Medien – Medienkonferenzen

Väter sollen Zeit für ihre Kinder haben

Die Tage, an denen die Väter nach getaner Erwerbsarbeit die Füsse hochlegten, sind gezählt, denn sie übernehmen mehr und mehr eine aktive Rolle im Familienleben. Damit ist es an der Zeit, ihnen ein Recht auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub einzuräumen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub. Die Studie von Travail.Suisse zeigt, dass die öffentliche Hand als Arbeitgeberin Vätern heute schon einen bezahlten Urlaub von meistens zwischen 2 und 10 Tagen gewährt. Das reicht jedoch nicht: Damit sich alle Unternehmen – insbesondere auch KMU – einen Vaterschaftsurlaub leisten können, muss er aus der Erwerbsersatzordnung bezahlt werden. mehr

Väter bekommen heute in der Regel höchstens einen oder zwei Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub – etwas besser sieht es bei der öffentlichen Hand aus (siehe Box). Wollen sie mehr, so müssen sie dies auf Kosten des Ferien- oder des Familienbudgets tun (bei unbezahltem Urlaub). Diese Situation ist unhaltbar und entspricht nicht mehr den heutigen Realitäten.

Finanzierung von vier Wochen Vaterschaftsurlaub ist kein Problem

Der Bundesrat veranschlagt in einem Bericht 1 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub (28 Taggelder) auf Basis der Angaben von 2012 auf 384 Mio. CHF 2 . Das ist zwar nicht gratis, aber in Relation zum Nutzen sehr bescheiden und absolut realisierbar. Aus der finanziellen Situation der EO und deren mittelfristigen Perspektiven zeigt sich, dass auf Grund der Einführung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs mit keiner bzw. nur einer sehr moderaten Erhöhung der EO-Beiträge gerechnet werden muss, denn die EO schreibt heute Überschüsse (2013: 148 Mio. Franken). Zudem ist die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig. Es ist deshalb bei gleich bleibenden Beiträgen mit stark steigenden Überschüssen zu rechnen.

Vaterschaftsurlaub: Positive Auswirkungen auf Familien und Wirtschaft

Die Zeit unmittelbar nach der Geburt eines Kindes ist entscheidend. Beim ersten Kind müssen sich die frischen Eltern in der neuen Situation einleben und eine Beziehung zum Neugeborenen aufbauen. Sind bereits Geschwister vorhanden, kommt die Betreuung dieser Kinder hinzu. Die Väter selber wollen ihre Verantwortung wahrnehmen und sehen in einem Vaterschaftsurlaub einen wesentlichen Bestandteil einer zeitgemässen Familienpolitik. Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub stellt eine Anerkennung ihres Engagements dar. Die gelebte Realität soll auch zur gesetzlichen Realität werden.

Der Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen soll analog dem Mutterschaftsurlaub über die EO bei einer Lohn-Ersatzquote von 80 Prozent finanziert werden. Er wird auf ein Jahr nach der Geburt beschränkt und kann in einzelnen Tagen bezogen werden. So wäre es etwa möglich, 20 Wochen lang das Arbeitspensum um 20% zu reduzieren, was den Beginn einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Vaters darstellen kann. Mit diesem Modell haben sowohl die Väter wie auch die Betriebe die Möglichkeit, Teilzeitarbeit über mehrere Monate hinweg zu testen und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

Jetzt ist das Parlament gefordert

Im Parlament sind verschiedene Vorstösse hängig, die den Vaterschaftsurlaub zum Thema haben. Travail.Suisse wird sich weiterhin mit viel Überzeugungsarbeit auch auf parlamentarischer Ebene dafür einsetzen, dass der Vaterschaftsurlaub zur Realität wird. Erste Gespräche für eine parlamentarische Vätergruppe sind angelaufen. Einen Vaterschaftsurlaub haben sich die heutigen Väter verdient, denn es braucht sie – heute und nicht erst morgen.

