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Vaterschaftsurlaub – ein Anliegen der Bevölkerung

Vätern in der Schweiz steht bei der Geburt ihres Kindes ein einziger freier Tag zur Verfügung. Für die reiche Schweiz, die sich eine bessere Familienpolitik leisten könnte, ein Armutszeugnis. Die Politik hat den Handlungsbedarf bisher nicht erkannt. Die Initiative für einen zwanzigtägigen Vaterschaftsurlaub – lanciert von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, Alliance F, männer.ch und Pro Familia Schweiz – findet beim Volk grossen Anklang. mehr

Väter in der Schweiz haben es nicht leicht: Bei der Geburt ihres Kindes steht ihnen faktisch kein Vaterschaftsurlaub zu, weder bezahlt noch unbezahlt. Im Rahmen der „üblichen freien Tage und Stunden“ laut Obligationenrecht Artikel 329 Absatz 3 können sie zwar einen freien Tag beziehen – eine reservierte Zeit für Väter gibt es nicht. Dauert die Geburt länger als 24 Stunden, verpasst er möglicherweise sogar diesen wichtigen Moment. Ein Vaterschaftsurlaub wird hierzulande gleich behandelt wie ein Umzug in eine neue Wohnung. Mit dieser Regelung ist die Schweiz ein Entwicklungsland. Der Durchschnitt bei den OECD-Ländern beträgt 8 Wochen – doppelt so viel, wie die Vaterschaftsurlaubs-Initiative verlangt – nämlich flexible 20 Tage. Der Vorteil ist, dass die 20 vorgeschlagenen Tage auch einzeln innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes bezogen werden können. Anstatt vier Wochen am Stück zuhause zu sein, können beispielsweise über zehn Wochen zwei Tage für die Familie reserviert werden. Als Folge wird es zur Normalität, dass Väter aufgrund von Familienpflichten für kurze Zeit am Arbeitsplatz abwesend sind.

Für einen optimalen Start ins Familienleben ist die Präsenz von Vätern unabdingbar. Die Mutter braucht nach den Anstrengungen, die eine Geburt mit sich bringt, Erholung. Wenn sie sich nur wenige Tage danach alleine um das Neugeborene, andere Geschwister, den Haushalt etc. kümmern muss, ist das nur schwer möglich. Die freie Zeit für Väter ist ausserdem enorm wichtig, um ihnen die Möglichkeit zu geben, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und väterliche Kompetenzen zu erlernen. Hinzu kommt, dass die Arbeitsteilung der Eltern nach der Geburt nicht automatisch in die klassische Rollenverteilung zurückfällt. Wenn Väter von Anfang an mehr Familienpflichten erfüllen und seine Partnerin entlasten kann, kann sich die Mutter besser um einen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben kümmern. Ein Kind zu haben soll für die Mutter nicht bedeuten, dass sie ihre Ambitionen im Beruf vernachlässigen muss.

Zeit für Väter momentan abhängig vom Arbeitgeber

Väter wollen mehr Verantwortung übernehmen und für ihre Familie da sein. Aus einer repräsentativen Studie, durchgeführt vom LINK-Institut im Auftrag von Travail.Suisse, gaben über 80 Prozent an, einen Vaterschaftsurlaub nötig zu finden (LINK Institut, Vaterschaftsurlaub, Luzern 2015). Das Bedürfnis in der Bevölkerung besteht klar. Die Politik hinkt dennoch weiter hinterher: Mehr als 30 Vorstösse zu einem Vaterschaftsurlaub wurden bisher im Parlament abgelehnt. Eine Volksinitiative ist die logische Konsequenz, um der Bevölkerung endlich Gehör zu verschaffen. Nur wenige Arbeitnehmende haben das Glück, dass ihr Arbeitgeber das Manko erkannt hat und einen internen Vaterschaftsurlaub von mehr als zwei Tagen zur Verfügung stellt. Bei den meisten handelt es sich denn auch um grössere Unternehmen, die es sich leisten können. Mit einer gesetzlichen Regelung könnten alle davon profitieren und sind nicht mehr vom Goodwill des Arbeitgebers abhängig.

