Medien – Medienkonferenzen

Stress und Sorge um den Arbeitsplatz belasten die Arbeitnehmenden in der Schweiz

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hat heute den «Barometer Gute Arbeit » präsentiert. Basierend auf einer repräsentativen Umfrage bewerten die Arbeitnehmenden ihre Arbeitsbedingungen. Schlecht benotet werden insbesondere die gesundheitlichen Belastungs-Kriterien und die Förderung der Weiterbildung. Auch die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ist weit verbreitet. mehr

Mit dem «Barometer Gute Arbeit» von Travail.Suisse existiert ein menschliches Mass zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Die Bewertung der Arbeitsbedingungen richtet sich dabei an der Kernfrage nach guter Arbeit im Sinne von zukunftsfähiger Arbeit aus. Zukunftsfähige Arbeit muss die Gesundheit schützen, die Motivation erhalten und den Arbeitnehmenden eine gewisse Sicherheit vermitteln. Auf der Basis einer repräsentativen Umfrage bei 1‘500 Erwerbstätigen in der Schweiz werden 20 Kriterien aus den drei zentralen Dimensionen „Gesundheit“, „Motivation“ und „Sicherheit“ bewertet. Es bestätigen sich dabei Ergebnisse, welche uns durch Schilderungen der Mitglieder unserer Verbände und die alltägliche Arbeit bekannt sind.

Stress und psychische Belastung mit schlechtester Bewertung

Der Stress und die psychische Belastung der Arbeit, werden durch die Arbeitnehmenden am schlechtesten beurteilt. So fühlen sich 40 Prozent der Arbeitnehmenden oft oder sehr häufig durch ihre Arbeit gestresst und ein Drittel nimmt die Arbeit als psychologische Belastung wahr. Im Zusammenhang mit dem Wegfall des Euro-Mindestkurses hat der Druck auf die Arbeitnehmenden noch einmal deutlich zugenommen. „Diese Produktivitätspeitsche führt zu einer Überbelastung der Arbeitnehmenden, mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der einzelnen Arbeitnehmenden, aber auch mit hohen Kosten für die Volkswirtschaft insgesamt“, sagt Adrian Wüthrich, designierter Präsident von Travail.Suisse.

Gesundheitsförderung und Förderung der Weiterbildung ungenügend

Weiter zeigt sich, dass die Arbeitnehmenden nicht zufrieden sind mit den Massnahmen, welche der Arbeitgeber zur Gesundheitsförderung getroffen hat. Während für 14 Prozent überhaupt keine Massnahmen getroffen wurden, reichen für weitere 29 Prozent die Massnahmen gar nicht oder nur in geringem Mass aus. Ebenfalls ungenügend ist die Förderung der Weiterbildung der Arbeitnehmenden durch die Arbeitgeber. Mit 46 Prozent erfährt fast die Hälfte der Arbeitnehmenden keine oder nur in geringem Mass eine Förderung ihrer Weiterbildung. Für Nationalrat Jacques-André Maire, Vizepräsident von Travail.Suisse, ist klar: „Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel und die Probleme von älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt, ist es essenziell, dass die Arbeitnehmenden in ihren Weiterbildungsaktivitäten stärker durch die Arbeitgeber unterstützt werden“.

Ausgeprägte Sorge um den Arbeitsplatz

Dass die Schweiz ein Problem mit den älteren Arbeitnehmenden hat, unterstreicht der «Barometer Gute Arbeit» von Travail.Suisse eindrücklich. Bereits in der kurzfristigen Perspektive sehen die älteren Arbeitnehmenden ihre Arbeitsplätze stärker bedroht als die übrigen Alterskategorien. Erschreckend wird das Bild aber insbesondere in der mittelfristigen Perspektive. So glauben mit 65 Prozent beinahe zwei Drittel der 46- bis 64-Jährigen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt kaum daran, bei freiwilligem- oder unfreiwilligem Arbeitsplatzverlust wieder eine vergleichbare Stelle mit vergleichbarem Einkommen zu finden. Es braucht dringend eine massgeschneiderte Bildungspolitik und Laufbahnberatung für ältere Arbeitnehmende wie auch eine Korrektur der Anstellungspolitik der Unternehmen. „Gelingt es nicht, die Arbeitsmarktfähigkeit der älteren Arbeitnehmenden zu sichern, haben wir ein europapolitisches Problem“, betont Adrian Wüthrich, zukünftiger Präsident von Travail.Suisse.