((Box))
Neue Analyse zeigt: Vaterschaftsurlaub ist möglich, aber es braucht gesetzlichen Schub
Die öffentlichen Arbeitgeber/-innen sind Vorreiter/-innen beim Vaterschaftsurlaub. Bund, Kantone und 25 der grössten Schweizer Städte haben 2014 alle eine geregelte Auszeit für Väter, allerdings variieren sie sehr stark (1-21 Tage). Am meisten gewähren öffentlichen Arbeitgeber/-innen 5 Tage, Städte und Bund erweisen sich als väterfreundlicher als die Kantone. Die Entwicklung über die letzten Jahre zeigt, dass die Leistungen zwar moderat ausgebaut wurden, sie jedoch immer noch weit vom notwendigen Mass entfernt sind. Von 2013 zu 2014 gab es nur noch vereinzelte Erhöhungen.

Ganze sieben Kantone sind noch immer steinzeitlich unterwegs: Bern, Glarus, Solothurn, Aargau, Appenzell Innerhoden und Thurgau speisen Väter noch immer mit zwei Urlaubstagen ab. Ganz um die Väter foutiert sich Obwalden, der nur einen Tag Vaterschaftsurlaub bietet. Bei den Städten stechen Neuenburg mit ebenfalls nur einem Tag Urlaub und Fribourg mit einer Reduktion von 5 auf 3 Tage negativ hervor. Sie sind die öffentlichen und offiziellen Steinzeit-Arbeitgeber der Schweiz. Die väterfreundlichste öffentliche Arbeitgeberin ist die Stadt Lausanne mit 21 Urlaubstagen, gefolgt von der Stadt Genf (20 Tage) und der Stadt Bern (15 Tage).

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Top 3: Lausanne, Stadt Genf, Stadt Bern
Steinzeit 3: Obwalden, Stadt Neuenburg, Kanton Bern (ex aequo mit anderen Kantonen)_

Mehr Informationen:
• Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, 079 777 24 69
• Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37


1 http://www.bsv.admin.ch/index.html?webcode=d_11095_de
2 Ebd., S. 52.

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2014 05 15 TravailSuisse 4-Wochen-Vaterschaftsurlaub Redetext-und-Beiblatt-KOSTEN Matthias-Kuert-Killer d.docx 26 KB

2014 05 15 TravailSuisse Congé-paternité Redetext Valérie-Borioli-Sandoz d.docx 19 KB

2014 05 15 TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Analyse Kantone-Bund-Staedte d.pdf 285 KB

15. Mai 2014, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Die Schweiz muss mehr Erwachsene zu Fachkräften ausbilden

Hierzulande hat jede achte Person zwischen 25 und 64 keinen Berufsabschluss. Die Schweiz kann sich das nicht mehr leisten, denn der Übergang vom Lehrstellen- zum Fachkräftemangel hat bereits begonnen. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, fordert die Politik auf, Personen ohne Berufsabschluss den Zugang zu einer Erstausbildung zu erleichtern. Notwendig dazu sind ein Commitment aller Beteiligten und massive Investitionen von Bund und Kantonen. mehr

Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative stellt sich die Frage, wie die Schweiz ihren Bedarf an Fachkräften decken will, mehr denn je. Die Babyboomer-Generation geht in Rente, die nachfolgenden Jahrgänge sind weniger zahlreich. Umso wichtiger ist es, dass möglichst alle Erwerbstätigen auf dem Arbeitsmarkt bleiben und sich höher qualifizieren können.

Zugang zur Berufsbildung für Erwachsene ist nicht einfach

In der Schweiz haben heute rund 600‘000 Personen keinen Erstabschluss. Die Instrumente, um eine Ausbildung nachzuholen, sind zwar vorhanden. Sie werden aber kaum genutzt, obwohl je nach Studie 52‘000 bis 93‘000 Personen potenziell dazu in der Lage wären. Travail.Suisse hat untersucht, welche Faktoren den Zugang zur Nachholbildung erschweren und ist zu folgendem Befund gekommen: Erstens fehlt es an Wissen über die Ausbildungsangebote – selbst bei Berufsbildner/innen oder Perso-nalfachleuten. Es braucht also eine breit angelegte Informationskampagne, die von Bund, Kantonen und Sozialpartnern getragen wird. Zweitens brechen vor allem Frauen aus zeitlicher Überbelastung etwa durch Familien- und Erwerbsarbeit oft eine Ausbildung ab. Sie sind auf flexible und modulare Angebote angewiesen. Drittens fehlt es Erwachsenen ohne Erstausbildung oft an notwendigen Grundkompetenzen, sie könnten durch berufsvorbereitende Angebote unterstützt werden. Viertens fehlt es an finanzieller Unterstützung, damit auch Erwachsene während einer Ausbildung ihren Lebens-unterhalt finanzieren können.