Wie der Mutterschaftsurlaub und die Militärdiensttage wird auch der Vaterschaftsurlaub über die Erbwerbsersatzordnung (EO) finanziert. Die Beiträge müssen mittelfristig nicht oder kaum angepasst werden, da die Anzahl Militärdiensttage laufend sinken. Dafür zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmende je 0.06 Lohnprozente an Beiträge ein. Bei einem Monatslohn von 6000 Franken sind das 3.60 Franken. Das entspricht den Kosten einer Tasse Kaffee – ein Vaterschaftsurlaub ist definitiv realisierbar.

Unternehmen erkennen Wichtigkeit des Anliegens

Ein Vaterschaftsurlaub von 20 Tage fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die grosse Unterstützung in der Bevölkerung zeigt sich bei der Unterschriftensammlung: Für die Einreichung fehlen noch einige tausend Unterschriften. Seit Lancierung haben ausserdem einige Unternehmen erkannt, dass vier Wochen Vaterschaftsurlaub keinesfalls ein Luxus ist: Unter anderem die Versicherungsgruppe AXA Winterthur und IKEA Schweiz sind dem Beispiel der Initiative gefolgt und stellen ihren Mitarbeitern neu vier bezahlte Wochen zur Verfügung. Mit der Einführung eines Vaterschaftsurlaubs ist der erste Schritt für eine verbesserte Familienpolitik in der Schweiz getan.

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2017 05 08 Vaterschaftsurlaub-Faktenlage d.docx 19 KB

08. Mai 2017, Hélène Fischer, Projektmitarbeiterin Vaterschaftsurlaubs-Initiative Drucker-icon

Frauen in Führungspositionen – Fortschritte auf tiefem Niveau

Im Rahmen der jährlich durchgeführten Managerlohnstudie untersucht Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, auch den Frauenanteil in den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen von Schweizer Unternehmen. Die Zahlen der Studie zeigen, dass die Frauenvertretung in den Geschäftsleitungen nach wie vor auf einem sehr tiefen Niveau stagniert. Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten hingegen entwickelt sich auf den ersten Blick in eine erfreuliche Richtung. Im Vergleich mit anderen westeuropäischen Staaten nimmt die Schweiz jedoch eine der letzten Positionen ein. Dies zeigt einmal mehr, dass die Diskussion über eine Quotenregelung dringend notwendig ist. mehr

Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der von Travail.Suisse untersuchten Unternehmen belief sich 2016 auf 6 Prozent. Betrachtet man die untenstehende Grafik, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre eine Stagnation im Bereich zwischen 4 und 6 Prozent. Es lässt sich also keine klare Entwicklung in Richtung der von verschiedenster Seite geforderten 20 Prozent erkennen. Insbesondere kritisch zu werten ist, dass 15 der 26 untersuchten Unternehmen Geschäftsleitungen ohne jegliche Frauenbeteiligung aufweisen. Dies entspricht einem Anteil von rund 60 Prozent reiner Männergremien. Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten belief sich 2016 auf 24 Prozent. Dies bestätigt den kontinuierlichen Anstieg der letzten Jahre, ist jedoch noch immer deutlich unter den geforderten 30 Prozent der laufenden Aktienrechtsrevision.


Abbildung 1: Frauenanteil in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung 2002-2016, Quelle: Eigene Darstellung, Travail.Suisse

Eine Tatsache, die mit Blick in die Zukunft hoffen lässt, ist, dass im Jahr 2016 13 Prozent der Neuzugänge in den Geschäftsleitungen und 28 Prozent der Neuzugänge in den Verwaltungsräten der von Travail.Suisse untersuchten Firmen Frauen waren. Die aktuellsten Zahlen des Schillingreports 2017 1 bestätigen diese positive Entwicklung, zeigen jedoch ebenfalls klar auf, dass der Frauenanteil in Führungspositionen weiterhin bedenklich tief ist. In diesem Sinne lohnt sich ein Blick über die Grenzen hinaus, denn insbesondere im europäischen Vergleich hinkt die Schweiz noch immer deutlich hinterher und es besteht ein grosser Aufholbedarf.

Die Schweiz als Schlusslicht im europäischen Vergleich

Gemäss Daten des Peterson Institute for International Economics 2 belegte die Schweiz 2016 im Bezug auf die Frauenvertretung in Geschäftsleitungen den erschreckenden 56. Rang von 59 untersuchten Ländern. Während Norwegen einen Frauenanteil von rund 40 Prozent vorweisen kann, liegt die Frauenvertretung in Ländern wie Italien, Schweden und Finnland zumindest über 20 Prozent. Die Schweiz hingegen fällt gemäss der Studie mit 8 Prozent deutlich ab.