Kongress von Travail.Suisse nimmt Problemfelder aus dem Barometer auf

Unter dem Motto „Für Arbeit mit Zukunft“ findet morgen Samstag 12, September 2015 in Bern der Kongress von Travail.Suisse statt. Neben der Wahl von Adrian Wüthrich als neuer Präsident steht auch die Verabschiedung des Kongressdokumentes durch die Delegierten auf dem Programm. Darin sind etliche Forderungen enthalten, welche sich direkt mit den Ergebnissen des «Barometer Gute Arbeit» in Verbindung bringen lassen. Faire Arbeitszeitregelungen, die Förderung der Weiterbildung und ein spezielles Augenmerk auf die Probleme der älteren Arbeitnehmenden sind zentrale Punkte dieses Dokuments.

Der «Barometer Gute Arbeit» von Travail.Suisse liefert ein Bild der Arbeitsbedingungen in der Schweiz aus Sicht der Arbeitnehmenden. Er ist damit auch eine Handlungsanleitung für unsere gewerkschaftliche und politische Arbeit. Es ist geplant, den Barometer in regelmässigen Abständen zu erheben, um so künftig auch Veränderungen über die Zeit aufzeigen zu können.

Für mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, designierter Präsident Travail.Suisse, Tel. 079 287 04 93
Jacques-André Maire, Nationalrat, Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik und Projektleiter «Barometer Gute Arbeit»,
Tel. 076 412 30 53

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2015 09 09 Bericht Barometer v DEF.pdf 1528 KB

2015 09 11 Redetext A Wuethrich.docx.pdf 125 KB

2015 09 11 Redetext Jacques Andre Maire.docx.pdf 129 KB

11. September 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik und Jacques-André Maire, Vizepräsident und Nationalrat Drucker-icon

Lohnerhöhungen sind trotz überbewertetem Franken möglich

Der Entscheid der Nationalbank zur Aufhebung des Mindestkurses von Anfang Jahr und die starke Überbewertung des Frankens belastet das wirtschaftliche Umfeld in der Schweiz. In den existenziell betroffenen Unternehmen steht der Schutz der Arbeitsplätze im Vordergrund. Doch in etlichen Branchen sind Lohnerhöhungen durchaus möglich, zeigen doch die neusten Zahlen, dass eine breite Krise der Volkswirtschaft nicht zu erwarten ist und dass das Bruttoinlandprodukt selbst für 2015 ein bescheidenes Wachstum ausweist. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union fordern deshalb, dass im Lohnherbst 2015 Nullrunden die Ausnahme bleiben und den meisten Arbeitnehmenden Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1.5 Prozent gewährt werden. mehr

Der überbewertete Franken stellt die Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Betroffen von den Schwierigkeiten sind insbesondere der Tourismus und Unternehmen der Exportindustrie. Bei den existenziell betroffenen Unternehmen bieten sich sozialpartnerschaftliche Lösungen zum Schutz der Arbeitsplätze an. In diesen Ausnahmesituationen kann als weiterer Beitrag zum Schutz der Arbeitsplätze auf eine Lohnerhöhung verzichtet werden.

Eine breite Krise der Volkswirtschaft ist aber nicht zu erwarten und das SECO prognostiziert selbst fürs 2015 ein Wirtschaftswachstum von 0.8 Prozent und von 1.6 Prozent fürs 2016. Lohnerhöhungen liegen also auch in diesem anspruchsvollen Jahr durchaus drin.

Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1.5 Prozent für die meisten Arbeitnehmenden

Die Lohnerhöhungen seit 2010 sind trotz ansprechender Wirtschaftsentwicklung sehr bescheiden ausgefallen. Umso wichtiger ist es, dass jetzt auch in wirtschaftlich anspruchsvolleren Zeiten kontinuierlich Lohnerhöhungen gewährt werden – so entspricht es der Tradition in der Schweiz: Moderat in wirtschaftlich guten Zeiten, dafür kontinuierlich in anspruchsvolleren Zeiten.