Commitment der Verbundpartner und Investitionen der öffentlichen Hand

Damit die Hindernisse überwunden werden können, braucht es den Willen und die Zusammenarbeit aller Verbundpartner der Berufsbildung, also von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt. Zwei Forderungen stehen für Travail.Suisse im Vordergrund:

1. Es braucht ein Commitment der Verbundpartner zur Förderung von ausbildungslosen Personen mit dem Ziel, in zehn Jahren 30‘000 Erstabschlüsse von Erwachsenen zu erreichen. Ein analoges Commitment von 2006, das zum Ziel hatte, dass bis ins Jahr 2015 95 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs entweder Gymnasium oder Lehre abschliessen, war eine Erfolgsgeschichte. Das gleiche Rezept muss für Personen ohne Erstabschluss zum Einsatz gebracht werden.

2. Damit Erwachsene finanziell abgesichert einen Berufsabschluss nachholen könne, müssen Bund und Kantone in den nächsten zehn Jahren je 850 Mio. Franken investieren. Soll die Nachholbildung wirklich gefördert werden, dann müssen die Erwachsenen sich und allenfalls auch ihre Familie während der Ausbildung finanzieren können. Das ist heute nicht gegeben und muss geändert werden, damit die Nachholbildung zur Erfolgsstory werden kann.

Quotes:

„Durch die Nachholbildung könnten Erwachsene mit verhältnismässig wenig finanziellen Mitteln einen wichtigen Beitrag gegen den drohenden Fachkräftemangel erbringen“, sagt Angela Zihler, Projektleiterin Travail.Suisse.

„Bund und Kantone müssen je 850 Mio. in die Ausbildung von Erwachsenen investieren. Angesichts des Fachkräftemangels und dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative müssen wir die Berufsbildung neu denken. Die Förderung der Nachholbildung ist ein Gebot der Stunde“, sagt Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse.

Weitere Informationen:

• Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
• Josiane Aubert, Nationalrätin, Vize-Präsidentin Travail.Suisse, 079 635 98 20
• Angela Zihler, Projektleiterin Bildungspolitik Travail.Suisse, 079 242 67 21

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TravailSuisse-Positionspapier Mehr-Erstabschluesse-fuer-Erwachsene d.pdf 220 KB

2014 03 21 TravailSuisse MK-Erstabschluesse Redetext Angela Zihler d.docx 20 KB

2014 03 21 TravailSuisse MK-Erstabschluesse Redetext Josiane Aubert d.docx 15 KB

2014 03 21 TravailSuisse MK-Erstabschluesse Redetext Martin Fluegel d.doc 35 KB

21. März 2014, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Lohnrunde 2014: Mässige Löhne trotz guter Wirtschaftslage

Obwohl sich die wirtschaftliche Lage in der Schweiz ausgesprochen solid präsentiert und sich die Aussichten in den letzten Monaten kontinuierlich verbessert haben, zeigt die Lohnrunde 2014 ein durchzogenes Bild. Die Ergebnisse variieren von Nullrunden bis zu Lohnerhöhungen von 2,5%. Durchschnittlich ergeben sich für das nächste Jahr Lohnerhöhungen im Bereich von einem Prozent. Travail.Suisse, der Dachverband der Arbeitnehmenden, beurteilt diese Lohnrunde als nur knapp zufriedenstellend. mehr

Die Schweizer Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren in einem schwierigen Umfeld sehr gut gehalten. Insbesondere der Binnenmarkt zeigt sich als sehr dynamisch. In den vergangenen Monaten haben sich die Aussichten weiter verbessert: Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat seine Wachstums-prognosen für die Schweiz für 2013 von 1.4% auf 1.8% und für 2014 gar von 2.1% auf 2.3% laufend erhöht (Konjunkturtendenzen Herbst 2013).