In den Verwaltungsräten zeigt sich ein ähnliches Bild. Gemäss den Zahlen des Schillingreports 2017 3 und einer Studie der Credit Suisse 4 belegt die Schweiz im europäischen Vergleich auch hier einen der letzten Plätze im Bezug auf die Frauenvertretung. Spitzenreiter ist wiederum Norwegen mit einem Frauenanteil von über 40 Prozent. Auch Frankreich, Schweden, Italien, Finnland und neu auch Deutschland weisen Werte um 30 Prozent oder mehr auf, während die Schweiz gemäss der Credit Suisse Studie mit einem Frauenanteil von 13.4 Prozent klar unter dem europäischen sowie auch dem globalen Durchschnitt liegt. 5 So befindet sich die Schweiz in Punkto Frauenvertretung näher bei Ländern wie Indien und Thailand, als bei ihren europäischen Nachbarn.

Diese erschreckende Tatsache ist insbesondere auf die bemerkenswerten Fortschritte vieler europäischer Staaten in den vergangenen Jahren zurückzuführen. In Norwegen, Belgien, Frankreich, Italien, der Niederlande und Deutschland sind Frauenquoten in den Verwaltungsräten grosser Unternehmen heute Realität. Während in Norwegen bei Nichterfüllung harte Strafen drohen, sind in den meisten anderen Ländern keine Sanktionen vorgesehen. Besonders interessant aus Sicht der Schweiz ist der Vergleich mit Deutschland, wo 2016 eine Frauenquote von 30 Prozent für den Verwaltungsrat eingeführt wurde. Fünf Monate nach der Einführung lag der Frauenanteil bereits bei über 30 Prozent und knapp zwei Drittel der DAX-Unternehmen erfüllten die vorgeschriebene Quote. 6


Abbildung 2: Frauenanteil in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat, Quelle: Credit Suisse Research 2016

Frauenquote muss auch in der Schweiz Realität werden

Im Rahmen der Aktienrechtsrevision, welche bald ins Parlament kommt, schlägt der Bundesrat eine Frauenquote von 30 Prozent in Verwaltungsräten und 20 Prozent in Geschäftsleitungen börsenkotierter Firmen vor. Griffige Kontrollmechanismen und Sanktionen, welche Travail.Suisse im Vorfeld gefordert hatte, sind jedoch nicht vorgesehen. Die Firmen wären lediglich verpflichtet sich bei einer Nicht-Einhaltung der Quoten nach dem „comply or explain“-Prinzip zu erklären. Obwohl die Vorlage ohne konkrete Sanktionsmöglichkeiten relativ zahnlos scheint, so wäre sie in Anbetracht des riesigen Aufholbedarfs der Schweiz doch ein Schritt in die richtige Richtung. Die Vorlage wird nicht nur von linker Seite unterstützt. Auch bürgerliche Rechtsexperten erkennen, dass im Rahmen des verfassungsmässigen Auftrags zur Gleichstellung etwas getan werden muss und sprechen sich für die Einführung einer Frauenquote im Zuge der laufenden Aktienrechtsrevision aus. 7

Travail.Suisse unterstützt die Vorlage als wichtigen, wenn auch zu zaghaften, Schritt in Richtung eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses in Führungspositionen. Die Zeit, in der ein Grossteil der Unternehmen in den Händen reiner Männergremien liegt, muss endlich der Vergangenheit angehören. Das Beispiel des Kantons Basel-Stadt zeigt, was möglich ist: Innerhalb nur eines Jahres wurde in der Stadt Basel eine Frauenquote von 33 Prozent in öffentlichen und staatsnahen Betrieben erreicht. An diesem und am oben erwähnten Beispiel Deutschlands wird klar, was die Einführung von Quoten bewirken kann und was es in der Schweiz nun zu tun gilt, um das Ziel einer besseren Vertretung von Frauen in der Wirtschaft zu erreichen.


