Medien – Medienkonferenzen

Arbeitnehmende sind unzufrieden mit Löhnen und Arbeitszeiten

Das «Barometer Gute Arbeit» wird als Kooperationsprojekt der Berner Fachhochschule und des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse jährlich herausgegeben. Die repräsentativen Ergebnisse beleuchten die Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz und ihre Veränderungen. Die Ausgabe 2016 zeigt neben grossen psychosozialen Belastungen und mangelhafter Förderung der Weiterbildung eine zunehmende Unzufriedenheit mit Löhnen und Arbeitszeiten.

>> zur interaktiven Grafik der Studie

mehr

Während Belastungen wie Stress, Termindruck, fehlende Gesundheitsförderung oder Weiterbildung hoch bleiben, nimmt die Zufriedenheit mit Löhnen und Arbeitszeiten ab. Leicht rückläufig scheint auch die Arbeitsplatzsicherheit insgesamt zu sein.

Grosse Unterschiede zwischen Branchen und Regionen

Die Ergebnisse des Barometer 2016 zeigen, dass Arbeitnehmende in der Schweiz ihre Arbeit zwar grundsätzlich als sinnstiftend und nützlich beurteilen und sich mit der eigenen Arbeit auch identifizieren. Sorge bereitet aber das Ausmass der psychosozialen Belastungen: „Immer mehr Stress und emotionale Erschöpfung sind heute für die meisten Arbeitnehmenden eine Realität“, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse. Und: „Dass Arbeitnehmende die Massnahmen zur Gesundheitsförderung wie auch zur Förderung von Weiterbildungen als ungenügend einschätzen, befeuert die psychosozialen Belastungen zusätzlich.“ Im Jahresvergleich wird ebenfalls deutlich, dass die Lohnzufriedenheit abnimmt, Arbeitnehmende ihre Arbeitszeiten immer weniger selber gestalten können und die Arbeitsmenge stetig zunimmt. Im Normalfall bietet ein Mitarbeitergespräch die Möglichkeit, solche Belastungen und Unzufriedenheiten anzusprechen, doch die Studie zeigt auch, dass über die Hälfte der Arbeitnehmenden entweder kein hilfreiches oder gar kein Mitarbeitergespräch haben.

Die erwähnten Defizite sind allerdings längst nicht bei allen Branchen und in allen Regionen gleichermassen ausgeprägt. Innerhalb der Regionen stehen vor allem Arbeitnehmende der lateinischen Schweiz stark unter Druck. „Im Tessin und der Genferseeregion sorgt sich bis zu einem Viertel der Arbeitnehmenden (26,6%) um ihren Arbeitsplatz – in der Restschweiz sind es noch 13,2%“, sagt Fischer. Auch bei den psychosozialen Belastungen zeigen sich deutliche Unterschiede: Während sich in der Deutschschweiz rund ein Drittel der Arbeitnehmenden am Ende eines Arbeitstages oft oder sehr häufig emotional erschöpft fühlt, ist dieser Wert in der Genferseeregion deutlich erhöht und gehört im Tessin für fast jeden zweiten Arbeitnehmenden zur Arbeitsrealität. Innerhalb der Branchen sind die Arbeitsbedingungen im Gross- und Detailhandel, im Gastgewerbe sowie in Verkehr und Lagerei unterdurchschnittlich, insbesondere der Sinn der Arbeit wird auch in der Finanz- und Versicherungsbranche kritisch beurteilt.

Pro Arbeitszeiterfassung, Weiterbildung und Reallohnerhöhung – drei zentrale Forderungen

Damit der liberale Schweizer Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleibt, muss zukunftsfähige Arbeit die Gesundheit der Arbeitnehmenden schützen, ihre Motivation erhalten und ein gewisses Mass an Sicherheit bieten. In einigen elementaren Punkten zeigen die repräsentativen Ergebnisse des „Barometer Gute Arbeit“, dass dem nicht so ist. Deshalb stellt Travail.Suisse die folgenden drei Forderungen:

1. Arbeitnehmende müssen die Hoheit über ihre freie Zeit behalten
Die Zahlen zeigen, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwinden resp. dass Arbeitgebende immer mehr über ihre freie Zeit bestimmen. Parallel dazu wird im Parlament ein Angriff auf das Arbeitsgesetz und den Kompromiss über die Arbeitszeiterfassung gestartet. Für Travail.Suisse ist klar: Die Angriffe auf das Arbeitsgesetz und die Arbeitszeiterfassung müssen mit allen Mitteln bekämpft werden. Eine Flexibilisierung muss zwingend auch den Arbeitnehmenden zu Gute kommen.