Die Managerlohnstudien von Travail.Suisse zeigen, dass sich die Lohnschere in den letzten Jahren stark geöffnet hat. Während die Teppichetage ihre Bezüge um ein Mehrfaches erhöht hat, blieben für die normalen Arbeitnehmenden nur geringfügige Lohnerhöhungen übrig. Aber nur regelmässige Lohnerhöhungen für alle Arbeitnehmenden garantieren eine gerechte Verteilung des Wohlstandes und unterstützen den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Durch den überbewerteten Franken wird die Teuerung auch im 2015 rückläufig bleiben. Für Travail.Suisse bietet dies die Möglichkeit, mit der Erhöhung der Mindestlöhne den tiefsten Einkommen ein spürbares Reallohnwachstum zu ermöglichen. Nur ein Reallohnwachstum kommt als gesteigerte Kaufkraft wieder der Volkswirtschaft zu Gute kommt und stützt über eine Stärkung des privaten Konsums die Konjunktur als Ganzes. Daneben ist auch die Erhöhung der Frauenlöhne in den Fokus zu rücken. Der freiwillige Lohngleichheitsdialog ist ergebnislos gescheitert. Es ist jetzt an der Zeit zu beweisen, dass Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern nicht nur ein toter Buchstabe in der Verfassung bleibt, sondern im Lohnherbst 2015 auch aktiv angestrebt wird. Gleichzeitig wird der Bundesrat aufgefordert, endlich, die seit langem versprochenen, griffigeren Massnahmen zur Bekämpfung der Lohnungleichheit zu präsentieren.

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union fordern deshalb, dass im Lohnherbst 2015 Nullrunden die Ausnahme bleiben und den meisten Arbeitnehmenden Lohnerhöhungen zwischen 0.5 und 1.5 Prozent gewährt werden.

Mehr Informationen:
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
• Arno Kerst, Präsident Syna, Tel. 079 598 67 70
• Eric Dubuis, Mitglied der Geschäftsleitung und Sekretär Romandie Hotel & Gastro Union, Tel. 079 290 76 26
• Stefan Müller-Altermatt, Nationalrat und Präsident des Personalverbands transfair, Tel. 076 332 15 26

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2015 08 11 MK-Lohnforderungen-2016 Redetext-Fischer TravailSuisse d.docx 29 KB

2015 08 11 MK-Lohnforderungen-2016 Redetext-Kerst Syna d.docx 48 KB

2015 08 11 MK-Lohnforderungen-2016 Redetext-Mueller-Altermatt transfair d.docx 34 KB

2015 08 11 MK-Lohnforderungen-2016 Redetext-Dubuis Hotel Gastro Union d.docx 518 KB

11. August 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Überrissene Managerlöhne bleiben Realität – mit hohen politischen Kosten

Seit über einem Jahrzehnt untersucht Travail.Suisse die Entwicklung der Managerlöhne. Das Fazit der 11. Erhebung ist ernüchternd: Die Abzockerinitiative zeigt keinerlei Wirkung auf die Höhe der Managerlöhne. Antritts- wie auch Abgangsentschädigungen sind dank Umgehungsmöglichkeiten nach wie vor gang und gäbe. Leider hat sich also auch im vergangenen Jahr keine Mässigung bei der Entlöhnung der Manager eingestellt. Die Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft geht weiter und die Politik ist gefordert, neue Massnahmen gegen diese bedenkliche Entwicklung zu finden. mehr

Bereits zum elften Mal in Folge hat Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in 27 Schweizer Unternehmen untersucht. Die Analyse zeigt das bekannte, beunruhigende Bild.

Managerlöhne verharren auf hohem Niveau

Bei den Top-Entschädigungen zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Neben deutlichen Erhöhungen gibt es auch Kürzungen. Insgesamt verharren die Managerlöhne aber auf sehr hohem Niveau. Für das Jahr 2014 sticht das Pharmaunternehmen Roche, das sowohl mit einer Lohnschere von 1:253 für den abtretenden Verwaltungsratspräsidenten Franz Humer, wie auch mit einem Verhältnis von 1:230 für den CEO Severin Schwan an der unrühmlichen Spitze liegt. Besonders ins Auge sticht ausserdem das Ergebnis bei den übrigen Mitgliedern der Konzernleitung: „In drei Vierteln der Unternehmen haben sich die Entschädigungen für die Konzernleitung seit 2011 stark erhöht – durchschnittlich um stattliche 18%“, stellt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail.Suisse fest.