1 http://www.schillingreport.ch/de/home
2 PIIE (2016): https://piie.com/publications/working-papers/gender-diversity-profitable-evidence-global-survey
3 Schillingreport 2017 (Medienmitteilung): http://www.schillingreport.ch/de/home
4 Credit Suisse Research (2016): https://www.credit-suisse.com/ch/de/about-us/media/news/articles/media-releases/2016/10/de/gender-3000.html
5 Die Studie der Credit Suisse und der Schillingreport 2017 weisen bei der Frauenvertretung in Verwaltungsräten eine deutlich tiefere Zahl aus als die Studie von Travail.Suisse. Dies lässt sich durch die unterschiedliche Zusammensetzung der untersuchten Betriebe erklären.
6 NZZ (13.6.2016): https://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/gleichstellung-in-unternehmen-deutschland-erreicht-frauenquote-ld.88581
7 Tages-Anzeiger (22.4.2017): An der Frauenquote schneiden sich Männergeister

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2017 05 08 Managerloehne I Frauen-in-Fuehrungspositionen d.docx 33 KB

08. Mai 2017, Miriam Hofstetter, Mitarbeiterin Managerlöhne Drucker-icon

Sessionsvorschau Sondersession 2017

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, setzt sich auch im nationalen Parlament für eine Arbeit mit Zukunft ein. In der kommenden Session wird der Nationalrat einige Geschäfte beraten, die für die Arbeitnehmenden von zentraler Bedeutung sind. Im Fokus stehen die Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung (16.055), welche Travail.Suisse klar unterstützt.

Gerne präsentieren wir Ihnen die Haltung von Travail.Suisse zu ausgewählten Geschäften.

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2017 04 26 Sessionsvorschau Sondersession2017 d.pdf 223 KB

26. April 2017, Linda Rosenkranz, Leiterin Kommunikation Drucker-icon

Jeder Tag ein Tag der Arbeit

Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist jeder Tag ein Tag der Arbeit. Als Dachverband setzen wir uns mit der Arbeit und allen Aspekten, welche die Lohnabhängigen in der Schweiz betreffen, auseinander. Klar, am 1. Mai sollen die Forderungen noch etwas kämpferischer und in einem festlichen Rahmen erhoben werden. Der 1. Mai soll uns aber auch zeigen, dass wir nur gemeinsam etwas erreichen können. Das müssen wir insbesondere jenen sagen, die nicht Mitglied einer Gewerkschaft oder eines Personalverbandes sind. mehr

Was die Arbeitnehmenden und die Gewerkschaften in der Vergangenheit erreicht haben, war nur gemeinsam möglich. Das sollten wir am 1. Mai nicht vergessen. Dabei müssen wir nicht gleich an einen Generalstreik denken, wie er am Ursprung des 1. Mai steht (in Chicago streikten am 1. Mai 1886 tausende Arbeitnehmende für bessere Arbeitsbedingungen). Es reicht sich in Erinnerung zu rufen, dass der Gesundheitsschutz, die Löhne, die soziale Absicherung erkämpft werden mussten. Und dass wir diese Errungenschaften verteidigen müssen. Das tun die Gewerkschaften und die Personalverbände, ohne sie würden die Arbeitsbedingungen verschlechtert.

Angst, den Job zu verlieren – trotz guter Wirtschaftslage

Dabei kennt die Schweiz schon jetzt einen der liberalsten Arbeitsmärkte. Seine Gesetze und Bestimmungen machen es den Unternehmen sehr einfach, Leute zu entlassen. Nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben die Arbeitnehmenden deshalb Angst, den Job zu verlieren. Kein Wunder: Eine Umfrage der SRF-Wirtschaftsredaktion hat gezeigt, dass die SMI-Grossunternehmen Schweizerinnen und Schweizer entlassen und Personen aus dem Ausland anstellen. Dass trotz guter Wirtschaftslage vermehrt Leute entlassen werden, bekommen auch immer mehr ältere Arbeitnehmende zu spüren. Waren die über 55-Jährigen bisher seltener erwerbslos, hat die Arbeitslosigkeit in dieser Alterskategorie in letzter Zeit zugenommen. Und wer im Alter einmal arbeitslos wird, hat grössere Mühe, den Wiedereinstieg zu schaffen.