2. Ohne Weiterbildung keine qualifizierten Arbeitnehmenden
Die Weiterbildung fristet in Unternehmen leider noch immer ein Mauerblümchendasein. Dabei ist sie insbesondere hinsichtlich Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit zentral – gerade für die älteren Arbeitnehmenden. Am 1. Januar 2017 tritt das eidgenössische Weiterbildungsgesetz in Kraft. Es verlangt, dass die Unternehmen die Weiterbildung „begünstigen“. Die Mitarbeitenden sollen bei der Planung und Umsetzung ihrer Weiterbildungsstrategie unterstützt werden. Dabei appelliert Travail.Suisse auch an den Bundesrat: Der sich in Prüfung befindende Sonderkredit für Weiterbildung muss nächstes Jahr endlich gesprochen werden.

3. Reallohnerhöhung ist nötig bis überfällig
Das „Barometer Gute Arbeit“ zeigt auch, dass die Arbeitnehmenden das Gefühl haben, ihr Lohn sei nicht mehr angemessen zur geforderten Leistung. Tatsächlich ist die Reallohnentwicklung in den letzten Jahren unterdurchschnittlich. Auf der anderen Seite werden die Gewinne der Unternehmen immer tiefer besteuert (z.B. auch USRIII). Brexit und diverse Wahlen haben gezeigt, dass immer mehr Arbeitnehmende überzeugt sind, der freie Handel komme wenigen Grossunternehmen und ihren Aktionären zu Gute. Es ist deshalb an der Zeit mit Reallohnerhöhungen Gegensteuer zu geben, bevor die Arbeitnehmenden an der Urne die Quittung zeigen.

Weitere Informationen:
• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93
•Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

Anhang Grösse

2016 11 21 MM Barometer-Gute-Arbeit d.pdf 125 KB

2016 11 21 Barometer-Gute-Arbeit Analysetext G-Fischer d.pdf 893 KB

2016 11 21 Barometer-Gute-Arbeit Forderungen A-Wuethrich d.pdf 111 KB

2016 11 21 Studie Barometer-Gute-Arbeit d.pdf 2058 KB

21. November 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Lohnerhöhungen sind möglich und nötig

In einigen Branchen und auf dem Arbeitsmarkt sind die Folgen des überbewerteten Frankens noch spürbar, aber insgesamt kann für 2016 ein solides Wirtschaftswachstum erwartet werden. Diese stabile Wirtschaftslage ist nicht zuletzt dem Einsatz und Flexibilität der Arbeitnehmenden zu verdanken – dies gilt es jetzt zu belohnen. Eine Steigerung der Kaufkraft für die Arbeitnehmenden ist sowohl nötig als auch volkswirtschaftlich sinnvoll, hilft sie doch den privaten Konsum als Konjunkturstütze zu erhalten. Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union fordern deshalb, dass im Lohnherbst 2016 die Mehrheit der Arbeitnehmenden Lohnerhöhungen in der Grössenordnung von einem Prozent erhalten. mehr

Die Prognosen lassen im laufenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1.4 Prozent erwarten, der Eurokurs hat sich seit fast einem Jahr bei rund 1.10 eingependelt und auch aus der Industrie kommen vermehrt positive Signale. Es gibt Anzeichen, dass der Tiefpunkt nach der Aufhebung des Mindestkurses durch die Nationalbank überwunden ist – einzig der Arbeitsmarkt spürt noch deutliche Nachwehen. Aber in diesem Lohnherbst müssen für die Arbeitnehmenden der allermeisten Unternehmen spürbare Lohnerhöhungen möglich sein.