Zähe Verhandlungen – nur knapp zufriedenstellende Resultate

Trotz guter wirtschaftlicher Ausgangslage verliefen die Verhandlungen zur Lohnrunde 2014 äusserst zäh, viele Unternehmen traten deutlich auf die Lohnbremse. Insgesamt vermögen die Resultate nur knapp zufriedenzustellen. „Die Arbeitnehmenden leisteten im 2013 einen sehr grossen Einsatz und zeigten sich sehr flexibel, am erfreulichen Wirtschaftsverlauf werden sie aber zu wenig beteiligt “, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse.

Kein Top, aber Flop bei den Frauenlöhnen

Die Ergebnisse der Lohnrunde 2014 reichen von Nullrunden bis zu Abschlüssen im Bereich von 2,5% (Details zu den einzelnen Branchen siehe Tabellen in den Unterlagen). Bei den Mindestlöhnen zeigt sich im Vergleich zu den letzten Jahren etwas mehr Dynamik: Mit der erstmaligen Verankerung von Min-destlöhnen im GAV mit der MEM-Industrie, der überproportionalen Anhebung der Mindestlöhne bei einigen Detailhändlern sowie mit den Anpassungen der Mindestlöhne bei etlichen Betrieben aus dem Gewerbe und bei der Post gibt es einige erfreuliche Lichtblicke für Tiefverdiener. Es ist dies ein Schritt in die richtige Richtung, deren Entwicklung aber noch lange nicht abgeschlossen ist. Absolut enttäu-schend verlief die Lohnrunde mit Blick auf die Korrektur der Lohnungleichheit zwischen den Ge-schlechtern. Die Forderungen nach einer spezifischen Berücksichtigung der Frauenlöhne in der Lohn-runde 2014 waren sehr unergiebig. Zusammen mit dem Bekanntwerden des Endes des Lohngleich-heitsdialoges am vergangenen Dienstag, 10. Dezember 2013, zeigt dies die beschränkten Möglichkei-ten der Sozialpartnerschaft, diesem Problem ernsthaft zu begegnen. Gabriel Fischer: „Die Politik wird hier nicht um griffigere Massnahmen und Lösungsvorschläge herumkommen. Für Travail.Suisse ist es sonnenklar, dass es jetzt automatische Kontrollen der Lohngleichheit braucht“.

Mehr Informationen:
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse,
Tel. 076 412 30 53
• Arno Kerst, Vizepräsident Syna,
Tel. 079 598 67 70
• Eric Dubuis, Mitglied der Geschäftsleitung und Sekretär Romandie Hotel & Gastro Union,
Tel. 079 290 76 26
• Matthias Humbel, wissenschaftlicher Mitarbeiter transfair,
Tel. 078 845 07 99

((Box))
Nein zur gefährlichen Abschottungsinitiative der SVP
Trotz schwierigem Umfeld hat sich die Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahren gut gehalten und die Wachstumsprognosen können laufend erhöht werden. Trotzdem sind bei Lohnverhandlungen keine wirklich guten Resultate zu erreichen. Dass es der Schweizer Wirtschaft gerade aufgrund der geordneten Beziehungen zu den europäischen Nachbaren so gut geht, wird gerne vergessen. Würde die Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar angenommen, so stünde es noch schlechter um die Löhne Schweizer Arbeitnehmenden, denn sie sieht überhaupt keinen Schutz der Löhne und Arbeitsbedingungen vor und stellt gleichzeitig das gesamte Paket der bilateralen Verträge in Frage. Dies wiederum stellt eine grosse Bedrohung für die Beschäftigung dar. Für Travail.Suisse ist klar: Die Probleme in Zusammenhang mit dem freien Personenverkehr können nicht über eine Kontingentierung der Zuwan-derung gelöst sondern müssen über starke flankierende Massnahmen erreicht werden. Deshalb empfiehlt Travail.Suisse die eidgenössische Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ klar zur Ablehnung.