Es ist unverständlich, dass Unternehmen trotz guter Geschäftslage Leute auf die Strasse stellen. Noch unverständlicher ist es, wenn sie diese mit Arbeitnehmenden aus dem Ausland ersetzen. Es ist klar, dass die Schweiz als weltweit am besten vernetztes Land die weltweit besten Spezialkräfte benötigt. Aber das Argument der fehlenden Qualifikationen darf nicht vorgeschoben werden, um jüngere, günstigere Arbeitnehmende aus dem Ausland zu rekrutieren. Die Unternehmen müssen mithelfen, die Arbeitskräfte auch aus- und weiterzubilden.

Bildung endet nicht mit dem Schul- oder Lehrabschluss

Von unseren Steuereinnahmen fliesst ein Fünftel in unser Bildungssystem. Wir investieren viel in unser „Humanvermögen“. Das ist richtig und nötig. Aber diese Milliarden muss der Staat auch erhalten, hier sind auch die Unternehmen gefordert. Das Nein zur Unternehmenssteuerreform III war deshalb ein sensationeller Sieg an der Urne. Die undurchsichtigen Steuervehikel und die zu hohen Steuerausfälle waren klare Gründe für die Ablehnung. Will die Schweiz ein weltweit führendes Bildungswesen haben, braucht der Staat die notwendigen Mittel.

Die Investitionen in die Bildung dürfen aber nicht an den Schulen, Berufsschulen, Fachhochschulen und Universitäten enden. Die Unternehmen sind gefordert, für die Weiterbildung ihrer Angestellten zu sorgen. Die beschäftigten Arbeitnehmenden müssen auf dem neuesten Wissenstand gehalten werden, und zwar auch die älteren unter ihnen. Denn gerade der drohende Fachkräftemangel wird es zeigen: Die älteren Arbeitnehmenden braucht es bis zu ihrer Pensionierung. Zu oft wird ab einem gewissen Alter nicht mehr ins sie investiert. Gemeinsam gilt es für mehr Weiterbildung einzustehen und diese selber zu fordern.

Was die Arbeitgebervertreter wollen ist klar: Sie wollen einen noch liberaleren Arbeitsmarkt. Im Parlament soll für noch mehr Berufskategorien die Arbeitszeiterfassung abgeschafft werden und für mittlere Kader und Fachspezialisten das halbe Arbeitsgesetz nicht mehr gelten! Zwei entsprechende Vorstösse wurden von den zuständigen Parlamentskommissionen schon angenommen. Wir werden uns hier gegen den gefährlichen Abbau von Schutzvorschriften wehren müssen!

Altersvorsorge 2020: sozial und gerecht

Bei der Altersvorsorge konnten wir das Rentenalter 67 und den Rentenabbau erfolgreich verhindern. Die Altersvorsorge 2020 ermöglicht eine Weiterentwicklung und eine Sicherung von AHV und Pensionskassen bis mindestens 2030. Es erstaunt nicht, dass der Arbeitgeberverband die Vorlage ablehnt. Die 0,3 zusätzlichen Lohnprozente, welche für die um 70 Franken pro Monate höhere AHV-Rente nötig sind, um die heutige Rentenhöhe zu halten, zahlen alle auf ihrem Lohn. Die besser Verdienenden erhalten aber nicht mehr als die Maximalrente. Das ist echter sozialer Ausgleich und mehr als gerecht vor dem Hintergrund der ungleichen Verteilung des Reichtums in der Schweiz. Angesichts der Tatsache, dass die Lohndiskriminierung der Frauen in der Schweiz noch nicht ausgemerzt ist, ist das höhere Rentenalter für die Frauen der Wehmutstropfen der Vorlage. Die Vorteile für die Teilzeiterwerbstätigen und die tieferen Einkommen können die negativen Wirkungen insgesamt jedoch ausgleichen. Bei einem Nein ist die Gefahr gross, dass die Rentenhöhe sinkt und das Rentenalter steigt. Der Vorstand von Travail.Suisse schlägt deshalb der Delegiertenversammlung auch einstimmig vor, die Altersvorsorge am 24. September zu unterstützen.

Wir werden weiterhin gemeinsam für den sozialen Fortschritt und für mehr Lebensqualität für die Lohnabhängigen kämpfen! Am 1. Mai und darüber hinaus. Für unsere Löhne, für unsere Renten und für unseren Vaterschaftsurlaub.