Arbeitnehmende mit grossem Einsatz

Die Arbeitnehmenden haben grossen Einsatz und Flexibiltät gezeigt – teilweise gar temporäre Arbeitszeitverlängerungen akzeptiert und mit bescheidenen Lohnentwicklungen in den letzten Jahren dazu beigetragen, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. Dies gilt es zu belohnen: Die im Zuge der Frankenaufwertung vereinbarten Sondermassnahmen müssen rückgängig gemacht werden, in der Lohnrunde müssen mit überwiegend generellen Lohnerhöhungen alle Arbeitnehmenden am Wirtschaftswachstum beteiligt werden und dem Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Lohnerhöhungen von 1 Prozent – auch als Konjunkturstütze

Die wirtschaftliche Lage in der Schweiz ist stabil, die grössten Konjunkturrisiken liegen derzeit bei der Politik. Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ist nach wie vor unklar, die bilateralen Verträge mit der EU somit latent gefährdet. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit-Entscheides auf die wichtigsten Handelspartner der Schweiz sind noch nicht absehbar. Und mit der Unternehmenssteuerreform III werden Bund, Kantone und Gemeinden ihre Ausgaben massiv und ruppig zurückfahren müssen. Eine Erhöhung der Kaufkraft der Arbeitnehmenden ist somit auch volkswirtschaftlich notwendig, damit der private Konsum als wichtigste Konjunkturstütze der letzten Zeit erhalten bleibt.

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, und die angeschlossenen Verbände Syna, transfair und Hotel&Gastro Union fordern deshalb, dass im Lohnherbst 2016 den meisten Arbeitnehmenden Lohnerhöhungen in der Grössenordnung von einem Prozent gewährt werden.

Mehr Informationen:
Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, Tel. 076 412 30 53
Arno Kerst, Präsident der Gewerkschaft Syna, Tel. 079 598 67 70
Esther Lüscher, Präsidentin Hotel & Gastro Union, Tel. 079 417 92 56
Anja Schuler, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Personalverbands transfair, Tel. 079 239 98 19

Anhang Grösse

2016 08 09 Dossier MK-Lohnforderungen 2017 d.pdf 1049 KB

09. August 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Bonispirale dreht sich wieder – mit hohen politischen Kosten

Seit über einem Jahrzehnt untersucht Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Entwicklung der Managerlöhne. Das Fazit der 12. Erhebung ist alarmierend: Die Chefs gewähren sich satte Lohnerhöhungen, während bei den tiefen Einkommen Lohndruck, Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz zunehmen. Auch die Abzockerinitiative zeigt keine Wirkung und die Lohnschere öffnet sich weiter und ist so gross, wie seit fünf Jahren nicht mehr. Nun ist die Politik gefordert, mit einer griffigen Aktienrechtsrevision diese Auswüchse zu begrenzen und über einen Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen den Nutzen der hohen Managerlöhne für die Allgemeinheit zu vergrössern. mehr

Bereits zum zwölften Mal in Folge hat Travail.Suisse die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in 27 Schweizer Unternehmen untersucht. Die Analyse fördert beunruhigende Entwicklungen zu Tage.

Satte Salärerhöhungen für die Chefetagen –Lohnschere öffnet sich

Die Cheflöhne haben 2015 einen grossen Sprung nach oben gemacht: In 22 von 27 untersuchten Unternehmen stieg die Entschädigung für den CEO im Schnitt um satte 9%. Unrühmlicher Spitzenreiter ist Tidjane Thiam von der Credit Suisse. Zusammen mit der Antrittsprämie (in Form einer Kompensation der entgangenen Boni beim alten Arbeitgeber) kommt er 2015 auf eine Entschädigung von über 20 Millionen Franken (+ 117% gegenüber dem Vorjahr). Daneben wurde aber auch bei Lonza (+ 58%), Valora (+ 54%), UBS (+ 28%), Kuoni (+ 23%), Georg Fischer (+ 22%) und ABB (+20%) deutlich an der Bonispirale gedreht. „Von solchen Zahlen wagen Personen mit tiefen Einkommen nicht einmal zu träumen“, sagt Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse „In mehr als zwei Drittel aller untersuchten Unternehmen ist die Lohnschere 2015 weiter aufgegangen, damit geht der Bonirausch in die nächste Runde“, sagt Wüthrich. Die Credit Suisse (1:363), die UBS (1:275) und Roche (1:273) wiesen 2015 wieder Lohnscheren aus wie zuletzt 2010.