Abzockerinitiative verfehlt ihr Ziel und ist leicht zu umgehen

Die Resultate zeigen deutlich, dass die Abzockerinitiative keinen mässigenden Einfluss auf die Höhe der Managerlöhne hat. An Generalversammlungen werden zwar Abstimmungen über die Entschädigung des Managements abgehalten, allerdings grossmehrheitlich gemeinsam für die fixen und variablen Teile (Boni) und prospektiv – also im Voraus. „Antrittsentschädigungen ohne Gegenleistung und vertraglich vereinbarte Abgangsentschädigungen sind zwar heute verboten. Aber Antrittsprämien, welche die Manager aus den Bonusplänen der bisherigen Arbeitgeber freikaufen, sind nach wie vor zulässig, ebenso wie Lohnfortzahlungen, respektive Beratermandate in Millionenhöhe nach Ende der Beschäftigung“, sagt Fischer.

Politik muss vertrauensbildende Massnahmen ergreifen

Die Entwicklung der Managerlöhne hat zum Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Wirtschaft beigetragen. Die Annahme der Abzockerinitiative und noch viel mehr der Masseneinwanderungsinitiative zeigen die unabsehbaren politischen Kosten dieser Entwicklung. Es braucht dringend vertrauensbildende Massnahmen durch die Politik in folgenden Bereichen:

Griffige Aktienrechtsrevision: In der Aktienrechtsrevision sind zwingend die Schlupflöcher und Umgehungsmöglichkeiten für Antritts- und Abgangsentschädigungen zu stopfen und eine retrospektive Abstimmung über die Boni für Manager an der Generalsversammlung vorzuschreiben.
Steuertransparenz bei hohen Einkommen: Da die Begrenzung der hohen Saläre politisch nicht mehrheitsfähig ist und die Stärkung der Aktionärsrechte das Problem nicht lösen wird, muss der Nutzen der hohen Saläre für die Gesellschaft erhöht werden. Es braucht Steuertransparenz für hohe Einkommen und eine politische Diskussion über einen Solidaritätsbeitrag.
Löhne und Arbeitsplätze schützen: Die Vorstellung, dass oben die Saläre munter steigen und unten der Lohndruck und Restrukturierungsangst zunimmt, trägt wesentlich zum Unbehagen in der Bevölkerung bei. Es braucht einen besseren Schutz der Löhne und der Arbeitsplätze.
Tiefsteuerpolitik für Unternehmen beenden: Mit der Unternehmenssteuerreform III wird eine radikale Steuersenkung für Unternehmen geplant. Unter dem Leistungsabbau durch die Steuerausfälle bei der öffentlichen Hand leiden in erster Linie der Mittelstand und die Arbeitnehmenden mit tiefen Einkommen. Es braucht eine Korrektur dieser Steuerpolitik.

Weitere Informationen:

• Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
• Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

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2015 06 22 MM Managerloehne d.docx 17 KB

2015 06 22 Managerloehne Vertrauen-beschaedigt-pol-Massnahmen-noetig Redetext M-Fluegel d.docx 19 KB

2015 06 22 Managerloehne Redetext J-A-Maire d.docx 17 KB

2015 06 22 Managerloehne Hohes-Niveau-uneinheitliche-Entwicklung Redetext G-Fischer d.doc 47 KB

2015 06 22 Managerloehne 11te-Durchfuehrung-der-Studie Redetext A-Marty d.docx 21 KB

2015 06 22 Beilagen Managerlohnstudie def d.pdf 163 KB

22. Juni 2015, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon

Vater zu werden muss besser behandelt werden als ein Umzug

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, untersucht seit Jahren die Praxis von privaten und öffentlichen Unternehmen bezüglich Vaterschaftsurlaub. Der diesjährige Schwerpunkt liegt auf der Analyse von 46 Gesamtarbeitsverträgen, denen insgesamt rund 1,5 Millionen Arbeitnehmende unterstellt sind. Das Fazit ist ernüchternd: Es ist noch immer die Ausnahme, dass ein Arbeitgeber den angestellten Männern einen Vaterschaftsurlaub gewährt, der diesen Namen auch verdient – über die Hälfte der von der Untersuchung betroffenen Arbeitnehmenden arbeitet gar unter einem GAV, der nur einen freien Tag gewährt. mehr