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2017 04 25 Tag der Arbeit D.docx 17 KB

25. April 2017, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Nationalrat muss für mehr bezahlbare familienergänzende Betreuung sorgen

Die Kosten für die familienergänzende Kinderbetreuung sind in der Schweiz exorbitant hoch. Zudem fehlt es an Betreuungsplätzen, die auch Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder bieten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert den Nationalrat auf, die vom Bundesrat vorgeschlagenen Verbesserungen des Bundesgesetzes über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung zu unterstützen. Die zusätzliche Anstossfinanzierung führt zu einem weniger teuren und besser auf die heutige Arbeitswelt ausgerichteten Betreuungsangebot. mehr

Die Fachkräfteinitiative des Bundes setzt auf eine höhere Erwerbsbeteiligung der Eltern, insbesondere der Mütter. Voraussetzung dafür ist allerdings mehr Verlässlichkeit bei den familienexternen Betreuungsangeboten. Dabei genügt es nicht, auf den Goodwill einzelner Kantone zu hoffen. Der Bund muss gezielte Anreize für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzen. Zwar sind die Kantone hauptverantwortlich für die familienergänzenden Betreuungsstrukturen. Die Realität zeigt aber, dass viele Kantone auf die Unterstützung des Bundes angewiesen sind, um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen. Ohne Engagement des Bundes bleibt es für Eltern je nach Kantonszugehörigkeit Glückssache, ob sie auf eine gute Betreuungsinfrastruktur zählen können oder nicht. Das ist nicht zeitgemäss. Die moderne Arbeitswelt macht nicht an der Kantonsgrenze halt. Auch die Bevölkerung erwartet hier mehr Engagement des Bundes, hat sie doch 2013 mit über 54 Prozent Ja-Stimmen dem Familienartikel zugestimmt, der nur am Ständemehr gescheitert ist.

Impulsprogramme des Bundes funktionieren

Der Bund hatte angesichts der fehlenden familienexternen Betreuungsinfrastruktur eine Anstossfinanzierung lanciert. Seit 14 Jahren läuft das Impulsprogramm des Bundes zur Schaffung von neuen Betreuungsplätzen, damit Eltern Familie und Beruf besser vereinbaren können. Der Bund hat dabei im Rahmen von über 3‘000 Gesuchen die Schaffung von rund 55‘000 Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten, bei der schulergänzenden Betreuung und in Tagesfamilien unterstützt. Der Bedarf ist nach wie vor gross, das Programm ein Erfolg. Es hat dazu geführt, dass heute in vielen Regionen deutlich mehr Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.

Neben der Verfügbarkeit ist auch die Bezahlbarkeit ein Problem

Heute besteht neben der Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen eine weitere Hürde: Die Eltern werden vor allem durch die Krippentarife stark belastet. Zwar sind die kaufkraftbereinigten Kosten für die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz vergleichbar mit denjenigen in unseren Nachbarländern Deutschland, Österreich und Frankreich. Aber ein Grossteil der Kosten wird in der Schweiz im Gegensatz zum benachbarten Ausland auf die Eltern überwälzt 1 . Das macht die familienexterne Kinderbetreuung in der Schweiz exorbitant teuer und führt häufig dazu, dass ein Zweiteinkommen sich finanziell kaum rechnet.

Abhilfe durch neue Anstossfinanzierung

Der Bundesrat und der Ständerat wollen deshalb mit einer zusätzlichen Anstossfinanzierung im Rahmen der Fachkräfteinitiative insgesamt 100 Millionen Franken für die gezielte Verbilligung der familienergänzenden Kinderbetreuung und für besser auf die Bedürfnisse der Eltern abgestimmte Angebote zur Verfügung stellen. Unterstützt werden könnten etwa Angebote über Mittag und während der Ferien oder speziell auf Eltern mit unregelmässigen Arbeitszeiten ausgerichtete Betreuungsangebote. Die Unterstützung dient als Anreiz für die Kantone, die Eltern über die Tarife zu entlasten. Jene Kantone, welche die Subventionen erhöhen, erhalten vom Bund im ersten Jahr 65 Prozent des zusätzlichen Betrags. Im zweiten Jahr sind es noch 35 und im dritten 10 Prozent.