Abzockerinitiative ohne Wirkung

Die Resultate zeigen deutlich, dass die Abzockerinitiative keinerlei mässigenden Einfluss auf die Höhe der Managerlöhne hat. Die Stärkung der Aktionärsrechte führt zwar zu Abstimmungen über die Entschädigung des Managements an den Generalversammlungen. Dabei wird aber grossmehrheitlich gemeinsam über die fixen und variablen Teile (Boni) sowie prospektiv – also im Voraus und ohne Kenntnis über den Geschäftsgang – abgestimmt. Auch Antrittsprämien, welche die Manager aus den Bonusplänen der bisherigen Arbeitgeber freikaufen, sind nach wie vor zulässig, ebenso wie Lohnfortzahlungen, respektive Beratermandate in Millionenhöhe nach Ende der Beschäftigung.

Es braucht griffige Massnahmen der Politik

Die sich öffnenden Lohnscheren führen zu einer Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft. Die Annahme der Abzockerinitiative und noch viel mehr der Masseneinwanderungsinitiative zeigen die unabsehbaren politischen Kosten. Es braucht also dringend vertrauensbildende Massnahmen durch die Politik und einen grösseren Nutzen der hohen Managerlöhne für die Allgemeinheit. Handlungsbedarf sieht Travail.Suisse in folgenden Bereichen:

• Griffige Aktienrechtsrevision: Mit der angenommenen Abzockerinitiative wurden die Aktionärsrechte gestärkt werden. Ein dämpfender Effekt auf die Managerlöhne ist aber nicht feststellbar und es bestehen weiterhin Schlupflöcher und Umgehungsmöglichkeiten für Antritts- und Abgangsentschädigungen. In der anstehenden Aktienrechtsrevision müssen hier zwingend griffigere Massnahmen eingeführt werden.

• Steuertransparenz und Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen: Da die Begrenzung der hohen Saläre politisch nicht mehrheitsfähig ist und die Stärkung der Aktionärsrechte das Problem nicht lösen wird, muss der Nutzen der hohen Saläre für die Gesellschaft erhöht werden. Es braucht Steuertransparenz für hohe Einkommen und eine politische Diskussion über einen Solidaritätsbeitrag.

• Löhne und Arbeitsplätze schützen: Die Vorstellung, dass oben die Saläre munter steigen und unten Lohndruck, Arbeitsbelastung und Angst vor Arbeitsplatzverlust zunimmt, trägt wesentlich zum Unbehagen in der Bevölkerung bei. Es braucht einen besseren Schutz der Löhne und der Arbeitsplätze.

• Tiefsteuerpolitik für Unternehmen beenden: Mit der Unternehmenssteuerreform III werden umfassende Steuersenkungen in Milliardenhöhe für die Unternehmen ermöglicht. Die dadurch notwendigen Sparpakete treffen den Mittelstand und die tiefen Einkommen. Dies vergrössert die Kluft zwischen breiten Bevölkerungsschichten und der Wirtschaft. Es braucht eine Korrektur dieser Steuerpolitik.

Weitere Informationen:

• Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, 079 287 04 93
• Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53

Anhang Grösse

2016 06 20 DOSSIER Medienkonferenz Managerloehne d.pdf 992 KB

20. Juni 2016, Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Lancierung der Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“

Das Parlament hat den Vaterschaftsurlaub insgesamt über 30 Mal von Tisch gewischt. Doch der Puls beim Volk fühlt sich anders an: 80% der Stimmberechtigten wollen einen Vaterschaftsurlaub. Aus diesem Grund hat sich eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz unter dem Dach des Vereins „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ zusammengeschlossen und lanciert heute die Volksinitiative für 20 Tage Vaterschaftsurlaub – flexibel und tageweise zu beziehen innert einem Jahr nach der Geburt des Kindes. mehr

Die Kluft zwischen Politik und Bevölkerung beim Thema Vaterschaftsurlaub ist gross. Deshalb nehmen die Dachverbände der Arbeitnehmenden (Travail.Suisse), der Männer- und Väterorganisationen (männer.ch), der Frauenorganisationen (Alliance F) und der Familienorganisationen (Pro Familia) – zusammen über 140 Vereine und Verbände – das Heft in die Hand und lancieren heute die Volksinitiative „Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie“.