Heute bekommt ein frisch gebackener Vater in der Schweiz vom Gesetz gleich viel bezahlte freie Zeit, wie bei einem Wohnungswechsel: Einen Tag. Dass dies nicht mehr zeitgemäss ist, belegen unzählige Umfragen ebenso wie die verstärkte Akzeptanz in der Bundespolitik. Es ist höchste Zeit für einen gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub.

Ernüchterung auch bei Gesamtarbeitsverträgen

Gerne verweisen Wirtschaft und Politik darauf, dass die Sozialpartner ja frei seien, weitergehende Bestimmungen zu treffen. Den Vätern werde de facto schon mehr Urlaub gewährt, als gesetzlich vorgeschrieben. Nachdem Travail.Suisse in den vergangenen Jahren die Bedingungen bei den öffentlichen Arbeitgebern analysiert hat, nahm der Dachverband dieses Jahr den Vaterschaftsurlaub in der Privatwirtschaft unter die Lupe. Dafür wurden die wichtigsten 46 Gesamtarbeitsverträge (GAV) mit rund 1,5 Millionen Angestellten untersucht. Das Resultat ist mehr als ernüchternd: Über die Hälfte der von der Untersuchung betroffenen Arbeitnehmenden arbeitet gar unter einem GAV, der nur einen freien Tag gewährt. Es ist bezeichnend, dass Väter mit fünf Tagen Urlaub bereits zu den absoluten „Gewinnern“ gehören – mehr als diese fünf Tage gewährleisten fast ausschliesslich Grossfirmen.

Gross oder klein macht den Unterschied

Die Schere öffnet sich nicht zwischen privaten und öffentlichen Arbeitgebern, wie die Anlyse von Travail.Suisse aufzeigt, sondern zwischen Gross- und Kleinunternehmen. Das ist kein Zufall: Grössere Betriebe haben mehr finanzielle Möglichkeiten als Kleinbetriebe. Doch ein bezahlter Vaterschaftsurlaub darf nicht davon abhängen, wo ein Vater arbeitet. „Genau deshalb setzen wir uns seit Jahren für einen bezahlten und flexibel einziehbaren 20-tägigen Vaterschaftsurlaub ein“, sagt Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse. Und: „Die 20 Tage sind zwar nicht gratis zu haben, aber aus den Überschüssen der EO finanzierbar.“ Gemäss Bundesrat 1 kostet ein vierwöchiger Vaterschaftsurlaub (=28 Taggelder) rund 384 Mio. CHF. Aus der finanziellen Situation der EO und deren mittelfristigen Perspektiven zeigt sich, dass auf Grund der Einführung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs mit keiner bzw. einer minimen Erhöhung der EO-Beiträge gerechnet werden muss: Erstens schreibt die EO bereits heute Überschüsse und zweitens ist die Anzahl Diensttage im Militär stark rückläufig. „Vorausgesetzt die Beiträge bleiben bei 0.5 Lohnprozenten und die Einnahmen, Ausgaben und Anlageergebnisse entwickeln sich gemäss den Perspektiven des Bundesrats, kann der Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen praktisch ohne Beitragserhöhung finanziert werden,“ sagt Kuert Killer.

Jetzt ist das Parlament gefordert

Im Parlament sind verschiedene Vorstösse hängig, die den Vaterschaftsurlaub zum Thema haben. Travail.Suisse wird sich weiterhin mit viel Überzeugungsarbeit auch auf parlamentarischer Ebene dafür einsetzen, dass der Vaterschaftsurlaub Realität wird. Es handelt sich dabei nicht um eine ideologische, sondern um eine praktische Frage. Einen Vaterschaftsurlaub haben sich die heutigen Väter verdient, denn es braucht sie – heute und nicht erst morgen.