Travail.Suisse fordert nun auch den Nationalrat auf, die Vorlage zu unterstützen und seiner Kommission zu folgen. Langfristig denken und in ein bezahlbares und verlässliches Angebot an familienexterner Kinderbetreuung zu investieren lohnt sich in verschiedener Hinsicht:

• Der volkswirtschaftliche Nutzen von Kindertageseinrichtungen ist belegt: Pro investiertem Franken können langfristig 2.6 bis 3.5 Franken Rendite für die öffentliche Hand erzielt werden. Dies auf Grund höherer Erwerbseinkommen der Haushalte, höherer Steuereinnahmen, höherer Sozialversicherungsbeiträge sowie tieferer Kosten für die Sozialhilfe. Am besten ist das Kosten-Nutzen Verhältnis für den Bund. 2 Deshalb ist es angezeigt, dass der Bund bei der Finanzierung mithilft.

• Mit einer besseren Betreuungsinfrastruktur steigt die Anzahl Fachkräfte. Studien gehen für die nächsten Jahrzehnte von rund einer Million fehlender Fachkräfte aus. Eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades von Teilzeiterwerbstätigen wird nur erfolgen, wenn die Kosten der familienexternen Betreuung den zusätzlichen Lohn nicht vollständig verschlingen. Gemäss einer Evaluationsstudie zum bisherigen Impulsprogramm müssten Eltern ohne Betreuungsplatz ihren Beschäftigungsgrad um durchschnittlich 34 Stellenprozente (Kindertagesstätte) bzw. 20 Stellenprozente (schulergänzende Betreuung) reduzieren. 3

• Es entspricht dem Wunsch vieler Eltern, ein egalitäres Rollenmodell zu leben. 4 Eine gute familienexterne Betreuungsinfrastruktur fördert die Gleichstellung der Elternteile und begünstigt eine egalitäre Rollenteilung. Mütter arbeiten bei gutem Betreuungsangebot tendenziell mehr, Väter reduzieren eher ihre Vollzeiterwerbstätigkeit zugunsten von Betreuungsaufgaben. 5

Höhere Steuerabzüge reichen nicht

Bürgerliche Politiker und Arbeitgebervertreter lehnen die zusätzliche Anstossfinanzierung mit dem Verweis auf die momentan in der Vernehmlassung steckende Vorlage für höhere Steuerabzüge bei Drittbetreuungskosten ab. Man müsse einfach die Steuerabzüge erhöhen und dann sei das Problem gelöst, wird suggeriert. Natürlich sollen Drittbetreuungskosten steuerlich abgezogen werden dürfen. Doch damit ist es bei weitem nicht getan. Familienpolitik nur über die Steuern betreiben zu wollen, ist wie wenn die Altersvorsorge nur aus der 3. Säule bestehen würde. Der negative Einfluss der Steuern auf den Erwerbsanreiz ist zwar gegeben, aber der der Einfluss der hohen externen Betreuungskosten übersteigt diesen meistens um ein Mehrfaches. 6 Die grössten negativen Erwerbsanreize bestehen in der Schweiz also wegen der Tatsache, dass die Kinderbetreuungskosten zu einem grossen Teil auf die Eltern überwälzt werden. Die beiden Vorlagen ergänzen sich deshalb und sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Travail.Suisse ist überzeugt, dass es mittelfristig einen besseren Service public in diesem Bereich braucht, und fordert deshalb, dass die heutige Anstossfinanzierung des Bundes mittelfristig zu einem Rahmengesetz für die Betreuungsinfrastruktur umgebaut wird. Die zusätzliche Anstossfinanzierung für mehr bezahlbare Betreuungsplätze ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt.

1 https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-57919.html

2 http://www.buerobass.ch/studienPopup_d.php?projektId=98

3 https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-51498.html

4 Siehe Lévy/Le Goff: Devenir parents, devenir inégaux. Transition à la parentalité et inégalités de genre.

5 www.nfp60.ch

6 Nachzulesen z.B. in Kurzfassung: Studie “Familienfreundliche Steuer- und Tarifsysteme – Vergleich der Kantone Basel-Stadt und Zürich” s. 9 http://www.personalradar.ch/wp-content/uploads/2012/08/Zusammenfassung-der-Gesamtstudie-Familienfreundliche-Steuer-und-Tarifsysteme.-Vergleich-der-Kantone-Basel-Stadt-und-Z%C3%BCrich..pdf

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2017 04 25 Famillienergänzende Betreuung.docx 22 KB

25. April 2017, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

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