Vaterschaftsurlaub: Zum Nutzen von Familie und Gesellschaft

Die Geburt eines Kindes verändert alles: Die Familie, das Paar, die Arbeit, die Freizeit. Es ist ein Findungsprozess, in dem Mutter und Kind ihren biologischen Platz und die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen haben. Beim Vater ist das anders: In der Schweiz existiert kein Recht auf bezahlten oder unbezahlten Urlaub. Das ist umso schlimmer, als die positiven Effekte eines frühen väterlichen Engagements belegt sind: Die Bindung zum Baby ist stärker und die Teilnahme am Aufwachsen des Kindes intensiver. Kinder involvierter Väter sind sozial kompetenter, haben mehr schulischen Erfolg und sind psychisch robuster. Die Väter profitieren, indem sie das Gleichgewicht schneller finden zwischen den verschiedenen Rollen als Partner, Vater und Berufsmensch – was sich positiv auf ihr Gesundheit sogar auf die Produktivität im Job auswirkt. Auch für die Mütter sind präsente Väter wichtig, sie werden mehr unterstützt, ihre Gesundheit ist besser und die Beziehungszufriedenheit ist höher. Ausserdem erleichtert ein Vaterschaftsurlaub den Frauen den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben und fördert so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, was wiederum eine höhere Erwerbskontinuität, bessere berufliche Karriereaussichten und höhere AHV/EO/IV-Einnahmen ermöglicht.

Vaterschaftsurlaub: Fördert die Vereinbarkeit und wirkt gegen den Fachkräftemangel

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist von höchster volkswirtschaftlicher Wichtigkeit. Trotzdem macht die Schweiz sehr wenig dafür und das, obschon die Politik ständig den Fachkräftemangel beklagt. Die erste Zeit nach der Geburt ist weichenstellend, auch bezüglich Erwerbstätigkeit der Frauen: Sind die Väter in dieser Zeit nicht bei der Familie, so verpassen sie eine wichtige Lernerfahrung – sie riskieren, fachlich von den Müttern abgehängt zu werden. Dies wiederum festigt die Rolle der Mutter zu Hause. Das hat zu Folge, dass Frauen weniger oder gar nicht erwerbstätig sind. 20 Tage flexibel beziehbarer Vaterschaftsurlaub ermöglicht dem Vater, nach der Geburt ein starker Partner zu sein. Dies indem er z.B. nebst der Umsorgung von Mutter und Kind auch allfällige Geschwister des Neugeborenen betreuen, die Eingewöhnung in der Kindertagesstätte übernehmen, im Haushalt anpacken oder bei den Grosseltern das Kinderzimmer einrichten kann. So könnte ein Vater z.B. zwei Wochen nach der Geburt zu Hause bleiben und mit den verbleibenden Tagen während 10 Wochen um 20 Prozent reduzieren – damit gewinnen die Arbeitnehmenden, die so das Teilzeitmodell ausprobieren können, wie auch die Arbeitgeber, welche die Absenzen gut einplanen und vorbereiten können.

Vaterschaftsurlaub: Eine Chance für die Schweizer Wirtschaft

Ein Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen wirkt sich positiv auf die KMU aus, denn die heutige Situation ist weder gerecht, noch solidarisch. Glück hat, wer in einer grossen Firma oder in der Verwaltung angestellt ist. Arbeitet der Vater jedoch in einer KMU, so hat er höchst wahrscheinlich weniger Glück und muss sich entweder mit einem Tag zufrieden geben, Ferientage opfern oder – wenn die Familie es sich leisten kann und der Arbeitgeber einverstanden ist – unbezahlten Urlaub nehmen. Das vorgeschlagene Modell mit der Finanzierung über die Erwerbsersatzordnung (EO) erlaubt es allen Firmen einen Vaterschaftsurlaub anzubieten, der seinen Namen auch verdient und verschiedene Bezugsmöglichkeiten bietet. Das bedeutet gleich lange Spiesse für alle Unternehmen. Das Beispiel des Mutterschaftsurlaubs zeigt, dass die Betriebe mit den Absenzen umzugehen wissen. Kommt hinzu, dass Abwesenheiten wegen Militärdienstpflicht in den Unternehmen heute deutlich seltener geworden sind. 20 Tage Vaterschaftsurlaub sind deshalb gut verkraftbar.

