzuführen. Und zweitens spielt auch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle, da die Anzahl Stellen für wenig qualifizierte Arbeitskräfte abnimmt. Häufig wird europäischen Staatsangehörigen der Vorzug gegeben. Daher müssen die politischen Bemühungen intensiviert werden, um eine Diskriminierung hinsichtlich des Status zu verhindern und Personen aus der Schweiz, aus Europa und aus Drittländern gleiche Chancen zu bieten.

Des Weiteren müssen die Massnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt auch die Traumata und die Gesundheitsprobleme der Flüchtlinge und der vorläufig Aufgenommenen berücksichtigen, die deren Integrationsprozess bremsen. Diesen Personen sind soziale Unterstützung und psychologische Betreuung zuzusichern, bevor sie animiert werden, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die heutige Integrationspolitik ist zu wenig kohärent

Die heutige Migrationspolitik weist schizophrene Züge auf: Einerseits unterstützt sie eine bessere Integration, sie führt aber andererseits auch rechtliche Hindernisse ein, die genau diese Integration beeinträchtigen. Ein Beispiel dafür ist, dass vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge einfacher in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden sollen, gleichzeitig aber Massnahmen getroffen werden, um Einsparungen bei der Sozialhilfe umzusetzen. Diese Massnahmen haben häufig Zwangscharakter und wirken sich negativ auf ein Integrationsverfahren aus. Der politische Wille, den Entzug von Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligungen bei einer Sozialhilfeabhängigkeit zu vereinfachen, behindert die Integration weiter. Vorläufig Aufgenommene, die eine Aufenthaltsbewilligung erlangen wollen, sind davon auch betroffen.

Und zu guter Letzt wird das Pilotprogramm, das die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen begünstigen soll, erst 2018 greifen. Es wird nur ein kleiner Anteil der dann in der Schweiz wohnhaften Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen am Programm teilnehmen. Auch wenn Handlungsbedarf besteht, wäre es illusorisch, zu glauben, dass die Arbeitskraft der Personen aus dem Asylwesen den Fachkräftemangel infolge der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ausgleichen könnte. Es stellt sich daher die Frage, ob die finanziellen Mittel für die angestrebten Massnahmen ausreichen. In Anbetracht der Lage können die notwendigen Anstrengungen ihre Wirkung nur entfalten, wenn der politische Wille zur Integration zunimmt und eine kohärente Linie verfolgt.

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11. April 2016, Hélène Agbémégnah, Leiterin Migrationspolitik und Rechtsfragen Drucker-icon

Neuer Ratgeber: Ohne Unfall durch die Lehre

Lernende verunfallen deutlich häufiger als ausgelernte Personen. Das zeigt die Auswertung der Unfalldaten der Suva. Verstärkte Präventionsmassnahmen von allen Beteiligten sind deshalb gefragt. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, versucht durch die Veröffentlichung der Broschüre «Ohne Unfall durch die Lehre» ihren Teil dazu beizutragen. Lernende sollen dafür sensibilisiert werden, unter allen Umständen ihre persönliche Arbeitssicherheit ernst zu nehmen. mehr

Es ist schnell passiert: Eine Sekunde der Unkonzentriertheit, und schon ist man mit dem Messer ausgerutscht, mit der Hand in die Fräse geraten oder hat den Fuss unter einer Maschine eingeklemmt. Das Berufsunfallrisiko von Lernenden ist klar höher als jenes der übrigen Angestellten 1 . Jedes Jahr verletzen sich in der Schweiz 25 000 Lehrlinge 2 bei der Arbeit. Das heisst jede/r achte Lernende. «Die häufig geäusserte Vermutung, dass dies allein durch die Sportunfälle beim Lehrlings-Turnen verursacht wird, trifft nicht zu. Auch ohne Sportunfälle bleibt das Risiko der Lernenden wesentlich höher als jenes der übrigen Angestellten» 3 .Dazu kommt, dass das Schutzalter für gefährliche Arbeiten von 16 auf 15 Jahre 4 gesenkt wurde, was erhöhte Vorsichtsmassnahmen noch dringender macht.

Zusammenarbeit von Travail.Suisse und Jeunesse.Suisse

Travail.Suisse hat die Broschüre «Ohne Unfall durch die Lehre» zusammen mit Jeunesse.Suisse, der Jugendkommission von Travail.Suisse, verfasst. Dem Präsidenten von Jeunesse.Suisse, Roman Helfer, gehört daher auch das Vorwort. Die beiden genannten Organisationen übernehmen die Distribution der Broschüre in die Berufsfachschulen. Übrigens: Die ansprechenden Illustrationen hat auch eine Lernende gezeichnet: Pasquale Herren. Sie ist Grafikerin im 1. Lehrjahr. Die Broschüre gibt es gegenwärtig auf Deutsch und Französisch. Eine italienische Version ist in Planung.

Lernplattform Arbeitssicherheit

Travail.Suisse engagiert sich über weitere Angebote für die Arbeitssicherheit, beispielsweise über die dreisprachige Lernplattform für Arbeitssicherheit www.arbeitssicherheit-hf.ch. Diese wendet sich an Studierende von Höheren Fachschulen. Die zukünftigen Fach- und Führungspersonen sollen durch die Arbeit auf der Lernplattform für die Fragen der “Arbeitssicherheit” sensibilisiert werden.

Weitere Broschüren für junge Arbeitnehmende

Neben der Broschüre «Ohne Unfall durch die Lehre» hat Travail.Suisse auch zwei weitere Ratgeber für junge Arbeitnehmende veröffentlicht. «Die Lehre meistern» wendet sich an junge Menschen in der Lehre und zeigt ihnen ihre Rechte und Pflichten auf, gibt ihnen aber auch zum Beispiel Tipps in Bezug auf das Lernen oder einen klugen Umgang mit Konflikten. «Meine Chance nach der Lehre» thematisiert den Übergang von der Lehre in die erste Anstellung und spricht wichtige Fragen dieser Lebensphase an wie etwa die Stellensuche, den Umgang mit Absagen, der erste Auszug von Zuhause oder auch eine mögliche Erwerbslosigkeit.


1 http://www.suva.ch/unfallstatistik-sichere-lehrzeit.pdf
2 http://www.suva.ch/startseite-suva/praevention-suva/arbeit-suva/sichere-lehrzeit-suva.htm
3 http://www.suva.ch/unfallstatistik-sichere-lehrzeit.pdf, S. 3.
4 https://www.admin.ch/opc/de/official-compilation/2014/2241.pdf

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11. April 2016, Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

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Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
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