Mehr Informationen:
• Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Travail.Suisse, 079 777 24 69
• Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Travail.Suisse, 079 598 06 37

Modell Travail.Suisse:
Vaterschaftsurlaub mit positiven Auswirkungen für Familien und Wirtschaft

Der Vaterschaftsurlaub von 20 Arbeitstagen soll gemäss Travail.Suisse analog dem Mutterschaftsurlaub über die EO bei einer Lohn-Ersatzquote von 80 Prozent finanziert werden. Er wird auf ein Jahr nach der Geburt beschränkt und kann in einzelnen Tagen bezogen werden. So wäre es etwa möglich, 20 Wochen lang das Arbeitspensum um 20% zu reduzieren, was den Beginn einer Teilzeiterwerbstätigkeit des Vaters darstellen kann. Mit diesem Modell haben sowohl die Väter wie auch die Betriebe die Möglichkeit, Teilzeitarbeit über mehrere Monate hinweg zu testen und bei guten Erfahrungen definitiv auf Teilzeitarbeit umzustellen.

=> Mehr Informationen zur Finanzierung siehe Beiblatt „Finanzierung“


1 http://www.bsv.admin.ch/index.html?webcode=d_11095_de

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2015 05 18 TravailSuisse Factsheet Vaterschaftsurlaub-GAV d.pdf 123 KB

2015 05 18 MK TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Redetext M-Kuert-Killer d.docx 21 KB

2015 05 18 MK TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Redetext Valerie-Borioli d.docx 111 KB

2015 05 18 MK TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Kostenbeiblatt-2015 d.docx 20 KB

2015 05 18 TravailSuisse Vaterschaftsurlaub Datenblatt-GAV d.pdf 123 KB

18. Mai 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik und Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Arbeitszeit im Gegenwind: Klare Schutzbestimmungen statt stetige Verschlechterung der Arbeitszeiten

Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses steckt die Schweiz in einer Währungskrise, die den Druck auf die Arbeitnehmenden verstärkt. Die Arbeitgeber fordern insbesondere die Verlängerung der Arbeitszeiten. Dabei sind lange und flexible Arbeitszeiten und eine grosse Anzahl Überstunden bereits Realität – mit bekannten Folgen: eine Million Arbeitnehmende sind erschöpft, 300‘000 stehen kurz vor einem Burn-out. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, hält dieser Entwicklung entgegen. Anstatt die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, müssen klare Schutzbestimmungen her. Denn nur mit motivierten und gesunden Mitarbeitenden können Betriebe auch längerfristig in der globalisierten Wirtschaft bestehen. mehr

Die Situation der Arbeitnehmenden verschlechtert sich stetig: Pflegepersonal sieht sich mit Arbeit auf Abruf, kurzfristigen Änderungen von Einsatzplänen oder überlangen Arbeitstagen konfrontiert. Detailhandelsangestellte mit Teilzeitpensen werden mit Absicht in Unterzeit getrieben, damit sie bei kurzfristig entstandenen „Löchern“ ebenso kurzfristig aufgeboten werden können – das alles zu tiefen bis Tiefstlöhnen. Kurz: Ein grosser Teil der Arbeitnehmenden droht zur Manövriermasse des Arbeitsmarktes zu werden.