Vaterschaftsurlaub: Nicht teurer als eine Tasse Kaffee im Monat

Der Bundesrat veranschlagt in seinem Bericht von 2013 die Kosten für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub (28 Taggelder) auf rund 384 Millionen Franken. Das entspricht rund 0,12 Prozent der Lohnsumme in der Schweiz, d.h. auf die Arbeitnehmenden und Arbeitgeber entfallen je rund 0.06 Lohnprozente. Bei einem Monatslohn von 6000 Franken bedeutet das 3.60 Franken – nicht mehr als eine Tasse Kaffee. Ein Vaterschaftsurlaub ist bezahlbar.

Ein echter Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen ist eine Investition in die Zukunft: notwendig, zeitgemäss und bezahlbar. Er stellt einen ersten konkreten Schritt hin zu einer Elternzeit dar, mit dem die Errungenschaft des Mutterschaftsurlaubs keinesfalls angetastet werden darf. Der Vaterschaftsurlaub nützt den Vätern, den Kindern, den Müttern, den Arbeitnehmenden und den Arbeitgebern – der ganzen Gesellschaft.

Mehr Infos unter: www.vaterschaftsurlaub.ch

Die Unterschriftensammlung der Vaterschaftsurlaub-Initiative startet gleichzeitig auf der Strasse wie auch im Internet. Die Initiative kann auf https://www.wecollect.ch/de/campaign/vaterschaftsurlaub/ unterzeichnet werden. Über die unabhängige Plattform wurden bereits über 40’000 Unterschriften gesammelt.

Weitere Auskünfte:
• Adrian Wüthrich, Präsident Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“; Präsident Travail.Suisse, Mobil: 079 287 04 93
• Clivia Koch, Vize-Präsidentin Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“; Vorstandsmitglied Alliance F, Mobile: 079 417 79 58
• Arno Kerst, Präsident Syna, Mobile: 079 598 67 70
• Markus Theunert, Generalsekretär männer.ch, Mobile: 079 238 85 12
• Stefan Müller-Altermatt, Präsident transfair, Mobile: 076 332 15 26
• Laurent Wehrli, Präsident Pro Familia Schweiz, 079 221 80 62
• Gerhard Andrey, Partner Liip AG, Mobil: 078 694 25 11

Anhang Grösse

Medienkonferenz Vaterschaftsurlaub Foto-highres.jpg 2606 KB

2016 05 24 Factsheet-Modell-20-Tage-Vaterschaftsurlaub d.docx 54 KB

2016 05 24 Factsheet-Vaterschaftsurlaub Rechtl-Situation-heute d.docx 54 KB

2016 05 24 Dossier MK-Lancierung-Vaterschaftsurlaub d.pdf 956 KB

24. Mai 2016, Adrian Wüthrich, Präsident Drucker-icon

Weiterbildung: Die Arbeitgeber sind gefordert!

Der Anpassungsdruck aufgrund des wirtschaftlichen und technologischen Wandels zwingt die Arbeitnehmenden, sich laufend weiterzubilden. Dabei sind sie auf die finanzielle, zeitliche und organisatorische Unterstützung ihrer Arbeitgeber angewiesen. Diese müssen dafür sorgen, dass – um die vielfältigen Herausforderungen (z.B. Frankenstärke, demografische Probleme und Fachkräftemangel) bewältigen zu können – ihre Belegschaft fit gemacht und fit gehalten wird. Das neue Weiterbildungsgesetz setzt diesbezüglich neue Massstäbe, auf die sich die Arbeitgeberseite vorbereiten muss. mehr

Am 1. Januar 2017 tritt das erste eidgenössische Weiterbildungsgesetz WeBiG in Kraft. Sein Zweck ist es, die Weiterbildung im Bildungsraum Schweiz zu stärken (vgl. Art. 1.1 WeBiG).