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2013 12 16 Travail‬Suisse G-Fischer d.doc 49 KB

2013 12 16 Syna A Kerst d.doc 135 KB

2013 12 16 transfair M-Humbel d.docx 42 KB

2013 12 16 HotelGastroUnion E-Dubuis d.docx 518 KB

16. Dezember 2013, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Mehr Geld für die Versicherten statt für die Lebensversicherer

2012 haben die Lebensversicherer der 2. Säule 661 Millionen Franken Gewinn entnommen. Dieses Geld fehlt für die Finanzierung der Renten der Versicherten. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, verurteilt die Geldabschöpfung von Seiten der Lebensversicherer und fordert den Bundesrat auf, diese Praxis in seinem Paket zur Altersvorsorge endlich zu unterbinden. mehr

Seit mehreren Jahren macht Travail.Suisse auf die hohen Gewinne aufmerksam, die die Lebensversicherer mit der 2. Säule machen. Die diesjährige Analyse zeigt, dass sie zwar transparenter über ihr Geschäft mit der 2. Säule informieren, aber nach wie vor überhöhte Gewinne einstreichen. 2012 erzielten sie mit 661 Millionen Franken gar den höchsten Gewinn seit 2007. Seit 2005, dem Zeitpunkt der Einführung der sogenannten „legal quote“ haben sie damit mehr als 3,6 Milliarden Franken ausdem Vorsorgesystem abgezogen. Das Geld stammt von den Prämien der Versicherten, und es fehlt jetzt für die Finanzierung der Renten ebendieser Versicherten. Das ist schlicht skandalös.

Travail.Suisse fordert deshalb den Bundesrat dazu auf, die anstehende Reform der Altersvorsorge zu nutzen und dafür zu sorgen, dass möglichst alles Geld, das den Versicherten zusteht, auch den Versicherten zukommt. Folgende Massnahmen stehen dabei im Vordergrund:

- Erstens sind die Prämien für Invalidität und Tod, die sogenannten Risikoprämien, heute oft doppelt so hoch wie die ausgerichteten Leistungen. Das ist nicht zu rechtfertigen. Ein grosser Teil der überhöhten Gewinne resultiert bereits aus diesen viel zu hohen Risikoprämien. Travail.Suisse erwartet vom Bundesrat, dass er die Risikoprämien auf maximal 120 Prozent der ausgerichteten Leistungen beschränkt.

- Zweitens ist auch der Anteil des Ertrags, den die Lebensversicherer an die Versicherten ausschütten müssen (legal quote), zu tief. Darin liegt der zweite Grund für die überhöhten Gewinne der Lebensversicherer. Travail.Suisse erwartet vom Bundesrat eine deutliche Erhöhung der legal quote auf mindestens 95 Prozent.

Diese Massnahmen sind nötig, damit die 2. Säule wieder der Altersvorsorge dient und nicht der Gewinnmaximierung. Sie sind auch Voraussetzung dafür, dass die anstehende Reform der Altersvorsorge überhaupt mehrheitsfähig wird.

Für weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident, Tel. 031 370 21 11 oder 079 743 90 05
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 031 370 21 11 oder 078 625 72 73

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PK 281013 M Fluegel.doc 33 KB

PK 2810113 M Kuert.doc 39 KB

PK 281013 Zusammenstellung Kenzahlen 05 bis 012.pdf 203 KB

28. Oktober 2013, Martin Flügel, Präsident und Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Familienzulagen statt Steuergeschenke

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, präsentiert heute die neue Studie „Einfluss familienpolitischer Ausgleichsinstrumente auf die Ungleichheit von Einkommen in der Schweiz“ der Berner Fachhochschule BFH. Sie zeigt, dass die Erhöhung von Kinder- und Ausbildungszulagen den Schweizer Familien weit mehr nützt, als Steuergeschenke, wie es die SVP-Familieninitiative vorsieht. Eine Erhöhung, die insbesondere Familien mit kleineren und mittleren Einkommen zu Gute kommt, kostet weniger, als die Steuerausfälle durch die SVP-Initiative. mehr

Die Schweiz gibt gerade mal 1.3 % ihres BIP für Familien aus. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 2.23 % des BIP. Das führt dazu, dass Familien gegenüber kinderlosen Paaren benachteiligt werden. So betragen etwa die direkten Kinderkosten einer Familie mit zwei Kindern über 1300 Franken monatlich – der Einkommensverlust aufgrund eingeschränkter Erwerbstätigkeit noch nicht miteinberechnet.