Krise darf nicht ausgenutzt werden – Travail.Suisse präsentiert Lösungen

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses kann zu Problemen für die Wirtschaft führen. Gerade deshalb bieten Gewerkschaften wie die Syna auch Hand, mit Firmen über kurzfristige und zeitlich begrenzte Massnahmen zu verhandeln. Doch viele Unternehmer und Politiker wollen die Krise vor allem zur Optimierung von Gewinnmargen missbrauchen und zielen insbesondere auf die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmenden. „Diese Entwicklung auf dem Buckel der Arbeitnehmenden ist verheerend und wird mittel- bis längerfristig Schäden hinterlassen“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. „Gefragt sind klare Schutzbedingungen und faire Arbeitsbedingungen. Nur so können Arbeitnehmende den vollen Einsatz erbringen.“ Der Travail.Suisse-Vizepräsident und Nationalrat Jacques-André Maire hat nun zwei Vorstösse eingereicht, die den Arbeitsmarkt stützen und die Arbeitsbedingungen verbessern. Die Vorstösse bieten Lösungen für zwei zunehmend prekäre Problemfelder: Als erstes zu nennen ist die Aufwertung der Teilzeitarbeit, die gerade in Zeiten des Fachkräftemangels elementar ist. Die Motion 15.3102 „Überzeit: Gleichbehandlung von Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten“ soll deshalb die Überzeitgrenze dem Beschäftigungsgrad anpassen. Zu oft wächst heute ein Teilzeitpensum – addiert mit den geleisteten Überstunden – zu einer Vollzeitstelle an, der Lohn wird aber weiterhin gemäss vereinbartem Pensum vergütet. Die Teilzeitangestellten bilden so einen Gratis-Puffer für schwankenden Arbeitsanfall. Ein zweites Problemfeld ist die Ankündigungsfrist von Arbeitszeiten resp. -schichten. Heute ist sie auf zwei Wochen angelegt, was oft dazu führt, dass Einsatzpläne kurzfristig noch geändert werden können – Angestellte dienen so als Manövriermasse für eine ungenügende Ressourcenplanung und werden immer kurzfristiger und spontaner zu Einsätzen aufgeboten. Die Motion 15.3101 „Erhöhung der Ankündigungsfrist der Arbeitszeiten auf vier Wochen“ fordert die Erhöhung der Ankündigungsfrist auf vier Wochen, was die Planungssicherheit für die Angestellten erhöht und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur verbessert, sondern erst ermöglicht.

Travail.Suisse fordert Arbeitgeber und Politik auf, die Krise nicht zur Optimierung von Gewinnmargen auszunutzen. Nicht Deregulierung und Flexibilisierung sind die Rezepte, die der Arbeitsmarkt jetzt braucht, sondern gute und faire Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmenden. Planbarkeit von Arbeitseinsätzen, genügend Ruhezeiten und die bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie verhelfen zu gesunden und motivierten Arbeitskräften und nur diese können die Herausforderungen der Zukunft meistern.


Lockerung der Arbeitszeiterfassung schafft Lücken

Die Arbeitszeiterfassung dient dem Schutz der Arbeitnehmenden. Mit der Dokumentation werden allfällige Überstunden belegt, Ruhezeiten können eingehalten werden, Lohn- oder Zeitzuschläge für Nacht- oder Sonntagsarbeit erwirkt oder ein klarer Ferienanspruch erhoben werden. Diese Punkte sind zwar im Arbeitsgesetz definiert und behalten auch bei einem Wegfall der Arbeitzeiterfassung ihre Gültigkeit. Doch die Beweisbarkeit wird durch das Nicht-Erfassen in Frage gestellt wie ein im Auftrag von Travail.Suisse durch das Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitsrecht der Universität St. Gallen erstelltes Memorandum aufzeigt. Für Travail.Suisse sind vier Forderungen zentral:

• Der Verzicht auf die Arbeitszeiterfassung darf nicht mit einem Verzicht auf die Schutzmassnahmen für die Arbeitnehmenden gleichgesetzt werden;
• die im Memorandum der Universität St. Gallen aufgezeigten offenen Fragen und Problemfelder müssen in der Konsultation zur konkreten Änderung der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz geklärt und in der Umsetzung berücksichtigt werden;
• das Vollzugsdefizit muss behoben werden, d.h. für die Arbeitnehmenden, die der Arbeitzeiterfassung unterstellt sind, müssen die vorgesehenen Arbeitsmarktkontrollen durchgeführt werden;
• Vergehen müssen Sanktionen nach sich ziehen und alle weitergehenden Forderungen zum Verzicht der Arbeitszeiterfassung sind abzuschreiben.

> zum Memorandum

Mehr Informationen:
- Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
- Arno Kerst, Präsident Syna, Tel. 079 598 67 70
- Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53

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2015 03 26 MK TravailSuisse Arbeitszeit-im-Gegenwind Redetext G-Fischer d.docx 47 KB

2015 03 26 MK Syna Arbeitszeit-im-Gegenwind Redetext Arno-Kerst d.docx 50 KB

2015 03 26 MK TravailSuisse Arbeitszeit-im-Gegenwind Redetext JA-Maire d.docx 17 KB

26. März 2015, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

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Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
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rosenkranz@travailsuisse.ch

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