Das neue Weiterbildungsgesetz verlangt unter anderem von den öffentlichen und privaten Arbeitgebern, dass sie die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begünstigen (Art. 5.2 WeBiG). Konkret bedeutet dies, dass sie ihre Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeitenden auch im Hinblick auf die Weiterbildung wahrzunehmen haben. Dazu haben sie zum Beispiel ein günstiges Umfeld für Bildung im Unternehmen zu schaffen. Bei der Umsetzung der Fürsorgepflicht appelliert das WeBiG an die Selbstverantwortung der Arbeitgeber. Aus Arbeitnehmersicht darf daher erwartet werden, dass ein Arbeitgeber in einem betrieblichen Weiterbildungsleitbild den Mitarbeitenden aufzeigt, wie er seine „Selbstverantwortung“ in Bezug auf die Weiterbildung wahrnehmen will und wie er seine finanzielle, zeitliche und organisatorische Unterstützung der Mitarbeitenden im Hinblick auf die Weiterbildung sieht.

Von Bedeutung ist dabei, dass er allen Mitarbeitenden die Chance eröffnet, an Weiterbildung teilzunehmen. Denn alle Arbeitnehmenden stehen bildungsmässig im Verlaufe ihres Arbeitslebens vor vielfältigen Herausforderungen. Sie haben eine Weiterbildungsstrategie zu entwickeln, welche Dequalifizierungen vorbeugt, Antworten auf mögliche Gesundheitsprobleme bereit hält, die berufliche Motivation bewahrt, Berufswechsel und horizontale Karrieren ermöglicht, und zwar in einem Umfeld, das sowohl von persönlichen, technologischen und betrieblichen Veränderungen wie auch von einer überaus vielfältigen Bildungswelt mit unterschiedlichsten Angeboten geprägt ist. Insbesondere auch gering qualifizierte Personen sind bei der Bewältigung dieser Aufgaben auf Unterstützung der Arbeitgeber angewiesen.

Die Arbeitgeber sind aber nicht nur durch die Fürsorgepflicht herausgefordert, ein Weiterbildungsleitbild zu entwickeln. Auch die aktuellen Probleme (technische und soziale Veränderungen, Frankenstärke, demografische Probleme und Fachkräftemangel) rufen nach vielfältigen Bildungsmassnahmen, welche die Belegschaft fit machen und fit halten sollen für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben.

Auch wenn das Weiterbildungsgesetz die Arbeitnehmendenverbände nicht erwähnt, so tragen wir nach unserem Verständnis trotzdem eine Verantwortung für die Weiterbildung der Arbeitnehmenden. Wir haben die Aufgabe, uns für optimale Rahmenbedingungen für die Weiterbildung der Arbeitnehmenden einzusetzen und ihnen auch bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Weiterbildungsstrategie zu helfen. Dazu stehen uns insbesondere das Instrumente der Gesamtarbeitsverträge, die politische Arbeit, aber auch ein eigenes Bildungsinstitut zur Verfügung. Wichtig für uns ist aber auch das «Barometer Gute Arbeit», welches uns hilft, die Unterstützung der Arbeitnehmenden durch die Arbeitgeber regelmässig zu messen.

Für mehr Informationen:
Adrian Wüthrich, Präsident von Travail.Suisse, Tel. 079 287 04 93
Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident von Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik, Tel. 079 348 71 67

Anhang Grösse

2015 01 18 MK Weiterbildung Grundsatzdokument.pdf 541 KB

2016 01 18 MK Weiterbildung Redetext Adrian Wüthrich.pdf 126 KB

2016 01 18 MK Weiterbildung Redetext JA Maire D.pdf 131 KB

2015 01 18 MK Weiterbildung Redetext B Weber.pdf 119 KB

18. Januar 2016, Adrian Wüthrich, Präsident und Bruno Weber-Gobet, Leiter Bildungspolitik Drucker-icon

Medienkontakte

Kontaktperson für Medienanfragen

Kontaktperson für Medienanfragen:

Linda Rosenkranz
Leiterin Kommunikation
031 370 2111 oder
079 743 5047
rosenkranz@travailsuisse.ch

Anwesend: Montag bis Mittwoch

Medienmitteilungen

Medienservice

Medienkonferenzen

Investieren in ältere Arbeitnehmende lohnt sich!

Zum Mediendossier

Archiv