Höhere Familienzulagen helfen Familien in der Schweiz

Die Studie der Berner Fachhochschule zeigt klar: Bereits bei einer Erhöhung der Kinder-/ Ausbildungszulagen um 50/100 Franken auf 250/350 Franken wird für Familien mit tiefen Einkommen eine spürbare Entlastung erreicht. Eine solche Erhöhung würde die Schweiz mit 1.3 Mia. Franken weniger kosten als die SVP-Initiative mit 1.4 Mia. Franken. Ausserdem wäre das Geld weit besser angelegt, weil die SVP-Initiative nur Familien mit hohen Einkommen begünstigt. Mittelfristig ist eine deutliche Anhebung der Zulagen auf 350/500 Franken für eine echte Familienpolitik unumgänglich – dies untermauert die Studie der Berner Fachhochschule.

Keine weiteren Steuergeschenke für Wohlhabende

Kinder- und Ausbildungszulagen sind das beste Instrument für eine zeitgemässe Familienpolitik. Sie haben den grössten Effekt auf das verfügbare Einkommen und reduzieren die Benachteiligung gegenüber kinderlosen Haushalten am stärksten. Travail.Suisse lehnt deshalb die Familieninitiative der SVP ab und fordert eine Erhöhung der Kinder- und Ausbildungszulagen. Der erste Schritt zu einer zeitgemässen Familienpolitik besteht deshalb in einem Nein zur Familieninitiative am 24. November.

Die wichtigsten Forderungen von Travail.Suisse zur Familienpolitik:
• Erhöhung der Familienzulagen.
• Zulage für pflegende Angehörige: eine zwar symbolische, aber sehr wichtige Entschädigung von CHF 25.- pro Betreuungstag.
• Anspruch auf einen Krippenplatz im Vorschulalter, sobald die Eltern ein gemeinsames Arbeitspensum von über 100% nachweisen können. Jeder Krippenplatz muss für die Eltern bezahlbar sein.
• Einführung eines bezahlten und flexibel einziehbaren Vaterschaftsurlaubs von insgesamt 20 Tagen.
• Urlaub für die Pflege von Angehörigen nach dem Modell des Urlaubs, den die Eltern beziehen können, wenn ihr Kind krank wird (bis 3 Tage bezahlten Urlaub pro Krankheitsfall).
• In schweren Fällen: Einführung eines bezahlten zweiwöchigen «Betreuungsurlaubs» sowie
• Einführung eines bezahlten zweiwöchigen «Urlaubs zur Erholung von der Betreuungsarbeit», damit pflegende Angehörige ihre Batterien wieder aufladen können.
• Für Eltern von Kindern im Vorschulalter: Anspruch auf ein Teilzeitpensum von 50% und mehr.

Weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident,
Tel. 031 370 21 11 oder 079 743 90 05
Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik,
Tel. 031 370 21 11 oder 079 598 06 37
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik,
Tel. 031 370 21 11 oder 078 625 72 73

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PK 2013 10 14 Familienpolitik M Fluegel d.docx 18 KB

PK 2013 10 14 Familienpolitik Text V Borioli d.docx 21 KB

PK 2013 10 14 Familienpolitik Text M Kuert d.docx 21 KB

PK 2013 10 14 TS Eckpunkte-Familienpolitik kurz d.doc 90 KB

2013 10 14 Studie-FHB Familienzulagen Schlussbericht.pdf 928 KB

14. Oktober 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

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Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
079 743 5047
rosenkranz@travailsuisse.ch

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